Ein Blick in den Himmel

Der Seher Johannes wirft einen Blick in den Himmel – und plötzlich stellt ihm einer aus dem Himmel eine Frage. Er soll Einfluss nehmen auf die Ereignisse im Himmel. Sind auch wir hier gefragt? Wer hat auf dieser Erde eine Chance, Heil und Frieden zu finden, dem Untergang zu entrinnen? Wer gehört zu denen, die vor dem Thron Gottes stehen?

Rötlich gefärbte Wolken

Der Blick in den Himmel ist immer ein Blick mit inneren Augen (Bild: pixabay.com)

direkt-predigtAbendmahlsgottesdienst am 2. Christfesttag, 26. Dezember 2011, 10.00 Uhr in der Pauluskirche Gießen

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Ich begrüße alle herzlich im Weihnachtsgottesdienst in der Pauluskirche. Einen Blick in den Himmel dürfen wir heute werfen, denn Jesus hat den Himmel für uns aufgeschlossen. Gott bleibt nicht unnahbar fern; wir Menschen sind nicht verloren; darüber freuen wir uns an Weihnachten.

Wir singen das Lied 35:

1. Nun singet und seid froh, jauchzt alle und sagt so: Unsers Herzens Wonne liegt in der Krippen bloß und leucht‘ doch wie die Sonne in seiner Mutter Schoß. Du bist A und O, du bist A und O.

2. Sohn Gottes in der Höh, nach dir ist mir so weh. Tröst mir mein Gemüte, o Kindlein zart und rein, durch alle deine Güte, o liebstes Jesulein. Zieh mich hin zu dir, zieh mich hin zu dir.

3. Groß ist des Vaters Huld, der Sohn tilgt unsre Schuld. Wir warn all verdorben durch Sünd und Eitelkeit, so hat er uns erworben die ewig Himmelsfreud. O welch große Gnad, o welch große Gnad!

4. Wo ist der Freuden Ort? Nirgends mehr denn dort, da die Engel singen mit den Heilgen all und die Psalmen klingen im hohen Himmelssaal. Eia, wärn wir da, eia, wärn wir da!

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

Wer am 4. Advent hier in der Kirche war, erinnert sich vielleicht. Da haben wir Worte des Propheten Jesaja gehört vom Himmel, der aufreißt, wenn der Heiland Jesus geboren wird, und wir haben das Lied gesungen: „O Heiland, reiß den Himmel auf!“ Jetzt ist der Heiland da. An Weihnachten reißt der Himmel tatsächlich auf. Gott kommt auf die Erde.

Kommt, lasst uns diesen Gott anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Großer Gott, wenn du klein wirst und in Jesus zu uns kommst, dann willst du uns verwandeln – uns als einzelne und uns miteinander. Damit deckst du auf, was schlecht und böse ist, traust du uns zu, zu ändern, was wir ändern können, mutest du uns zu, uns zu ändern. Bitte hilf uns dabei! Wir rufen zu dir:

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

„Eia, wärn wir da“, haben wir vorhin gesungen. Im wörtlichen Sinne würden wir uns vielleicht nicht alle jetzt schon in den Himmelssaal hineinwünschen, wo zwar die Engel wunderbar singen, aber wo wir erst nach dem Tode hinkommen. Aber ich denke, wir alle sehnen uns schon jetzt danach, ein Stück vom Himmel hier auf Erden zu erleben: in jeder Freude mit unseren Lieben, in jedem Trost in der Trauer, in jeder Hoffnung in schweren Zeiten, in jedem Aufatmen nach durchlebter Angst und in jeder Friedenszeit, die uns geschenkt ist.

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist gross Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende“.

Der Herr sei mit euch „und mit deinem Geist.“

O Heiland, reiß den Himmel auf und lass uns da, wo wir leben, deine Liebe erfahren, deinen Frieden einüben, für deine Gerechtigkeit eintreten, deinen Trost spüren. Lass uns heil werden, du Sohn Gottes, Jesus Christus, unser Herrn. „Amen.“

Wir hören die Schriftlesung zum Weihnachtsfest aus dem Evangelium nach Lukas 1, 1-14:

1 Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde.

2 Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war.

3 Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt.

