„Euer Leben ist in Gott versteckt“

Gott formt uns zu seinem Ebenbild, indem wir seinen Geist der Liebe in uns einlassen. Alles in uns, was ohne den alten Menschen leer erscheint, will Gott erfüllen. So finden wir uns in Gott in uns selbst. Wir sind kostbarer und liebenswerter, als wir dachten, müssen uns nicht selbst erlösen. Gott füllt unsere leeren Herzen und Hände mit seiner Liebe.

Ein Kind auf Ostereiersuche

Ein Kind auf Ostereiersuche (Foto: pixabay.com)

direkt-predigtOstergottesdienst mit Abendmahl am Ostersonntag, 27. März 2016, 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Am Ostersonntag begrüße ich alle herzlich im Gottesdienst in der Pauluskirche mit dem Ostergruß: „Christus ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!“

Ostern wird in der Öffentlichkeit kaum noch als das Fest der Auferstehung Jesu wahrgenommen. Für viele ist es ein Frühlingsfest, ein Fest des Erwachens der Natur. Und für die Kinder stehen natürlich die Ostereier im Vordergrund. In diesem Gottesdienst stellen wir eine Verbindung her zwischen unserem christlichen Glauben an die Auferstehung Jesu Christi und der Suche nach versteckten Ostereiern. „Euer Leben ist in Gott versteckt“, auf die Suche nach dieser Wahrheit macht sich Herr Pfarrer Schütz nachher in der Predigt.

Zu Beginn singen wir aus dem Osterlied 111 die Strophen 1 bis 3 und 13 bis 14:

1. Frühmorgens, da die Sonn aufgeht, mein Heiland Christus aufersteht. Vertrieben ist der Sünden Nacht, Licht, Heil und Leben wiederbracht. Halleluja.

2. Wenn ich des Nachts oft lieg in Not verschlossen, gleich als wär ich tot, lässt du mir früh die Gnadensonn aufgehn: nach Trauern Freud und Wonn. Halleluja.

3. Nicht mehr als nur drei Tage lang mein Heiland bleibt ins Todes Zwang; am dritten Tag durchs Grab er dringt, mit Ehr sein Siegesfähnlein schwingt. Halleluja.

13. Lebt Christus, was bin ich betrübt? Ich weiß, dass er mich herzlich liebt; wenn mir gleich alle Welt stürb ab, g’nug, dass ich Christus bei mir hab. Halleluja.

14. Mein Herz darf nicht entsetzen sich, Gott und die Engel lieben mich; die Freude, die mir ist bereit’, vertreibet Furcht und Traurigkeit. Halleluja.

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

An Ostern werden Ostereier versteckt und gesucht. Und hoffentlich auch gefunden.

Über das Finden von etwas, das versteckt und verborgen ist, hat Jesus sich sehr gefreut, als er einmal 72 Jünger aussandte und sie in seinem Namen Wunder vollbringen konnten (Lukas 10):

21 Zu der Stunde freute sich Jesus im heiligen Geist und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du dies den Weisen und Klugen verborgen hast und hast es den Unmündigen offenbart. Ja, Vater, so hat es dir wohlgefallen.

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Beim Ostergeschehen nach der Bibel geht es auch um einiges, was versteckt, verborgen, verschlossen ist.

Unsere Seele kann verschlossen sein: sozusagen „zu“ für die Liebe, die uns verwandeln will.

Jesus war verborgen im Grab und das Grab verschlossen mit einem schweren Stein, so dass die Frauen, die ihn salben wollten, sich besorgt fragten: „Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür?“

Und als sie den Stein weggewälzt finden, gehen die Frauen hinein und finden den Leib des Herrn Jesus nicht.

Auch der Sinn der Osterbotschaft kann uns verborgen sein, wie schon den Jüngern Jesu in der Bibel, wovon Lukas 18 erzählt:

31 Er nahm aber zu sich die Zwölf und sprach zu ihnen: Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn.

32 Denn er wird überantwortet werden den Heiden, und er wird verspottet und misshandelt und angespien werden,

33 und sie werden ihn geißeln und töten; und am dritten Tage wird er auferstehen.

