Aus einem Ende ein neuer Anfang

Schon in der Bibel wurden die Hoffnungen der Christen verspottet. Die Christen der ersten Generation, die fest daran geglaubt hatten, Jesus werde bald wiederkommen und sein Reich des Friedens aufrichten, waren gestorben und schienen im Unrecht gewesen zu sein. Die Zyniker und Lästerzungen äußerten ihre Zweifel immer lauter. Daraufhin redet der zweite Petrusbrief auf seine Weise vom Ende.

Einsen und Nullen schweben durcheinander

Einsen und Nullen – nach dem 2. Petrusbrief sind 1000 Jahre wie ein Tag (Grafik: pixabay.com)

direkt-predigtGottesdienst am Ewigkeitssonntag, 23. November 2008, 10.00 Uhr in der Pauluskirche Gießen (in blauer Farbe sind zusätzlich Stellen eingefügt aus der ursprünglichen Version am 25. November 1990, 9.30 Uhr in der Landesnervenklinik Alzey)

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Am Ende des Kirchenjahres denken wir über das Ende nach, vor allem über das Ende des Lebens der Menschen, über unseren Tod. Heute, am Ewigkeitssonntag denken wir ganz besonders an Menschen, die uns vertraut gewesen und in den letzten zwölf Monaten gestorben sind.

Doch indem wir über das Ende nachdenken, lassen wir unsere Gedanken von Worten der Bibel auch in eine andere Richtung lenken: Wenn alles einen Anfang hatte, muss dann nicht auch alles ein Ende haben? Aber wie sieht dieses Ende aus? Müssen wir davor Angst haben? Wo wir Menschen am Ende sind, ist Gottes Kraft noch nicht am Ende. Wir hören heute in der Predigt, wie Gott aus einem Ende einen neuen Anfang machen kann.

Wir singen aus dem Lied 352 die Strophen 1 und 4 bis 6:

1) Alles ist an Gottes Segen und an seiner Gnad gelegen über alles Geld und Gut. Wer auf Gott sein Hoffnung setzet, der behält ganz unverletzet einen freien Heldenmut.

4) Hoffnung kann das Herz erquicken; was ich wünsche, wird sich schicken, wenn es meinem Gott gefällt. Meine Seele, Leib und Leben hab ich seiner Gnad ergeben und ihm alles heimgestellt.

5) Er weiß schon nach seinem Willen mein Verlangen zu erfüllen, es hat alles seine Zeit. Ich hab ihm nichts vorzuschreiben; wie Gott will, so muss es bleiben, wann Gott will, bin ich bereit.

6) Soll ich hier noch länger leben, will ich ihm nicht widerstreben, ich verlasse mich auf ihn. Ist doch nichts, das lang bestehet, alles Irdische vergehet und fährt wie ein Strom dahin.

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

Wir beten mit Psalm 90, im Gesangbuch steht er unter Nr. 735. Die Frauen lesen bitte die nach rechts eingerückten, die Männer mit mir die linksbündigen Verse:

1 Herr, du bist unsre Zuflucht für und für.

2 Ehe denn die Berge wurden und die Erde und die Welt geschaffen wurden, bist du, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit.

3 Der du die Menschen lässest sterben und sprichst: Kommt wieder, Menschenkinder!

4 Denn tausend Jahre sind vor dir wie der Tag, der gestern vergangen ist, und wie eine Nachtwache.

5 Du lässest sie dahinfahren wie einen Strom, sie sind wie ein Schlaf, wie ein Gras, das am Morgen noch sprosst,

6 und des Abends welkt und verdorrt.

7 Das macht dein Zorn, dass wir so vergehen, und dein Grimm, dass wir so plötzlich dahin müssen.

8 Denn unsre Missetaten stellst du vor dich, unsre unerkannte Sünde ins Licht vor deinem Angesicht.

9 Darum fahren alle unsre Tage dahin durch deinen Zorn, wir bringen unsre Jahre zu wie ein Geschwätz.

10 Unser Leben währet siebzig Jahre, und wenn’s hoch kommt, so sind’s achtzig Jahre, und was daran köstlich scheint, ist doch nur vergebliche Mühe; denn es fähret schnell dahin, als flögen wir davon.

11 Wer glaubt‘s aber, dass du so sehr zürnest, und wer fürchtet sich vor deinem Grimm?

12 Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.

13 HERR, kehre dich doch endlich wieder zu uns und sei deinen Knechten gnädig!

14 Fülle uns frühe mit deiner Gnade, so wollen wir rühmen und fröhlich sein unser Leben lang.

15 Erfreue uns nun wieder, nachdem du uns so lange plagest, nachdem wir so lange Unglück leiden.

16 Zeige deinen Knechten deine Werke und deine Herrlichkeit ihren Kindern.

17 Und der Herr, unser Gott, sei uns freundlich und fördere das Werk unsrer Hände bei uns. Ja, das Werk unsrer Hände wollest du fördern!

