Ein Tor für die Tora

Gottes Wegweisung findet einen Ort in einer menschenfeindlichen Welt.

Warum stehen die Priester mit der Bundeslade die ganze Zeit „still im Trockenen mitten im Jordan“, während das Volk dieses offene Tor zum Gelobten Land durchquert? Ich sehe darin ein großartiges Bild für die Kraft der Gebote Gottes. Sie verhindern, dass das Volk in einer Flut von Ungerechtigkeit und Unfrieden untergeht.

Jüdische Rolle der Tora

Die Tora – Wegweisung Gottes – soll im Land der Freiheit verwirklicht werden (Bild: pixabay.com)

#predigtGottesdienst am 1. Sonntag nach Epiphanias, den 11. Januar 2015, um 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Am Sonntag nach dem Fest der Erscheinung des Sterns von Bethlehem begrüße ich Sie und Euch herzlich mit dem Wort zur Woche aus dem Brief des Paulus an die Römer 8, 14:

Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.

In den Liedern, Gebeten und Bibeltexten dieses Gottesdienstes geht es immer wieder um Türen, Pforten und Tore, die offen stehen oder geöffnet werden und zum Leben führen, sei es zu einem Leben in Freiheit in einem neuen Land, oder sei es, dass durch Jesus der Himmel offen steht für Menschen, die dachten, sie seien in die Hölle verdammt.

Wir singen aus dem Lied 73 die Strophen 1 und 5 und 8 bis 10:

1. Auf, Seele, auf und säume nicht, es bricht das Licht herfür; der Wunderstern gibt dir Bericht, der Held sei vor der Tür, der Held sei vor der Tür.

5. Halt dich im Glauben an das Wort, das fest ist und gewiss; das führet dich zum Lichte fort aus aller Finsternis, aus aller Finsternis.

8. Hier ist das Ziel, hier ist der Ort, wo man zum Leben geht; hier ist des Paradieses Pfort, die wieder offen steht, die wieder offen steht.

9. Hier fallen alle Sorgen hin, zur Lust wird alle Pein; es wird erfreuet Herz und Sinn in diesem Jesulein, in diesem Jesulein.

10. Der zeigt dir einen andern Weg, als du vorher erkannt, den stillen Ruh- und Friedenssteg zum ewgen Vaterland, zum ewgen Vaterland.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. „Amen.“

Wir beten mit Psalm 121. im Gesangbuch steht er unter der Nummer 749. Lesen Sie bitte die nach rechts eingerückten Verse:

1 Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe?

2 Meine Hilfe kommt vom HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat.

3 Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen, und der dich behütet, schläft nicht.

4 Siehe, der Hüter Israels schläft und schlummert nicht.

5 Der HERR behütet dich; der HERR ist dein Schatten über deiner rechten Hand,

6 dass dich des Tages die Sonne nicht steche noch der Mond des Nachts.

7 Der HERR behüte dich vor allem Übel, er behüte deine Seele.

8 Der HERR behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit!

Kommt, lasst uns Gott anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Das Neue Jahr liegt fast noch ganz frisch vor uns. Welche Wege sollen wir auswählen, um auf ihnen zu gehen? Auf welchem Weg geht es zum Leben, zur Freiheit, zur Gerechtigkeit, zum Frieden? Wie kommen wir aus der Finsternis zum Licht, aus der Hölle unserer Zwänge in den Himmel der Liebe Gottes? Gott, wir rufen zu dir und bitten um deine Barmherzigkeit:

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Jesus ist in unsere Welt gekommen wie ein Morgenstern, der uns den richtigen Weg in jeden neuen Tag, auch in diesem neuen Jahr zeigen will. Machen wir es wie die Weisen aus dem Morgenland, als sie nach Bethlehem zogen (Matthäus 2, 9-11):

9 Und siehe, der Stern, den sie im Morgenland gesehen hatten, ging vor ihnen her, bis er über dem Ort stand, wo das Kindlein war.

10 Als sie den Stern sahen, wurden sie hoch erfreut

11 und gingen in das Haus und fanden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe.

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum daß nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlaß, all Fehd hat nun ein Ende.

