„Marie, die reine Magd“ im Spiegel der Presse

Wie „IDEA“, die „Welt am Wochenende“ und „Kein anderes Evangelium“ auf einen umstrittenen Artikel eingehen

Der ideaPressedienst vom 26.3.1998 (www.idea.de) zitiert meinen Artikel in folgendem Beitrag. Ich danke für die Erlaubnis, ihn hier zu veröffentlichen.

Evangelischer Theologe hält Jesus für ein Inzestkind

Hessen-nassauischer Pfarrer: Maria wurde von ihrem Vater vergewaltigt

Schütz: Identifikationsmöglichkeit für Opfer sexueller Gewalt

Speyer (idea) – Maria ist möglicherweise von ihrem Vater vergewaltigt worden; aus dieser Beziehung ist Jesus hervorgegangen. Diese Theorie stellt der evangelische Theologe Helmut Schütz (Alzey) auf. Der Krankenhauspfarrer beschäftigt sich mit Opfern sexuellen Missbrauchs. In einem Artikel im Deutschen Pfarrerblatt (Speyer), das vom Verband der Vereine evangelischer Pfarrerinnen und Pfarrer in Deutschland herausgegeben wird, geht er noch einen Schritt weiter als der umstrittene Theologieprofessor Gerd Lüdemann (Göttingen), der sich inzwischen nicht mehr als Christ bezeichnet. Lüdemann geht zwar ebenfalls von einer Vergewaltigung Marias aus, aber ohne den Täter genau einzugrenzen. Im Unterschied zu Lüdemann hält Schütz jedoch die biblischen Aussagen, Jesus sei vom Heiligen Geist gezeugt und von der Jungfrau Maria geboren, nicht einfach für eine Verfälschung historischer Gegebenheiten, sondern „für die theologische Deutung eines mit Gottes Hilfe bewältigten schrecklichen Geschehens“. Wie der hessen-nassauische Pfarrer weiter schreibt, könne er die Annahme, dass Maria von ihrem eigenen Vater vergewaltigt wurde, zwar nicht beweisen, aber eine Reihe von Hinweisen ließen dies zumindest denkbar erscheinen. Außerdem eröffne seine Theorie Identifikationsmöglichkeiten für Opfer sexueller Gewalt, die in der Bibel Trost suchen. Ihm stelle sich die Frage, wie – nach dem biblischen Zeugnis – Maria die Erfahrung eines sexuellen Mißbrauchs verkraften konnte. Schütz: „Wenn man einen solchen Gedanken weiterhin nicht einmal denken darf, wird die Tradition des Totschweigens sexueller Gewalt fortgesetzt.“ Als Seelsorger nehme er das Recht für sich in Anspruch, einem Inzestkind zu sagen: „Vielleicht wurde auch Maria schwanger von ihrem eigenen Vater, und Jesus schien ein Kind der Schande zu sein, und dennoch verlor er nicht seine Heiligkeit.“

„Biblische Legenden“ als Bewältigung sexuellen Mißbrauchs lesen

Zu überprüfen sei, „ob sich die biblischen Legenden (Lukas 1,26-56 und Matthäus 1) als Geschichten der Bewältigung einer so traumatischen Situation wie des sexuellen Mißbrauchs lesen lassen“. Während Lukas die Situation Marias darstelle und der Frage nachgehe, wie ein sexuell mißbrauchtes Mädchen mit seiner Situation fertigwerde, so schildere Matthäus die Sichtweise ihres Verlobten, Josef.

