„Christus ist mein Leben“

Gott zeigt den Menschen, wie es ist, als wahrer Mensch unter Menschen zu leben.

Menschen, die nur um sich selber kreisen, sind wie tot, lebende Zombies, ohne Liebe, ohne Lebensziel. Für lebensvolle, lebensfrohe Menschen ist es selbstverständlich, dass auch andere Menschen in ihrem Leben einen Platz haben. Selbst wenn diese Menschen viel Zeit kosten, viele Kräfte und viele Nerven.

Schattenriss eines Kreuzes vor Sonnenauf- oder -untergang und ein Mensch mit ausgebreiteten Armen

Das Kreuz als Siegeszeichen (Foto: pixabay.com)

direkt-predigtAbendmahlsgottesdienst am Sonntag Lätare, den 2. April 2000, um 10.00 Uhr in der Pauluskirche Gießen mit der Einführung von … in ihren Dienst als Kirchenvorsteherin

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Ich begrüße Sie und Euch Kinder und Konfirmanden herzlich zum Gottesdienst am 4. Sonntag der Passionszeit. Am ersten Sonntag im Monat sind heute wieder alle, die es möchten, zur Feier des Heiligen Abendmahles eingeladen.

Wir freuen uns, dass der Kirchenvorstand der Paulusgemeinde wieder vollzählig ist. Durch einen Rücktritt am Anfang des Jahres war die Zahl von 12 gewählten Kirchenvorstandsmitgliedern unterschritten worden, und gemäß der Kirchengemeindewahlordnung musste der Kirchenvorstand innerhalb von drei Monaten eine Nachwahl vornehmen. Das ist geschehen, und in diesem Gottesdienst können wir Frau … als neugewählte Kirchenvorsteherin offiziell in ihren Dienst einführen.

Das Wort für die kommende Woche im Evangelium nach Johannes 12, 24 ist auch das Leitmotiv für diesen Gottesdienst:

„Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“

Dazu passend singen wir gleich als erstes das Lied 546:

Wer leben will wie Gott auf dieser Erde
Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

Leben wie Gott in Frankreich – diesen Ausdruck kennen wir. Im Luxus schwelgen, es sich gut gehen lassen, essen und trinken im Überfluss, was das Herz begehrt.

Wenn Gott auf der Erde leben würde, sähe das so aus? Ein Leben ohne Sorgen, ein Leben wie die Superreichen?

Überhaupt ist es kaum zu glauben, dass genau das geschehen ist: Gott hat gelebt auf unserer Erde. Er wohnte mitten unter uns.

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Gott kommt zu uns, in Menschengestalt, in Jesus. Und wir? Wir belächeln ihn – Jesus, das sanfte Lamm, zu gut für diese Welt.

Wir lassen ihn allein, wenn er unter die Räder kommt, wenn er den Machthabern und Rechthabern in die Quere kommt, wenn er bespuckt und ausgelacht und getötet wird.

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Wieso hat Gott das eigentlich getan – sich so auszuliefern an Menschen, die nichts von ihm wissen wollen, die ihn sogar missverstehen, wenn sie etwas von ihm wissen wollen?

Gott hatte bei sich einen Entschluss gefasst. „Ich will den Menschen zeigen, wie es ist, als wahrer Mensch unter Menschen zu leben.“

Und so wohnte er unter uns, Gott auf dieser Erde. In Jesus zeigte er uns, wie er das eigentlich gemeint hatte mit der Schöpfung, wie das eigentlich sein sollte mit dem Menschen als Ebenbild Gottes, als Mann und Frau, als Alt und Jung, als Arm und Reich. Menschen in ihrer ganzen Verschiedenheit und doch zueinander passend, Menschen mit Eigenarten und Interessen, Menschen mit Stärken und Schwächen, und trotz all dem: fähig, einander zu lieben. Dafür – lasst uns Gott lobsingen!

„Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende“.

Der Herr sei mit euch „und mit deinem Geist.“

Gott, wer leben will wie du auf dieser Erde, der macht Erfahrungen, wie sie Jesus gemacht hat. Der erfährt etwas vom Sterben des Weizenkorns. Der gibt etwas von sich auf, wenn er liebt, wenn er sich einsetzt, wenn sein Einsatz Früchte trägt. Mach uns bewusst, was es auf sich hat mit dem Sterben des Weizenkorns, was wir gewinnen, wenn wir scheinbar verlieren. Lass uns etwas ahnen vom Geheimnis des Glaubens, dass im Tod das Leben verborgen ist. Das erbitten wir von Dir im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Die Kinder gehen nun mit ihrer Kindergottesdienst-Kerze nach unten. Viel Freude beim Kindergottesdienst!

