Häppchenweise schwierige Paulus-Gedanken

Paulus fühlt sich tot für das Gesetz Gottes.

Wir würden heute vielleicht eher sagen: Das Gesetz ist für mich gestorben. Aber das meint Paulus nicht: Es ist ja nicht schlecht. Man darf es nur nicht missbrauchen. Man kann nicht Liebe kaufen von Gott, indem man das Gesetz befolgt. Wenn man das versucht, wird das Gesetz ein Hilfsmittel für die Sünde.

Häppchen zum Anregen des Appetits auf einem Teller

Nicht Häppchen zum Essen, sondern zum Nachdenken, werden in der Predigt angeboten (Foto: pixabay.com)

#predigtGottesdienst am 10. Sonntag nach Trinitatis, den 7. August 1994, um 9.30 Uhr in der Landesnervenklinik Alzey und am 11. Sonntag nach Trinitatis, den 14. August 1994, um 9.00 Uhr in Kettenheim und um 10.00 Uhr in Freimersheim

Herzlich willkommen in der Klinik-Kapelle nach meiner langen Urlaubszeit! Jetzt bin ich – gut erholt – wieder da und freue mich, mit Ihnen diesen Gottesdienst feiern zu können. Ich begrüße Sie mit dem Wort aus 1. Petrus 5, 5:

Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.

Um Demut und Hochmut vor Gott soll es auch in den Gedanken und in der Gestimmtheit dieses Gottesdienstes gehen.

Lied 336:

1) All Morgen ist ganz frisch und neu des Herren Gnad und große Treu; sie hat kein End den langen Tag, drauf jeder sich verlassen mag.

2) O Gott, du schöner Morgenstern, gib, was wir von deinr Lieb begehrn. All deine Licht‘ zünd in uns an, lass’s Herz an Gnad kein‘ Mangel han.

3) Treib aus, o Licht, all Finsternis, behüt uns, Herr, vor Ärgernis, vor Blindheit und vor aller Schand und biet uns Tag und Nacht dein Hand,

4) zu wandeln als am lichten Tag, damit, was immer sich zutrag, wir stehn im Glauben bis ans End und bleiben von dir ungetrennt.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Wir beten mit dem Psalm 113:

3 Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang sei gelobet der Name des HERRN!

5 Wer ist wie der HERR, unser Gott, im Himmel und auf Erden?

6 Der oben thront in der Höhe, der herniederschaut in die Tiefe,

7 der den Geringen aufrichtet aus dem Staube und erhöht den Armen aus dem Schmutz.

Kommt, lasst uns anbeten. „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Gott im Himmel, wer fragt heute noch nach dir? Leben nicht viele Menschen ohne dich und sind auch glücklich? Nein, sie sind auf der Suche, sie irren umher, ohne es zu wissen, sehnen sie sich doch nach etwas, was ewig bleibt, nach sinnvollem Leben, das nicht kaputt geht. Gott, auch wir wünschen uns ein erfülltes Leben. Das erbitten wir von dir im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören die Schriftlesung aus dem Evangelium nach Lukas 18:

9 Er sagte aber zu einigen, die sich anmaßten, fromm zu sein, und verachteten die andern, dies Gleichnis:

10 Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine ein Pharisäer, der andere ein Zöllner.

11 Der Pharisäer stand für sich und betete so: Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die andern Leute, Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner.

12 Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme.

13 Der Zöllner aber stand ferne, wollte auch die Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig!

14 Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus, nicht jener. Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Halleluja! „Halleluja,Halleluja,Halleluja.“

Liederheft 238: Hilf, Herr meines Lebens
Gnade und Friede sei mit uns allen von Gott, unserem Vater, und Jesus Christus, unserem Herrn. Amen.

Wir hören den Predigttext aus dem Brief des Paulus an die Galater 2, 16-21:

16 Weil wir wissen, dass der Mensch durch Werke des Gesetzes nicht gerecht wird, sondern durch den Glauben an Jesus Christus, sind auch wir zum Glauben an Christus Jesus gekommen, damit wir gerecht werden durch den Glauben an Christus und nicht durch Werke des Gesetzes; denn durch Werke des Gesetzes wird kein Mensch gerecht.

17 Sollten wir aber, die wir durch Christus gerecht zu werden suchen, auch selbst als Sünder befunden werden – ist dann Christus ein Diener der Sünde? Das sei ferne!

