Gottes Geist begeht Wunder!

Das Pfingstwunder begeht Gott an einem „kleinen trostlosen Häuflein“. Ich finde das tröstlich. Oft kommen wir uns in unserer Kirche mit ihren 200 Sitzplätzen auch so vor. Ein wunderschönes Pfingstlied von Ambrosius Blarer wird in der Predigt ausgelegt und lässt die Pfingstbotschaft zu Herzen gehen. Und die „Aktion Kirchenmosaik“ wird eröffnet.

Der Umriss der Pauluskirche aus Sperrholz und Körbe mit Mosaiksteine zum Aufkleben

Zur Aktion Kirchenmosaik stehen Mosaiksteine und ein Umriss der Paulusgemeinde am Eingang bereit

direkt-predigtGottesdienst am Pfingstsonntag, den 27. Mai 2012, um 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Am Pfingstsonntag begrüße ich Sie in der Pauluskirche mit einem Wort aus 1. Korinther 12, 13 (Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift © 1980 by Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart):

Durch den einen Geist wurden wir in der Taufe alle in einen einzigen Leib aufgenommen…; und alle wurden wir mit dem einen Geist getränkt.

Pfingsten feiern wir heute, das Geburtstagsfest unserer christlichen Kirche, das Fest der Ausgießung des Heiligen Geistes.

Wir im Kirchenvorstand nehmen dieses Fest zum Anlass, die „Aktion Kirchenmosaik“ vorzustellen und zu eröffnen. Sie hat mit dem ausgesägten Modell der Pauluskirche zu tun, das Sie vielleicht schon vorhin am Eingang gesehen haben. Darüber hören wir später am Ende der Predigt mehr.

Jetzt singen wir aus dem Lied 130 die Verse 1 und 6:

1. O Heilger Geist, kehr bei uns ein und lass uns deine Wohnung sein, o komm, du Herzenssonne. Du Himmelslicht, lass deinen Schein bei uns und in uns kräftig sein zu steter Freud und Wonne. Sonne, Wonne, himmlisch Leben willst du geben, wenn wir beten; zu dir kommen wir getreten.

6. Du süßer Himmelstau, lass dich in unsre Herzen kräftiglich und schenk uns deine Liebe, dass unser Sinn verbunden sei dem Nächsten stets mit Liebestreu und sich darinnen übe. Kein Neid, kein Streit dich betrübe, Fried und Liebe müssen schweben, Fried und Freude wirst du geben.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. „Amen.“

Die christliche Kirche feiert Geburtstag. Nicht unsere Gemeinde, nicht unser Kirchengebäude. An Pfingsten feiert die ganze Christenheit Geburtstag, denn nach dem Tod, der Auferstehung und der Himmelfahrt Jesu wurde die erste christliche Gemeinde gegründet. Und wer war ihr Gründer? Gott selbst, Gott, der Heilige Geist.

Kommt, lasst uns ihn anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Auch wir sind Kirche und feiern mit ihr Geburtstag. Wir dürfen uns selber feiern. Aber indem wir uns als deine heilige Kirche feiern, sind wir angewiesen auf dich, Gott, auf deinen Geist, auf deine Vergebung, auf Einsicht in deine Wege, auf Kraft von oben. Denn immer wieder fühlen wir uns allein, unsicher und mutlos; unsere Kirche kommt uns unpersönlich vor; unser Glaube ist nicht immer stark. Darum bitten wir dich um deinen Geist. Wir rufen zu dir:

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Wir feiern Kirchengeburtstag und sind dankbar, dass es die Kirche Jesu Christi seit 2000 Jahren gibt, durch Jahrhunderte hindurch, in vielen Ländern und Orten und so auch hier und heute in der Pauluskirche in Gießen. Für allen Segen, der uns in und durch unsere Gemeinde geschenkt ist, lasst uns Gott lobsingen!

„Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende.

Der Herr sei mit euch! „Und mit deinem Geist!“

Herr, unser Gott, unsichtbarer, starker, heiliger Geist! Schenke uns Klarheit über dich, erfülle uns mit deiner Kraft, schließe uns in deiner Gemeinde so zusammen, dass wir füreinander einstehen und auch fruchtbar nach außen wirken. Das erbitten wir von dir im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Die Lesung aus der Bibel zum Pfingstfest steht in der Apostelgeschichte 2 (Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift © 1980 by Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart):

1 Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort.

2 Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren.

3 Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder.

4 Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.

7 Sie gerieten außer sich vor Staunen und sagten: Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden?

8 Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören?

12 Alle … waren ratlos. Die einen sagten zueinander: Was hat das zu bedeuten?

13 Andere aber spotteten: Sie sind vom süßen Wein betrunken.

14 Da trat Petrus auf … und begann zu reden:

15 Diese Männer sind nicht betrunken, wie ihr meint; es ist ja erst die dritte Stunde am Morgen;

16 sondern jetzt geschieht, was durch den Propheten Joël gesagt worden ist:

17 In den letzten Tagen wird es geschehen, so spricht Gott: Ich werde von meinem Geist ausgießen über alles Fleisch. Eure Söhne und eure Töchter werden Propheten sein, eure jungen Männer werden Visionen haben, und eure Alten werden Träume haben.

