Macht Jesus keine Schande!

Fünf Wörter im Predigttext aus dem 1. Petrus­brief laden zu Missverständnissen ein. Zum Beispiel: Die Übersetzung „brüderlich“ für das griechische Wort „philadelphos“ schließt die Schwestern aus, obwohl das Griechisch-Lexikon auch die Bedeutung „geschwisterlich“ zulässt. Geschwister müssen miteinander leben, trotz Eifersucht und Konflikten, und dieses Familiensetting ist für Petrus Vorbild auch für das Zusammenleben der Christen, auch im Aushalten von Unterschieden.

Zwei Geschwister im Portrait, eine Schwester "richtig" herum, die andere daneben "auf dem Kopf"; eine hat einen roten Handabdruck auf der Wange, und beide lächeln

Geschwister kann man sich nicht aussuchen – in der Kirche schließt uns Christus zusammen (Bild: pixabay.com)

#predigtTaufgottesdienst im Gottesdienst am 4. Sonntag nach Trinitatis, den 9. Juli 2006, um 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen
Orgelvorspiel und Einzug der Tauffamilie

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Herzlich willkommen zum Taufgottesdienst in der Pauluskirche! Besonders herzlich begrüßen wir das kleine Mädchen, das heute getauft wird, …, mit ihren Eltern und Paten.

Wenn ein Kind geboren wird, ist uns besonders bewusst, dass das Leben ein Geschenk ist. Von der Liebe zum Leben handelt dieser Gottesdienst. Was gehört dazu, damit wir in unserem Leben „gute Tage sehen“? Davon hören wir in der Predigt mehr.

Lied 451, 1-5:

1) Mein erst Gefühl sei Preis und Dank; erheb ihn, meine Seele! Der Herr hört deinen Lobgesang; lobsing ihm, meine Seele!

2) Mich selbst zu schützen ohne Macht lag ich und schlief in Frieden. Wer schafft die Sicherheit der Nacht und Ruhe für die Müden?

3) Du bist es, Herr und Gott der Welt, und dein ist unser Leben; du bist es, der es uns erhält und mirs jetzt neu gegeben.

4) Gelobet seist du, Gott der Macht, gelobt sei deine Treue, dass ich nach einer sanften Nacht mich dieses Tags erfreue.

5) Lass deinen Segen auf mir ruhn, mich deine Wege wallen, und lehre du mich selber tun nach deinem Wohlgefallen.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. „Amen.“

Wir beten mit Psalm 42:

2 Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir.

3 Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Wann werde ich dahin kommen, dass ich Gottes Angesicht schaue?

6 Was betrübst du dich, meine Seele, und bist unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.

9 Am Tage sendet der HERR seine Güte, und des Nachts singe ich ihm und bete zu dem Gott meines Lebens.

Kommt, lasst uns Gott anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Martin Luther hat gesagt: Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott. Hängen wir unser Herz an tote Götter, an materielle Werte, an vergängliches Vergnügen, an das persönliche Weiterkommen ohne Rücksicht auf andere Menschen? Oder suchen wir nach dem lebendigen Gott, der uns wahres, erfülltes Leben schenkt: Leben im Vertrauen, erfüllt von Liebe, getragen von zuversichtlicher Hoffnung? Lass uns die Suche nach dir, Gott nicht aufgeben! Wir rufen zu dir:

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Der Taufspruch, den das Ehepaar … für ihre Tochter … ausgesucht hat, ist das Leitmotiv für diesen ganzen Gottesdienst. Er steht im Psalm 16, 11, und lautet:

Du [Gott] tust mir kund den Weg zum Leben.

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist gross Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende.

Der Herr sei mit euch! „Und mit deinem Geist!“

Auf der Suche nach Leben, Gott, brauchen wir deine Wegweisung, wie sie in der Bibel aufgezeichnet ist.

Auf der Suche nach deiner Wegweisung hilf uns, das Wort der Bibel zu verstehen und in unser Leben hinein zu übersetzen.