Kommt, lasst uns ihn anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Wer nur auf das Böse in der Welt schaut und immer klagt: „Das Leben ist nicht fair!“, der lebt im Zorn auf Gott zugleich unter Gottes Zorn, der fühlt sich gestraft und vom Tod bedroht schon mitten im Leben. Wer aber das Leben dankbar aus Gottes Hand nimmt, der kann am Ende ein erfülltes Leben auch wieder loslassen.

Guter Gott, ein begrenztes Leben schenkst du uns. Ein kostbares Geschenk, eingewickelt nicht in Geschenkpapier, sondern umgrenzt von Zeit, die nicht unsere Zeit ist: vor unserer Geburt und nach unserem Tod. Lehre uns bedenken, wie kostbar unsere Lebenszeit ist. Lass uns keine Stunde vergeuden, sondern das Leben dankbar leben, in Liebe.

Wir rufen zu dir: Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Lasst uns zu Gott beten mit dem Psalm 121:

1 Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe?

2 Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

3 Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen, und der dich behütet, schläft nicht.

4 Siehe, der Hüter Israels schläft und schlummert nicht.

5 Der Herr behütet dich; der Herr ist dein Schatten über deiner rechten Hand,

6 dass dich des Tages die Sonne nicht steche noch der Mond des Nachts.

7 Der Herr behüte dich vor allem Übel, er behüte deine Seele.

8 Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit!

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende“.

Der Herr sei mit euch „und mit deinem Geist.“

Barmherziger Vater im Himmel, wo etwas zu Ende geht, da schaffst Du einen neuen Anfang. Wo wir nur Leiden und Tod sehen, da schaffst Du neues Leben und neue Freude. Wo wir nichts mehr erwarten, kommst Du uns entgegen auf unserem Weg. Schenke uns die Geduld, dass wir auf Dich warten und Dir etwas zutrauen. Das erbitten wir von Dir durch Jesus Christus, unseren Herrn. „Amen.“

Wir hören die Lesung aus der Offenbarung 21, 1-6:

1 Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr.

2 Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann.

3 Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein;

4 und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.

5 Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Und er spricht: Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiss!

6 Und er sprach zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.

Herr, dein Wort ist unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Wege. Halleluja! „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Glaubensbekenntnis

Wir singen das Lied 533:

Du kannst nicht tiefer fallen als nur in Gottes Hand

Liebe Gemeinde! Wir hören die Worte des Johannes in der Offenbarung von dem Gott, der bei uns wohnen will und die Tränen von unseren Augen abwischt. Ein neuer Himmel, eine neue Erde, wann werden sie kommen? Müssen wir warten bis zum Untergang der Welt? Einen Vor-Schein der neuen Welt Gottes nehmen wir schon hier in unserer alten Welt und dem alten Himmel wahr, wo Gottes Liebe uns berührt. Außerdem: erlebt nicht jeder einzelne von uns, ganz individuell, am Ende des eigenen Lebens seinen persönlichen Welt-Untergang? Dann, so lässt uns Johannes in seiner Offenbarung hoffen, ist für uns nicht alles zu Ende, sondern wir beginnen neu zu leben – dort, wo es keinen Tod mehr gibt, wo jedes Leid und jeder Schmerz vergangen sein werden. Die Menschen, die uns ans Herz gewachsen waren, die wir hergeben mussten, als sie im vergangenen Jahr gestorben sind, sie sind nicht verloren, sie sind auf neue Weise lebendig in Gott – sie „werden in ihm leben und sein in Ewigkeit“.

Für alle Verstorbenen, für die wir von der Paulusgemeinde aus im vergangenen Kirchenjahr eine kirchliche Trauerfeier gehalten haben, zünden wir heute eine Kerze an. Ein Licht zum Zeichen, dass die Toten bewahrt bleiben in Gottes ewiger Liebe. Ein Licht auch zum Zeichen, dass wir mit den Toten in Liebe verbunden bleiben.

So schließen wir in unsere Fürbitte ein und zünden eine Kerze an – für:

36 Verstorbene in der evangelischen Paulusgemeinde.

Vielleicht gibt es noch andere Menschen, um die Sie trauern, die nicht hier oder nicht in diesem Jahr bestattet worden sind. Sie können, wenn Sie möchten, jetzt nach vorn kommen und auch für sie eine Kerze anzünden.

Wir singen das Lied 376:

1. So nimm denn meine Hände und führe mich bis an mein selig Ende und ewiglich. Ich mag allein nicht gehen, nicht einen Schritt: wo du wirst gehn und stehen, da nimm mich mit.

2. In dein Erbarmen hülle mein schwaches Herz und mach es gänzlich stille in Freud und Schmerz. Lass ruhn zu deinen Füßen dein armes Kind: es will die Augen schließen und glauben blind.

3. Wenn ich auch gleich nichts fühle von deiner Macht, du führst mich doch zum Ziele auch durch die Nacht: so nimm denn meine Hände und führe mich bis an mein selig Ende und ewiglich!

