Umzug in ein Neues Jahr

Im neuen Haus, das das neue Jahr ist, gibt es kein Zimmer, durch das Jesus nicht schon gegangen ist. Überall wird er seine Spuren hinterlassen haben, Zeichen, dass er da war, dass er seine Versprechen hält. So gehen wir nicht in ein fremdes Haus, sondern in ein Haus, das dem Herrn gehört. Was für Spuren hinterlässt er im neuen Haus?

Eine Schildkröte, als Haus mit Fenstern, Tür, Schornstein etc. ausgestaltet

Wie wird es aussehen, das Haus, in das wir einmal einziehen werden? (Bild: pixabay.com)

direkt-predigtGottesdienst am Altjahrsabend, Mittwoch, den 31. Dezember 1986 um 18.00 Uhr in ReicheIsheim, und an Neujahr, Donnerstag, den 1. Januar 1987 um 13.00 Uhr, in Dorn-Assenheim und um 14.00 Uhr in Heuchelheim

Im Gottesdienst am Altjahrsabend begrüße ich Sie und Euch alle herzlich mit der Jahreslosung des morgen beginnenden Jahres (Römer 6, 23):

Die Gabe Gottes ist das ewige Leben in Christus Jesus, unserm Herrn.

Nach dieser Gabe, nach diesem Geschenk Gottes gilt es zu trachten auch im Neuen Jahr; vom ewigen Leben her, das uns in Jesus Christus schon geschenkt ist, betrachten wir heute Abend den Weg, der hinter uns liegt im alten Jahr, und den Weg, der auf uns wartet, den wir werden gehen müssen.

EKG 42, 1-7 (EG 58):

1. Nun lasst uns gehn und treten mit Singen und mit Beten zum Herrn, der unserm Leben bis hierher Kraft gegeben.

2. Wir gehn dahin und wandern von einem Jahr zum andern, wir leben und gedeihen vom alten bis zum neuen

3. durch so viel Angst und Plagen, durch Zittern und durch Zagen, durch Krieg und große Schrecken, die alle Welt bedecken.

4. Denn wie von treuen Müttern in schweren Ungewittern die Kindlein hier auf Erden mit Fleiß bewahret werden,

5. also auch und nicht minder lässt Gott uns, seine Kinder, wenn Not und Trübsal blitzen, in seinem Schoße sitzen.

6. Ach Hüter unsres Lebens, fürwahr, es ist vergebens mit unserm Tun und Machen, wo nicht dein Augen wachen.

7. Gelobt sei deine Treue, die alle Morgen neue; Lob sei den starken Händen, die alles Herzleid wenden.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

Herr, ich traue auf dich, lass mich nimmermehr zuschanden werden. Errette mich durch deine Gerechtigkeit und hilf mir heraus, neige deine Ohren zu mir und hilf mir! Sei mir ein starker Hort, zu dem ich immer fliehen kann; der du zugesagt hast, mir zu helfen; denn du bist mein Fels und meine Burg. (Psalm 71, 1-3)

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem heiligen Geiste, wie es war von Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Herr, Jesus Christus, am letzten Tag dieses alten Jahres kommen wir zu dir. Wie ein neues Haus liegt das neue Jahr vor uns. Wir freuen uns auf manches, was geschehen mag, auf viele gute Möglichkeiten, die wir im neuen Jahr haben. Und wir haben Angst vor manchem, was uns zustoßen kann. Vieles aus dem alten Jahr beschäftigt uns noch, Gutes und Böses. So bitten wir dich: begleite uns, wenn wir die Schwelle zum Neuen Jahr überschreiten und begegne uns in diesem neuen Haus, das dies neue Jahr ist nach deiner Verheißung. Sei du mit uns mit der Gabe des ewigen Lebens, du, Sohn des Vaters, Jesus Christus, unser Herr. Amen.

Wir hören die Schriftlesung aus dem Brief des Paulus an die Römer 8, 31b-39

31 Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein?

32 Der auch seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben – wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?