Der Herr sei mit euch! „Und mit deinem Geist!“

Gott, Vater Israels und Vater Jesu Christi und unser Vater, an Weihnachten sind wir den Spuren der Hirten und der Weisen gefolgt und haben im Geiste das Kind in Bethlehem besucht. Hilf uns, dass wir die Spuren Jesu auch in unserem Alltag im Neuen Jahr finden und ihnen nachfolgen. Hilf uns, deinen Willen in den Geschichten der Bibel aufzuspüren und auf deinen Wegen der Barmherzigkeit, der Gerechtigkeit und des Friedens zu gehen. Darum bitten wir dich im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören die Schriftlesung aus dem Evangelium nach Matthäus 3:

1 Zu der Zeit kam Johannes der Täufer und predigte in der Wüste von Judäa

2 und sprach: Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!

5 Da ging zu ihm hinaus die Stadt Jerusalem und ganz Judäa und alle Länder am Jordan

6 und ließen sich taufen von ihm im Jordan und bekannten ihre Sünden.

13 Zu der Zeit kam Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, dass er sich von ihm taufen ließe.

14 Aber Johannes wehrte ihm und sprach: Ich bedarf dessen, dass ich von dir getauft werde, und du kommst zu mir?

15 Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Lass es jetzt geschehen! Denn so gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Da ließ er’s geschehen.

16 Und als Jesus getauft war, stieg er alsbald herauf aus dem Wasser. Und siehe, da tat sich ihm der Himmel auf, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabfahren und über sich kommen.

17 Und siehe, eine Stimme vom Himmel herab sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.

Herr, dein Wort ist unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Wege. Halleluja. „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Glaubensbekenntnis
Lied 544: Der Weg ist so lang
Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde!

Am Jordan hält Johannes der Täufer seine Bußpredigt an das Volk Israel. Im Jordan lässt auch Jesus sich von ihm taufen. Vom Jordan handelt auch eine Geschichte, die nach der für die Zukunft geplanten Änderung der Predigttextvorschläge am heutigen Sonntag „dran“ wäre. Sie handelt vom Weg Israels in das Land Kanaan, das Gott ihnen als neue Heimat versprochen hat, von einem Weg, der damit beginnt, dass das Volk Israel den Fluss Jordan überschreiten muss. Sie steht im Buch Josua 3, 5-17:

5 Und Josua sprach zum Volk: Heiligt euch, denn morgen wird der HERR Wunder unter euch tun.

6 Und zu den Priestern sprach er: Hebt die Bundeslade auf und geht vor dem Volk her! Da hoben sie die Bundeslade auf und gingen vor dem Volk her.

7 Und der HERR sprach zu Josua: Heute will ich anfangen, dich groß zu machen vor ganz Israel, damit sie wissen: wie ich mit Mose gewesen bin, so werde ich auch mit dir sein.

8 Und du gebiete den Priestern, die die Bundeslade tragen, und sprich: Wenn ihr an das Wasser des Jordans herankommt, so bleibt im Jordan stehen.

9 Und Josua sprach zu den Israeliten: Herzu! Hört die Worte des HERRN, eures Gottes!

10 Daran sollt ihr merken, dass ein lebendiger Gott unter euch ist und dass er vor euch vertreiben wird die Kanaaniter, Hetiter, Hiwiter, Perisiter, Girgaschiter, Amoriter und Jebusiter:

11 Siehe, die Lade des Bundes des Herrschers über alle Welt wird vor euch hergehen in den Jordan.

12 So nehmt nun zwölf Männer aus den Stämmen Israels, aus jedem Stamm einen.

13 Wenn dann die Fußsohlen der Priester, die die Lade des HERRN, des Herrschers über alle Welt, tragen, in dem Wasser des Jordans stillstehen, so wird das Wasser des Jordans, das von oben herabfließt, nicht weiter laufen, sondern stehen bleiben wie ein einziger Wall.

14 Als nun das Volk aus seinen Zelten auszog, um durch den Jordan zu gehen, und als die Priester die Bundeslade vor dem Volk hertrugen

15 und an den Jordan kamen und ihre Füße vorn ins Wasser tauchten – der Jordan aber war die ganze Zeit der Ernte über alle seine Ufer getreten –,

16 da stand das Wasser, das von oben herniederkam, aufgerichtet wie ein einziger Wall, sehr fern, bei der Stadt Adam, die zur Seite von Zaretan liegt; aber das Wasser, das zum Meer hinunterlief, zum Salzmeer, das nahm ab und floss ganz weg. So ging das Volk hindurch gegenüber von Jericho.

17 Und die Priester, die die Lade des Bundes des HERRN trugen, standen still im Trockenen mitten im Jordan. Und ganz Israel ging auf trockenem Boden hindurch, bis das ganze Volk über den Jordan gekommen war.