34 Sie aber begriffen nichts davon, und der Sinn der Rede war ihnen verborgen, und sie verstanden nicht, was damit gesagt war.

Gott, Vater Jesu Christi, offenbare uns, was uns verborgen ist! Wir rufen zu dir:

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Im Psalm 22, den Jesus am Kreuz gebetet hat und der mit den Worten beginnt: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“, heißt es am Schluss:

24 Rühmet den HERRN, die ihr ihn fürchtet; ehret ihn, ihr alle vom Hause Jakob, und vor ihm scheuet euch, ihr alle vom Hause Israel!

25 Denn er hat nicht verachtet noch verschmäht das Elend des Armen und sein Antlitz vor ihm nicht verborgen; und als er zu ihm schrie, hörte er’s.

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende“.

Der Herr sei mit euch „und mit deinem Geist.“

Gott, du bist unsichtbar, und doch willst du dein liebevolles Gesicht nicht für immer vor uns verbergen. Du hast es uns gezeigt in Jesus Christus, du zeigst es Kindern und Unmündigen und Armen im Geiste, Menschen, die mit leeren Händen vor dir stehen, die du ihnen füllen willst. Du willst dein liebevolles Antlitz auch uns zeigen, wenn wir dich von Herzen suchen; zeige dich uns im Glauben an den Auferstandenen, an Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn. „Amen.“

Wir hören die Lesung aus dem Evangelium nach Lukas 23 und 24. Sie beginnt mit dem, was die Jüngerinnen Jesu am Tag seiner Kreuzigung erfahren:

55 Es folgten aber die Frauen nach, die mit ihm gekommen waren aus Galiläa, und beschauten das Grab und wie sein Leib hineingelegt wurde.

56 Sie kehrten aber um und bereiteten wohlriechende Öle und Salben. Und den Sabbat über ruhten sie nach dem Gesetz.

1 Aber am ersten Tag der Woche sehr früh kamen sie zum Grab und trugen bei sich die wohlriechenden Öle, die sie bereitet hatten.

2 Sie fanden aber den Stein weggewälzt von dem Grab

3 und gingen hinein und fanden den Leib des Herrn Jesus nicht.

4 Und als sie darüber bekümmert waren, siehe, da traten zu ihnen zwei Männer mit glänzenden Kleidern.

5 Sie aber erschraken und neigten ihr Angesicht zur Erde. Da sprachen die zu ihnen: Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?

6 Er ist nicht hier, er ist auferstanden. Gedenkt daran, wie er euch gesagt hat, als er noch in Galiläa war:

7 Der Menschensohn muss überantwortet werden in die Hände der Sünder und gekreuzigt werden und am dritten Tage auferstehen.

8 Und sie gedachten an seine Worte.

9 Und sie gingen wieder weg vom Grab und verkündigten das alles den elf Jüngern und den andern allen.

10 Es waren aber Maria von Magdala und Johanna und Maria, des Jakobus Mutter, und die andern mit ihnen; die sagten das den Aposteln.

11 Und es erschienen ihnen diese Worte, als wär’s Geschwätz, und sie glaubten ihnen nicht.

12 Petrus aber stand auf und lief zum Grab und bückte sich hinein und sah nur die Leinentücher und ging davon und wunderte sich über das, was geschehen war.

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Halleluja. „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Glaubensbekenntnis

Wir singen das Lied 114:

1. Wach auf, mein Herz, die Nacht ist hin, die Sonn ist aufgegangen. Ermuntre deinen Geist und Sinn, den Heiland zu umfangen, der heute durch des Todes Tür gebrochen aus dem Grab herfür der ganzen Welt zur Wonne.

2. Steh aus dem Grab der Sünden auf und such ein neues Leben, vollführe deinen Glaubenslauf und lass dein Herz sich heben gen Himmel, da dein Jesus ist, und such, was droben, als ein Christ, der geistlich auferstanden.