Missbrauchte Mädchen flüchten sich oft in Halluzinationen

Schütz stellt Parallelen zwischen den Erfahrungen von Frauen, die von ihren Vätern vergewaltigt wurden, und den biblischen Texten her. Dies gelte beispielsweise für das Erschrecken Marias über die Botschaft des Engels, der ihr die Nachricht ihrer Schwangerschaft überbringt: „Es kommt häufig vor, dass sich missbrauchte Mädchen eine ideale Phantasiewelt aufbauen und auch Visionen oder Halluzinationen zur Bewältigung ihrer Situation nutzen.“ Der Theologe weiter: „Ist sie ein missbrauchtes Kind, kann sie sich, angesprochen als Begnadete, zunächst nur abwehrend als der Liebe Gottes unwürdig empfinden, denn sie ist wie alle Opfer sexueller Gewalt von Schuldgefühlen geplagt.“

Jubelpsalm einer Frau, die nach einer Vergewaltigung Trost erfährt

Auch die Aussage Marias, das sie „von keinem Mann wisse“, sei denkbar bei einem vom Vater missbrauchten Kind. Viele verdrängten das schreckliche Geschehen und flüchteten sich in eine Phantasiewelt. „Das Maria in den Mund gelegte Magnifikat“ (Lukas 1,46-55) lasse sich lesen als „Jubelpsalm einer jungen Frau, die nach dem Erlebnis massiver sexueller Gewalt Trost und Bewahrung erfahren hat“.

 

Auch im Nachrichtendienst IDEA SPEKTRUM (www.idea.de) wurde mein Artikel in der Ausgabe 14/1998 in folgendem Beitrag zitiert:

Wurde Maria von ihrem Vater vergewaltigt?

Ein Pfarrer geht im „Deutschen Pfarrerblatt“ noch weiter als Gerd Lüdemann

Maria ist möglicherweise von ihrem Vater vergewaltigt worden; aus dieser Beziehung ist Jesus hervorgegangen. Diese Theorie stellt der evangelische Theologe Helmut Schütz (Alzey) auf. Der Krankenhauspfarrer beschäftigt sich mit Opfern sexuellen Missbrauchs. In einem Artikel im Deutschen Pfarrerblatt, das vom Verband der Vereine evangelischer Pfarrerinnen und Pfarrer in Deutschland herausgegeben wird, geht er noch einen Schritt weiter als der umstrittene Theologieprofessor Gerd Lüdemann, der sich inzwischen nicht mehr als Christ bezeichnet. Lüdemann geht zwar ebenfalls von einer Vergewaltigung Marias aus, aber ohne den Täter genau einzugrenzen. Im Unterschied zu Lüdemann hält Schütz jedoch die biblischen Aussagen, Jesus sei vom Heiligen Geist gezeugt und von der Jungfrau Maria geboren, nicht einfach für eine Verfälschung historischer Gegebenheiten, sondern „für die theologische Deutung eines mit Gottes Hilfe bewältigten schrecklichen Geschehens“. Wie der hessen-nassauische Pfarrer weiter schreibt, könne er die Annahme, dass Maria von ihrem eigenen Vater vergewaltigt wurde, zwar nicht beweisen, aber eine Reihe von Hinweisen ließen dies zumindest denkbar erscheinen. Außerdem eröffne seine Theorie Identifikationsmöglichkeiten für Opfer sexueller Gewalt, die in der Bibel Trost suchen. Als Seelsorger nehme er das Recht für sich in Anspruch, einem Inzestkind zu sagen: „Vielleicht wurde auch Maria schwanger von ihrem eigenen Vater, und Jesus schien ein Kind der Schande zu sein, und dennoch verlor er nicht seine Heiligkeit.“ Zu überprüfen sei, „ob sich die biblischen Legenden (Lukas 1,26-56 und Matthäus 1) als Geschichten der Bewältigung einer so traumatischen Situation wie des sexuellen Missbrauchs lesen lassen“. Die Aussage Marias, das sie „von keinem Mann wisse“, sei denkbar bei einem vom Vater missbrauchten Kind. „Das Maria in den Mund gelegte Magnifikat“ (Lukas 1,46-55) lasse sich lesen als „Jubelpsalm einer jungen Frau, die nach dem Erlebnis massiver sexueller Gewalt Trost und Bewahrung erfahren hat“.

 

DIE „WELT AM WOCHENENDE“ vom 29. 3. 1998 übernahm die Informationen von „IDEA“ in folgender Form:

Wurde Jungfrau Maria vergewaltigt?

