Gottes Phantasie schuf uns verschieden

Ein Schüler wird als Nazi beschimpft, weil er versehentlich jemanden angerempelt hat. „Wieso nennst du mich Nazi?“ „Weil du Deutscher bist!“ Jetzt wird es kritisch. Ein Konfirmand meinte: „Dem hätte ich gezeigt, was ein Nazi ist!“ Und schon wäre das Vorurteil bestätigt gewesen. Viel schwerer ist es, auf dumme und böse Vorurteile nicht ebenfalls dumm und böse zu reagieren.

8 x 8 kleine Fotos von vielen verschiedenen Menschen

Gottes Phantasie schuf Millarden verschiedener Menschen (Bild: pixabay.com)

#predigtKonfirmationsgottesdienst am Sonntag Jubilate, den 7. Mai 2006, um 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen
Keyboard-Komposition mit Schlagzeug
zum Einzug der Konfis mit dem Konfi-Team und dem Kirchenvorstand

Im Namen aller Konfis begrüße ich Eltern und Verwandte, Paten und Freunde, das Konfi-Team, den Kirchenvorstand und alle anderen in unserem Gottesdienst zur Konfirmation!

Liebe Konfis, dies ist Euer Gottesdienst! Es geht um Euch in Eurer Beziehung zu Gott und zu Jesus Christus. Konfirmation heißt „Fest-Machen“: Ihr macht heute eure Sache mit Gott und mit der Kirche fest, und ihr bekommt den Segen von Gott, der euch stark machen soll für euer erwachsenes Leben als Christinnen und Christen.

Bevor es richtig losgeht, noch ein paar Ansagen: Um Unruhe zu vermeiden, schalten Sie bitte Ihr Handy aus. Und es soll im Gottesdienst nicht fotografiert werden, vor allem nicht mit Blitz. Nach dem Gottesdienst ist Gelegenheit zum Fotografieren vor der Kirche oder am Altar. Von der Empore aus kann mit Video gefilmt werden.

Noch ein Wort zur Musik: Mit einer eigenen Keyboard-Komposition, individuell begleitet am Schlagzeug, hat diese Konfirmation begonnen. Wer lieber die Orgel hört, ist an einem anderen Sonntag gern hier willkommen; heute bleibt es beim Klang von Keyboard und Schlagzeug, für den ich meinem Dekan Frank-Tilo Becher und meinem Sohn Werner Schütz herzlich danke; dazu kommt gleich auch noch mein bescheidener Beitrag an der Gitarre.

Jetzt noch die Bekanntmachungen: Am letzten Sonntag wurden im Gottesdienst 161 Euro und 23 Cent für Arbeitslosenprojekte unserer Kirche gespendet. Vielen Dank!

Über die heutige Kollekte haben wir Konfirmanden entschieden. Die Spenden werden nachher am Ausgang für den Sozialfonds unserer Paulusgemeinde eingesammelt.

Jetzt konzentrieren wir uns ganz auf die Feier der Konfirmation unter dem Motto: „Gottes Phantasie schuf uns verschieden“.

Wir feiern Konfirmation nicht in unserer eigenen Regie, sondern im Namen Gottes: des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. „Amen.“
Lied: Halleluja, lobt Gott in sein‘m Heiligtum!

Wir beten mit Psalm 139, einem Lied aus der Bibel:

1 Herr, du erforschest mich und kennest mich.

2 Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne.

3 Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege.

4 Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge, das du, Herr, nicht schon wüsstest.

5 Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.

6 Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch, ich kann sie nicht begreifen.

7 Wohin soll ich gehen vor deinem Geist, und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht?

8 Führe ich zum Himmel, so bist du da; bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da.

9 Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten.

13 Denn du hast mich gebildet im Mutterleibe.

14 Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.

16 Deine Augen sahen mich, als ich noch nicht bereitet war, und alle Tage waren in dein Buch geschrieben, die noch werden sollten und von denen keiner da war.