18 Denn wenn ich das, was ich abgebrochen habe, wieder aufbaue, dann mache ich mich selbst zu einem Übertreter.

19 Denn ich bin durchs Gesetz dem Gesetz gestorben, damit ich Gott lebe. Ich bin mit Christus gekreuzigt.

20 Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst für mich dahingegeben.

21 Ich werfe nicht weg die Gnade Gottes; denn wenn die Gerechtigkeit durch das Gesetz kommt, so ist Christus vergeblich gestorben.

Liebe Gemeinde!

Paulus ist nicht einfach zu verstehen. Er drückt sich ziemlich kompliziert aus. Trotzdem – ich wage mich an das, was wir da eben gehört haben, indem ich es mit Ihnen gemeinsam anschauen möchte, Satz für Satz, Wort für Wort. Paulus muss offenbar nicht nur aus dem Griechischen ins Deutsche übersetzt werden, sondern auch aus der Sprache eines Theologen von damals in eine hoffentlich für alle verständliche Sprache von heute.

Na dann los! Nehmen wir uns Paulus häppchenweise vor. Hier kommt Häppchen Nr 1:

16 Wir wissen, dass der Mensch durch Werke des Gesetzes nicht gerecht wird.

Das ist schon ein Satz mit drei schwierigen Wörtern: „gerecht“ – „Gesetz“ – „Werke“. Aber wieso soll das schwierig sein? Ist nicht einfach dann jemand gerecht, wenn er tut, was das Gesetz vorschreibt? Etwas tun, das ist in altmodischem Deutsch ein „Werk“, „Werke des Gesetzes“ sind dann also gute Taten im Gegensatz zu Straftaten oder zu etwas Bösem, was man tut. Und genau hier wird es schwierig: Paulus sagt nun ja gerade: Durch etwas, was man tut, egal wie gut es ist, kann kein Mensch „gerecht“ werden!

Das widerspricht dem normalen Menschenverstand. Wir unterteilen die Menschen doch gern – hier die Guten, da die Bösen. Wer sich ans Gesetz hält, wer gute Dinge tut, der ist ein gerechter Mensch – und zu den anderen, die Unrecht tun, will keiner gerne gehören. Auch das normale religiöse Denken teilt gern die Menschen in zwei Haufen: Hier die Menschen, die Gott recht sind, die gerettet sind, und da die Gottlosen, die von Gott Verdammten. Früher sagten viele einfach: Wer Gutes tut, kommt in den Himmel, die Bösen kommen in die Hölle!

Und eben das ist falsch, total falsch! Unter Menschen ist das zwar häufig so, dass man durch Leistung ein Recht auf Anerkennung erwirbt. Unter Schülern reicht es manchmal schon, wenn man die „richtigen“ teuren Marken-Klamotten trägt; wer billige Sachen aus dem Sonderangebot anhat, ist bei anderen manchmal schon unten durch. Aber wer auf die gleiche Weise bei Gott ankommen will, der kann das unmöglich schaffen. Erinnern Sie sich? Der Pharisäer vorhin in der Geschichte, der hatte das versucht. Der dachte wirklich, er sei besser als der gar nicht so fromme Zöllner. Und – kann man den Pharisäer nicht auch verstehen? Dieser verhasste Steuereintreiber in römischen Diensten – der tat doch überhaupt nichts für Gott, er arbeitete sogar für die gottlosen Römer und bereicherte sich an den Reisenden des eigenen Volkes! Trotzdem gibt Jesus dem Pharisäer nicht Recht: Kein Mensch kann so gut sein, dass Gott ihm sozusagen auf die Schulter klopft und sagt: Okay, du bist Spitze, du hast das Anrecht auf einen Sonderplatz im Himmel!

Aber was dann? Wie kann denn dann überhaupt ein Mensch gerecht sein Gott gegenüber – wie kann jemand erreichen, dass Gott ihn liebhat?

Hören wir zu dieser Frage ein zweites Text-Häppchen von Paulus – wodurch wird der Mensch denn nun „gerecht“?

Durch Werke des Gesetzes nicht…, sondern durch den Glauben an Jesus Christus.

