Stammbaum des Todes und des Lebens

Was heißt das: Mit Gott wandeln, auf Gottes Wegen gehen?

Wir müssen die Zahlen im Stammbaum Sets nicht als historisch zuverlässige Angaben lesen. Lebensjahre, in denen Menschen mit Gott gehen, erscheinen ihnen als erfülltes, ewiges Leben. Im Stammbaum Kains war kein Lebensalter der Menschen angegeben; ein Leben ohne Gott ist letzten Endes leer und unerfüllt, egal wie lange es dauert.

Ein gemalter Baumstamm mit Namensschildern an den Zweigen

Welcher Stammbaum der Menschheit hat eine Lebens-Chance? (Bild: pixabay.com)

#predigtGottesdienst am 13. Sonntag nach Trinitatis, 25. August 2013, 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Ich begrüße alle herzlich zum Gottesdienst in der Pauluskirche mit einem Wort aus dem Buch Hosea 14, 10:

Wer ist weise, dass er dies versteht, und klug, dass er dies einsieht? Die Wege des HERRN sind richtig, und die Gerechten wandeln darauf; aber die Übertreter kommen auf ihnen zu Fall.

Von den Wegen der Menschen in der Menschheitsgeschichte handelt dieser Gottesdienst. Auf welche Weise gestalten wir unseren Lebenslauf? Leben wir im Einklang mit Gott oder wollen wir lieber selber so sein wie Gott, als ob die Welt und unser Leben uns allein gehören würde?

Wir singen das Lied 140:

1. Brunn alles Heils, dich ehren wir und öffnen unsern Mund vor dir; aus deiner Gottheit Heiligtum dein hoher Segen auf uns komm.

2. Der Herr, der Schöpfer, bei uns bleib, er segne uns nach Seel und Leib, und uns behüte seine Macht vor allem Übel Tag und Nacht.

3. Der Herr, der Heiland, unser Licht, uns leuchten lass sein Angesicht, dass wir ihn schaun und glauben frei, dass er uns ewig gnädig sei.

4. Der Herr, der Tröster, ob uns schweb, sein Antlitz über uns erheb, dass uns sein Bild werd eingedrückt, und geb uns Frieden unverrückt.

5. Gott Vater, Sohn und Heilger Geist, o Segensbrunn, der ewig fließt: durchfließ Herz, Sinn und Wandel wohl, mach uns deins Lobs und Segens voll!

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. „Amen.“

Wir beten mit Psalm 116, im Gesangbuch unter der Nr. 746. Lesen Sie bitte die eingerückten Verse:

7 Sei nun wieder zufrieden, meine Seele; denn der HERR tut dir Gutes.

8 Denn du hast meine Seele vom Tode errettet, mein Auge von den Tränen, meinen Fuß vom Gleiten.

9 Ich werde wandeln vor dem HERRN im Lande der Lebendigen.

12 Wie soll ich dem HERRN vergelten all seine Wohltat, die er an mir tut?

13 Ich will den Kelch des Heils nehmen und des HERRN Namen anrufen.

17 Dir will ich Dank opfern und des HERRN Namen anrufen.

18 Ich will meine Gelübde dem HERRN erfüllen vor all seinem Volk

19 in den Vorhöfen am Hause des HERRN, in dir, Jerusalem. Halleluja!

Kommt, lasst uns ihn anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Mit Gott wandeln, auf Gottes Wegen gehen, wollen wir das? Klingt das nicht zu fromm, als ob wir dann kein normales Leben mehr führen könnten? Aber was ist normal? Wenn Gottes Normen und Regeln gut sind, ist es normal, seine Gebote zu befolgen, auf ihn zu vertrauen, seine Liebe dankbar zu empfangen und Liebe zu üben.

Hilf uns, Gott, dass wir dazu bereit sind. Wir rufen zu dir, Gott:

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“
Psalm 119, 1-3:

1 Wohl denen, die ohne Tadel leben, die im Gesetz des HERRN wandeln!

2 Wohl denen, die sich an seine Mahnungen halten, die ihn von ganzem Herzen suchen,

3 die auf seinen Wegen wandeln und kein Unrecht tun.

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist gross Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende.

