Silbersegen

Nicht unser Glaube selbst ist so trutzig und mächtig, sondern die Worte Gottes, mit denen er uns zusagt: Ich stehe zu euch, ich habe mit euch viel vor. Das sind, mit den Worten des Liedes gesprochen, „die Worte hell und rein, wodurch die schwächsten Orte gar feste können sein“ – die schwächsten Orte, also auch unsere zweifelnden und glaubensunsicheren Herzen.

Schön gestaltete Medaille mit dem Schriftzug: 25 Jahre

Nach 25 Jahren ein Silbernes Jubiläum feiern (Bild: pixabay.com)

Gottesdienst zur Silbernen Konfirmation am 1. Sonntag nach Trinitatis, 1. Juni 1986, um 10.30 Uhr in der Reichelsheimer Kirche
Orgelvorspiel

Im Gottesdienst mit der Feier der Silbernen Konfirmation derer, die vor 25 Jahren an Ostern konfirmiert worden sind, begrüße ich Sie alle herzlich in der Reichelsheimer Kirche. Heute freue ich mich besonders, dass ein Mitglied Ihrer Konfirmandengruppe von damals, Herr Herwig Vogt diesen Gottesdienst für uns alle gestaltet. Zugleich möchte ich meinen Dank dafür sagen, dass auch die Organisation dieses Konfirmandentreffens wieder aus der Gruppe selbst heraus vonstatten gegangen ist. Dankeschön, liebe Irene und alle anderen, die mitgeholfen haben! Von seiner Vertrautheit mit der lutherischen Liturgie in der bayrischen Landeskirche her wird nun Herr Vogt diesen Gottesdienst ein wenig anders halten, als Sie es in Reichelsheim gewohnt sind. Auf zwei dieser Änderungen möchte ich Sie zu Beginn aufmerksam machen: Anstelle des gesungenen Lobpreises „Ehre sei dem Vater und dem Sohne…“ in der Eingangsliturgie singen wir die erste Strophe des Liedes 131 „Allein Gott in der Höh sei Ehr.“ Und nach der Schriftlesung sprechen wir gemeinsam das Apostolische Glaubensbekenntnis; damit mag für die Silbernen Konfirmanden auch ein Stück Rückbesinnung auf ihre Konfirmationsfeier vor 25 Jahren gegeben sein.

Liturgie: Pfarrer Helmut Schütz
Predigt: Herwig Vogt
EKG 278, 1-3
(im EG 357 fehlt leider die für meine Ansprache wichtigste Strophe 3):

1. Ich weiß, woran ich glaube, ich weiß, was fest besteht, wenn alles hier im Staube wie Sand und Staub verweht; ich weiß, was ewig bleibet, wo alles wankt und fällt, wo Wahn die Weisen treibet und Trug die Klugen prellt.

2. Ich weiß, was ewig dauert, ich weiß, was nimmer lässt; mit Diamanten mauert mir’s Gott im Herzen fest. Die Steine sind die Worte, die Worte hell und rein, wodurch die schwächsten Orte gar feste können sein.

3. Ich kenne wohl die Steine, die stolze Herzenswehr, sie funkeln ja mit Scheine wie Sterne schön und hehr; die Steine sind die Worte, die Worte hell und rein, wodurch die schwächsten Orte gar feste können sein.

Liebe Silbernen Konfirmandinnen und Konfirmanden!

„Ich weiß, woran ich glaube“ haben wir gesungen. Das klingt so trutzig und so selbstbewusst, als wären wir eine eng verschworene Gemeinschaft von Leuten, die gar keinen Zweifel am Glauben kennten oder die jeden Sonntag in die Kirche gingen. Dem ist aber nicht so; und ich möchte das offen sagen, ohne Ihnen einen Vorwurf daraus zu machen. Zweifel am Glauben zu haben, ist eine ganz normale Sache, und die Freiheit, zum Gottesdienst gehen zu können oder auch nicht zu gehen, haben Sie spätestens seit 25 Jahren, seit Ihrer Konfirmation. Aber können wir, wenn das so ist, gemeinsam dieses Lied singen: „Ich weiß, woran ich glaube“?