4 Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war,

5 damit er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger.

6 Und als sie dort waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte.

7 Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.

8 Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde.

9 Und der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr.

10 Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird;

11 denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.

12 Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.

13 Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen:

14 Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Halleluja. „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Glaubensbekenntnis

Wir singen aus dem Lied 27 die Strophen 1 bis 3 und 6:

1. Lobt Gott, ihr Christen alle gleich, in seinem höchsten Thron, der heut schließt auf sein Himmelreich und schenkt uns seinen Sohn, und schenkt uns seinen Sohn.

2. Er kommt aus seines Vaters Schoß und wird ein Kindlein klein, er liegt dort elend, nackt und bloß in einem Krippelein, in einem Krippelein.

3. Er äußert sich all seiner G’walt, wird niedrig und gering und nimmt an eines Knechts Gestalt, der Schöpfer aller Ding, der Schöpfer aller Ding.

6. Heut schließt er wieder auf die Tür zum schönen Paradeis; der Cherub steht nicht mehr dafür. Gott sei Lob, Ehr und Preis, Gott sei Lob, Ehr und Preis!

Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde, indem Jesus geboren wird, reißt der Himmel auf, das Paradies bleibt nicht länger scharf bewacht von einem Türsteher-Engel. Stattdessen kommt ein ganzer Engelchor zu den ärmsten Menschen auf dem Hirtenfeld, um ihnen Gottes Ehre im Himmel und Frieden auf Erden zu verkünden. Unser heutiger Predigttext lässt uns sogar einen Blick in den offenen Himmel selbst werfen. Ein Mann namens Johannes, nicht der Täufer, nicht der Jünger Jesu, nicht der Evangelist, sondern ein sonst unbekannter Christ, der in der Zeit einer schweren Christenverfolgung im Römischen Reich auf die Insel Patmos verbannt war, der hat Visionen vom Himmel, der hört Worte, die im himmlischen Thronsaal gesprochen werden. Was andere Menschen nicht sehen und hören können, nimmt er wahr mit Augen und Ohren des Glaubens.

Zu unserer üblichen Weihnachtsstimmung passt die Offenbarung allerdings nicht so sehr. Bei unserem Blick in den Himmel werden wir also keine Geschenkewerkstatt des Christkinds, keine Rentiere des Weihnachtsmannes zu Gesicht bekommen. Die Bilder, die sich der Seele des Johannes in seiner von Christenverfolgung und Glaubensabfall geprägten Zeit aufdrängen, laufen eher darauf hinaus, dass es mit einer Welt voller Gewalt und Tränen so nicht mehr weitergehen kann, dass die Menschheit, soweit sie in gottloser Bosheit und Menschenverachtung verharrt, dem Untergang geweiht ist. Aber Sie werden in dieser Predigt keine Voraussage hören, wann die Welt untergeht; dazu hat Jesus die klare Ansage gemacht, dass niemand außer Gott selbst das weiß. Die Offenbarung hat sich allerdings immer wieder dazu geeignet, die schrecklichsten Ereignisse der eigenen Gegenwart so zu deuten, als ob jetzt aber nun doch die Endzeit angebrochen sei. Dass wir Europäer uns trotz Finanz- und Schuldenkrise kaum in so einer Endzeitstimmung befinden, liegt wohl daran, dass wir im Großen und Ganzen von der Globalisierung eher profitieren. Anderswo gibt Menschen im Elend, betroffen von Terror, Folter und Krieg, von Landraub und Hunger. Auch Christen werden heutzutage mehr denn je verfolgt in verschiedenen Ländern der Erde. Verständlich ist es also, wenn auch heute viele Menschen denken: Die Welt ist bald am Ende!

Das ist der ernste Hintergrund, vor dem wir nun gemeinsam das Kapitel Offenbarung 7 betrachten werden. Zuvor war schon der Thronsaal Gottes dargestellt worden und wer da versammelt ist: Gott selbst auf seinem Thron ist natürlich unbeschreiblich. Ein Lamm sehen wir als Symbol für Jesus, den Sohn Gottes, und um den Thron 24 Älteste als Vertreter der Zwölf Stämme Israels und der Zwölf Apostel Jesu. Außerdem sind vier geheimnisvolle Gestalten anwesend, die aussehen wie ein Löwe, ein Stier, ein Mensch und ein Adler. Später hat man sie in eine Beziehung zu den vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes gesetzt.

