„Geifert nicht“, so geifern sie

Die Predigt des Propheten Micha – hart und sanft zugleich.

Die Gegner des Propheten Micha bringen scheinbar gute Argumente. Man darf doch nicht politisch predigen! Kann Gott im Zorn sein auserwähltes Volk im Stich lassen? Aber gerade weil es Gott nicht egal ist, dass sich seine Menschenkinder ins Unglück stürzen, wird er zornig über das Unrecht, das sie einander antun.

Eine Protestversammlung der heutigen Zeit gegen Rassendiskriminierung

Eine Protestversammlung der heutigen Zeit gegen Rassendiskriminierung (Foto: pixabay.com)

#predigtGottesdienst am 3. Sonntag der Passionszeit, Okuli, den 10. März 1996, um 9.30 Uhr in der Kapelle der Landesnervenklinik Alzey

Herzlich willkommen im Gottesdienst am 3. Sonntag der Passionszeit in unserer Klinik-Kapelle! Heute werde ich über den Propheten Micha predigen, der den Menschen seiner Zeit hart die Meinung gesagt hat. Und ich stelle mir die Frage: Darf man auch heute in einer Predigt harte Wahrheiten aussprechen? Muss man es sogar? Ist eine Predigt gut, wenn sie versucht, es allen recht zu machen? Oder kann sie gerade dann gut sein, wenn der Prediger sich selbst und den Zuhörern etwas zumutet, wenn die Predigt unbequem ist? Darüber hören wir nachher mehr.

Lied 165, 1+6+8:

1) Gott ist gegenwärtig. Lasset uns anbeten und in Ehrfurcht vor ihn treten. Gott ist in der Mitte. Alles in uns schweige und sich innigst vor ihm beuge. Wer ihn kennt, wer ihn nennt, schlag die Augen nieder; kommt, ergebt euch wieder.

6) Du durchdringest alles; lass dein schönstes Lichte, Herr, berühren mein Gesichte. Wie die zarten Blumen willig sich entfalten und der Sonne stille halten, lass mich so still und froh deine Strahlen fassen und dich wirken lassen.

8) Herr, komm in mir wohnen, lass mein‘ Geist auf Erden dir ein Heiligtum noch werden; komm, du nahes Wesen, dich in mir verkläre, dass ich dich stets lieb und ehre. Wo ich geh, sitz und steh, lass mich dich erblicken und vor dir mich bücken.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Wir beten mit Psalm 34:

16 Die Augen des HERRN merken auf die Gerechten / und seine Ohren auf ihr Schreien.

17 Das Angesicht des HERRN steht wider alle, die Böses tun, / dass er ihren Namen ausrotte von der Erde.

18 Wenn die Gerechten schreien, so hört der HERR / und errettet sie aus all ihrer Not.

19 Der HERR ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, / und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben.

20 Der Gerechte muss viel erleiden, / aber aus alledem hilft ihm der HERR.

21 Er bewahrt ihm alle seine Gebeine, / dass nicht eines zerbrochen wird.

23 Der HERR erlöst das Leben seiner Knechte, / und alle, die auf ihn trauen, werden frei von Schuld.

Kommt, lasst uns anbeten. „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Gott, manchmal ist unser Herz unruhig, und wir können uns einfach nicht beruhigen. Dann bitten wir dich: schenke uns ein Stück von deinem Frieden, lass Ruhe in uns einkehren, zeige uns, dass nicht alles von unserem Können und Tun abhängt, sondern dass wir in deine Hände legen können, was uns unruhig macht und was wir nicht ändern können!

Manchmal aber sind wir auch festgefahren in vertrauten Denkweisen. Wir möchten nicht, dass jemand sagt: Denk doch mal nach über dich! Versuch doch mal, etwas anders zu machen! Dann hilf uns, die Angst vor dem Neuen zu überwinden! Nimm eine falsche Sicherheit von uns, auch wenn wir dann beunruhigt sind, und schenke uns Ruhe zum klaren Denken! Das erbitten wir von dir im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören die Schriftlesung aus dem Evangelium nach Lukas 9, 57- 62:

57 Und als sie auf dem Wege waren, sprach einer zu ihm: Ich will dir folgen, wohin du gehst.

58 Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Gruben, und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege.

59 Und er sprach zu einem andern: Folge mir nach! Der sprach aber: Herr, erlaube mir, dass ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe.

60 Aber Jesus sprach zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes!

61 Und ein andrer sprach: Herr, ich will dir nachfolgen; aber erlaube mir zuvor, dass ich Abschied nehme von denen, die in meinem Haus sind.