33 Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der gerecht macht.

34 Wer will verdammen? Christus Jesus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferweckt ist, der zur Rechten Gottes ist und uns vertritt.

35 Wer will uns scheiden von der Liebe Christi? Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Gefahr oder Schwert?

36 wie geschrieben steht: »Um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag; wir sind geachtet wie Schlachtschafe.«

37 Aber in dem allen überwinden wir weit durch den, der uns geliebt hat.

38 Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges,

39 weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.

EKG 44, 1-3 (EG 63):

1. Das Jahr geht still zu Ende, nun sei auch still, mein Herz. In Gottes treue Hände leg ich nun Freud und Schmerz und was dies Jahr umschlossen, was Gott der Herr nur weiß, die Tränen, die geflossen, die Wunden brennend heiß.

2. Warum es so viel Leiden, so kurzes Glück nur gibt? Warum denn immer scheiden, wo wir so sehr geliebt? So manches Aug gebrochen und mancher Mund nun stumm, der erst noch hold gesprochen: du armes Herz, warum?

3. Dass nicht vergessen werde, was man so gern vergisst: dass diese arme Erde nicht unsre Heimat ist. Es hat der Herr uns allen, die wir auf ihn getauft, in Zions goldnen Hallen ein Heimatrecht erkauft.

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus!

Zur Predigt hören wir einen Abschnitt aus dem Evangelium nach Johannes 14, 1-6:

1 Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich!

2 In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen. Wenn’s nicht so wäre, hätte ich dann zu euch gesagt: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten?

3 Und wenn ich hingehe, euch die Stätte zu bereiten, will ich wieder kommen und euch zu mir nehmen, damit ihr seid, wo ich bin.

4 Und wo ich hingehe, den Weg wisst ihr.

5 Spricht zu ihm Thomas: Herr, wir wissen nicht, wo du hingehst; wie können wir den Weg wissen?

6 Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.

Liebe Gemeinde!

Als Jesus sich von seinen Jüngern verabschiedete, so haben wir es eben gehört, da sagte er zu ihnen: Jetzt gehe ich in das Haus meines Vaters, und ich gehe euch auf dem Weg dorthin voran, um euch einen Platz vorzubereiten in meines Vaters Haus.

Wir alle stehen heute auch auf der Schwelle eines neuen Hauses. Ich meine die Schwelle des neuen Hauses, das das neue Jahr ist. Und wenn es auch nicht jenes Vaterhaus ist, von dem Jesus redet, so liegt es doch vor uns, wie ein neues Haus vor uns stehen kann, in dem wir noch nie gewohnt haben, in dem wir uns einrichten müssen, mit dem wir uns vertraut machen müssen.

Das neue Haus Ihres und meines Lebens, dies neue Jahr, da liegt es vor Ihnen und vor mir, nur noch ein paar Stunden sind wir von ihm getrennt: Da sind die Feste, die wir feiern werden; da sind die Sorgen, die wir haben werden; da ist die Ruhe, und da ist Mühe und Arbeit, all das. Da liegt es vor uns, wie ein Haus mit vielen Räumen. Manches lässt sich abschätzen und einplanen, manches, was sein wird, ahnen wir nur, und es werden da auch Ereignisse sein, die über uns hereinbrechen, ohne dass wir es vorhersehen können – wie es auch in einem neuen unbekannten Haus Zimmer gibt, von denen wir nicht wissen, wie es in ihnen aussieht.

Das neue Haus steht uns offen, und wir werden es beziehen. Wir werden nicht gefragt, ob wir gerne einziehen möchten. Manche von uns haben ja ganz gern in dem Haus gelebt, das das alte Jahr war, haben dort Freude und Glück erlebt, haben sich dort wohlgefühlt, haben sich eingerichtet und würden wohl gerne bleiben. Und das ist auch gut so, denn dann haben wir ein Stück Heimat erfahren. Aber an der Schwelle zum Neuen Jahr machen wir uns bewusst, dass irdische Heimat uns nur auf Zeit geschenkt ist. Und wir ziehen, ob wir wollen oder nicht, ins neue Haus um und hoffen, dass wir auch dort, auch 1987, zu Hause sein können, neue Heimat finden.