38 Am Schluss seiner Predigt rief Petrus: Kehrt um, und jeder von euch lasse sich auf den Namen Jesu Christi taufen zur Vergebung seiner Sünden; dann werdet ihr die Gabe des Heiligen Geistes empfangen.

41 Die nun, die sein Wort annahmen, ließen sich taufen, an diesem Tag etwa dreitausend Menschen.

Herr, dein Wort ist unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Wege. Halleluja. „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Glaubensbekenntnis

Wir singen das Lied 129:

1. Freut euch, ihr Christen alle, Gott schenkt uns seinen Sohn; lobt ihn mit großem Schalle, er sendet auch vom Thron des Himmels seinen Geist, der uns durchs Wort recht lehret, des Glaubens Licht vermehret und uns auf Christus weist.

2. Er lässet offenbaren als unser höchster Hort uns, die wir Toren waren, das himmlisch Gnadenwort. Wie groß ist seine Güt! Nun können wir ihn kennen und unsern Vater nennen, der uns allzeit behüt‘.

3. Verleih, dass wir dich lieben, o Gott von großer Huld, durch Sünd dich nicht betrüben, vergib uns unsre Schuld, führ uns auf ebner Bahn, hilf, dass wir dein Wort hören und tun nach deinen Lehren: das ist recht wohlgetan.

4. Von oben her uns sende den Geist, den edlen Gast; der stärket uns behende, wenn uns drückt Kreuzeslast. Tröst uns in Todespein, mach auf die Himmelstüre, uns miteinander führe zu deinem Freudenschein!

Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde, mit einem Pfingstlied von Ambrosius Blarer möchte ich heute die Pfingstbotschaft verkündigen. Wie bewegt der Heilige Geist damals und heute uns Christen? Wie wird die Kirche durch den Heiligen Geist aufgebaut? Hören wir dazu den Text des Liedes 127, und nach der Auslegung jeder Strophe singen wir sie auch.

1. Jauchz, Erd, und Himmel, juble hell,
die Wunder Gotts mit Freud erzähl,
die er heut hat begangen
an seim trostlosen Häuflein klein.

Erde und Himmel sollen vor Freude jauchzen und jubeln, sollen von Gottes Wundern erzählen, die er begangen hat. Solche Formulierungen liebe ich in den alten Liedern. Gott begeht Wunder, so wie andere Leute Verbrechen begehen. Es klingt wie etwas, was sich nicht gehört, was aus dem Rahmen fällt, und doch ist es nicht ungehörig. Was Gott begeht, sind wahre Wunder, von denen man sich tolle Geschichten erzählen kann.

Das Pfingstwunder begeht Gott an einem „kleinen trostlosen Häuflein“. Ich finde das tröstlich. Oft kommen wir uns in unserer Kirche mit ihren 200 Sitzplätzen auch wie so ein kleines Häuflein vor. Hier wird uns gesagt: Mit diesem Gefühl sind wir nicht allein. Schon die Freundinnen und Freunde Jesu damals in Jerusalem fühlten sich trostlos und allein, versteckten sich hinter den Mauern ihrer Zuflucht vor der Öffentlichkeit. Schon das ist tröstlich, aber mehr noch: Wir sind sein kleines trostloses Häuflein, sind in seiner Hand und nicht wirklich von Gott verlassen. Er will auch an uns heute sein Wunder begehen. Darum dürfen wir bitten, wie es damals auch das kleine Häuflein derer getan hat, die nach Jesu Auferstehung und Himmelfahrt ohne seine leibliche Gegenwart leben mussten:

Das saß in friedsamer Gemein
und betet mit Verlangen,
dass es mit Geist getaufet werd.

Kein Häuflein von Christen ist zu klein zum Beten. Zwei oder drei können im Namen Jesu friedlich zusammen sein und einander Mut machen, ein großes Verlangen nicht aufzugeben: dass wir mit Geist getauft werden, also von Gott selbst berührt, durchflossen und verwandelt werden. So ein Wunder will Gott an uns begehen, nicht als Zaubertrick, sondern als eine Veränderung, die wir bewusst erleben und be-geistert mitmachen.

Der kam mit Feuers Glut zur Erd,
mit starkem Sturmestoben;
das Haus erfüllt er überall,
zerteilt man Zungen sah im Saal,
und all den Herren loben.

Hier werden die Bilder der Pfingstgeschichte nachgezeichnet: Wie der Heilige Geist mit Feuer und Sturm auf die Erde kommt, das ganze Haus erfüllt, sich in Form von Zungen auf alle Anwesenden verteilt. Ein inneres Geschehen wird hier beschrieben. Vor lauter Liebe von Gott wird diesen Menschen heiß. Sie fühlen sich wie von einem starken Sturm nach draußen getrieben, um von Jesus zu erzählen. Schwere Zungen lösen sich, schüchterne Jünger Jesu finden Worte für ihren Glauben; voller Begeisterung loben sie Gott. So sieht das Wunder aus, das Gott an ihnen begeht.

