Redende Steine

Panoramabild der Teilnehmer am Gottesdienst unterwegs "Redende Steine"

Panoramabild der Teilnehmer am Gottesdienst unterwegs „Redende Steine“

Wohl denen, die vor Gott in Heiligkeit wandeln. Wandeln, das tun wir heute buchstäblich, indem wir Stationen auf dem Friedhof ansteuern. Wir machen an einigen Grabsteinen Halt – zum Hören, zum Singen und zum Beten. „Redende Steine“, so lautet heute das Thema. Denn die in Grabsteine eingravierten Symbole und Worte können ebenso zu uns reden wie manche der Steine selbst.

Gottesdienst unterwegs am Sonntag, 19. September 2010, 17.30 Uhr auf dem Friedhof am Rodtberg Gießen
Treffpunkt am Friedhofseingang

Bläserkreis beim Vorspiel auf dem Friedhofsvorplatz

Vorspiel Bläserkreis
Station 1: Friedhofsvorplatz (Pfarrer Helmut Schütz)

Herzlich willkommen zum Gottesdienst unterwegs auf dem Neuen Friedhof! Zum vierten Mal feiern wir als Paulusgemeinde einen Gottesdienst um halb 6 nicht in der Pauluskirche, sondern hier im Freien, und zum ersten Mal tun wir dies in ökumenischer Zusammenarbeit gemeinsam mit Dekan Mäurer von der Gemeinde St. Thomas Morus. Eine Premiere besteht auch darin, dass dieser Gottesdienst heute als Veranstaltung nicht für sich allein dasteht, sondern den „Tag des Friedhofs“ abschließt, zu dem das Gartenamt der Stadt Gießen gemeinsam mit Bestattern eingeladen hat. Vom „Team halb 6“ der Evangelischen Paulusgemeinde gestalten außer mir – Pfarrer Schütz – auch Frau Engel und Frau Schau den Gottesdienst mit. Musikalisch begleitet uns ein Bläserkreis unter der Leitung von Alfred Joswig.

Als erstes singen wir das Lied 295:

1. Wohl denen, die da wandeln vor Gott in Heiligkeit, nach seinem Worte handeln und leben allezeit; die recht von Herzen suchen Gott und seine Zeugniss‘ halten, sind stets bei ihm in Gnad.

2. Von Herzensgrund ich spreche: dir sei Dank allezeit, weil du mich lehrst die Rechte deiner Gerechtigkeit. Die Gnad auch ferner mir gewähr; ich will dein Rechte halten, verlass mich nimmermehr.

3. Mein Herz hängt treu und feste an dem, was dein Wort lehrt. Herr, tu bei mir das Beste, sonst ich zuschanden werd. Wenn du mich leitest, treuer Gott, so kann ich richtig laufen den Weg deiner Gebot.

4. Dein Wort, Herr, nicht vergehet, es bleibet ewiglich, so weit der Himmel gehet, der stets beweget sich; dein Wahrheit bleibt zu aller Zeit gleichwie der Grund der Erden, durch deine Hand bereit‘.

Bläserkreis

Der Bläserkreis unter der Leitung von Alfred Joswig (Foto: Sonja Hähner)

Wohl denen, die vor Gott in Heiligkeit wandeln. Wandeln, das tun wir heute buchstäblich, indem wir uns nun aufmachen, um verschiedene Stationen auf dem Friedhof anzusteuern. Wir machen an einigen Grabsteinen halt – zum Hören, zum Singen und zum Beten. „Redende Steine“, so lautet heute das Thema. Denn die in Grabsteine eingravierten Symbole und Worte können ebenso zu uns reden wie manche der Steine selbst.

Lasst uns diesen Gottesdienst feiern im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. „Amen.“

Wir gehen nun zur zweiten Station, dem ersten Stein, der zu uns reden will.

Station 2: „Evolution“ (Dekan Januarius Mäurer)

Grabstein mit Kreuz und Ammoniten, darunter Inschrift: "Alles ist Evolution - auch der Tod."Wir haben diesen Stein überschrieben mit dem Wort Evolution. Kreuz und die Andeutung des versteinerten Ammoniten sind nebeneinander gestellt.

