Runderneuerung

„Der Gott des Friedens heilige euch durch und durch“.

Paulus mahnt die Christen in Saloniki: Lasst alles in euch – Geist, Seele, Leib – im Frieden bewahrt bleiben. Wir können danken, statt alles madig zu machen. Auch wenn alle auf dem Schulhof damit prahlen, was sie geklaut haben: trotzdem ehrlich bleiben und die Mutprobe im Edeka nicht mitmachen!

Bronze-Kunstwerk im Park: Eine kleine Kugel erscheint in der aufgebrochenen Schale einer großen Kugel

Ein Kunstwerk im Park als Versinnbildlichung der Erneuerung (Foto: pixabay.com)

#predigtAbendmahlsgottesdienst am 14. Sonntag nach Trinitatis, den 1. September 2002, um 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Heute vor 63 Jahren begann der 2. Weltkrieg. Heute beginnt der Monat September, in dem vor einem Jahr die Terroranschläge in New York und Washington geschahen. Darum denken wir darüber nach, was der „Gott des Friedens“ von uns will, von dem Paulus im heutigen Text zur Predigt sagt (1. Thessalonicher 5, 23):

Der Gott des Friedens… heilige euch durch und durch.

Zugleich werden wir durch den Wochenspruch in Psalm 103, 2 daran erinnert, Gott für die guten Dinge zu danken, die wir erfahren:

Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.

Wir singen am Anfang des Gottesdienstes aus dem Loblied 303 die Strophen 1, 3 und 5:

1) Lobe den Herren, o meine Seele! Ich will ihn loben bis in‘ Tod; weil ich noch Stunden auf Erden zähle, will ich lobsingen meinem Gott. Der Leib und Seel gegeben hat, werde gepriesen früh und spat. Halleluja, Halleluja.

3) Selig, ja selig ist der zu nennen, des Hilfe der Gott Jakobs ist, welcher vom Glauben sich nicht lässt trennen und hofft getrost auf Jesus Christ. Wer diesen Herrn zum Beistand hat, findet am besten Rat und Tat. Halleluja, Halleluja.

5) Zeigen sich welche, die Unrecht leiden, er ist’s, der ihnen Recht verschafft; Hungrigen will er zur Speis bereiten, was ihnen dient zur Lebenskraft; die hart Gebundnen macht er frei, und seine Gnad ist mancherlei. Halleluja, Halleluja.

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

Im 20. Jahrhundert, das sich modern und fortschrittlich vorkam, geschahen schrecklichste Kriege. Zum Auftakt des 21. Jahrhunderts fühlten sich die Menschen vor einem Jahr dem Terror einer fanatischen Minderheit machtlos ausgeliefert. Dennoch loben wir heute Gott. Gerade darum loben wir Gott. Denn es tut uns gut, den Gott des Friedens zu loben. Lasst uns gemeinsam den Psalm 146 miteinander beten, er steht im Gesangbuch unter 757. Die Männer beginnen bitte mit mir gemeinsam, die Frauen lesen bitte die eingerückten Verse:

1 Halleluja! Lobe den HERRN, meine Seele!

2 Ich will den HERRN loben, solange ich lebe, und mill den HERRN loben, solange ich lebe, und meinem Gott lobsingen, solange ich bin.

3 Verlasset euch nicht auf Fürsten; sie sind Menschen, die können ja nicht helfen.

4 Denn des Menschen Geist muss davon, und er muss wieder zu Erde werden; dann sind verloren alle seine Pläne.

5 Wohl dem, dessen Hilfe der Gott Jakobs ist, der seine Hoffnung setzt auf den HERRN, seinen Gott,

6 der Himmel und Erde gemacht hat, das Meer und alles, was darinnen ist; der Treue hält ewiglich,

7 der Recht schafft denen, die Gewalt leiden, der die Hungrigen speiset. Der HERR macht die Gefangenen frei.