Als wir in den Thronsaal blicken, hat das Lamm gerade sechs von sieben Siegeln eines geheimnisvollen Buches geöffnet und damit die Schrecken der Endzeit für eine gottlose Welt eröffnet. Aber bevor das siebte Siegel geöffnet wird, geschieht etwas anderes, das in Offenbarung 7 geschildert wird.

1 Danach sah ich vier Engel stehen an den vier Ecken der Erde, die hielten die vier Winde der Erde fest, damit kein Wind über die Erde blase noch über das Meer noch über irgendeinen Baum.

2 Und ich sah einen andern Engel aufsteigen vom Aufgang der Sonne her, der hatte das Siegel des lebendigen Gottes und rief mit großer Stimme zu den vier Engeln, denen Macht gegeben war, der Erde und dem Meer Schaden zu tun:

3 Tut der Erde und dem Meer und den Bäumen keinen Schaden, bis wir versiegeln die Knechte unseres Gottes an ihren Stirnen.

Da haben wir uns also in den himmlischen Thronsaal versetzt und sehen zuerst gar nichts Himmlisches. Unser Blick wird nach unten auf die Erde gelenkt. Dort sind vier Engel damit beschäftigt, verheerende Stürme aufzuhalten. Wehe, wenn sie die vier Winde loslassen, dann jagen Tornados übers Land, türmen Tsunamis das Meer so hoch auf wie Hochhäuser, werden Bäume durch Wirbelstürme entwurzelt. Gewiss, das ist mythische Redeweise, wir wissen um die physikalischen Ursachen von Wind und Sturm, aber der biblische Visionär ist trotzdem im Recht, wenn er uns Menschen versichert: auch wenn wir uns den Gewalten der Natur ausgeliefert fühlen, Gottes Macht ist größer und umgreift alles. Wenn Gott seinen besonderen Engel aufsteigen lässt wie die Morgensonne, hören die Engel der Winde auf seine Stimme und bewahren die menschliche Umwelt bis auf Weiteres vor der totalen Zerstörung. Bis wann? Bis der fünfte Engel eine andere Aufgabe zu Ende gebracht hat, nämlich die Menschen, die Gott treu gedient haben, mit einem Siegel an der Stirn zu versehen. Wer Gott die Treue bewahrt, wer barmherzig lebt im Vertrauen auf Gott, der bekommt sozusagen eine Art Gottes-Tattoo auf die Stirn, so dass er allen Stürmen dieser Welt trotzen kann.

Was nun kommt, hat viele christliche Gemeinschaften, vor allem diejenigen, die wir als Sekten bezeichnen, zu wilden Spekulationen veranlasst:

4 Und ich hörte die Zahl derer, die versiegelt wurden: hundertvierundvierzigtausend, die versiegelt waren aus allen Stämmen Israels:

5 aus dem Stamm Juda zwölftausend versiegelt, aus dem Stamm Ruben zwölftausend, aus dem Stamm Gad zwölftausend,

6 aus dem Stamm Asser zwölftausend, aus dem Stamm Naftali zwölftausend, aus dem Stamm Manasse zwölftausend,

7 aus dem Stamm Simeon zwölftausend, aus dem Stamm Levi zwölftausend, aus dem Stamm Issachar zwölftausend,

8 aus dem Stamm Sebulon zwölftausend, aus dem Stamm Josef zwölftausend, aus dem Stamm Benjamin zwölftausend versiegelt.

