Begegnung mit dem Weltenrichter in seiner und unserer Not

Erst wenn wir nach unserer Bitte an Gott um seine Hilfe auch Gottes Bitte um unsere Hilfe wahrgenommen haben, können wir es wohl richtig erfassen, dass Gott schon lange auf dem Weg zu uns ist. Er macht uns satt – mit dem Brot seiner Liebe, die nicht nur den Frommen, sondern auch den Heiden gilt.

Darstellung Christi als Weltenrichter in einem Relief über einer Kirchentür

Darstellung Christi als Weltenrichter (Bild: pixabay.com)

#predigtGottesdienst am Volkstrauertag, Sonntag, den 16. November 1997, um 9.00 Uhr in Eppelsheim

Herzlich willkommen im Gottesdienst, heute am Vorletzten Sonntag im Kirchenjahr, der zugleich der Volkstrauertag ist. Für die, die mich noch nicht kennen, stelle ich mich vor: ich bin Pfarrer Schütz und arbeite als Seelsorger in der Rheinhessen-Fachklinik und im DRK-Krankenhaus in Alzey. Und Frau … ist ehrenamtliche Mitarbeiterin in der Klinikseelsorge und unterstützt mich heute wieder bei den biblischen Lesungen.

Das Thema des heutigen Gottesdienstes ist die Frage: Wo finden wir Gott, wenn wir uns gefangen fühlen in unseren Sorgen und Problemen, wo ist Gott, wenn wir verzweifelte Menschen sehen und wissen nicht, wie wir ihnen helfen sollen? So gehen wir zu Gott mit unserer Not – und wir werden sehen, was dann geschieht.

Lied 625, 1-3: Wir strecken uns nach dir
Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

Wir beten mit Worten aus dem 70. Psalm:

1 Von David, vorzusingen, zum Gedenkopfer.

2 Eile, Gott, mich zu erretten, HERR, mir zu helfen!

3 Es sollen sich schämen und zuschanden werden, die mir nach dem Leben trachten; sie sollen zurückweichen und zum Spott werden, die mir Übles wünschen;

4 sie sollen umkehren um ihrer Schande willen, die über mich schreien: Da, da!

5 Lass deiner sich freuen und fröhlich sein alle, die nach dir fragen; und die dein Heil lieben, lass allewege sagen: Hoch gelobt sei Gott!

6 Ich aber bin elend und arm; Gott, eile zu mir! Du bist mein Helfer und Erretter; HERR, säume nicht!

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Wo bist du, Gott? fragen sich viele. Sollen wir überhaupt nach dir fragen? zweifeln andere. Ist es nicht sinnlos, nach dir zu fragen? Bist du ein Gott, der helfen kann? Warum lässt du so viel Böses auf der Erde zu? In allen unseren Zweifeln rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich!

Immer wieder lässt du dich von uns neu erkennen, guter Gott, du lässt uns nicht allein mit unseren quälenden Fragen und unserem Kummer. Ehre sei Gott in der Höhe!

Gott, lass uns auf dein Wort hören und mach unsere Herzen offen für dich, so wie du in Wahrheit bist. Das erbitten wir von dir im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören die Schriftlesung aus dem Brief an die Römer 8, 18-25. Der Apostel Paulus schreibt:

18 Ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll.

19 Denn das ängstliche Harren der Kreatur wartet darauf, dass die Kinder Gottes offenbar werden.

20 Die Schöpfung ist ja unterworfen der Vergänglichkeit – ohne ihren Willen, sondern durch den, der sie unterworfen hat -, doch auf Hoffnung;

21 denn auch die Schöpfung wird frei werden von der Knechtschaft der Vergänglichkeit zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes.

22 Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung bis zu diesem Augenblick mit uns seufzt und sich ängstet.

23 Nicht allein aber sie, sondern auch wir selbst, die wir den Geist als Erstlingsgabe haben, seufzen in uns selbst und sehnen uns nach der Kindschaft, der Erlösung unseres Leibes.

24 Denn wir sind zwar gerettet, doch auf Hoffnung. Die Hoffnung aber, die man sieht, ist nicht Hoffnung; denn wie kann man auf das hoffen, was man sieht?

