Friedensvertrag mit Gott

So sieht der Friedensvertrag aus, den Gott mit uns schließen will. Dieser Vertrag will uns aus Feinden Gottes zu Freunden Gottes machen. Sein einziger Paragraph lautet wie gesagt: Lasst euch von Gott helfen, der euch das Gute zutraut! Traut euch selber mehr zu!

Friedensvertrag: $ 1: Lasst euch helfen von Gott!

Ein Friedensvertrag mit Gott hat nur einen Paragraphen (Grafikhintergrund: pixabay.com)

direkt-predigtGottesdienst am Sonntag Misericordias Domini, 6. Mai 1984, um 9.30 Uhr in Weckesheim und um 10.30 Uhr in Reichelsheim und am Sonntag Jubilate, 13. Mai 1984, um 9.30 Uhr in Beienheim und um 10.30 Uhr in Heuchelheim

Ich begrüße Sie und Euch herzlich in der Reichelsheimer Kirche! Heute ist der Sonntag Misericordias Domini, an dem es der Überlieferung nach um die Güte des Herrn geht, um den Guten Hirten, der uns führt und leitet. Lassen Sie sich überraschen, ob mir zu diesem Thema noch etwas Neues eingefallen ist, oder ob Sie in diesem Gottesdienst dazu auf neue Gedanken kommen!

Wir beginnen mit dem Lied, das speziell zum Thema dieses Sonntags passt:
Lied EKG 178, 1-3 (EG 274):

1. Der Herr ist mein getreuer Hirt, hält mich in seiner Hute, darin mir gar nicht mangeln wird jemals an einem Gute. Er weidet mich ohn Unterlass, da aufwächst das wohlschmeckend Gras seines heilsamen Wortes.

2. Zum reinen Wasser er mich weist, das mich erquickt so gute, das ist sein werter Heilger Geist, der mich macht wohlgemute; er führet mich auf rechter Straß in seim Gebot ohn Unterlass um seines Namens willen.

3. Ob ich wandert im finstern Tal, fürcht ich doch kein Unglücke in Leid, Verfolgung und Trübsal, in dieser Welte Tücke: Denn du bist bei mir stetiglich, dein Stab und Stecken trösten mich, auf dein Wort ich mich lasse.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. „Amen.“

Christus spricht (Johannes 10, 11a.27-28a):

Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben.

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Herr, unser guter, strenger Vater! Du lässt es uns nicht durchgehen, wenn wir uns davonstehlen wollen aus unserer Verantwortung für das, was wir tun. Du siehst, was wir tun – und es ist nicht immer gut. Und unsere Ausreden ziehen nicht. Herr, erbarme dich unser!

Herr, unser guter, vergebender Vater! Du verstößt uns nicht, auch wenn wir uns von dir abgewandt haben, in unserem Denken, Wollen und Tun. Dafür sei dir herzlich gedankt!

Herr, unser guter Hirte! Zeig uns, wie du uns führen und leiten willst, dass wir nicht in die Irre gehen und nicht im Dunkeln tappen. Das erbitten wir von dir im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören die Lesung aus dem Evangelium nach Johannes 10, 11-16:

11 Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe.

12 Der Mietling aber, der nicht Hirte ist, dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen und verlässt die Schafe und flieht – und der Wolf stürzt sich auf die Schafe und zerstreut sie -,

13 denn er ist ein Mietling und kümmert sich nicht um die Schafe.

14 Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich,

15 wie mich mein Vater kennt, und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die Schafe.

16 Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stall; auch sie muss ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird eine Herde und ein Hirte werden.

Lied EKG 178, 1-3 (EG 274):

4. Du b’reitest vor mir einen Tisch vor mein’ Feind’ allenthalben, machst mein Herz unverzaget frisch; mein Haupt tust du mir salben mit deinem Geist, der Freuden Öl, und schenkest voll ein meiner Seel deiner geistlichen Freuden.

5. Gutes und viel Barmherzigkeit folgen mir nach im Leben, und ich werd bleiben allezeit im Haus des Herren eben auf Erd in der christlichen G’mein, und nach dem Tode werd ich sein bei Christus, meinem Herren.

