Isaak: Geschenk des Lachens für Sara und Abraham

Wer auf Gott vertraut, braucht kein überlegenes Lächeln aufzusetzen, um zu verbergen, was in ihm ist an Unsicherheit oder Verzweiflung. Wer auf Gott vertraut, muss nicht lachen, wo es eigentlich nichts zu lachen gibt. Wer auf Gott vertraut, der hat vielleicht nicht das bequemste Leben, aber sein Leben wird erfüllt sein, und er wird Grund zu echter Freude haben.

Ikone: Abraham und Sara bewirten drei Engel (Bildausschnitt)

Abraham und Sara bewirten drei Engel (Bild: pixabay.com)

#predigtTaufe im Gottesdienst am 13. Sonntag nach Trinitatis, den 9. September 1990 um 13.30 Uhr in Nieder-Wiesen

Herzlich willkommen in unserem Gottesdienst in Nieder-Wiesen, der wieder einmal ein Taufgottesdienst ist – ja, es war glaube ich jetzt immer so: wenn ich hier in der Kirche Sonntagsgottesdienst gehalten habe, war auch ein Kind dabei, das wir getauft haben – so auch heute! Heute ist die kleine … mit ihren Eltern und ihren Paten bei uns, damit wir sie taufen.

Was die Lieder in diesem Gottesdienst angeht: wir werden nachher auch zwei Lieder aus dem blauroten Gesangbuch singen, und zwar versuche ich heute einmal selber, sie mit Gitarre zu begleiten. Oder kann jemand von Ihnen besser spielen als ich? Ich sag Ihnen erst nachher, seit wann ich angefangen habe, zu lernen…

Aber zunächst singen wir mit der Orgel das Lied 230, 1 + 10-15:

1) Ich singe dir mit Herz und Mund, Herr, meines Herzens Lust; ich sing und mach auf Erden kund, was mir von dir bewusst.

10) Wenn unser Herze seufzt und schreit, wirst du gar leicht erweicht und gibst uns, was uns hoch erfreut und dir zur Ehr gereicht.

11) Du zählst, wie oft ein Christe wein und was sein Kummer sei; kein Zähr- und Tränlein ist so klein, du hebst und legst es bei.

12) Du füllst des Lebens Mangel aus mit dem, was ewig steht, und führst uns in des Himmels Haus, wenn uns die Erd entgeht.

13) Wohlauf, mein Herze, sing und spring und habe guten Mut! Dein Gott, der Ursprung aller Ding, ist selbst und bleibt dein Gut.

14) Er ist dein Schatz, dein Erb und Teil, dein Glanz und Freudenlicht, dein Schirm und Schild, dein Hilf und Heil, schafft Rat und lässt dich nicht.

15) Was kränkst du dich in deinem Sinn und grämst dich Tag und Nacht? Nimm deine Sorg und wirf sie hin auf den, der dich gemacht.

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

So spricht Gott, der Herr (Jesaja 43, 1):

Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!

Lobsinget Gott, erhebet seinen Namen! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Wir sind hier versammelt in deinem Namen, Gott, und du rufst uns alle bei unserem Namen. Auch wenn du uns fremd bist, wir sind dir nicht fremd, denn du bist der, ohne den wir nicht wären, und wir sind die, die du lieb hast. Du bist nicht ein Weltenzauberer, der uns alle Probleme vom Hals schafft. Du bist einer, der uns wie ein Mensch – liebend, nachgehend, kümmernd – nahe sein will, wie gute Eltern, wie Bruder oder Schwester, wie Pate oder Patin, wie Freund oder Freundin. Hilf uns, dich zu erkennen, wie du wirklich für uns da bist, damit wir dankbar leben und alle unsere Sorge auf dich werfen können! Das erbitten wir von dir durch Jesus Christus, deinen Sohn, dessen menschliches Gesicht du trägst von Ewigkeit zu Ewigkeit! „Amen.“

Wir hören die Lesung über die Liebe Gottes aus 1. Johannes 4, 7-12:

7 Ihr Lieben, lasst uns einander lieb haben; denn die Liebe ist von Gott, und wer liebt, der ist von Gott geboren und kennt Gott.