8 Der HERR macht die Blinden sehend. Der HERR richtet auf, die niedergeschlagen sind. Der HERR liebt die Gerechten.

9 Der HERR behütet die Fremdlinge und erhält Waisen und Witwen; aber die Gottlosen führt er in die Irre.

10 Der HERR ist König ewiglich, dein Gott, Zion, für und für. Halleluja!

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Sind die Bilder vergessen? Flugzeuge, die in Türme rasen und in einem Feuerball explodieren. Menschen, die sich in Panik in die Tiefe stürzen. Erschöpfte Feuerwehrleute mit leeren Gesichtern, verzweifelte Menschen auf der Suche nach Angehörigen. Vergessen ist das alles nicht, doch für uns Fernerstehende verblassen auch solche Erinnerungen schnell – das Leben geht ja weiter. Neue Katastrophen fesseln unsere Aufmerksamkeit – diesmal verursacht durch die Naturgewalt des Wassers im Verein mit menschlichen Fehlentscheidungen.

Gott, wir halten es nicht auf Dauer aus, mit übergroßem Schmerz konfrontiert zu sein. Du verstehst, dass wir Kraft für uns brauchen – für unseren Alltag, für unsere Aufgaben, für unseren Schmerz und für unsere Freuden. Doch da ist kein Schmerz auf unserem Planeten, kein Schmerz in uns, den du nicht kennst, denn du hast die tiefsten Orte der Erde berührt. Du bist stark genug, um unablässig zu trauern und diese Trauer auszuhalten, denn du hast in Christus den Schmerz der ganzen Menschheit getragen – alles Leid, alle Schuld, bis in den Tod. Wir rufen zu dir:

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Wo Krieg, Terror und Katastrophen herrschen, gibt es auch helfende Menschen. Sie versuchen die Wunden zu schließen, die die Gewalt reißt. Dankbar sind wir für die Feuerwehrleute in Manhattan und anderswo, die ihr Leben einsetzen um Leben zu retten; für die Rettungsdienste, die humanitäre Hilfe in Kriegs- und Katastrophenregionen bringen; für die Menschen, die sich im Dialog der Religionen darum bemühen, dass der Hass seine zerstörerische Kraft verliert; für Polizisten und Soldaten, Entwicklungshelfer und Friedensfachkräfte, die Konflikte lösen helfen und Gewalt eindämmen.

Lasst uns Gott dankbar lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende“.

Der Herr sei mit euch „und mit deinem Geist.“

Gott, du Quelle unserer Kraft, wir bringen mit, was uns bewegt und beschwert, was wir können und wo wir an Grenzen stoßen. Sei uns nahe und rühre uns an mit deiner göttlichen Gegenwart. Lass uns erkennen, was dem Frieden dient durch Jesus Christus, unseren Herrn. „Amen.“

Wir hören die Lesung aus dem 1. Buch Mose – Genesis 28, 11-19. Es war, als Jakob vor seinem Bruder Esau floh.

10 Aber Jakob zog aus von Beerscheba und machte sich auf den Weg nach Haran

11 und kam an eine Stätte, da blieb er über Nacht, denn die Sonne war untergegangen. Und er nahm einen Stein von der Stätte und legte ihn zu seinen Häupten und legte sich an der Stätte schlafen.

12 Und ihm träumte, und siehe, eine Leiter stand auf Erden, die rührte mit der Spitze an den Himmel, und siehe, die Engel Gottes stiegen daran auf und nieder.

13 Und der HERR stand oben darauf und sprach: Ich bin der HERR, der Gott deines Vaters Abraham, und Isaaks Gott; das Land, darauf du liegst, will ich dir und deinen Nachkommen geben.

14 Und dein Geschlecht soll werden wie der Staub auf Erden, und du sollst ausgebreitet werden gegen Westen und Osten, Norden und Süden, und durch dich und deine Nachkommen sollen alle Geschlechter auf Erden gesegnet werden.

15 Und siehe, ich bin mit dir und will dich behüten, wo du hinziehst, und will dich wieder herbringen in dies Land. Denn ich will dich nicht verlassen, bis ich alles tue, was ich dir zugesagt habe.