62 Jesus aber sprach zu ihm: Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Halleluja! „Halleluja,Halleluja,Halleluja.“

Lied 614, 1-4: Lass uns in deinem Namen, Herr, die nötigen Schritte tun
Gnade und Friede sei mit uns allen von Gott, unserem Vater, und Jesus Christus, unserem Herrn. Amen.

Liebe Gemeinde!

Micha lebte vor 2700 Jahren im Lande Juda. Er war ein Prophet. Heute denken wir oft: Ein Prophet ist ein Wahrsager. Er sagt die Zukunft voraus. Aber das ist gar nicht die Hauptsache gewesen. Das Wesentliche war: Ein Prophet sagte den Menschen die Meinung. Er sagte ihnen nicht die eigenen Meinung, sondern Gottes Meinung. Ein Prophet horchte sehr in sich selbst hinein, er schaute sehr genau hin, was in seinem Volk geschah, und er hatte ein Gespür dafür, was Gott zu all dem sagen würde.

Und was kam dabei heraus? Meistens etwas Unerwartetes. Micha machte Mut, wenn die Leute am Verzweifeln waren. Aber wenn es den Menschen zu gut ging, wenn sie überhaupt nicht mehr merkten, dass sie auf Kosten anderer lebten, da redete er ihnen ins Gewissen.

Heute hören wir so eine Predigt von Micha, in der er den Menschen klar und hart die Meinung sagt. Er hat etwas beobachtet in seinem Volk, was nicht sein darf, und damit fängt seine Predigt an (Micha 2):

1 Weh denen, die Schaden zu tun trachten und gehen mit bösen Gedanken um auf ihrem Lager, dass sie es frühe, wenn’s licht wird, vollbringen, weil sie die Macht haben!

2 Sie reißen Äcker an sich und nehmen Häuser, wie sie’s gelüstet. So treiben sie Gewalt mit eines jeden Hause und mit eines jeden Erbe.

Der Prophet spricht klar aus, was in seinen Augen böse ist. Wenn Menschen, die die Macht dazu haben, anderen Leuten ihr Eigentum wegnehmen. Wenn Reiche das bestehende Wirtschaftssystem ausnutzen, um immer reicher zu werden, und dabei in Kauf nehmen, dass Arme immer noch ärmer werden. Mir fallen dazu zum Beispiel Menschen ein, die dazu verleitet werden, hohe Schulden zu machen, ohne dass sie zurückzahlen können. Oder unseriöse Vertreter, die ihren Kunden eine Versicherung aufschwatzen, die sie gar nicht brauchen, nur um die Provision zu kassieren.

Der Prophet stellt sich nun vor, dass Gott das nicht tatenlos hinnimmt. Wenn Menschen Böses planen und tun, wenn sie ihren Mitmenschen schaden zufügen, dann plant Gott sozusagen auch Böses gegen diese Menschen:

3 Darum spricht der HERR: Siehe, ich ersinne wider dies Geschlecht Böses, aus dem ihr euren Hals nicht ziehen und unter dem ihr nicht so stolz dahergehen sollt; denn es soll eine böse Zeit sein.

Ganz einfach ist die Predigt des Micha an die Reichen seines Volkes: Ihr sollt selber am eigenen Leibe fühlen, was ihr anderen zugefügt habt – vielleicht erkennt ihr dann, was ihr getan habt, vielleicht könnt ihr euch dann einfühlen in das Leid der Menschen, die unter Euren Taten gelitten haben!

Der Prophet ahnt Dinge voraus, die dann auch eingetroffen sind: Ein Volk, das reich geworden ist durch Ausbeutung und Ungerechtigkeit, kann auch zur Beute werden für ein anderes Volk, das noch mächtiger und noch grausamer ist. So geschah es dann auch: die Babylonier verschleppten die Reichen und Mächtigen aus Jerusalem und Juda in die Verbannung nach Babylon, die Armen blieben großenteils im zerstörten Land wohnen.

Im nächsten Vers wird das ausgemalt, wie es dann auch gekommen ist, wie die Leute reagiert haben, als es ihnen schlecht erging. Der Prophet nennt die Klagen derer, die jetzt Böses tun und nachher Böses erleiden:

4 Zur selben Zeit wird man einen Spruch von euch machen und klagen: Es ist aus – so wird man sagen -, wir sind vernichtet! Meines Volkes Land kriegt einen fremden Herrn! Wann wird er uns die Äcker wieder zuteilen, die er uns genommen hat?