Einige von uns sehnen sich nach dem neuen Haus. Das alte Haus ist ihnen zur Last geworden. Sie haben Bedrückendes erlebt und Sorgen gehabt, Last und Mühe, Tränen und Schmerzen. Dann kann es gut sein, in ein neues Haus zu ziehen und einen neuen Anfang zu machen. Denn auch das brauchen wir: dass wir nicht festgelegt sind ein für allemal, dass unsere Zukunft offen ist, und dass es besser werden kann.

Auch wir als Gemeinde stehen vor einem neuen Haus, vor dem Haus des neuen Jahres. Da sind die Gottesdienste, die wir feiern werden. Da sind die Anlässe, die uns unter dem Wort Gottes zusammenbringen werden: freudige und schmerzvolle; da sind Pläne, die uns gelingen mögen, und solche, die vielleicht scheitern oder Probleme mit sich bringen. Für uns in Reichelsheim bringt das neue Jahr die Kirchenrenovierung mit sich, hier im Innenraum der Kirche. Ein schönes Vorhaben, das nach langen Jahren der Planung Wirklichkeit werden soll! Aber es bedeutet auch, dass wir während langer Monate nicht hier Gottesdienst feiern können, wir müssen uns behelfen im Sälchen, in Nachbarkirchen, vielleicht auch einmal in der Mehrzweckhalle. Wichtig ist dabei, dass wir uns bewusst machen: Gottes Wort können wir überall hören. Aber vielleicht wird uns durch die Erneuerung der Kirche auch ein neuer Anstoß gegeben, das Haus Gottes als Versammlungsort der Gemeinde noch wichtiger zu nehmen und gern hier zusammen zu kommen.

Wenn wir nun als Gemeinde das Haus des alten Jahres verlassen, dann denken wir auch zurück: an Gelungenes und Bewährtes, an Belastungen und Probleme. Wir denken an den Kindergottesdienst, der sonntags neu aufgebaut werden konnte, und an die Kindergruppen, die regen Zulauf haben. Wir denken an die treuen Mitarbeiter, die in diesen Aufgabengebieten mit Freude tätig sind. Wir denken an die Jugendgruppe, die im Aufbau begriffen ist, an den Jugendraum, der im Jahre 1986 schon viel genutzt wurde, und wir denken an die Probleme, die manchmal das Zusammenleben von Jugendlichen und Erwachsenen in einer Gemeinde mit sich bringt. Wir denken an Lust und Unlust im Konfirmandenunterricht, an die gut bewährten Konfirmandenfreizeiten, an gute Gespräche, aber auch an manche Reiberei und manchen Zweifel: Hat das denn alles überhaupt einen Sinn? Gleiches gilt für die Erwachsenengruppen – wir haben gute Gespräche erlebt, aber es gab auch Pannen und Enttäuschungen; manches hat viel Mühe und Arbeit gekostet, z. B: der Christkindlmarkt, und hat dann auch den gewünschten Erfolg gebracht; aber manchmal sehen wir auch kein greifbares Ergebnis unserer Gemeindearbeit, und wir fragen uns: müssen wir das so hinnehmen? Oder müssen wir vielleicht auch in manchem einen neuen Anfang machen?

Wir gehen aus dem Haus des alten Jahres in ein neues Haus, das Haus, auf dem in großen Ziffern die neue Jahreszahl steht: 1987. Wir tun es als einzelne, als Familien, als Gemeinde, ja, unsere ganze Welt steht vor dem Einzug in dieses neue Haus. Aus all den Jahresrückblicken und versuchten Vorausschauen, die zum Jahreswechsel angestellt werden, lässt sich entnehmen, dass Mühsal und Plage, Freude und Glück sich abgewechselt haben, dass manche Hoffnung enttäuscht wurde und woanders ganz unvermutet Hoffnung entstanden ist. Wer hätte z. B. gedacht, dass in der Sowjetunion einmal ein Regimekritiker wie Sacharow aus der Verbannung freikommen würde, ohne völlig den Mund verboten zu bekommen? Ein kleines Zeichen der Hoffnung für ein Land mit fast hoffnungslosen Problemen, und auch für unsere Welt, die sonst fast nur Zeichen des Kampfes und der Unerbittlichkeit kennt.