Auf der Suche nach dir, Gott, zeige uns den Weg zu den Menschen, die uns anvertraut sind und so zu uns selbst.

Das erbitten wir von dir im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören die Schriftlesung aus Psalm 34, 12-21:

12 Kommt her, ihr Kinder, höret mir zu! Ich will euch die Furcht des HERRN lehren.

13 Wer möchte gern gut leben und schöne Tage sehen?

14 Behüte deine Zunge vor Bösem und deine Lippen, daß sie nicht Trug reden.

15 Lass ab vom Bösen und tu Gutes; suche Frieden und jage ihm nach!

16 Die Augen des HERRN merken auf die Gerechten und seine Ohren auf ihr Schreien.

19 Der HERR ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben.

20 Der Gerechte muss viel erleiden, aber aus alledem hilft ihm der HERR.

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Halleluja! „Halleluja, Halleluja, Halleluja.“

Liebe Eltern, liebe Paten!

Den Taufspruch für … haben wir bereits gehört (Psalm 16, 11):

Du [Gott] tust mir kund den Weg zum Leben.

Um das Thema Lebensweg, Weg zum Leben, dreht sich alles in diesem Gottesdienst.

Ihr Weg als Familie hat Sie aus der münsterländischen Metropole hierher nach Gießen geführt; hier ist der Ort, an dem Ihre drei Kinder und nun auch die jüngste Tochter … in den kommenden Jahren aufwachsen und die konkreten Wege ihres Lebens gehen werden.

Welche Wege wird … gehen? Voraussagen können wir das nicht. Wie sagte einmal die katholische Theologin und Tochter eines früheren Bundespräsidenten, Uta Ranke-Heinemann:

„Wir können uns noch so sehr bemühen, unsere Kinder zu erziehen, am Ende werden sie doch so wie ihre Eltern.“

Das heißt, was wir als Eltern ausstrahlen und tun, wirkt mehr auf unsere Kinder, als was wir ihnen bewusst beizubringen versuchen. Aber was genau und was von welchem Elternteil und vielleicht auch noch von Großeltern oder Paten sie aufschnappen und übernehmen oder wovon sie sich vielleicht gerade vehement abgrenzen werden, davon müssen wir uns überraschen lassen.

Trotzdem wünschen wir natürlich unseren Kindern nur das Beste in ihrem Leben. Um diesen Wunsch in Erfüllung gehen zu lassen, ist das von Ihnen ausgewählte Taufwort für … ein gutes Leitmotiv:

Du [Gott] tust mir kund den Weg zum Leben.

Denn erstens nimmt dieses Wort ernst, dass wir als Erzieher unserer Kinder ihnen das Gehen ihres eigenen Weges nicht abnehmen können. Man kann einem Kind einen Weg zeigen – gehen muss es ihn selber. Jedes Kind muss eigen-sinnig genug werden, um in seinem Leben selbst zurechtzukommen. Wir können ihm nicht alle Wege abnehmen und nicht alle Stolpersteine aus dem Weg räumen.

Zweitens bewahrt dieses Wort vor Überforderung. Niemand muss seinen Lebensweg ganz allein meistern. Je älter und erwachsener wir werden, desto eigenständiger werden wir das können, aber es ist gut, Begleiter und Gegenüber zu haben, die uns hilfreich zur Seite stehen und uns den Rücken stärken, wenn es schwierig wird, auf dem eigenen Lebensweg in der Spur zu bleiben.

Und drittens bringt der Taufspruch ein ganz bestimmtes Gegenüber in den Blick: „Du, Gott“. Einen persönlich ansprechbaren Gott, der uns etwas zu sagen hat, ohne dass er uns gängeln und tyrannisieren will. Die Juden nannten ihre Bibel schlicht „Tora“, was nur schlecht mit dem Wort „Gesetz“ wiedergegeben wird, sondern „Wegweisung zum Leben“ meint. Diese Wegweisung stammt von dem Gott, der sein Volk aus dem Sklavenhaus in Ägypten herausführt und ihm die Gebote als Hilfen gibt, um die gewonnene Freiheit für sich und die ihnen anvertrauten Menschen zu bewahren und zu bewähren.

