Kleiner Mann – ganz groß

Im Konfi-Taufgottesdienst werden in Anwesenheit von Pastor Jürgen Neumann heute auch Mitglieder der Capoeira-Gruppe getauft, denen die Disziplin der Freiheit beim Capoeira-Spiel wichtig geworden ist. Und Konfis stellen die Geschichte von Zachäus szenisch dar: Wie der kleine Mann sich am Ende nicht mehr größer machen muss, um ein wirklich großartiger Mensch zu sein.

Die Capoeira-Gruppe ist in die Pauluskirche eingezogen und stellt sich vor dem Altarraum auf

Die Capoeira-Gruppe ist in die Pauluskirche eingezogen und stellt sich vor dem Altarraum auf

#predigtTaufgottesdienst am Sonntag Invokavit, den 21. Februar 2010, um 10.00 Uhr in der Pauluskirche Gießen (mit Beteiligung der Capoeira-Gruppe der Escola Popular Gießen)
Einzug der Capoeira-Gruppe mit dem Lied: „Sai sai Catarina“

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Ich begrüße alle herzlich im Taufgottesdienst der Paulusgemeinde, besonders die sechs Personen, die heute getauft werden: die beiden Konfis … und … Frau Lißmann und die Tauffamilie … .

… und … … und Miriam Lißmann gehören zur Capoeira-Gruppe, die sich donnerstags in unserem Gemeindesaal trifft. Das war Grund genug für die Gruppe, sich heute am Gottesdienst wieder einmal aktiv zu beteiligen. Sie hat bei ihrem Einzug in die Kirche das Lied „Sai sai Catarina“ gesungen, das an die Sklaventransporte von Afrika nach Südamerika auf einem Schiff mit dem Namen Catarina erinnert.

Was ist Capoeira? Kurz gesagt: eine besondere Art von Kampftanz, die ursprünglich von Sklaven in Brasilien entwickelt wurde. Was die Gruppe macht, geht weit über Sport und Spaß hinaus: Sie nennt sich auf Portugiesisch „Escola Popular“, Schule des Volkes, und ist eine Gemeinschaft, in der ganz selbstverständlich Zusammenhalt und Verantwortung eingeübt werden. Das ist eine Art von Disziplin, die sehr gut zur evangelischen Freiheit passt.

Mario Dirks und Pastor Jürgen Neumann in der Reihe der Capoeirista

Mario Dirks und Pastor Jürgen Neumann in der Reihe der Capoeirista

Aus Thüringen ist heute Pastor Jürgen Neumann [auf dem Bild im schwarzen Mantel] bei uns zu Gast; er hat viel dazu beigetragen, dass Capoeira in deutschen evangelischen Gemeinden Fuß gefasst hat. Gemeinsam mit Prädikant Rolf Weinreich und Mario Dirks [auf dem Bild links] aus der Gießener Escola Popular ist er auch an der Gestaltung in diesem Gottesdienst beteiligt.

Die Gottesdienstgemeinde in der Pauluskirche

Nicht nur die Capoira-Gruppe, sondern auch ein kleiner Bläserkreis wirkt heute im Gottesdienst mit: Werner Boeck mit dem Alt-Horn, Erich Dritsch mit der Trompete und Christoph von Weyhe mit dem Tenor-Saxophon. Begleitet vom Bläserkreis singen wir das erste Lied 455:

Morgenlicht leuchtet, rein wie am Anfang
Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geist. „Amen.“

An einen Gott glauben wir, den wir dreifach erfahren: als Vater im Himmel über uns, als Bruder in Jesus mit uns und sogar als Kraft des Heiligen Geistes in uns.

Kommt, lasst uns ihn anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

An einen unsichtbaren Gott glauben wir, der für uns da ist, mächtig und voller Liebe. Doch oft spüren wir nicht, dass er da ist. Wir spüren nicht seine Macht und nicht seine Liebe. Wir bitten dich, Gott, mach uns bewusst, was du uns alles schenkst und lass uns auf dich hören. Wir rufen zu dir:

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Jesus spricht zu Menschen, die auf ihn vertrauen (Johannes 8):

31 Wenn ihr bleiben werdet an meinem Wort, so seid ihr wahrhaftig meine Jünger

32 und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.

„Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende“.