Steine sind immer sprechend. Sie erzählen von ihrer Herkunft. So können sie aus der Lava des Erdmittelpunktes stammen oder sie können sich gebildet haben über die Jahrhunderttausende von Ablagerungen auf dem Meeresgrund, ihre Farben, ihre Herkunft, ihre millionenjahrelange Geschichte. Sie führt uns, lange bevor es den Menschen gab, in die Geschichte unserer Erde und wir stellen den Gedanken unter das Wort der Heiligen Schrift. So lesen wir im 1. Buch Mose – Genesis 1, 20-25:

20 Und Gott sprach: Es wimmle das Wasser von lebendigem Getier, und Vögel sollen fliegen auf Erden unter der Feste des Himmels.

21 Und Gott schuf große Walfische und alles Getier, das da lebt und webt, davon das Wasser wimmelt, ein jedes nach seiner Art, und alle gefiederten Vögel, einen jeden nach seiner Art. Und Gott sah, dass es gut war.

22 Und Gott segnete sie und sprach: Seid fruchtbar und mehret euch und erfüllet das Wasser im Meer, und die Vögel sollen sich mehren auf Erden.

23 Da ward aus Abend und Morgen der fünfte Tag.

24 Und Gott sprach: Die Erde bringe hervor lebendiges Getier, ein jedes nach seiner Art: Vieh, Gewürm und Tiere des Feldes, ein jedes nach seiner Art. Und es geschah so.

25 Und Gott machte die Tiere des Feldes, ein jedes nach seiner Art, und das Vieh nach seiner Art und alles Gewürm des Erdbodens nach seiner Art. Und Gott sah, dass es gut war.

Dekan Januarius Mäurer spricht an der Station 2: "Evolution"

Dekan Januarius Mäurer spricht an der Station 2: „Evolution“

Gott ist es, der zu uns spricht durch die Schöpfung. So dürfen wir auch diese sprechenden Steine als einen Bestandteil dieser Schöpfung sehen. Wenn ein Mensch, wie hier Herr Walta, diesen Stein auf sein Grab gesetzt hat, hat ihn diese Schöpfung bewegt. Er will zu diesem lebendigen Gott der Schöpfung in Jesus Christus finden. So dürften wir in diesem Stein ein Stück Gebet des Verstorbenen, aber auch für diesen Verstorbenen sehen. Vielen Dank. Wir gehen nun ein wenig weiter unseren Weg.

Station 3: „Blick nach oben“ (Pfarrer Helmut Schütz)
Pfarrer Helmut Schütz

Pfarrer Helmut Schütz (Foto: Sonja Hähner)

Relief eines Mannes, der in die Luft guckt, auf einem Grabstein

Blick nach oben

Hier halten wir nur kurz inne und betrachten nur im Vorbeigehen diesen Mann, der nach oben schaut.

Wohin genau geht sein Blick? Ist er ein Hans-guck-in-die-Luft, der in den Tag hineinlebt? Oder ist sein Blick in den Himmel gerichtet; sucht er Hoffnung und Trost bei Gott?

Die Worte auf dem Stein sind verwittert, waren für uns nicht zu entziffern. Aber für uns war der Stein sehr beredt – er regt uns an, der Aufforderung des Liedes zu folgen (EG 394): „Nun aufwärts froh den Blick gewandt…“

1. Nun aufwärts froh den Blick gewandt und vorwärts fest den Schritt! Wir gehn an unsers Meisters Hand, und unser Herr geht mit.

Station 4: „Strenger Engel“ (Helmut Schütz)

Ein streng blickender Engel als Relief auf einem hohen GrabsteinAn dieser Station wollen wir einen Engel betrachten und uns von ihm auf die weitere Reise über den Friedhof senden lassen. Als wir unsere Reiseroute über den Friedhof bei einem zweiten Treffen genau festlegen wollten, hatten wir Mühe, ihn wiederzufinden, denn er versteckt sich im Grün zweier gewaltiger Büsche. Es ist wie im richtigen Leben: Oft fällt es uns schwer, die Engel wahrzunehmen, die uns umgeben, uns behüten und bewahren oder auf eine neue Spur bringen wollen.