Wir gehen in das Haus des neuen Jahres. Wir tun es mit Hoffnung und auch mit Sorge, und da hören wir, dass Thomas damals zu Jesus sagte: Herr, wo gehst du hin? Wir wissen nicht, wo du hingehst. Jesus sprach ja von seinem bevorstehenden Leidensweg und Tod, von seinem Weg zum Vater, von seinem Sterben und seiner Aufnahme in den Himmel. Aber davon will Thomas nichts wissen. Er kann sich auch nicht vorstellen, was das bedeuten soll: dass im Hause Gottes, des Vaters, schon viele Wohnungen bereitet sind für jeden, der zu Gott gehört. Vielleicht hat Thomas mit seinem Zweifel ein gutes Recht, nachzufragen. Denn wir beziehen die Wohnungen im Hause des Vaters allzu selbstverständlich nur auf den Himmel, den wir nach dem Tod erleben können. Müssen wir nicht auch fragen, ob Jesus uns ein Begleiter sein wird schon hier, schon vor unserem Tod, auch wieder im neuen Jahr? Wir ziehen jetzt ein ins Haus des neuen Jahres, ein Jahr, wie alle Jahre waren. Wo bist du, Jesus, in diesem neuen Jahr? Bist du dabei? Lassen wir dich dabei sein?

Wir werden unsere Freude erleben und unser Glück, unsere Muße und unsere Gemütlichkeit, unseren Erfolg und unsere Kraft. Bist du dabei? Wir werden scheitern und resignieren, krank werden und weinen, einige werden auch sterben oder geliebte Menschen hergeben müssen. Bist du dabei? Unsere Gemeinde wird wachsen und leben, einige werden am Kirchentag in Frankfurt teilnehmen, die Gruppen der Gemeinde werden viele Stunden zusammen verbringen. Wirst du da sein, Jesus? Einige werden wohl auch wieder aus der Kirche austreten. Manche werden sagen, es sei alles umsonst. Nach der Konfirmation werden sich viele unserer Konfirmanden gar nicht mehr im Gottesdienst sehen lassen. Wirst du auch da sein, wenn wir Misserfolg erleben? Unser Land erlebt bald Neuwahlen. Die Welt wird einige ihrer Konflikte einer Lösung näherbringen. Aber Kriegsgefahr und Zerstörung der Schöpfung schreiten weiter voran. Bist du, Jesus, in dem allen dabei, und hörst uns? Kurz: Herr, wo gehst du hin? Wo gehst du hin, wenn wir in dieses neue Haus, das 1987 heißt, einziehen?

Und Jesus antwortet: Ich gehe euch voraus in dies neue Haus. Jetzt bin ich nicht da, aber ich gehe euch voraus. Vielleicht kommt ihr euch verlassen vor, aber ich werde da sein. Ich gehe voraus, euch die Stätte zu bereiten, ich gehe voraus, das Haus einzurichten, und meinen Spuren werdet ihr dort begegnen.

Und ich höre das so: in dem neuen Haus, das das neue Jahr ist, gibt es kein Zimmer, durch das der Herr nicht schon gegangen ist. Überall wird er seine Spuren hinterlassen haben, Zeichen, dass er da war, Zeichen, dass er seine Versprechen hält. So gehen wir nicht in ein fremdes Haus, sondern in ein Haus, das dem Herrn gehört.