25 Wenn wir aber auf das hoffen, was wir nicht sehen, so warten wir darauf in Geduld.

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Halleluja! „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Glaubensbekenntnis

Von der Hoffnung auf unseren Herrn Jesus Christus singen wir im Lied 152, 1-4:

1) Wir warten dein, o Gottes Sohn, und lieben dein Erscheinen. Wir wissen dich auf deinem Thron und nennen uns die Deinen. Wer an dich glaubt, erhebt sein Haupt und siehet dir entgegen; du kommst uns ja zum Segen.

2) Wir warten deiner mit Geduld in unsern Leidenstagen; wir trösten uns, dass du die Schuld am Kreuz hast abgetragen; so können wir nun gern mit dir uns auch zum Kreuz bequemen, bis du es weg wirst nehmen.

3) Wir warten dein; du hast uns ja das Herz schon hingenommen. Du bist uns zwar im Geiste nah, doch sollst du sichtbar kommen; da willst uns du bei dir auch Ruh, bei dir auch Freude geben, bei dir ein herrlich Leben.

4) Wir warten dein, du kommst gewiss, die Zeit ist bald vergangen; wir freuen uns schon überdies mit kindlichem Verlangen. Was wird geschehn, wenn wir dich sehn, wenn du uns heim wirst bringen, wenn wir dir ewig singen!

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Liebe Gemeinde, zum Beginn der Predigt hören wir heute erst einmal zwei Strophen aus einem Gedicht von Dietrich Bonhoeffer. Die erste Strophe lautet:

Menschen gehen zu Gott in ihrer Not,
flehen um Hilfe, bitten um Glück und Brot,
um Errettung aus Krankheit, Schuld und Tod.
So tun sie alle, alle, Christen und Heiden.

Das ist normal. Das tun wir auch. Zu Gott gehen, wenn wir in Not sind. „Not lehrt beten“, sagt man. Wir wünschen uns Hilfe, Errettung, wenn wir selber am Ende sind. Wenn menschliches Können nichts mehr ausrichtet.

Aber die Strophe hört merkwürdig auf: „So tun sie alle, alle, Christen und Heiden.“ Auch die Heiden? Auch die Nichtchristen? Auch die, die gar nicht an Gott glauben? Kann man beten, ohne dass man wirklich auf Gott vertraut? Ja, viele denken so: Wenn es wirklich Gott gäbe, dann müsste er eigentlich helfen. Da mir aber keine erkennbare Hilfe geschieht, gibt es ihn wohl nicht. Oder er ist ein ungerechter, grausamer Gott. Jedenfalls kann man ihn vergessen, er kann uns eh nicht helfen. Not lehrt nicht nur Beten, manchmal lehrt Not auch Fluchen.

Aber das Gedicht Bonhoeffers ist noch nicht zu Ende. In der zweiten Strophe heißt es:

Menschen gehen zu Gott in Seiner Not,
finden ihn arm, geschmäht, ohne Obdach und Brot,
sehn ihn verschlungen von Sünde, Schwachheit und Tod.
Christen stehen bei Gott in Seinen Leiden.

Was ist denn das? Hier werden ja die Dinge auf den Kopf gestellt! Gott selber braucht Hilfe? Er soll arm, verachtet, bedürftig sein? Er selber soll leiden unter der Last von Sünde, Schwachheit und Tod? Und wir sollen Gott helfen, sollen ihm beistehen? Wie können wir das tun? Ist das nicht eine Überforderung für uns?

Bonhoeffer denkt an Jesus. In Jesus war Gott auf der Welt. Schon bei seiner Geburt gab es den Zweifel: Wer war eigentlich sein leiblicher Vater? Ist da alles mit rechten Dingen zugegangen? Er war kein Königssohn, kein angesehener Priester. Er verzichtete sogar auf seinen sicheren Beruf als Zimmermann und zog als armer Wanderprediger von Dorf zu Dorf. Er musste jeden Tag neu eine Unterkunft suchen. Er ging auf die Aussätzigen zu, die damals am Rande der Dörfer lebten, und schloss sie in die Arme. Er aß zusammen mit Zöllnern und Sündern, die von der besseren Gesellschaft verachtet wurden. Er machte sich die Menschen zu Feinden, die meinten, sie seien besser als die anderen. Ihm drohten schließlich Gefangenschaft, grausame Qualen und Tod – und trotz seiner Angst davor konnte dieser Leidenskelch nicht an ihm vorübergehen.