Liebe Gemeinde, es ist nicht selbstverständlich, dass Mitglieder einer Kirchengemeinde bereit sind, sich am Leben der Gemeinde aktiv als Mitarbeiter oder Kirchenvorsteher einzusetzen. Deshalb bin ich dankbar, dass die Lücke in unserem kleiner gewordenen Kirchenvorstand durch die Nachwahl von Frau … als Kirchenvorsteherin wieder geschlossen worden ist.

Das Kirchenvorsteheramt ist ein verantwortungsvoller Dienst; der Kirchenvorstand hat viele weitreichende Beschlüsse zu fassen und trägt die leitende Verantwortung in der Kirchengemeinde. Die Kirchenordnung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau nimmt die Beauftragung des Kirchenvorstands sehr ernst und sieht daher vor, dass es eine offizielle Amtseinführung im Gottesdienst gibt.

Ich erinnere bei dieser Gelegenheit an die entsprechenden Worte in der Kirchenordnung: „Die Mitglieder des Kirchenvorstandes haben ihre Entscheidungen als Glieder der Gemeinde Jesu Christi allein in der Bindung an Gottes Wort und in der Treue gegen Bekenntnis und Ordnung der Gemeinde und Kirche zu treffen und sind an keinerlei sonstige Weisungen gebunden. Sie versehen ihre einzelnen Dienste nach den Beschlüssen des Kirchenvorstandes.“

Ich bitte Dich nun, nach vorn zu kommen, liebe …, um Dein Versprechen als Kirchenvorsteherin abzulegen.

…, gelobst Du vor Gott und dieser Gemeinde, den Dir anvertrauten Dienst sorgfältig und treu zu tun in der Bindung an Gottes Wort, gemäß dem Bekenntnis und nach den Ordnungen unserer Kirche und unserer Gemeinde? So antworte: „Ja, mit Gottes Hilfe!“

Liebe …, damit trittst Du Deinen Dienst als Kirchenvorsteherin in der Paulusgemeinde Gießen an. Ich bin zuversichtlich, dass auch Deine Stimme und Dein Einsatz in unserem sehr engagierten Kirchenvorstand zum Tragen kommen wird, und wünsche Dir bei Deinem Dienst Gottes Segen!

Wir hören die Lesung aus dem Evangelium nach Johannes 12, 20-26:

20 Es waren aber einige Griechen unter denen, die heraufgekommen waren nach Jerusalem, um anzubeten auf dem Passah-Fest.

21 Die traten zu Philippus und baten ihn und sprachen: Herr, wir wollten Jesus gerne sehen.

22 Philippus kommt und sagt es Andreas, und Philippus und Andreas sagen’s Jesus weiter.

23 Jesus aber antwortete ihnen und sprach: Die Zeit ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht werde.

24 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.

25 Wer sein Leben lieb hat, der wird’s verlieren; und wer sein Leben auf dieser Welt hasst, der wird’s erhalten zum ewigen Leben.

26 Wer mir dienen will, der folge mir nach; und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. Und wer mir dienen wird, den wird mein Vater ehren.

Herr, dein Wort ist unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Wege. Amen. „Amen.“

Glaubensbekenntnis

Wir singen aus dem Lied 78 die Strophen 1-3 und 9:

1) Jesu Kreuz, Leiden und Pein, deins Heilands und Herren, betracht, christliche Gemein, ihm zu Lob und Ehren. Merk, was er gelitten hat, bis er ist gestorben, dich von deiner Missetat erlöst, Gnad erworben.

2) Jesus, wahrer Gottessohn auf Erden erschienen, fing bald in der Jugend an, als ein Knecht zu dienen; äußert sich der göttlich G’walt und verbarg ihr Wesen, lebt in menschlicher Gestalt; daher wir genesen.