Der Herr sei mit euch „und mit deinem Geist.“

Wir bitten dich, Gott, segne die sechs Menschen, die wir heute taufen und bewahre sie auf guten Wegen im Vertrauen auf dich. Darum bitten wir Dich im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Heute begleitet Rolf Weinreich Lieder auf der Gitarre

Heute begleitet Rolf Weinreich Lieder auf der Gitarre

Wer getauft wird, gehört damit zur Kirche, zu Gott, zu Jesus Christus. Vor der Taufe singen wir ein Lied von diesem Jesus, das auf dem Liedblatt steht, begleitet auf der Gitarre von Rolf Weinreich:

Man sagt, er war ein Gammler

Zwei erwachsene Frauen, die beiden Söhne von einer dieser Frauen und zwei Konfis taufen wir heute. Alle haben sich ihre Taufsprüche, ein Stück Botschaft der Bibel, für sich selber ausgesucht.

Fangen wir mit Ihnen an, liebe Frau Lißmann. Sie haben sich sehr kurzfristig dazu entschlossen, sich gemeinsam mit anderen aus der Escola Popular taufen zu lassen, aber diese Entscheidung ist lange gereift. Da Sie sich bemühen, christlich zu leben, ist es nur natürlich, wenn sie auch in die christliche Gemeinde als Glied am Leib Christi hineinkommen. Damals, als Sie 14 Jahre alt waren, hat Ihre Mutter Sie davon abgehalten, sich einfach nur wegen einer Konfirmationsfeier mit vielen Geschenken taufen zu lassen, jetzt tun sie es bewusst, und Sie haben sich den Taufspruch 1. Samuel 16, 7 ausgesucht:

Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der HERR aber sieht das Herz an.

Ihnen ist wichtig, dass man sich nicht von äußeren Dingen blenden lässt. Für Gott kommt es darauf an, was innen drin in einem Menschen reift und sich in guten heilsamen Taten auswirkt, die nicht jeder sieht.

Liebe Frau …, Sie haben einen Taufvers gewählt, der zu Ihnen als vierfacher Mutter sehr gut passt, aus dem Buch Jesaja 44, 3. Gott spricht:

Ich will meinen Geist auf deine Kinder gießen und meinen Segen auf deine Nachkommen.

Ihnen ist vor allem wichtig, dass es Ihren Kindern gut geht und sie ihren Weg mit Gott gehen. Ursprünglich ist von dem Propheten Jesaja mit diesem Wort damals das ganze Volk Israel angesprochen worden; das heißt, mit den Kindern sind alle gemeint, die zum Volk Gottes gehören. Durch Jesus Christus gehören zum Volk Gottes auch alle, die in seinem Namen getauft sind und auf ihn vertrauen. Also, liebe Frau …, nicht nur Ihre Kinder sollen gesegnet sein, sondern natürlich auch Sie selbst. Gott selbst will – mit der Kraft seines Heiligen Geistes – in Ihnen wohnen und durch Sie Gutes wirken.

… …, du hast dir deinen Taufspruch aus Psalm 118, 6 ausgesucht:

Der Herr ist mit mir, darum fürchte ich mich nicht. Was können mir Menschen tun?

Ich denke, das ist ein guter Spruch für einen Jungen, der ein Capoeira-Kämpfer ist. Wer weiß, dass Gott immer bei ihm ist, der muss keine Angst vor Menschen haben, und wenn er sich doch einmal fürchtet, kann er Mut gewinnen und die Furcht überwinden.

… … hat lange überlegt, ob er sich auch heute taufen lassen will; zuletzt hat er sich doch dazu entschlossen. Sein Lieblingstier ist der Adler, habe ich mir sagen lassen, und sein Taufspruch im Buch Jesaja 40, 31 lautet (nach der katholischen Einheitsübersetzung):

Die dem Herrn vertrauen, schöpfen neue Kraft, sie bekommen Flügel wie Adler.

Auch dieser Spruch kann ein Lebensmotto für starke Männer sein. Wer auf Gott vertraut, gewinnt eine Kraft, die nicht nur auf Muskeln beruht, sondern auch auf Selbstvertrauen und Selbstdisziplin. Wenn man einmal in die Luft gehen möchte, kann man mit Adlerflügeln dort oben in Ruhe über den Dingen schweben und den Überblick gewinnen, so dass man für manche Probleme leichter eine Lösung findet.