8 Wer nicht liebt, der kennt Gott nicht; denn Gott ist die Liebe.

9 Darin ist erschienen die Liebe Gottes unter uns, dass Gott seinen eingebornen Sohn gesandt hat in die Welt, damit wir durch ihn leben sollen.

10 Darin besteht die Liebe: nicht, dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsere Sünden.

11 Ihr Lieben, hat uns Gott so geliebt, so sollen wir uns auch untereinander lieben.

12 Niemand hat Gott jemals gesehen. Wenn wir uns untereinander lieben, so bleibt Gott in uns, und seine Liebe ist in uns vollkommen.

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Halleluja! „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Nun singen wir vor der Taufe ein Glaubenslied für Kinder, das auch für Erwachsene gut nachzuvollziehen ist und das man auch gut mit Kindern beten kann. Es steht im blauroten Buch (823, 1-6):

Meinem Gott gehört die Welt

Liebe Tauffamilie, liebe Gemeinde!

In dem Lied, das wir eben gesungen haben, ist viel darüber gesagt, was die Taufe bedeutet. Die Taufe ist ein Zeichen dafür, dass wir zu Gott gehören unser ganzes Leben hindurch und sogar im Tod. In Gottes Liebe sind wir geborgen, was auch immer geschieht, so wie ein Kind im Schoß der Mutter oder in den Armen des Vaters.

In der Bibel wird diese Erfahrung einmal in einem Psalm so ausgedrückt (Psalm 139, 5):

Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.

Dieser Vers soll der Taufspruch für die kleine … sein. Sie soll wissen, dass Gott nicht weit weg, sondern immer für sie da ist, und dass sie sich ihm getrost anvertrauen kann.

Aber wie kann sie als ein kleines Kind das erfahren? Man kann ihr ja jetzt noch nichts von Gott erzählen. Das geht erst später.

Zunächst spürt … einfach, dass sie auf ihre Eltern angewiesen ist. Die Erfahrungen, die sie in der Familie jetzt macht, werden sie prägen für ihr Leben. Sie lernt jetzt viel über die Welt, z. B. ob die Welt ein guter Ort ist, wo man satt wird an Leib und Seele, wo man sich Gehör verschaffen kann, wo man liebgehalten und gestreichelt wird, wo einer Zeit hat für ein kleines Baby.

Nun könnte der Taufspruch aber auch anders verstanden werden. Wenn Gott uns von allen Seiten umgibt, dann sieht er ja auch alles. Und das ist für viele Menschen belastend. Erst letzte Woche sprach in unserem Bibelgesprächskreis in der Nervenklinik eine Frau davon, dass sie sehr unter der Vorstellung gelitten habe, dass Gott sie bei allem beobachte. Das kam daher, dass ihre Eltern ihr das Bild von Gott als einem strafenden Racheengel vor Augen gemalt hatten. Dieser Gott sieht vor allem alles, was man falsch macht, und er wird alles Böse bestrafen.

Dahinter steht die Vorstellung, dass man sich Gottes Liebe irgendwie verdienen müsse, was man aber sowieso nicht schaffen kann. Also kommt ein freudloses Leben mit schlechtem Gewissen heraus, mit ständiger Angst vor Strafe.

Nein, so ist das in dem Psalm nicht gemeint. Gott umgibt uns wirklich von allen Seiten mit seiner Liebe. Er schenkt uns Liebe, ohne dass wir sie verdienen, so wie gute Eltern ihr Kind ja auch lieben, ohne dass das Kind sich die Liebe verdienen kann.

Aber wie ist das mit den Regeln im menschlichen Leben? Wie ist das mit den Geboten, die ja nun wirklich auch in der Bibel stehen? Wenn sie nicht dazu dienen, den Menschen das Leben schwer zu machen, wozu sind sie dann da?

Von Anfang an sollte deutlich werden: Regeln sind notwendig für den Schutz des Kindes und für das gute Zusammenleben mit anderen Menschen. Auch … muss damit umgehen lernen, dass man nicht einfach alles machen kann, dass z. B. zu viele Süßigkeiten den Magen oder die Zähne verderben oder dass es gefährlich ist, dem Nachbarsjungen mit einem Stock auf den Kopf zu hauen. Manchmal muss ein Kind einfach tun, was die Eltern sagen, und wird erst später lernen, warum.

