Gebet der Dankbarkeit

In einer Trauerfeier lege ich den gesamten Psalm 103 aus als ein Gebet der Dankbarkeit für das Leben, das Gott uns schenkt.

Gebet der Dankbarkeit: Ein gezeichnetes Gesicht im Profil auf blaulila Grund in einem großen Auge; im Kopf ist das Gehirn zeichnerisch angedeutet; über dem Gesicht sind unzählige Gegenstände zu sehen, für die man dankbar sein kann

Der Psalmbeter fordert seine Seele auf, Gott zu danken und zu loben! (Bild: TiALife – pixabay.com)

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

Liebe Trauergemeinde, wir sind hier versammelt, weil Herr M. im Alter von [über 60] Jahren gestorben ist.

Wir wollen ihm die letzte Ehre erweisen. Wir denken an sein Leben und beten für seine Seele. Wir begleiten einander auf dem Weg der Trauer und besinnen uns auf den Sinn unseres eigenen Lebens. Wir denken an Gott, von dem unser Leben herkommt und zu dem es im Tode wieder zurückkehrt.

Erinnerungen an das Leben des Verstorbenen

Herr M. hat sich nach dem Glück in Partnerschaft, Ehe und Familie gesehnt. Aber mehrere Partnerschaften waren nicht von Dauer. Er hat auch nur wenig davon erzählt. „Das ist Schnee von gestern“, meinte er; so wie der Schnee am Ende des Winters taut, so schien ihm das ersehnte Glück schnell wieder zu zerschmelzen.

Zuletzt fand er in Ihnen, liebe Frau Q., noch einmal eine neue Lebensgefährtin. Sie waren beide in einem Café, und er sprach Sie an: „Ich bin der M.“ Sie antworteten einfach: „Ich bin Q.“ Seitdem sind Sie ein Paar geblieben. Sie haben sich gut verstanden, er war ein hübscher Mann, nett und ruhig, kräftig und durchtrainiert, weil er regelmäßig Kraftsport machte, und gerne haben Sie gemeinsam gekocht.

So war es für Sie gar nicht zu begreifen, dass er jetzt so plötzlich gestorben ist. Sie waren gerade gemeinsam mit ihm in seiner Wohnung, sie wollten zusammen das Essen vorbereiten, da atmete er auf einmal schwer, und es kam zu einem Herzversagen. So rasch kann es dazu kommen, dass unser Leben zu Ende ist und wir vor unserem Schöpfer stehen, dem wir das Leben verdanken und vor dem wir uns verantworten müssen.

Wenn ich nun einen Psalm der Bibel für Herrn M. bete, dann wähle ich bewusst ein Gebet aus, in dem die Dankbarkeit trotz aller Enttäuschungen und Probleme in einem Menschenleben im Vordergrund steht. Ich lese die einzelnen Bibelverse und sage in eigenen Worten, was die alten Worte für uns heute bedeuten können.

So beten wir mit Psalm 103:

1 Lobe den HERRN, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen!

Wir fordern unsere eigene Seele auf, den großen Gott zu loben. Alles, was in uns ist, unsere Traurigkeit, unsere Liebe, unser Zorn, unsere Angst, dürfen sich hinstellen und zu Gott beten. Gott trägt in der Bibel einen besonderen Namen. Dieser Name bedeutet: „Ich bin, der ich bin – Ich bin für euch da.“

2 Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.

Ja, wir dürfen Gott loben, auch wenn wir traurig und verzweifelt sind, weil wir in unserem Leben nicht nur Böses, sondern auch Gutes erfahren – überall dort, wo wir voneinander Liebe empfangen und weiterschenken.

3 Der dir alle deine Sünde vergibt und heilet alle deine Gebrechen.

Ja, Gott, du vergibst uns, was wir verbockt haben, du gibst uns nicht auf, wenn wir Fehler machen. Unsere schlimmsten Gebrechen bestehen nicht in körperlichen Beschwerden, sondern wo es uns an Liebe gebricht, wo uns menschliche Wärme fehlt; dieses Gebrechen ist es, das du durch deine Liebe heilst, wenn wir Liebe an uns heranlassen.