Neue These zur „unbefleckten Empfängnis“

idea Speyer. Maria ist möglicherweise von ihrem Vater vergewaltigt worden. Aus dieser Beziehung ist Jesus hervorgegangen. Diese Theorie stellt der evangelische Theologe Helmut Schütz (Alzey) auf.

Der Krankenhauspfarrer beschäftigt sich mit Opfern sexuellen Missbrauchs. In einem Artikel im Deutschen Pfarrerblatt (Speyer), das vom Verband der Vereine evangelischer Pfarrerinnen und Pfarrer in Deutschland herausgegeben wird, geht er noch einen Schritt weiter als der umstrittene Theologieprofessor Gerd Lüdemann (Göttingen), der sich inzwischen nicht mehr als Christ bezeichnet. Lüdemann geht zwar ebenfalls von einer Vergewaltigung Marias aus, aber ohne den Täter genau einzugrenzen.

Im Unterschied zu Lüdemann hält Schütz jedoch die biblischen Aussagen, Jesus sei vom Heiligen Geist gezeugt und von der Jungfrau Maria geboren, nicht einfach für eine Verfälschung historischer Gegebenheiten, sondern „für die theologische Deutung eines mit Gottes Hilfe bewältigten schrecklichen Geschehens“. Wie der hessen-nassauische Pfarrer weiter schreibt, könne er die Annahme, dass Maria von ihrem eigenen Vater vergewaltigt wurde, zwar nicht beweisen, aber eine Reihe von Hinweisen ließen dies zumindest denkbar erscheinen.

Außerdem eröffne seine Theorie Identifikationsmöglichkeiten für Opfer sexueller Gewalt, die in der Bibel Trost suchen. „Vielleicht wurde auch Maria schwanger von ihrem eigenen Vater, und Jesus schien ein Kind der Schande zu sein, und dennoch verlor er nicht seine Heiligkeit“, meint Schütz.

 

Gemessen an dieser in ihrer Knappheit zwar notwendig verkürzenden, aber doch sachlichen Berichterstattung kann ich die Art des Rückbezugs auf meinen Artikel in dem Beitrag „Euch ist heute der Heiland geboren“ von Hansfrieder Hellenschmidt im „Informationsbrief“ der Bekenntnisbewegung „Kein anderes Evangelium“ Nr. 197 vom Dezember 1999, Seite 4, nur als böswillige Verzeichnung betrachten (ich zitiere nur den Abschnitt, der sich auf meinen Artikel im Pfarrerblatt bezieht und ihm niederträchtige Motive unterstellt):

Der Kampf um das Christuskind

Als der Christus ist das Kind der Weihnacht bis auf den heutigen Tag hart umkämpft. Da steckt etwas Widerständiges in unserer Geschichte. Schon im Kindermord von Bethlehem hat sich der finstere Drang der politisch Mächtigen, ihr Nein gegen Christi Anspruch, der gute Hirte aller Menschen und der Herr und Erbe der Geschichte zu sein, geoffenbart.

Auch in der Welt des Geistes lebt die Auflehnung gegen den, der durch eine wunderbare Geburt in die Welt hereingetreten ist. Wie kann ein Mensch ohne Zeugung werden und zur Welt kommen? Das Geheimnis der göttlichen Geburt aus Maria, das mit dem Wort „Jungfrauengeburt“ bezeugt wird, ist der ungläubigen Vernunft immer ein Anstoß gewesen. Selbst Theologen versuchen, das Ärgernis an der Geburt Jesu, ohne Zeugung durch den Mann, mit Theorien des Zweifels zu beseitigen, bis hin zu dem Satz, dass Jesus das Produkt eines väterlichen Inzest gewesen sei (siehe Deutsches Pfarrerblatt 3/98). Mit der großen Freude am Heil: „…euch ist heute der Heiland geboren“, verbindet sich hier die Niedertracht – aber auch ein tiefer Ernst bei jenen, die von der Frage umgetrieben sind, wie das Weihnachtsgeheimnis denn recht zu verstehen sei.

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