Himmelhochjauchzend – zu Tode betrübt

Trauerfeier für eine alte Frau, die seelisch krank war – hin- und hergerissen zwischen übertrieben frohen und depressiven Stimmungen.

Himmelhochjauchzend - zu Tode betrübt: Zwei Masken - eine traurige und eine fröhliche

Himmelhochjauchzend – zu Tode betrübt (Bild: Gadini – pixabay.com)

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

Liebe kleine Gemeinde, wir sind auf dem Friedhof versammelt, um von Frau K. Abschied zu nehmen, die im Alter von [über 80] Jahren gestorben ist.

Wir beten mit Psalm 131:

1 HERR, mein Herz ist nicht hoffärtig, und meine Augen sind nicht stolz. Ich gehe nicht um mit großen Dingen, die mir zu wunderbar sind.

2 Fürwahr, meine Seele ist still und ruhig geworden wie ein kleines Kind bei seiner Mutter; wie ein kleines Kind, so ist meine Seele in mir.

3 [Kind Gottes], hoffe auf den HERRN von nun an bis in Ewigkeit!

Lieber Herr K., liebe Trauergemeinde!

Sie hat Ruhe gefunden für ihre Seele – endgültig jetzt im Tod. Frau K. ist nach einem langen Leben gestorben, das für sie nicht immer einfach zu ertragen war, und wir denken heute noch einmal an sie und erweisen ihr die letzte Ehre.

Sie hat immer hier gelebt. Ihre Eltern besaßen Ackerland und hatten einen Bauernhof mitten in der Stadt; damals gab es das noch. Sie musste hart arbeiten in ihrem Leben, wahrscheinlich schon bei den Eltern auf dem Hof und später in der Fabrik, auch im Krieg, als sie Granaten drehen und schwere Kisten heben musste. Gesundheitlich beeinträchtigt war sie schon seit dieser Zeit.

Erinnerungen an das Familienleben der Verstorbenen

Himmelhochjauchzend – zu Tode betrübt – so war Ihre Frau gewesen. Als hätte sie zwei Gehirne in ihrem Kopf. Mal konnte sie jeden Flachs mitmachen, war voller Lebenslust. Und dann wieder fühlte sie sich wie ein verstoßenes Kind und musste weinen. Je älter sie wurde, desto labiler wurde sie. Das war auch der Grund, weshalb sie nicht mehr zu Hause in der vertrauten Umgebung wohnen konnte und ins Altenheim ziehen musste.

Im Buch der Sprüche des Königs Salomo steht dieser Satz (Sprüche 15, 15 – Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift © 1980 by Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart):

Der Bedrückte hat lauter böse Tage, der Frohgemute hat ständig Feiertag.

Es ist, als ob in Frau K.s Leben beides ständig abwechselte – Bedrückung und froher Mut. Entsprechend gab es auch den Wechsel von bösen Tagen und Feiertagen – kein leicht zu tragendes Schicksal.

Ich kannte sie nicht, konnte mir aber ein Bild von ihr machen durch das, was Sie mir erzählt haben, lieber Herr K. Ich weiß nicht, warum sie so geworden war, was sie erlitten hatte, warum sie sich oft als verstoßenes Kind empfand und wie sie es schaffte, sich immer wieder zu ihrer heiteren Seite aufzuraffen. Aber ich bin davon überzeugt, dass wir sie heute nicht in ein völlig ungewisses Schicksal verlieren – wir lassen sie im Tode los und vertrauen sie einem gnädigen Gott an.

Es fällt oft schwer, genau zu sagen, woran wir glauben. An eine höhere Macht? Dass wir unseren Mitmenschen helfen sollen? Am klarsten ist Gott in Jesus zu erkennen. In diesem Menschen kam Gott selber auf die Welt.

Jesus hat einmal ein sehr schönes Wort gesagt (Matthäus 11, 28):

Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.

So ruft Gott durch den Mund Jesu auch uns und auch Frau K. zu sich. Mühselig und beladen – so sind wir immer wieder. Die himmelhochjauchzende Stimmung halten wir nicht durch, zu oft kippt sie um, wenn die Wirklichkeit sich schmerzhaft meldet. Zu Tode betrübt sein – das halten wir erst recht nicht aus, sehr nahe liegt oft die Versuchung, alles hinzuwerfen, aufzugeben. Es ist ein wunderbares Geschenk, für die Mühen und Lasten unseres Lebens eine Adresse zu wissen, eine Stelle, an der man abladen kann, statt dass einem immer noch mehr aufgeladen wird. Jesus hat belasteten Menschen zugerufen: „Ich will euch erquicken!“ Leben schenke ich euch, aufatmen lasse ich euch, Ruhe findet eure Seele bei mir!

So findet nun auch Frau K. Ruhe in Gott. Die Wege ihres Lebens münden ein in den ewigen Frieden Gottes, die Zerrissenheit ihrer Seele findet Heilung und Heil bei dem einen Gott, der uns besser kennt und versteht, als wir uns selber begreifen. Amen.

Wir beten mit einem Lied von Paul Gerhardt (EG 361):

1. Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt. Der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn, der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann.

12. Mach End, o Herr, mach Ende mit aller unsrer Not; stärk unsre Füß und Hände und lass bis in den Tod uns allzeit deiner Pflege und Treu empfohlen sein, so gehen unsre Wege gewiss zum Himmel ein.

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