5 Jawohl, ihr werdet keinen Anteil behalten in der Gemeinde des HERRN.

Das waren Beispiele aus der Predigt des Micha, der es einfach nicht erträgt, dass Menschen gegen andere Menschen ungestraft Böses planen. In Israel war es eigentlich so: Das Eigentum an Grund und Boden sollte nicht nur einigen wenigen gehören, sondern jeder sollte wenigstens ein Stück Land haben, wo er wohnen und wovon er sich ernähren konnte. Wer anderen aber das wegnimmt, was er zum Leben braucht, der muss damit rechnen, dass er zum Schluss nichts davon behalten wird. Auf unrechtem Gut liegt kein Segen.

Lied 412, 1-4:

So jemand spricht: „Ich liebe Gott“ und hasst doch seine Brüder, der treibt mit Gottes Wahrheit Spott und reißt sie ganz darnieder. Gott ist die Lieb und will, dass ich den Nächsten liebe gleich als mich.

Wer dieser Erde Güter hat und sieht die Brüder leiden und macht die Hungrigen nicht satt, lässt Nackende nicht kleiden, der übertritt die erste Pflicht und liebt dich, Gott der Liebe, nicht.

Wer seines Nächsten Ehre schmäht und gern sie schmähen höret, sich freut, wenn sich sein Feind vergeht, und nichts zum Besten kehret, nicht dem Verleumder widerspricht, der liebt auch seinen Bruder nicht.

Wir haben einen Gott und Herrn, sind eines Leibes Glieder; drum diene deinem Nächsten gern, denn wir sind alle Brüder. Gott schuf die Welt nicht bloß für mich, mein Nächster ist sein Kind wie ich.

Mit der Predigt, die Micha den Leuten hält, liebe Gemeinde, kommt er aber schlecht an. Sie mögen lieber eine andere Sorte Propheten, die nur schöne Sachen von Gott erzählen, die nicht auf die sozialen Zustände im Land eingehen, die nichts über Gerechtigkeit und Unrecht sagen. Das kann man ja auch verstehen; wer möchte sich schon gern ins Gewissen reden lassen?

6 »Geifert nicht!«, so geifern sie. »Solches soll man nicht predigen! Wir werden nicht so zuschanden werden!

7 Ist denn das Haus Jakob verflucht? Meinst du, der HERR sei schnell zum Zorn? Sollte er solches tun wollen?«

Die Gegner des Propheten Micha bringen scheinbar gute Argumente. Argumente, die auch heute noch bekannt sind. Man darf doch nicht politisch predigen! Man darf sich doch nicht einmischen in Fragen, die gar nichts mit der Kirche und der Religion zu tun haben! Und vor allem wehren sie sich dagegen, dass Gott so hart gegen sein Volk sein könnte. Ist Gott nicht barmherzig? Hat er nicht versprochen, zu seinem Volk zu stehen? Kann er es dann fremden Besatzern ausliefern? Kann er es dann untergehen lassen? Kann er in seinem Zorn sein eigenes, auserwähltes Volk so im Stich lassen? Das ist doch nicht möglich, so denken sie. Deshalb darf Micha nicht so predigen!

Micha weiß, dass zwischen der Barmherzigkeit Gottes und seinem Zorn scheinbar ein Widerspruch besteht. Aber alle Propheten haben bewusst immer beides verkündigt. Denn sie wussten auch: In Wirklichkeit steht dieser Zorn Gottes nicht im Gegensatz zu seiner Liebe. Gerade weil es Gott nicht egal ist, dass sich seine Menschenkinder ins Unglück stürzen, gerade weil er sie lieb hat, wird er auch zornig über das Unrecht, das die Menschen einander antun. Die Israeliten wussten durch ihre Propheten: Gott hört nicht auf, unser Gott zu sein, er hört nicht auf, uns zu lieben, selbst wenn wir überfallen und verschleppt werden. Nicht, weil wir einen schwachen Gott haben, werden wir in die Verbannung getrieben, sondern weil Gott das Unrecht nicht mehr mit ansehen will, das wir in seinem eigenen Volk einander antun.

