Waffen des Lichts

Wer im Internet nach „Waffen des Lichts“ sucht, stößt auf die Lichtschwerter der Jedi-Ritter in den „Star Wars“-Filmen. Paulus meint damit etwas anderes. Mit einer Waffe des Lichts zu kämpfen, heißt für ihn zum Beispiel, sich vernünftig zu ernähren, andere Menschen nicht nur als Gegenstand für eigene Lust zu benutzen, Hader und Eifersucht mit Offenheit und Fairness zu überwinden.

Eine Kerze brennt am Adventskranz (Foto: pixabay.com)

Eine Kerze brennt am Adventskranz (Foto: pixabay.com)

direkt-predigtGottesdienst am 1. Sonntag im Advent, 29. November 2009, 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Zum Gottesdienst am 1. Advent unter dem Thema „Waffen des Lichts“ begrüße ich alle herzlich in der Pauluskirche mit dem Wort zur Woche aus dem Prophetenbuch Sacharja 9,  9:

Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer.

Wir singen aus dem Lied 1 die Strophen 1 bis 3:

1. Macht hoch die Tür, die Tor macht weit; es kommt der Herr der Herrlichkeit, ein König aller Königreich, ein Heiland aller Welt zugleich, der Heil und Leben mit sich bringt; derhalben jauchzt, mit Freuden singt: Gelobet sei mein Gott, mein Schöpfer reich von Rat.

2. Er ist gerecht, ein Helfer wert; Sanftmütigkeit ist sein Gefährt, sein Königskron ist Heiligkeit, sein Zepter ist Barmherzigkeit; all unsre Not zum End er bringt, derhalben jauchzt, mit Freuden singt: Gelobet sei mein Gott, mein Heiland groß von Tat.

3. O wohl dem Land, o wohl der Stadt, so diesen König bei sich hat. Wohl allen Herzen insgemein, da dieser König ziehet ein. Er ist die rechte Freudensonn, bringt mit sich lauter Freud und Wonn. Gelobet sei mein Gott, mein Tröster früh und spat.

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

Wir beten am 1. Advent Worte aus dem Psalm 24, im Gesangbuch stehen sie unter der Nummer 712. Dabei lese ich die linksbündigen Verse und Sie bitte die nach rechts eingerückten Teile:

7 Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe!

8 Wer ist der König der Ehre? Es ist der Herr, stark und mächtig, der Herr, mächtig im Streit.

9 Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe!

10 Wer ist der König der Ehre? Es ist der Herr Zebaoth; er ist der König der Ehre.

Kommt, lasst uns ihn anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Heute ist der 1. Advent. Mit diesem Sonntag beginnt ein neues Kirchenjahr. Vier Sonntage feiern wir im Advent zur Vorbereitung auf Weihnachten. Violette Tücher hängen am Altar, an der Kanzel und am Lesepult, zum Zeichen, dass diese Zeit der Vorfreude auch eine Zeit der Besinnung und der Buße ist. Denn es ist gar nicht so einfach, Weihnachten richtig zu feiern. Gott, lass uns den echten Sinn von Weihnachten verstehen. Öffne unsere Ohren und Herzen für die Botschaft des Advent. Wir rufen zu dir:

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Advent heißt Ankunft. Einer kommt, der in der Bibel König genannt wird. König der Ehre, das ist Gott selbst, der Herr der Heerscharen oder Herr Zebaoth, der von Engelmächten umscharte Gott, ein Herr, der mächtig ist im Streit gegen das Böse.

Gott selber kommt in der Gestalt seines Sohnes, den wir auch König nennen, den Gesalbten, den Messias, den Christus Gottes. Er ist es, der Frieden bringt, indem er das Böse besiegt, und er fängt damit in unseren eigenen Herzen an.

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende“.