Der Herr sei mit euch! „Und mit deinem Geist!“

Schenke uns Aufmerksamkeit für dein Wort, guter Gott. Lass Glauben in uns wachsen. Stärke die Liebe in uns. Darum bitten wir dich, Gott, unser Vater, im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören die Schriftlesung aus dem 1. Buch Mose – Genesis 4, 17-26. Es ist der Stammbaum von Kain, der seinen Bruder Abel getötet hatte:

17 Und Kain erkannte sein Weib; die ward schwanger und gebar den Henoch. Und er baute eine Stadt, die nannte er nach seines Sohnes Namen Henoch.

18 Henoch aber zeugte Irad, Irad zeugte Mehujaël, Mehujaël zeugte Metuschaël, Metuschaël zeugte Lamech.

19 Lamech aber nahm zwei Frauen, eine hieß Ada, die andere Zilla.

20 Und Ada gebar Jabal; von dem sind hergekommen, die in Zelten wohnen und Vieh halten.

21 Und sein Bruder hieß Jubal; von dem sind hergekommen alle Zither- und Flötenspieler.

22 Zilla aber gebar auch, nämlich den Tubal-Kain; von dem sind hergekommen alle Erz- und Eisenschmiede. Und die Schwester des Tubal-Kain war Naama.

23 Und Lamech sprach zu seinen Frauen: Ada und Zilla, höret meine Rede, ihr Weiber Lamechs, merkt auf, was ich sage: Einen Mann erschlug ich für meine Wunde und einen Jüngling für meine Beule.

24 Kain soll siebenmal gerächt werden, aber Lamech siebenundsiebzigmal.

25 Adam erkannte abermals sein Weib, und sie gebar einen Sohn, den nannte sie Set; denn Gott hat mir, sprach sie, einen andern Sohn gegeben für Abel, den Kain erschlagen hat.

26 Und Set zeugte auch einen Sohn und nannte ihn Enosch. Zu der Zeit fing man an, den Namen des HERRN anzurufen.

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Halleluja. „Halleluja, Halleluja, Halleluja.“

Glaubensbekenntnis
Lied 430: Gib Frieden, Herr, gib Frieden
Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde, manche Texte der Bibel wirken auf den ersten Blick so langweilig, dass man sie am liebsten überblättert. Vor allem die sogenannten Geschlechtsregister: Listen von Namen von Männern, die Söhne und Enkel und Urenkel zeugen usw. Dass Frauen nur am Rande in diesen Listen vorkommen, hängt mit der damaligen Rollenteilung zusammen, die als selbstverständlich empfunden wurde: die Männer bestimmten das öffentliche Leben und gaben ihren ältesten Söhnen diese Verantwortung weiter. Die Frauen hatten auch ihren Einflussbereich, aber eher im innerfamiliären Bereich, im Zelt, im Haus, in der Verantwortung für die Kinder. Das aber hier nur nebenbei.

Vorhin hörten wir die Liste der Nachkommen Kains. Sie besteht nicht aus einer reinen Auf-zählung, sondern hier und da er-zählt sie auch, was die Enkel und Urururenkel des Brudermörders leisten – und was sie sich so alles leisten.

Da ist Henoch, der Städtebauer, von Irad, Mehujaël und Metuschaël wird nichts Besonderes berichtet, dann folgt Lamech, der auf „dicke Hose“ macht, indem er zwei Frauen hat, Ada und Zilla, und einen ganzen Stall voll Kinder: Jabal, den Vorfahren der Zeltnomaden und Viehhirten, Jubal, den Vorfahren aller Zither- und Flötenspieler, und Tubal-Kain, den Stammvater der Erz- und Eisenschmiede. Immerhin: von ihm wird auch eine Tochter erwähnt: Naama.

Und wir hören, was für ein Großmaul Lamech ist und was für furchtbare Reden er führt. Er brüstet sich seiner Brutalität (1. Buch Mose – Genesis 4, 23-24):

Einen Mann erschlug ich für meine Wunde und einen Jüngling für meine Beule. Kain soll siebenmal gerächt werden, aber Lamech siebenundsiebzigmal.

Jesus wird es später einmal umgekehrt mit diesen Zahlen halten; auf die Frage seines Jüngers Petrus (Matthäus 18, 21):

Wie oft muss ich denn meinem Bruder, der an mir sündigt, vergeben? Genügt es siebenmal?

wird Jesus ihm antworten (Matthäus 18, 22):

Ich sage dir: nicht siebenmal, sondern siebzigmal siebenmal.