Aber obwohl sich dieses Begrenzt-werden durch Regeln, durch Gebote und Verbote, zunächst einmal unangenehm anfühlt, wollen die Eltern dem Kind damit ja nichts Böses tun. Sie zeigen ihm damit ihre Liebe in einer anderen Gestalt. Dabei ist es wichtig, dass das Kind merkt: Auch wenn die Eltern „nein“ zu irgendeinem Verhalten sagen, dann haben sie mich doch immer noch lieb. Selbst wenn sie ein Kind strafen müssen, dann heißt das ja nicht, dass sie das Kind nicht mehr mögen. Sondern sie wollen ihm ja wieder zurechthelfen; sie wollen ihm zeigen, dass es ihnen nicht egal ist, wie das Kind sich verhält.

Wenn die Eltern sich dem Kind mit Liebe zuwenden und ihm auch aus Liebe heraus bestimmte Grenzen setzen, dann verhalten sie sich so ähnlich wie Gott nach den Erzählungen der Bibel. Gott, der gute Vater, gibt den Menschen seine Gebote, damit sie in ihrer Freiheit nicht in die Irre laufen. Gott, die gute Mutter, tröstet uns, wenn wir verzweifelt sind. Manche Ereignisse werden von den Menschen der Bibel auch als Strafen Gottes empfunden, durch sie ihnen gezeigt wird, was es für Folgen hat, wenn man nicht mehr auf die Gebote Gottes achtet. In Jesus zeigt Gott sein wahres Gesicht: er ist wirklich der liebende Gott, der vergeben kann und keinem Menschen eine neue Chance versagt.

Es ist wohl kein Zufall, dass man das Bild von Vater und Mutter auf Gott übertragen hat. Vieles in unserer Beziehung zu Gott lässt sich besser verstehen, wenn wir uns als Gottes Kinder sehen, die von Gott geliebt sind, so wie eben Eltern ihre Kinder lieben.

Selbstverständlich ist das nicht, an einen solchen liebenden Gott zu glauben. Viele glauben ja nicht mehr an Gott. Oder der Glaube ist nur eine Zutat zum alltäglichen Leben, der keine Konsequenzen hat. Aber wenn einem Gott wirklich wichtig wird, dann sieht man die Welt mit anderen Augen an: Dann sieht man in der Welt nicht nur die Jagd nach Geld und Macht, sondern auch die Sehnsucht nach Liebe. Und diese Sehnsucht ist keine vergebliche Sehnsucht, sondern Liebe ist wirklich da, überall, wo Menschen sie weitergeben, wo sie merken, dass sie selber von Gott geliebt sind. Liebe ist verheißungsvoller als Egoismus. Man kommt nicht zu kurz, wenn man es wagt, auch einmal Liebe und Vertrauen zu wagen, statt immer nur zu misstrauen und nur an sich selbst zu denken.

Ja, wenn einem Gott wirklich wichtig wird, dann wird man sich den Glauben auch etwas kosten lassen – man wird nicht aufhören, nach Gott zu fragen, wird offen sein für neue Erfahrungen mit Gott, man wird sich einsetzen für eine Welt, die etwas mehr von der Menschenfreundlichkeit Gottes geprägt ist.

Und ein Kind wie … kann den Glauben an Gott leichter lernen, wenn Eltern und Paten ebenfalls offen sind für neue Erfahrungen mit Gott und den anderen Christen. In diesem Sinne beten wir nun um immer wieder neuen Glauben an Gott – für uns und … -, indem wir gemeinsam die Worte des Apostolischen Glaubensbekenntnisses sprechen:

Glaubensbekenntnis und Taufe
Lied 691, 1-4: Freu dich mit uns, Herr Jesus Christ
Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Liebe Gemeinde, woher wissen wir eigentlich, dass Gott uns von allen Seiten umgibt, und dass er uns so liebt wie ein guter Vater oder eine gute Mutter? Wir wissen es nur aus den Überlieferungen der Bibel, aus dem, was Menschen über ihre Erfahrungen mit Gott aufgeschrieben haben.