Der Herr sei mit euch „und mit deinem Geist.“

Wir sind am 1. Advent im Gottesdienst, die einen in erwartungsvoller Vorfreude auf Weihnachten, andere noch gar nicht eingestimmt auf die vorweihnachtliche Zeit, wieder andere sind in Trauer, weil ein Familienmitglied gestorben ist. Allmächtiger Gott, lieber Vater im Himmel, wir bitten dich, sammle unsere Gedanken um das, was in der Adventszeit wirklich wichtig ist: dass du durch deinen Sohn in unser Leben kommen willst mit deinem Licht, deinem Frieden, deiner Liebe, deinem Trost. Darum bitten wir dich, Gott, im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören die Schriftlesung zum 1. Advent aus dem Evangelium nach Matthäus im 21. Kapitel, Verse 1 bis 9:

1 Als sie nun in die Nähe von Jerusalem kamen, nach Betfage an den Ölberg, sandte Jesus zwei Jünger voraus

2 und sprach zu ihnen: Geht hin in das Dorf, das vor euch liegt, und gleich werdet ihr eine Eselin angebunden finden und ein Füllen bei ihr; bindet sie los und führt sie zu mir!

3 Und wenn euch jemand etwas sagen wird, so sprecht: Der Herr bedarf ihrer. Sogleich wird er sie euch überlassen.

4 Das geschah aber, damit erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten, der da spricht:

5 „Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir sanftmütig und reitet auf einem Esel und auf einem Füllen, dem Jungen eines Lasttiers.“

6 Die Jünger gingen hin und taten, wie ihnen Jesus befohlen hatte,

7 und brachten die Eselin und das Füllen und legten ihre Kleider darauf, und er setzte sich darauf.

8 Aber eine sehr große Menge breitete ihre Kleider auf den Weg; andere hieben Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg.

9 Die Menge aber, die ihm voranging und nachfolgte, schrie: Hosianna dem Sohn Davids! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe!

Herr, dein Wort ist unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Wege. Halleluja. „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Glaubensbekenntnis

Wir singen das Lied 10:

1. Mit Ernst, o Menschenkinder, das Herz in euch bestellt; bald wird das Heil der Sünder, der wunderstarke Held, den Gott aus Gnad allein der Welt zum Licht und Leben versprochen hat zu geben, bei allen kehren ein.

2. Bereitet doch fein tüchtig den Weg dem großen Gast; macht seine Steige richtig, lasst alles, was er hasst; macht alle Bahnen recht, die Tal lasst sein erhöhet, macht niedrig, was hoch stehet, was krumm ist, gleich und schlicht.

3. Ein Herz, das Demut liebet, bei Gott am höchsten steht; ein Herz, das Hochmut übet, mit Angst zugrunde geht; ein Herz, das richtig ist und folget Gottes Leiten, das kann sich recht bereiten, zu dem kommt Jesus Christ.

4. Ach mache du mich Armen zu dieser heilgen Zeit aus Güte und Erbarmen, Herr Jesu, selbst bereit. Zieh in mein Herz hinein vom Stall und von der Krippen, so werden Herz und Lippen dir allzeit dankbar sein.

Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde, der 1. Advent ist ein merkwürdiger Tag. Mit ihm fängt die Vorbereitungszeit auf Weihnachten an, und nicht nur das, ein ganz neues Kirchenjahr beginnt an diesem Tag. Heute ist sozusagen das Neujahrsfest der Kirche.

Aber im Gegensatz zu der Dekoration der Kaufhäuser und Weihnachtsmärkte gibt es in der Kirche heute noch nicht viel weihnachtlichen Schmuck. Keine Lichterketten, der Weihnachtsbaum steht auch noch nicht, nur eine einzige Kerze brennt am Adventskranz. Langsam, behutsam, stimmen wir uns auf Weihnachten ein, indem wir jeden Sonntag eine weitere Kerze anzünden.

Zur Vorfreude auf Weihnachten gehört auch, sich alle Jahre wieder Gedanken über dieses Fest zu machen. Adventszeit ist auch Zeit der Buße, daran sollen die violetten Tücher erinnern, und Buße bedeutet: Umdenken, Umsteuern, Umkehren. Das heißt: Zurückkehren zu dem, was Weihnachten ursprünglich bedeutet. Weihnachten als das Geburtsfest von Jesus ernst nehmen. „Mit Ernst, o Menschenkinder“ haben wir gesungen. In diesem Lied ging es darum, dass wir unser Herz „bestellen“, so wie ein Landwirt seine Felder „bestellt“, also etwas sät und pflanzt und seine Felder so pflegt, dass eine gute Ernte darauf wachsen kann. Wer sein eigenes Herz „bestellt“, der stellt sich auf den ein, der da kommen soll, auf das Christkind Gottes, auf Jesus Christus. Seine Geburt feiern wir an Weihnachten, er will in unser Leben hineinkommen, an Weihnachten und alle Tage.