Liebe Gemeinde,

was geht uns diese Geschichte an? Sie ist ziemlich unbekannt in der evangelischen Kirche. Liegt das daran, dass mit ihr die recht kriegerischen Erzählungen beginnen, in denen das Buch Josua beschreibt, wie das Volk Israel im Land Kanaan Fuß fasst? Oder fand man die Schilderung des Wunders, das hier geschieht, weitaus weniger spannend als den Auszug aus Ägypten, bei dem sich nicht nur das Wasser eines Flusses zu einer Mauer auftürmt, sondern ein ganzes Meer?

Ob das Wunder, das in dieser Geschichte dargestellt wird, sich genau so zugetragen haben kann, mögen wir modernen Menschen bezweifeln. Es geht aber gar nicht darum, darauf zu bestehen oder es abzustreiten, ob übernatürliche Wunder geschehen können oder nicht. Entscheidend wichtig ist, dass uns mit jeder Geschichte eines Wunders ein Bild vor Augen gestellt wird, wie wunderbar Gott an uns Menschen handelt. Gottes Wunder geschehen, indem Menschen und ganze Völker ihre Haltung ändern und auf neue Wege geführt werden.

In der Geschichte, die wir gehört haben, öffnet sich der Zugang zu einem großartigen neuen Weg wie ein breites Tor für ein ganzes Volk. Wie das geschieht, das betrachten wir nun noch einmal im einzelnen.

5 Und Josua sprach zum Volk: Heiligt euch, denn morgen wird der HERR Wunder unter euch tun.

Josua ist der Nachfolger von Mose, der gestorben war, bevor das Volk Israel in das versprochene, gelobte Land hineinziehen konnte. Nur von weitem hatte er das Land sehen dürfen, aber Josua soll der Anführer sein, der das Volk ins Land Kanaan führt. Der Name Josua kann uns aufhorchen lassen, er bedeutet „Gott ist Hilfe, Heil, Rettung“: Es ist derselbe Name, den später Jesus trägt. In der griechischen Übersetzung des Alten Testaments heißt er sogar wörtlich „Jesus“. Mose hatte das Volk aus dem Land der Unfreiheit herausgeführt, Josua wird es ins neue Land der Freiheit hineinführen. Ein wenig erinnert mich das an das Verhältnis von Johannes dem Täufer und Jesus: Johannes begann mit der Predigt vom Reich Gottes am Jordan, indem er zur Umkehr von allen Sünden aufrief, und Jesus führte sein Werk fort, indem er die Vergebung der Sünden praktizierte und das Tor zum Reich Gottes weit öffnete.

„Heiligt euch!“, sagt Josua. Eine interessante Aufforderung. Wie können die Menschen sich selber heilig machen? Indem sie sich innerlich darauf einstellen, dem heiligen Gott zu begegnen. Damit ist in der Regel gemeint, dass sie auf ihn hören, seinen Willen tun. Hier geht es um eine besonderes, einmaliges Erlebnis mit Gott: Er wird Wunder tun, wie Luther übersetzt, wörtlich steht im hebräischen Urtext: Gott wird wunderbar sein, er selber ist das Wunder, das sie erleben werden.

Womit beginnt nun das Wunder, das die Israeliten erleben werden?

6 Und zu den Priestern sprach er: Hebt die Bundeslade auf und geht vor dem Volk her! Da hoben sie die Bundeslade auf und gingen vor dem Volk her.

Die Bundeslade war das Heiligste im Volk Israel, weil in ihr die Tafeln der Zehn Gebote aufbewahrt wurden. Die Priester bekommen also den Auftrag, beim Einzug in das Gelobte Land Gottes Gebote vor dem Volk Israel herzutragen. Israel bekommt dieses Land nur unter der Bedingung geschenkt, dass es in diesem Land nach Gottes Geboten leben will, auf den Wegen seiner Freiheit, seiner Gerechtigkeit, seines Friedens.

7 Und der HERR sprach zu Josua: Heute will ich anfangen, dich groß zu machen vor ganz Israel, damit sie wissen: wie ich mit Mose gewesen bin, so werde ich auch mit dir sein.

Hier verspricht Gott dem Josua, ihn dem Mose ebenbürtig zu machen. Der das Volk in das Land Kanaan hineinführt, ist nicht kleiner als der, der das Volk aus Ägypten herausgeführt hat. Dass trotzdem Mose immer ein viel höheres Ansehen als Josua gehabt hat, liegt vielleicht darin, dass die Kritik am Schlechten und die Aufstellung neuer guter Gebote leichter zu bewundern ist als die tatsächliche, immer nur unvollkommene Umsetzung der guten Vorsätze. Und der Aufbau eines neuen Lebens nach neuen Geboten in einem neuen Land kann sich nur gegen massive innere und äußere Widerstände durchsetzen. Doch genau dieser schweren Herausforderung soll sich Josua, dieser erste Jesus des Volkes Israel, mit Gottes Hilfe stellen.