Nun zu unseren beiden Konfis. …, dein Taufspruch steht im Psalm 16, 11 (vereinfachte Übersetzung):

Du zeigst mir den Weg zum Leben; aus deiner Hand kommt ewiges Glück.

Das ist ein schöner Spruch, der auch zum Nachdenken anregt. Wenn Gott mir den Weg zum Leben zeigt, ist es wichtig, dass ich mir diesen Weg auch zeigen lasse und dass ich auf ihm gehe. Und was heißt es, dass mein Glück im Leben von Gott kommt? Gott schenkt uns Glück, davon bin ich überzeugt, aber er gibt uns nicht immer das, was wir uns wünschen. Und auch das kann für uns ein Glück sein.

…, du hast dir den Taufspruch ausgesucht, den ich selber vor vielen Jahren als Konfirmationsspruch bekommen habe, aus der Offenbarung 2, 10:

Sei getreu bis an den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben.

Das klingt stark. Treu bis zum Tod, damit ist gemeint: immer auf Gott vertrauen, immer auf Gott hören, egal was geschieht. Manchmal muss man sehr mutig sein, um das Gute zu tun, auch wenn andere sagen: Du bist ja blöd, kriminell sein ist viel spannender, man darf sich nur nicht erwischen lassen. Die Krone des Lebens ist eine Art Siegermedaille für diejenigen, die sich für ein Leben ohne Lüge und Betrug entscheiden und auf dem geraden Weg bleiben. Es ist eine unsichtbare Medaille, die kann man sich nicht aufsetzen oder umhängen; man weiß nur selber, dass sie da ist, weil man sie innen drin im Herzen trägt.

Einige derer, die in diesem Gottesdienst getauft werdenVor der Taufe im Namen des dreieinigen Gottes sprechen wir nun alle gemeinsam das Glaubensbekenntnis. Es steht vorn im Gesangbuch in der Mitte der gelben Blätter:

Glaubensbekenntnis

Liebe Frau Lißmann, liebe Frau …, lieber … und lieber …, liebe … und lieber …, ich frage Sie und euch: Wollt ihr im Namen Gottes, des Vater und des Sohnes und des Heiligen Geistes getauft werden? Dann antwortet: Ja.

Liebe Eva Haase, Frau Lißmann hat Sie als Patin ausgesucht, obwohl Sie schon erwachsen ist. Sie möchte damit ausdrücken, dass Sie in der Escola Popular auch füreinander Verantwortung übernehmen. Möchten Sie als Patin Miriam Lißmann auf Ihrem Weg als Christin begleiten, dann antworten Sie: Ja.

Liebe Frau … und liebes Ehepaar …, wir taufen heute Ihre Söhne bzw. Ihre Patenkinder … und … … . Sind Sie bereit, … und … auf dem Weg in der christlichen Gemeinde zu begleiten und sie christlich zu erziehen? Dann antworten Sie: Ja.

Taufen

Gott, wir bitten dich: segne und behüte alle, die wir getauft haben. Lass sie nie vergessen, dass du sie liebst und dass ihr Leben kostbar ist. Hilf der Mutter, dass sie genug Energie und Lebensfreude hat, um den Herausforderungen in ihrer Familie immer gewachsen zu sein. Hilf Erwachsenen und Jugendlichen, dass sie verstehen, was im Leben wirklich wichtig ist. Gott, wir bitten dich auch für alle, die die Jugendlichen begleiten, vor allem die Eltern und Paten und Geschwister in der Familie, und auch die Freundinnen und Freunde, die ihnen zur Seite stehen. Amen.

Die Capoeira-Gruppe stellt sich zur Roda vor dem Altarraum aufDie Gruppe der Escola Popular in Gießen freut sich mit euch, die heute getauft wurden, und wird uns nun zeigen, wie diszipliniert und friedlich es bei der Ausübung von Capoeira zugeht.

