Das Fluchholz wird zum Siegeszeichen

Trauerfeier für eine Frau, für die es Zukunft gibt, auch nach dem Tod. Darüber denke ich nach, indem ich auf Worte des Apostels Paulus aus dem 1. Korintherbrief eingehe.

Das Fluchholz wird zum Siegeszeichen - ein Bild der Auferstehung Jesu aus dem Tod

Sieg über den Tod durch Jesu Auferstehung (Bild: RobertCheaib – pixabay.com)

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

Liebe Trauergemeinde, wir sind hier versammelt, um Abschied zu nehmen von Frau S., die im Alter von [über 80] Jahren gestorben ist.

Wir erinnern uns an ihr Leben, wir begleiten einander auf dem Weg der Trauer, und wir besinnen uns auf den Gott, von dem unser Leben herkommt und zu dem es im Tode zurückkehrt. In der Auferstehung seines Sohnes Jesus Christus hat er auch uns die Hoffnung auf das ewige Leben geschenkt.

Im Vertrauen auf Jesus singen wir das Lied 391:

1. Jesu, geh voran auf der Lebensbahn! Und wir wollen nicht verweilen, dir getreulich nachzueilen; führ uns an der Hand bis ins Vaterland.

2. Soll‘s uns hart ergehn, lass uns feste stehn und auch in den schwersten Tagen nicht nur über Lasten klagen; denn durch Trübsal hier geht der Weg zu dir.

3. Rühret eigner Schmerz irgend unser Herz, kümmert uns ein fremdes Leiden, o so gib Geduld zu beiden; richte unsern Sinn auf das Ende hin.

4. Ordne unsern Gang, Jesu, lebenslang. Führst du uns durch rauhe Wege, gib uns auch die nöt‘ge Pflege; tu uns nach dem Lauf deine Türe auf.

Wir beten mit Worten aus dem Psalm 103:

2 Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat:

3 der dir alle deine Sünde vergibt und heilet alle deine Gebrechen,

4 der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit,

5 der deinen Mund fröhlich macht, und du wieder jung wirst wie ein Adler.

6 Der Herr schafft Gerechtigkeit und Recht allen, die Unrecht leiden.

8 Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte.

10 Er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden und vergilt uns nicht nach unsrer Missetat.

11 Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, lässt er seine Gnade walten über denen, die ihn fürchten.

13 Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der Herr über die, die ihn fürchten.

14 Denn er weiß, was für ein Gebilde wir sind; er gedenkt daran, dass wir Staub sind.

15 Ein Mensch ist in seinem Leben wie Gras, er blüht wie eine Blume auf dem Felde;

16 wenn der Wind darüber geht, so ist sie nimmer da, und ihre Stätte kennet sie nicht mehr.

17 Die Gnade aber des Herrn währt von Ewigkeit zu Ewigkeit über denen, die ihn fürchten, und seine Gerechtigkeit auf Kindeskind

18 bei denen, die auf Gott vertrauen und gedenken an seine Gebote, dass sie danach tun.

19 Der Herr hat seinen Thron im Himmel errichtet, und sein Reich herrscht über alles.

20 Lobet den Herrn, ihr seine Engel, ihr starken Helden, die ihr seinen Befehl ausrichtet, dass man höre auf die Stimme seines Wortes!

22 Lobe den Herrn, meine Seele!

EG 617: Ich bete an die Macht der Liebe

Liebe Trauerfamilie, liebe Gemeinde!

„Vergiss nicht, was Gott dir Gutes getan hat!“ So erinnert uns der Psalm 103 an die Barmherzigkeit, mit der Gott uns unser Leben schenkt und alles, was wir an Liebe erfahren. „Vergiss nicht, dankbar zu leben“ – denn darin liegt unsere Verantwortung, die uns Gott mit seiner Liebe auferlegt.