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus!
Predigttext: Hebräer 13, 20-21 (GNB)

Gott, der uns Frieden schenkt, hat den, der durch seinen Tod zum großen Hirten der Schafe geworden ist und mit seinem Blut den ewigen Bund besiegelt hat, Jesus, unseren Herrn, vom Tod erweckt. Gott helfe euch auch, all das Gute zu tun, das er haben will; denn er selbst wird in uns schaffen, was ihm gefällt. Das tut er durch Jesus Christus. Darum gehört ihm die Ehre für alle Zeiten. Amen.

Liebe Gemeinde!

Texte aus dem Hebräerbrief sind nicht leicht zu verstehen. Sie sind vollgepackt mit Bildworten und Begriffen, die untereinander verknüpft sind und zudem in ihrem Inhalt weit von uns entfernt zu liegen scheinen.

Nachdem ich eine Weile über den Text nachgedacht hatte, kam mir plötzlich der Einfall: das Ganze sieht ja so aus wie der Entwurf eines Vertrages! Gott schenkt uns etwas, Gott will etwas von uns, ein Bund wird besiegelt. Gott will einen Friedensvertrag mit uns schließen.

Unter diesem Gesichtspunkt will ich jetzt den ganzen Text näher unter die Lupe nehmen. Warum will Gott überhaupt einen Friedensvertrag mit uns schließen? Haben wir das überhaupt nötig? Wie will Gott diesen Vertrag mit uns schließen? Und schließlich: Was ist der Inhalt dieses Vertrages, was sind die einzelnen Abmachungen? Ob wir uns darauf einlassen können?

Zunächst also zum „Warum“? Warum ist ein Friedensschluss mit Gott nötig? Der Hebräerbrief geht wie die ganze Bibel davon aus, dass wir Menschen uns normalerweise als Feinde Gottes aufführen. Sei es dass wir egoistisch denken und handeln und unseren Nächsten vergessen. Sei es, dass wir die von Gott geschaffene Welt vor die Hunde gehen lassen. Oder sei es, dass wir uns für gute Menschen halten, die sich nichts vorzuwerfen haben, was aber nichts anderes als abgrundtiefer Hochmut ist. Niemand von uns könnte sagen, dass er Jesus nicht im Stich gelassen hätte, als es ihm an den Kragen ging. Niemand könnte von sich behaupten, dass er mutiger gewesen wäre als die Volksmenge, die geschrien hat: „Kreuzige ihn!“, oder als die Jünger, die feig davongelaufen sind, oder als Petrus, der Jesus plötzlich nicht mehr kennen wollte.

Wir brauchen also einen, der uns erstens so sieht, wie wir wirklich sind: armselige und oft mutlose Gestalten, oder aufgeblasene Wichte, oder zwischen Vergnügen und Verzweiflung hin- und herschwankende Menschen. Wir brauchen einen, der zweitens trotzdem zu uns hält, der uns einfach erst einmal so nimmt, wie wir sind. Einen, der Schuld ernst nimmt – und vergibt. Wir brauchen drittens einen, der uns einen Ausweg zeigt, der uns zutraut, das Gute zu tun.

Einen, der das kann, nennt die Bibel einen guten Hirten. Ein guter Hirte legt den Finger auf wunde Punkte, er vergibt und er traut denen, die Böses getan hatten, Gutes zu. Der Hebräerbrief sagt nun: Zu so einem guten Hirten, zum großen Hirten für alle Menschen, ist Jesus durch seinen Tod am Kreuz geworden. Dass er so leiden und sterben musste, ist die größte Anklage gegen uns Menschen aller Zeiten und Länder, die es geben kann. Und trotzdem konnte er sagen: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“ Trotz allem, was geschehen war, sollte niemand von seiner Liebe ausgeschlossen bleiben. Gott hat also Frieden mit uns geschlossen ausgerechnet dadurch, dass sein Sohn sich von uns und unseresgleichen quälen und töten ließ. Der Hebräerbrief lässt daran keinen Zweifel: das Blut Jesu besiegelt den ewigen Bund Gottes mit uns, Jesu Blut ist die Unterschrift unter den Friedensvertrag Gottes mit uns, der ewig gelten soll.

Nun zum Inhalt dieses Friedensvertrages. Er hat eigentlich nur einen Paragraphen: § 1: Lasst euch helfen von Gott!

