Unsere Welt – von Gott umfangen

Von allen Seiten umfängt Gott unsere Erde und sogar unser ganzes Weltall. Alles kommt von Gott her, denn Gott war schon immer da und wird immer da sein. Nun könnte man mich fragen: „Wie wollen Sie das beweisen?“ Klare Antwort: „Ich kann es nicht beweisen.“ Allerdings könnte ein Atheist umgekehrt auch nicht beweisen, dass es Gott nicht gibt.

Erdkugel aus Holz, von zwei Händen aus Holz umfangen

Unsere Erde ist von liebevollen Händen umfangen (Bild: pixabay.com)

#predigtGottesdienst am Sonntag Estomihi, den 5. Februar 1989 um 9.30 Uhr in Heuchelheim

Herzlich willkommen im Heuchelheimer Gottesdienst am Sonntag vor der Passionszeit, in der wir an das Leiden Christi denken. Dieser Sonntag hat den Namen „Estomihi“, das ist der lateinische Anfang eines Psalmverses, der lautet: „Sei mir ein starker Fels, o Gott!“

Lied 127, 1-3:

Liebster Jesu, wir sind hier, dich und dein Wort anzuhören; lenke Sinnen und Begier auf die süßen Himmelslehren, dass die Herzen von der Erden ganz zu dir gezogen werden.

Unser Wissen und Verstand ist mit Finsternis verhüllet, wo nicht deines Geistes Hand uns mit hellem Licht erfüllet; Gutes denken, tun und dichten musst du selbst in uns verrichten.

O du Glanz der Herrlichkeit, Licht vom Licht, aus Gott geboren: mach uns allesamt bereit, öffne Herzen, Mund und Ohren; unser Bitten, Flehn und Singen lass, Herr Jesu, wohl gelingen.

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

Im Namen Gottes sind wir hier versammelt. Das heißt: nicht wir stehen hier im Mittelpunkt. Nicht wir müssen es schaffen, mit allen gut auszukommen, mit allen einer Meinung zu sein, um dazuzugehören. Nein, Gott steht im Mittelpunkt. Er führt uns zusammen, auch wenn wir verschieden sind, auch wenn wir ganz gegensätzliche Einstellungen haben, auch wenn der eine so, der andere anders glaubt oder wenn einer sehr stark zweifelt. Gott stellt keine Bedingungen. Er nimmt uns an, so wie wir sind, mit allem, was uns bewegt.

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem heiligen Geiste, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Gott, zu dir können wir beten, und du hörst uns. Du bist die Kraft, ohne die es die Welt nicht gäbe, und bist unsichtbar und bist unvorstellbar groß. Und zugleich bist du als Mensch in die Welt gekommen, hast erlebt und mitgelitten, was Menschen erfahren. Du musstest sterben und bist auferstanden. Vater und Sohn, so nennen wir dich, weil wir es uns nicht anders vorstellen können, dass du einerseits auf der Erde in Jesus warst, und andererseits auch im Himmel geblieben bist. Genau werden wir das wohl nie begreifen. Aber uns kann es ausreichen, wenn wir wissen: dir können wir uns anvertrauen. Du hörst uns. Du begleitest uns und gibst uns innere Kraft, gerade dann, wenn wir am Ende sind, wenn wir spüren, wie schwach, hilflos und verzweifelt wir sind. Um solche Kraft, um Glauben und Liebe bitten wir dich im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören die Schriftlesung aus 1. Thessalonicher 5, 12-28:

12 Wir bitten euch aber, liebe Brüder, erkennt an, die an euch arbeiten und euch vorstehen in dem Herrn und euch ermahnen;

13 habt sie um so lieber um ihres Werkes willen. Haltet Frieden untereinander.

14 Wir ermahnen euch aber, liebe Brüder: Weist die Unordentlichen zurecht, tröstet die Kleinmütigen, tragt die Schwachen, seid geduldig gegen jedermann.

15 Seht zu, dass keiner dem andern Böses mit Bösem vergelte, sondern jagt allezeit dem Guten nach untereinander und gegen jedermann.

16 Seid allezeit fröhlich,

17 betet ohne Unterlass,

18 seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus an euch.

19 Den Geist dämpft nicht.

20 Prophetische Rede verachtet nicht.

21 Prüft aber alles, und das Gute behaltet.

22 Meidet das Böse in jeder Gestalt.

23 Er aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch und bewahre euren Geist samt Seele und Leib unversehrt, untadelig für die Ankunft unseres Herrn Jesus Christus.

24 Treu ist er, der euch ruft; er wird’s auch tun.

25 Liebe Brüder, betet auch für uns.

26 Grüßt alle Brüder mit dem heiligen Kuss.

27 Ich beschwöre euch bei dem Herrn, dass ihr diesen Brief lesen lasst vor allen Brüdern.

28 Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus sei mit euch!

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Halleluja! „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Lied: Glauben heißt…
Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Zur Predigt hören wir den Psalm 139:

1 HERR, du erforschest mich und kennest mich.

2 Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne.