Aber wie bestellen wir unser Herz, wie stellen wir uns auf Jesus ein? Auf diese Frage suchen wir Antworten im Brief des Apostels Paulus an die Römer 13, 8-14:

8 Seid niemand etwas schuldig, außer, dass ihr euch untereinander liebt; denn wer den andern liebt, der hat das Gesetz erfüllt.

9 Denn was da gesagt ist: „Du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht töten; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht begehren“, und was da sonst an Geboten ist, das wird in diesem Wort zusammengefasst: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“

10 Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. So ist nun die Liebe des Gesetzes Erfüllung.

11 Und das tut, weil ihr die Zeit erkennt, nämlich dass die Stunde da ist, aufzustehen vom Schlaf, denn unser Heil ist jetzt näher als zu der Zeit, da wir gläubig wurden.

12 Die Nacht ist vorgerückt, der Tag aber nahe herbeigekommen. So lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts.

13 Lasst uns ehrbar leben wie am Tage, nicht in Fressen und Saufen, nicht in Unzucht und Ausschweifung, nicht in Hader und Eifersucht;

14 sondern zieht an den Herrn Jesus Christus und sorgt für den Leib nicht so, dass ihr den Begierden verfallt.

Das ist unser Predigttext zum 1. Advent. Am Anfang haben Sie sicher gedacht: Was hat denn das mit der Vorweihnachtszeit zu tun? Da geht es doch ganz allgemein um die Zehn Gebote und die Nächstenliebe. Aber Paulus verknüpft seine Worte über Gottes Gebote mit Gedanken, die um das Thema Nacht und Licht kreisen. Es ist schon spät in der Nacht, und „der Tag ist nahe herbeigekommen“, sagt Paulus. Was hat das mit unserem Advent zu tun?

Paulus kannte noch nicht unser Weihnachtsfest und auch nicht unsere Adventszeit. Aber was wir im Advent feiern, können wir besser verstehen, wenn wir auf Paulus hören. Denn für uns, die wir aus den Kinderschuhen herausgewachsen sind, ist Advent mehr als Warten aufs Christkind und Geschenke unter dem Weihnachtsbaum. Wir blicken das Kind an, das in der Krippe zur Welt kommen soll, und denken an den, der auf uns zukommt, nicht nur an Weihnachten, sondern alle Tage: den Christus Gottes. Er kommt auf uns zu, um uns selbst und unsere Welt zu verändern.

„Unser Heil ist jetzt näher als zu der Zeit, da wir gläubig wurden.“ Warum sagt Paulus diesen Satz? Wahrscheinlich weil es Leute gab, die am Vertrauen auf Jesus zweifelten, weil sie schon so lange darauf warteten, dass er wiederkommen und endlich Frieden, Heil, Gerechtigkeit in die Welt bringen würde. Sie meinten: „Es lohnt sich nicht länger zu warten, zu hoffen. Gott wird Frieden schaffen? Wir sehen nur überall Streit und Krieg auf Erden. Jesus wird wiederkommen und Gerechtigkeit bringen? Wir sehen nur, dass die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden. Gott hat Jesus vom Tod erweckt und wird auch alle anderen Verstorbenen auferstehen lassen? Wir sehen nur immer mehr Menschen sterben, und niemand kehrt zurück.“

Paulus hält all diesen Zweifeln das Bild von der vorgerückten Nacht entgegen: „Die Nacht ist vorgerückt, der Tag aber nahe herbeigekommen.“ Eine Nacht kann einem sehr lang vorkommen, vor allem wenn man keinen Schlaf findet, ich habe es im Krankenhaus selber erlebt, bei hohem Fieber, Gott sei Dank nur ein paar Tage lang. Ein Trost ist, dass jede Nacht am Morgen zu Ende ist.