3. Vergiss nun, was dahinten ist, und tracht nach dem, was droben, damit dein Herz zu jeder Frist zu Jesus sei erhoben. Tritt unter dich die böse Welt und strebe nach des Himmels Zelt, wo Jesus ist zu finden.

4. Quält dich ein schwerer Sorgenstein, dein Jesus wird ihn heben; es kann ein Christ bei Kreuzespein in Freud und Wonne leben. Wirf dein Anliegen auf den Herrn und sorge nicht, er ist nicht fern, weil er ist auferstanden.

Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde,

warum bleibt die Osterbotschaft den männlichen Jüngern zunächst verborgen? Sie wollen so rein gar nichts von Jesu Ankündigung seines Leidens hören, dass sie sich auch verschließen für den Rest dessen, was er ihnen deutlich von sich selber, vom Menschensohn, sagt: „Am dritten Tage wird er auferstehen.“ Der Sinn dieser Rede bleibt ihnen verborgen, sogar noch am Ostermorgen, als sie die Osterbotschaft der Jüngerinnen für Geschwätz halten und als Petrus zwar das leere Grab findet, aber sich nur wundern kann. Frauen galten damals als unzuverlässige Zeugen, quasi als unmündig, Jesus stützt sich aber gerne gerade auf das Zeugnis derer, die in den Augen anderer als unmündig gelten, wie wir vorhin gehört haben.

Tun wir modernen Menschen uns leichter mit dem Osterevangelium? Zivilgesellschaftlich scheint Ostern gerade dabei zu sein, ein zweites großes Geschenkefest neben Weihnachten zu werden; „man“ schenkt sich nicht nur Ostereier, sondern richtig teure Sachen, auf dass noch mehr Geschäfte gemacht werden können.

Ein Bibeltext zur Osternacht, den wir auch jetzt am Ostertag betrachten können, will uns dazu anregen, Ostern als unsere ganz eigene Sache zu verstehen, nicht als bloßes Geschenkefest und auch nicht nur als Ostereiersuchgelegenheit, sondern als ein Fest der Suche nach uns selbst. Dieser Text, er steht im Brief an die Kolosser 3, behauptet nämlich: „Euer Leben ist in Gott versteckt.“ Machen wir uns also auf die Suche nach uns selbst, indem wir unseren Bibeltext Vers für Vers auspacken und schauen, was wir in ihm Kostbares für uns finden.

Einen Vers aus Kolosser 2 müssen wir vorher noch hören:

12 Mit ihm [Christus] seid ihr begraben worden durch die Taufe; mit ihm seid ihr auch auferstanden durch den Glauben aus der Kraft Gottes, der ihn auferweckt hat von den Toten.

Bei der Taufe wurden die Christen früher im Wasser untergetaucht; der alte sündige Mensch wurde quasi ertränkt; symbolisch ist die Taufe ein Mitsterben und ein Mitbegrabenwerden mit Jesus Christus. Das ist aber nicht alles. Wichtiger ist das Auftauchen aus dem Bad der Taufe, das Mitauferstehen mit Jesus, indem man auf den Gott vertraut, der Jesus von den Toten auferweckt hat. Darum geht es eigentlich an Ostern, darum waren Ostergottesdienste früher auch oft Taufgottesdienste: Wir glauben nicht nur daran, dass Jesus auferstanden ist, sondern dass wir mit ihm auferstehen, und zwar schon hier und jetzt. Daran knüpft unser eigentlicher Predigttext im dritten Kapitel des Kolosserbriefs an:

1 Seid ihr nun mit Christus auferstanden, so sucht, was droben ist, wo Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes.