Nur am Rande möchte ich bemerken, dass der Prophet Micha ein Problem nicht im Blick hat: Dass ja auch Unschuldige mit unter der Verbannung leiden mussten und nicht nur die, die selber Unrecht getan hatten. Darüber wurde erst später im Buch Hiob und in der Geschichte Jesu nachgedacht. Den Propheten ging es zu ihrer Zeit aber noch nicht um die Schicksale von einzelnen Menschen, sondern um das Schicksal des ganzen Volkes. Und Micha nimmt zu seiner Zeit eben wahr, dass die Menschen seines Volkes zwar immer noch denken: Wir sind das Volk Gottes! aber sie handeln nicht so. Sie vertrauen mehr auf ihr Geld als auf Gott, sie handeln nicht nach den Geboten. Sie sind nur fromm in ihren Worten, nicht in ihren Taten. Deshalb sagt Micha im Auftrag Gottes:

Es ist wahr, meine Reden sind freundlich den Frommen.

8 Aber ihr steht wider mein Volk wie ein Feind; denn wie Leute, die aus dem Kriege kommen, raubt ihr Rock und Mantel denen, die sicher dahergehen.

9 Ihr treibt die Frauen meines Volks aus ihren lieben Häusern und nehmt von ihren Kindern meinen Schmuck auf immer.

Mit harten Worten beschreibt Micha noch einmal, was in seinem Volk geschieht: Menschen werden ihrer Kleidung beraubt. Vielleicht denkt der Prophet hier an Pfändungen bei Leuten, die kein Geld mehr haben, um ihre Rechnungen zu bezahlen. Frauen werden aus ihren Häusern getrieben. Möglicherweise sind hier Witwen gemeint, die ohne ihren Mann ihr Eigentum nicht mehr halten können. Und den Kindern wird ihr Schmuck auf immer genommen. Woran dabei zu denken ist, ist nicht ganz klar. Mir fällt der Walt-Disney-Film über Robin Hood ein, wo der böse Sheriff einem kleinen Jungen das einzige Geldstück wegnimmt, das er gerade zum Geburtstag geschenkt bekommen hat. Aber es kann auch sein, dass der Ausdruck vom Schmuck der Kinder bildlich gemeint ist. Vielleicht spricht der Prophet davon, dass Kinder missbraucht wurden. Oder er denkt daran, dass Kinder ihr Lächeln und ihre Unbefangenheit verlieren, wenn sie mit ihren Müttern aus dem Haus vertrieben werden und kein sicheres schützendes Dach mehr über dem Kopf haben.

Für den Propheten Micha ist darum alles klar: Unrecht muss und wird bestraft werden:

10 Darum macht euch auf! Ihr müsst davon, ihr sollt an dieser Stätte nicht bleiben! Um der Unreinheit willen muss sie unsanft zerstört werden.

Aber ist es wirklich so einfach? Bestraft Gott wirklich jedes Unrecht? Ich glaube, der Prophet weiß, dass das nicht immer so ist. Er weiß auch, dass es häufig so aussieht, als ob Unrecht ungestraft geschieht. Aber er weiß auch – es ist Gott einfach nicht gleichgültig, wenn die einen Menschen anderen Menschen Böses antun.

So gibt es auf der einen Seite Menschen, die unschuldig leiden – unter Ausbeutung, unter Krieg, unter Krankheit und Kummer, unter der Missachtung anderer Menschen. Das weiß auch der Prophet, er spricht ja gerade davon, dass es auch im Volk Gottes Menschen gibt, die unter dem Unrecht leiden, das andere im gleichen Volk ihnen antun. Diesen Menschen muss man ausdrücklich sagen: Du bist nicht schuld an deinem Leid! Du darfst einsehen, dass fremde Menschen dir Böses angetan haben und du nichts dafür konntest. Das gilt besonders für Menschen, die als Kinder schwer misshandelt oder missbraucht wurden, vielleicht von ihren eigenen Eltern, und die häufig eingeredet bekommen haben: Wir müssen dich so schwer bestrafen, weil du böse bist! Diesen Menschen sage ich nochmals ausdrücklich: Nein, kein Kind ist so böse, dass Eltern das Recht hätten, es durchzuprügeln, es schwer zu verletzen, es seelisch fertigzumachen oder gar es sexuell zu missbrauchen.

Und auf der anderen Seite gibt es auch Menschen, die ihr schweres Schicksal als Folge ihres eigenen Handelns akzeptieren müssen – so wie zum Beispiel das deutsche Volk die Niederlage im Zweiten Weltkrieg als Folge der Politik von Adolf Hitler hinnehmen musste. Ich kenne auch Menschen, die ein hartes persönliches Schicksal als Strafe Gottes für sich angenommen haben. Einer erzählte mir, er hatte Schuld auf sich geladen, und dann geriet er durch Unfall und Krankheit in schwere Not. Ein Außenstehender hätte ihm kaum sagen können: Das ist die Strafe Gottes. Das dürfte sich niemand erlauben, der nicht in seiner Haut steckt. Aber er selbst empfand es so. Er nahm sein Schicksal hin als Anstoß, um sein Leben in Zukunft zu ändern.