Wir stimmen uns auf die kurze Vorführung hier in der Kirche ein, indem wir das Lied vom Anfang noch einmal gemeinsam singen. Es ist ein Lied, das der Konzentration dient: Komm, komm, Catarina, so singt man sich gegenseitig zu, damit man in den Kreis kommt und sich einander zuwendet:

Sai sai Catarina
Capoeira-Vorführung der Escola Popular

Zwei Männer spielen CapoeiraEine Frau und ein Mann spielen Capoeira

Zur Predigt hören wir die Lesung aus dem Evangelium nach Lukas 19:

1 Und [Jesus] ging nach Jericho hinein und zog hindurch.

2 Und siehe, da war ein Mann mit Namen Zachäus, der war ein Oberer der Zöllner und war reich.

3 Und er begehrte, Jesus zu sehen, wer er wäre, und konnte es nicht wegen der Menge; denn er war klein von Gestalt.

4 Und er lief voraus und stieg auf einen Maulbeerbaum, um ihn zu sehen; denn dort sollte er durchkommen.

5 Und als Jesus an die Stelle kam, sah er auf und sprach zu ihm: Zachäus, steig eilend herunter; denn ich muss heute in deinem Haus einkehren.

6 Und er stieg eilend herunter und nahm ihn auf mit Freuden.

7 Als sie das sahen, murrten sie alle und sprachen: Bei einem Sünder ist er eingekehrt.

8 Zachäus aber trat vor den Herrn und sprach: Siehe, Herr, die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück.

9 Jesus aber sprach zu ihm: Heute ist diesem Hause Heil widerfahren, denn auch er ist Abrahams Sohn.

10 Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.

Nach der Geschichte vom Zöllner, bei dem sich Jesus selber eingeladen hat, singen wir das Lied 225 von Gott, der uns einlädt, zu ihm zu kommen und auf ihn zu vertrauen:

Komm, sag es allen weiter
Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde, bei der Predigt heute haben mir unsere Konfis geholfen. Vor ein paar Wochen haben wir im Unterricht Geschichten von Jesus gelesen und in mehreren Gruppen nachgespielt. Eine Geschichte handelte davon, wie Jesus in Jericho einen blinden Menschen wieder sehend macht.

Eine Gruppe unserer Konfirmanden haben sich diese Heilung so vorgestellt, dass Jesus den blinden Mann segnet. Blinde Menschen wollen etwas von Jesus und werden gesegnet. Damals der Blinde wurde geheilt, er konnte wieder sehen. Auch heute begegnen blinde Menschen Jesus und sehen ihr Leben in einem anderen Licht, gewinnen Selbstvertrauen, um ihr Leben zu meistern, auch wenn sie blind bleiben.

Zwei Konfis schicken Kinder weg, was Jesus nicht gut findetAndere haben die Szene gespielt, als Jesu Jünger Mütter mit ihren Kindern von Jesus wegschicken wollen.

Jesus weist nicht die Mütter und Kinder, sondern seine eigenen Jünger zurecht; die Kinder nimmt er in den Arm und segnet sie. Auch wer heute mit Jesus zu tun haben will, muss nicht schon erwachsen sein. Jesus nimmt Kinder ernst und begegnet auch Jugendlichen mit Respekt.

Eine dritte Jesusgeschichte betrachte ich nun genauer. Wir haben sie schon gehört: die vom Oberzöllner Zachäus. Man könnte ihr die Überschrift geben: „Kleiner Mann – ganz groß“, denn sie handelt von einem kleinen Mann, der gerne ganz groß dastehen wollte.

1 Und Jesus ging nach Jericho hinein und zog hindurch.

Wie so oft ist Jesus einfach auf der Durchreise. Aber etwas später wird deutlich, dass diese Durchreise nicht unbemerkt bleibt. Eine große Menschenmenge versammelt sich in der Stadt, denn man hat gehört, was Jesus alles getan hat und erwartet vielleicht auch Hilfe von ihm.

Menschen werfen sich vor Jesus auf den BodenUnsere Konfirmandinnen stellen sich die Durchreise Jesu so vor, dass alle sich vor Jesus verbeugen, ja, vor ihm auf den Boden niederfallen. Sie beten ihn an, er ist ja Gottes Sohn.