8 Und du gebiete den Priestern, die die Bundeslade tragen, und sprich: Wenn ihr an das Wasser des Jordans herankommt, so bleibt im Jordan stehen.

Gott selber hatte den Priestern aufgetragen, die Bundeslade vor dem Volk herzutragen. Nun beauftragt er den Josua, diesen Auftrag an die Priester zu erweitern: Am Jordan angelangt, sollen sie in diesem Fluss stehen bleiben. Das klingt erst einmal so, als ob sie nasse Füße bekommen sollen. Müssen sie wirklich mit der heiligen Bundeslade ins Wasser hineingehen und dann dort stehen bleiben?

9 Und Josua sprach zu den Israeliten: Herzu! Hört die Worte des HERRN, eures Gottes!

Josua setzt den Auftrag Gottes auf seine Weise um. Er spricht nicht gleich die Priester persönlich an, sondern ruft erst einmal alle Israeliten herbei, um ihnen eine Predigt zu halten. Die Worte des Gottes, der in die Freiheit führt, will er ihnen weitersagen. Er tut dies aber nicht wortwörtlich, wie Gott es ihm aufgetragen hat, sondern er holt etwas weiter aus.

10 Daran sollt ihr merken, dass ein lebendiger Gott unter euch ist und dass er vor euch vertreiben wird die Kanaaniter, Hetiter, Hiwiter, Perisiter, Girgaschiter, Amoriter und Jebusiter.

Josua kündigt dem Volk an, dass Gott lebendig unter ihnen ist. Er ist nicht tot, nicht handlungsunfähig, er ist nicht weit weg, nicht unberührt vom Schicksal des Volkes, sondern seine Lebendigkeit ist mitten unter den Israeliten zu spüren. In welcher Weise sich das zeigen wird, damit haben wir Christen unsere Schwierigkeiten, denn Josua drückt sich kriegerisch aus: Gott wird sieben Völker, die jetzt noch in Kanaan leben, vor dem Volk Israel vertreiben.

Hier müssen wir uns klar machen: Die Bibel will erzählen, wie es Gott gelingt, seiner Wegweisung, seinen guten Geboten der Freiheit, seiner Tora gegen fast unmögliche Widerstände einen Ort zu verschaffen, wo ein Volk danach leben kann. Sieben Völker stehen dieser Absicht entgegen; sie glauben nicht an den Gott der Freiheit, sie leben nicht nach menschenfreundlichen Geboten eines gerechten und barmherzigen Gottes, sondern sie beten Götter an, die mächtigen Menschen dazu dienen, andere Menschen zu unterdrücken und auszubeuten. Überall, wo in der Bibel andere Völker vor Israel vertrieben werden, steht im Hintergrund kein israelitischer Nationalismus, sondern das Bewusstsein, dass in diesen anderen Völkern der Tod regiert, das Unrecht, die Unfreiheit, ein lebensfeindliches System. Wir können das mit Unrechtsregimes wie unter Hitler und Stalin oder den heutigen IS-Terroristen vergleichen. Immer wieder gab es aber auch Menschen in den fremden Völkern, die mit Israel auf den Wegen Gottes gehen wollten, wie zum Beispiel die Hure Rahab in Jericho.

11 Siehe, die Lade des Bundes des Herrschers über alle Welt wird vor euch hergehen in den Jordan.

Mit diesen feierlichen Worten gibt Josua nun wieder, was Gott ihm zuvor gesagt hatte. Er beschreibt die Bundeslade näher: sie enthält die Urkunde eines Bundes, den der Herrscher der ganzen Welt mit den Israeliten geschlossen hat. Auf der anderen Seite des Jordan mögen sieben mächtige Völker dem kleinen Volk Israel entgegenstehen; sie mögen jede Menge von Göttern anbeten, die man sich in unterschiedlichster Weise ausmalt; und doch ist der Gott Israels der eine und einzige Gott, der die Macht über die ganze Welt und alle anderen Götter in der Hand behält und sich dazu entschlossen hat, mit einem kleinen Volk einen ewigen Bund zu schließen.