Wenn dieser befreiende und für die Freiheit in Anspruch nehmende Gott das letzte maßgebliche Gegenüber für ein Kind ist, dann gilt viertens, dass dieses Kind niemandem gehört außer Gott – wir verfügen über unsere Kinder nicht wie über einen Besitz, sondern Gott hat sie uns anvertraut, damit wir dabei mithelfen, dass sie ihren eigenen Weg zum Leben finden.

Jetzt singen wir ein Lied, in dem es auch darum geht, wie der Gott, dem wir … in der Taufe anvertrauen, ihr den Weg zum Leben zeigt:

Lied 211: Gott, der du alles Leben schufst
Glaubensbekenntnis und Taufe
Lied 395: Vertraut den neuen Wegen
Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde, auch in der Predigt bleiben wir bei …s Taufspruch. Denn der heutige Predigttext liest sich wie eine ausführliche Auslegung von Psalm 16, 11:

Du [Gott] tust mir kund den Weg zum Leben.

Im 1. Petrusbrief 3, 8-15a, geht es nämlich um die Sehnsucht nach Leben, nach erfülltem Leben, um Menschen, die „das Leben lieben und gute Tage sehen wollen“. Wer das will, was soll der tun?

8 Seid allesamt gleichgesinnt, mitleidig, brüderlich, barmherzig, demütig.

9 Vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Scheltwort mit Scheltwort, sondern segnet vielmehr, weil ihr dazu berufen seid, dass ihr den Segen ererbt.

10 Denn „wer das Leben lieben und gute Tage sehen will, der hüte seine Zunge, dass sie nichts Böses rede, und seine Lippen, dass sie nicht betrügen.

11 Er wende sich ab vom Bösen und tue Gutes; er suche Frieden und jage ihm nach.

12 Denn die Augen des Herrn sehen auf die Gerechten, und seine Ohren hören auf ihr Gebet; das Angesicht des Herrn aber steht wider die, die Böses tun“.

13 Und wer ist’s, der euch schaden könnte, wenn ihr dem Guten nacheifert?

14 Und wenn ihr auch leidet um der Gerechtigkeit willen, so seid ihr doch selig. Fürchtet euch nicht vor ihrem Drohen und erschreckt nicht;

15 heiligt aber den Herrn Christus in euren Herzen.

Liebe Gemeinde, was fangen wir nun an mit dem Feuerwerk frommer Appelle und christlicher Vokabeln, die Petrus auf uns abfeuert und die wir in der Übersetzung von Dr. Martin Luther gehört haben? Es gehört etwas Gedankenarbeit dazu, um 2000 Jahre alte Worte in einer 500 Jahre alten Verdeutschung in unser heutiges Leben hinein zu über-setzen.

8 Seid allesamt gleichgesinnt, mitleidig, brüderlich, barmherzig, demütig.

Das sind gleich am Anfang fünf Wörter, die zu Missverständnissen geradezu einladen. „Gleichgesinnt“ ist nicht „Gleichschaltung“ aller Meinungen in der Kirche. Es darf Streit geben in der Kirche, aber dieser Streit sollte fair ausgetragen werden, immer in der Bereitschaft, auf die Wegweisung der Bibel als letzten Maßstab zu hören. „Mitleidig“ hat als Übersetzung des griechischen Worts „Sympathie“ heute einen falschen Ton der Herablassung und Abwertung. Gemeint ist „Mit-Fühlen“, Anteil nehmen am Schicksal eines anderen. Die Übersetzung „brüderlich“ für das griechische Wort „philadelphos“ schließt die Schwestern aus, obwohl das Griechisch-Lexikon auch die Bedeutung „geschwisterlich“ zulässt. Inhaltlich meint dieses Wort eine Gemeinsamkeit, die man sich nicht einfach aussuchen kann, so wie man die Freunde oder den Kindergarten wechseln kann. Geschwister müssen nun mal zusammenleben, trotz Eifersucht und Konflikten, und dieses Familiensetting ist für Petrus Vorbild auch für das Zusammenleben der Christen. Geschwisterlichkeit heißt also nicht immer „Friede, Freude, Eierkuchen“, sondern Zusammenstehen und Unterschiede aushalten. Dann gibt es in der Gemeinde auch Orte und Zeiten, wo einer vom andern Rückhalt und Hilfe erfährt, wo fruchtbare Mitarbeit geschieht.