2 Und siehe, da war ein Mann mit Namen Zachäus, der war ein Oberer der Zöllner und war reich.

Noch ist in der Geschichte nicht erwähnt worden, dass Zachäus ein kleiner Mann ist. Zuerst wird erzählt, dass es nach oben geschafft hat; er hat Karriere gemacht, ist Oberfinanzbeamter geworden, hat Reichtümer angehäuft. Hier stellen die Konfi-Mädchen dar, wie Zachäus von allen Seiten Geld kassiert. Damit ist er zwar reich, aber er hat keine Freunde. Zachäus kassiert von allen Leuten Geld

3 Und er begehrte, Jesus zu sehen, wer er wäre, und konnte es nicht wegen der Menge; denn er war klein von Gestalt.

Warum will Zachäus Jesus sehen? Er will wissen, wer er ist. Er will ihn selber kennenlernen, ihm direkt in die Augen sehen. Er muss viel von ihm gehört haben, aber ob er persönlich etwas von ihm erwarten kann, das ist ihm selber wohl nicht klar. Richtig zufrieden ist er mit seinem Leben wohl nicht.

Und nun wird etwas deutlich, was vielen Männern peinlich ist: Er ist erheblich kleiner als andere Menschen. Von dem französischen Staatspräsidenten Sarkozy wird erzählt, dass bei einem Staatsbesuch in einem Betrieb keine Mitarbeiter in der ersten Reihe stehen sollten, die größer waren als er. Vielleicht ist Zachäus einer von denen, die es den anderen zeigen wollen: Ich mag klein sein, aber ihr sollt mich kennenlernen! Ich mach euch alle, ich lass euch bluten, ich kassiere von jedem!

Die Menschenmenge bildet eine Gasse, um Jesus durchzulassenDie Menschenmenge steht rechts und links von der Straße, bildet eine Gasse, um Jesus durchzulassen. Der kleine Zachäus hat keine Chance, einen guten Platz in der vorderen Reihe zu bekommen, weil er sich sehr unbeliebt gemacht hat. Dem Halsabschneider und Betrüger schon wieder den Vortritt lassen? Nein, nicht hier, wo es um Jesus geht. Hier hat der Abkassierer nichts verloren!

4 Und er lief voraus und stieg auf einen Maulbeerbaum, um ihn zu sehen; denn dort sollte er durchkommen.

Aber der kleine Zachäus hat eine Idee. Sicher kostet es ihn Überwindung, er riskiert, ausgelacht zu werden, aber er will unbedingt freie Sicht auf Jesus haben. So klettert er auf einen Baum, macht sich wieder größer, als er ist. Der kleine Zachäus klettert auf einen Baum (eine Konfirmandin nimmt eine andere Huckepack)

5 Und als Jesus an die Stelle kam, sah er auf und sprach zu ihm: Zachäus, steig eilend herunter; denn ich muss heute in deinem Haus einkehren.

Jesus fällt der kleine Mann auf, der da oben im Baum hockt. Ob er innerlich auch grinsen muss über den Oberfinanzbeamten, der sich vor allen Leuten lächerlich macht? Anscheinend nimmt Jesus wahr: dieser Mann da oben braucht ganz besonders seine Hilfe. „Runter vom Baum!“, sagt er, „mach schnell, da oben musst du nicht bleiben.“

Jesus zeigt auf ZachäusDie Konfirmandin, die Jesus dargestellt hat, streckt ihren Zeigefinger aus: „Dich will ich heute besuchen, bei dir will ich übernachten; alle anderen müssen heute auf mich verzichten.“

Zachäus hält die Hand ans Ohr, um richtig hinzuhörenZachäus in seinem Baum hält die Hand ans Ohr: Hat er richtig gehört? Die anderen schauen sich an: Sollte Jesus wirklich bei dem einzigen Mann in Jericho einkehren wollen, den alle absolut unmöglich finden?

6 Und er stieg eilend herunter und nahm ihn auf mit Freuden.

Zachäus steigt eilends vom BaumDieses Bild war mehr ein Zufallsprodukt, als Zachäus nach dem Abstieg vom Baum beinahe hingefallen wäre. Aber es drückt sehr schön aus, wie sich einer freuen kann, der noch nie ohne geschäftliche Hintergedanken eingeladen wurde und keine Freunde hatte. In diesem Augenblick, als Jesus den kleinen Mann von seinem peinlichen Hochsitz herunterholt, verändert sich für ihn alles, sein ganzes Leben, seine ganze Persönlichkeit.

7 Als sie das sahen, murrten sie alle und sprachen: Bei einem Sünder ist er eingekehrt.

Die Menschen schauen skeptischPlötzlich sind die Menschen, die vorhin vor Jesus niedergefallen waren, die ihn angebetet hatten, gar nicht mehr so begeistert von ihm. Sie zweifeln an ihm. Der kann kein guter Mensch sein, wenn er sich bei einem so schlechten Menschen einlädt. Vielleicht will er nur besonders gut essen und sich reich bewirten lassen. Jedenfalls kann Jesus nicht ein Gottesmann sein, dann müsste er doch ein besserer Menschenkenner sein.