Was für Spuren hinterlässt er in dem neuen Haus? Vielleicht solche:

Im neuen Jahr merkt ein Vater oder eine Mutter, wie dann und wann ein Gespräch gelingt mit dem heranwachsenden Sohn, was schon lange nicht mehr möglich schien. Und dann sagt er oder sie vielleicht: Dank dir, Herr, dass das möglich ist in dieser Zeit, das ist ja nicht mehr selbstverständlich. Dank dir, Herr, dass du Gelingen schenkst!

Oder: Einer denkt sich, die alte Sache mit dem Nachbarn, die will ich in Ordnung bringen, und dann geht ihm auf, wie der Herr an ihm handelt, auch so, dass er selbst sich ändert.

Oder: es geht jemandem schlecht, und er denkt, Gott ist nicht da; und er betet trotzdem zu ihm; und dann ist ihm, als nehme Jesus ihn bei der Hand und tröste ihn. Ja, das gibt es, und das sind seine Spuren im Haus eines Jahres, solche Spuren und noch viele mehr, an denen wir merken: ER ist vorausgegangen, uns die Stätte zu bereiten, er hat uns einen Weg gezeigt, er hat uns die Wahrheit gesagt, er hat uns sein Leben gegeben.

Als wir in Konfirmandenunterricht über das Gebet sprachen, fragte jemand, wie das denn sein könne, dass ein Gebet ein Gespräch mit Gott ist. Es würde ja nur der Mensch reden, Gott würde ja nicht antworten. Da kamen wir auf eine ganze Menge Möglichkeiten, wie Gott doch antworten kann – in den Spuren, die er in unserem Leben hinterlässt, in der Hilfe, die wir erfahren, in einem Bibelwort, das neu zu uns spricht, in einer Predigt, die uns neue Einsichten eröffnet, in einem Gespräch mit einem Freund oder mit den Eltern, in dem man sich angenommen fühlen kann.

Im neuen Jahr merkt unsere Gemeinde wieder: wo wir zusammenkommen und das Wort Gottes auf uns wirken lassen, da bleiben wir lebendig und sind auf dem Weg zum Vater. Oder: wir feiern das Abendmahl und erfahren: Das ist mehr als eine alte Sitte, die wir nicht verstehen. Es ist Jesu Einladung, mit ihm zu essen und zu trinken. Und er ist dabei; er ist der Weg und die Wahrheit und das Leben. Im neuen Jahr merkt vielleicht auch hier und da einer in der Welt: Da ist uns einer vorausgegangen und hat seine Spuren hinterlassen. Menschen fangen an, behutsamer zu sein mit sich selbst und mit anderen, mit Gottes Schöpfung und mit den Konflikten unter den Menschen – im Jahr 1987, dem Jahr der Obdachlosen, der Heimatlosen.

Und wohin ist er gegangen, unser Herr? Wohin, wenn wir im neuen Jahr auch nur seinen Spuren begegnen? Ach, es ist ja schon viel, wenn wir seine Spuren finden, und doch hat er uns noch mehr versprochen. Er hat uns gesagt, dass er in seines Vaters Haus geht, dass wir ihm dort für immer begegnen werden, und dass wir dort ganz zu Hause sein werden. Ja, dort hat unser Weg, der Weg unserer Gemeinde und der Weg dieser Welt sein Ziel, und dort haben wir Heimat für immer. Wie es dort sein wird, das wissen wir nicht, das können wir nur erahnen, und zwar von den Spuren her, die Jesus in unserem Leben schon jetzt, und auch im neuen Jahr wieder, hinterlässt. Aber von dieser Hoffnung her können wir uns von Jesus getrost gesagt sein lassen: „Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich!“ Denn wenn wir auch immer wieder verzagt sind und mit der Last eines alten Jahres nicht fertig werden oder den Mut nicht aufbringen, getrost in ein neues Jahr hineinzugehen: Wir müssen nicht allein gehen. Jesus selbst ist der Weg! Wir müssen nicht in Verwirrung geraten oder in die falsche Richtung gehen. Jesus selbst ist die Wahrheit! Wir müssen nicht die Wege des Todes verfolgen. Jesus selbst ist das Leben!

