Morgenblick zum Himmel

Trauerfeier für einen alten Landwirt, der sein Leben im Vertrauen auf Gott geführt hat und jeden Morgen zum Himmel blickte – nicht nur des Wetters wegen.

Morgenblick zum Himmel: Ein Erntefeld, darüber ein mäßig bewölkter Himmel nach dem Sonnenaufgang

Ein morgendlicher Blick zum Himmel während der Erntezeit (Bild: Larisa-K – pixabay.com)

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

Wer zu Gottes Ruhe gekommen ist, der ruht auch von seinen Werken so wie Gott von den seinen. (Hebräer 4, 10)

Liebe Trauergemeinde, wir sind hier versammelt, um Abschied zu nehmen von Herrn B., der im Alter von [über 90] Jahren gestorben ist.

Wir besinnen uns gemeinsam auf sein Leben. Wir begleiten einander auf dem Weg der Trauer. Wir hören auf Worte von Gott, die uns trösten können und die uns zum Leben helfen – hier auf Erden und dort in der Ewigkeit.

Wir beten mit Worten aus dem Psalm 23:

1 Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.

2 Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.

3 Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.

4 Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.

5 Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.

6 Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar. Amen.

Liebe Gemeinde!

Ein langes Leben war Herrn B. geschenkt. An seinem 90. Geburtstag erzählte er mir, wie er die Landwirtschaft von der Pike auf lernte, sowohl zu Hause als auch auf den entsprechenden Schulen. Zeitweise führte er Viehtransporte durch; er liebte Pferde und ritt als junger Mann sehr gern. Im Alter erinnerte er sich gern zurück, wie er damals Zweizentnersäcke noch allein tragen konnte. Auch erzählte er, dass viele jüdische Viehhändler bei den Viehmärkten zunächst ihr Vieh bei ihm auf dem Hof unterstellten.

Als Herr B. sein Junggesellenleben aufgab und mit Ihnen, liebe Frau B. die Hochzeit feierte, hat der Pfarrer Ihnen den Trauspruch aus dem Psalm 127, 1 mit auf Ihren gemeinsamen Weg gegeben:

Wenn der Herr nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen.

Der Glaube war und blieb Herrn B. wichtig. Anlässlich der Feier eines Ehejubiläums in unserer Kirche erzählte er mir, wie man ihn im Dritten Reich dazu bringen wollte, aus der Kirche auszutreten. Er weigerte sich standhaft. „Wozu ich stehe, stehe ich“, meinte er.

Ein anderes Mal sagte mir Herr B., dass für ihn jeden Morgen der erste Blick zum Himmel ging; da schaute der Landwirt, wie das Wetter wird und blickte zugleich nach oben, über den sichtbaren Himmel hinaus, zu Gott, aus dessen Hand wir alles empfangen.

Erinnerungen an Freude und Leid im Leben des Verstorbenen

Herr B. war weiterhin mit Leib und Seele Landwirt; gemeinsam mit seiner Frau stellte er sich energisch den ständig wachsenden Herausforderungen technischer und wirtschaftlicher Art in den Jahrzehnten nach dem Krieg. Seine besondere Leidenschaft blieben die Pferde, bis die Landwirtschaft auf die Bewirtschaftung mit Traktoren und Maschinen umgestellt wurde; seitdem saß Herr Görtel ebenso gern auf dem Schlepper wie zuvor auf dem Pferd und musste dies erst im Alter von 90 Jahren notgedrungen aufgeben. Zuletzt fiel es ihm sehr schwer, zu akzeptieren, dass seine Kräfte für die Arbeit nicht mehr ausreichten und noch schwerer, dass der Betrieb in der nächsten Generation aufgegeben werden musste. Den immer größeren Schwierigkeiten für die Landwirtschaft in einer digitalisierten und global vernetzten Dienstleistungsgesellschaft vermochte er nicht offen ins Auge zu sehen.