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Liebe Gemeinde, dieses Lied „So nimm denn meine Hände“ haben wir oft gesungen oder auf der Orgel gehört bei den Trauerfeiern im letzten Jahr. Es ist, wenn wir genau hinhören, die Bitte um Führung durch Gott „bis an mein selig Ende“. Ein seliges Ende, ein seliges Sterben, das wäre ja, wörtlich genommen, ein „glückliches Sterben“. Kann Sterben denn ein glückliches Ende sein?

Ich stelle die Antwort auf diese Frage noch einmal zurück und beginne grundsätzlicher. Ich denke nach über das Ende. Es ist normal: Was einen Anfang hat, wird auch ein Ende haben. Das gehört zu unserem Leben als Menschen dazu.

Das fängt bei den kleinen Dingen an. Dieser Gottesdienst hat ein Ende. Jeder Tag fängt morgens an und hört abends auf. Das ist uns selbstverständlich, aber nicht immer können wir uns damit abfinden. Z. B. wenn ein schöner Film im Fernsehen zu Ende geht. Ooooh, denken wir, wie schade! Oder wenn die Schokolade alle ist, die man so gern gegessen hat.

Jeder Tag endet, hoffentlich mit einem Feierabend, aber auf jeden Fall in der Nacht. Jeder Genuss, den wir uns gönnen, geht irgendwann zu Ende, hoffentlich mit dem Gefühl der Zufriedenheit, aber oft auch viel zu schnell, mit der Lust auf mehr. Hin und wieder sehnen wir uns ein Ende auch herbei, nämlich dann, wenn wir etwas Unangenehmes oder Leidvolles erleben. Der Tod in sehr hohem Alter kann als natürliches Ende empfunden werden. Und nach einem qualvoll durchgestandenen Siechtum kommt der Tod für manchen als eine Erlösung.

Für uns als Christen ist es eine von Gott gewollte Ordnung, dass alles, so wie es einen Anfang, auch ein Ende hat. In dieser Predigt möchte ich dem mit Ihnen gemeinsam Ausdruck verleihen, indem wir zwischendurch das Lied 175 singen:

Ausgang und Eingang, Anfang und Ende liegen bei dir, Herr, füll du uns die Hände.

Schlimm ist ein Ende, das wir nicht dem natürlichen Gang der Dinge zuordnen: wenn eine Freundschaft zerbricht, wenn jemand seine Arbeit verliert und keine Chance sieht, einen neuen Arbeitsplatz zu bekommen, wenn es sogar schon für junge Leute schwierig ist, überhaupt im Berufsleben Fuß zu fassen. Besonders traurig ist es, wenn jemand viel zu früh stirbt, wenn jemand aus dem Leben gerissen wird, ohne ein erfülltes Leben gelebt zu haben.

Die junge Frau, die an Krebs leidet, die weiß, sie wird nicht mehr gesund. Sie ordnet ihre Angelegenheiten, lebt in einem ständigen Auf und Ab ihrer Gefühle, sie muss Menschen zurücklassen, die ihr ans Herz gewachsen sind, es tut unendlich weh, sie so leiden zu sehen. Gibt es Hoffnung für sie, für ihre Angehörigen?

(Gerade vorgestern sprach ich mit einer jungen Frau, die wohl bald an Krebs sterben muss. Sie hat jahrelang gekämpft gegen die Krankheit und muss nun einsehen: sie wird nicht mehr gesund. Dieser Kampf ist zu Ende. Es gibt keine Hoffnung mehr, so denkt sie. Oder liegt doch noch eine Hoffnung über dem, was nun noch kommen kann? Es heißt ja nun: Abschied nehmen, das Leben loslassen, die geliebten Menschen zurücklassen; das ist ein schwerer, trauriger, schmerzhafter Weg. Ist dieser Weg ohne Hoffnung?)

Andere verzweifeln an ihrem Leben, weil sie statt Liebe nur Enttäuschungen erfahren. Sie könnten leben, aber manchmal denken sie daran, einfach Schluss zu machen. Sie sehnen das Ende herbei. Wie können sie neue Hoffnung gewinnen?

Wer sagt: „Ich bin am Ende!“, ist der Verzweiflung nahe, hat kaum noch Hoffnung. Was sollen wir nun tun? Sollen wir sagen: „Die Hoffnung stirbt zuletzt, aber irgendwann stirbt auch sie?“ Sollen wir sagen: „Hoffen und Harren hält manchen zum Narren?“ Oder vertrauen wir darauf, dass auch dann, wenn wir am Ende sind, Gott mit uns noch etwas vorhat?

(An dieser Stelle war ich in der ursprünglichen Predigt andere Wege gegangen, die auf dieser Seite ganz unten zu finden sind.)

Wir singen:

Ausgang und Eingang, Anfang und Ende liegen bei dir, Herr, füll du uns die Hände.