In der hebräischen Bibel, im Alten Testament, wird berichtet, wie Gott zuweilen in der Geschichte der Menschheit seine Stimme hat hören lassen. Er hat sich dazu ein kleines, unter den Menschen nicht sehr beliebtes Volk ausgesucht, nämlich das Volk der Juden. Zur Predigt hören wir nun, wie Gott im 1. Buch Mose 17, 15-22, zu den Stamm-Eltern dieses Volkes gesprochen hat:

15 Und Gott sprach … zu Abraham…:

16 Ich will [Sara, deine Frau,] segnen, und auch von ihr will ich dir einen Sohn geben; ich will sie segnen, und Völker sollen aus ihr werden und Könige über viele Völker.

17 Da fiel Abraham auf sein Angesicht und lachte und sprach in seinem Herzen: Soll mir mit hundert Jahren ein Kind geboren werden, und soll Sara, neunzig Jahre alt, gebären?

19 Da sprach Gott: Ja, Sara, deine Frau, wird dir einen Sohn gebären, den sollst du Isaak nennen…

21 Meinen Bund will ich aufrichten mit Isaak, den dir Sara gebären soll um diese Zeit im nächsten Jahr.

22 Und er hörte auf, mit ihm zu reden. Und Gott fuhr auf von Abraham.

Ja, liebe Gemeinde, Abraham muss innerlich lachen, als er hört, dass er noch mit hundert Jahren ein Kind zeugen soll, dass seine Frau Sara noch mit neunzig Jahren ein Baby bekommen soll. Ist das denn nicht auch zum Lachen? Das ist doch schlichtweg unmöglich! Also nicht erst wir modernen Menschen tun uns schwer, den Worten Gottes zu glauben; schon Abraham damals hatte seine Zweifel.

Aber, liebe Gemeinde, ich möchte auf einen Unterschied hinweisen zwischen Zweifel und Zweifel. Wir zweifeln als Menschen eines wissenschaftlichen Zeitalters grundsätzlich daran, dass es übernatürliche Wunder geben kann, z. B. daran, dass eine Frau wie Sara, die die Wechseljahre längst hinter sich hat, doch noch ein Kind bekommen kann. Diese Art Zweifel kannte man in biblischen Zeiten wohl noch nicht. Und weil man solche Wunder grundsätzlich für möglich hielt, mag es sein, dass man in der Erzählung über Abraham und Sara das Wundersame noch etwas ausgeschmückt hat. Schließlich stammt die Geschichte aus einer Zeit, in der man noch nichts schriftlich aufgezeichnet hatte, in der es keine Standesämter und Geburtsurkunden gab, und man hat vielleicht die Sache mit den neunzig und den hundert Jahren beim mündlichen Weitererzählen übertrieben dargestellt. Wesentlich an dieser Geschichte ist auch nicht die Richtigkeit oder Unrichtigkeit der einzelnen berichteten Tatsachen, sondern in einer bildreichen und orientalisch ausgeschmückten Sprache wird etwas erzählt, was uns auch heute noch anspricht.

Welche Erfahrung liegt denn dieser Geschichte zugrunde? Da war ein Ehepaar lange kinderlos geblieben. Das galt damals schon fast als eine Schande. Heute ist es das zwar nicht mehr, aber ich kenne manches einsame ältere Ehepaar, das darunter leidet, keine Kinder oder Enkel zu haben. Abraham und Sara hatten sich damit abgefunden, waren vielleicht etwas verbittert, aber sie rechneten absolut nicht mehr damit, jetzt doch noch ein Kind zu bekommen. Und diesem Ehepaar verspricht Gott nun ein Kind. Und nicht nur das: Ausgerechnet diese vom Schicksal bisher stiefmütterlich behandelten älteren Leutchen sollen das Stammelternpaar für ein ganzes Volk werden! Ihr Leben soll einen Sinn bekommen, von dem sie sich nichts hätten träumen lassen. Gott hat mit ihnen etwas vor, von dem man sich noch tausende von Jahren lang erzählen wird. Hätte Gott sich dafür nicht lieber eine jüngere, kinderreiche Familie aussuchen können? Da wäre doch die Chance größer gewesen, dass es auch wirklich klappt. Aber nein, Gott sucht sich dieses alte Ehepaar aus und will zeigen, dass ihm nichts unmöglich ist.