So ist es auch mit der Nacht der Trübsal, der Trauer, sagt Paulus, so geht es mit jedem schweren Schicksal und erlittenem Unrecht: auch die Nacht dieser unerträglichen Widerfahrnisse dauert nicht ewig. Irgendwann bricht ein neuer Tag an, es wird wieder hell im Leben, Recht wird wiederhergestellt, neue Freude wird möglich. Aber wie kann sich Paulus dieser Hoffnung so sicher sein? Sie ist für ihn fest mit dem Vertrauen auf Jesus verbunden. Zwar hat Jesus in dieser Welt nur für kurze Zeit gelebt. Aber das Kommen Jesu in die Welt war keine einmalige Sache. „Er kommt auch noch heute und lehret die Leute“, heißt es in einem Adventslied (EG 5), das wir heute nicht singen. Jesus wird wiederkommen am Ende der Zeit, und er kommt zu uns, noch heute, schon heute, wo wir auf sein Wort hören. Wenn uns das bewusst wird, wird es hell in unserem Leben; die Nacht ist vorbei, der Tag des Lichts bricht an.

Paulus meint sicher nicht, dass wir mit unserem Tun und Machen das Kommen des Tages herbeiführen oder beschleunigen. Aber umgekehrt: Weil der Tag schon bald anbricht, dürfen wir Mut gewinnen, um als Kinder des Tages schon jetzt zu leben, auch wenn uns vieles in der Welt noch finster erscheint.

Wer nur Nacht, Dunkelheit, Finsternis sieht, der gerät in die Versuchung zu denken, es sei sowieso egal, was er tut. Die Gebote erscheinen ihm vielleicht als lästiger Zwang. Wenn alle sich bereichern, warum soll man nicht auch ein größeres Stück vom Kuchen abbekommen, auch wenn man sich dabei am Rand der Legalität bewegt? Wenn Seitensprünge ganz normal zu sein scheinen, warum soll man es mit der Treue noch ganz genau nehmen? Wenn alles im Leben den Bach runtergeht, warum soll man nicht sein Elend im Alkohol ertränken?

Paulus sagt: „Nein! Macht euch bewusst, dass der Tag schon bald anbricht.“ Wer die Zeit erkennt, wer den Wecker klingeln hört, der weiß, dass er aufstehen kann und muss, um sein Tagewerk zu tun. Und was macht man, wenn man aufsteht? Man zieht sich an. Das heißt, den Schlafanzug zieht man aus, die Sachen für den Tag zieht man an. Im seinem Bild sagt Paulus: „Legt die Werke der Finsternis ab, legt die Waffen des Lichts an.“ Wer in der Welt der Nacht lebt, es mit den Geboten nicht genau genommen hat, an dem kleben die schlechten Taten wie ein verschwitztes Nachthemd, in dem man böse Fieberträume durchgemacht hat. Zieht das aus, legt das ab, was euch nicht gut tut, sagt Paulus. Stattdessen sollen wir etwas anderes anziehen, erstens: „Waffen des Lichts“, zweitens „den Herrn Jesus“. Beides ist bildlich gemeint: Jesus anziehen, das heißt so viel wie: Sich in seine Liebe einhüllen wie in einem warmen Mantel, sich auf ihn verlassen, dass er selber in uns wirkt mit seinem Geist, mit seiner Kraft, die uns verändert, tröstet, ermutigt. So können wir uns ihn als Vorbild nehmen, seine Worte ernstnehmen, ihm nachfolgen, in seinem Sinne handeln. Und wer handelt in seinem Sinne? Wer mit Waffen des Lichts kämpft.

Wenn man im Internet nach „Waffen des Lichts“ sucht, findet man unter anderem unsere Bibelstelle im Römerbrief. Aber man stößt auch auf die Lichtschwerter der Jedi-Ritter in den „Star Wars“-Filmen. Paulus meint mit den Waffen des Lichts etwas anderes. Wer mit den Waffen des Lichts kämpft, lebt „ehrbar“, führt einen ehrenhaften Kampf, muss sich vor der Gemeinschaft der Menschen nicht verstecken.