2 Trachtet nach dem, was droben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist.

Zwei Mal werden wir aufgefordert, etwas zu suchen, „was droben ist“. Christen sollen nicht Wünsche und Ziele verfolgen, die an diese Erde gebunden sind, sondern sich um den Himmel Gottes bemühen, wo Christus nach seiner Auferstehung hingekommen ist. Das klingt vielleicht für den einen schön, für den andern befremdlich, es muss auf jeden Fall erklärt werden, was damit gemeint ist. Dieses „Oben“ erreichen wir ja nicht mit einem Flugzeug oder einer Rakete, sondern es handelt sich um das unsichtbare Reich Gottes. Und das erreichen wir entweder erst nach unserem Tod, indem Gott uns dort aufnimmt, oder wir suchen es mitten unter uns; dort beginnt es ja schon jetzt, was Jesus auch in Lukas 17, 20-21, gesagt hat:

Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man‘s beobachten kann; man wird auch nicht sagen: Siehe, hier ist es! oder: Da ist es! Denn siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch.

Mitten unter uns und doch verborgen, nicht offenbar für alle Augen (Kolosser 3, 3):

3 Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit Christus in Gott.

Wieder betont der Kolosserbrief: Ihr seid jetzt schon tot. Und euer Leben ist versteckt – es ist verborgen in Gott, zusammen mit Christus.

Aber wie ist das gemeint?

Zunächst hören wir etwas über das zukünftige Reich Gottes (Kolosser 3, 4):

4 Wenn aber Christus, euer Leben, sich offenbaren wird, dann werdet ihr auch offenbar werden mit ihm in Herrlichkeit.

Das ist Zukunftsmusik. Noch hat Christus sich nicht in seiner ganzen Herrlichkeit offenbart. Noch scheint er gescheitert zu sein. Noch ist auf Erden nicht das Friedensreich verwirklicht, das er angekündigt hat. Aber wir dürfen darauf hoffen, dass es irgendwann Frieden geben wird, dass Jesus wiederkommt in Herrlichkeit oder dass wir bei ihm sein werden in seiner Herrlichkeit im Himmel – so unvorstellbar das für uns auch alles klingen mag.

Es bleibt im Kolosserbrief aber nicht bei der Zukunftsmusik, sondern im nächsten Vers wird der Brief sehr konkret und orientiert sich voll und ganz am Hier und Jetzt, an unserem Leben im Diesseits:

5 So tötet nun die Glieder, die auf Erden sind, Unzucht, Unreinheit, schändliche Leidenschaft, böse Begierde und die Habsucht, die Götzendienst ist.

Hier wird deutlich, inwiefern wir in der Taufe sterben, was an uns tot sein soll: alles, was böse ist, was gegen die Gebote Gottes, ja gegen Gott selbst gerichtet ist, soll an uns absterben. Das meint der Kolosserbrief mit dem, „was auf Erden ist“. Im Vordergrund scheinen sexuelle Verhaltensweisen zu stehen, durch die man Menschen als Objekt benutzt bis hin zum Missbrauch, zur Vergewaltigung. Böse Begierden können aber auch in einem ungezügeltem Machtstreben und der ausdrücklich genannten Habgier bestehen, und diese wird wieder als Götzendienst bezeichnet. Überall, wo wir nicht im Vertrauen auf den befreienden Gott der Liebe handeln, sondern in der Gier nach einem Ersatz für Liebe, da verstoßen wir nicht nur gegen einzelne Gebote, sondern gegen das erste und wichtigste Gebot an sich, das Gebot, den einen Gott, der uns liebt und der uns frei macht, zu lieben – und das heißt: seine Liebe in uns aufzunehmen und weiterzugeben.

6 Um solcher Dinge willen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Ungehorsams.

Der Kolosserbrief warnt vor dem eben genannten Abfall von Gott und seinen Geboten, weil er den Zorn Gottes zur Folge hat. Wer ein Kind des Ungehorsams ist, also wer nicht auf die gute Stimme Gottes hört, der spürt am Ende nichts mehr von Gottes Liebe, sondern er erfährt Gott als einen, der straft, der ungerecht ist, der auf Dauer verborgen ist, der vielleicht gar nicht existiert.

7 In dem allen seid auch ihr einst gewandelt, als ihr noch darin lebtet.

Ob die damaligen Leser des Kolosserbriefs das auf sich bezogen haben, wissen wir nicht. Ob wir es auf uns beziehen müssen, das kann nur jeder von uns selbst beantworten. Sind wir von Begierden erfüllt, von Zwängen und Gewohnheiten, die wir gerne ablegen möchten, aber gegen die wir nicht ankommen? Der Kolosserbrief regt uns dazu an, Abschied zu nehmen von Haltungen und Verhaltensweisen, die nicht zum Vertrauen auf Gott passen.