17 Aber wie schwer sind für mich, Gott, deine Gedanken!

23 Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich‘s meine.

24 Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege.

Amen.

Lied: Halleluja, lobt Gott in sein‘m Heiligtum!

Liebe Gemeinde, jeder Konfi-Jahrgang ist ein ganz besonderer mit ganz besonderen Menschen. In diesem Jahr hatten wir sehr viele Mädchen und sehr wenige Jungen. Wir hatten viele Konfis, die aufmerksam waren und gerne lernten, wir hatten keine, die nur ein Interesse am Stören gehabt hätten. Es gab welche, die angemeldet waren, aber nicht bis zum Schluss durchhielten, es gab aber auch welche, die in einem der Jahre vorher aufgegeben hatten und jetzt stolz sagen können: Wir haben es doch noch geschafft!

Nur eins hat mir zeitweise Sorgen gemacht: Ich hatte den Eindruck, nicht alle fühlen sich in der Gesamtgruppe wohl und respektiert. Aber daran haben wir alle gearbeitet, und ich freue mich, dass niemand aus solchen Gründen die Gruppe verlassen hat oder ausgeschlossen werden musste. Alle, denen an ihrer Konfirmation etwas liegt, sind heute gemeinsam hier, um eingesegnet zu werden.

Wenn Sie nun als Gemeinde, als Kirchenvorstand, als Eltern, Geschwister, Verwandte und Freunde unserer Konfis hier sind, dann möchten Sie sich vielleicht auch ein Bild davon machen, wie sie eigentlich zu Gott und zur Kirche stehen.

Sie haben sich ja in diesem Jahr viel stärker als sonst in ihrem Leben mit Gott beschäftigt. Mehrmals haben sie ohne Namensnennung Fragen zu ihrem Glauben beantwortet, und einige von ihnen tragen die Ergebnisse vor. Es sind aber im einzelnen nicht die Antworten, die sie selber gegeben haben.

Einmal sollten sie Aussagen über Gott ankreuzen, die sie persönlich für richtig halten.

Mehr als 10 von uns haben geantwortet: Gott ist Liebe, die mir Mut macht und mich tröstet. Gott verhindert nicht alles Unglück, aber er hilft, das Leid zu tragen. Gott ist mit seiner Liebe stärker als das Böse in der Welt.

Sieben von uns meinen: Gott sitzt auf einer Wolke und sieht von dort auf die Erde herunter. Gott passt auf, was die Menschen machen, straft die Bösen, belohnt die Guten.

Ein paar haben angekreuzt: Gott ist für mich eine Person, wie ein starker Mensch. Gott ist für mich ein alter Mann mit einem langen Bart.

Drei von uns fragen sich, ob es Gott wirklich gibt, weil er das Böse nicht beseitigt.

Drei andere meinen: Gott passt auf die Menschen auf und behütet sie vor allem Unglück.

Noch drei andere finden: Gott ist für mich wie eine mächtige Kraft oder Energie.

Zwei von uns denken: Gott ist zu schwach, um sich in der Welt durchzusetzen.

Aber zwei andere glauben, dass Gott wie ein König im Himmel auf einem Thron sitzt.

Für einzelne von uns ist Gott noch ganz anders: freundlich, mächtig, nett, wie ein großer Engel, jemand, der für einen da ist, oder einfach: gerecht. Er gibt uns Glauben, Frieden und Hoffnung!

Ein anderes Mal sollten die Konfis auf drei Fragen antworten: Wenn du an Gott denkst: Was fällt dir ein? Was siehst du vor dir? Was hast du dann für ein Gefühl?

Die meisten dachten an die Kirche, die Gemeinschaft, das Beten.

Manchen fiel ein: Glauben, Vertrauen und Liebe.

Und einige schrieben: Dass Gott mir hilft. Dass er bei mir ist. Dass er für einen da ist.

Wenn wir an Gott denken, dann haben wir meistens schöne Bilder vor Augen: Liebe und Wärme, Frieden und Freude.