Alles, was vorher war, unsere Schuld, unsere Belastungen, unsere Mutlosigkeit, unser Hochmut, unsere Verzweiflung – das hat Jesus mit ans Kreuz genommen, das muss keine entscheidende Rolle mehr in unserem Leben spielen. Alles andere, alles, was anders werden soll in unserem Leben, das folgt aus diesem einen Satz, aus § 1: Lasst euch helfen von Gott!

Wozu sollen wir uns helfen lassen?

„Gott helfe euch, all das Gute zu tun, das er haben will!“

Hilfe von Gott bedeutet also kein bequemes Leben. Es geht nicht um das Märchen vom Schlaraffenland, wo einem die gebratenen Tauben in den Mund fliegen, sondern um eine andere Art der Hilfe. Die Hilfe von Gott sieht so aus, dass er uns zutraut, Gutes zu tun. Egal wie gut oder schlecht es uns geht, wir können Gutes tun. Egal wie gut oder böse sich andere Menschen verhalten, wir können Gutes tun. Egal wie schwer oder leicht wir es haben, uns gegen eine Mehrheit zu stellen oder viele Gleichgesinnte zu haben, wir können Gutes tun.

Es ist ja manchmal beschämend, dass gerade die sich am meisten einsetzen, die es äußerlich gesehen gar nicht so gut haben, während die, die durchaus Einflussmöglichkeiten haben, am lautesten schreien: „Ich kann ja als einzelner gar nichts machen!“

Aber immer wieder zweifeln wir doch daran, ob wir Gutes tun können. Der eine ist so sehr im Stress, dass er versinkt in der Vielzahl von Aufgaben, die er alle nicht bewältigt, und immer noch werden neue Anforderungen über ihm aufgehäuft. Der andere bekommt vom Arbeitsamt bescheinigt: Wir brauchen dich nicht, Kollege Computer arbeitet schneller und billiger als du. Machtlosigkeit spüren wir, wenn wir die Frechheiten der Mächtigen mit ansehen müssen, denen es wichtiger ist, viel zu verdienen und ihre eigene schmutzige Weste reinzuwaschen, als sich um die Sorgen von Millionen zu kümmern.

Wir kommen nicht darum herum, diese Machtlosigkeit zu spüren. Jeder mag sie in einem anderen Bereich am eigenen Leibe erfahren – im täglichen Arbeitsstress, in Krankheit und Verzweiflung, in seelischer Not, in der Betroffenheit durch Umweltzerstörung und Friedensbedrohung, in der Arbeitslosigkeit oder der Unsicherheit über die eigene Zukunft.

Manche Machtlosigkeit ist eine absolute, sie muss ausgehalten, ertragen werden. Es ist die Machtlosigkeit vor dem Unausweichlichen, an dem kein Mensch etwas ändern kann, z. B. vor dem Sterben, wenn alles Menschenmögliche getan ist.

Manche Machtlosigkeit ist aber überwindbar, wenn wir uns Kraft schenken lassen und wenn wir nicht allein bleiben.

„[Gott] selbst wird in uns schaffen, was ihm gefällt“

– sagt der Hebräerbrief. Er wird‛s tun, es ist keine Sache von übermenschlicher Anstrengung unsererseits. Unverhofft, wenn wir gar nicht mehr weiterwissen, schenkt er uns plötzlich einen neuen Durchblick, sehen wir die Sache auf einmal etwas anders, und dann lohnt es sich doch wieder, etwas zu tun, und wir können sogar wieder Gutes tun!

Als die evangelische Kirche in Friedberg ihren Arbeitskreis gegen die Berufsnot Jugendlicher gründete, da hat sie so einen guten Schritt getan, der auf den ersten Blick klein erscheint, der aber vielen jungen Menschen Mut machen kann. In einem Lied von Peter Janssens heißt es: „Einsam sind wir klein. Aber gemeinsam werden wir Anwalt des Lebendigen sein.“

Gutes tun, das heißt also nicht: etwas besonders Großartiges tun. Es heißt auch nicht: ganz allein etwas tun. Gutes tun heißt manchmal sogar: erst einmal sich selbst etwas gönnen. Wer selber nie ausspannt, wer sich selbst kaputtmacht, von dem haben die anderen bald gar nichts mehr. Wer sich aber von anderen gern helfen lässt, wird selber ein fröhlicher Helfer bleiben können. Darum geht es: ums Helfen und Sich-Helfen-Lassen, ums Lieben und Geliebtwerden, nicht darum, sich mit guten Taten besondere Verdienste zu erwerben. Deshalb heißt es auch: „Christus gehört die Ehre für alle Zeiten“ – ihm als einzigem. Er schafft in uns das Gute, das wir tun, und das sollte uns genug sein. Wir sollen uns nicht auch noch etwas drauf einbilden, wenn wir Gutes zustandebringen. Das würde das Gute wieder zunichtemachen. Es steht uns vielmehr wohl an, Gott zu danken und zu loben für das, was er mit uns vorhat und was er in uns verändert.