4 Der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit.

Gott, du willst nicht, dass wir verloren gehen. Sogar wenn wir uns schämen, du setzt uns eine Krone auf, weil wir Menschen sind und bleiben, die von dir geschaffen und geliebt sind, und weil wir die Menschenwürde nicht verlieren können, die du uns geschenkt hast, egal was wir tun.

5 Der deinen Mund fröhlich macht, und du wieder jung wirst wie ein Adler.

Starker Gott, du lässt uns immer wieder fröhlich sein. Du trägst uns wie auf Adlerflügeln oder gibst uns unter Adlerflügeln Schutz, und so kann es sein, dass wir neuen Mut und neue Kraft gewinnen und uns jung fühlen, obwohl wir schon älter sind.

6 Der HERR schafft Gerechtigkeit und Recht allen, die Unrecht leiden.

Ja, Gott, du trittst für das Recht der Rechtlosen ein, du richtest Menschen auf, die am Boden zerstört sind. Du weißt, was wir Menschen zum Leben brauchen.

7 Er hat seine Wege Mose wissen lassen, die Kinder Israel sein Tun.

Ja, Gott, was du tust, das tust du durch menschliche Hände; damals hast du Mose beauftragt, das Volk Israel in die Freiheit zu führen, welche Pläne hast du heute mit uns?

8 Barmherzig und gnädig ist der HERR, geduldig und von großer Güte.

Großer Gott, unglaublich ist die Geduld, die du mit uns hast; du gibst uns nicht auf mit unendlicher Güte; du trägst uns mit deiner Liebe.

9 Er wird nicht für immer hadern noch ewig zornig bleiben.

Wir sind nicht ohne Fehler. Das spüren wir, wenn wir die Konsequenzen tragen müssen, wenn wir falsche Wege gegangen sind. Dann kommt es uns vor, als sei das Leben nicht fair. Du jedenfalls bist nicht nachtragend, du schenkst neue Chancen, jeden Tag neu.

10 Er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden und vergilt uns nicht nach unsrer Missetat.

Du fragst nicht danach, was wir verdienen, du willst uns nicht strafen, du willst, dass wir auf guten Wegen gehen.

11 Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, lässt er seine Gnade walten über denen, die ihn fürchten.

Gnade ist ein schweres Wort, ein nahezu unglaubliches Wort. Es bedeutet „Liebe“, eine Liebe, so groß und so hoch wie Gott selbst.

12 So fern der Morgen ist vom Abend, lässt er unsre Übertretungen von uns sein.

Wenn wir Dinge tun, die nicht gut sind – das ist schlimm. Und doch legt Gott uns nicht auf unsere Taten fest. Wir können auch anders. Er traut uns Gutes zu.

13 Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der HERR über die, die ihn fürchten.

Gott ist ein barmherziger Vater. Wir dürfen ihn vergleichen mit einem Vater, der für seine Kinder da ist, der ihnen gibt, was sie brauchen, der sie liebt und Verständnis hat und ihnen gute Grenzen setzt. Wir Menschen sind in dieser Hinsicht immer unvollkommen. Gott ist noch viel barmherziger. Auf ihn dürfen wir unser Vertrauen setzen, er will uns nicht niedermachen, sondern aufrichten; er will unsere Rettung, er lässt uns nicht verloren gehen.

14 Denn er weiß, was für ein Gebilde wir sind; er gedenkt daran, dass wir Staub sind.

Ja, Gott, du weißt, dass unser Leib aus Materie von der Erde ist. Wir sind vergänglich, sterblich, nur für kurze Zeit auf dieser Erde. Du hast uns ja geschaffen.

15 Ein Mensch ist in seinem Leben wie Gras, er blüht wie eine Blume auf dem Felde.

Dankbar sind wir, dass wir in unserem Leben nicht einfach nur Staub sind, sondern dass wir auch wachsen wie das Gras und blühen wie die Blumen. Eine Zeitlang entfalten wir uns, freuen wir uns und verbreiten wir Freude, so gut wir es können.

