Im Vertrauen auf Jesus leben und sterben

In der Trauerfeier für eine Frau, die im Vertrauen auf Jesus vielerlei Herausforderungen und Schicksalschläge bewältigt hat, gehe ich auf Bibeltexte ein, die von ihr selbst und ihren Angehörigen ausgewählt wurden.

Im Vertrauen auf Jesus leben und sterben: Eine Kapelle im Wald, Jesus steht in einem gotischen Bogen mit ausgebreiteten Armen

Jesus lädt uns ein, auf ihn zu vertrauen im Leben und im Sterben (Bild: FelixMittermeier – pixabay.com)

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

[Nichts kann] uns scheiden … von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn. (Römer 8, 39)

Liebe Gemeinde, in dieser Zuversicht, dass uns von Gottes Liebe nichts und niemand trennen kann, auch nicht unser Tod, sind wir hier versammelt, um von Frau R. Abschied zu nehmen, die im Alter von [über 80] Jahren gestorben ist.

Wir besinnen uns auf ihr Leben, und wir suchen nach Worten, die uns auf dem Weg der Trauer Orientierung und Kraft geben. Im Gebet zu Gott geben wir außerdem unserer Dankbarkeit Ausdruck – unserem Dank für alles, was uns mit Frau R. geschenkt war und was Gott ihr in ihrem Leben an Gnade erwiesen hat.

Wir beten mit Worten aus dem Psalm 103:

1 Lobe den HERRN, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen!

2 Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat:

3 der dir alle deine Sünde vergibt und heilet alle deine Gebrechen,

4 der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit,

5 der deinen Mund fröhlich macht, und du wieder jung wirst wie ein Adler.

6 Der HERR schafft Gerechtigkeit und Recht allen, die Unrecht leiden.

7 Er hat seine Wege Mose wissen lassen, die Kinder Israel sein Tun.

8 Barmherzig und gnädig ist der HERR, geduldig und von großer Güte.

13 Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der HERR über die, die ihn fürchten.

14 Denn er weiß, was für ein Gebilde wir sind; er gedenkt daran, dass wir Staub sind.

15 Ein Mensch ist in seinem Leben wie Gras, er blüht wie eine Blume auf dem Felde;

16 wenn der Wind darüber geht, so ist sie nimmer da, und ihre Stätte kennet sie nicht mehr.

17 Die Gnade aber des HERRN währt von Ewigkeit zu Ewigkeit über denen, die ihn fürchten, und seine Gerechtigkeit auf Kindeskind

18 bei denen, die seinen Bund halten und gedenken an seine Gebote, dass sie danach tun.

Wir singen das Lied, das sich Frau R. selber gewünscht hat, Nr. 526, 1-3:

1. Jesus, meine Zuversicht und mein Heiland, ist im Leben. Dieses weiß ich; sollt ich nicht darum mich zufrieden geben, was die lange Todesnacht mir auch für Gedanken macht?

2. Jesus, er mein Heiland, lebt; ich werd auch das Leben schauen, sein, wo mein Erlöser schwebt; warum sollte mir denn grauen? Lässet auch ein Haupt sein Glied, welches es nicht nach sich zieht?

3. Ich bin durch der Hoffnung Band zu genau mit ihm verbunden, meine starke Glaubenshand wird in ihn gelegt befunden, dass mich auch kein Todesbann ewig von ihm trennen kann.

Wir blicken zurück auf ein Leben, das erfüllt war von einem kindlichen und zugleich sehr erwachsenen Vertrauen auf Jesus Christus.

Um uns vor Augen zu führen, was für ein Mensch die nun Verstorbene gewesen ist, können wir sie selbst zu Wort kommen lassen, denn zu ihrem Lebenslauf hat sie vieles, was ihr wichtig war, einmal aufgeschrieben.

Ein selbstverfasster Lebenslauf der Verstorbenen

Wir haben gehört, in welch vielfältiger Weise Frau R. in ihrem Leben gewirkt hat. Sie war ein Familienmensch, wobei, wie Sie gesagt haben, die Hausfrauenrolle eher ein Nebenfach und das Mutter-Sein ein Hauptfach war. Sie war mit Begeisterung in ihrem eigenen Beruf tätig, unterstützte aber auch ihren Ehemann tatkräftig in seinem Beruf. Wir sind dankbar für so viel Gnade, die in ihrem Leben wirksam wurde, die sich ausgewirkt hat für Menschen, die von ihr geprägt und beeinflusst wurden.