Drei Schauplätze für den Einsatz von Waffen des Lichts erwähnt Paulus in drastischer Sprache. Der erste ist die Nahrungsaufnahme, Essen und Trinken. Mit einer Waffe des Lichts zu kämpfen, heißt hier schlicht, gesund zu leben, sich vernünftig zu ernähren. „Sorgt für den eigenen Leib“, sagt Paulus, aber nicht so, dass er „den Begierden verfällt“.

Paulus schreibt seinen Brief an die Gemeinde in Rom. Ihm war sicher bekannt, wie die römischen Gelage in vornehmen Kreisen abliefen. Dabei fraß sich manch einer buchstäblich so voll, dass er sich erbrechen musste, um noch mehr in sich hineinstopfen zu können. Damit ist für Paulus eine Grenze überschritten. Das ist kein Sorgen für den Körper, damit schadet man dem Leib, den Gott uns geschenkt hat.

Ich denke bei diesem Problemfeld heute auch an Suchtkrankheiten, die man alleine gar nicht in den Griff kriegen kann. Zu einer Waffe des Lichts kann ein Betroffener greifen, indem er sich eingesteht, dass er abhängig ist vom Alkohol, von einer Droge, von der Magersucht, und sich Hilfe sucht, zum Beispiel in einer Beratungsstelle oder Selbsthilfegruppe.

Als zweiten Schauplatz für den Einsatz der Waffen des Lichts nennt Paulus den Bereich der Sexualität: Wer ehrbar, im Licht, am Tage lebt, der verzichtet auf Unzucht und Ausschweifung. In der alten Lutherbibel von 1912 stand noch die Übersetzung: „Wartet des Leibes, doch also, dass er nicht geil werde.“ In unserer Übersetzung von 1984 steht da: „Sorgt für den Leib nicht so, dass ihr den Begierden verfallt.“ Das ist korrekter, wörtlicher aus dem Griechischen übersetzt.

Paulus verurteilt also – wie beim Essen und Trinken – nicht die Sexualität als solche. Sie hat für Paulus ihren Platz in der Sorge für den Leib in der Ehe, also in einer Partnerbeziehung auf Gegenseitigkeit und auf lebenslange Dauer. Hier sind als Waffen des Lichts vor allem Behutsamkeit, Respekt vor dem Partner und Treue gefragt.

Was Paulus verurteilt, ist etwas anderes. Er weiß etwas davon, dass man auch sexuellen Begierden „verfallen“ kann, dass man also immer mehr will und begehrt, ohne jemals die Erfüllung zu finden, die man sucht.

Und Paulus weiß noch mehr: Durch sexuelle Freizügigkeit macht man weder sich selbst noch andere Menschen wirklich glücklich. Wer andere Menschen nur als Gegenstand für eigene Lust benutzt, überschreitet die Grenze, vor der die Bibel mit dem Wort „Unzucht“ warnt. Paulus wusste sehr gut, wovon er sprach, denn in Korinth und anderen Hafenstädten, wo er herumkam, gab es sehr viel Prostitution, und er wusste auch, wie viele ältere Männer der römischen Gesellschaft kleine Jungen sexuell missbrauchten. Daher die harten Worte des Paulus gegen Unzucht und Ausschweifung.

Einen dritten Schauplatz für Waffen des Lichts mit großem Handlungsbedarf erblickt Paulus mitten in der christlichen Gemeinde: den Kampf gegen „Hader und Eifersucht“. Denn von Anfang an gab es in der Kirche Eifersüchteleien und Kämpfe zwischen verschiedenen Glaubensrichtungen. Mit dem Wort Hader ist ein lang andauernder, unterschwellig schwelender Streit gemeint, der nie offen ausgetragen wird, aber dazu führt, dass am Ende eine Gemeinschaft auseinanderbricht. „Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft“, hat wohl Franz Grillparzer gesagt. Sie tritt vor allem dort auf, wo Menschen sich gegenüber anderen zurückgesetzt fühlen oder es nicht aushalten, wenn sie nicht immer im Mittelpunkt stehen.