Wenn ich an Gott denke, dann sehe ich den Himmel mit weißen kleinen Wolken. Einen netten Menschen, der Leuten hilft. Oder eine schöne Landschaft mit glücklichen Menschen und Tieren.

Wenn ich an Gott denke, dann sehe ich vor Augen: Meine Trauer und Glück.

Die meisten von uns haben bei Gott ein gutes Gefühl. Zum Beispiel ein ziemlich sicheres Gefühl, dort richtig zu sein.

Einige fühlen sich manchmal schlecht, manchmal gut, je nachdem, was ich mir wünsche.

Eine Antwort war: Ich fühle mich sicher und geborgen.

So viel zum Nachdenken unserer Konfis über Gott.

Aber an Gott glauben ja nicht nur wir Christen, sondern auch Angehörige anderer Religionen. Deshalb bekamen unsere Konfis einmal auch folgende Aufgabe: Wenn dich eine Muslimin oder ein Muslim fragt: „Warum bist du eine Christin, ein Christ?“ Was würdest du antworten? Wieder lesen unsere Konfis nicht in jedem Fall ihre eigenen Stellungnahmen. Es gab vier verschiedene Arten von Antworten. Einige wissen es nicht so genau und schließen sich ihrer Familie an:

Weil es meine Eltern auch sind. Weil meine Familie Christ ist, deswegen. Weil ich als Christ geboren wurde. Weil meine Eltern wollten, dass ich vom Pfarrer getauft werde.

Ich weiß es nicht, warum ich Christin bin. Wahrscheinlich, weil ich evangelisch bin oder so.

Einige äußern sich sehr entschieden für den christlichen Glauben:

Weil ich an Jesus glaube. Weil ich an Gott glaube, weil ich als Christin getauft wurde.

Ich bin Christin aus Überzeugung und Glauben zu Gott! Meine Religion ist mir sehr sehr wichtig.

Zwei Konfis haben geschrieben, sie würden zu einem Muslim sagen: Ich bin Christ, weil ich besser bin als du! Oder: Weil euer Glaube scheiße ist. Ich weiß nicht, ob die beiden sehr ehrlich waren oder ob die Antwort ein Scherz sein sollte.

Andere Konfis bekennen sich zu Gott, ohne sich von den Muslimen abzugrenzen:

Weil ich an Gott glaube und weiß, dass er da ist.

Weil ich an Gott glaube und er mich schon vor dem Tod bewahrt hat, er mich beschützen wird, egal welchen Weg ich gehen werde.

Ich glaube an Gott, seine Gebote. Ich bin froh, auf Gott vertrauen zu können.

Aus den Antworten zu diesem Thema geht schon hervor: Wir dürfen uns nichts vormachen. Das Konfi-Jahr reicht nicht aus, um unsere Jugendlichen alle zu überzeugten und überzeugenden Verkündern des christlichen Glaubens zu machen.

Als wir unsere Konfis einmal fragten, was sie von Jesus halten, wurde deutlich, dass sie sich auch darüber durchaus ihre Gedanken machen und dass diese Gedanken sehr unterschiedlich sind. Einige sagten:

Ich kann mit Jesus nicht viel anfangen, weil er nicht hier ist. Weil ich ihn noch nie gesehen habe. Weil ich ihn nicht sehen und anfassen kann. Weil ich ihn nicht kenne.

Jemand anders schrieb kurz und bündig:

Ich glaube, dass das, was in der Bibel steht, erfunden ist.

Besonders interessant fand ich die Antwort:

Ich kann mit Jesus nicht viel anfangen, weil er zu lieb war.

Aber die meisten unserer Konfis glauben an Jesus und begründen das auch:

Ich glaube an Jesus, weil er Gottes Sohn ist. Weil er den Menschen Glauben gibt.

Weil er und Gott mich trösten und stärken und mit mir meinen Glauben teilen.

Weil er zu dem gestanden hat, was er gesagt hat.