8 Nun aber legt alles ab von euch: Zorn, Grimm, Bosheit, Lästerung, schandbare Worte aus eurem Munde;

9 belügt einander nicht; denn ihr habt den alten Menschen mit seinen Werken ausgezogen

10 und den neuen angezogen, der erneuert wird zur Erkenntnis nach dem Ebenbild dessen, der ihn geschaffen hat.

Hier merken wir: Das sind ja doch nicht nur Dinge, die wir gut und gern auf andere abwälzen können. Hegen wir nicht manchmal einen lang anhaltenden Groll gegen jemanden? Lästern wir nicht schon mal gegen jemanden ab? Reden wir nur respektvoll über andere Menschen? Gibt es Lügen, die wir uns erlauben?

Schön ist es, dass all das nur zum alten Menschen gehört, den wir im Vertrauen auf Vergebung ausziehen können. Er ist ja längst tot und abgestorben in unserer Taufe. Hinter diesem alten Menschen ist der neue versteckt, und zwar einerseits in Gott selbst, da wir nach seinem Ebenbild geschaffen sind (1. Buch Mose – Genesis 1, 27), und andererseits zugleich in uns selbst:

Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Weib.

Gott formt uns zu seinem Ebenbild, indem wir seinen Geist der Liebe in uns einlassen. Alles in uns, was ohne den alten Menschen leer erscheint, will Gott erfüllen. So finden wir uns in Gott in uns selbst. So werden wir zur Erkenntnis erneuert, dass wir kostbarer und liebenswerter sind, als wir dachten. Wir müssen uns nicht selbst erlösen. Gott selber füllt unsere leeren Herzen und Hände mit seiner Liebe. Mehr brauchen wir nicht. Und wenn uns das, was wir mit dieser Liebe anstellen können, zu wenig erscheint, dann mag das daran liegen, dass unser alter Mensch uns ein Trugbild von scheinbarer Größe vorgegaukelt hat, von dem wir getrost Abschied nehmen dürfen. Wir dürfen so sein, wie wir sind, mit unseren realen Gefühlen und Kräften und Stärken, aber auch unseren Schwächen.

11 Da ist nicht mehr Grieche oder Jude, Beschnittener oder Unbeschnittener, Nichtgrieche, Skythe, Sklave, Freier, sondern alles und in allen Christus.

Zum Schluss legt uns der Kolosserbrief eindrücklich ans Herz, dass zu unserem neuen Leben, das in Gott versteckt ist, die üblichen Abgrenzungen nicht mehr passen, die uns oft so selbstverständlich sind. Damals ging es um Griechen und Juden, womit weniger ein ethnischer als ein religiöser Gegensatz gemeint war, nämlich zwischen denen, die beschnitten waren, und denen, die man als unrein betrachtete und die umgekehrt die Beschnittenen für religiös entstirnig hielten. Interessant ist, dass außerdem Skythen erwähnt werden; so nannte man damals die Reiternomadenvölker in den Steppen nördlich des Schwarzen Meeres. Gemeint ist: auch Leute, die wir als unkultivierte Barbaren betrachten mögen, gehören zum Leib Christi dazu. Und Rangunterschiede zwischen Arm und Reich, Sklaven und freien Menschen, haben in der christlichen Gemeinschaft erst recht keine Bedeutung mehr. Am Abendmahlstisch oder im Abendmahlskreis, da gehören bis heute alle Menschen zusammen, die sich zu Christus bekennen, egal woher sie kommen und wie unterschiedlich sie sonst sein mögen. Und auch darüber hinaus verpflichtet uns das neue Leben in Christus dazu, niemanden zu verurteilen, nur weil er zu einer bestimmten Gruppe gehört, sei es ein Hartz-IV-Empfänger, ein Asylbewerber, ein Muslim oder ein Wähler einer bestimmten Partei. Jeder soll nach seinen eigenen Worten und Taten beurteilt werden – und wenn jemand unrecht redet oder Unrecht tut, dann gehört zum neuen Leben in Christus auch dazu, ihn entsprechend zur Rechenschaft zu ziehen.