Schon in der Bibel gab es Menschen, die ihren Spott mit den Hoffnungen der Christen trieben. Der heutige Predigttext im zweiten Brief des Paulus stammt aus einer Zeit, in der schon viele Christen der ersten Generation gestorben waren. Diejenigen, die fest daran geglaubt hatten, Jesus werde bald wiederkommen und ein Reich des Friedens überall auf der Erde aufrichten, schienen im Unrecht zu sein. Die Zyniker und Lästerzungen äußerten ihre Zweifel immer lauter. Darauf antwortet der zweite Petrusbrief, indem er auf seine Weise vom Ende redet (2. Petrus 3):

3 Ihr sollt vor allem wissen, dass in den letzten Tagen Spötter kommen werden, die ihren Spott treiben, ihren eigenen Begierden nachgehen

4 und sagen: Wo bleibt die Verheißung seines Kommens? Denn nachdem die Väter entschlafen sind, bleibt es alles, wie es von Anfang der Schöpfung gewesen ist.

5 Denn sie wollen nichts davon wissen, dass der Himmel vorzeiten auch war, dazu die Erde, die aus Wasser und durch Wasser Bestand hatte durch Gottes Wort;

6 dennoch wurde damals die Welt dadurch in der Sintflut vernichtet.

7 So werden auch der Himmel, der jetzt ist, und die Erde durch dasselbe Wort aufgespart für das Feuer, bewahrt für den Tag des Gerichts und der Verdammnis der gottlosen Menschen.

8 Eins aber sei euch nicht verborgen, ihr Lieben, dass ein Tag vor dem Herrn wie tausend Jahre ist und tausend Jahre wie ein Tag.

9 Der Herr verzögert nicht die Verheißung, wie es einige für eine Verzögerung halten; sondern er hat Geduld mit euch und will nicht, dass jemand verloren werde, sondern dass jedermann zur Buße finde.

10 Es wird aber des Herrn Tag kommen wie ein Dieb; dann werden die Himmel zergehen mit großem Krachen; die Elemente aber werden vor Hitze schmelzen, und die Erde und die Werke, die darauf sind, werden ihr Urteil finden.

11 Wenn nun das alles so zergehen wird, wie müsst ihr dann dastehen in heiligem Wandel und frommem Wesen,

12 die ihr das Kommen des Tages Gottes erwartet und erstrebt, an dem die Himmel vom Feuer zergehen und die Elemente vor Hitze zerschmelzen werden.

13 Wir warten aber auf einen neuen Himmel und eine neue Erde nach seiner Verheißung, in denen Gerechtigkeit wohnt.

Wir singen:

Ausgang und Eingang, Anfang und Ende liegen bei dir, Herr, füll du uns die Hände.

Der zweite Petrusbrief hofft auf das Ende der Welt, damit alles besser wird. Diese Vorstellung ist mir fremd. Sie macht mir Angst. Müssen wirklich alle Elemente vor Hitze schmelzen, damit eine neue Erde kommen kann, auf der Gerechtigkeit wohnt? Anscheinend wurde dieser Brief von Christen geschrieben, die in einer so verzweifelten Situation lebten, in bitterer Armut, von römischen Behörden verfolgt, verspottet von Lästermäulern, dass sie keinen anderen Weg der Besserung mehr sahen als eine komplette Neuschöpfung der Welt. Mit dem Unrecht in dieser alten Welt wollten sie sich nicht abfinden. Sie meinten, so wie in den Tagen Noahs ein Weltgericht durch Wasser gekommen war, so werde bald das Böse in der Welt durch Feuer vernichtet. Diejenigen aber, die wie Noah auf Gott vertrauen und sich nicht an der Zerstörung der Schöpfung beteiligen, dürfen sich auf einen neuen Himmel und eine neue Erde freuen, wo man in Frieden und Gerechtigkeit wohnen kann.

Wie gesagt, ich verstehe das Anliegen dieser Christen. Aber ich zögere damit, diese Worte als Zukunftsvoraussage für unsere Zeit einfach zu übernehmen. Gerade weil wir Menschen inzwischen selber dazu in der Lage sind, Elemente zum Schmelzen zu bringen und Atompilze zum Himmel aufsteigen zu lassen, kann ich eine solche Weltuntergangsankündigung nicht als tröstlich für die Überlebenden empfinden.

Aber ich finde trotzdem Trost in den Worten des Petrusbriefs. Denn der Ton in diesen Worten liegt nicht auf dem Lust am Untergang, sondern auf der Freude auf das Neue, das Gott denen schenkt, die nicht aufhören, auf ihn zu hoffen. Egal ob die Welt untergeht oder nicht, wer auf Gott vertraut, bleibt bewahrt. Das ist der erste Punkt, auf den ich Wert lege. Das gilt auch für unseren persönlichen Weltuntergang, wenn wir sterben, wenn wir am Ende sind, wenn wir um geliebte Menschen trauern. Wer sogar auf einen neuen Himmel und eine neue Erde hoffen darf, der darf auch hoffen, dass es mit uns nicht aus ist in unseren persönlichen Lebenskatastrophen.

Wir singen:

Ausgang und Eingang, Anfang und Ende liegen bei dir, Herr, füll du uns die Hände.

Ein zweiter Trost im zweiten Petrusbrief liegt darin, dass die Weltuntergangsprophezeihungen in der Bibel immer als Warnungen und Ermahnungen zu verstehen sind, nicht als schicksalhafte Verfügungen, an denen man nichts ändern kann. Also: Wenn die Bibel den Weltuntergang ankündigt, dann hofft sie, nicht recht zu behalten. Sie hofft auf die Einsicht und Umkehr der Menschen, damit die Schreckensbilder, die sie an die Wand malt, nicht eintreffen.