So sieht der Friedensvertrag aus, den Gott mit uns schließen will. Dieser Vertrag will uns aus Feinden Gottes zu Freunden Gottes machen. Sein einziger Paragraph lautet wie gesagt: Lasst euch von Gott helfen, der euch das Gute zutraut! Traut euch selber mehr zu!

Wollen wir Gott als den Guten Hirten annehmen, der uns zum Guten anleiten will, auf rechter Straße führen will? Auch wenn es durch finstere Täler geht oder wenn wir uns im Angesicht von Menschen wiederfinden, die uns nicht wohlgesonnen sind? Das müssen wir entscheiden. Wenn wir uns für den Vertrag mit Gott entscheiden, dürfen wir gewiss sein, dass wir nie von ihm allein gelassen werden, dass er uns tröstet wie eine Mutter, dass er uns liebevoll zurechtweist wie ein Vater. Wir können dann aus ganzem Herzen beten (Psalm 23, 1-6):

Der Herr ist mein Hirte. Mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. Er erquicket meine Seele, er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen. Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.

Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.
Lied EKG 387, 1-3 (nicht im EG:

1. Geh hin nach Gottes Willen in Demut und Vertraun, lern das Gebot erfüllen, sein großes Feld zu baun. Frag nach der Ernte nicht, du darfst den Lohn nicht messen, musst Freud und Lust vergessen, nur sehn auf deine Pflicht.

2. Willst du nur sein geborgen und vor der Welt geehrt, so kannst du nicht besorgen, was deinem Herrn gehört; sieht jemand auf Gewinn und trachtet hier auf Erden nur glücklicher zu werden, der hat den Lohn dahin.

3. Doch hast du deine Gaben dem Dienst des Herrn geweiht, so wirst du Augen haben, zu sehn, was er gebeut. Das tue still und gern; du darfst nicht zaudernd wählen, nicht rechnen und nicht zählen; er ruft – du folgst dem Herrn.

Herr, du traust uns eine Menge zu, ja wir mögen das sogar als Zumutung ansehen. Wir sollen Gutes tun, auch wenn wir uns so schwach fühlen, auch wenn uns alles über den Kopf wächst, auch wenn um uns herum so viel Unrecht geschieht! Das mutest du uns zu. Doch du lässt uns nicht allein dabei. Wir brauchen dich als den Guten Hirten, wir brauchen auch die Hilfe der anderen Menschen, die uns begleiten; nicht einsame Größe, sondern die kleinen guten Schritte, die wir gemeinsam schaffen, sind gefragt. Unseren Kindern können wir Vorbilder und gute Eltern sein: Vorbilder auch darin, dass wir Fehler zugeben und zu unseren Stärken und Schwächen stehen, Eltern darin, dass wir ihnen geben, was sie brauchen, und ihnen die Grenzen deutlich zeigen, die für sie unbedingt notwendig sind. So traust du uns zu, dass wir für unsere Kinder deine Abbilder werden, Abbilder des Guten Hirten. Denn wir sind es, die in den ersten zwei Lebensjahrzehnten die heranwachsenden Kinder und Jugendlichen führen und leiten, pflegen und prägen. Hilf uns, unserer Verantwortung gerecht zu werden, die wir füreinander und insbesondere für die Kinder haben, die auf deinen Namen getauft sind. Gib, dass wir uns nie schämen, um Hilfe zu bitten, wenn wir welche nötig haben. Amen.

Mit den Worten, die Jesus uns gelehrt hat, beten wir gemeinsam:

Vater unser
Lied EKG 387, 4:

4 Nur frisch an allen Enden die Arbeit angefasst! Mit unverdrossnen Händen sei wirksam ohne Rast! Das ist der rechte Mut. Streu aus den edlen Samen, arbeit in Gottes Namen, so keimt und wächst es gut.

Abkündigungen und Segen

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