Realistisch sieht der Psalm auch, dass wir Menschen verletzbare und sterbliche Gebilde sind, wie Gras, wie Staub, „Dust In The Wind“, wie es in einem modernen Song heißt. Zum Realismus der Bibel gehört aber auch, dass Gott stärker ist als das Leid und der Tod. Damit ist nicht die Stärke eines Herkules oder Supermann gemeint, sondern die Kraft des Menschen, in dem Gott selber Fleisch und Blut angenommen hat: Jesus – in der Krippe geboren und am Kreuz gestorben – hat unser menschliches Leid und unseren irdischen Tod und sogar unsere Sünde auf sich genommen. So ist dieses irdische Leben umschlossen von der Realität Gottes, die wir nur mit den Augen des Glaubens sehen, in kindlichem Vertrauen, wie Jesus Christus es uns vorgelebt hat und wozu uns auch der Psalm 103 auffordert: Vergiss Gott nicht, vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat, vergiss nicht, was du an Liebe erfahren hast und weitergeben kannst!

Das Gegenteil von Vergessen ist Erinnern. Heute erinnern wir uns an das Leben von Frau S. und wollen dabei nicht vergessen, was ihr an Gutem geschenkt war.

Erinnerungen an Freude und Leid im Leben der Verstorbenen

Von anderer Wesensart als ihr Ehemann, fiel es ihr schwerer, Gefühle zu zeigen, doch sie ließ deutlich erkennen, dass sie stolz auf ihre Kinder und ihre Familie war, „dass aus allen Kindern was geworden ist“. Nachdem ihr Mann gestorben war, blieb sie in ihrer vertrauten Wohnung; auch nachdem sie einen Schlaganfall erlitten hatte, fand sie gemeinsam mit der Tochter einen Weg, ihr selbständiges Leben weiterzuführen.

Selbständig war sie auch darin, dass sie kontaktfreudig blieb bis ins hohe Alter. Sie traf sich mit ihren Freundinnen zum Frühstück und war eigentlich jeden Tag unterwegs, um Kontakte zu pflegen. Mag sein, dass sie am Ende ihre Kräfte überschätzte.

Zu ihrem Leben passte es jedenfalls, dass sie nicht zu Hause gestorben ist, sondern dass Gott sie sozusagen unterwegs abgeholt hat, um sie abzuberufen aus diesem Leben. Wie gewohnt war sie beim Kaffeetrinken und wurde nach einem ersten Herzinfarkt notärztlich gut versorgt. Am Abend erlitt sie im Krankenhaus einen zweiten, schwereren Herzinfarkt, an dessen Folgen sie gestorben ist. Wäre sie am Leben geblieben, hätte sie wahrscheinlich mit schlimmen Schädigungen ihres Geistes weiterleben müssen. Insofern war ihr Tod zwar ein plötzlicher Schock und doch auch ein gnädiges Ende.

Gut war vor allem, dass sie nicht allein sterben musste. Die Tochter mit ihrem Mann wurde noch rechtzeitig zur Mutter gerufen, damit sie in ihrer letzten Stunde bei ihr sein konnten.

So blicken wir zurück auf das Leben und auf den Tod von Frau S. und tun dies zwar mit Trauer, doch auch von Dankbarkeit erfüllt: „Vergiss nicht, was Gott dir Gutes getan hat!“

Doch blicken wir heute nicht nur zurück, sondern auch voraus. Es gibt ein Leben nach dem Tod, sowohl für die Hinterbliebenen als auch für die Verstorbene. Für die Lebenden bedeutet der Tod der Frau, die Sie geliebt haben, zunächst: Trauerarbeit. Es gilt, sich den Gefühlen und Gedanken zu stellen, die nun in Ihnen geweckt werden, durch die Lücke, die in Ihrem Leben entstanden ist, durch die Erinnerungen an Frau S., durch die unterschiedliche Art, wie Sie mit der Trauer umgehen.

Doch auch für die Verstorbene selbst gibt es Zukunft. Um darüber nachzudenken, betrachten wir Gedanken des Apostels Paulus aus 1. Korinther 15. Als erstes setzt sich Paulus mit denen auseinander, die die Auferstehung der Toten bestreiten:

12 Wenn aber Christus gepredigt wird, dass er von den Toten auferstanden ist, wie sagen dann einige unter euch: Es gibt keine Auferstehung der Toten?

13 Gibt es keine Auferstehung der Toten, so ist auch Christus nicht auferstanden.

14 Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist unsre Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich.