Das wird deutlich, wo an die Zeit vor der Sintflut erinnert wird: Da hatte „die Erde aus Wasser und durch Wasser Bestand durch Gottes Wort.“ Das Leben entstand also aus dem Wasser und musste zugleich vor der Gewalt des Wassers geschützt werden. Es war von Anfang an geschenktes und gefährdetes Leben. Gott hatte es geschenkt, und nur durch das Wort seiner Liebe hatte es Bestand. Wenn die Menschen aber vergessen, wem sie sich und ihre Umwelt verdanken, und dass die Schöpfung sich nicht beliebig ausbeuten und zerstören lässt, dann richten sich die gleichen Elemente, die Leben gespendet hatten, nunmehr gegen die Menschen, und ihre Lebenswelt geht unter. Unsere Welt besteht nur durch Gottes Wort, das ein Wort der Liebe ist. Wir fangen heute an zu ahnen, dass eine Welt ohne Liebe und ohne Rücksicht auf die Natur sich selbst zerstört.

Übrigens: Schon die Geschichte von der Sintflut wird in der Bibel nicht erzählt aus Lust am Untergang, sondern aus Neugier für das, was Menschen überleben lässt: damals war es Noahs Vertrauen auf Gottes geniale Idee mit der Arche. Seitdem gilt Gottes Zusage (1. Buch Mose – Genesis 8, 21-22):

„Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen…

Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.“

Wir singen:

Ausgang und Eingang, Anfang und Ende liegen bei dir, Herr, füll du uns die Hände.

Wir haben zurückgeblickt auf die neue Chance der Menschheit nach der Sintflut. Jetzt blicken wir voraus auf die Befürchtung im zweiten Petrusbrief, dass in der Zukunft die Zeit der Erde insgesamt vorbei sein könnte, wenn die Menschen erneut vergessen, wie verletzbar und gefährdet die ihnen neu geschenkte Schöpfung ist. Ich höre hier eine doppelte Anklage und Ermahnung.

Die scharfe Anklage richtet sich an Spötter, die sagen: Gott wird sowieso nicht eingreifen. Es bleibt alles beim Alten in unserer Welt. Mit diesen Spöttern sind keine Kabarettisten gemeint, die mit Witz und Ironie menschliche Schwächen auf die Schippe nehmen. Spötter sind Menschen, die Gott und die Welt verachten und sich zugleich auf Kosten anderer Geschöpfe Vorteile verschaffen. Sie „gehen ihren eigenen Begierden nach.“ Sie wünschen sich keine Veränderung der Welt zum Besseren, so lange sie halbwegs vom Schlechten profitieren. Ihnen droht der zweite Petrusbrief ein böses Ende an, wenn sie nicht von ihren Wegen umkehren.

Zugleich werden aber auch die anderen ermahnt, die auf eine neue Welt hoffen. Sie sollen Geduld haben. Euch dauert es zu lange, bis sich alles ändert? Ihr seid es leid, den Spott der Leute zu hören: Wann greift euer Gott denn endlich ein? Denkt daran: Vor Gott sind tausend Jahre wie ein Tag. Eine für uns lange Zeit ist für ihn nur ein Augenblick. Und ein Augenblick, in dem wir Liebe erleben, ist für ihn vielleicht so wichtig und so lang wie tausend Jahre.

Und bedenkt auch: Gott will alle Menschen retten. „Er hat Geduld und will nicht, dass jemand verloren werde, sondern dass jedermann zur Buße finde.“ Darum habt auch ihr Geduld und verliert nicht den Mut, denn Gott hat auch mit euch Geduld, wenn ihr schwach werdet.

Der zweite Petrusbrief will also beide trösten: sowohl die, die jetzt noch spotten und lästern, weil sie immer noch nicht recht bei Trost sind, als auch die andern, die unter den Zynikern leiden: Beide, wir alle, dürfen diese Erde mitgestalten, so lange wir atmen und leben auf dieser Erde. Wir sind mitverantwortlich dafür, ob es Hoffnung für diese Welt gibt: Hoffnung lebt nämlich auch davon, was wir an Liebe empfangen und verschenken. Im Predigttext steht etwas von unserem heiligen Wandel und frommen Wesen. Damit ist nichts anderes gemeint, als dies: Liebe, die wir empfangen, verwandelt uns. Sie weckt in uns neue Kräfte, neuen Mut. Wir brauchen nicht jeden Wunsch erfüllt zu bekommen, um glücklich zu sein, wenn wir nur wissen: Gott hilft uns hindurch auch durch schwere Zeiten.

Wir singen:

Ausgang und Eingang, Anfang und Ende liegen bei dir, Herr, füll du uns die Hände.

Zum Schluss zur Frage des Anfangs zurück: Gibt es „seliges Sterben“? Kann unser Sterben zu einem glücklichen Ende werden?