Abraham lacht in sich hinein. Dass er Gottes Stimme hört, das scheint ihm gar nicht ungewöhnlich zu sein, aber das, was die Stimme sagt, das kann er nicht glauben.

Seiner Frau Sara geht es genau so. Wir hören an einer anderen Stelle auch von ihr, wie sie auf diese merkwürdige Botschaft reagiert, dass sie noch ein Kind bekommen soll. Die Geschichte wird nämlich im 1. Buch Mose – Genesis 18 noch einmal ganz anders erzählt; da ertönt nicht einfach Gottes Stimme, so dass Abraham sie hören kann, sondern Gott erscheint in der Gestalt von drei Männern, die Abraham und Sara besuchen:

Ikone: Abraham und Sara bewirten drei Engel (ganzes Bild in voller Höhe)

Abraham und Sara bewirten drei Engel (Bild: pixabay.com)

1 Und der HERR erschien [Abraham] im Hain Mamre, während er an der Tür seines Zeltes saß, als der Tag am heißesten war.

2 Und als er seine Augen aufhob und sah, siehe, da standen drei Männer vor ihm. Und als er sie sah, lief er ihnen entgegen von der Tür seines Zeltes und neigte sich zur Erde

3 und sprach: Herr, hab ich Gnade gefunden vor deinen Augen, so geh nicht an deinem Knecht vorüber.

4 Man soll euch ein wenig Wasser bringen, eure Füße zu waschen, und lasst euch nieder unter dem Baum.

5 Und ich will euch einen Bissen Brot bringen, dass ihr euer Herz labet; danach mögt ihr weiterziehen. Denn darum seid ihr bei eurem Knecht vorübergekommen. Sie sprachen: Tu, wie du gesagt hast.

6 Abraham eilte in das Zelt zu Sara und sprach: Eile und menge drei Maß feinstes Mehl, knete und backe Kuchen.

7 Er aber lief zu den Rindern und holte ein zartes gutes Kalb und gab’s dem Knechte; der eilte und bereitete es zu.

8 Und er trug Butter und Milch auf und von dem Kalbe, das er zubereitet hatte, und setzte es ihnen vor und blieb stehen vor ihnen unter dem Baum, und sie aßen.

9 Da sprachen sie zu ihm: Wo ist Sara, deine Frau? Er antwortete: Drinnen im Zelt.

10 Da sprach er: Ich will wieder zu dir kommen übers Jahr; siehe, dann soll Sara, deine Frau, einen Sohn haben. Das hörte Sara hinter ihm, hinter der Tür des Zeltes.

11 Und sie waren beide, Abraham und Sara, alt und betagt, so dass es Sara nicht mehr ging nach der Frauen Weise.

12 Darum lachte sie bei sich selbst und sprach: Nun ich alt bin, soll ich noch der Liebe pflegen, und mein Herr ist auch alt!

13 Da sprach der HERR zu Abraham: Warum lacht Sara und spricht: Meinst du, dass es wahr sei, und ich noch gebären werde, die ich doch alt bin?

14 Sollte dem HERRN etwas unmöglich sein? Um diese Zeit will ich wieder zu dir kommen übers Jahr; dann soll Sara einen Sohn haben.

Auch Sara muss lachen, als sie hört, dass sie in ihrem Alter noch „der Liebe pflegen“ und ein Kind bekommen soll.

Ich will an dieser ganzen langen Geschichte nun nichts weiter betrachten als nur dieses Lachen. Was für ein Lachen ist das, bei Abraham und bei Sara?

Es ist ein ungläubiges, welterfahrenes, vielleicht etwas bitteres Lachen. Was weißt du denn schon, Gott, von unseren Sorgen all die Jahre hindurch? Was wissen diese Männer davon, wie das ist, kein Kind zu bekommen, verachtet zu werden, nicht zum Kreis der Mütter und Väter dazuzugehören, wenn es überall nur darauf ankommt, möglichst viele Kinder zu haben.

Abraham und Sara lachen nicht aus Freude, sondern in einer Art Galgenhumor darüber, dass eben alles so schlimm ist, wie es ist, und dass man ja sowieso nichts ändern kann.