Wenn es um die Anerkennung durch Gott geht, gilt also das Motto: „Nur der Glaube zählt“. Wir müssen aber wieder genau hinkucken: Was ist das denn eigentlich: „an Jesus glauben“?

Zuerst einmal will ich sagen, was der Glaube nicht ist. Er ist keine religiöse Leistung. Sonst würden wir ja doch wieder fragen: Wer glaubt mehr oder weniger an Gott, wer hat also bei Gott mehr zu melden! Sonst wäre der Glaube ja doch so etwas wie eine gute Tat, durch die man sich Gottes Liebe verdienen könnte.

„Glauben ist Nicht-Wissen“, sagen viele, und auch das ist falsch. Wer an Jesus glaubt, muss nicht sein Denken abschalten; er muss nicht unsinnige übernatürliche Dinge als wahr anerkennen.

An Jesus glauben, das ist etwas völlig anderes. Glauben, das ist etwas, was mit mir passiert, wenn ich auf Gott vertraue. Wenn ich aufhöre, besser sein zu wollen als die anderen, wenn ich aber auch aufhöre, mich selber niederzumachen. Wenn ich anfange, nach dem Gott zu suchen, der mich liebhat, lange bevor ich überhaupt von ihm gehört habe!

Als Paulus selbst seine innere Begegnung mit Jesus hatte, wurde er vollkommen aus seiner eingefahrenen Bahn herausgeworfen. Er war ja auch zuerst ein Pharisäer, bis er merkte: Vor Gott kann ich mir auf meine guten Taten oder meinen Glauben nichts einbilden! Und was dann geschah, erzählt Paulus selbst – im nächsten Textbrocken, den wir uns vornehmen, im Häppchen Nr. 3:

Auch wir [sind] zum Glauben an Christus Jesus gekommen, damit wir gerecht werden durch den Glauben an Christus und nicht durch Werke des Gesetzes; denn durch Werke des Gesetzes wird kein Mensch gerecht.

Paulus formuliert: „Wir sind zum Glauben gekommen“, nicht: „Wir haben uns zum Glauben an Jesus entschlossen“ oder „Nach reiflicher Überlegung haben wir uns für den Glauben entschieden“. „Gekommen“ – da steckt auch ein Stück „Abgeholtwerden“ drin und die Einsicht: Es ist nicht meine eigene Leistung, dass ich glauben kann. Das Vertrauen zu Gott ist in mir sozusagen gewachsen. Es ist praktisch ein Geschenk Gottes an mich. Wenn das doch alle Christen, alle frommen Menschen beherzigen würden: Niemand kann sich etwas einbilden auf seinen Glauben! Keiner ist ein besserer Christ als ein anderer!

An dieser Stelle halten wir inne im Text und singen das Lied 195, 1-3:

1) Aus tiefer Not schrei ich zu dir, Herr Gott, erhör mein Rufen. Dein gnädig Ohren kehr zu mir und meiner Bitt sie öffen; denn so du willst das sehen an, was Sünd und Unrecht ist getan, wer kann, Herr, vor dir bleiben?

2) Bei dir gilt nichts denn Gnad und Gunst, die Sünde zu vergeben, es ist doch unser Tun umsonst auch in dem besten Leben. Vor dir niemand sich rühmen kann, des muss dich fürchten jedermann und deiner Gnade leben.

3) Darum auf Gott will hoffen ich, auf mein Verdienst nicht bauen; auf ihn mein Herz soll lassen sich und seiner Güte trauen, die mir zusagt sein wertes Wort; das ist mein Trost und treuer Hort, des will ich allzeit harren.

Paulus hat noch mehr Gedanken auf Lager, liebe Gemeinde. Er kommt nämlich jetzt auf eine interessante Frage: Was ist, wenn einer an Jesus glaubt, aber sich trotzdem unmöglich verhält – z. B. Kinder misshandelt oder behinderte Menschen beleidigt? Was ist, wenn ein Kirchgänger auf die sogenannten Taufscheinchristen herabsieht, weil sie nie oder nur selten zur Kirche kommen? Was ist, wenn Christen sozusagen rückfällig werden, wenn sie nicht so leben, wie Gott das von uns erwartet? Wir hören dazu von Paulus das Häppchen Nr. 4:

17 Sollten wir aber, die wir durch Christus gerecht zu werden suchen, auch selbst als Sünder befunden werden – ist dann Christus ein Diener der Sünde? Das sei ferne!

