Gottes geordnete Welt

Trauerfeier für einen Mann, der die Ordnung und das Meer liebte und an den ich zurückdenke mit Worten aus dem Psalm 104.

Gottes geordnete Welt: Ein Segelschiff auf dem Meer und zwei Wale unter dem Meeresspiegel, darüber die Sonne im Morgendunst

Das Meer hat im Lobpreis des Psalms 104 einen besonderen Platz (Bild: katefarrant – pixabay.com)

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Liebe kleine Trauerversammlung, wir sind in aller Stille zusammengekommen, um Abschied zu nehmen von Herrn F., der im Alter von [über 80] Jahren gestorben ist.

Um drei Dinge geht es in dieser Trauerfeier: Wir erinnern uns an das Leben des Verstorbenen. Wir stehen einander bei in dem, was wir empfinden. Wir fragen nach Trost von Gott in Worten der Bibel.

Erinnerungen an das Leben des Verstorbenen

Neben und nach seinem Berufsleben betätigte er sich sportlich, vor allem aber hatte es ihm das Wasser angetan, indem er unter anderem aktiv segelte. Im Rentenalter brachte er sich sogar noch in einer neuen Sportart zur Wettkampfreife. Insgesamt kann man sagen: Was Herr F. anfasste, sollte wohlgeordnet und in Theorie und Praxis perfekt durchgeführt werden. Und bis zum Ende seines Lebens hörte er nicht auf zu träumen – wenn auch nicht mehr alle Wünsche in Erfüllung gehen konnten.

Ohne deutliche vorherige Anzeichen ist nun Herrn F.s Leben ganz plötzlich zu Ende gegangen – nur seit etwa einem Jahr war zu merken gewesen, daß er doch müde geworden war, nicht mehr ganz so aktiv wie früher.

So blicken wir zurück auf dieses Leben, und Sie verbinden mit all dem Ihre eigenen Erinnerungen an Begegnungen, Prägungen und Gespräche mit dem Verstorbenen. Und wie ich so darüber nachdenke, was Sie mir von ihm erzählt haben, da stoße ich auf die folgenden Worte eines alten Gebetes, das in der Bibel steht. Es ist der Psalm 104, er handelt von den Wundern der Schöpfung, und ich muss dabei an all die Dinge denken, die Herrn F.s Leben ausgefüllt haben:

24 HERR, wie sind deine Werke so groß und viel! Du hast sie alle weise geordnet, und die Erde ist voll deiner Güter.

25 Da ist das Meer, das so groß und weit ist, da wimmelt‘s ohne Zahl, große und kleine Tiere.

26 Dort ziehen Schiffe dahin; da sind große Fische, die du gemacht hast, damit zu spielen.

27 Es warten alle auf dich, dass du ihnen Speise gebest zur rechten Zeit.

28 Wenn du ihnen gibst, so sammeln sie; wenn du deine Hand auftust, so werden sie mit Gutem gesättigt.

29 Verbirgst du dein Angesicht, so erschrecken sie; nimmst du weg ihren Odem, so vergehen sie und werden wieder Staub.

30 Du sendest aus deinen Odem, so werden sie geschaffen, und du machst neu die Gestalt der Erde.

Mir hat dieser Psalm im Blick auf Herrn F. so gut gefallen, weil er von einer geordneten Welt spricht, so wie sie der Verstorbene wohl auch geliebt hat: eine Welt, die man erforschen und bis zu einem gewissen Grad erobern kann, wenn man sich die notwendigen Kenntnisse aneignet und genau anwendet. Es ist eine Welt, die Platz hat für lebensnotwendige Dinge wie die Nahrung für Mensch und Tier, aber auch für so schöne Dinge wie den Spaß am Spielen und an der sportlichen Bewältigung der Elemente der Natur – zum Beispiel in der Schifffahrt.

Auf der anderen Seite macht uns das biblische Gebet auf eine einfache Wahrheit aufmerksam, nämlich dass all diese Dinge nicht selbstverständlich sind. Wir leben nur, weil Gott uns liebevoll anschaut, weil er uns – bildlich gesprochen – ein bißchen von seinem eigenen Atem eingehaucht hat. So wird unser Leben gedeutet als ein Geschenk – ein Geschenk auf Zeit. Es ist uns anvertraut, wir sind verantwortlich dafür, was wir damit machen, und irgendwann kommt die Stunde, dieses Lebensgeschenk auch wieder loszulassen. Das macht uns traurig, wenn wir einander in Liebe verbunden waren. Aber zugleich können wir dankbar und getröstet zurückblicken und vorausblicken. Dankbar für alles, was uns mit dem Leben des Verstorbenen geschenkt war. Und getröstet, weil ein Mensch, den wir hergeben müssen, in Gottes Liebe geborgen bleibt. Der Gott, der die Gestalt der Erde erneuern kann, der bewahrt uns in seinem Gedächtnis und lässt uns in Ewigkeit nicht verlorengehen. Amen.

EG 65: Von guten Mächten wunderbar geborgen

So begleite uns nun, barmherziger Gott, auf dem Weg der Trauer und auf allen Wegen, die vor uns liegen. Wir danken dir für Erfahrungen der Liebe, für wertvolle Begegnungen, die uns geprägt haben, für gute Erinnerungen, die uns bleiben. Steh uns bei, wenn wir nicht weiter wissen, und schenke uns allen ein erfülltes Leben. Amen.

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