Selbst wer sterben muss, wie die junge Frau, von der ich am Anfang erzählt habe, muss nicht ohne Trost und Hoffnung sein. Sie bleibt in Gottes Liebe geborgen. Sie muss nicht alle Schritte auf ihrem Weg allein gehen. Selig kann ein Sterben sein, wenn man das Leben, das ein Mensch geführt hat in Gottes Hände zurücklegen kann, mit allen Höhen und Tiefen, mit allen Prägungen und Brüchen. Und wenn wir auch nach einem erfüllten Leben dennoch vor Gott mit leeren Händen dastehen, dann ist das kein Unglück, denn Gott füllt uns gerade auch am Ende die Hände.

So schwer der Abschied und das Loslassen fällt, sogar der größte Schmerz kann ausgehalten werden, weil wir etwas zu erwarten haben über diese Welt hinaus, sogar über unseren Tod hinaus.

Wir singen noch einmal:

Ausgang und Eingang, Anfang und Ende liegen bei dir, Herr, füll du uns die Hände.
Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit Trost und Zuversicht und Frieden im Glauben. Amen.

Wir singen das Lied 382:

Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr

Guter Gott, im Himmel, von dir kommen wir her, und auf dich gehen wir zu. Schenke und bewahre uns das Vertrauen zu dir! Wenn wir am Ende sind, reiße uns heraus aus Angst und Verzweiflung, führe uns heraus aus Schuld und Verdammnis, schenke uns neuen Mut zum Leben.

Immer wenn für uns etwas zu Ende geht, dann mach uns Mut für einen neuen Anfang! Amen.

In der Stille bringen wir vor Gott, was wir außerdem auf dem Herzen haben:

Stille und Vater unser

Zum Schluss singen wir aus dem Lied 393 die Strophen 1 und 6 bis 8:

1. Kommt, Kinder, lasst uns gehen, der Abend kommt herbei; es ist gefährlich stehen in dieser Wüstenei. Kommt, stärket euren Mut, zur Ewigkeit zu wandern von einer Kraft zur andern; es ist das Ende gut, es ist das Ende gut.

6. Kommt, Kinder, lasst uns gehen, der Vater gehet mit; er selbst will bei uns stehen bei jedem sauren Tritt; er will uns machen Mut, mit süßen Sonnenblicken uns locken und erquicken; ach ja, wir haben’s gut, ach ja, wir haben’s gut.

7. Kommt, Kinder, lasst uns wandern, wir gehen Hand in Hand; eins freuet sich am andern in diesem wilden Land. Kommt, lasst uns kindlich sein, uns auf dem Weg nicht streiten; die Engel selbst begleiten als Brüder unsre Reihn, als Brüder unsre Reihn.

8. Sollt wo ein Schwacher fallen, so greif der Stärkre zu; man trag, man helfe allen, man pflanze Lieb und Ruh. Kommt, bindet fester an; ein jeder sei der Kleinste, doch auch wohl gern der Reinste auf unsrer Liebesbahn, auf unsrer Liebesbahn.

Abkündigungen

Nun geht mit Gottes Segen – wer möchte, ist herzlich eingeladen, bei einer Tasse Kaffee oder Tee im Gemeindesaal noch ein wenig zu verweilen und miteinander ins Gespräch zu kommen.

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“


Fortsetzung der Predigt vom Ewigkeitssonntag 1990:

Wenn die Bibel vom Ende spricht, macht sie immer auch Mut zum Hoffen. Das war schon in dem Psalm so, den wir gehört haben, im 90. Psalm, wo es heißt: „Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden!“ Denn wenn wir wissen, dass unser Leben ein Ende haben wird, dann nehmen wir das Leben vielleicht dankbarer aus Gottes Hand. Es ist uns nicht so selbstverständlich, was wir haben. Das Leben wird uns zu kostbar, als dass wir es wegwerfen oder vergeuden.

Und wenn wir meinen, dass für die Welt im Ganzen keine Hoffnung mehr besteht? Dass die Natur schon so kaputt ist, von Menschen zerstört, dass die Erde sich nicht mehr von ihren Verwundungen erholen kann? Was ist mit der Angst vieler Menschen vor dem Weltuntergang? Die Bibel weiß um diese Angst, und sie malt sogar in immer neuen Bildern und Farben aus, wie es sein wird, wenn es mit der Welt im Ganzen zu Ende geht. Aber sie tut das nicht, um uns noch mehr zu erschrecken.

Vielmehr will uns die Bibel trösten, und uns sagen: Selbst wenn die Welt untergeht – Gott lässt uns Menschen nicht verloren sein, nicht einen einzelnen von uns. Selbst wenn Himmel und Erde vergehen – Gott wird einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen. Selbst wenn es für das Alte keine Rettung mehr gibt – Gott spricht: „Siehe, ich mache alles neu!“ So lesen wir es z. B. in der Offenbarung, aus der wir vorhin einen Teil gehört haben. Ja, wenn alles zu Ende geht, ist für Gott noch lange nicht das Ende da.