Mag sein, dass wir mit dieser Geschichte nicht viel anfangen können, weil wir das verrückt finden, von Gott so unbefangen zu erzählen, als komme er einfach so zu Besuch oder als lasse er einen Menschen seine Stimme hören. Aber wird uns in dieser Geschichte nicht von einem ganz vertrauten Gefühl erzählt? Haben wir nicht auch schon gelacht, wenn uns eigentlich gar nicht nach Lachen zumute war? Nehmen wir nicht auch manches mit einem Lächeln hin, von dem wir annehmen, dass man es eben doch nicht ändern kann?

Und gegen dieses Gefühl setzt die Geschichte nun den Satz: „Sollte dem HERRN etwas unmöglich sein?“ Gott ist der Herr über die ganze Welt, Gott ist der, der sich zu Wort meldet, weil ihm die Menschen am Herzen liegen, Gott will nicht, dass die Menschen ins Unglück rennen, er will, dass wir in Vertrauen und Liebe unser Glück finden.

Die beiden sollen einfach etwas Geduld haben. „Im nächsten Jahr“ wird das Kind da sein, verspricht Gott dem Abraham. „Übers Jahr“ soll Sara einen Sohn haben, so sagen die drei Männer dem alten Ehepaar.

Glauben hängt also oft mit Geduld, mit Warten, mit Zeit haben zusammen. Vielleicht ist der Glaube deshalb in unserer hektischen, schnellebigen Zeit so sehr aus der Mode gekommen. Gott ist jedenfalls kein Automat, der auf die Schnelle unsere Wünsche erfüllt. Die Kirche ist kein Schnellrestaurant für geistliche Nahrung im Sinne von McDonalds, wo man in Minutenschnelle mit einem Gebet-Burger oder einem Wort-Gottes-Toast abgefüttert und gesättigt wird. Die Beziehung zu Gott ähnelt doch mehr einer Liebesbeziehung zwischen zwei Menschen, die viel Zeit braucht, um zu wachsen und aufzublühen, bis man merkt, wie großartig man einander beschenken kann und dass man auch schwere Zeiten miteinander durchstehen kann.

Abraham und Sara wundern sich zwar, sie lachen zwar ungläubig, aber sie bleiben trotzdem offen für das, was Gott mit ihnen vorhaben könnte. Und wenn es ihnen auch lachhaft vorkommen mag, sie versuchen es noch einmal, „der Liebe zu pflegen“, wie Sara es so schön ausgedrückt hat. Und was geschieht? Im 1. Buch Mose – Genesis 21 können wir es nachlesen:

1 Und der HERR suchte Sara heim, wie er gesagt hatte, und tat an ihr, wie er geredet hatte.

2 Und Sara ward schwanger und gebar dem Abraham in seinem Alter einen Sohn um die Zeit, von der Gott zu ihm geredet hatte.

3 Und Abraham nannte seinen Sohn, der ihm geboren war, Isaak, den ihm Sara gebar,

4 und beschnitt ihn am achten Tage, wie ihm Gott geboten hatte.

5 Hundert Jahre war Abraham alt, als ihm sein Sohn Isaak geboren wurde.

6 Und Sara sprach: Gott hat mir ein Lachen zugerichtet; denn wer es hören wird, der wird über mich lachen.

7 Und sie sprach: Wer hätte wohl von Abraham gesagt, dass Sara Kinder stille! Und doch habe ich ihm einen Sohn geboren in seinem Alter.

Noch einmal ist hier vom Lachen die Rede. Sogar im Namen Isaak steckt das hebräische Wort für „Lachen“. Immer werden sich Sara und Abraham daran erinnern, dass sie zuerst lachen mussten, weil sie es nicht glauben konnten, dass ihnen noch ein Kind geschenkt werden sollte. Nun ist ihr Lachen anders geworden. Nun lachen sie vor Freude über das Neugeborene. Nun lachen sie ihren Sohn an, so wie Sie mit Ihrer kleinen Tochter lachen können.