Das vierte schwierige Wort heißt „barmherzig“, im griechischen Text steht da „eusplanchnos“, das wörtlich etwas mit „guten Eingeweiden“ zu tun hat. Die Eingeweide galten als der Sitz der Gefühle, wie auch wir ja die Wut im Bauch oder das gute Bauchgefühl kennen. Barmherzig ist also, wer nicht einer kalten zynischen Vernunft folgt, sondern im Kontakt mit dem eigenen inneres Gefühl ist, das uns gut sorgen lässt für uns und andere. Das fünfte schwierige Wort heißt im Deutschen „demütig“, im Griechischen wörtlich ein „Gering-Denken“. Wer es nicht nötig hat, sich größer zu machen, als er ist, kann zu eigenen Schwächen stehen und solidarisch sein mit anderen Schwachen.

Petrus meint also: „Bleibt im Streiten beieinander wie Geschwister! Fühlt mit dem, was ein anderer leidet, und übergeht dabei nicht eure eigenen Gefühle! Seid nicht immer nur stark, sondern nehmt euch an, wie ihr seid!“

Welche Wirkung eine solche Lebenshaltung nach außen zeigt, davon spricht Petrus im nächsten Satz:

9 Vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Scheltwort mit Scheltwort, sondern segnet vielmehr, weil ihr dazu berufen seid, dass ihr den Segen ererbt.

Das hört sich schwer an. Ein böses Wort kränkt mich, ein Schimpfwort reizt mich, Gleiches mit Gleichem zu vergelten. Und dann soll ich stattdessen den andern segnen?

Das wäre schon stark. Wenn ich durchatme und Zeit gewinne, um erst einmal nachzudenken, bin ich nicht einfach ein Sklave der Situation, nicht abhängig von dem, was der andere mit mir machen will.

Ich denke nach und spüre, wovor ich mich schützen will, merke, dass der andere vielleicht gar nicht weiß, wie sehr er mich verletzt hat. Gibt es etwas, was ich mir von ihm wünsche? Er wird es mir bestimmt viel weniger gern geben, wenn ich ihm mit gleicher Münze heimzahle.

Leicht ist das alles nicht. Petrus hat dieses Konzept nicht selbst erfunden. Er selber war ja ein richtiger Hau-Drauf gewesen, bis er Jesus verleugnete und in Kontakt mit seiner eigenen Schattenseite kam. Da wurde Petrus lernfähig und lernte Feindesliebe von Jesus, indem er die Vergebung von Jesus annahm.

Weitere Worte, die zum Leben führen, findet er im Alten Testament:

10 „Wer das Leben lieben und gute Tage sehen will, der hüte seine Zunge, dass sie nichts Böses rede, und seine Lippen, dass sie nicht betrügen.“

Die Zunge und die Lippen hüten, wieso das? Weil sie zu den gefährlichsten unserer Organe gehören, denn im Unterschied zu Tieren können wir sprechen, und unsere Zunge und unsere Lippen sind sehr schnell dabei, verletzende Worte zu formen und laut auszusprechen, manchmal bevor das Großhirn überhaupt gemerkt hat, was da unkontrolliert hinausgeschlüpft ist. Worte können verletzen, können sogar töten, können den Ruf eines Menschen unwiderbringlich schädigen.