3) Jesus richtet aus sein Amt an den Menschenkindern, eh er ward zum Tod verdammt für uns arme Sünder, lehrt und rüst‘ die Jünger sein, wusch ihn‘ ihre Füße, setzt das heilig Nachtmahl ein, macht ihn‘ das Kreuz süße.

9) Jesus ist das Weizenkorn, das im Tod erstorben und uns, die wir warn verlorn, das Leben erworben; bringt viel Frücht zu Gottes Preis, derer wir genießen, gibt sein‘ Leib zu einer Speis, sein Blut zum Trank süße.

Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Zur Predigt lese ich nur den letzten Vers aus dem heutigen Predigttext im Brief des Paulus an die Philipper 1, 21:

21 Christus ist mein Leben, und Sterben ist mein Gewinn.

Liebe Gemeinde, gestern auf dem Konfi-Tag haben wir ein Lied gesungen, da hieß es: „Es ist heute nicht modern, zur Kirche hinzugehn. Es ist auch nicht ‚in‘, an Gott zu glauben.“ Es ist für heutige Jugendliche und auch für viele Erwachsene ungeheuer schwer, sich zurechtzufinden auf dem Markt der religiösen Möglichkeiten und weltanschaulichen Angebote. Am letzten Mittwoch gab es einen Konfirmandentag für Pfarrer in Oberhessen, da haben wir uns über den Konfirmandenunterricht ausgetauscht. Da wurde unter anderem gesagt: Jugendliche nehmen heute nur noch etwas an, was für sie einen Gebrauchswert hat. Was bringt‘s? Dieser Anfrage müssen wir uns stellen: Nützt der Glaube etwas? Was bringt‘s, wenn man zur Kirche geht?

Mal Hand auf‘s Herz: Wissen wir das selber immer ganz genau? Könnten wir‘s den Konfirmanden erklären – wo hilft mir die Kirche, welchen Beistand erfahre ich durch Gott? Nehmen wir den Satz des Paulus, den wir eben gehört haben: Wie kann ich das jemandem begreiflich machen, dass Christus mein Leben ist? Und was soll das heißen: Sterben ist mein Gewinn? Christen sind doch wohl keine todessüchtigen Menschen!

Aber es geht dem Paulus auch nicht darum, sich mitten im Leben nach dem Sterben zu sehnen. Sondern umgekehrt: Er schreibt seinen Brief aus dem Gefängnis und weiß nicht, ob er es lebend verlassen wird – und da bekommt er die Zuversicht: selbst wenn ich sterben muss, verliere ich damit nicht alles. Ich kann – im Vertrauen auf Christus – mein Sterben sogar als Gewinn verbuchen.

Das ist schwer. Das geht über den Verstand der meisten Menschen, die sich Gott als einen Wunscherfüllungsautomaten vorstellen: Oben steckt man ein Gebet rein, unten kommt die Gebetserhörung raus. Nein, Gott ist anders. Es kommt vor, dass wir wie Jesus im Garten Gethsemane beten: Lass das Schreckliche nicht geschehen – und dann spüren wir, dass Gott das Unzumutbare erwartet: dass wir auf unseren Willen verzichten und beten lernen (Lukas 22, 42):

„Vater, … dein Wille geschehe!“

Das Pauluswort: „Christus ist mein Leben, Sterben mein Gewinn“, ist dem Bild vom Weizenkorn sehr ähnlich (Johannes 12, 24):

„Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“

Dieses Bild ist ja einfach zu verstehen, aber schwer zu akzeptieren: Das Weizenkorn als Same in der Erde muss sterben, um Frucht zu bringen. Anders geht es nicht. Sonst bleibt es allein, sonst geht das Leben nicht weiter.

Es ist scheinbar paradox: Körner, die nicht aufgehen, sind tot. Körner, die Leben in sich tragen, müssen sterben, um neues Leben hervorzubringen.

