„Maria durch ein Dornwald ging“

Kaum zu glauben, dass die Gegenwart des göttlichen Kindes die Dornen zum Blühen bringt. Doch das Wunder wird geschehen: Gottes Sohn lässt allein durch seine Existenz in den Dornwäldern unseres Lebens Rosen wachsen: Trost im Leid, Mut in der Angst, Vergebung in der Schuld, Freude im Grau des Alltags. Gott wird ein Kind.

Eine Schnecke ist einen dornigen Zweig hochgeklettert - für sie ist das wie die Überwindung von einem ganzen Dornwald!

Wie hat es die Schnecke geschafft, die Dornen zu überwinden? (Bild: Lenalensen – pixabay.com)

#gedankeTurmgebet am Donnerstag, 13. Dezember 2001, um 18.00 Uhr im Stadtkirchenturm Gießen

Herzlich willkommen beim Turmgebet im Stadtkirchenturm mitten in der Adventszeit 2001. Wir singen heute als gute Gedanken das Lied „Maria durch ein Dornwald ging“ – viele werden es kennen, für die anderen spreche ich den Text vor, bevor wir ihn gemeinsam singen, er ist ganz einfach.

Im Namen Gottes, der als Schöpfer unser aller Vater ist, im Namen Jesu, der als Sohn des himmlischen Vaters unser Erlöser wurde, und im Namen des Heiligen Geistes, der als die göttliche Liebe des Vaters vollkommen im Sohn wohnte.

Wir singen die erste Strophe des Liedes auf dem Liedblatt:

Maria durch ein Dornwald ging, Kyrie eleison! Maria durch ein Dornwald ging, der hat in siebn Jahr kein Laub getragn. Jesus und Maria.

Menschen gehen durch ihr Leben wie durch einen Dornwald. Kein Laub, keine Früchte. Wo liegt der Sinn von dem, was wir tun? Wo sind Ergebnisse, Erfolgserlebnisse? Die Dornwälder unseres Lebens bringen wir vor dich, Gott, und vertrauen sie dir an – Herr, erbarme dich!

Wir singen die zweite Strophe des Liedes:

Was trug Maria unter ihrem Herzen, Kyrie eleison? Ein kleines Kindlein ohne Schmerzen, das trug Maria unter ihrem Herzen. Jesus und Maria.

Eine Frau und ein Kind in ihrem Leib. War sie wirklich ohne Schmerzen? Vielleicht doch nicht, vielleicht auch nicht ohne Sorgen, immerhin musste der Vater erst lange überlegen, ob er das Kind als sein eigenes anerkennen sollte. Ein Engel musste all seine Überredungskünste aufbieten, um in Josef den liebevollen Vater zum Leben zu erwecken. Jesus und Maria – Hoffnung für die Dornwälder unseres Lebens.

Und die dritte Strophe folgt:

Da haben die Dornen Rosen getragen, Kyrie eleison, als das Kindlein durch den Wald getragen, da haben die Dornen Rosen getragen. Jesus und Maria.

Kaum zu glauben, dass die Gegenwart des göttlichen Kindes die Dornen zum Blühen bringt. Doch das Wunder wird geschehen: Gottes Sohn lässt allein durch seine Existenz in den Dornwäldern unseres Lebens Rosen wachsen: Trost im Leid, Mut in der Angst, Vergebung in der Schuld, Freude im Grau des Alltags. Gott wird ein Kind.

Ich lese, wenn Sie ein wenig Zeit haben, eine adventliche Geschichte über Maria und Jesus von einer Autorin, die wir sonst als Kriminalschriftstellerin kennen, Agatha Christie („Es begab sich aber…“, 1. Erzählung, Seite 7-19):

„Die Versuchung“

Wir singen noch einmal das Lied von vorhin:

1. Maria durch ein Dornwald ging, Kyrie eleison! Maria durch ein Dornwald ging, der hat in siebn Jahr kein Laub getragn. Jesus und Maria.

2. Was trug Maria unter ihrem Herzen, Kyrie eleison? Ein kleines Kindlein ohne Schmerzen, das trug Maria unter ihrem Herzen. Jesus und Maria.

3. Da haben die Dornen Rosen getragen, Kyrie eleison, als das Kindlein durch den Wald getragen, da haben die Dornen Rosen getragen. Jesus und Maria.

Wir beten für Menschen, die auf dem Weg sind. Für Menschen, die auf guten Wegen gehen, dass sie nicht von ihnen abirren. Für Menschen, die auf Abwege geraten sind, dass sie sich wieder zurechtfinden. Für Menschen, die wandern im finsteren Tal, dass du bei ihnen bist, dass dein Stecken und Stab sie trösten. Für Menschen, die im Finstern wandeln, dass sie wieder Licht sehen. Denn dein Licht weist den Weg, der zur Hoffnung führt.

Wir beten für Menschen, die schnell auf ihrem Weg voraneilen, dass sie die Einsicht finden, auch einmal innezuhalten, zu prüfen, ob sie auf dem richtigen Weg sind, ob die Richtung noch stimmt, ob auch die Begleiter das Tempo noch mithalten können. Denn auf dem Weg nach Bethlehem muss man nicht der Schnellste sein, auf dem Weg zum Jesuskind bleibt niemand auf der Strecke, auf dem Weg zu dem Gott in der Krippe kommt jeder ans Ziel.

Wir beten auch für Menschen, die müde geworden sind auf ihrem Weg, dass sie es sich ruhig gönnen, hin und wieder eine Rast einzulegen, dass sie nicht zu stolz sind, um sich ein Stück des Wegs mitnehmen zu lassen, und dass sie einmal überprüfen, ob sie nicht längst am Ziel angelangt sind. Denn der Weg nach Bethlehem ist gar nicht so weit, wie wir denken. Der Weg zum Jesuskind ist nicht weiter als der Weg zum Herzen eines anderen Menschen. Bei dem Gott in der Krippe kommt der, der am Ende ist, als allererster an.

Schließlich beten wir für Menschen, die auf ihrem Weg in eine Sackgasse geraten sind, dass sie den Mut finden, innezuhalten, sich umzuschauen, umzukehren. Denn wer in die falsche Richtung gelaufen ist, braucht sich dafür nicht zu schämen. Wer sich noch auf den Weg nach Bethlehem machen will, muss keine Angst haben, zu spät zu kommen. Der Gott, der ein Kind wurde, stößt niemanden zurück, der sich nach ihm sehnt.

Gott, zeige uns das Licht deiner Weihnacht. Denn dein Licht weist den Weg, der zur Hoffnung führt. Amen.

Vater unser

Wer möchte, kann noch Kerzen anzünden oder etwas in das Buch schreiben oder einen Stein auf dem Altar loswerden, der ihm auf der Seele lastet. Morgen wird auch wieder zum Turmgebet eingeladen – jeden Tag von Montag bis Freitag ist ab 17.45 Uhr der Stadtkirchenturm geöffnet.

Geht mit Gottes Segen:

Gott, der Herr, segne euch, und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch Frieden. Amen.

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