Lied 428, 1-3+5: Komm in unsre stolze Welt, Herr, mit deiner Liebe Werben

Liebe Gemeinde, zum Schluss überlegt sich Micha noch einmal, was seine Zuhörer wohl eigentlich gern für eine Predigt hören wollten, am liebsten vielleicht eine Predigt über Wein und Bier:

11 Wenn ich ein Irrgeist wäre und ein Lügenprediger und predigte, wie sie saufen und schwelgen sollen – das wäre ein Prediger für dies Volk!

Kann es so etwas denn geben? Haben wirklich Propheten solche ausschweifenden Predigten gehalten?

Nun, damals gab es Fruchtbarkeitskulte. Zu Ehren von Sonnen- und Regengöttern sowie von Erd- und Fruchtbarkeitsgöttinnen wurden Gelage gehalten, gab es sogar Tempelprostitution. Das gibt es heute nicht mehr. Aber ich weiß, dass man sich als Pfarrer in manchen Gemeinden immer noch beliebt machen kann, wenn man auch trinkfest ist, wenn man in allen Vereinen mitmacht und womöglich auch überall ein Bierchen mittrinkt. Das muss nicht immer verkehrt sein; aber der Prophet weist darauf hin, wie gefährlich es werden kann, wenn man nur noch darauf aus ist, beliebt zu sein. Das Motto „Hoch die Tassen!“ gehört jedenfalls nicht in eine Predigt!

Aber was für eine Predigt hören Sie wirklich gern? Was für eine Predigt höre ich gern, wenn ich einmal nicht selber predige? Möchten wir immer gern etwas hören, was unsere eigene Meinung bestätigt? Oder möchten wir Gottes Wort hören, selbst dann, wenn es für uns unbequem ist? Das muss jeder für sich selbst entscheiden.

Nach dem Propheten Micha ist es jedenfalls besser, die Wahrheit zu sagen und zu hören, auch wenn sie hart ist. Denn die Wahrheit mag zwar unangenehm sein, aber sie macht die Menschen nicht kaputt. Wenn uns eine harte Wahrheit über schlimmes Verhalten gesagt wird, dann können wir ja auch lernen, es besser zu machen. Wie ich schon sagte: Gott will uns Menschen ja nicht mit seinem Zorn vernichten, auch wenn wir Böses tun, er will uns ins Gewissen reden, damit wir uns ändern.

In Jesus hat Gott uns das endgültig vorgelebt. In Jesus verzichtete Gott sogar auf die Strafe für die, die ihn töteten. In Jesus hat er uns Menschen endgültig vergeben – nicht weil es ihm nun egal wäre, was wir tun, sondern damit wir endlich aufhören, Böses zu tun, damit wir uns von Grund auf verändern, damit wir von ihm die Liebe lernen.

Eine Predigt von dem wahren Gott ist also hart und sanft zugleich. Denn wir dürfen leben, auch wenn nicht alles so weitergehen kann wie bisher. Wir dürfen auf den Gott vertrauen, der aus Liebe auch zornig sein kann. Wir sind durch den Gott gerettet, der in Jesus für uns Sünder am Kreuz gestorben ist, damit wir leben. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.
Lied 96, 1-6: Du schöner Lebensbaum des Paradieses

Gott, Vater Jesu Christi, rede uns ins Gewissen! Lass uns erkennen, wo wir Unrecht tun, wo wir andern Menschen oder vielleicht auch uns selbst etwas schuldig geblieben sind. Hilf uns, dass wir gut sorgen für uns selber und für die, die uns anvertraut sind.

Wenn wir ein schlechtes Gewissen haben, dann vergib uns unsere Schuld! Wenn wir aber deine Vergebung nicht annehmen können, dann lass uns das Gespräch suchen über unser Schuldgefühl. Denn du willst nicht, dass wir uns ständig plagen mit einem schlechten Gewissen. Du willst, dass wir Ruhe finden für unsere Seele. Darum schenke uns deinen Frieden – in der Welt und in uns selbst. Amen.

Wir beten gemeinsam mit den Worten Jesu:

Vater unser
Lied 425, 1-3: Gib uns Frieden jeden Tag
Abkündigungen

Gott, der Herr, segne euch, und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch Frieden. Amen.

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