Aber können wir das glauben? Nicht erst uns heutigen Menschen fällt das schwer. Unser Predigttext weiß auch schon von Menschen, die nicht mehr daran glauben können, dass Jesus einmal wiederkommen wird, dass Gott noch etwas mit der Welt vorhat, dass wir von Gott noch etwas zu erwarten haben.

Da heißt es in 2. Petrus 3, 3 und 4:

3 Ihr sollt… wissen, dass in den letzten Tagen Spötter kommen werden, die ihren Spott treiben, ihren eigenen Begierden nachgehen

4 und sagen: Wo bleibt die Verheißung seines Kommens? Denn nachdem die Väter entschlafen sind, bleibt es alles, wie es von Anfang der Schöpfung gewesen ist.

Es ist recht einfach, in eine solche Haltung hineinzugeraten. Bleibt nicht in unserer Welt immer wieder alles beim Alten? Es ändert sich so wenig. Viele erleben immer wieder neue Enttäuschungen. Und so mancher zieht daraus den Schluss: Es lohnt sich nicht, zu hoffen. Nicht für das Leben und nicht für das Sterben.

Und manche denken aus diesem Grund nur noch an sich selbst. Sie „gehen ihren eigenen Begierden nach“, wie es da heißt. Wer dabei Glück hat, wie man so sagt, wer gesund und im Wohlstand lebt, der mag dann überhaupt nicht gern daran denken, dass alles – auch dieses Glück – einmal ein Ende haben wird. Von dem, was wirklich glücklich macht, von Vertrauen und Liebe, davon wissen sie nichts, und sie meinen, sich an vergänglichen Freuden wenigstens so lange wie möglich festhalten zu müssen.

Umgekehrt, wer vom Pech verfolgt ist, wie wir es nennen, wen ein Unglück oder Krankheit getroffen hat, der fühlt sich dann oft ungerecht behandelt von Gott oder vom Schicksal, weil ihm die Wünsche, die er hat, nicht mehr erfüllt werden. Bitterkeit nistet sich in seinem Herzen ein, hartherzig kann er werden gegenüber seinen Mitmenschen.

Von der Bibel her gesehen, ist gar kein großer Unterschied zwischen Menschen, die Glück haben oder vom Pech verfolgt werden, so lange sie „ihren eigenen Begierden nachgehen“ und von Gott nichts erwarten. Der 2. Petrusbrief sagt von ihnen:

5 Denn sie wollen nichts davon wissen, dass der Himmel vorzeiten war, dazu die Erde, die aus Wasser und durch Wasser Bestand hatte durch Gottes Wort;

6 dennoch wurde damals die Welt dadurch in der Sintflut vernichtet.

Als die Erde geschaffen wurde, hatte sie „aus Wasser und durch Wasser“ Bestand. Das Leben entstand aus dem Wasser heraus, und es musste zugleich vor der Gewalt des Wassers geschützt werden. Es war von Anfang an geschenktes und gefährdetes Leben. Gott hatte es geschenkt, und nur durch das Wort seiner Liebe hatte es Bestand. Aber als die Menschen ihn völlig vergaßen, da richtete sich das gleiche Wasser, das Leben gespendet hatte, wieder gegen die Menschen, und die Welt wurde vernichtet.

Nach der Sintflut wurde die Welt den Menschen noch einmal neu geschenkt. Gott gab den Menschen noch eine Chance auf der Erde, bis heute, und noch länger.

Und wieder ist dieses neu geschenkte Leben sehr verletzbar, durchaus gefährdet. Der 2. Petrusbrief benutzt das Bild des Feuers, um die neue Bedrohung auszumalen.

7 So werden auch der Himmel, der jetzt ist, und die Erde durch dasselbe Wort aufgespart für das Feuer, bewahrt für den Tag des Gerichts und der Verdammnis der gottlosen Menschen.

10 Es wird aber des Herrn Tag kommen wie ein Dieb; dann werden die Himmel zergehen mit großem Krachen; die Elemente aber werden vor Hitze schmelzen, und die Erde und die Werke, die darauf sind, werden ihr Urteil finden.

Solche Bilder klingen seltsam vertraut in unseren Ohren, weil wir heute wissen, welche Verwüstungen die Flammen des Krieges hinterlassen und wie die Elemente schmelzen können in Atomexplosionen.

Nur durch Gottes Wort, nur durch seine Liebe, hat die Welt Bestand. Und wir fangen heute an zu ahnen, dass eine Welt ohne Liebe und ohne Rücksicht auf die Natur sich selbst zerstört.

Solche Gedanken machen nun aber doch Angst. Vor allem, wenn es da heißt, dass die gottlosen Menschen verdammt sein sollen? Kann Gott das wirklich wollen, dass manche Menschen für ewig verdammt sind? Ich kann es mir nicht vorstellen. Vielleicht will Petrus mit diesem Gedanken einfach ausmalen, wie schrecklich ein Leben ohne Gott sein muss. Wie einsam, wie verzweifelt, wie hoffnungslos muss sich jemand fühlen, der nicht auf Gott hoffen kann?

