Eigentlich wollte er mal Pfarrer werden

Trauerfeier für einen Mann, der als Junge mal Pfarrer werden wollte und dessen Fragen nach Jesus und Gott von seinem Pfarrer im Konfirmandenunterricht für unverschämt gehalten wurden.

Eigentlich wollte er mal Pfarrer werden: Ein schwarz gekleideter Gelehrter mit Brille beugt sich über ein Buch

Ein Pfarrer werden, um alles über Gott zu wissen? (Bild: Clker-Free-Vector-Images – pixabay.com)

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

Liebe Trauergemeinde, wir sind hier versammelt, um Abschied zu nehmen von Herrn O., der im Alter von [über 70] Jahren gestorben ist.

Wir denken gemeinsam an sein Leben, wir begleiten einander auf dem Weg des Abschieds, und wir besinnen uns angesichts des Todes auf Worte Gottes, die uns zum Leben helfen.

Wir hören Trostworte aus dem Buch Jesaja 43:

1 Und nun spricht der HERR, der dich geschaffen hat…: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!

2 Wenn du durch Wasser gehst, will ich bei dir sein, dass dich die Ströme nicht ersäufen sollen; und wenn du ins Feuer gehst, sollst du nicht brennen, und die Flamme soll dich nicht versengen.

3 Denn ich bin der HERR, dein Gott,

4 du [bist] in meinen Augen so wert geachtet und … ich [habe] dich lieb.

5 So fürchte dich nun nicht, denn ich bin bei dir.

Liebe Trauerfamilie!

Im Vertrauen auf den Gott, der uns von allen Seiten mit seiner Liebe umgibt und seine Hand über uns hält, sind wir hier und blicken zurück auf das Leben von Herrn O.

Erinnerungen an das Leben des Verstorbenen

Was er für ein Mensch war, das wissen Sie selber am besten. Viele Erinnerungen kommen hoch an einem Tag wie diesem.

Was ich besonders interessant fand in unserem Gespräch über sein Leben: Dass er eigentlich mal Pfarrer werden wollte. Als Konfirmand muss er seinem Pfarrer Fragen gestellt haben, mit denen der sich nicht befassen wollte, zum Beispiel: Wo war Jesus zwischen dem Alter von 12 bis 30 Jahren? Sein Pfarrer wusste darauf nicht nur keine Antwort, die gibt es nämlich auch gar nicht, er fand sogar die Frage unverschämt. Wer weiß, was geworden wäre, wenn der junge O. es damals mit einem verständnisvolleren Pfarrer zu tun gehabt hätte, der hinter seinen Fragen das religiöse Interesse herausgespürt hätte!

Ich stelle mir vor, jetzt tritt Herr O. im Himmel persönlich dem gegenüber, der ihm alle Fragen beantworten kann. Ob er jetzt noch neugierig darauf ist, Antworten auf die damals gestellten Fragen zu bekommen, weiß ich nicht.

Aber wir dürfen gewiss sein: Dort im Himmel wird jeder ernstgenommen mit seinen Fragen und Anliegen. Gott lässt uns nicht verloren gehen, er schenkt uns ewiges Leben, von all dem erfüllt, was wir uns erträumen und ersehnen, so schön, dass wir es uns nicht einmal vorstellen können.

Sie haben gesagt, dass Sie sich nicht in der Bibel auskennen; ich sollte selber einen Bibelvers für diese Ansprache aussuchen. Ich möchte Ihnen jetzt noch einmal das Wort ans Herz legen, das wir am Anfang schon gebetet haben, aus dem Buch Jesaja 43, 1:

Und nun spricht der HERR, der dich geschaffen hat…: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!

Ich sagte schon: von seiner Krankheit, seinen Schmerzen, ist Herr O. erlöst. Aber die Bibel meint mit Erlösung noch viel mehr.

Zum Beispiel Befreiung. Ein Volk darf hoffen, nicht für immer und ewig in Sklaverei oder unter fremder Besatzung zu leben.

Außerdem: Erlösung meint ein Leben in Menschenwürde. Darum heißt es hier: „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen!“ Der Name eines Menschen macht ihn zu der einmaligen, unverwechselbaren Person, die er ist. Und Gott spricht uns mit unserem Namen an, weil wir für ihn wichtig sind. Dass wir ihm gehören, macht uns nicht zu seinen Sklaven, sondern zu Kindern Gottes. Er unterdrückt uns nicht, er schenkt uns Freiheit, Frieden, erfülltes Leben.

Erlösung meint auch, dass wir von all dem frei werden können, womit wir uns und anderen das Leben schwer machen. Was unsere Seele zerreißt und was das Zusammenleben der Menschen oft unmöglich macht, das nennt die Bibel Sünde. Auch im Blick auf die Sünde hat Gott die Macht, uns freizusprechen: „Ich habe dich erlöst!“ Gott stößt niemanden zurück, der ihn aufrichtig um Vergebung bittet.

Zu guter Letzt hat Gott mit der Macht der Erlösung auch die Macht über den Tod. Was er uns hier auf Erden schenkt, das hört nicht auf, wenn wir sterben. Was hier in unserem Leben nur unvollkommen oder kaputt ist, das kann in der anderen Welt Gottes vollendet und geheilt werden.

Wenn wir der Bibel glauben, dann bleiben wir mit Leib und Seele, mit unserer Lebensgeschichte, mit der Vielfalt unserer menschlichen Beziehungen, im Gedächtnis Gottes aufbewahrt. Er hat uns im Mutterleib gebildet. Zu ihm kehren wir im Tode zurück. In dieser Gewissheit dürfen wir auch O. loslassen und ihn den liebevollen Händen Gottes anvertrauen, der zu ihm sagt:

Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!

Amen.

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