16 Als nun Jakob von seinem Schlaf aufwachte, sprach er: Fürwahr, der HERR ist an dieser Stätte, und ich wusste es nicht!

17 Und er fürchtete sich und sprach: Wie heilig ist diese Stätte! Hier ist nichts anderes als Gottes Haus, und hier ist die Pforte des Himmels.

18 Und Jakob stand früh am Morgen auf und nahm den Stein, den er zu seinen Häupten gelegt hatte, und richtete ihn auf zu einem Steinmal und goss Öl oben darauf

19 und nannte die Stätte Bethel; vorher aber hieß die Stadt Lus.

Herr, dein Wort ist unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Wege. Halleluja. „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Glaubensbekenntnis

Wir singen Lied 331, 1 – 3:

1) Großer Gott, wir loben dich; Herr, wir preisen deine Stärke. Vor dir neigt die Erde sich und bewundert deine Werke. Wie du warst vor aller Zeit, so bleibst du in Ewigkeit.

2) Alles, was dich preisen kann, Cherubim und Seraphinen, stimmen dir ein Loblied an, alle Engel, die dir dienen, rufen dir stets ohne Ruh: „Heilig, heilig, heilig!“ zu.

3) Heilig, Herr Gott Zebaoth! Heilig, Herr der Himmelsheere! Starker Helfer in der Not! Himmel, Erde, Luft und Meere sind erfüllt von deinem Ruhm; alles ist dein Eigentum.

Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde, gebeutelt von Katastrophenmeldungen und von Erinnerungen an vergangenen Krieg und Terror, der vielen dennoch so lebendig und bedrohlich vor Augen steht, denk  en wir über den „Gott des Friedens“ nach. Absolut verrückt klingt das – aus dem Himmel über dieser von Gewalt geschüttelten Erde soll kein strafendes Donnerwetter auf uns herabkommen, sondern Engel steigen an einer Leiter auf und nieder – eine lebendige Verbindung zwischen Himmel und Erde.

Jakob hatte seinen blinden Vater betrogen und war auf der Flucht vor der Rache seines Bruders Esau – nun erlebt er im Traum die Himmelsleiter – das Friedensangebot von Gott, der jetzt schon weiß, dass Jakob von seinem Bruder Esau Vergebung erfahren wird – allerdings erst nach vielen Mühen und Umwegen, zwanzig Jahre später.

Viele Jahrhunderte später wird wieder von Engeln erzählt werden, deren Lied wir bis heute jeden Sonntag singen: „Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden!“ Engel verkünden den Frieden, der mit der Geburt Jesu auf unsere Erde herabkommt.

Aber wie erreicht uns dieser Friede?

Das ist das Thema im heutigen Predigttext. Der Apostel Paulus schreibt gemeinsam mit seinen Mitarbeitern Silvanus und Timotheus in 1. Thessalonicher 5, 14-24:

14 Wir ermahnen euch aber, liebe [Geschwister]: Weist die Unordentlichen zurecht, tröstet die Kleinmütigen, tragt die Schwachen, seid geduldig gegen jedermann.

15 Seht zu, dass keiner dem andern Böses mit Bösem vergelte, sondern jagt allezeit dem Guten nach untereinander und gegen jedermann.

16 Seid allezeit fröhlich,

17 betet ohne Unterlass,

18 seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus an euch.

19 Den Geist dämpft nicht.

20 Prophetische Rede verachtet nicht.

21 Prüft aber alles, und das Gute behaltet.

22 Meidet das Böse in jeder Gestalt.

23 Er aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch und bewahre euren Geist samt Seele und Leib unversehrt, untadelig für die Ankunft unseres Herrn Jesus Christus.