Dagegen setzt der 2. Petrusbrief die Zuversicht, dass niemand gottlos bleiben muss. Jeder bekommt noch eine Chance, zum Vertrauen zu Gott zurückzufinden, die Verzweiflung der Gottlosigkeit zu überwinden. Darum lässt sich Gott ja so viel Zeit bis zum Ende der Welt. Im Predigttext hört sich das so an:

9  Der Herr verzögert nicht die Verheißung, wie es einige für eine Verzögerung halten; sondern er hat Geduld mit euch und will nicht, dass jemand verloren werde, sondern dass jedermann zur Buße finde.

Alle können umkehren, alle können zu Gott kommen, dazu braucht man überhaupt nichts tun, außer zu denken, zu fühlen, zu spüren: „Gott, ich brauche dich!“ Christus ist ja gerade für die Sünder auf die Erde gekommen, er ist gerade für die Gottlosen gestorben. Wir müssen nicht besonders gut oder gar ohne Sünde sein, um von Gott geliebt zu werden. Er liebt uns, wie wir sind.

Und diese Liebe verwandelt uns. Sie weckt in uns neue Kräfte, neuen Mut, neue Hoffnung. Wir brauchen dann nicht jeden Wunsch erfüllt zu bekommen, um glücklich zu sein; denn wir wissen: Gott hilft uns hindurch auch durch schwere Zeiten.

Wenn wir uns lebensuntüchtig oder schuldig fühlen, wenn wir meinen, wir seien nichts wert, so spricht Gott uns Mut zu: Du darfst neu anfangen. Meine Vergebung ist größer als alle Schuld. Es ist noch nicht alles aus. Ich habe noch etwas mit dir vor. Ich brauche dich. Du bist viel wert für mich.

Und selbst wenn wir sterben müssen, wie die junge krebskranke Frau, von der ich vorhin erzählt habe, dann kann vielleicht doch noch Hoffnung wachsen, Hoffnung darauf, dass man diesen Weg nicht allein gehen muss, dass man in Gottes Liebe geborgen bleibt, dass man auch noch einige schöne Stunden erleben wird, dass man noch Gelegenheit hat, bewusst Abschied zu nehmen.

Auf diese Weise beginnt hier auf der Erde schon etwas von dem, was Gott uns in der Zukunft schenken will. Im Predigttext wird das so ausgedrückt:

11 Wenn nun das alles so zergehen wird, wie müsst ihr dann dastehen in heiligem Wandel und frommen Wesen,

12 die ihr das Kommen des Tages Gottes erwartet und erstrebt, an dem die Himmel vom Feuer zergehen und die Elemente vor Hitze zerschmelzen werden.

„Heiliger Wandel“, „frommes Wesen“, vielen klingt das zu hoch. Ich bin nicht fromm, sagen sie. Aber hier ist nicht gemeint, dass man äußerlich fromm erscheint, dass man sein Christsein zur Schau stellt. Frommsein meint einfach, dass man Gott braucht, dass man sich von Gott geliebt weiß. Und der „heilige Wandel“ meint nichts anderes, als dass man sich von Gottes Liebe anstecken lässt. Dass man menschlich handelt, wo es unmenschlich zugeht. Dass man z. B. Zeit füreinander hat und liebe Worte findet, so man sich sonst nur herumschubst.

Glaube, Hoffnung und Liebe, das sind die Dinge, die bleiben werden, auch wenn die Welt untergeht. Und es lohnt sich, zu glauben, zu hoffen und zu lieben, weil sie nicht vergänglich sind, weil wir etwas zu erwarten haben über diese Welt hinaus, sogar über unseren Tod hinaus.

13 Wir warten aber auf einen neuen Himmel und eine neue Erde nach seiner Verheißung, in denen Gerechtigkeit wohnt.

– so sagt es der 2. Petrusbrief.

Wenn aber jemand meint: „An Gott kann ich immer noch nicht glauben. Schließlich hat man schon zu Jesu Zeiten auf seine Wiederkunft gewartet, und er ist immer noch nicht gekommen. Wie lange soll es denn noch dauern?“ Dann hat der Petrusbrief noch eine weitere Antwort für uns bereit. Da heißt es:

8 Eins aber sei euch nicht verborgen, ihr Lieben, dass ein Tag vor dem Herrn wie tausend Jahre ist und tausend Jahre wie ein Tag.

Unsere Zeitvorstellungen und Gottes Ewigkeit passen nicht unbedingt zusammen. Was uns als eine lange Zeit vorkommt, ist für ihn vielleicht nur ein Augenblick. Und ein Augenblick, in dem wir Liebe erleben, ist für ihn vielleicht so wichtig und so lang wie tausend Jahre.

Geduld will uns Petrus lehren, Geduld und Zuversicht. Wo wir nur das Ende sehen, Tod, Untergang, Verdammnis, Verzweiflung, da sieht Petrus neue Anfänge: neues Leben, neue Schöpfung, Erlösung und ewige Freude. Auch wenn wir manchmal am Ende sind, dürfen wir uns Gott anvertrauen. Er hat uns lieb. Er lässt uns nicht verloren gehen.

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