Mit unserer evangelischen Kirchengemeinde fühlte sie sich sehr verbunden; unter anderem erinnere ich mich an viele Gespräche im Bibelkreis, in denen sie in ihrer ruhigen, aber durchaus bestimmten Art immer wieder betonte, dass letzten Endes die Liebe die Quintessenz der biblischen Botschaft sei.

Ganz in diesem Sinne hat sie selber auch einen Bibeltext für diese Ansprache festgelegt; er steht im Evangelium nach Johannes 3, 16:

Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an Ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.

Und Frau R. hat nicht nur diesen Vers aufgeschrieben, sondern ihn auch auf ihre Weise, wie ich sie aus dem Bibelkreis kannte, selber ausgelegt. Nach ihren eigenen Worten umfasst dieser Vers „das ganze Evangelium: Seine große Liebe, Seine Gnade, Seine Erlösungstat: Für uns!“ Und ganz konkret fügte sie hinzu: „Im Aufblick auf Jesu Kreuz wurde aus dem zagenden Herzen ein getrostes und freudiges, auch in den notvollen Situationen meines Lebens.“

Die Liebe Gottes, von der uns keine Macht der Welt trennen kann, verband sich für Frau R. mit dem Geschenk des Gottessohnes Jesu Christi an unsere Welt. Gott liebt die Welt so sehr, dass er seinen Geist in diesem Jesus wohnen lässt, ja, dass Gott selbst in diesem Menschen zur Welt kommt.

Und dann lebt in Jesus Gott selbst auf dieser Erde, eingeboren in unser Menschsein, zur Liebe und Menschlichkeit berufen und stets in der Versuchung, lieber wie Gott in Frankreich und damit eher wie ein Teufel zu leben statt eben als liebender Mensch. Jesus widersteht dieser Versuchung und bleibt Mensch – bis dahin, dass man diesen Menschensohn ans Kreuz hängt und aus dem Weg zu räumen versucht.

Aber auf diese Weise nimmt Jesus und in ihm Gott selbst alle Verirrungen und Fehltritte der Menschheit auf sich wie ein Sündenbock am jüdischen Versöhnungstag, am Jom Kippur, und trägt es weg. Jesus räumt alles weg, was wir einander schuldig bleiben, worin wir uns in unseren komplizierten Konflikten miteinander verstricken, und lässt uns wieder Platz, um zu atmen, um einander zuzuhören, um neu miteinander umzugehen. Alte Geschichten dürfen aus der Welt geschafft werden, damit Friede – ein großes Wort – neu gelebt werden kann, in ganz kleiner Münze, in winzigen Schritten. Wer Ohren hat zu hören, der höre.

Zugleich leidet Gott in Jesus unseren menschlichen Tod mit, den Tod mitten im Leben, wo Menschen verletzt und niedergedrückt werden, den unbegreiflichen Tod der viel zu früh gestorbenen Kinder oder auch das selige Sterben derer, die alt und lebenssatt sterben dürfen.

Ich verstehe den Spruch, den Frau R. ausgewählt hat, so, dass es für uns, die auf Jesus vertrauen dürfen, keinen endgültigen Tod gibt. Ewiges Leben ist uns geschenkt, weil Gott in seiner Liebe kein Menschenkind verloren gehen lassen will. Wir dürfen das Leben in Dankbarkeit aus Gottes liebevollen Händen empfangen und dürfen es am Ende vertrauensvoll auch wieder in diese Hände zurücklegen.

Im Bibelkreis sprachen wir einmal darüber, ob es wohl so ist, dass wir im Tode „unseren Geist aushauchen“, wie die Einheitsübersetzung das Ende des Lebens Jesu beschreibt (Lukas 23, 46). Alle anderen Übersetzungen sagen an dieser Stelle „er verschied“. Aber wörtlich steht da wirklich: „er hauchte aus“. Das, was Gott dem Adam, dem Erdling, also uns allen, nach der wunderschönen Schöpfungserzählung vom Paradiesgarten einhaucht, also unseren Lebensatem auf Zeit, unseren Geist, unsere Seele, das kehrt im Tode wieder zu Gott zurück.

Darauf hat Frau R. vertraut. Niemand geht verloren, der im Vertrauen auf Jesus stirbt. Dass dieser Glaube nicht immer leicht zu leben und zu bewahren ist, hat sie auch gewusst; wie gesagt, ich kann mich gut erinnern, wie sie gemeinsam mit uns im Bibelkreis darum gerungen hat, wie denn der Glaube an diesen Jesus zu begreifen und im Alltag zu bewähren ist. Sie durfte jedenfalls erfahren, dass ihr „zagendes Herz“ verwandelt wurde in „ein getrostes und freudiges“ und war dafür von Herzen dankbar.