Die Bibel erzählt von den Nachkommen Kains nicht aus historischem Interesse. Sie erzählt, wie Menschen, die im Zeichen Kains geboren werden und sich wie Kain in dieser Welt behaupten wollen, durchaus großartige Leistungen vollbringen: Sie bauen Städte, schmieden Erz, sind erfolgreiche Viehzüchter und Musiker. Auf der anderen Seite lassen sie sich von Frauen für ihre Gewalttätigkeit bewundern.

Bezeichnend ist, dass mit Lamechs Kindern der Stammbaum Kains abbricht, als ob die Bibel andeuten wollte: Menschen, die sich selbst behaupten und die Erde und andere Menschen ohne Rücksicht auf Verluste ausbeuten, landen in einer Sackgasse. Dieser Stammbaum erzählt also nicht von der Weitergabe des Lebens, sondern des Todes. Fortgesetzt wird er im Grunde erst im übernächsten Kapitel vom 1. Buch Mose – Genesis 6, wo es heißt:

5 Als aber der HERR sah, dass der Menschen Bosheit groß war auf Erden und alles Dichten und Trachten ihres Herzens nur böse war immerdar,

6 da reute es ihn, dass er die Menschen gemacht hatte auf Erden, und es bekümmerte ihn in seinem Herzen,

7 und er sprach: Ich will die Menschen, die ich geschaffen habe, vertilgen von der Erde, vom Menschen an bis hin zum Vieh und bis zum Gewürm und bis zu den Vögeln unter dem Himmel; denn es reut mich, dass ich sie gemacht habe.

Dazwischen fügt die Bibel ein anderes Kapitel ein. Direkt im Anschluss an die Geschichte vom Großmaul Lamech erzählt die Bibel, wie Adam und Eva einen dritten Sohn bekommen, den Set. Eva sieht ihn als ein Geschenk Gottes (1. Buch Mose – Genesis 4, 25)

für Abel, den Kain erschlagen hat.

Als dieser Set einen Sohn bekommt, nennt er ihn Enosch, das heißt „Menschlein“, und es wird erwähnt, dass man zu seiner Zeit anfing (1. Buch Mose – Genesis 4, 26),

den Namen des HERRN anzurufen

– also den Namen des einen Gottes, der sich um seine Menschenkinder kümmert und es gut mit ihnen meint. Auf diese Weise können die Menschen offenbar doch auf einen Neuanfang hoffen, und so fängt der biblische Erzähler am Anfang des 5. Kapitels noch einmal ganz von vorn an zu erzählen, und zwar buchstäblich mit Adam und Eva.

Hören wir dieses zweite Geschlechtsregister, die Abstammungsliste der Nachkommen von Set, und achten wir auf das, was hier anders klingt als bei den Nachkommen von Kain (1. Buch Mose – Genesis 5, 1-32):

1 Dies ist das Buch von Adams Geschlecht. Als Gott den Menschen schuf, machte er ihn nach dem Bilde Gottes

2 und schuf sie als Mann und Weib und segnete sie und gab ihnen den Namen »Mensch« zur Zeit, da sie geschaffen wurden.

3 Und Adam war 130 Jahre alt und zeugte einen Sohn, ihm gleich und nach seinem Bilde, und nannte ihn Set;

4 und lebte danach 800 Jahre und zeugte Söhne und Töchter,

5 dass sein ganzes Alter ward 930 Jahre, und starb.

6 Set war 105 Jahre alt und zeugte Enosch

7 und lebte danach 807 Jahre und zeugte Söhne und Töchter,

8 dass sein ganzes Alter ward 912 Jahre, und starb.

9 Enosch war 90 Jahre alt und zeugte Kenan

10 und lebte danach 815 Jahre und zeugte Söhne und Töchter,

11 dass sein ganzes Alter ward 905 Jahre, und starb.

12 Kenan war 70 Jahre alt und zeugte Mahalalel

13 und lebte danach 840 Jahre und zeugte Söhne und Töchter,

14 dass sein ganzes Alter ward 910 Jahre, und starb.