Ich glaube an Jesus, weil er uns Menschen den Glauben an eine bessere Welt gezeigt hat.

Ich glaube an Jesus, weil er hilft und heilt und nur Gutes tut.

Weil er sich für die schlechten und guten Menschen eingesetzt hat.

Und es gibt eine ganze Reihe von Konfis, für die Jesus ein Vorbild sein könnte:

Jesus könnte für mich ein Vorbild sein, weil er vielen Menschen geholfen hat und der Sohn von Gott ist.

Weil er nur Gutes tut und sich von den Menschen nicht abhebt.

Weil er ein ehrlicher, liebevoller und bodenständiger Mensch war und von Gott „persönlich“ anerkannt war.

So viel zu dem, was wir vom persönlichen Glauben unserer Konfi-Gruppe Ihnen heute vorstellen können.

Zuletzt haben wir so viel von Jesus gehört, dass wir an dieser Stelle ein Jesus-Lied mit Ihnen singen wollen, das die Konfis auf der Freizeit kennengelernt haben:

Man sagt, er war ein Gammler
Gott gebe euch ein Herz für sein Wort und Worte für euer Herz. Amen.

Liebe Konfirmandinnen und liebe Konfirmanden, liebe Gemeinde!

Wir haben gehört, was unsere Konfis über Jesus gesagt haben. Wir haben ein Lied über Jesus gesungen. Was war er nun? Gammler, Dichter, Zauberer, Politiker oder der Sohn Gottes?

Wir werden es nur rauskriegen, wenn wir lesen, was er getan und gesagt hat, wenn wir auf ihn hören. Einmal ist Jesus auf einen Berg gestiegen und hat dort seine Bergpredigt gehalten. Da hat er unter anderem gesagt (Matthäus 7, 12-14 – Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift © 1980 by Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart)):

12 Alles, was ihr … von anderen erwartet, das tut auch ihnen! Darin besteht das Gesetz und die Propheten.

13 Geht durch das enge Tor! Denn das Tor ist weit, das ins Verderben führt, und der Weg dahin ist breit, und viele gehen auf ihm.

14 Aber das Tor, das zum Leben führt, ist eng, und der Weg dahin ist schmal, und nur wenige finden ihn.

Eine sehr einfache Regel stellt Jesus auf: „Alles, was ihr von anderen erwartet, das tut auch ihnen!“ Wer sich an diese „Goldene Regel“ hält, meint Jesus, der erfüllt wie von selber alle Gebote, die in der Bibel stehen.

Aber so einfach wie diese Regel klingt, so schwer ist sie zu befolgen. Im Unterricht hatten wir ein Beispiel in einer Kleingruppe: Was macht ein deutscher Schüler, der als Nazi beschimpft wird, nur weil er versehentlich ein ausländisches Kind angerempelt hat? Als der Schüler zurückfragt: „Wieso nennst du mich Nazi?“ bekommt er zur Antwort: „Weil du Deutscher bist!“ Jetzt wird es kritisch. Ein Konfirmand meinte: „Dem hätte ich gezeigt, was ein Nazi ist!“ Und schon wäre das Vorurteil bestätigt gewesen. Viel schwerer ist es, auf dumme und böse Vorurteile nicht ebenfalls dumm und böse zu reagieren. Auch wenn man sich blöd vorkommt, ist es besser, sachlich zu bleiben: „Wieso? Weißt du das nicht? Die meisten Deutschen sind keine Nazis.“

Jesus sagt jedenfalls nicht: „Wie du mir, so ich dir.“ Er sagt nicht: „Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil.“ Er sagt: „Wenn dich jemand ungerecht behandelt, benutze nicht auch du verletzende Worte. Selbst wenn dich jemand bedroht, greife nicht zur Gewalt. Du erwartest, dass du respektiert wirst, dass du nicht bedroht wirst. Darum, was auch immer ein anderer tut, behandele ihn so, wie auch du behandelt werden möchtest.“ Niemand soll Angst haben müssen, nur weil er anders ist als andere. Gott schuf uns nun mal verschieden, und das ist gut so.