Offensichtlich ist Gott gar nicht mehr nur irgendwo da oben, wo wir gern hinzeigen, wenn wir nach dem Himmel fragen. Gott ist gar nicht weit weg von all dem Leid, das Menschen auf dieser Erde ertragen müssen. Er ist schon längst mitten drin in dem Leid der Menschen. Er erträgt es selbst. Er weiß, wie das ist.

„Mach dir kein Bild von Gott!“ heißt es in der Bibel. Kein festes Bild, so dass wir meinen, wir hätten alles über Gott gesagt und wir könnten ihn sozusagen in die Tasche stecken oder abhaken. Aber ein Bild hat uns Gott selbst von sich gegeben, das Bild Jesu – das Bild des menschgewordenen Gottes – bald, an Weihnachten, werden wir davon – wie alle Jahre – noch viel mehr hören. In Jesus sehen wir Gott, den Gott, der sich auf unsere Stufe gestellt hat, der klein geworden ist wie ein Mensch, der Liebe und Zorn, Angst und Vertrauen, Freude und Trauer erleben konnte wie jeder von uns – bis hin zu grausamen Schmerzen und tiefster Verzweiflung, die nicht unbedingt jeder Mensch kennt, die aber vielen unter Ihnen wohlvertraut sind.

Mir kommt diese zweite Strophe tröstlicher vor als die erste: Wir Menschen müssen nicht zu einem Gott gehen, der keine Not kennt, der nur als neugieriger Zuschauer unser Unglück anschaut, ohne einzugreifen, sondern wir gehen zu einem Gott, der selber mitten drin steckt in unserer menschlichen Not.

Und wir Christen? Wir „stehen bei Gott in Seinen Leiden.“ Es bleibt offen, wie wir da stehen. Mag sein, wir sind selber auch einmal verzweifelt, auch arm dran, auch manchmal am Ende. Dann ist es gut zu wissen, nicht allein zu sein damit. Gut zu wissen: Gott ist selber auch da. Gott in Jesus musste das auch aushalten. Und Gott hilft aushalten.

Es mag aber auch sein, dass es uns verhältnismäßig gut geht, dass wir unsere Probleme lösen konnten, dass wir unser gutes Auskommen haben und einigermaßen zufrieden sein können. Dann erwartet Gott Hilfe von uns. Aber auf welche Weise?

Auf diese Frage hat Jesus einmal geantwortet, indem er vom Weltgericht am Ende der Zeit erzählt hat.

Diese Geschichte ist unser Predigttext heute, aus dem Evangelium nach Matthäus 25, 31-46:

31 Wenn aber der Menschensohn kommen wird in seiner Herrlichkeit, und alle Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Thron seiner Herrlichkeit,

32 und alle Völker werden vor ihm versammelt werden. Und er wird sie voneinander scheiden, wie ein Hirt die Schafe von den Böcken scheidet,

33 und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zur Linken.

34 Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt!

35 Denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen, und ihr habt mich aufgenommen.

36 Ich bin nackt gewesen, und ihr habt mich gekleidet. Ich bin krank gewesen, und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen, und ihr seid zu mir gekommen.

37 Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dir zu essen gegeben? oder durstig und haben dir zu trinken gegeben?

38 Wann haben wir dich als Fremden gesehen und haben dich aufgenommen? oder nackt und haben dich gekleidet?

39 Wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen?

40 Und der König wird antworten und zu ihnen sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.

41 Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Geht weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln!

42 Denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mir nicht zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mir nicht zu trinken gegeben.

43 Ich bin ein Fremder gewesen, und ihr habt mich nicht aufgenommen. Ich bin nackt gewesen, und ihr habt mich nicht gekleidet. Ich bin krank und im Gefängnis gewesen, und ihr habt mich nicht besucht.

44 Dann werden sie ihm auch antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig gesehen oder als Fremden oder nackt oder krank oder im Gefängnis und haben dir nicht gedient?

45 Dann wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr nicht getan habt einem von diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan.