Vielleicht will uns diese ganze Geschichte nur dies eine sagen: Wer auf Gott vertraut, braucht kein überlegenes Lächeln aufzusetzen, um zu verbergen, was in ihm ist an Unsicherheit oder Verzweiflung. Wer auf Gott vertraut, muss nicht lachen, wo es eigentlich nichts zu lachen gibt. Wer auf Gott vertraut, der hat vielleicht nicht das bequemste Leben, aber sein Leben wird erfüllt sein, und er wird Grund zu echter Freude haben. Er wird oft mit den Traurigen weinen, aber auch viel mit den Fröhlichen lachen. Amen.

Und der Friede Gottes, der viel größer ist, als unser Denken und Fühlen erfassen kann, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

Mit dem nächsten Lied können wir vor Gott unsere Sorgen bringen – und auch unsere Sehnsucht nach einem guten, erfüllten Leben – Lied 384, 9-13:

9) Tritt du zu mir und mache leicht, was mir sonst fast unmöglich deucht, und bring zum guten Ende, was du selbst angefangen hast durch Weisheit deiner Hände.

10) Ist ja der Anfang etwas schwer und muss ich auch ins tiefe Meer der bittern Sorgen treten, so treib mich nur, ohn Unterlass zu seufzen und zu beten.

11) Wer fleißig betet und dir traut, wird alles, davor sonst ihm graut, mit tapferm Mut bezwingen; sein Sorgenstein wird in der Eil in tausend Stücke springen.

12) Der Weg zum Guten ist gar wild, mit Dorn und Hecken ausgefüllt; doch wer ihn freudig gehet, kommt endlich, Herr, durch deinen Geist, wo Freud und Wonne stehet.

13) Du bist mein Vater, ich dein Kind; was ich bei mir nicht hab und find, hast du zu aller Gnüge. So hilf nur, dass ich meinen Stand wohl halt und herrlich siege.

Barmherziger Gott, wir bitten dich für das Kind, das wir getauft haben, steh ihm bei, dass es ein erfülltes Leben findet, erfüllt vom Glauben an dich, von Hoffnung für die Welt, von Liebe zu den Mitmenschen. Wir bitten dich für unsere Ehen und Familien, dass einer den andern achtet, wie man es sich versprochen hat bei der Trauung, und dass man in der Liebe zueinanderwächst, statt dass man sich auseinanderlebt. Wir bitten dich für Menschen, die seelisch belastet oder krank sind, dass sie sich die Hilfe suchen, die sie brauchen, auch wenn sie Angst haben vor einem offenen Gespräch. Wir bringen vor dich die Sorgen und Nöte unserer Welt, an denen wir so wenig ändern können. Viele haben jetzt Angst vor Krieg und teuren Zeiten; doch hilf uns, dass wir wirklich die Sorge um den Frieden in den Mittelpunkt stellen und nicht die Sorge um Rohstoffe für die westliche Welt. Insbesondere schließen wir in unsere Fürbitte ein: Herrn …, der im Alter von … Jahren gestorben ist und in der vergangenen Woche kirchlich bestattet wurde. Nimm ihn gnädig auf in dein himmlisches Reich und begleite die Angehörigen auf dem Weg ihrer Trauer, du, Gott, der du gesagt hast: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein!“

Alles, was uns heute bewegt, schließen wir im Gebet Jesu zusammen:

Vater unser
Lied 208, 1-6:

1) Ach bleib mit deiner Gnade bei uns, Herr Jesu Christ, dass uns hinfort nicht schade des bösen Feindes List.

2) Ach bleib mit deinem Worte bei uns, Erlöser wert, dass uns beid, hier und dorte, sei Güt und Heil beschert.

3) Ach bleib mit deinem Glanze bei uns, du wertes Licht; dein Wahrheit uns umschanze, damit wir irren nicht.

4) Ach bleib mit deinem Segen bei uns, du reicher Herr; dein Gnad und alls Vermögen in uns reichlich vermehr.

5) Ach bleib mit deinem Schutze bei uns, du starker Held, dass uns der Feind nicht trutze noch fäll die böse Welt.

6) Ach bleib mit deiner Treue bei uns, mein Herr und Gott; Beständigkeit verleihe, hilf uns aus aller Not.

Abkündigungen

Und nun lasst uns mit Gottes Segen in den Sonntag und in die neue Woche gehen:

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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