Auch Menschen, die nur um sich selber kreisen, sind wie tot, sagt die Bibel, lebende Zombies, ohne Liebe, ohne Lebensziel, ohne Lebensfreude. Menschen, die Leben in sich tragen, sind anders. Sie brauchen sich nicht krampfhaft nur um sich selbst zu kümmern – aus Angst, etwas zu verpassen, oder aus purem Egoismus. Für lebensvolle, lebensfrohe Menschen ist es selbstverständlich, dass auch andere Menschen in ihrem Leben einen Platz haben. Selbst wenn diese Menschen viel Zeit kosten, viele Kräfte und viele Nerven. Es ist schon wahr: ein bisschen Selbstaufgabe, ein bisschen Sterben ist dabei, wenn wir für andere Menschen da sind. Ob das eine alleinerziehende Mutter ist, die gleichzeitig Geld verdienen muss, ob das ein Stiefvater ist, der darum kämpfen muss, dass sie Stiefkinder sich von ihm etwas sagen lassen, ob das ein Lehrer ist, der sich für seine Schüler einsetzt und dabei oft an die Grenzen seiner Belastbarkeit gerät. Manchmal glaubt man es gar nicht mehr, dass sich alles überhaupt lohnt. Und doch: Nur wer sich einlässt auf die schwierigen Schüler, auf die schwierigen Kinder, auf die schwierigen Eltern, auf die schwierigen Nachbarn, nur wer dem Leben nicht ausweicht, wird leben. Anders geht es nicht. Das Weizenkorn muss sterben, sonst bleibt es ja allein.

Ich frage mich ja auch manchmal: Hat es wirklich Zweck, sich mit den Konfirmanden herumzuärgern. Aber dann gibt es doch immer wieder einen Lichtblick, und man spürt plötzlich: Die haben ja doch ihre Fragen, auch wenn wir nicht immer gleich die passenden Antworten parat haben, die fordern uns heraus, damit wir selber uns Gedanken machen, was wir ändern könnten in unserer Kirche, in unseren Familien, in unserer Gesellschaft, die möchten einfach ernst genommen werden in einer Zeit, in der Menschen oft nur danach bewertet werden, wie cool sie sich geben und anziehen und welches Handy sie haben und wie oft sie angerufen werden.

Viel Kraft, viel Nerven, viel Zeit kostet der Einsatz für andere Menschen. Ich sagte, das ist nur eine Sache für lebensvolle, lebensfrohe Menschen. Andere hätten gar nicht so viel Energie. Doch woher kriegt man diese Art Leben, diese Lebensfreude? Die Bibel sagt: Gott selber ist in die Welt gekommen, hat uns Lebensfreude vorgelebt.

Jesus hat ein leidenschaftliches Leben gelebt, in leidenschaftlicher Liebe zu den Menschen, in leidenschaftlichem Einsatz besonders für solche Menschen, denen es dreckig ging. Leidenschaft heißt auf lateinisch Passion – das gleiche Wort bedeutet auch Leiden. Jesus feierte mit den Menschen, berührte die Aussätzigen, öffnete denen die Augen, die blind für Gottes Güte waren, setzte sich mit Betrügern und Huren an einen Tisch und stieß zusammen mit den Frommen, mit den Mächtigen, denen sein Einsatz für die Außenseiter zu weit ging. Wegen seiner Leidenschaft für die Menschen wurde Jesus angefeindet, in Fesseln gelegt, verspottet, getötet.

Wie konnte er das tun? Er war nicht einfach nur ein selbstloser Mensch. Er, der Gottessohn, hatte zwar in seinem menschlichen Leben auf alle göttliche Supermacht verzichtet. Aber als Mensch hatte er unendlich viel geschenkt bekommen: Liebe von seinem himmlischen Vater. Er wusste sich geliebt von einem Gott, den er Papa nannte. Mit dreißig Jahren hängte er seinen Zimmermannsberuf an den Nagel und lebte nur noch von der Liebe und für die Liebe Gottes. Was er selbst erfahren hatte – das Einssein mit dem Vater im Himmel, die Verbundenheit mit allem, was auf Erden lebt, der Schmerz über das, was Menschen einander antun, das wollte er mit allen anderen Menschen teilen. Auch mit uns.

Wie gesagt: Man wollte ihn auf diesem Weg stoppen, aus dem Weg räumen. Doch das Kreuz, an das man ihn nagelte, wurde zum Siegeszeichen über den Tod und über das Böse in der Welt. Am Kreuz siegte die Liebe Jesu, denn Gott im Himmel sagte Ja zu seinem Sohn und erweckte ihn von den Toten. Und so wird Christus unser Leben. Wie Gott zu Jesus Ja sagt, sagt er auch zu uns Ja – gerade dann, wenn wir am Ende sind, gerade dann, wenn wir verzweifelt sind, gerade dann, wenn wir nicht mehr weiter wissen.