Aber vergessen wir nicht: Unser eigenes Leben ist auch nicht einfach immer gut. Das Gute an unserem Leben, die Liebe, die wir üben sollen, ist versteckt in Gott. Wir brauchen Gottes Barmherzigkeit, damit wir diese Liebe in uns finden und sie tagtäglich wie ein Osterei einander schenken. Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.

Wir singen das Lied 102:

1. Jesus Christus, unser Heiland, der den Tod überwand, ist auferstanden, die Sünd hat er gefangen. Kyrie eleison.

2. Der ohn Sünden war geboren, trug für uns Gottes Zorn, hat uns versöhnet, dass Gott uns sein Huld gönnet. Kyrie eleison.

3. Tod, Sünd, Leben und auch Gnad, alls in Händen er hat; er kann erretten alle, die zu ihm treten. Kyrie eleison.

Lasst uns nun am Osterfest das Heilige Abendmahl miteinander feiern!

Herr Jesus Christus, mach uns Mut, den alten Menschen der Sünde auszuziehen und den neuen Menschen deiner Liebe anzuziehen. Wir bekennen vor dir unsere Lieblosigkeit und unseren falschen Stolz, wo wir uns selbst erlösen wollen, und bringen in der Stille vor dich, was uns belastet:

Beichtstille

Wollt Ihr, dass Gott euch verwandelt zum neuen Leben durch die Kraft der Auferstehung Jesu Christi, dann sagt laut oder leise oder auch still im Herzen: Ja!

Auf euer aufrichtiges Bekenntnis spreche ich euch die Vergebung eurer Sünden zu – im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Der Herr sei mit euch. „Und mit deinem Geiste.“

Erhebet eure Herzen! „Wir erheben sie zum Herren.“

Lasset uns Dank sagen dem Herrn, unserem Gott. „Das ist würdig und recht.“

Würdig und recht ist es, Gott, unser Vater im Himmel, dass wir das Geheimnis der Auferstehung deines Sohnes Jesu Christi mit vertrauendem Herzen annehmen. In dir, der du uns erschaffen hast zu deinem Bilde, ist unser Leben versteckt wie ein Osterei, in dir finden wir die Liebe, die uns neu macht und leben lässt. Zu dir rufen wir und preisen dich, Heiliger Gott:

Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth; alle Lande sind seiner Ehre voll. Hosianna in der Höhe. Gelobet sei, der da kommt im Namen des Herrn. Hosianna in der Höhe.

Vater unser und Austeilung des Abendmahl

Jesus Christus spricht: Ich bin die Auferstehung und das Leben. So nehmt hin und teilt aus und esst: den Leib unseres Herrn Jesus Christus, Brot der Auferstehung, Brot des Lebens.

Herumreichen des Korbs

Jesus Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.

So nehmt hin und trinkt, was euch gegeben ist – Gewächs des Weinstocks, Kelch des Heils, der euren Durst nach Vergebung stillt.

Austeilen der Kelche

Der Apostel Paulus spricht: Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum: wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn. Gehet hin im Frieden!

Fürbitten

Wir singen das Lied 107:

1. Wir danken dir, Herr Jesu Christ, dass du vom Tod erstanden bist und hast dem Tod zerstört sein Macht und uns zum Leben wiederbracht. Halleluja.

2. Wir bitten dich durch deine Gnad: Nimm von uns unsre Missetat und hilf uns durch die Güte dein, dass wir dein treuen Diener sein. Halleluja.

3. Gott Vater in dem höchsten Thron samt seinem eingebornen Sohn, dem Heilgen Geist in gleicher Weis in Ewigkeit sei Lob und Preis! Halleluja.

Abkündigungen

Geht mit Gottes Segen:

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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