Das Zunge-Hüten fängt ein Stockwerk höher an, nämlich im Kopf, im Denken. Egal was wir fühlen, was uns begegnet, wir müssen unser Denken dabei nicht ausschalten. Zum Beispiel: jemand kommt uns quer, uns packt die Wut. Das ist noch nichts Schlechtes. Aber jetzt ist das Denken dran: Was soll ich sagen, was tun? Muss ich automatisch verletzend reden, weil ich mich gekränkt fühle? Könnte ich nicht aussprechen, was mich getroffen hat? Oder zuerst einmal durchatmen und gar nichts sagen, bis ich mich wieder in der Gewalt habe?

Weiter im Text. Petrus zitiert mehr aus dem Alten Testament, aus Psalm 34:

„Wer das Leben lieben und gute Tage sehen will –

11 er wende sich ab vom Bösen und tue Gutes; er suche Frieden und jage ihm nach.“

Gestern traf ich zwei junge Männer aus unserer Gemeinde, und sie meinten, ich solle doch den Fußball in meiner Predigt erwähnen – OK, das tue ich hier: Wie die deutschen Fußballer dem Ball hinterhergejagt sind und am Ende einen ehrenhaften 3. Platz errungen haben, wie die deutsche fußballbegeisterte Öffentlichkeit es geschafft hat, Begeisterung für ihre Mannschaft mit einer weltoffenen und fairen Gastfreundschaft für Menschen aller Völker zu verbinden, das ist ein schönes Beispiel für das, was die Bibel hier fordert: Suchet den Frieden und jaget ihm nach!

Wenn jemand nun meint, dass das alles nicht cool ist, weil man als Friedensstifter zu den Weicheiern zählt, dann soll er noch ein Stück weiterlesen. Als Friedensstifter sind wir immerhin im Bund mit dem Allerstärksten, der zugleich ein Herz für die Allerschwächsten hat. Und dieser Gott lässt es nicht auf Dauer zu, dass die Bösen über die Guten triumphieren:

12 „Denn die Augen des Herrn sehen auf die Gerechten, und seine Ohren hören auf ihr Gebet; das Angesicht des Herrn aber steht wider die, die Böses tun“.

Das widerspricht nicht der Vergebung. Gerade wenn Gott vergibt, will er, dass das Böse aufhört, dass der Böse aufhört, böse zu sein, Böses zu tun. Gott traut es jedem Menschen zu, sich zu ändern, auch dem, der Böses getan hat. Aber mit seiner Vergebung heißt Gott niemals das Böse gut.

So weit hat Petrus das Alte Testament zitiert. Jetzt ergänzt er selber den Satz:

13 Und wer ist’s, der euch schaden könnte, wenn ihr dem Guten nacheifert?

Dagegen gibt es Einwände: Erleiden nicht auch gute Menschen Böses? Jesus, der sich für Kranke und Arme einsetzte, wurde gewaltsam getötet. Auch Petrus hat Redeverbote und Gefängnisstrafen erlitten, und doch spricht er davon, dass dem, der der guten Wegweisung Gottes folgt, niemand schaden kann. Auf unserem Altarfensterbild finden wir ein Symbol, das diesen Gedanken verdeutlicht: Da sind zwei Würfel zu sehen; nicht Gott würfelt mit ihnen unser Schicksal aus, sondern die Soldaten, die Jesus kreuzigen, spielen um seine Kleidung. Die Würfel scheinen Sinnbild eines grausamen Schicksals zu sein, das die Menschen zufällig und willkürlich trifft. Aber die Würfel liegen auf dem Bild im Hintergrund. Jesus ist der, der auferstanden ist! Er hat die Zufälligkeiten seiner und unserer Existenz am Kreuz durchlitten und überwunden und segnet unser Leben vom Himmel her, als ob er sagen wollte: „Ich zeige euch den Weg zum Leben, und der hängt nicht davon ab, unter welchen Umständen ihr geboren seid und aufwachst, welche Widrigkeiten euch begegnen und wieviel Glück ihr im Leben habt. Gott hat euch alle mit einer Würde geschaffen, die niemand euch nehmen kann. Darum geht euren Weg mit aufrechtem Gang und helft, wo ihr könnt, dass auch andere Menschen nicht in den Staub gedrückt werden.“