Die Goldene Regel zu befolgen, ist aber echt schwer. Darum redet Jesus unmittelbar danach von den beiden Toren und den beiden Wegen. Wer immer und unter allen Umständen andere Menschen mit dem gleichen Respekt behandeln will, wie man das für sich selbst erwartet, der muss manchmal durch ein ganz enges Tor hindurch. Da steht man vielleicht auch mal mehreren Leuten gegenüber, die einen mit dem Messer bedrohen, und man bedauert, dass man selber keins hat. Wer um jeden Preis Gewalt vermeiden will, geht auf einem ganz schmalen Weg, von dem er leicht abstürzen kann. Viel leichter ist es, den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen, mit den Wölfen zu heulen, zu tun, was alle tun.

Wenn ihr ins Erwachsenenleben hineingeht, durch welches Tor werdet ihr gehen? Bei Jesus kann man nicht zwischen Tor 1, Tor 2 und Tor 3 wählen wie in der Zockershow von Jörg Draeger, wo man, wenn man Pech hat, nur einen Zonk gewinnt. Bei ihm gibt es nur das breite und das schmale Tor. Durch das breite geht die große Masse, die nicht viel nachdenkt, nur möglichst viel Spaß will und sich damit am Ende vielleicht zu Tode langweilt. Durch das schmale gehen die, die wirklich leben wollen, indem sie echt bleiben, auch wenn es sie viel kostet. Sie entwickeln eine eigene Überzeugung und stehen zu ihr, treten für die Freunde ein, ergreifen Partei für Schwächere. Auf Messers Schneide liegt immer unser Leben: Ob es gelingt oder nicht. Rutsche ich in die Sucht ab oder meistere ich mein Leben ohne Alk und Drogen? Gebe ich auf, wenn ich stapelweise Ablehnungen meiner Bewerbungen erhalten habe, oder bewahre ich mein Selbstbewusstsein und lasse nicht locker? Lebe ich egoistisch und denke nur an meine eigenen Interessen? Dann, so Jesus, bleibt mein Leben ohne Ziel und am Ende leer. Oder interessiere ich mich auch für andere Menschen und versuche zu helfen, wo ich helfen kann? Dann wird mein Leben spannend sein.

Früher haben die Christen gesagt: „Jesus selbst ist das enge Tor. Nur wer an ihn glaubt, kommt in den Himmel.“ Das klingt fast so wie die Antwort von dem einen Konfirmanden an den Muslim: „Unsere Religion ist besser als eure!“ Aber mit dem engen Tor zum Leben ist genau das nicht gemeint. Wir können uns nicht auf Jesus berufen, wenn wir Juden oder Muslime respektlos behandeln. Mit Überzeugung zum eigenen Glauben stehen: Ja! Aber einen fremden Glauben verachten: Nein! Als Christen in Europa jahrhundertelang Juden verfolgten und zu Außenseitern machten, meinten sie zwar Jesus durch das enge Tor nachzufolgen, aber in Wirklichkeit wurde das Christentum selbst zum breiten Tor, das ins Verderben führte. Als Christen Kreuzzüge gegen den Islam führten, folgten sie nicht mehr Jesus nach, sondern marschierten als mächtige Kirche auf einem breiten und falschen Weg.

Egal wie groß oder klein die Kirche ist, ich meine jetzt nicht das Gebäude, sondern die Gemeinde der Christen, egal ob die Menschen auf das hören, was wir als Kirche sagen oder ob man uns nicht ernstnimmt: Unsere Aufgabe ist und bleibt es, auf dem Weg Jesu zu gehen. Wie gesagt: Jesus will, dass wir die Menschen so behandeln, wie wir auch behandelt werden möchten, in Respekt. Dass wir eintreten für Menschen, die in ihrer Würde missachtet werden.