8 Zachäus aber trat vor den Herrn und sprach: Siehe, Herr, die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück.

Zachäus hat sich nicht nur innerlich verändert. Neues Selbstvertrauen, das ihm Jesus gegeben hat, wirkt sich auch äußerlich aus. Plötzlich braucht er nicht mehr viel Geld, um wer zu sein, und er entdeckt, was er Menschen mit seiner Habgier angetan hat. Er hat auf einmal mehr Freude am Weggeben seines Geldes als am Kassieren. Zachäus gibt den Leuten Geld zurück und spendet für die Armen

9 Jesus aber sprach zu ihm: Heute ist diesem Hause Heil widerfahren, denn auch er ist Abrahams Sohn.

Jesus nennt Zachäus Abrahams Sohn. Er ist im Volk Gottes kein Außenseiter, er gehört dazu, und jetzt weiß er das auch wieder und verhält sich entsprechend. Wir Christen sind durch den Glauben an Jesus auch „Insider“ im Volk Gottes geworden. Nur sagen wir normalerweise nicht „Volk Gottes“, sondern „Kirche“. Alle, die getauft sind, gehören zu Gott, zu Jesus, zur Kirche und können sich als adoptierte Söhne und Töchter Abrahams betrachten.

Dem Zachäus war das lange Zeit überhaupt nicht bewusst gewesen, was das bedeutet. Er wollte groß tun und wurde zum Außenseiter; weil er ein Außenseiter war, quälte er die anderen um so mehr. Er gehörte zwar dazu, aber seine Beziehung zu den anderen im Volk Gottes war kaputt, weil er selbst innerlich ein kaputter Mensch war. Jetzt ist er wieder heil geworden, Jesus sagt: „Heil ist seinem Haus widerfahren“. Normalerweise ist etwas, was uns widerfährt, ein Unglück; hier widerfährt ganz unerwartet Glück, Heil, Segen. Seine ganze Familie, alle, die mit ihm zu tun haben, können aufatmen, hier ist ein Egoist zu einem mitfühlenden Mitmenschen, eine kaputte Seele heil geworden.

Zuletzt sagt Jesus:

10 Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.

Menschensohn, das ist der, der menschlich ist und menschlich regiert. Indem Jesus für Menschen wie Zachäus da ist, ist er ein besserer Menschenkenner. Er sieht nämlich nicht nur das Äußere, das schlechte Benehmen, das Großtunwollen, sondern er sieht, was sogar in einem solchen Kotzbrocken stecken kann. Jesus sucht uns alle, wenn wir in Gefahr geraten, verloren zu gehen, und will, dass wir glücklich werden. Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.

Rolf Weinreich spielt Gitarre, Grit Laux spielt KlavierWir singen das Lied 584, begleitet von Rolf Weinreich auf der Gitarre und Grit Laux am Klavier:

Meine engen Grenzen
Fürbitten für die Welt von Cabeca:

Herr Jesus Christus, wir sind – egal, wer wir sind – bei dir angesehene Menschen; so wird es durch die Geschichte von Zachäus deutlich. Und Herr, du siehst, dass genau dies auch die Sehnsucht eines jeden von uns ist: Wirklich beachtet zu werden, wirklich wahrgenommen zu werden, Wertschätzung zu erfahren, auch wenn und gerade wenn wir nicht perfekt sind und manche Schuld mit uns herumtragen. Wir bitten dich: Bewahre uns vor der Versuchung, unseren Nächsten geringschätzig anzusehen, wenn uns seine Defizite offenbar werden, bewahre uns vor abschätzigen Gedanken, vor Lästereien und übler Nachrede und schlechten Taten im Umgang miteinander. Und Herr, wir bitten dich auch, du mögest uns in dieser Welt, in der so oft das Ansehen von Status und von Leistung abhängt, den Mut geben, unsere Mitmenschen anzusehen, wie du Zachäus angesehen hast: als wertvolles Geschöpf Gottes. Bewahre uns vor der Lust am Absperrpein und Verurteilen. Lass uns in der Kraft deines Geistes Menschen sein, die anderen Lust machen und die Chance geben, das Gute in sich zu fördern und zu tun. Gemeinsam rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich!