15 Mahalalel war 65 Jahre alt und zeugte Jered

16 und lebte danach 830 Jahre und zeugte Söhne und Töchter,

17 dass sein ganzes Alter ward 895 Jahre, und starb.

18 Jered war 162 Jahre alt und zeugte Henoch

19 und lebte danach 800 Jahre und zeugte Söhne und Töchter,

20 dass sein ganzes Alter ward 962 Jahre, und starb.

21 Henoch war 65 Jahre alt und zeugte Metuschelach.

22 Und Henoch wandelte mit Gott. Und nachdem er Metuschelach gezeugt hatte, lebte er 300 Jahre und zeugte Söhne und Töchter,

23 dass sein ganzes Alter ward 365 Jahre.

24 Und weil er mit Gott wandelte, nahm ihn Gott hinweg, und er ward nicht mehr gesehen.

25 Metuschelach war 187 Jahre alt und zeugte Lamech

26 und lebte danach 782 Jahre und zeugte Söhne und Töchter,

27 dass sein ganzes Alter ward 969 Jahre, und starb.

28 Lamech war 182 Jahre alt und zeugte einen Sohn

29 und nannte ihn Noah und sprach: Der wird uns trösten in unserer Mühe und Arbeit auf dem Acker, den der HERR verflucht hat.

30 Danach lebte er 595 Jahre und zeugte Söhne und Töchter,

31 dass sein ganzes Alter ward 777 Jahre, und starb.

32 Noah war 500 Jahre alt und zeugte Sem, Ham und Jafet.

Was ist Ihnen, was ist euch aufgefallen, was ist anders bei den Nachkommen Sets als bei den Nachkommen Kains? Mir fällt auf: diese Namen werden feierlich rezitiert, wie in einer Liturgie. Von jedem Mann wird das Alter genannt, in dem er seinen ersten Sohn bekam, mit dem der Stammbaum dann weitergeführt wird. Zusätzlich werden nicht wie im Stammbaum Kains Berufe oder Heldentaten seiner Nachkommen genannt, sondern wie lange er danach noch lebte, um vielen Söhnen und Töchtern das Leben schenken zu können. Am Ende wird das gesamte Lebensalter genannt. Dieser Stammbaum legt keinen Wert auf herausragende Taten dieser Männer, sondern darauf, dass ihnen allen Jahre des Lebens geschenkt waren, um anderen Menschen Leben zu schenken. Das steht im krassen Gegensatz zur Nachkommenschaft Kains: die dort genannten Heldentaten Lamechs sind ja Gewalt- und Mordtaten. Einem Stammbaum des Todes wird hier also ein Stammbaum des Lebens gegenübergestellt.

Nur zwei Mal erwähnt dieser Stammbaum des Lebens etwas Außergewöhnliches bei einem der Nachkommen Sets. Von Henoch heißt es: „Er wandelte mit Gott… Und weil er mit Gott wandelte, nahm ihn Gott hinweg, und er ward nicht mehr gesehen.“ Wo ein Vater seinen Sohn liebevoll „Menschlein“ nennt, wo man vertrauensvoll den Namen eines menschenfreundlichen Gottes anruft, wo man seinen Weg im Einklang mit Gottes Willen geht, da verliert auch der Tod etwas von seinem Schrecken, und man darf sich vorstellen, dass Gott einen Mann wie Henoch nicht in ein dunkles Totenreich schickt, sondern ihn einfach von der Erde in seinen Himmel wegnimmt.

Der Sohn dieses Henoch ist der sprichwörtlich gewordene Methusalem. Er wird 969 Jahre alt, nur 31 Jahre weniger als 1000 Jahre. Auch die anderen Männer dieses Stammbaums werden unglaublich alt. Aber wir müssen uns nicht zwingen, diese Zahlen als historisch zuverlässige Angaben zu lesen. Darauf kommt es der Bibel nicht an. Vielmehr will die Bibel sagen: Lebensjahre, in denen Menschen mit Gott gehen, erscheinen ihnen als erfülltes, ewiges Leben, von Liebe erfüllt, bereits hier auf Erden und erst recht, wenn er nach seinem irdischen Tod von Gott in den Himmel aufgenommen wird. Im Stammbaum Kains war kein Lebensalter der Menschen angegeben; anscheinend sieht die Bibel das Leben von Menschen, die ohne Gott leben oder selber wie Gott sein wollen, als letzten Endes leer und unerfüllt, egal wie lange ihr Leben auf Erden dauert.

