Aufsteigen!

Jesu Karriereleiter lehnt am Kreuz, an diesem furchtbaren Folter- und Hinrichtungsinstrument der Römer. Aber Jesus versteht seine Erhöhung ans Kreuz wirklich als Aufstieg und Sieg. Er ist der wahre Aufsteiger, der wahre Mensch, wie Gott ihn gemeint hat, als er ihn wunderbar geschaffen hat, ein Mensch, der sich einsetzt für seine Freunde, der sogar um Vergebung bittet für seine Feinde.

Eine Treppenkreuzung am Berghang

Treppen, die sich kreuzen (Foto: pixabay.com)

Die evangelischen Gemeinden Michael, Paulus und Thomas feiern gemeinsam Gottesdienst an Christi Himmelfahrt, 17. Mai 2007, um 10 Uhr auf dem Segelflugplatz in der Wieseck-Aue
Musik zur Einstimmung
Begrüßung und Votum
Liedstrophe 594: Der Himmel geht über allen auf
Psalm 47:

2 Schlagt froh in die Hände, alle Völker, und jauchzet Gott mit fröhlichem Schall!

6 Gott fährt auf unter Jauchzen, der Herr beim Hall der Posaune.

7 Lobsinget, lobsinget Gott, lobsinget, lobsinget unserm Könige!

8 Denn Gott ist König über die ganze Erde; lobsinget ihm mit Psalmen!

9 Gott ist König über die Völker, Gott sitzt auf seinem heiligen Thron.

10 Die Fürsten der Völker sind versammelt als Volk des Gottes Abrahams;
denn Gott gehören die Starken auf Erden; er ist hoch erhaben.

Liedstrophe 594: Der Himmel geht über allen auf
Klage
Liedvers nach Taizé: Kyrie, kyrie, eleeison. Kyrie, kyrie, eleeison.
Zuspruch
Liedstrophe 594: Der Himmel geht über allen auf
Gebet und Schriftlesung: Apostelgeschichte 1, 3-11
Lied 622: Weißt du, wo der Himmel ist
Predigt und Papierflieger
(Kinder und Erwachsene in verschiedenen Räumen)

Liebe Gemeinde!

„Aufsteigen!“, so lautet unser Gottesdienst-Thema heute.

Zum zweiten Mal feiern wir Gottesdienst auf dem Segelflugplatz in der Wieseck-Aue, wo bei geeignetem Wetter Flugzeuge in den blauen Himmel aufsteigen.

Wir tun es am Fest der Himmelfahrt von Jesus Christus, der ebenfalls einen Aufstieg vollzogen hat, wie wir es vorhin in der Lesung gehört haben und wie wir es im Glaubensbekenntnis nachsprechen: „aufgefahren in den Himmel“.

Aus dem Mund von Jesus selbst hören wir dazu ein Wort, das steht im Evangelium nach Johannes 12, 32:

„Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.“

Was hat die Himmelfahrt Jesu, was hat seine Erhöhung von der Erde mit dem Thema „Aufsteigen!“ zu tun? In welche Liga ist er aufgestiegen? Welche Karriereleiter hat er bewältigt?

Denn vom Aufstieg reden vor allem Fußballfans. Wer steigt außer Karlsruhe noch in die 1. Bundesliga auf, Rostock, Duisburg, Freiburg?

Allerdings: Jeder Aufstieg ist immer verbunden mit einem Abstieg. Mannschaften müssen absteigen, damit andere aufsteigen können. „Alle zu mir zie­hen“, wenn einer aufsteigt? – nicht im Fußball!

Außerdem ist jeder Aufstieg nur ein Aufstieg auf Zeit. Jedes Jahr neu kann auch wieder das Gespenst des Abstiegs drohen. Kaiserslautern hat es einmal geschafft, schon im Jahr nach der Meisterschaft wieder in der Versenkung zu verschwinden. In jedem Fall ist ein Aufstieg nur eine Zwischenstation. Der Aufsteiger muss ja kämpfen, um in der Liga zu bleiben und bestenfalls die Meisterschaft zu gewinnen. Und wer die Meisterschaft schafft, darf und muss wieder weiterkämpfen – in der Liga der europäischen Champions. Aufstieg im Fußball, da geht es um Kämpfe ohne Ende. Das muss auch so sein, spannend wird Fußball ja gerade dadurch, dass nicht immer nur die Bayern ganz oben mitmischen, sondern auch mal Schalke und Stuttgart sich ein Tränenderby liefern.

Vom Aufstieg träumen auch Menschen mitten im Leben. Wer in der beneidenswerten Lage ist, zwischen Arbeitsplatzangeboten auswählen zu können, lehnt auch schon mal einen Job ab, weil er keine guten Aufstiegs­chancen bietet. Wer es geschafft hat, aufzusteigen, im Betrieb, im Management, in der Politik, der bekommt den Preis zu spüren, den das kostet: man darf sich auf Lorbeeren nicht ausruhen, die Anforderungen sind oft gesundheitsgefährdend, wer weit oben steht, fällt im Zweifelsfall auch tief.

Kein Wunder, dass es neben Aufsteigern auch Aussteiger gibt. Es gibt heute zwar nicht mehr so viele ideologisch motivierte Totalaussteiger aus der Gesellschaft, die vom Kampf um mehr Geld, mehr Einfluss, mehr Ellbogenfreiheit grundsätzlich nichts halten. Aber wer sich von vornherein keine Chancen bei der Suche nach einer Lehr- oder Arbeitsstelle ausrechnet, der strengt sich gar nicht erst an. Ein schlechter Schüler, der die Sehnsucht nach guten Noten aufgegeben hat, beschimpft gute Schüler als Streber.