Dieser Engel blickt streng. Oder auch einfach ernst. Er steht auf dem Friedhof, an einem Ort, an dem man normalerweise traurig oder wenigstens ernst ist. Engel sind Botschafter von Gott. Sie mahnen uns, dass wir unser Leben mit Ernsthaftigkeit führen, dass wir bedenken, wie kurz und kostbar unser Leben ist. Doch Ernsthaftigkeit ist nicht mit Dauertrauer oder Miesepetrigkeit zu verwechseln. Die Engel der Bibel mahnen immer zuerst: Fürchtet euch nicht! Und sie verkünden oft genug Freude, die unser Leben verwandelt, die stärker ist als Sünde und Tod.

Wir singen das Lied 559:

Welcher Engel wird uns sagen, dass das Leben weitergeht
Gottesdienstteilnehmer beim Gottesdienst unterwegs

Gemeindegesang beim Gottesdienst unterwegs (Foto: Sonja Hähner)

Station 5: „Psalm 36“ (Lieselotte Schau und Dekan Januarius Mäurer)

Auf diesem Grabstein steht ein Wort aus dem Psalm 36. Wir hören Psalm 36, 6-10:

6 HERR, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist, und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.

7 Deine Gerechtigkeit steht wie die Berge Gottes und dein Recht wie die große Tiefe. HERR, du hilfst Menschen und Tieren.

8 Wie köstlich ist deine Güte, Gott, dass Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel Zuflucht haben!

9 Sie werden satt von den reichen Gütern deines Hauses, und du tränkst sie mit Wonne wie mit einem Strom.

10 Denn bei dir ist die Quelle des Lebens, und in deinem Lichte sehen wir das Licht.

Ein Steinkreuz mit Wort aus Psalm 36: "Bei dir ist die Quelle des Lebens..."Der 36 Psalm verlangt ein Hineinspüren in die Situation eines Klagenden. Langsam kann er sich aus dieser Enttäuschung befreien und findet hin zu Worten des Lobes und der Bitte an Gott. Sicher spricht die Kreuzform dieses Steines eine ganz besondere Sprache. Es ist das Grab eines Pfarrers, wir können sein relativ bescheidenes Lebensalter erkennen. Wir dürfen annehmen, dass auch er immer wieder diese Erfahrung des Psalmbeters machte, aus der Klage, aus der Bedrückung neu hinfinden zum Vertrauen auf Gott. Und selbst die Erfahrung des Todes wird dann zur Quelle des Lebens, wie das Wort es sagt. Gottes Zusage in besonderer Weise durch Jesus Christus will diese Sicherheit vermitteln. So wie wohl auch der Verstorbene diese Sicherheit immer wieder vermitteln wollte und den Menschen weitergeben will. Wir hören diese Sprache des Steins. Lassen Sie uns deshalb noch einmal diesen Gedanken vertiefen in einigen Liedstrophen (Gotteslob 289, 1-2):

Herr, deine Güt ist unbegrenzt
Station 6: „Styx und Phönix“ (Gaby Engel)

Große Stein-Stele mit Kreuz oben drauf und den Symbolen für Styx und PhönixWir können auf diesem Grabstein zwei Symbole erkennen, auf der linken Seite sehen wir die Darstellung des Flusses Styx, er stellt in der griechischen Mythologie die Grenze zwischen der Welt der Lebenden und dem Totenreich dar. Auch die ersten Christen glaubten an ein Totenreich, denn noch heute bekennen wir, Jesus sei hinabgestiegen in das Reich des Todes; obwohl wir ein völlig anderes Weltbild haben als die Menschen damals in der Antike. Für mich ist dies ein Symbol für den Abschied, den wir nehmen müssen, wenn wir unsere Verstorbenen zu Grabe tragen. Oftmals fragen wir uns, ob wir jemals aus unserem Tal der Trauer heraus kommen werden.