Was bedeutet es nun, dass die Urkunde dieses Bundes dem Volk voran in den Jordan gehen soll? Ist sie dadurch nicht gefährdet? Wird sie untergehen, in den Wassern des Flusses verlorengehen? Wird das Volk Israel bildlich gesprochen über den Jordan gehen, wenn es der Bundeslade folgt? Oder ist es gerade der Bund mit dem Herrn über alle Welt, der das Volk schützen wird? Wir werden es sehen.

12 So nehmt nun zwölf Männer aus den Stämmen Israels, aus jedem Stamm einen.

Josua fährt fort, indem er die Männer bestimmt, die die Bundeslade tragen sollen. Ihm kommt es darauf an, dass alle zwölf Stämme Israels dabei vertreten sind.

13 Wenn dann die Fußsohlen der Priester, die die Lade des HERRN, des Herrschers über alle Welt, tragen, in dem Wasser des Jordans stillstehen, so wird das Wasser des Jordans, das von oben herabfließt, nicht weiter laufen, sondern stehen bleiben wie ein einziger Wall.

Und nun kündigt Josua ein Wunder an. Er beschreibt genau, wie die Priester mit ihren Fußsohlen in das Wasser des Jordan hineingehen und dort stillstehen sollen. Und mit diesem Stillstehen soll zugleich das Wasser des Jordan oberhalb dieser Stelle stillstehen und sich verhalten wie ein Damm, der das Wasser aufstaut. Als die Israeliten aus Ägypten flohen und Mose sie durch das Rote Meer hindurchführte, hatten sie Ähnliches erlebt, schon damals „standen die Fluten wie ein Wall“ (2. Buch Mose – Exodus 15, 8).

Damit ist die Rede des Josua beendet, und es folgt die Erzählung von dem, was dann genau so geschieht, wie es Josua angekündigt hat.

14 Als nun das Volk aus seinen Zelten auszog, um durch den Jordan zu gehen, und als die Priester die Bundeslade vor dem Volk hertrugen

15 und an den Jordan kamen und ihre Füße vorn ins Wasser tauchten – der Jordan aber war die ganze Zeit der Ernte über alle seine Ufer getreten –,

16 da stand das Wasser, das von oben herniederkam, aufgerichtet wie ein einziger Wall, sehr fern, bei der Stadt Adam, die zur Seite von Zaretan liegt; aber das Wasser, das zum Meer hinunterlief, zum Salzmeer, das nahm ab und floss ganz weg. So ging das Volk hindurch gegenüber von Jericho.

Ich höre diese wunderbare Geschichte so: Der Einzug in das Gelobte Land Kanaan ist nicht weniger ein Wunder Gottes als der Auszug aus Ägypten. Einige Einzelheiten in der Erzählung deuten an, wie sehnsüchtig die Israeliten diesen Augenblick ersehnt haben, immerhin irren sie seit 40 Jahren in der Wüste umher, und wie unmöglich es immer noch scheint, den Jordan zu überschreiten.

Anfangs wird erwähnt, dass das Volk „aus seinen Zelten“ auszog. Endlich wird man in ein Land kommen, wo man in festen Häusern und nicht mehr in Zelten, in Dörfern und Städten und nicht mehr heute hier und morgen dort leben kann.

Dann wird betont, dass der Jordan nicht etwa nur aus einem schmalen Rinnsal besteht wie in der trockenen Jahreszeit, nein, er ist sogar über seine Ufer getreten und fast zu einem reißenden, gefährlichen Fluss geworden.

Und trotzdem steht auf einmal das Wasser oberhalb der Stelle des Übergangs bei der Stadt Jericho wie ein einziger Wall und unterhalb fließt es weg zum Salzmeer. Es wird sogar genau der Ort beschrieben, an dem der Damm des Jordanwassers sich aufrichtet: bei der Stadt Adam in der Nähe von Zaretan. Das ist 30 km nördlich von Jericho. Wenn man sich vor Augen führt, dass das Wasser des Jordan in Richtung des Toten Meeres auf einer Strecke von weiteren 10 km weggeflossen ist, tut sich also vor den Israeliten ein breites Tor von ungefähr 40 Kilometern auf, durch das sie ungehindert in das Land Kanaan hineingehen können.

17 Und die Priester, die die Lade des Bundes des HERRN trugen, standen still im Trockenen mitten im Jordan. Und ganz Israel ging auf trockenem Boden hindurch, bis das ganze Volk über den Jordan gekommen war.