Welche Waffen des Lichts helfen gegen Hader und Eifersucht? Zum Beispiel Offenheit und Fairness. Dass man über Probleme redet, die man miteinander hat. Das man einen Streit fair und sachlich führt.

Die wichtigste Waffe des Lichts auf allen möglichen Kampfplätzen ist aber eine bestimmte Art der Liebe, von der Paulus am Anfang spricht: „Seid niemand etwas schuldig, außer, dass ihr euch untereinander liebt.“ Denn „die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses“. Diese Liebe fasst alle Gebote zusammen. Paulus meint damit die Haltung, dass man solidarisch füreinander eintritt, egal ob man sich mag oder nicht, egal ob man einer Meinung ist oder nicht.

Am Anfang der Predigt habe ich gefragt, wie wir unser Herz bestellen, uns auf Jesus einstellen können. Was ist, wenn wir nicht wissen, wie das geht: mit den Waffen des Lichts zu kämpfen, wenn wir Angst davor haben, uns auf Liebe zu verlassen, Menschen mit solidarischer Nächstenliebe zu begegnen? Paulus weiß, wie schwer das ist, darum rät er uns: „Zieht den Herrn Jesus an“, und er meint damit, dass Jesus, der Sohn Gottes, vom Himmel her mit seinem Geist uns selber beisteht. Denn auch wenn wir um uns herum nur schwärzeste Finsternis wahrnehmen und wir noch nicht wissen, wann der Tag endlich anbricht, begleitet Jesus uns auch durch die Dunkelheit, denn er hat gesagt (Matthäus 28, 20):

Ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Welt.

Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.

Wir singen aus dem Lied 16 die Strophen 1 bis 4:

Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern!

Lasst uns nun beten und unsere Fürbitten vor unseren Herrn Jesus Christus bringen, auf dessen Kommen wir warten. Nach jeder Bitte rufen wir gemeinsam: „Christus, höre uns!“

Menschen leben in Angst: Angst, ihre Arbeit zu verlieren; Angst, abgeschoben zu werden; Angst, nicht akzeptiert zu werden; Angst vor dem Scheitern ihrer Beziehung. Für sie alle bitten wir: du, unser Halt, „Christus, höre uns!“

Menschen sorgen sich um Gerechtigkeit: um Gerechtigkeit im Bildungssystem, um gerechte Verteilung in der Solidargemeinschaft, um Fairness im Sport. Für sie alle bitten wir: du gerechter Richter, „Christus, höre uns!“

Menschen sehnen sich nach Liebe: nach tragfähigen Beziehungen, die sie glücklich machen; nach Achtsamkeit im Umgang miteinander; nach Solidarität, wo sie Unterstützung benötigen. Für sie alle bitten wir: In dir wird Gottes Liebe sichtbar, „Christus, höre uns!“

Menschen hoffen auf Frieden: auf Frieden im Nahen Osten und anderen Krisengebieten der Erde; Frieden zwischen verfeindeten Gruppen; Frieden für die Seelen – besonders der Menschen, die gewaltsam ums Leben gekommen sind. Für sie alle bitten wir: Du unser Friede, „Christus, höre uns!“

Menschen sind traurig, wenn jemand stirbt, der ihnen nahestand, den sie geliebt haben, als wäre er ein Teil des eigenen Lebens. In unserer Pauluskirche beten wir heute besonders für vier Gemeindemitglieder, die in der vergangenen Woche kirchlich bestattet worden sind: … Du, Herr Jesus Christus, hast zum Vater im Himmel gebetet und uns zu beten gelehrt: „Dein Wille geschehe!“, auch wenn wir diesen Willen nicht immer einzusehen vermögen. Du hörst unsere Klagen, du weißt um unsere Trauer, du weißt auch, dass wir an unsere Verstorbenen in Dankbarkeit und Liebe denken. Wir wissen, dass du unser Begleiter bist und bleibst im Leben und im Sterben. So bitten wir auch für alle Angehörigen, dass du ihnen beistehst: Du unser Trost, „Christus, höre uns!“

In der Stille bringen wir vor Gott, was uns ganz persönlich bewegt:

Stille und Vater unser

Wir singen das Lied 572:

Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht
Abkündigungen

Empfangt Gottes Segen:

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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