In Jesus ist uns die Gabe des ewigen Lebens geschenkt – mit diesem Geschenk können wir getrost dem Ende unseres Lebens entgegensehen, wo uns die Wohnungen im Hause des Vaters im Himmel erwarten. Dieses Geschenk ist uns aber auch jetzt schon anvertraut für jeden Tag im neuen Jahr, dann können wir an alle unsee Aufgaben zuversichtlich herangehen, das Schöne genießen und das Schwere ertragen, ohne verzweifeln zu müssen. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.
EKG 284, 1-3 (nicht im EG, alle 3 Strophen nur im Anhang von Bayern und Thüringen 623):

1. Wer Gott vertraut, hat wohl gebaut im Himmel und auf Erden; wer sich verlässt auf Jesus Christ, dem muss der Himmel werden. Darum auf dich all Hoffnung ich gar fest und steif tu setzen. Herr Jesu Christ, mein Trost du bist in Todes Not und Schmerzen.

2. Und wenn’s gleich wär dem Teufel sehr und aller Welt zuwider, dennoch bist du es, Jesu Christ, der sie all schlägt darnieder. Und wenn ich dich nur hab um mich mit deinem Geist und Gnaden, so kann fürwahr mir ganz und gar nicht Tod und Teufel schaden.

3. Dein tröst ich mich ganz sicherlich, denn du kannst mirs wohl geben, was mir ist not, du treuer Gott, für dies und jenes Leben. Gib wahre Reu, mein Herz erneu, errette Leib und Seele. Ach höre, Herr, dies mein Begehr und lass mein Bitt nicht fehlen!

Herr, du schenkst uns ein neues Jahr und hast uns verheißen, uns auch im neuen Jahr wieder zu begegnen. Kein Raum in dem neuen Haus, das wir betreten, wird ohne Zeichen deiner Gegenwart sein. Du bist der Weg durch dieses Haus, du bist die Wahrheit dieses Hauses und du bist das Leben, das dieses Haus erfüllt. Wie gut bist du, Gott, dass du uns diese Zeit schenkst!

Herr, du weißt, dass wir dir oft dafür gar nicht danken. Unser Glaube zerrinnt uns unter den Händen. Unser Vertrauen wird klein und mickrig. Deshalb: nähre unseren Glauben, stärke unsere Hoffnung und die Liebe zu unseren Nächsten!

Wir bitten dich, gnädiger Gott, behüte unser Leben. Bewahre uns vor innerem und äußerem Schaden. Lass uns im neuen Jahreshaus Zeit haben für Begegnungen mit dir, mit anderen und mit uns selber.

Wir bitten dich für alle, die Verantwortung tragen für das Leben im neuen Jahr, für die Frauen und Männer in der Politik und in der Wirtschaft. Lass sie ihre Worte ehrlich meinen und durch Taten bekräftigen.

Und wo auf unserer Erde Not, Krieg und Verfolgung sind, Flüchtlingselend und Hunger, da schenke allen menschlichen Bemühungen um Frieden und Hilfe deinen Segen. Und wir bitten dich: erhalte und bewahre deine Kirche. Lass sie klar sein in ihren Worten und wahr in der Verkündigung. Stärke besonders die Christen, die wegen ihres Glaubens an dich Nachteile erleiden oder verfolgt werden. Für uns alle, die wir zu deiner Gemeinde gehören, erbitten wir fürs Neue Jahr, dass dein Wort unseren Glauben weiter fördert und stärkt, dass es uns hindert, wenn wir auf falschen Wegen sind, und uns bestätigt, wenn wir Gutes tun. Amen.

In der Stille denken wir an die Menschen, die uns am Herzen liegen.

Vater unser
EKG 44, 6 (EG 63):

6. Hilf du uns durch die Zeiten und mache fest das Herz, geh selber uns zur Seiten und führ uns heimatwärts. Und ist es uns hienieden so öde, so allein, o lass in deinem Frieden uns hier schon selig sein.

Abkündigungen und Segen

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