Paulus denkt also, man könnte denken: Wenn ich an Jesus glaube, dann hat er mich ja lieb. Dann ist es ja egal, was ich mache, er hat mich trotzdem immer noch lieb. Und dann könnten andere Leute denken: Dann ist ja Jesus selber ein „Diener der Sünde“, er verübt sozusagen Beihilfe zu allen möglichen schlimmen Sachen, die von Christen getan werden. Dazu sagt Paulus jedoch kurzerhand: „Das sei ferne!“ Auf deutsch: „Das ist Quatsch!“ Die Begründung folgt im nächsten, im fünften Paulushäppchen:

18 Denn wenn ich das, was ich abgebrochen habe, wieder aufbaue, dann mache ich mich selbst zu einem Übertreter.

Paulus vergleicht sich selbst mit einem Grundstück, auf dem ein altes Haus gestanden hatte. Das Haus seines Lebens hatte gar nicht so übel ausgesehen. Sein Stolz: Ich bin ein besserer Mensch! Sein Hochmut, mit dem er auf die Christen herabgeschaut hatte! Sein Ehrgeiz, mit dem er sie verfolgt hatte! Aber inzwischen hatte er eingesehen: in Wirklichkeit ist das Haus baufällig, es ist auf Sand gebaut, und er hat das scheinbar so stolze Bauwerk abgerissen.

Das hat ihm sicher auch weh getan – man kann ja sehr hängen an Gewohnheiten und Verhaltensweisen, mit denen man sich selber oder anderen schadet – und es ist kein Wunder, wenn er manchmal in Versuchung gerät, die alte Hütte wieder aufzubauen. Vielleicht auch, weil das neue Häuschen, also sein neues Leben ohne Sünde, zunächst gar nicht besonders eindrucksvoll aussieht. Wer das Haus seines Lebens im Vertrauen auf Jesus aufbaut, der errichtet ja keinen protzigen Palast. Er fühlt sich vielleicht eher so, als lebe er auf einer ewigen Baustelle – als Christ ist man ja nie „fertig“, man lernt nie aus.

Da muss man sich wirklich selber immer wieder neu entscheiden: Entweder, ich wage es mit dem Vertrauen und baue mit Gottes Hilfe am einfachen, bescheidenen Haus meines Lebens. Oder ich mache all das wieder kaputt, was Gott mir schenken will. Dafür bin ich selber verantwortlich, ich kann nicht sagen: Jesus ist ja selber schuld, der vergibt mir ja alles, also kann ich ja auch wieder so leben, als gäbe es Gott gar nicht. Wenn ich die Gebote Gottes übertrete, mache ich mich selbst zu einem Übertreter – das ist so ähnlich wie bei einem Alkoholiker, der „trocken“ werden will. Er muss lernen: Ich bin es ja, der das erste Glas Bier oder Wein trinkt oder stehen lässt, ich kann niemandem anderen dafür die Schuld geben.

Noch ein drastischeres Bild bringt Paulus im nächsten Bröckchen seines Textes – Happen Nr. 6:

19 Denn ich bin durchs Gesetz dem Gesetz gestorben, damit ich Gott lebe.

Hier vergleicht sich Paulus mit einem toten Mann. Er denkt so: Wenn ich mir durch das Gesetz Gottes ewiges Leben verdienen wollte, dann müsste ich ja alles erfüllen, was Gott von mir verlangt. Aber das kann ich ja unmöglich schaffen. Ich kann nicht immer hundertprozentig gut sein, immer jeden Menschen lieben, nie ein verletzendes Wort gebrauchen. Aber dann kann ich durch das Gesetz auch nicht das ewige Leben bekommen. Und wenn ich dennoch denken würde: ach was, ich schaffe das schon, dann wäre ich ein hochmütiger Mensch, also auch ein Sünder. Gerade nach dem Gesetz wäre ich also für Gott so gut wie tot.