Der Weg Jesu ist immer schmal: nicht so leicht zu finden und noch weniger leicht zu gehen: ohne Gewalt, offen für Schwache und Benachteiligte. Aber nur dieser Weg führt zum Leben. Amen.

Gott erfülle euch mit aller Freude und mit Frieden im Glauben. Amen.
Lied: Gönnt euch die eigne Gestalt. Lasst euch das eigne Gesicht

Liebe Konfirmandinnen und liebe Konfirmanden! Jetzt kommen wir langsam zu dem Punkt, an dem ihr eingesegnet und damit aus Konfirmanden zu Konfirmierten werdet.

Bevor wir das tun, blicken wir noch einmal zurück auf das vergangene Jahr. Denn es gibt viel, woran ihr euch gern erinnert.

OK, der Unterricht und die Predigten waren für viele manchmal auch langweilig, aber es gab auch Konfis, die sich an alles gern erinnern und sagen:

Was ich aus dem Unterricht in mein Leben mitnehme? Wer Gott ist, was er uns allen Gutes getan hat und dass er uns Frieden gibt! Gott hilft mir.

Alles, was ich zum christlichen Glauben erfahren habe, alle Texte zum Auswendiglernen, meinen Konfirmations- und Taufspruch! Gott ist immer da, egal was passiert.

Schön finde ich, dass es niemanden gab, dem überhaupt nichts gefallen hätte.

Wir denken besonders gern an die Ausflüge, die wir gemacht haben, zum Beispiel in die Weststadt zur Kletterwand oder nach Frankfurt ins Bibelmuseum oder zum Babysitterschnupperkurs in der Familienbildungsstätte.

Am besten hat allen die tolle großartige Konfi-Fahrt gefallen, besonders die Nachtwanderung und die Phantasiereisen und die Kissenschlacht.

Im normalen Unterricht fanden es viele schön, wenn Herr von Weyhe seine kleine Tochter Rebecca mitbrachte.

Auch die Unterrichtspausen waren schön, weil man Tischtennis, Billard oder Kicker spielen konnte.

Besonders gern erinnern sich die Konfis an das Miteinander in der Konfi-Gruppe.

Die meisten haben die Atmosphäre in der Gruppe als freundlich und nett erlebt. Es gab gute Zusammenarbeit und sehr viel Spaß.

Besonders schön war es für die meisten, mit Freundinnen oder Freunden zusammen zu sein oder neue Freunde gefunden zu haben.

Und wenn ihr konfirmiert seid – bei welchen Gelegenheiten werdet ihr wohl in Zukunft mit der Kirche in Kontakt kommen? Darauf hat einer geantwortet:

Wenn ich tot bin.

Jemand anders:

Wenn ich Unterstützung von Gott brauche.

Andere sagten:

An Weihnachten. Wenn mein Kind getauft und konfirmiert wird. Wenn ich heirate. Oder bei Taufen, Konfirmationen, Hochzeiten von Freunden und Verwandten.

Manche von uns werden einfach mal so zum Gottesdienst gehen, wenn wir „Lust am Kirchenbesuch“ haben oder mit der Oma zur Kirche gehen.

Eine meint: Ich werde so oft wie möglich zum Gottesdienst gehen – versprochen!

Auch der Religionsunterricht ist ein Kontakt mit der Kirche, und später im Beruf, dass wir Kirchensteuer zahlen, um die Aufgaben der Kirche zu unterstützen.

Es gibt auch Konfirmandinnen, die beim Kindersonntag oder im Konfi-Team mitarbeiten möchten.

Und eine kleine Gruppe von Mädchen wird schon bald eine Großveranstaltung unsere Kirche mitmachen und beim Jugendkirchentag in Friedberg in einer Fußballmannschaft beim Konfi-Cup mitspielen.