16 Wenn der Wind darüber geht, so ist sie nimmer da, und ihre Stätte kennt sie nicht mehr.

Nur kurz ist unser Leben, Gott. Wir rasch kann der Wind des Todes uns das kostbare Geschenks unseres Leben nehmen! Und wie oft werden Menschen einfach vergessen.

17 Die Gnade aber des HERRN währt von Ewigkeit zu Ewigkeit über denen, die ihn fürchten, und seine Gerechtigkeit auf Kindeskind

18 bei denen, die seinen Bund halten und gedenken an seine Gebote, dass sie danach tun.

Guter Gott, wer sich an dich hält, der bleibt ewig, auch wenn wir vergänglich sind. Wer sich an deine guten Gebote hält, der bleibt mit dir im Einklang, der hat ein Bündnis mit dir geschlossen und führt ein Leben, mit dem er glücklich und zufrieden sein kann.

19 Der HERR hat seinen Thron im Himmel errichtet, und sein Reich herrscht über alles.

Großer Gott, gerade weil dein Thron im Himmel ist, sollen wir nicht vergessen, dass du dort oben an die Menschen hier unten denkst – dein Reich ist nämlich ein Reich der Liebe, es ist überall dort, wo wir füreinander da sind.

20 Lobet den HERRN, ihr seine Engel, ihr starken Helden, die ihr seinen Befehl ausrichtet, dass man höre auf die Stimme seines Wortes!

21 Lobet den HERRN, alle seine Heerscharen, seine Diener, die ihr seinen Willen tut!

Bisher haben wir die eigene Seele aufgefordert, Gott zu loben, hier fordern wir nun auch die Engel Gottes auf, ihre Arbeit zu tun; sie sollen Gott loben und sie sollen uns ins Gewissen reden, damit wir auf Gott hören.

22 Lobet den HERRN, alle seine Werke, an allen Orten seiner Herrschaft!

Alle Werke Gottes, die er in Liebe geschaffen hat, alle seine Geschöpfe an allen Orten in der Welt dürfen in das dankbare Lob Gottes einstimmen, denn seine Macht reicht überall hin.

Lobe den HERRN, meine Seele!

So fängt der Psalm zum Schluss wieder von vorn an und beginnt erneut damit, seine eigene Seele zum Lob Gottes aufzufordern. Ich wünsche uns allen, dass wir so ein Leben im Vertrauen auf Gott führen können. Amen.

Und im Vertrauen auf dich, Gott, der du uns niemals aufgibst, nehmen wir heute Abschied von Herrn M. In Trauer und Dankbarkeit beten wir nun besonders für ihn:

Vater im Himmel, in der Zuversicht, dass Herr M. in seinem Tode dir gegenübertritt und dich in deiner Gnade und Liebe kennenlernt, lassen wir ihn getrost los und vertrauen ihn deinen lieben Händen an.

Wir alle stehen in deiner Hand. Keine Macht ist stärker als deine Macht, nicht unsere Sünde, nicht das Böse in der Welt und nicht der Tod. Tröste uns, lass unser Herz nicht vor dem Tod erschrecken und schenke uns Vertrauen zu dir.

Nimm Herrn M. gnädig auf im Himmel und lass ihn Ruhe und Frieden finden.

Dankbar sind wir für alles, was uns mit dem Leben des Verstorbenen geschenkt war. Um Vergebung bitten wir für alles, was wir einander schuldig geblieben sind.

Uns, die wir zurückbleiben, schenke die Kraft, um zu bewältigen, was uns belastet. Begleite uns auf dem Weg der Trauer und hilf uns, im Vertrauen auf dich unser eigenes Leben zu meistern. Hilf uns klarzukommen mit den Gedanken an den Tod und schenke uns die Einsicht, wie kostbar das uns geschenkte Leben ist. Mach uns bewusst, dass wir von dir geschaffen sind, um auf dieser Erde Liebe zu empfangen und zu geben. Amen.

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