Was für ein Aufstieg ist die Himmelfahrt Jesu? Wie ist er erhöht worden? „Von der Erde“ hat man ihn erhöht, wer hat das getan, was ist dabei mit ihm passiert?

Als Jesus diesen Satz sagt:

„Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen“,

da verstehen viele seiner Zuhörer ihn noch so: Jesus will auf der politischen Karriereleiter nach oben klettern. Die Zeloten, Eiferer für die Gerechtigkeit Gottes und Kämpfer für die Freiheit von der römischen Besatzungsmacht, sie wollen ihn als Anführer gewinnen. Denn sie halten ihn für den von Gott Gesalbten, auf Hebräisch Messias, auf Griechisch Christos, den neuen König David, der dem Volk und aller Welt Frieden bringt und Gerechtigkeit für alle Menschen.

Aber sie hören nicht genau zu. Denn Jesus sagt nicht: Wenn ich erhöht werde auf den Thron des Königs oder des Kaisers, sondern wenn ich erhöht werde „von der Erde“. Jesus lehnt es ab, Anführer einer gewaltsamen Befreiungsarmee zu werden, und erleidet Verrat durch einen seiner engsten Freunde. Jesus wird verhaftet, bekommt zum Spott einen Königsmantel angezogen und eine Dornenkrone aufgesetzt, wird als König der Juden ans Kreuz erhöht. So sieht zunächst sein Aufstieg aus. Seine Karriereleiter lehnt am Kreuz, an diesem furchtbaren Folter- und Hinrichtungsinstrument der Römer.

Das ist die Karikatur eines Aufstiegs, eine Farce, ein als Abstieg verkleideter Aufstieg. Denn vom Kreuz führt der Weg direkt nach unten, ins Grab: Jesus ist „hinabgestiegen in das Reich der Toten“. Die von Unrecht und Gewalt geprägte Weltordnung darf weiter schalten und walten. Als Befreier der Menschen ist Jesus gescheitert.

Aber wenn wir der Bibel Glauben schenken, dann scheint das nur so. Jesus versteht seine Erhöhung ans Kreuz wirklich als Aufstieg und Sieg. Der Mensch, der da hoch hinauf ans Kreuz gehängt wird, auf den Pilatus mit dem Finger zeigt mit den Worten „Ecce homo – seht, welch ein Mensch!“, er ist der wahre Aufsteiger, der wahre Mensch, wie Gott ihn gemeint hat, als er ihn wunderbar geschaffen hat, ein Mensch, der sich einsetzt für seine Freunde, der sogar um Vergebung bittet für seine Feinde. Jesus besiegt am Kreuz die Macht der Gewalt und des Bösen, als er selber auf Gewalt und böse Taten verzichtet. Der wahre Mensch kann nur aufsteigen, indem er durch Krisen, Scheitern, vielleicht sogar durch den Tod hindurchgeht.

Aber was wäre das für ein Sieg, wenn er im Grab und im Totenreich enden würde? Jesus hatte gesagt (Markus­ 8, 35):

„Wer sein Leben erhalten will, der wird’s verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der wird’s erhalten.“

Jesus erweist diesen Satz als wahr, als er am Ostermorgen von den Toten erweckt wird. Er ist nicht nur wahrer Mensch, er ist auch wahrer Gott. Jesus steigt zum Vater im Himmel auf, dessen Liebe er schon auf Erden vollkommen verkörpert hat. Und von dort aus ruft er uns auf, ihm nachzufolgen.

Nachfolge Jesu: „Aufstieg in die Liebesliga“ (Barbara Görich-Reinel
Papierflieger-Basteln (Anleitung durch Frank Wendel)
Fürbitten (Barbara Görich-Reinel – Helmut Schütz – Frank Wendel)

Gott, die Liebe mit der du uns liebst, brauchen wir. Damit wir das Trennende unter uns überwinden können. Um deine Liebe bitten wir und rufen zu dir: „Herr, erhöre uns!“

Für diejenigen unter uns die krank sind. Dass sie jemand begleitet und für sie sorgt. Dass sie jemanden haben, mit dem sie sprechen können und der zuhört. Wir rufen zu dir: „Herr, erhöre uns!“

Für diejenigen, denen der Himmel verschlossen scheint. Dass die Gebeugten wieder aufrecht gehen können. Herr, nimm den Engherzigen die Angst vor der Weite. Wir rufen zu dir: „Herr, erhöre uns!“

Für unsere gefährdete Welt, deine gute Schöpfung, unseren Himmel auf Erden. Wehre allen Mächtigen sie zu zerstören. Erinnere alle an ihre Verantwortung vor dir, die in Wissenschaft und Technik, in Wirtschaft und Politik arbeiten. Wir rufen zu dir: „Herr, erhöre uns!“

Für unsere Gesellschaft bitten wir, dass sie nicht noch weiter auseinanderbricht in „2/3-Gesellschaft“ und Prekariat, in Begüterte und Chancenlose, in Reiche und Arme. Dass Solidarität in unserer gesellschaft wachse Wir rufen zu dir: „Herr, erhöre uns!“

Für die Völker zwischen denen Unterschiede zu Konflikten führen, bitten wir, dass über alle Risse hinweg Menschen immer wieder Wege zueinander finden. Dass Verständnis und Versöhnung zwischen Völkern und den Menschen dieser Erde wächst. Wir rufen zu dir: „Herr, erhöre uns!“

Gott deine Liebe brauchen wir. Damit wir das Trennende unter uns überwinden lernen und gemeinsam aufsteigen in deiner Liebe. Darum bitten wir. Amen.

Fliegende Flieger
Vater unser
Abkündigungen
Segen
Anschließend:Essen und Trinken auf dem Grillplatz

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