So viel zur Vergangenheit in diesem Konfi-Jahr und zur Zukunft in eurem späteren Christenleben. Jetzt sollt ihr noch einmal gemeinsam euren christlichen Glauben ausdrücken, nicht so wie vorhin ganz individuell, sondern mit dem gemeinsamen Bekenntnis des Glaubens, das ihr gelernt habt und das bereits vor Hunderten von Jahren entstanden ist. Ihr werdet heute konfirmiert, ihr bekennt euch zu Gott – mit vielen Fragen und Zweifeln, die ihr trotzdem habt. Ihr als Konfirmanden sprecht gemeinsam das Glaubensbekenntnis, die Gemeinde betet es still mit. Wir schließen alle gemeinsam mit „Amen.“

Glaubensbekenntnis

Wer englisch kann, darf nun sein Bekenntnis zu Gott noch etwas anders ausdrücken, nämlich mit dem Loblied:

Lord, I Lift Your Name On High

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, nun spreche ich euch für euer Leben als Christen Gottes Segen zu.

Segen ist das, was Gott Euch schenken wird. Gott schenkt eine Menge. Nicht immer das, was man sich wünscht. Er gibt das, was aus eurem Leben ein erfülltes Leben macht.

Ich sage euch den Konfirmationsspruch als ein persönliches Segenswort für euren Lebensweg, und ich segne euch mit einem gemeinsamen Segen, der Euch mit der christlichen Gemeinschaft verbindet.

Einsegnung von 14 Konfirmandinnen und 3 Konfirmanden

Gott ist für euch da wie ein guter Vater
und wie eine gute Mutter.
Jesus macht euch frei zum Leben
und sein Geist lässt in euch Glauben, Hoffnung, Liebe wachsen. Amen.

Gott, begleite die Neukonfirmierten auf ihrem Weg durchs Leben. Lass sie spüren, dass sie wertvolle Menschen sind. Hilf ihnen, verantwortungsvoll ihren eigenen Weg zu gehen, und schenke ihnen Aufmerksamkeit für das, was andere brauchen. Amen.

Worte an die Neukonfirmierten (Kirchenvorsteherin)

Liebe Mädchen und Jungen!

Ihr habt in diesem Jahr viel gelernt und auch viel Spaß miteinander gehabt.

Jetzt seid ihr konfirmiert. Der Kirchenvorstand gratuliert euch herzlich dazu!

Einige von euch wollen im Konfi-Team und beim Kindersonntag mitarbeiten. Darüber freue ich mich sehr.

Für heute wünsche ich euch noch einen schönen Tag!

Das Konfirmandenjahr ist zu Ende. Aber ich habe euch nicht allein bis zu diesem Punkt geführt, sondern ein Konfi-Team stand mir zur Seite, dem ich herzlich danken möchte. Christoph von Weyhe, Michael Bieberle und Felix Keßler bildeten mit mir ein starkes Team, ohne das der Unterricht nicht so lebendig gewesen wäre. Die Paulusgemeinde überreicht euch als Zeichen der Dankbarkeit ein kleines Geschenk und wünscht euch Gottes Segen! Erwähnen möchte ich noch, dass am Anfang des Jahres auch noch Lisa Stolte und Dennis Horrer dabei waren, die später wegen schulischer Belastungen nicht mehr weitermachen konnten. Ein besonderes Dankeschön auch an die Familie von Weyhe, denn der Familienvater und Ehemann wird in der Paulusgemeinde manchmal schon sehr stark beansprucht.

Die Konfirmanden sind eingesegnet, sind keine Konfirmanden mehr, sondern endlich konfirmiert. Gratulationen und Danksagungen sind ausgesprochen. Jetzt können wir uns auf einen weiteren Höhepunkt des Gottesdienst vorbereiten – die gemeinsame Feier des Abendmahles, in der wir die Gemeinschaft mit Christus erfahren, wenn wir uns darauf einlassen.

Bevor wir gemeinsam das Abendmahl feiern, setzen wir einen starken Akzent der Dankbarkeit und Freude und spielen den Song:

The Final Countdown

Wir feiern miteinander das heilige Abendmahl.