Der zweite Mann im Stammbaum des Lebens, von dem mehr erzählt wird als nur seine Lebensdaten, heißt Lamech. Lamech? War das nicht der großsprecherische Nachkomme Kains? Hier ist offenbar ein Mann ganz anderer Art gemeint. Dieser Lamech in Sets Stammbaum sagt von seinem ersten Sohn Noah: „Der wird uns trösten in unserer Mühe und Arbeit auf dem Acker, den der HERR verflucht hat.“ Der Lamech in der fünften Generation nach Kain tat so, als sei er ein Gott, der ohne Rücksichtnahme über Leben und Tod anderer Menschen bestimmen darf. Der Lamech in der siebten Generation nach Set ist sich bewusst, dass Menschen, die sich gegen Gott auflehnen, sich damit das Leben selber zur Hölle machen. Trotzdem hält er an der Hoffnung fest, dass es einen Ausweg aus dieser selbstgemachten Hölle gibt. Zum Beispiel, wenn Kinder geboren werden, die man mit Liebe erzieht und denen man darum zutrauen kann, dass sie ein Trost für ihre Eltern sein werden.

Übrigens ist der Name Lamech nicht der einzige, der in beiden Stammbäumen auftaucht. Ein Henoch ist auch der erstgeborene Sohn Kains, nach ihm benennt sein Vater eine von ihm gegründete Stadt. Aber von ihm wird nicht erzählt, dass er im Einklang mit Gott lebte. Kain hat einen Enkel mit Namen Irad, Set einen Ururenkel mit Namen Jered. Die Namen Mehujaël und Mahalalel klingen einander genau so ähnlich wie die Namen Metuschaël und Metuschelach; den Letzteren kennen wir besser unter der volkstümlichen Bezeichnung Methusalem. Ich nehme an, dass die Bibel ganz bewusst zwei Stammbäume mit fast gleichen Namen einander gegenübergestellt hat, um zu zeigen, wie unterschiedlich sich die Menschheit bei völlig gleichen Genen entwickeln kann, je nachdem, ob Menschen sich wie großspurige Halbgötter aufführen oder ob sie wahrhaft seine Menschenkinder sein wollen, wie Gott sie gewollt hat. Die beiden Lamechs repräsentieren den jeweiligen Stammbaum in Reinkultur. Der eine ist der Vertreter eines angeberischen Stolzes, der die Menschheit in den Abgrund des Todes reißt. Der andere ist der Vater Noahs, und dieser Name verbindet die beiden Stammbäume des Todes und des Lebens. Der Weg des ersten Lamechs führt zur Sintflut; in ihr geht eine Menschheit unter, die sich selbst an die Stelle Gottes setzt. Der zweite Lamech ist der Vater des Menschen, mit dem Gott einen neuen Anfang machen will und kann (1. Buch Mose – Genesis 6, 8):

Aber Noah fand Gnade vor dem HERRN.

Das heißt also nicht, dass Noah ein rundherum perfekter guter Mensch gewesen sein muss. Auch er ist auf Gnade angewiesen. Der Unterschied zu den Menschen im Stammbaum Kains besteht darin, dass er bereit ist, auf Gott zu hören. Er baut eine Arche, obwohl ihn die Menschen vom Schlage des ersten Lamech für verrückt halten.

So stellen uns die beiden Stammbäume des Todes und des Lebens vor eine Wahl: Sehen wir uns als Teil einer menschlichen Geschichte, in der Menschen nicht anders können, als sich selbst rücksichtslos gegen andere zu behaupten? Oder nutzen wir innerhalb dieser menschlichen Geschichte die uns von Gott geschenkte Chance, im Segen Gottes zu leben? Die Bibel beschreibt in ihrem ersten Buch in den Kapiteln 4 und 5 die gleiche menschliche Geschichte aus zwei verschiedenen Blickwinkeln – zuerst aus dem Blickwinkel einer gnadenlosen Ellbogengesellschaft und dann aus dem erstaunlichen Blickwinkel der Gnade Gottes. Wir dürfen uns als Geschenk Gottes verstehen. Wir sind dazu berufen, anderen Menschen Leben, Hilfe und Trost weiterzugeben. Unseren eigenen Lebenslauf zwischen Geburt und Tod müssen wir nicht krampfhaft mit Sinn erfüllen, indem wir möglichst viel Genuss und Vergnügen in dieses Leben hineinpacken. Wir dürfen uns beschenken lassen mit Gottes Liebe. Gott weiß seinen Weg mit uns – er weiß ihn besser, als wir ihn uns selber ausmalen können. Wir dürfen uns darauf einlassen. Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.