24 Treu ist er, der euch ruft; er wird’s auch tun.

Ja, liebe Gemeinde, wie erreicht uns Gottes Friede auf der Erde? Zwanzig Jahre nach Jesu Tod und Auferstehung ermahnt Paulus die Christen in Saloniki: „Der Gott des Friedens heilige euch durch und durch.“ Durch und durch – das ist eine Runderneuerung des ganzen Menschen: Geist, Seele, Leib – was wir entscheiden, was wir fühlen, was wir tun. Der Gott des Friedens „bewahre euren Geist samt Seele und Leib unversehrt, untadelig für die Ankunft unseres Herrn Jesus Christus“.

Unversehrt – untadelig, so stellt sich Paulus das Ergebnis einer menschlichen Runderneuerung vor. Wir könnten auch sagen: heil und heilig. Es soll uns gut gehen und wir sollen gut sein – wer gut mit sich selbst umgeht, geht auch mit anderen gut um. „Meidet das Böse in jeder Gestalt!“ mahnt Paulus. Auch wenn alle auf dem Schulhof damit prahlen, was sie geklaut haben: trotzdem ehrlich bleiben und die Mutprobe im Edeka nicht mitmachen! Auch wenn alle Steuerhinterziehung für ein Kavaliersdelikt halten – lieber stolz darauf sein, dass man auf ehrliche Weise mit seinen Steuern der Allgemeinheit dient. Auch wenn man am liebsten zurückschlagen würde, wenn man beleidigt oder geschlagen wird, lieber mit Paulus der Feindesliebe Jesu folgen: „Seht zu, dass keiner dem andern Böses mit Bösem vergilt, sondern bemüht euch immer, einander und allen Gutes zu tun.“ So kommt Gottes Friede auf die Erde, so wird unser Leben heil, ja heilig.

Und wenn der Friede in der christlichen Gemeinde bedroht ist? Wenn unterschiedliche Auffassungen darüber bestehen, was in der Gemeinde gelten soll? Dann soll man jeden anhören, der davon überzeugt ist, dass er im Auftrag Gottes redet: „Verachtet prophetisches Reden nicht!“ Zugleich mahnt Paulus: „Prüft alles, und behaltet das Gute!“

Aber wer lebt untadelig und unversehrt, wer meidet das Böse und sucht immer das Gute? Der müsste wirklich heilig sein! Doch wer darf sich heilig nennen? Eigentlich nur Gott selbst, der ewig heilig ist. Wir Menschen sind nur dann heilig, wenn Gott uns heiligt – wenn wir sozusagen seine Heiligkeit anzapfen. Heiligwerden ist also ein Gottesgeschenk. Es beruht darauf, dass wir von Gott gut geschaffen sind – mit einer Würde, die uns niemand nehmen kann. Selbst wenn wir auf falschen, bösen Wegen unterwegs sind, traut uns Gott immer wieder die Umkehr zu.

Darum ist das Sich-Heiligen-Lassen auch keine angestrengte freudlose Angelegenheit. Paulus sagt sogar: „Freut euch zu jeder Zeit!“ Geht davon aus: Gott steht zu euch. Er liebte euch schon, als ihr noch seine Feinde wart. Er lässt euch niemals im Stich. Das ist die Basis für eine heitere Grundstimmung, für eine Grundfreude, die auch Stress und Leid ertragen hilft. Selbst mitten in tiefer Trauer darf gehofft werden auf neue Freude, denn wer Leid trägt, wird getröstet werden.

Auch mit der Aufforderung „Betet ohne Unterlass“ fordert Paulus kein erzwungenes Gebetsleben. Die Standleitung zu Gott ist intakt, wir können jederzeit drangehen und uns spüren lassen: er ist da und wir sind nicht ohne Liebe, nicht ohne Hoffnung. Wir müssen nicht alles madig machen, sondern finden in jeder Lebenssituation auch Grund zum Danken: „Dankt für alles; denn das will Gott von euch, die ihr Christus Jesus gehört.“

Heilig werden wir also, weil Gott uns vergibt, an uns arbeitet und uns durch seinen Geist leitet – in unseren Gedanken, Gefühlen und Taten. Zweifler fragen sich jetzt: Wie macht Gott das denn? Ich habe noch nicht bemerkt, dass Gott mich führt. Ich spüre seine Liebe nicht und höre seine Stimme nicht. Paulus sagt: OK, das kann so sein. Dann sind die gefordert, die auf ihrem Weg zwischen Zweifel und Glauben schon gute Erfahrungen mit Gott gemacht haben. Einer soll dem anderen ein Seelsorger sein – nicht nur die Pfarrer, die damit besonders beauftragt sind, sondern alle Gemeindeglieder. Gottes Friede erreicht uns, wenn wir in der Gemeinde seelsorgerlich miteinander umgehen.