Die Konfirmierten empfangen es zuerst gemeinsam hier vorn.

Danach teilen sie es der Gemeinde aus. Sie kommen zu Ihnen in die Bank- und Stuhlreihen und reichen Ihnen Brot in Körben und Saft in Bechern. Bitte geben Sie Brot und Saft weiter.

Niemand muss am Abendmahl teilnehmen. Aber bitte bleiben Sie während der Feier mit uns zusammen. Reichen Sie den Korb oder den Becher einfach weiter.

Gott, du machst uns frei vom Bösen und von der Gleichgültigkeit, frei zum Guten und zur Liebe. In Jesus warst du auf der Erde – die Liebe in Person. Wie man Brot bricht und wie man Wein presst, so setzt er sein Leben für uns ein.

Wir essen das Brot und trinken den Saft der Trauben. Wir teilen, was uns satt macht, und geben weiter, was uns leben lässt.

Vater unser und Einsetzungsworte

Wir singen das Lied 632:

Wenn das Brot, das wir teilen, als Rose blüht

Austeilung des Abendmahls

Wir singen den irischen Segenswunsch auf dem Liedblatt: „Möge die Straße uns zusammenführen“, ein Lied nicht ohne Humor. Und dazwischen bringen unsere Konfirmanden Fürbitten vor Gott, die sie selber formuliert haben, als wir sie fragten: Stell dir vor, Gott will dir etwas schenken, was man nicht für Geld kaufen kann! Was würdest du dir von ihm am allerliebsten wünschen?

Möge die Straße uns zusammenführen und der Wind in deinem Rücken sein

Gott, ich würde so gern Erfolg und Freunde haben, ein schönes Leben, keinen Streit und Krieg.

Gott, ich bitte dich um ausreichend Liebe und Geborgenheit! Dass wir alle eine glückliche Familie haben.

Gott, ich bitte dich, dass ich auf der Suche nach einer Frau fürs Leben DIE bekomme, die ICH will.

Gott, ich bitte dich, dass es meiner Familie gut geht. Mach es möglich, dass eine von uns ihre Familie kennenlernt, die in Amerika lebt.

Gott, ich wünsche mir von dir am allerliebsten Gesundheit und Frieden auf der ganzen Welt. Und dass es keine Zwei-Klassen-Gesellschaft in vielen Ländern gibt.

Führe die Straße, die du gehst, immer nur zu deinem Ziel bergab

Gott, hilf uns auch, dass wir es schaffen, als Christinnen und Christen zu leben. Dass wir auf dich vertrauen und keine Sünden begehen.

Gott, gib mir Einsicht, dass ich nicht gemein zu anderen Leuten bin und mir Gedanken um andere mache.

Gott, hilf mir, dass ich die Menschen gleich behandele und rücksichtsvoll mit den anderen umgehe und sie respektiere.

Gott, mach uns dazu fähig, anderen Menschen zu helfen, an dich zu glauben, wenn sie damit Schwierigkeiten haben.

Hab unterm Kopf ein weiches Kissen

Gott, ich danke dir für dieses Konfirmandenjahr. Für tausend gute Gespräche und kostbare Begegnungen mit den Jugendlichen, für gute Freundschaften und alle Zeichen von Respekt, die möglich waren, für jede Gelegenheit, mit dir in Berührung zu kommen und sich von dir etwas sagen zu lassen. Danke für die, die sich in der Gemeinde engagieren wollen.

Gott, begleite uns mit deiner Liebe an diesem Tag und unser Leben lang. Amen.

Bis wir uns mal wiedersehen, hoffe ich, dass Gott dich nicht verlässt

Ein Kreuz als Geschenk von der Kirche

Der Herr segne Euch und Er behüte Euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über Euch uns sei Euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf Euch und gebe Euch Frieden. „Amen, Amen, Amen.“

Auszug aus der Kirche und Nachspiel mit Keyboard und Schlagzeug

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