3 Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege.

4 Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge, das du, HERR, nicht schon wüsstest.

5 Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.

6 Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch, ich kann sie nicht begreifen.

7 Wohin soll ich gehen vor deinem Geist, und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht?

8 Führe ich gen Himmel, so bist du da; bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da.

9 Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer,

10 so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten.

11 Spräche ich: Finsternis möge mich decken und Nacht statt Licht um mich sein -,

12 so wäre auch Finsternis nicht finster bei dir und die Nacht leuchtete wie der Tag. Finsternis ist wie das Licht.

13 Denn du hast meine Nieren bereitet und hast mich gebildet im Mutterleibe.

14 Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.

15 Es war dir mein Gebein nicht verborgen, als ich im Verborgenen gemacht wurde, als ich gebildet wurde unten in der Erde.

16 Deine Augen sahen mich, als ich noch nicht bereitet war, und alle Tage waren in dein Buch geschrieben, die noch werden sollten und von denen keiner da war.

17 Aber wie schwer sind für mich, Gott, deine Gedanken! Wie ist ihre Summe so groß!

18 Wollte ich sie zählen, so wären sie mehr als der Sand: Am Ende bin ich noch immer bei dir…

23 Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich’s meine.

24 Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege.

Amen.

Liebe Gemeinde!

Dies ist ein Gebet des Vertrauens zu Gott, wie es im Buche steht. Man sagt ja so, „im Buche stehen“, wenn man ausdrücken will: das ist ein ganz besonderes Beispiel, ein ganz besonderes Exemplar einer Sache. Und dieses Gebet steht auch wörtlich genommen „im Buche“, nämlich in einem Buch der Bibel, in den Psalmen. Einen Psalm habt Ihr Konfirmanden ja auswendig gelernt, den Psalm vom Guten Hirten, Nr. 23. Dieser Psalm, den ich vorgelesen habe, Nr. 139, ist ein Stück länger, aber vielleicht noch schöner und vor allem – unserer Zeit noch näher als der Hirtenpsalm.

Dieser Psalm stammt zwar aus einer Zeit, in der man noch ein ganz anderes Weltbild hatte als wir heute. Der Himmel wölbte sich über der Erde, die man sich als große Scheibe vorstellte, und unter der Erde, so dachte man, war das Totenreich. Aber trotzdem gibt es in diesem Psalm Sätze, die genauso gut in unser modernes Weltbild hineinpassen, z. B. der Vers: „Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.“ Von allen Seiten kann Gott auch unsere Erde umfassen, die im weiten Weltall um die Sonne kreist. Von allen Seiten umgibt Gott sogar unser ganzes Weltall, und wir können sagen: Alles kommt von Gott her, ohne ihn ist nichts geworden, Gott war schon immer da und wird immer da sein.

Nun könnte man mich fragen: „Wie wollen Sie das beweisen?“ Und darauf muss ich eine klare Antwort geben: „Ich kann es nicht beweisen.“ Allerdings könnte ein Atheist umgekehrt auch nicht beweisen, dass es Gott nicht gibt. Es handelt sich hier nämlich um Aussagen, die über unsere sichtbare Welt hinausgehen, um Fragen nach dem Ursprung der Welt, nach dem Sinn und Ziel der Welt, die niemand nur mit dem beantworten kann, was er vor Augen hat. Es ist ähnlich wie mit den Fragen, die sich um die Liebe und das Vertrauen zwischen Menschen drehen. Dass ich einen anderen Menschen liebe, kann ich nicht beweisen. Zeigen kann ich ihm meine Liebe, aber der andere könnte immer noch denken, ich spiele ihm etwas vor. Manche Menschen können auch unheimlich schwer Vertrauen zu anderen Menschen fassen. Sie sind schon zu oft enttäuscht worden und fürchten sich vor neuen Enttäuschungen. Trotzdem ist kein Leben ohne irgendwelche Formen von Vertrauen möglich. Und ein erfülltes Leben schon gar nicht. Man muss es lernen, Vertrauen zu wagen, um Zuwendung von anderen Menschen zu bekommen und um auch annehmen zu können, was andere für uns tun.

Mit Gott ist es ähnlich. Die Beziehung zu Gott ist ganz ähnlich aufgebaut wie eine menschliche, vertrauensvolle Partnerschaft. Nicht wie eine Geschäftsbeziehung mit Bedingungen und Ansprüchen, mit Forderungen und Gegenleistungen, sondern wie eine Liebesbeziehung, in der zwar auch Erwartungen und Wünsche eine Rolle spielen, aber noch viel mehr Liebe und Vertrauen, Ehrlichkeit und Dankbarkeit.