Bevor wir das Lied nach der Predigt singen, möchte Frau Silvia Mika ein kurzes Zeugnis ablegen, weil sie heute ihr Rettungsfest feiert; sie tut es auf musikalische Weise mit der Gitarre:

Schön ist die Welt,
es liebt sie der Herr,
neu ist der Mensch, der liebt.
Schön ist die Welt,
es liebt sie der Herr,
neu ist der Mensch,
der liebt wie Er.

Einige fangen an ihre Lehre,
viele kommen als Gesellen raus.
Wo ist nur der Hund geblieben?
Die alte Frau traut sich nicht mehr raus!

Oben wohnt eine tierliebe Familie,
Muslime sind sie, lesen den Koran.
Das eine Kind geht in die Kita,
das andere geht bereits zur Schul!

Vorn eine WG mit psychisch Kranken,
da hinten eine Familie mit einem behinderten Kind,
der Motorradfahrer setzt sich den Helm auf
und fährt, knattert hinweg wie der Wind!

In dem Schulhaus wohnen Menschen,
die Probleme haben mit Alkohol.
Der Professor an der Uni ist alt,
fühlt sich nicht mehr wohl.

Gott will von uns allen nur Eines:
dass wir nehmen einander an.
Dann wäre die Welt viel schöner,
es gäbe Frieden, und jeder käme dran.

Und nun singen wir gemeinsam das Lied 295:

1. Wohl denen, die da wandeln vor Gott in Heiligkeit, nach seinem Worte handeln und leben allezeit; die recht von Herzen suchen Gott und seine Zeugniss‘ halten, sind stets bei ihm in Gnad.

2. Von Herzensgrund ich spreche: dir sei Dank allezeit, weil du mich lehrst die Rechte deiner Gerechtigkeit. Die Gnad auch ferner mir gewähr; ich will dein Rechte halten, verlass mich nimmermehr.

3. Mein Herz hängt treu und feste an dem, was dein Wort lehrt. Herr, tu bei mir das Beste, sonst ich zuschanden werd. Wenn du mich leitest, treuer Gott, so kann ich richtig laufen den Weg deiner Gebot.

4. Dein Wort, Herr, nicht vergehet, es bleibet ewiglich, so weit der Himmel gehet, der stets beweget sich; dein Wahrheit bleibt zu aller Zeit gleichwie der Grund der Erden, durch deine Hand bereit‘.

Fürbitten

Wir bitten ganz besonders für drei Verstorbene, die in unserer Paulusgemeinde gelebt haben und ihr verbunden gewesen sind: Zuerst für Herrn …, den du mit 40 Jahren durch schwere Krankheit mitten aus seinem Leben heraus zu dir genommen hast; begleite vor allem seine Frau und seine Kinder auf dem Weg der Trauer und lass sie Trost und neue Hoffnung und genügend Kraft für ihren eigenen Lebensweg finden. Lass ihnen Gutes und Barmherzigkeit folgen ihr Leben lang, so wie dem Verstorbenen. Wir beten auch für Frau …, 83 Jahre, und für Herrn …, 88 Jahre. Du hast sie in hohem Alter aus diesem Leben abgerufen, wir befehlen sie deiner ewigen Liebe an und beten für alle, die ihnen nahestanden, dass sie sie im Frieden loslassen können und ihr eigenes Leben im Vertrauen auf dich führen können. Du Gott, der uns Zukunft und Hoffnung verspricht: „Wir bitten dich, erhöre uns.“

Was wir persönlich auf dem Herzen haben, bringen wir in der Stille vor Gott:

Gebetsstille und Vater unser
Lied 590: Herr, wir bitten: Komm und segne uns
Abkündigungen

Geht mit Gottes Segen:

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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