Zum Schluss ruft Petrus dazu auf, dem Vorbild Jesu zu folgen und für die eigene Überzeugung notfalls Nachteile zu erleiden:

14 Und wenn ihr auch leidet um der Gerechtigkeit willen, so seid ihr doch selig. Fürchtet euch nicht vor ihrem Drohen und erschreckt nicht;

15 heiligt aber den Herrn Christus in euren Herzen.

So macht Petrus uns Mut zur Zivilcourage: „Tragt das Vorbild von Jesus in eurem Herzen! Heiligt ihn, macht ihm keine Schande, ihr gehört als Christen zu ihm!“ Wenn wir daherreden wie alle anderen, wenn wir Unrecht mit gleicher Münze heimzahlen, dann erkennt keiner, dass wir zu Jesus gehören.

Christus in uns tragen, ob das funktioniert? Was wäre, wenn wir uns öfter fragen: Was würde Jesus jetzt tun? Er hat auch Angst gehabt, aber er hat sie überwunden. Wenn mir andere Angst machen – vielleicht tun sie es nur, weil sie selber Angst haben und sich schwach und klein fühlen. „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“, heißt es. So einfach und so schwer ist es, Christus in uns zu tragen und ihm keine Schande zu machen. Mehr will Gott nicht, wenn er uns den Weg zum Leben zeigt. Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.
Lied 393, 6-8:

6) Kommt, Kinder, lasst uns gehen, der Vater gehet mit; er selbst will bei uns stehen bei jedem sauren Tritt; er will uns machen Mut, mit süßen Sonnenblicken uns locken und erquicken; ach ja, wir habens gut, ach ja, wir habens gut.

7) Kommt, Kinder, lasst uns wandern, wir gehen Hand in Hand; eins freuet sich am andern in diesem wilden Land. Kommt, lasst uns kindlich sein, uns auf dem Weg nicht streiten; die Engel selbst begleiten als Brüder unsre Reihn, als Brüder unsre Reihn.

8) Sollt wo ein Schwacher fallen, so greif der Stärkre zu; man trag, man helfe allen, man pflanze Lieb und Ruh. Kommt, bindet fester an; ein jeder sei der Kleinste, doch auch wohl gern der Reinste auf unsrer Liebesbahn, auf unsrer Liebesbahn.

Barmherziger Gott, Wegweiser zum Leben, wenn wir deine Güte nicht sehen, dann öffne uns die Augen! Wenn wir verstört sind von schrecklichen Nachrichten und bösen Anfeindungen, dann öffne uns die Ohren für gute Worte! Wenn unser Herz hart geworden ist und wir meinen, wir müssten ein noch dickeres Fell haben, dann öffne uns das Herz, damit wir barmherzig mit uns und anderen umgehen! Wenn wir es wagen, auf deinen Wegen zu gehen und uns dann Angst überfällt, dann halte uns fest, mach uns Mut, tröste uns, lass Vertrauen und Zuversicht in uns wachsen.

Und schenke uns Menschen, die uns nicht allein lassen, die immer wieder da sind und ein offenes Ohr für uns haben.

Besonders bitten wir dich heute für das kleine Mädchen, das wir getauft haben. Begleite sie auf ihrem Weg durchs Leben und lass sie ihren eigenen Weg finden, unterstützt von ihren Eltern und Paten, Geschwistern und Großeltern und vielen anderen Menschen um sie herum. Hilf uns allen, dass wir der Verantwortung gerecht werden, die wir gegenüber den Kindern und Jugendlichen in unserer Gemeinde haben. Zeig uns selber den Weg zum Leben, dass wir ihnen gute Vorbilder sein können. Amen.

Gebetsstille und Vater unser
Lied 170: Komm, Herr, segne uns
Abkündigungen

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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