Vielleicht wissen wir’s insgeheim mehr oder weniger doch alle, was ewige Gültigkeit hat inmitten von Vergänglichkeit. Wenn wir die Konfirmation damals ernst genommen haben als unser Ja zur Kirche und zum Glauben oder wenn uns der Sinn christlichen Glaubens und Lebens später aufgegangen ist, dann könnten wir gefunden haben, woran wir uns halten können, auch wenn alles andere keinen Bestand hat. Nicht etwa unser Glaube selbst ist so trutzig und mächtig, sondern die Worte Gottes, mit denen er uns zusagt: Ich stehe zu euch, ich bin euch treu, ich vergebe euch, ich fange mit euch neu an, ich habe mit euch viel vor. Das sind, mit den Worten des Liedes gesprochen, „die Worte hell und rein, wodurch die schwächsten Orte gar feste können sein“ – die schwächsten Orte, also auch unsere zweifelnden und glaubensunsicheren Herzen.

Heute besinnen Sie sich zurück auf Ihre Konfirmation, auf das, was Sie damals vor der Gemeinde bekannt haben, auf die Entwicklung, die Sie in der Zeit durchgemacht haben, die seit damals vergangen ist. Hat die Konfirmation damals Konsequenzen gehabt für Ihr Leben? Wäre heute umzudenken, wäre andere Konsequenzen zu ziehen? Auch für Ihre Zukunft gelten die Worte Gottes heute wieder ganz neu: Ich stehe zu euch, ich habe mit euch noch viel vor, ihr seid Menschen, die mir unendlich viel wert sind.

Ich bitte Sie nun alle, hierher nach vorn zu kommen, so wie damals, als Sie im Konfirmationsgottesdienst eingesegnet wurden.

Da Sie heute eine recht kleine Jubiläumsgruppe sind, habe ich gedacht, daß ich heute einmal etwas anders machen kann als bisher bei Silbernen oder Goldenen Konfirmationen. Ich möchte Ihnen einfach noch einmal Ihren Konfirmationsspruch von damals vorlesen und sozusagen neu zusprechen. Und zugleich überreiche ich Ihnen als Erinnerung an Ihre Konfirmation vor 25 Jahren ein kleines Heft mit dem Titel „Freude an der Kirche“.

Konfirmationssprüche für zehn Silberne Konfirmanden

Der Herr, unser Gott, bleibe bei Ihnen mit seinem Segen und leite Sie auf Wegen der Liebe und des Friedens! Amen.

Abkündigungen

Und nun singen wir die zweite Hälfte des angefangenen Liedes von dem Glauben, der auf die Worte Gottes bauen kann; hier geht es nun um das menschgewordene Wort Gottes, um den Mann Jesus, in dem Gott selbst sich uns bekannt gemacht hat:

EKG 278, 4-6 (EG 357, 3-5):

4. Auch kenn ich wohl den Meister, der mir die Feste baut, er heißt der Herr der Geister, auf den der Himmel schaut, vor dem die Seraphinen anbetend niederknien, um den die Engel dienen: Ich weiß und kenne ihn.

5. Das ist das Licht der Höhe, das ist der Jesus Christ, der Fels, auf dem ich stehe, der diamanten ist, der nimmermehr kann wanken, der Heiland und der Hort, die Leuchte der Gedanken, die leuchten hier und dort.

6. So weiß ich, was ich glaube, ich weiß, was fest besteht und in dem Erdenstaube nicht mit als Staub verweht; ich weiß, was in dem Grauen des Todes ewig bleibt und selbst auf Erdenauen schon Himmelsblumen treibt.

Lied 140
Entlassungssegen und Abendmahlfeier

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