Das klingt sehr schematisch: 144.000 Menschen werden am Ende gerettet, dann ist Schluss, mehr kommen nicht rein in den Himmel. Tatsächlich haben Glaubensgemeinschaften das wortwörtlich so verstanden und natürlich gemeint, nur die Anhänger ihrer Sondergruppe gehören zu diesen Versiegelten. Aber wer diesen Abschnitt wörtlich verstehen will, müsste sowieso erst einmal ernstnehmen, dass hier nur vom jüdischen Volk die Rede ist: Aus den zwölf Stämmen Israels bekommen jeweils zwölf mal Tausend Menschen das Siegel Gottes an ihrer Stirn. Und es wird nicht gesagt, ob das nur die Juden sind, die an Jesus glauben. Ich bin überzeugt: die symbolische Zahl 12 mal 12 und die ausführliche Aufzählung aller Stämme Israels soll andeuten, dass Gott treu zu seinem ganzen Volk Israel steht; wer auf Grund dieser Zahlen genau ausrechnen wollte, wie viele Juden in Gottes Augen gerettet werden und wie viele nicht, der missverstünde die Sprache der Bibel gründlich.

Ginge es hier um eine wortwörtliche Voraussage der Zukunft Israels, wäre übrigens kaum zu erklären, warum ein ganzer Stamm Israels von der Rettung ausgeschlossen sein sollte. Der Stamm Dan fehlt nämlich in der Aufzählung der zwölf Stämme; stattdessen taucht neben dem Namen Josephs zusätzlich der Name seines Sohnes Manasse auf. Die Zwölfernamenslisten in der Bibel stimmen oft nicht völlig überein, das ist auch bei den Zwölf Jüngern Jesu so; wichtiger als die einzelnen Namen ist in diesem Fall tatsächlich die symbolische Bedeutung der Zahl Zwölf. Niemals in der Geschichte blieb das Volk Israel selbstverständlich unversehrt und vollständig mit allen zwölf Stämmen erhalten. Schon in der Richterzeit wäre durch Kämpfe zwischen den Stämmen der Stamm Benjamin fast ausgerottet worden. Das Großreich der ersten Könige Saul, David und Salomo zerfiel nach Salomos Herrschaft in das Nordreich Israel mit zehn Stämmen und das Südreich Juda mit zwei Stämmen, und als die Assyrer im Jahr 721 vor Chr. das Nordreich eroberten, blieben nur Spuren der zehn Nordstämme übrig und im Süden der Stamm Juda und ausgerechnet der zuvor beinahe ausgelöschte Stamm Benjamin. Trotzdem blieb Israel bis heute als Volk bewahrt; es überdauerte sowohl die babylonische Gefangenschaft als auch die Herrschaft der Griechen und Römer, sowohl die fast 2000 Jahre andauernde Zerstreuung unter die Völker als auch bis jetzt die Widersprüchlichkeiten der eigenen Neugründung als Staat. Absolut nicht selbstverständlich ist bis heute nicht einmal die Existenz Israels geschweige denn eine friedliche Zukunft für seine Bevölkerung. Auf diesem Hintergrund höre ich die Litanei der durch Gottes Siegel bewahrten zwölf mal zwölftausend Menschen aus dem Volk Israel als ein Zeichen, das Gott trotz allem die Hoffnung für sein Volk nicht aufgibt, und dass es sich lohnt, an alle Seiten im Nahostkonflikt zu appellieren: Unternehmt ernsthafte Schritte in Richtung Frieden!

Weiter im Offenbarungstext:

9 Danach sah ich, und siehe, eine große Schar, die niemand zählen konnte, aus allen Nationen und Stämmen und Völkern und Sprachen; die standen vor dem Thron und vor dem Lamm, angetan mit weißen Kleidern und mit Palmzweigen in ihren Händen,

10 und riefen mit großer Stimme: Das Heil ist bei dem, der auf dem Thron sitzt, unserm Gott, und dem Lamm!

Unser Blick in den Himmel zeigt uns noch eine andere unübersehbare Menschenmenge, diesmal ausdrücklich unzählig! Wie in unserem Kindergarten sehen wir eine bunte Mischung aus verschiedenen Völkern, Nationen und Sprachen und gewiss auch Religionen und Konfessionen. Gemeinsam ist diesen Menschen, dass sie weiße Kleider und Palmzweige tragen und dass sie Gott und sein Lamm loben.

11 Und alle Engel standen rings um den Thron und um die Ältesten und um die vier Gestalten und fielen nieder vor dem Thron auf ihr Angesicht und beteten Gott an

12 und sprachen: Amen, Lob und Ehre und Weisheit und Dank und Preis und Kraft und Stärke sei unserm Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.