Konkret schreibt Paulus: „Wir ermahnen euch aber, liebe Geschwister: Weist die Unordentlichen zurecht, tröstet die Kleinmütigen, tragt die Schwachen, seid geduldig gegen jedermann.“ Ohne Geduld – wörtlich: ohne ein weites Herz – geht es nicht. Seid einfühlsam und geht mit den Schwachen anders um als mit den Starken, mit den Ängstlichen anders als mit den Mutigen, mit denen in intakten Verhältnissen anders als mit denen, die aus der Bahn geraten sind.

Wer schwach ist, wer sich mit bestimmten Begrenzungen seines Lebens abfinden muss, dem fällt es oft sehr schwer, das einzusehen und sich damit abzufinden, dass er Hilfe braucht von Menschen, die ihn stützen und tragen und das auch gern tun. Wichtig ist daher Behutsamkeit und genaues Zuhören – damit ein Hilfebedürftiger sich in seiner Not nicht zusätzlich noch gedemütigt fühlt.

Es gibt aber auch schwache Menschen in anderem Sinn, Paulus nennt sie „ataktoj“, aus dem Takt geraten, Luther übersetzt „unordentlich“. Ihnen hilft man nur, wenn man offen mit ihnen redet, statt hintenherum schlecht über sie zu reden.

Andere empfinden sich als schwach, sind aber in Wirklichkeit kleinmütig, wie Paulus sagt: sie denken zu klein von sich, trauen sich nichts zu. Paulus ruft dazu auf: Ermutigt die Ängstlichen! Die Kraft Gottes wirkt auch durch schwache Menschen. Auch in unserer Gemeinde gibt es viele verborgene Talente – und auf der anderen Seite so viele Aufgaben, die von den Hauptamtlichen allein nicht bewältigt werden können, zumal wenn ab heute eine ganze Pfarrstelle in unserer Gemeinde wegfällt. Auch für den neuen Kirchenvorstand, der heute in einem Jahr sein Amt antreten wird, gibt es bestimmt mehr geeignete Kandidaten in unserer Gemeinde, als wir ahnen. Mit ganz unterschiedlichen Gaben kann man dazu berufen sein, die Gemeinde zu leiten, wenn einem die Gemeinde am Herzen liegt.

Im Heiligwerden sind wir aufeinander angewiesen, aber nicht indem wir uns Druck machen: Du musst mehr beten, du musst fröhlicher sein, du musst dankbarer sein! Nein. Paulus sagt: „Löscht den Geist nicht aus!“ Wenn ein Christ am Ende ist und nur noch klagen und seufzen kann, wirkt Gott in ihm durch seinen Geist – er wird den glimmenden Docht nicht auslöschen. Wenn aus dem Boden Gräser keimen, wachsen sie nicht schneller, wenn man an ihnen zieht, sondern sie sterben ab. Genau so tödlich ist es für den Glauben, wenn man ihn durch Druck und Zwang vergrößern will. Behutsam soll man ihn wachsen lassen – zulassen, dass Gott mit mir barmherzig ist, dass Gott mir Liebe schenkt, obwohl ich sie nicht verdiene. Auch wenn ich an Gott zweifele, er zweifelt nicht an mir. Er traut mir jetzt etwas zu, er wird es auch in Zukunft tun. „Gott, der euch beruft, ist treu; er wird’s auch tun.“ Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.
Lied 586:

1) Herr, der du einst gekommen bist, in Knechtsgestalt zu gehen, des Weise nie gewesen ist, sich selber zu erhöhn:

2) Komm, führe unsre stolze Art in deine Demut ein! Nur wo sich Demut offenbart, kann Gottes Gnade sein.