Daraus zieht Paulus den Schluss: Wenn das so ist, verlasse ich mich doch lieber gleich gar nicht auf das Gesetz, um mir ewiges Leben zu verdienen. Das geht sowieso nicht. Paulus ist also durch das Gesetz dem Gesetz gestorben. Wir würden heute vielleicht eher umgekehrt sagen: Das Gesetz ist für mich gestorben, es gilt für mich nicht mehr. Aber das meint Paulus auch nicht: Gelten tut es ja, schlecht ist es nicht. Man darf es nur nicht missbrauchen. Man kann nicht Liebe kaufen von Gott, indem man das Gesetz befolgt. Wenn man das versucht, wird das Gesetz ein Hilfsmittel für die Sünde. Fürs Gesetz also fühlt Paulus sich tot – er will nicht für das Gesetz leben. Nein, leben will er für Gott. Denn er weiß: Der schenkt mir das Leben umsonst. Ich muss es mir nicht verdienen.

Erneut unterbrechen wir die Predigt für das Lied 242, 1+6+8 im Gesangbuch:

1) Es ist das Heil uns kommen her von Gnad und lauter Güte; die Werk, die helfen nimmermehr, sie mögen nicht behüten. Der Glaub sieht Jesum Christum an, der hat gnug für uns all getan, er ist der Mittler worden.

6) Es ist gerecht vor Gott allein, der diesen Glauben fasset; der Glaub gibt von sich aus den Schein, so er die Werk nicht lasset; mit Gott der Glaub ist wohl daran, dem Nächsten wird die Lieb Guts tun, bist du aus Gott geboren.

8) Die Werk, die kommen gwisslich her aus einem rechten Glauben; denn das nicht rechter Glauben wär, wolltst ihn der Werk berauben. Doch macht allein der Glaub gerecht; die Werk, die sind des Nächsten Knecht, dabei wir’n Glauben merken.

Liebe Gemeinde, Paulus fühlt sich tot für das Gesetz. Aber nicht nur einfach so tot, sondern er sagt noch mehr – im Häppchen Nr. 7:

Ich bin mit Christus gekreuzigt.

Ein kleiner Satz, der es in sich hat: Ich bin mit Christus gekreuzigt. Christus wurde am Kreuz hingerichtet für Verbrechen, die er nicht begangen hatte. Er starb für die Sünden anderer Menschen. Und Paulus sieht das so: Wenn Christus für fremde Sünden sterben musste, dann hat er auch meine Sünde mit ans Kreuz genommen. Er trägt sozusagen stellvertretend für mich die Todesstrafe für meine Sünden. Bildlich gesprochen ist dann zumindest ein Teil von mir mit Christus am Kreuz gestorben – jedenfalls der Teil, der nicht in Ordnung war.

Anders gesagt: Paulus ist wirklich ein neuer Mensch geworden. Seine ganze innere Haltung hat sich so sehr geändert, als sei der alte Paulus wirklich tot. Der hochmütige Paulus, der sich den Himmel verdienen wollte, der lebt nicht mehr. Aber an seiner Stelle lebt ein neuer Paulus; er lebt ein anderes, ein glücklicheres Leben. Davon erfahren wir im nächsten Brocken des Textes, im achten Happen des Paulustextes:

20 Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir.

Paulus versteht sein Leben anders. Er ist nicht mehr sein eigener Herrgott, er muss nicht mehr angestrengt dem Sinn seines Lebens hinterherlaufen. Stattdessen vertraut er auf Jesus. So sehr, dass er dieses Bild gebrauchen kann: Ich lebe gar nicht mehr mein Leben allein für mich selbst und aus meinen eigenen Kräften. Jesus lebt mein Leben, er erfüllt mein Leben mit seinem guten Geist. Näher erläutert Paulus das in dem neunten Häppchen unseres Predigttextes:

Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst für mich dahingegeben.

Paulus bleibt ein Mensch aus Fleisch und Blut, das meint er mit dem Ausdruck „im Fleisch leben“, er hebt nicht ab in den Himmel oder ins Kloster und flieht nicht in eine scheinbar heile Scheinwelt. Doch mitten in unserer ganz normalen Welt lebt er anders, weil er „im Glauben lebt“. Seitdem Paulus den Sohn Gottes innerlich kennengelernt hat, weiß er sich von Gott einfach so angenommen, wie er ist. Er fühlt sich zufrieden und geborgen, weil er gespürt hat, wie Jesus auch ihn liebhat. Er hat den Paulus nicht gehasst, sondern geliebt, obwohl er ein Christenverfolger gewesen war.