46 Und sie werden hingehen: diese zur ewigen Strafe, aber die Gerechten in das ewige Leben.

Bevor die Predigt weitergeht, singen wir nun erst einmal das Lied 235:

O Herr, nimm unsre Schuld, mit der wir uns belasten

Liebe Gemeinde, im Bild des Weltgerichts will Jesus es uns deutlich sagen: Er selbst begegnet uns überall, wo Menschen in Not sind. Sei es, dass wir selbst Not leiden, dass wir Zuspruch brauchen, dass wir hungern nach Anerkennung und Liebe. Dann leidet Jesus sozusagen mit uns mit, dann ist er es, der mit uns um Hilfe schreit, der mit uns mitkämpft, mitseufzt, unsere Sehnsucht und unsere Angst teilt. Und zugleich begegnet uns Jesus in anderen Menschen, die in Not sind. Manchmal können wir ihnen nicht helfen, Sie wissen es, wir können nicht alle Not lindern, wir sind oft machtlos gegenüber dem schweren Schicksal eines Menschen, dem wir eigentlich gern helfen würden. Und wenn man selber nicht genug Kraft hat, zum Beispiel, wenn man selber krank ist, muss man es sogar lernen, nicht immer nur an die anderen zu denken, sondern erst einmal sehr gut für sich selbst zu sorgen. Aber wer satt geworden ist, kann auch andere satt machen. Wer Kleidung übrig hat, kann auch andere bekleiden. Wer seinen Durst nach Liebe stillen konnte, der kann von der Liebe auch abgeben.

Und das ist es, was Jesus selber getan hat und was er auch von uns anderen Menschen erwartet: dem Elend nicht aus dem Weg gehen, sondern beieinanderstehen im Elend. Dann wird aus dem Elend vielleicht irgendwann etwas ganz anderes: überwundenes Unglück, gestillter Hunger, gelöschter Durst, Kontakt zu anderen Menschen statt Einsamkeit, Vertrauen statt Angst, Erfülltsein von Liebe statt innerer Leere.

Allzu oft ist das Bild von Jesus als dem Weltenrichter missverstanden worden – als ob Jesus uns völlig überfordern wolle, als ob er von uns erwarten würde, alle Probleme der Welt auf unsere schwachen Schultern zu laden. Nein, er erwartet nicht mehr, als in unseren Kräften steht. Er möchte nur nicht, dass wir in unserer Suche nach dem Glück dem Elend und der Not einfach aus dem Weg gehen. Weder dem eigenen Elend in uns und bei uns selbst noch der Not, die wir bei anderen wahrnehmen.

Wer so tun will, als gäbe es das alles nicht, der allerdings geht am Leben vorbei. Wer zum Beispiel mit Vorurteilen beladen auf einen seelisch Kranken herabsieht und ihn im Stich lässt, der spricht über sich selbst das Urteil. Umgekehrt – wer zu dem wirklichen Gott geht, wer ihn kennengelernt hat in dem Menschen Jesus, wer zu Gott geht in Seiner Not – der erkennt auch, dass gerade dieser Gott nicht nur ein leidender Gott ist: er ist gerade auch der, der sich freuen konnte mit den Kindern und feiern konnte mit seinen Freunden; er ist der, der viele Menschen angerührt und in seinen Bann gezogen hat, viele aus Krankheiten und ihren Verstrickungen befreit hat. Gott in Jesus macht uns bis heute klar, was uns wirklich hilft: wenn die Seele satt wird durch Liebe, und wenn wir selber dann stark werden, um auch lieben zu können.

Dietrich Bonhoeffer hat auch gewusst, dass letzten Endes nicht nur wir zu Gott gehen – sei es in der verzweifelten Hoffnung, er möge uns doch helfen, sei es auch in der verwunderten Feststellung, dass Gott selber Hilfe braucht und im Leid der Menschen mitten drin steckt. Er hat in der dritten Strophe seines Gedichts davon geredet, wie Gott in Jesus zu uns kommt und uns alle satt machen will:

Gott geht zu allen Menschen in ihrer Not,
sättigt den Leib und die Seele mit Seinem Brot,
stirbt für Christen und Heiden den Kreuzestod
und vergibt ihnen beiden.

Erst wenn wir den doppelten Weg der ersten beiden Strophen des Gedichts gegangen sind – erst mit unserer Bitte an Gott um Hilfe, dann mit Gottes Bitte um unsere Hilfe – erst dann können wir es wohl richtig erfassen, dass Gott schon lange auf dem Weg zu uns ist.