Lebensfrohe Menschen, das sind also nicht die, die immer nur heiter sind. Ich habe Menschen kennengelernt, die ihr Leben lang als Sonnenschein bekannt waren, aber sich innen drin sehr traurig oder sehr leer gefühlt haben. Sie meinten einfach, dass man sie nur akzeptiert, wenn sie immer nur strahlen und fröhlich sind. Darum geht es nicht. Wir können je nachdem traurig sein und uns freuen, Angst ausdrücken und Mut gewinnen, zornig sein und Zuneigung entwickeln, Nähe spüren, gerade wenn wir streiten, Leiden tragen und Trost erfahren. So sind wir wie ein Weizenkorn, das nicht unberührt und tot im Boden liegenbleibt. Lebendig geben wir vom eigenen Leben an andere ab – und gewinnen so für uns das Leben, das uns niemand nehmen kann. Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.

Wir singen nach der Predigt und vor dem Abendmahl das Lied 579:

1) Das Weizenkorn muss sterben, sonst bleibt es ja allein; der eine lebt vom andern, für sich kann keiner sein. Geheimnis des Glaubens: im Tod ist das Leben.

2) So gab der Herr sein Leben, verschenkte sich wie Brot. Wer dieses Brot genommen, verkündet seinen Tod. Geheimnis des Glaubens: im Tod ist das Leben.

3) Wer dies Geheimnis feiert, soll selber sein wie Brot; so lässt er sich verzehren von aller Menschennot. Geheimnis des Glaubens: im Tod ist das Leben.

4) Als Brot für viele Menschen hat uns der Herr erwählt; wir leben füreinander, und nur die Liebe zählt. Geheimnis des Glaubens: im Tod ist das Leben.

Herr Jesus Christus, dass du unser Leben bist, ist eine Einsicht, die du uns immer wieder selber neu schenken musst. Wir kreisen lieber um uns selbst, halten fest, was wir für das Leben halten, haben Angst, uns zu verlieren. Wir bitten dich um Vergebung, dass wir dir zu wenig zutrauen, dass wir es nicht wagen, mit leeren Händen vor dir zu stehen, dass wir meinen, du hättest uns zu wenig geschenkt, als dass wir selber etwas verschenken könnten.

In der Stille bringen wir vor dich, was wir auf dem Herzen haben:

Beichtstille

Wollt Ihr, dass Gott euer Herz verändert und eure Schuld vergibt, sagt laut oder leise oder auch still im Herzen: Ja!

Auf euer aufrichtiges Bekenntnis spreche ich euch im Namen Jesu Christi die Vergebung eurer Sünden zu. Amen.

Der Herr sei mit euch. „Und mit deinem Geiste.“

Die Herzen in die Höhe! „Wir erheben sie zum Herren.“

Lasset uns Dank sagen dem Herrn, unserem Gott. „Das ist würdig und recht.“

Würdig und recht ist es, himmlischer Vater Jesu Christi, auf das Leiden und Sterben deines Sohnes zu vertrauen und diesen Lebenseinsatz als unseren Gewinn anzunehmen. Zu dir rufen wir und preisen dich, Heiliger Gott:

Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth; alle Lande sind seiner Ehre voll. Hosianna in der Höhe. Gelobet sei, der da kommt im Namen des Herrn. Hosianna in der Höhe.

Vater unser und Abendmahl

Als Danklied nach dem Abendmahl und bevor wir uns den Abkündigungen zuwenden, singen wir das letzte Lied 227, 1-6:

Dank sei dir, Vater, für das ewge Leben und für den Glauben
Abkündigungen

Gott, wir danken dir für die Gaben, die wir empfangen – Brot, Kelch, Gemeinschaft deiner Liebe. Lass uns sein wie Weizen, der in die Erde fällt und Leben austreibt. Lass uns sein wie Körner, die unser Herr Jesus ausstreut unter die Menschen, um Lebensfreude wachsen zu lassen. Lass uns sein wie Brot, von dem andere Menschen satt werden.

Und nun lasst uns mit Gottes Segen in den Sonntag gehen – wer möchte, ist im Anschluss noch herzlich zum Beisammensein mit Kaffee oder Tee im Gemeindesaal eingeladen.

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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