Etwas ist allerdings anders in der Beziehung zu Gott als in einer menschlichen Partnerschaft: Gott und Mensch, diese beiden Partner sind absolut nicht gleichgewichtig. Vielmehr sind wir abhängig von ihm, und zwar total. Der Psalm 139 beschreibt das in vielen dichterischen Wendungen: dass Gott überall sein kann, dass wir vor ihm nicht fliehen können, selbst wenn wir uns im hintersten Winkel des Universums verstecken wollten, und dass er sogar unsere Gedanken kennt. Er hat uns schon gekannt, bevor wir geboren waren, und zwar ganz einfach, weil er alles geschaffen hat, was existiert, und weil er alles zuvor weiß, was geschehen sollte.

Wenn aber Gott vorher alles weiß, was geschehen wird, wie kann er dann eben das alles zulassen, auch das Schreckliche? Dann könnte er doch, so denken wir, das Böse verhindern, oder etwa nicht?

Wir wissen darauf keine Antwort, außer dass wir eben sagen müssen: Es ist so, wie es ist, und nicht anders, wir können es nicht ändern. Wir können höchstens sagen: Wenn es nicht die Möglichkeit gäbe, dass Böses in der Welt passiert, dann könnten wir auch nicht wählen zwischen dem Guten und dem Bösen – und als freie Menschen hat Gott uns geschaffen. Aber warum die menschliche Freiheit mit so vielen Leiden verbunden sein muss, darauf hat noch kein Philosoph und kein Theologie eine wirkliche Antwort gewusst.

Gott hat sich dafür entschieden, uns Menschen auf menschliche Art zu helfen und nicht seine Allmacht so einzusetzen, wie wir uns das in unserer Phantasie so herrlich ausmalen – dass Gott eingreift wie ein Supermann und beseitigt mit einem Schlage alles, was uns in unserer Welt stört. Vielmehr ist Gott uns einfach nah, wie ein Mensch, der uns liebhat, und darauf können wir uns wirklich verlassen. Diese Nähe, diese Liebe hört auch nicht auf, wenn wir vor Gott weglaufen, und nicht einmal dann, wenn wir sterben. „Führe ich gen Himmel, so bist du da“, so sagt des der 139. Psalm, „bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da. Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten.“

Zu verstehen ist das alles für menschliche Gehirne kaum, und das sagt auch der Psalmdichter: „Aber wie schwer sind für mich, Gott, deine Gedanken!“ Er begnügt sich damit, das festzustellen, und eben nicht davonzulaufen vor Gott. Er vertraut sich Gott an, und bittet ihn abschließend um Anleitung und Führung für sein eigenes Leben: „Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich’s meine. Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege.“

Ein ewiger Weg, das ist nichts weiter als der Weg, der aus vielen kleinen Schritten des Vertrauens, der Hoffnung und der Liebe besteht. Vielleicht sieht das so aus, dass wir zu Gott beten und ihm unsere Gedanken und Gefühle anvertrauen. Gott hält auch unsere Klagen aus und unseren Zorn. Manchmal begegnen uns auch Menschen, denen wir uns anvertrauen können. Oder wir selber werden für bestimmte Aufgaben gebraucht. Gelegentlich besteht das Vertrauen zu Gott vielleicht auch einfach darin, dass wir es aushalten, im Augenblick keinen Sinn in unserem Leben zu spüren, denn – so heißt es im Psalm: „Spräche ich: Finsternis möge mich decken und Nacht statt Licht um mich sein -, so wäre auch Finsternis nicht finster bei dir, und die Nacht leuchtete wie der Tag. Finsternis ist wie das Licht.“ Amen.

Und der Friede Gottes, der viel größer ist, als unser Denken und Fühlen erfassen kann, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.
Lied 106, 1-2+7:

Komm, o komm, du Geist des Lebens, wahrer Gott von Ewigkeit, deine Kraft sei nicht vergebens, sie erfüll uns jederzeit; so wird Geist und Licht und Schein in dem dunkeln Herzen sein.

Gib in unser Herz und Sinnen Weisheit, Rat, Verstand und Zucht, dass wir anders nichts beginnen, als nur, was dein Wille sucht; dein Erkenntnis werde groß und mach uns vom Irrtum los.

Herr, bewahr auch unsern Glauben, dass kein Teufel, Tod noch Spott uns denselben möge rauben, du bist unser Schutz und Gott; sagt das Fleisch gleich immer: nein! lass dein Wort gewisser sein.

Lasst uns beten mit einer modernen Nachdichtung des 139. Psalms:

Herr, du weißt über mich Bescheid

Du, Gott, lässt auch nicht verloren gehen, die gestorben sind. So beten wir zu dir auch für Frau …, die im Alter von 48 Jahren starb und die wir gemeinsam zu Grabe trugen. Sie ist bei dir, mehr können wir nicht sagen. Wir können dich nur bitten für die, die sie liebten: tröste sie, lass sie deine Nähe spüren, gib ihnen das Vertrauen zu Menschen, die ihnen helfen, ihre Trauer zu tragen. Amen.

Gemeinsam beten wir mit Jesu Worten:

Vater unser
Abkündigungen
Liederheft 2, 1-4: Komm, Herr, segne uns, dass wir uns nicht trennen

Und nun lasst uns mit Gottes Segen in die neue Woche gehen:

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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