Er macht uns satt – mit seinem Brot, mit dem Brot seiner Liebe, einer Liebe, die uns körperlich und seelisch nicht verhungern lässt. Mit seiner Liebe, die er bis hin zum Tod am Kreuz bewiesen hat. Mit seiner Liebe, die nicht nur den Frommen, sondern auch den Heiden gilt. Er hat uns alle lieb, einfach so wie wir sind und ohne dass wir dafür etwas tun müssten. Er vergibt uns, was wir falsch machen, und lässt uns immer wieder neu damit beginnen, gut füreinander da zu sein und auch gut für uns selbst zu sorgen. Amen.

Und der Friede Gottes, der viel größer ist, als unser Denken und Fühlen erfassen kann, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.
Lied 621: Ins Wasser fällt ein Stein

Lasst uns beten.

Gott im Himmel, du bist in Jesus zu uns auf die Erde gekommen. Du teiltest die Armut des Stalles. Du teiltest das Leben der Flüchtlinge. Du teiltest das Leben der Lahmen und Blinden. Du teiltest die Versuchung der Mächtigen. Du teiltest das Leben der Ausgestoßenen. Du teiltest Hunger und Durst mit den Armen. Du teiltest das Brot mit vielen Menschen. Du teiltest das Paradies mit einem Verurteilten. Du teiltest das Los aller, die im Sterben einsam und verlassen sind.

Darum bist du auch heute nahe allen, die in unserer Welt leiden, die Angst haben vor Gewalttätigkeiten, die in Kriegen geopfert werden, die in scheinbarer Ausweglosigkeit in Gewalt flüchten, die sich an ihrer Begrenztheit wundreiben, die sich selbst nicht mehr ertragen, die ihre Gefühle mit Alkohol und Drogen betäuben, die am Sinn ihres Lebens verzweifeln.

Gott, du bist nahe allen, die nicht einmal mehr traurig sein, ihren tiefen Schmerz fühlen können, allen, die abgestumpft, müde und kaputt sind, allen, die nicht mehr wünschen, hoffen, träumen können. Für sie und für uns alle bitten wir um Hoffnung, die im Alltag trägt, wir bitten um Wünsche, die erfüllbar sind, wir bitten um den Mut, die kleinen Schritte zu gehen, die wir gehen können.

Insbesondere bitten wir dich heute für ein verstorbenes Mitglied dieser Kirchengemeinde, für Herrn …, der im Alter von 88 Jahren gestorben ist und in der vergangenen Woche kirchlich bestattet wurde. Nimm ihn gnädig auf in dein himmlisches Reich und sei den Angehörigen nahe in ihrer Trauer.

Orgelspiel

Gib uns deinen Geist, der uns wachsen lässt, der uns beweglich machen kann, wo wir erstarrt sind, der uns Phantasie schenkt, wo uns nichts mehr einfällt, der uns Kraft gibt, Leiden anzunehmen oder dagegen anzukämpfen – je nachdem; gib uns den Geist, der für uns seufzt und betet, wo wir nicht mehr beten können. Amen.

Alles, was uns heute bewegt, schließen wir im Gebet Jesu zusammen:

Vater unser

Zum Schluss singen wir das Lied 391. Dabei schlage ich vor, in der zweiten Strophe anstelle des Wortes „niemals“ die Worte „nicht nur“ zu singen: „Und auch in den schwersten Tagen nicht nur über Lasten klagen“. Denn manchmal ist es notwendig zu klagen; dann aber kann es auch genug sein, und man findet wieder neue Hoffnung und Grund zum Danken:

1) Jesu, geh voran auf der Lebensbahn, und wir wollen nicht verweilen, dir getreulich nachzueilen; führ uns an der Hand bis ins Vaterland.

2) Solls uns hart ergehn, lass uns feste stehn und auch in den schwersten Tagen nicht nur über Lasten klagen; denn durch Trübsal hier geht der Weg zu dir.

3) Rühret eigner Schmerz irgend unser Herz, kümmert uns ein fremdes Leiden, o so gib Geduld zu beiden; richte unsern Sinn auf das Ende hin.

4) Ordne unsern Gang, Jesu, lebenslang. Führst du uns durch rauhe Wege, gib uns auch die nötge Pflege; tu uns nach dem Lauf deine Türe auf.

Abkündigungen

Und nun lasst uns mit Gottes Segen in den Sonntag und in die neue Woche gehen:

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.