Warum stehen die Priester mit der Bundeslade die ganze Zeit „still im Trockenen mitten im Jordan“, während das Volk dieses offene Tor zum Gelobten Land durchquert? Ich sehe darin ein großartiges Bild für die Bedeutung und die Kraft der Gebote Gottes. Sie sind es, die der Flut des Todes entgegenwirken. Sie sind es, die verhindern, dass das Volk Gottes in Ungerechtigkeit und Unfrieden untergeht.

So lange die menschenfreundliche Wegweisung Gottes fest und still steht in all den chaotischen Veränderungen unserer oft so unmenschlichen Wirklichkeit, so lange haben wir die Chance auf ein menschenwürdiges Leben auf dieser Erde unter Gottes Himmel.

Im letzten Satz habe ich das, was damals für das Volk Israel galt, einfach auf alle Menschen, auch auf uns, bezogen. Wir dürfen das tun, denn durch Jesus, der am Jordan durch Johannes getauft wurde, steht auch uns ein Tor weit offen. So wie sich damals für das Volk Israel ein Tor für die Tora ins Gelobte Land hinein auftat, so öffnete sich bei der Taufe Jesu das Tor zum Himmelreich, in das alle hineingehen dürfen, die auf Jesus vertrauen und ihm auf seinen guten Wegen nachfolgen. Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.

Wir singen das Lied, das auf dem Liedblatt steht. Es handelt zwar nicht ausdrücklich vom Einzug ins Land Kanaan, aber es verbindet die beiden Aspekte des Auszugs aus unerträglichen Verhältnissen und des Bleibens in einem Land, in dem sich die Zustände geändert haben:

Wenn das rote Meer grüne Welle hat

Gott, Vater Israels, Vater Jesu und unser Vater, hilf uns, die Bibel als ein Buch des Friedens zu lesen. Hilf uns zu verstehen, dass dein Zorn sich gegen Unrecht und Unmenschlichkeit richtet und nicht gegen Menschen mit einem anderen Glauben.

Barmherziger Gott, wir bekommen Angst, wenn wir an den barbarischen Anschlag in Paris denken, den unsere muslimischen Freunde in Deutschland genau so entsetzlich finden wie wir. Wir beten zu dir für die ermordeten Redakteure und Polizisten und ihre Familien. Wir beten auch für die Muslime in unserem Land, deren Glaube so schändlich missbraucht wurde. Und wir bitten dich trotz aller Angst und Empörung um Vernunft und Augenmaß beim Nachdenken, dass wir nicht politischen Rattenfängern auf dem Leim gehen und hinter jeder Ecke einen Terroristen vermuten, nicht Menschen einer anderen Religion pauschal verdächtigen.

Gerechter Gott, wir begreifen es nicht, wie Menschen dich mit ihren Lippen als den Barmherzigen bekennen und dennoch mit wahnsinnigem Terror Menschen anderen Glaubens umbringen können. Wieder sind in Baga in Nigeria viele Menschen getötet und verletzt worden, auch sie schließen wir in unser Gebet ein, und auch alle anderen, die unter Gewalt und Terror leiden. Von den meisten wissen wir nicht einmal, dass es sie gibt; wir halten es nicht aus, an alles Schreckliche in der Welt zu denken. Sei du für die da, deren Schicksal niemand interessiert.

Du Gott der Liebe, du überforderst uns nicht. Du erwartest nicht, dass wir das Leid der ganzen Welt auf unseren Schultern tragen. Du erwartest nur, dass wir dieses Leid nicht noch vermehren durch eigene Sünde. Und wo wir oder andere Menschen Sünde auf sich laden, da erkennen wir dich in Jesus Christus als den scheinbar schwachen und doch gerade darin so starken Gott, denn dein Sohn trägt die Sünde der Welt und auch unser eigenes Versagen und Verzagen.

Du Gott des Trostes, du kümmerst dich auch um unseren kleinen oder großen ganz persönlichen Kummer. Und so beten wir heute zu dir auch für Herrn…, der im Alter von … Jahren gestorben ist und den wir in der letzten Woche kirchlich bestattet haben. Wir sind zuversichtlich, dass du ihn in Gnaden und mit Ehren in deinem Himmelreich aufnimmst und bitten dich für den Frieden seiner Seele. Begleite die, die um ihn trauern, mit deinem Trost und zeige ihnen neue Wege für ihr eigenes Leben. Amen.

In der Stille bringen wir vor Gott, was wir persönlich auf dem Herzen haben:

Gebetsstille und Vater unser
Lied 395: Vertraut den neuen Wegen
Abkündigungen

Empfangt Gottes Segen:

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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