Darauf gibt uns das rechte Symbol eine positive Antwort, es zeigt uns den Phönix, den Vogel, der verbrennt und aus seiner eigenen Asche wieder neu hervorgeht. Für uns Christen ist er nämlich das Symbol der Auferstehung und somit des ewigen Lebens für alle, die an Christus glauben. Denn Jesus selbst sagte im Evangelium nach Johannes 11, 25-26:

Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben.

Somit sagt uns dieser Stein: Dein Schmerz über den Verlust eines geliebten Menschen ist groß, und er wird auf diese Erde nicht mehr zurückkehren, aber du darfst darauf hoffen, ihn im Kreise der Lebendigen wieder zu sehen!

Der Weg zur nächsten Station ist nicht weit; wir wenden uns einfach auf die andere Seite dieses Weges und sind schon bei unserer Station 7.

Station 7: „Finger auf dem Mund“ (Pfarrer Helmut Schütz)

Ein Gesicht mit Kopftuch, geschlossenen Augen und einem Finger auf dem Mund, darunter ein KreuzWir haben Steine laut reden hören in Bibelworten und in eindrucksvollen Symbolen. Hier will ein Stein gerade nicht reden, sondern er lädt zum Verstummen ein. Ein Mensch legt seinen Finger auf den Mund, mit geschlossenen Augen scheint er angesichts von Trauer und Leid nichts sagen zu können oder zu wollen. Und er fordert auch uns andere auf: Macht nicht leere Worte. Versucht nicht zu trösten, wo Worte versagen, wo der Schmerz zu groß ist und es besser ist, schweigend beieinander auszuharren und die Trostlosigkeit auszuhalten.

In der Bibel ist es Hiob, der sich von Gott ungerecht bestraft weiß und sich nicht einreden lässt, er sei selber schuld an seinem Elend. Er weiß, dass er gegen den gewaltigen Gott ein Nichts ist, aber er hört nicht auf, hinter der Fassade des unergründlichen und gewaltigen Gottes, den er jetzt erfährt, an den barmherzigen und gerechten Gott zu appellieren, den er früher erfahren hat. Aber so lange ihm Gott so fremd geworden ist wie nie, beschließt er, ihm gegenüber zu verstummen (Hiob 40, 4):

4 Siehe, ich bin zu gering, was soll ich antworten? Ich will meine Hand auf meinen Mund legen.

Am Ende bekommt Hiob Recht. Der barmherzige Gott Israels wird für ihn wieder erkennbar hinter dem Bild eines Gottes, der angeblich willkürlich ein grausames Schicksal verhängt.

Als Gott sich selbst in Jesus offenbarte, wurde endgültig klar: Gott steht auf der Seite der Trostlosen und drückt sie nicht noch tiefer zu Boden. Gott selber ist da, wo Menschen einsam sterben, er steht an der Seite jeder verzweifelten Seele. Davon singen wir aus dem Lied 616 die Strophen 2 und 3: Der Bläserkreis begleitet den Gesang der Gemeinde

Auf der Spur des Hirten führt der Weg durch Einsamkeit
Station 8: „Baum ohne Äste“ (Dekan Januarius Mäurer)

Ein Baumstumpf mit abgehauenen Ästen, aus denen aber neues Laub sprießtDieser Stein nun stellt eine Menge Fragen und macht auch wohl etwas betroffen. Beim Blick auf das Wort „Auschwitz“ kommt uns die bittere Erinnerung eines grausamen Mordens in den Sinn. Hier bei diesem Stein sind es nicht jüdische Mitbürger gewesen, sondern Sinti, Roma. Menschen, die aufgrund ihrer Andersartigkeit nicht nur verfolgt wurden und werden, sondern in den Tod geschickt wurden. Bei diesem Stein ist noch etwas ganz anderes an Sprache zu spüren. Diese überaus gute Pflege zeigt, dass hier noch ein fürsorgender Mensch da ist. Die ganze Grabanlage zeigt uns dies, wunderbaren Blumen und die Pflege, sondern hier ist eine pflegende Hand am Werk. So steht dieser Baum mit den abgeschnittenen Ästen in einer ganz besonderen Spannung an diesem schön gepflegten Platz. Der grausame Mord steht im Gegensatz zu der Glaubensaussage. Wir denken an Paulus, der uns in 1. Korinther 15, 54-55, den Gedanken aus Jesaja und Hosea nahe bringt:

54 »Der Tod ist verschlungen vom Sieg.

55 Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?«

Der Blick hin auf den Stein, die abgeschnittenen Äste, die Lebensarme, sie beginnen neu zu wachsen. Neues Leben in der Auferstehung. So will uns dieses große Vertrauensbild, dieses große Vertrauenswort dieses Steines zusprechen.

Station 9: „Buch der Stunden“ (Lieselotte Schau)

Grabstein als liegendes aufgeschlagenes Buch: "Glückliche Stunden..."Hier redet ein Stein in der Form eines aufgeschlagenen Buches. Wir hören seine einfache Botschaft, die unmittelbar einleuchtet:

„Glückliche Stunden – nicht weinen, weil sie vorüber, sondern lächeln, weil sie gewesen sind. Traurige Stunden – vergiss, doch was sie dich lehren, nie.“

Und wir singen das Lied 170 vom Lachen und Weinen, das gesegnet sein wird:

Komm, Herr, segne uns, dass wir uns nicht trennen
Station 10: „Leuchten“ (Gaby Engel)

„Was vergangen kehrt nicht wieder
Aber ging es leuchtend nieder
Leuchtet’s lange noch zurück“.

Gaby Engel spricht an der Station 10: "Leuchten"

Gaby Engel spricht an der Station 10: „Leuchten“

So lautet die Inschrift auf diesem Grabstein. Für mich stecken da mehrere Botschaften darin. Zum einen drückt der Spruch Vergänglichkeit aus, zum anderen aber steckt darin auch Tröstendes. Denn jeder Verstorbene hinterlässt Spuren, an die wir uns erinnern dürfen.

Ich habe hier eine Trauerkarte, die dies sehr schön anspricht.

„Erinnerungen sind die kleinen Sterne, die in das tröstende Dunkel unserer Trauer leuchten.“

Ja, wir dürfen trauern, wir dürfen uns erinnern, aber wir sollen auch leben. Denn wir müssen aufpassen, dass wir nicht in der Vergangenheit stecken bleiben. Womöglich hat der Verstorbene uns ja auch Aufgaben hinterlassen, die wir in seinem Namen erfüllen sollen.

In unserer heutigen Zeit werden oftmals Stiftungen ins Leben gerufen, um im Namen des Toten zu helfen oder seinem Tod einen Sinn zu geben, wenn er unerwartet eintrat.

Wir alle haben den Auftrag, die Erinnerung an Jesus Christus aufrecht zu erhalten und unser Leben in seinem Sinne zu führen, so dass die Welt in Gottes Liebe erstrahlt.

Station 11: „Amen sagen“ (Dekan Januarius Mäurer und Pfarrer Helmut Schütz)

Grabstein-Inschrift: "Herr, lass uns Amen sagen..."Die Worte auf diesem Stein: „Herr, lass uns Amen sagen mit einem kleinen Stück Gerechtigkeit, mit einem kleinen Wort Güte, mit einer kleinen Geste Frieden.“ Sind diese Worte, die reden und die uns anregen, auch unser Amen, unsere Bitte hinein zu sprechen in unseren bewegten Gottesdienst. So wollen wir Fürbitte halten.

Wir beten für alle, die an den Rand des gesellschaftlichen Lebens gedrückt sind, für die oft Türen verschlossen sind zu einem weiteren Leben, die durch Krankheit, Arbeitslosigkeit und Alter nicht am vollen Leben teilnehmen können, dass sie Liebe erfahren.