Sein Leben war die Landwirtschaft gewesen, Urlaub gab es für ihn so gut wie nie, zumal es ihm auf Reisen anderswo nicht so gut gefiel. Wenn im Fernsehen über die Tour de France berichtet wurde, fielen ihm vor allem die Landschaften auf und ob die Wiesen schon gemäht waren.

Eines ließ er sich allerdings nicht nehmen: sonntags um halb zehn den Fernsehgottesdienst mitzufeiern, auch wenn ihm manchmal die Disco-Musik nicht gefiel, die dort gespielt wurde, wie er es nannte. Verletzt hatte er sich von einem Pfarrer gefühlt, der ihm vorwarf, er sei ein gottloser Mensch, weil er so selten in die Kirche käme. Dem hätte er ordentlich die Meinung gesagt, dass sein Blick jeden Morgen zuerst zum Himmel gehe und dass er im Dritten Reich zur Kirche gehalten hätte.

Ich glaube, nicht nur ihm war der Blick nach oben wichtig, sondern der da oben hatte auch ihn hier unten im Blick. So viel Bewahrung, so viel Begleitung hat er erfahren sein Leben hindurch, so viel wurde ihm geschenkt, ein Beruf, den er mit Leib und Seele ausfüllte, eine Familie, in der man zueinanderstand, was auch immer geschehen mochte.

Sie haben gemeint, liebe Frau B., dass Ihr Mann wohl öfter von dem Psalm 23 gesprochen habe, der gefiel ihm besonders gut. Es ist der Psalm vom Guten Hirten, den wir zu Beginn gebetet haben.

1 Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.

So betete der König David, der aus einer großen Landwirtsfamilie stammte und als junger Mann die Schafe seines Vaters hüten musste. Wer sich auf Gott verlassen kann, wer die Ernte nicht allein als Produkt eigener Arbeitskraft, sondern als Gottesgeschenk aus seiner Hand empfängt, der macht die Erfahrung, dass es uns im Entscheidenden an nichts mangeln wird. Wirklich unzufrieden ist nur der, dessen Leben keinen Sinn und kein Ziel hat, außer um sich selbst zu kreisen und irgendwann im Tod zu enden. Aber Gott, der Gute Hirte, schenkt uns, was wir brauchen, vor allem seine Liebe und die Begabungen, mit denen wir unser Leben meistern, und immer wieder Hoffnung. So wie ein Guter Hirte seine Schafe nicht im Stich lässt, so lässt Gott uns Menschen nicht verloren gehen.

Am Ende unseres Lebens empfängt er uns mit offenen Armen und nimmt uns mit Ehren an:

6 Ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.

Dorthin, ins Haus der Ewigkeit, hat Gott Herrn B. nun doch recht unerwartet abgerufen. Er hat wohl nicht gewollt, dass er sich an ein eingeschränkteres Leben hätte gewöhnen müssen. Darum, so traurig wir auch sind über seinen Tod, lassen wir ihn doch getrost los – in Trauer und in Dankbarkeit für so vieles, was ihm und uns mit ihm in all den vielen Jahrzehnten seines Lebens geschenkt war. Er findet Ruhe in Gott, der ihn gnädig aufnimmt in seinem himmlischen Frieden.

Als ich Herrn B. zum letzten Mal an seinem Geburtstag besuchte, wünschte er sich zum Abschied, dass ich mit ihm bete. Ich betete mit ihm einen Vers, den ich jetzt noch einmal für ihn und uns alle sprechen möchte:

Von guten Mächten wunderbar geborgen

Wir singen das Lied 376:

1. So nimm denn meine Hände und führe mich bis an mein selig Ende und ewiglich. Ich mag allein nicht gehen, nicht einen Schritt: wo du wirst gehn und stehen, da nimm mich mit.

2. In dein Erbarmen hülle mein schwaches Herz und mach es gänzlich stille in Freud und Schmerz. Lass ruhn zu deinen Füßen dein armes Kind: es will die Augen schließen und glauben blind.

3. Wenn ich auch gleich nichts fühle von deiner Macht, du führst mich doch zum Ziele auch durch die Nacht: so nimm denn meine Hände und führe mich bis an mein selig Ende und ewiglich!

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