Liebe Gemeinde, wir kommen zum Schluss. Wir hören das Häppchen Nr. 10 aus einem langen und schwierigen Text von Paulus:

21 Ich werfe nicht weg die Gnade Gottes; denn wenn die Gerechtigkeit durch das Gesetz kommt, so ist Christus vergeblich gestorben.

Noch einmal wendet sich Paulus gegen eine weitverbreitete Auffassung: Dass man ohne die Hilfe Gottes glücklich werden könnte. Wenn das möglich wäre, z. B. indem man irgendeinem Gesetz folgt, irgendwelchen Lebensregeln, vielleicht sogar Horoskopen, vielleicht sogar den Zehn Geboten, dann, so sagt Paulus, hätte sich Jesus gar nicht so viel Mühe mit uns Menschen geben müssen. Er hätte es nicht nötig gehabt, zu zeigen, wie sehr Gott auch die Sünder liebhat, denn die wären ja sowieso verloren. Nur die anderen wären dann ja glücklich, die stark sind und die etwas leisten. Für die hätte er dann ja auch gar nicht in den Tod zu gehen brauchen. Paulus denkt aber total anders: Ich werfe sie nicht weg, die Gnade Gottes, sagt er, seine Liebe, die brauche ich, genau wie der Zöllner in Jesu Gleichnis und genau wie jeder andere Mensch. Und mit all seinen komplizierten Sätzen, die für unser Hirn so schwer zu verdauen sind, will Paulus nichts weiter tun, als uns diese Liebe Gottes schmackhaft zu machen und ans Herz zu legen. Schön, wenn auch wir heute einfach so sagen könnten: Dass Gott mich lieb hat – das werfe ich doch nicht weg. Da kann ich doch was draus machen. Ich kann mein Leben so aufbauen wie ein Haus, das ganz voll ist von Leben, von Spannung, manchmal auch von Schmerz oder Wut oder Trauer, aber ganz sicher voll von Vertrauen und Hoffnung und ganz viel Liebe. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.
Lied EG 589: Komm, bau ein Haus, das uns beschützt

Und nun feiern wir – wie immer am ersten Sonntag des Monats – das heilige Abendmahl miteinander. Wer daran teilnehmen will, kommt nach vorn, wenn es so weit ist, die anderen mögen auf ihrem Platz bleiben und gehören auch zu uns dazu. Nach den Einsetzungsworten singen wir das Lied 136.

Freundlicher, treuer, geduldiger, barmherziger Gott, lass uns nun auch schmecken und spüren, dass wir dir recht sind. Wir dürfen alle mit dir zusammen essen und trinken, du hast dich sogar ganz und gar hingegeben für uns, damit wir leben können und nicht verloren gehen. Lass uns satt werden am Brot des Lebens, lösche unseren Durst nach Vergebung, pflanze in uns den Samen des Glaubens, damit wir immer mehr Zutrauen zu dir fassen. Amen.

Abendmahl

Gott, unser Vater – alles, was wir haben, sind Geschenke von dir: unser Leben, unsere Fähigkeiten, selbst unsere Begrenzungen. Hilf uns, dass wir uns so annehmen, wie du uns geschaffen hast, dass wir die Chancen ergreifen, die du uns gibst, dass wir uns nicht verweigern, wo du uns Aufgaben vor die Füße legst, dass wir es akzeptieren, wenn wir manchmal auch machtlos sind, um irgendetwas zu ändern oder zu erzwingen. Wo wir Kräfte haben, lass sie uns einsetzen, wo wir kraftlos sind, schenke uns deine Kraft, die in den Schwachen mächtig ist. Lass uns nicht an den falschen Gott „Arbeit“ glauben, als ob das Leben nur sinnlos wäre, wenn man nicht arbeiten könne. Lass vielmehr in allen Lebenslagen den Glauben an dich wachsen und blühen – denn nur so können wir glücklich werden und in unserem Alltag dankbar die Dinge entdecken, mit denen du uns erfreust und herausforderst. Amen.

Gemeinsam beten wir mit Jesu Worten:

Vater unser
Liederheft 231: So stark wie ein Fels bin ich nicht
Abkündigungen

Nun geht hin mit Gottes Segen:

Gott, der Herr, segne euch, und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch Frieden. Amen.

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