Sehr ausführlich haben wir von Frau R. erzählt und sie selbst zu Wort kommen lassen. Nun soll auch die Rede davon sein, wie wir von ihr Abschied nehmen können, wie vor allem diejenigen, die ihr am nächsten standen, mit ihrer Traurigkeit umgehen können.

Beim Propheten Jeremia 31, 13 heißt es, dass Gott zu weinenden Menschen sagt:

Ich will ihr Trauern in Freude verwandeln und sie trösten und sie erfreuen nach ihrer Betrübnis.

Und der Apostel Paulus sagt ähnlich (2. Korinther 4, 17):

Unsre Trübsal, die zeitlich und leicht ist, schafft eine ewige und über alle Maßen gewichtige Herrlichkeit.

Ich möchte diese Verse als Anregung für Sie lesen, den Weg Ihrer ganz persönlichen Trauer sehr ernst zu nehmen – denn jeder trauert anders, jeder hat ein großes oder kleines Stück seines Lebens auf andere Weise mit Frau R. geteilt, jeder hat eigene Prägungen erfahren, ist ihr auf andere Weise begegnet, und der Abschied kann auf ganz unterschiedliche Weise schwer fallen.

Wer zulassen kann zu fühlen, was er fühlt, darf dessen gewiss sein, dass sich Trauer und Trübsal, ob leicht oder schwer, und alle gemischten Gefühle verwandeln können, so dass am Ende in der dankbaren Erinnerung an erfahrene Liebe oder in der Bewältigung schmerzlicher Erfahrungen neue Freude wachsen kann.

Aber wie sollen wir uns beim Gehen unserer Trauerwege eine „ewige und über alle Maßen gewichtige Herrlichkeit“ erarbeiten? Dieser Ausdruck wirkt übertrieben.

Mich erinnert diese Formulierung in dreifacher Weise an den Gott der Bibel:

Er ist ewig – geborgen in seiner Ewigkeit müssen wir nicht selber so sein wie Gott, dürfen wir zu unserer Sterblichkeit als Menschen stehen.

Er ist über alle Maßen gewichtig, im Vertrauen auf ihn dürfen auch wir uns wichtig nehmen, da wir geliebt sind von der Macht, die höher ist als alles auf der Welt.

Und er ist herrlich – ein Gott, der seine ganze Ehre daran setzt, uns Menschen Freiheit, Frieden und Freude zu schenken.

Indem wir den Weg der Trauer gehen, können wir die Erfahrung machen, dass der Trost dieses Gottes uns geschenkt wird, denn wir sind auf dieser Welt nicht allein, egal was uns widerfährt.

Im Vertrauen auf den Trost Gottes dürfen wir Abschied nehmen von Frau R. und sie getrost loslassen, denn Gott nimmt sie in ihrem Tode mit Ehren an und schenkt ihr in seinem Himmel ewiges, erfülltes Leben. Amen.

Wir singen das Lied 170 aus unserem Evangelischen Gesangbuch, das zweite Lied, das sich Frau R. für diese Trauerfeier gewünscht hat:
Komm, Herr, segne uns, dass wir uns nicht trennen

Barmherziger Gott, du hast Frau R. begleitet durch ihr langes Leben, du hast ihr ein Herz voller Liebe und Gottvertrauen und viele Jahre hindurch unermüdliche Tatkraft geschenkt. Und in den Jahren, in denen ihre Kräfte nachließen, hat du sie weiter liebevolle Begleitung und viel Gnade erfahren lassen. Dafür sind wir von Herzen dankbar.

Himmlischer Vater, im Vertrauen auf deinen Sohn Jesus Christus mach du uns gewiss, dass du Frau R. gnädig und mit Freuden aufnimmst in dein himmlisches Reich und ihr die Vollendung ihres Lebens in deiner Ewigkeit schenkst.

Ewiger, starker, herrlicher Gott, lass uns fühlen, was uns bewegt, wenn wir traurig sind, weil ein Mensch, der uns so nahestand, den wir so sehr geliebt haben, uns nun einfach fehlt. Lass uns zusammenstehen in der Trauer, denn wir brauchen einander, um schwere Wege gemeinsam zu gehen. Vergib, was wir einander schuldig geblieben sind. Hilf uns, loszulassen, was uns unnötig belastet, und hilf uns, gemeinsam die Herausforderungen zu bewältigen, die wir zu tragen haben. Amen.

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