Zauberwelten für die „entzauberte Welt“

Ein nebelhaftes Bild mit einer Krähe vorn und feenhaften Wesen im Dunst

Fantasy-Romane und Mystery-Serien haben Hochkonjunktur (Bild: pixabay.com)

Das Übersinnliche und Magische hat Hochkonjunktur. Ein Millionenpublikum interessiert sich für phantastische Welten, vom „Herrn der Ringe“ bis zur Zauberwelt des Harry Potter. In Fernsehserien spielen Geister, charmante Hexen und Dämonenjagden eine immer größere Rolle. Unsere aufgeklärte „entzauberte Welt“ (Max Weber) kommt offenbar nicht ohne das Wunderbare aus. Trotz der Fortschritte von Wissenschaft und Technik fühlen moderne Menschen sich Mächten ausgeliefert, die sie als dämonisch empfinden. Die Sehnsucht nach Erlösung vom Bösen und vom Tod, die traditionell der christliche Glaube versprach, ist jedenfalls nicht unmodern geworden.

„Subtile Verführungen“ zum Okkultismus (so der heutige Papst Benedikt vor vier Jahren über Harry Potter) unterstelle ich diesen Buch- und Fernsehproduktionen ebenso wenig wie Grimms Märchen. Am Ende muss das Böse immer dem Guten unterliegen, und das Gute siegt – je besser die (Dreh-)Bücher sind – nicht durch die Macht der Magie als solche, sondern durch den Einsatz menschlicher Tugenden. Eher könnte man Joanne K. Rowling die subtile Verführung zum Christentum unterstellen, da sie in ihrem Harry-Potter-Epos als entscheidende Waffen gegen finstere Mächte zentrale christliche Motive zur Geltung bringt: Opferbereitschaft und Liebe.

Im Unterschied zu traditionellen oder modernen Märchenfiguren hat Jesus nicht nur in der Phantasie, sondern tatsächlich den Tod und die Macht des Bösen besiegt. Die Bibel erzählt spannende Geschichten von diesem Kampf und zeigt Wege, auf denen wir ihn mitkämpfen können. Im Gottvertrauen finden wir Kraft zum Leben und Trost im Sterben. Wir überwinden Ängste und Versuchungen und treten mutig für die Würde jedes Menschen ein.

Gedanken zum Sonntag am Samstag, 28. Juli 2007, im Gießener Anzeiger von Pfarrer Helmut Schütz, Pfarrer der Evangelischen Paulusgemeinde Gießen.

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