Wir denken an die Menschen, für die morgen wieder der Alltag beginnt, dass sie in den Belastungen, die auf ihnen ruhen, sich nicht selbst vergessen.

Auch die, die keine Arbeit haben, dass sie wieder zu Mut und Hoffnung finden.

Für die, die einen Neuanfang suchen, dass sie den Mut haben, weiterzugehen.

Wir denken an Menschen, die Liebe verlernt haben, die gnadenlos und hart geworden sind, weil sie durch Enttäuschungen und Verbitterungen gegangen sind. Lass sie neu von Liebe und Güte bewegt werden.

Für die Menschen, die nach Freiheit und Gerechtigkeit hungern, weil sie ihren Glauben nur im Geheimen und unter Gefahren bekennen können. Stärke sie.

Und wir bitten auch für die Menschen, die nach Gemeinschaft hungern, weil sie sich zurückgezogen haben oder an Einsamkeit leiden weil ihnen keiner mehr zuhört.

Dekan Januarius Mäurer und Pfarrer Helmut Schütz (Foto: Sonja Hähner)

Dekan Januarius Mäurer und Pfarrer Helmut Schütz (Foto: Sonja Hähner)

Wir beten für alle, die verstorben sind, dass sie die Menschen erinnern, immer wieder zurück zu finden zum Leben, zur Gerechtigkeit und zum Frieden.

Insbesondere beten wir heute für ein verstorbenes Mitglied der Paulusgemeinde, für …, der im Alter von 90 Jahren gestorben ist und in der vergangenen Woche auf diesem Friedhof christlich bestattet wurde. Wir danken für sein Leben, das wie ein Licht in das Leben derer hineinleuchtete, die ihm nahestanden; wir bitten für ihn, dass er in der Gegenwart deines Lichtes ewig im Frieden lebt; wir bitten für seine Angehörigen, dass sie in ihrer Trauer deinen Trost erfahren und als Kinder des Lichts leben.

Vielfältig sind die Bitten, die uns auf diesem Weg in den Sinn gekommen sind. Wir wollen sie in der Stille vor Gott tragen.

Gebetsstille und Vater unser
Station 12: „Letzte Schicht“ (Pfarrer Helmut Schütz)

Letzte Schicht eines Bergmannes - Relief auf einem GrabsteinDie letzte Station zeigt wie vorhin am Anfang einen Mann, der nach oben blickt. Hier ist es ein Bergmann, der sein Arbeitsleben lang unter Tage im Dunkeln geschafft hat und zum Ende der Schicht froh war, wieder ans Tageslicht zu gelangen. „Vollbracht ist die Schicht, nun aufwärts zum Licht.“ So drückt diese Bergmannsfamilie ihre Zuversicht aus, dass die hier bestatteten Bergleute nach dem Ende ihres Lebens in ein noch viel herrlicheres Licht eingehen als das Licht des irdischen Tages. Unser Tag geht jetzt bald zur Neige, bald geht die Sonne unter. Auch unsere Gottesdienstschicht ist vollbracht. Dieser ganze Gottesdienst war nichts anderes als ein Versuch, Grabsteine zu uns reden zu lassen, um Licht in unsere Herzen zu bringen. Ich hoffe, es ist uns gelungen.

Abkündigungen

Geht mit dem Segen Gottes, begleitet durch das Licht seiner Liebe, in den Abend dieses Sonntags und zurück in den Alltag eures Lebens:

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er hebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. Amen.

Glockenturm der Kapelle auf dem Neuen Friedhof Gießen

Glockenturm der Kapelle auf dem Neuen Friedhof Gießen

Herzlich danke ich an dieser Stelle noch einmal dem Bläserkreis unter der Leitung von Herrn Joswig, der uns musikalisch begleitet hat!

Wir singen aus dem Lied 590 die Strophen 1 und 2:
Herr, wir bitten: Komm und segne uns; lege auf uns deinen Frieden

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