Das ist der Abschnitt, der diesen Text der Offenbarung zu einem Weihnachtsevangelium macht, denn hier hören wir den gleichen Engelchor, den die Hirten auf dem Feld von Bethlehem hörten, aus himmlischer Perspektive. Ausführlicher als über den Hirten lobpreisen die Engel Gottes Ehre mit insgesamt sieben Worten, wörtlich übersetzt: Segen, Herrlichkeit, Weisheit, Dank, Ehre, Kraft und Stärke. Aber wo bleibt die Friedensbotschaft der Engel, das „Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen“?

13 Und einer der Ältesten fing an und sprach zu mir: Wer sind diese, die mit den weißen Kleidern angetan sind, und woher sind sie gekommen?

Warum stellt einer von den 24 Ältesten diese Frage? Sie repräsentieren ja die Führung des wiederhergestellten Gottesvolkes Israel samt den zwölf Aposteln Jesu und offenbaren in ihrer Frage eine gewisse Engstirnigkeit, als ob in ihren Augen zur Zahl der Auserwählten niemand mehr hinzukommen könne. Die Israeliten und die judenchristlichen Jünger scheinen sich zu wundern, dass sie plötzlich nicht mehr unter sich sind. So viele fremdartige Gesichter aus allen Nationen und Religionen tauchen auf, fremde Sprachen erklingen, aber alle loben sie den einen Gott und sein Lamm.

Eigenartig finde ich übrigens auch, dass der Älteste ausgerechnet dem Seher Johannes diese Frage stellt. Das ist fast, als würde er uns fragen, die nur einen kurzen Blick in den Himmel werfen und doch gar keine Ahnung haben, was da vor sich geht. Heute sind wir es gewohnt, dass im Theater manchmal auch die Zuschauer ins Geschehen auf der Bühne eingespannt werden. Auch in der Offenbarung soll plötzlich der, der meinte, nur ein Beobachter von außen zu sein, Einfluss auf die Ereignisse im Himmel nehmen. Gilt das auch für uns? Sind wir hier gefragt? Vielleicht müssen wir ja wirklich selber eine Antwort finden auf die Frage: Wer hat auf dieser Erde eine Chance, Heil und Frieden zu finden, dem Untergang zu entrinnen? Wer gehört zu denen, die vor dem Thron Gottes stehen?

Johannes, der Seher, bleibt in seiner Antwort allerdings zurückhaltend:

14 Und ich sprach zu ihm: Mein Herr, du weißt es.

Johannes redet den frommen Ältesten sanft ins Gewissen. Sie müssten doch eigentlich den barmherzigen Willen Gottes kennen.

Und er sprach zu mir: Diese sind’s, die gekommen sind aus der großen Trübsal und haben ihre Kleider gewaschen und haben ihre Kleider hell gemacht im Blut des Lammes.

Eben habe ich gefragt, wo in dem Gesang der Engel der Friede auf Erden bleibt. Hier wird das Thema aufgegriffen: Die Engel müssen den Frieden nicht besingen, denn diese Menschen aus den vielen Völkern sind es, die den Frieden auf Erden leben. Zwei Dinge werden von ihnen gesagt. Erstens: Egal, welcher Nation oder Religion sie angehören, sie kommen aus der Trübsal, aus Bedrängnissen, aus Krieg und Leid, aus eigener Verstrickung in Schuld, aus Situationen der Verfolgung, aus einem Leben, in dem sie es nicht leicht hatten. All das konnten sie zweitens hinter sich lassen, weil sie ihre Kleider in Blut gewaschen und hell gemacht haben. Das klingt nun absolut verrückt. Wie soll Blut Wäsche weiß machen? Hier muss man wissen, dass in der Bibel das Blut nicht Symbol des Todes ist wie bei uns, sondern Symbol des Lebens. Im Blut ist das Leben, darum wird es zum Zeichen der Rettung. Gott nimmt unser Fleisch und Blut an in Jesus, wird ein Kind, wächst als Mensch in unserer Welt auf, setzt sein Leben für uns ein und vergießt am Ende sein Blut für uns, aus Liebe. Es ist ein Geheimnis, das nie völlig zu ergründen ist: Gott lässt sich von uns Menschen töten und vergibt uns, die wir dazu beitragen; der Gott, der verblutet, schenkt mit diesem Blut allen Menschen Leben. Das Blut des Lammes macht unsere Weste weiß. Ein barmherziger Gott, der auf Rache verzichtet, lässt uns trotz unserer Fehler, trotz Sünde und Schuld mit aufrechtem Gang vor ihn treten und jeden Tag unser Leben neu anfangen.