Die Fürbitten wurden vorbereitet von Rolf Weinreich (Cabeca), Jürgen Neumann (Pastor) und Mario Dirks (Bambam) [1., 2. und 4. von links auf dem Foto, das nach dem Gottesdienst gemacht wurde - dazwischen Pfarrer Helmut Schütz]

Die Fürbitten wurden vorbereitet von Rolf Weinreich (Cabeca), Jürgen Neumann (Pastor) und Mario Dirks (Bambam) – auf dem Foto 2. von rechts Pfarrer Helmut Schütz

Fürbitten für die Kirche von Pastor:

 

Vater, im Himmel, wir bitten dich für deine weltweite Kirche. Für alle Menschen, die den Schritt in deine Nachfolge wagen, die den Glauben an dich riskieren; für alle Menschen guten Willens – ganz gleich unter welchem Bekenntnis. Wir bitten dich: Lass deine Kirche offen sein für neue Aufbrüche, dass sie im Glauben an dich der Freude am Leben und deiner Schöpfung zum Durchbruch verhilft. Erbarme dich über deine Kirche, wo sie durch das Festhalten an verkrusteten Strukturen dem Bau deines Reiches im Wege steht. Segne Pfarrerinnen und Pfarrer, alle Mitarbeiter vor Ort (auch hier in der Paulusgemeinde}, die vielen Ehrenamtlichen und auch die Arbeit der Escola Popular. Lass uns authentisch und glaubwürdig leben. Lass uns verwurzelt sein in dir, gib uns einen trotzigen Glauben, der fröhlich, zuversichtlich und mutig auf der Erde und (!) im Himmel zu Hause ist. Gemeinsam rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich!

Fürbitten für uns selbst – besonders die Täuflinge – von Bambam:

Herr, wir bitten Dich um Deinen Segen und Beistand für jeden einzelnen von uns und heute auch ganz besonders für die Täuflinge … und …, Bianka, Nico, Enrico und Miriam. Sie haben sich auf einen spannenden Weg mit Dir und zu Dir begeben, dieser Weg wird nicht immer leicht sein, er wird auch nicht immer klar zu erkennen sein. Hilf Ihnen ohne Angst und vielleicht auch im Dunkeln den richtigen Weg zu sehen, stärke und begleite sie. Sei für sie da, wenn sie zweifeln und gib ihnen Mut und die Kraft die sie brauchen. Lass sie diesen Weg mit offenen Augen gehen, wecke ihr Interesse für Neues, lass sie forschen und hinterfragen so dass sie ihren Glauben auf ein festes Fundament stellen. Schenke ihnen immer wieder Begegnungen mit Menschen, die ihr Leben bereichern, spannend und interessant machen. Gib ihnen – wie auch uns allen – Stärke, sich und anderen, auch in schwierigen Situationen, Begleiter, Helfer und auch Freund zu sein. Hilf ihnen auch in schweren Zeiten, auch nach Enttäuschungen immer wieder offen für andere zu sein und zu vertrauen, gib ihnen Größe, zu vergeben, und die Kraft, aus eigenen und fremden Fehlern zu lernen. Lass uns, die Menschen in dieser Gemeinde, ihre Familien und alle um sie herum für sie hilfreiche und gute Begleiter sein. Gemeinsam rufen wir zu dir – Herr, erbarme dich!

Was wir außerdem auf dem Herzen haben, sagen wir Gott in der Stille:

Gebetsstille und Vater unser

Wir singen zum Schluss das Lied 334, Strophe 1-5:

Danke für diesen guten Morgen
Abkündigungen

Wer möchte, ist im Anschluss noch herzlich zum Beisammensein mit Kaffee, Tee, Wasser, Saft und Kuchen im Gemeindesaal eingeladen. Sie können auch noch länger bleiben, um eine weitere Vorführung unserer Capoeira-Gruppe im Saal mitzuerleben.

Die Capoeira-Gruppe in der ersten Reihe der PauluskircheUnd jetzt empfangt Gottes Segen:

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

Amazing Grace – gesungen von Melanie Boskurt

Die folgenden Bilder wurden anschließend im Gemeindesaal aufgenommen:

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