Der christliche Glaube baut darauf auf, dass Christus lebt. Jesus musste voll und ganz sterben, wie wir alle – hier hinter uns auf dem linken Teil des Fensterbildes sehen wir, wie Josef von Arimathäa seinen toten Leib vom Kreuz abnimmt und seine Mutter Maria ihn betrauert. Doch Gott, der die Menschen geschaffen hat, hat auch die Macht, Tote zum Leben zu erwecken. Er hauchte Jesus, in dem sein eigener Geist gewohnt hatte, neues Leben ein, erweckte ihn vom Tod, allerdings nicht zu einer Fortsetzung des Lebens hier auf der Erde, sondern zum ewigen Leben im Himmel.

Paulus denkt weiter darüber nach, welche Folgen es hätte, wenn Jesus nicht auferweckt worden wäre:

17 Ist Christus aber nicht auferstanden, so ist euer Glaube nichtig, so seid ihr noch in euren Sünden;

18 so sind auch die, die in Christus entschlafen sind, verloren.

19 Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendesten unter allen Menschen.

Die Auferstehung Christi ist nicht allein für ihn selber wichtig, sondern für uns alle. Denn mit seinem Tod am Kreuz wollte man ja Jesus aus dem Weg räumen, der den barmherzigen Gott Israels gepredigt hatte, einen Gott, der vergibt, der das Paradies und das ewige Leben jedem öffnet, der an ihn glaubt. Eigentlich galt jeder, der am Kreuz sterben musste, als von Gott verflucht. Doch Gott in seiner Barmherzigkeit ließ aus dem Fluchholz des Kreuzes ein Siegeszeichen werden: dort oben ist Jesus für die Sünden aller Menschen gestorben, dort oben hat Gott selber in Christus uns allen die Sünden vergeben. Und so müssen wir nicht allein in diesem Leben auf Christus hoffen, denn Gott hat seinen Sohn, zu dem die Menschen ein tödliches Nein sagten, zu neuem Leben erweckt und ein ewiges Ja zu ihm gesagt. Paulus wird nicht müde, zu betonen:

20 Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind.

Und er ist voller Freude darüber, dass der Tod keine Macht mehr über uns hat:

57 Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unsern Herrn Jesus Christus!

Wenn wir uns Gedanken darüber machen, wie das ewige Leben aussieht – auch über diese Frage hat schon Paulus nachgedacht:

35 Es könnte aber jemand fragen: Wie werden die Toten auferstehen, und mit was für einem Leib werden sie kommen?

Paulus weiß, dass die Auferstehung nicht eine einfache Wiederbelebung eines Toten auf dieser Erde ist. Das Bild des Aufstehens vom Schlaf hat einen doppelten Sinn: Erstens ist derjenige, der aufersteht, immer noch die gleiche unverwechselbare Person, die nicht verlorengeht, das heißt, der Tote verschwindet nicht einfach in einem allgemeinen Nirwana. Zweitens ist Auferstehung dennoch mit einer Verwandlung verbunden, die Paulus mit dem Bild von Samenkorn und Pflanze vergleicht:

36 Was du säst, wird nicht lebendig, wenn es nicht stirbt.

42 So auch die Auferstehung der Toten. Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich.

43 Es wird gesät in Niedrigkeit und wird auferstehen in Herrlichkeit. Es wird gesät in Armseligkeit und wird auferstehen in Kraft.

Wir nehmen Abschied von unseren Toten und geben sie hin, dass sie Staub und Asche werden. Dennoch ist ihr Tod der Durchgang zu einem neuen Leben in ewiger Erfüllung. Was hier in diesem Leben unvollkommen ist, was wir hier an Glauben, Liebe und Hoffnung erfahren, das wird dort in Herrlichkeit vollendet sein. Im Vertrauen auf die Auferstehung dürfen wir auch Frau S. getrost loslassen und Gottes barmherzigen Händen anvertrauen. Amen.

Ave Maria

Treuer Gott, wir danken dir für das Leben von Frau S. Wir denken an das Gute, das sie in ihrem Leben erfahren hat, und auch an das Schwere, das sie zu tragen hatte. Gib uns den Glauben, der dir neues Leben zutraut, hier in unserem irdischen Leben und dort in der Ewigkeit.

Steh allen bei, die die Verstorbene schmerzlich vermissen. Gib ihnen die Kraft zu trauern und die Kraft, wieder froh zu werden.

Lass uns jeden Tag aus deiner Hand empfangen und der Verantwortung gerecht werden, die du uns mit dem Geschenk deiner Liebe auferlegst. Lass niemanden von uns allein, wenn er Hilfe braucht. Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden. Amen.

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