3) Der du noch in der letzten Nacht, eh dich der Feind gefasst, den Deinen von der Liebe Macht so treu gezeuget hast:

4) Erinnre deine kleine Schar, die sich so leicht entzweit, dass deine letzte Sorge war der Glieder Einigkeit.

5) Drum leit auf deiner Leidensbahn uns selber an der Hand, weil dort nur mit regieren kann, wer hier mit überwand.

Im Abendmahl sind wir eingeladen, zu spüren, dass der Gott des Friedens treu und liebevoll zu uns steht.

Im Brot schenkt er uns den Leib seiner Liebe. Im Kelch besiegelt er seine Treue zu uns mit seinem Blut.

Gott, sei du unser Seelsorger, schaue in unser Herz, spüre die bösen Gedanken auf, was verhärtet und verbittert ist, und bringe uns auf den Weg des Friedens. In der Stille bringen wir vor dich, was unsere Seele belastet:

Beichtstille

Wollt Ihr Gottes Treue und Vergebung annehmen, so sagt laut oder leise oder auch still im Herzen: Ja!

Auf euer aufrichtiges Bekenntnis spreche ich euch die Vergebung eurer Sünden zu – im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Der Herr sei mit euch. „Und mit deinem Geiste.“

Die Herzen in die Höhe! „Wir erheben sie zum Herren.“

Lasset uns Dank sagen dem Herrn, unserem Gott. „Das ist würdig und recht.“

Würdig und recht ist es, Gott ernst zu nehmen als den der groß ist in seiner Güte und Freundlichkeit zu uns Menschen. Würdig und recht ist es, uns selber anzunehmen als Menschen mit aufrechtem Gang, von Gott geliebt und verantwortlich für unser Leben. Zu dir rufen wir und preisen dich, Heiliger Gott:

Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth; alle Lande sind seiner Ehre voll. Hosianna in der Höhe. Gelobet sei, der da kommt im Namen des Herrn. Hosianna in der Höhe.

Vater unser und Abendmahl

Jesus Christus spricht (Johannes 14, 27):

Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.

Nehmt und gebt weiter, was euch gegeben ist – den lebendigen Leib der Liebe Christi.

Herumreichen des Korbs

Christus spricht (Matthäus 5, 9):

Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen.

Nehmt hin den Kelch der Vergebung, des neuen Anfangs, der Versöhnung zwischen Gott und Mensch.

Austeilen der Kelche

Paulus sagt (Epheser 2, 17):

[Christus] ist gekommen und hat im Evangelium Frieden verkündigt euch, die ihrt fern wart, und Frieden denen, die nahe waren.

Gehet hin im Frieden!

Lasst uns nach dem Abendmahl für den Frieden beten – mit dem Text eines Liedes von Peter Spangenberg:
Wir beten für den Frieden, wir beten für die Welt
Lied 222:

1) Im Frieden dein, o Herre mein, lass ziehn mich meine Straßen. Wie mir dein Mund gegeben kund, schenkst Gnad du ohne Maßen, hast mein Gesicht das sel’ge Licht, den Heiland, schauen lassen.

2) Mir armem Gast bereitet hast das reiche Mahl der Gnaden. Das Lebensbrot stillt Hungers Not, heilt meiner Seele Schaden. Ob solchem Gut jauchzt Sinn und Mut mit alln, die du geladen.

3) O Herr, verleih, dass Lieb und Treu in dir uns all verbinden, dass Hand und Mund zu jeder Stund dein Freundlichkeit verkünden, bis nach der Zeit den Platz bereit‘ an deinem Tisch wir finden.

Abkündigungen

Und nun lasst uns mit Gottes Segen in den Sonntag gehen – wer möchte, ist im Anschluss noch herzlich zum Beisammensein mit Kaffee oder Tee im Gemeindesaal eingeladen.

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.