15 Darum sind sie vor dem Thron Gottes und dienen ihm Tag und Nacht in seinem Tempel; und der auf dem Thron sitzt, wird über ihnen wohnen.

Wenn ich weiter den Blick des Johannes in den Himmel teile, dann sehe ich auf einmal nicht mehr fremde Menschen in einer fernen Zukunft dort vor dem Thron stehen, sondern ich sehe dieses Bild als Deutung unserer eigenen Gegenwart: Wo wir uns aus unseren Bedrängnissen im Gottvertrauen herausholen lassen, stehen auch wir in der Verantwortung vor Gott. Gott wohnt über uns und wacht über uns, und die Erde wird uns zu einem Ort, der Gott gehört, den wir wie einen heiligen Tempel pflegen und bewahren.

16 Sie werden nicht mehr hungern noch dürsten; es wird auch nicht auf ihnen lasten die Sonne oder irgendeine Hitze;

17 denn das Lamm mitten auf dem Thron wird sie weiden und leiten zu den Quellen des lebendigen Wassers, und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen.

Gott ist nicht nur über uns, sondern Jesus als das Lamm Gottes ist unsichtbar mit uns. Viel haben wir von ihm zu erwarten: Er stillt unseren Hunger und Durst, vor allem den Hunger nach Liebe, den Durst nach Gerechtigkeit. Er bewahrt uns davor, wie es in einem Psalm heißt, dass uns (Psalm 121, 6)

des Tages die Sonne nicht steche noch der Mond des Nachts.

Er führt uns hin zu Quellen des Lebenswassers, und ich denke dabei an den Heiligen Geist, an die Kraft Gottes selbst, die uns erfüllen will mit Glauben und Hoffnung und Liebe. Das letzte Bild ist uns doch wieder eines, das erst im Himmel endgültig wahr werden wird: dass Gott alle Tränen von unseren Augen abwischen wird. Wer hier auf Gott vertraut, darf schon hier getröstet sein und wissen, dass alle Trauer, jeder Schmerz und jede Angst einmal überwunden sein werden. Denn die Liebe Gottes, die in Jesus Gestalt annahm, im Lamm Gottes, ist stärker als alle Bedrängnisse und Trübsale dieser Welt. Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.

Wir singen aus dem Lied 39 die Strophen 1 bis 3 und 6 bis 7:

1. Kommt und lasst uns Christus ehren, Herz und Sinnen zu ihm kehren; singet fröhlich, lasst euch hören, wertes Volk der Christenheit.

2. Sünd und Hölle mag sich grämen, Tod und Teufel mag sich schämen; wir, die unser Heil annehmen, werfen allen Kummer hin.

3. Sehet, was hat Gott gegeben: seinen Sohn zum ewgen Leben. Dieser kann und will uns heben aus dem Leid ins Himmels Freud.

6. O du hochgesegnete Stunde, da wir das von Herzensgrunde glauben und mit unserm Munde danken dir, o Jesulein.

7. Schönstes Kindlein in dem Stalle, sei uns freundlich, bring uns alle dahin, da mit süßem Schalle dich der Engel Heer erhöht.

Nun feiern wir an Weihnachten das heilige Abendmahl.

Gerechter und barmherziger Gott, der du den Himmel allen Menschen geöffnet hast, die offen sind für die Barmherzigkeit deiner Liebe: Wir danken dir, dass du dort, wo wir nur Zeichen des Untergangs und der Zerstörung auf dieser Erde sehen, uns deinen Frieden sehen lässt. Und wo wir uns schämen oder schuldig fühlen, lässt du uns dessen gewiss werden, dass wir durch das Blut des Lammes reingewaschen sind. Schenke uns Vergebung. Stifte uns zum Frieden an. Gib uns Orientierung, wo wir verwirrt und ratlos sind. Schenke uns Trost und Mut, wo wir traurig, ängstlich oder verzweifelt sind.

In der Stille bringen wir vor dich, das unsere Seele belastet:

Beichtstille

Wollt Ihr Gottes Liebe und Vergebung annehmen, so sagt laut oder leise oder auch still im Herzen: Ja!

Auf euer aufrichtiges Bekenntnis spreche ich euch die Vergebung eurer Sünden zu – im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Der Herr sei mit euch. „Und mit deinem Geiste.“

Erheber eure Herzen! „Wir erheben sie zum Herren.“

Lasset uns Dank sagen dem Herrn, unserem Gott. „Das ist würdig und recht.“

Würdig und recht ist es, dich, Gott im Himmel, zu erkennen als Vater des Lammes, das die Sünde der Welt trägt. Würdig und recht ist es, deine Barmherzigkeit wahrzunehmen, die den Menschen aller Völker und Religionen gilt. So preisen wir dich, Heiliger Gott:

Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth; alle Lande sind seiner Ehre voll. Hosianna in der Höhe. Gelobet sei, der da kommt im Namen des Herrn. Hosianna in der Höhe.

Vater unser und Einsetzungsworte

Der Himmel reißt auf und kommt zu uns. Jesus gibt sich uns als Nahrung für unsere Seele, Kraft für unser Leben. Nehmt und gebt weiter, was euch gegeben ist – den lebendigen Leib der Liebe Gottes!

Herumreichen des Korbs

Das Blut des Lammes wäscht uns rein. Jesus vergießt sein Blut, gibt sein Leben für uns hin, schenkt uns erfülltes Leben hier auf Erden und in der Ewigkeit. Empfangt den Kelch der Liebe und des Friedens!

Austeilen der Kelche

Gott schließt uns in Jesus zusammen zum Leib seiner Gemeinde – Menschen aus allen Nationen, Menschen jeder Herkunft, alt und jung, krank oder gesund. Geht hin im Frieden! Amen.

Lasst uns beten.

Gott, in deinem Sohn Jesus Christus bist du Mensch geworden – einer von uns. Wir beten für alle Menschen auf der Welt, die sich Frieden wünschen. Für Völker und Länder, für Glaubensgemeinschaften und Religionen, für uns selbst und unsere Familien.

Wir beten für die Kirche, die rund um den Erdkreis das Fest der Geburt Christi feiert. Für die Christen aller Konfessionen und Bekenntnisse, für alle, die zusammenführen, was getrennt ist.

Wir beten für alle, die in den Gottesdiensten dieser Tage ihr Herz öffnen für das Kind in der Krippe, für die Familien, die Weihnachten zusammen gestalten, für alle, die ihre Freude miteinander teilen.

Wir denken an alle, die in den weihnachtlichen Tagen zum Wohle anderer arbeiten. Wir beten für die vielen, die auch an Weihnachten allein sind. Für die Bundeswehrsoldaten in kriegerischen Einsätzen und für alle Hilfskräfte in den Krisenregionen der Welt.

Wir beten für die Menschen, die in diesen Tagen unterwegs sind, und für Familien, die doch nicht zusammenkommen können.

Wir beten für Menschen, die das Weihnachtsfest in Trauer feiern müssen. Für alle, denen ein Unglück die Freude zerstört hat. Für alle, denen ein lieber Mensch genommen wurde.

In deinem Sohn Jesus Christus erkennen wir dich, Gott. Seine Geburt schenkt uns Frieden und Hoffnung für unsere Welt und unser Leben. Dafür danken wir dir heute und alle Tage. Amen.

Wir singen das Lied 44:

1) O du fröhliche, o du selige gnadenbringende Weihnachtszeit! Welt ging verloren, Christ ist geboren: freue, freue dich, o Christenheit!

2) O du fröhliche, o du selige gnadenbringende Weihnachtszeit! Christ ist erschienen, uns zu versühnen: freue, freue dich, o Christenheit!

3) O du fröhliche, o du selige gnadenbringende Weihnachtszeit! Himmlische Heere jauchzen dir Ehre: freue, freue dich, o Christenheit!

Abkündigungen

Geht mit Gottes Segen:

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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