Aber mit den Wundern Gottes ist das so eine Sache – viele Menschen können sich nur über das wundern, was andere für ein Wunder Gottes halten. Davon erzählt auch die Pfingstgeschichte und unser Lied:

2. Auf tat sich ganz des Himmels Schrein;
man wähnt, sie wären voller Wein,
all Welt sich drüber wundert.

Da öffnet sich der Schrein des Himmels, also ein kostbares heiliges Behältnis voller großartiger Dinge: Liebe, Kraft, Begeisterung, Hoffnung und vieles mehr. Aber die Leute denken: Die sind wohl „voll“, aber in einem anderen Sinn: hackedicht. Man kann es nicht ändern: Die Botschaft von Gott, vom Heiligen Geist, wird immer auch angefeindet werden.

In fremden Zungen reden sie,
bezeugen Gottes Großtat hie,
von seinem Geist ermuntert.

Zum Pfingstwunder gehört die Beharrlichkeit, mit der Menschen, die von Gott begeistert sind, ihren Glauben weiterverkünden. Was Gott an ihnen getan hat, mag anderen klein erscheinen; für sie selbst ist es groß. So habe ich zum Beispiel erfahren, reden zu können und nicht schüchtern bleiben zu müssen. Verzagtheit kann man überwinden, Ängste müssen einen nicht ewig quälen. Und so kann man sich verstehen, sogar über Sprachgrenzen hinweg. Und das wichtigste Thema, von dem sie reden, ist Jesus Christus:

So machen sie sich auf den Plan,
Christus zu lehren fangn sie an,
dass er der Herr sei worden
und dass man lasse von der Sünd
und durch die Tauf werd Gottes Kind:
das sei der christlich Orden.

Planmäßig machen sich die ersten Christen an ihre größte Aufgabe heran: Christus zu lehren. Sie betreiben Christusunterricht und unterteilen ihn sozusagen in drei Lernfächer:

Erstens – Christus ist für uns zum Herrn geworden. Gott hat dem am Kreuz ermordeten kleinen Prediger aus Galiläa alle Macht im Himmel und auf Erden in die Hand gegeben.

Zweitens – man soll die Finger von der Sünde lassen, also von einer Lebenshaltung, in der man Gott und Menschen verachtet und egoistisch um sich selber kreist.

Drittens – wer im Glauben an Jesus als Gottes Kind leben will, kann sich taufen lassen. Wer sich taufen lässt, zu Jesus Ja und zur Sünde Nein sagt, der gehört zur christlichen Kirche wie ein Mönch oder eine Nonne zu ihrem Orden.

Die nächsten beiden Strophen beschäftigen sich näher mit den Pfingstbildern Wind und Feuer.

3. Ach Herr, nun gib, dass uns auch find
in Fried und Flehn dein sel’ger Wind.

Das ist eine schöne Umschreibung für ein Gebet um den Heiligen Geist. Der Heilige Geist sucht uns. Gott ist um uns bemüht. Nur kann es sein, dass wir uns gar nicht finden lassen wollen. Dass wir für Gottes Geist unauffindbar sind in irgendwelchem Unfrieden, der uns innerlich zerreißt oder es uns unmöglich macht, zu vertrauen. Interessant ist: Gottes Geist findet uns in Fried und Flehn. Also da, wo wir um innere Ruhe und Frieden bitten. Und da, wo wir uns bewusst machen, dass unsere Hände oder vielleicht auch unser Kopf leer sind, dass wir es nötig haben zu bitten und dass es keine Schande ist, so bedürftig zu sein. Wir dürfen flehen.

Weh rein vom Sündenstaube
ganz das Gemüt
und füll das Haus
deiner Gemeind.

Wenn der Geist uns findet, jagt er wie ein Sturmwind durch unser Gemüt und fegt den ganzen Sündenstaub weg, fast so, wie wenn mit einem dieser nervigen Laubpuster die Straße gereinigt wird. Schön an diesem Bild finde ich, dass die Sünde, die sich wie lästiger Staub in alle Ritzen unserer Seele einnistet und uns hässlich macht, durch den Heiligen Geist schonend entfernt wird – wenn wir ihn lassen. Unsere Seele leidet dabei keinen Schaden; im Gegenteil, sie wird dadurch schön und spiegelt wieder den Glanz von Gottes Liebe wider.

Außerdem füllt der Geist das Haus der Gemeinde, also das Kirchengebäude – wenn er es will. Und wir können ihm nicht vorschreiben, wann es seiner Meinung nach voll genug ist. Schon zwei oder drei, die sich in Christi Namen versammeln, füllen das Gotteshaus. Größere Zahlen freuen uns natürlich, sind aber nicht unbedingt eine Garantie für die Anwesenheit des Heiligen Geistes.

Dein Werk richt aus,
dass aufgeh rechter Glaube
und unsre Zung ganz Feuer werd,
nichts rede als dein Lob auf Erd
und was den Nächsten bauet.

Das Werk des Heiligen Geistes, seine ureigene Aufgabe, ist es, in uns rechten Glauben aufgehen zu lassen. Zum Glauben kann man sich nicht zwingen. Er geht auf wie eine Saat, die Gott selber durch sein Wort in uns sät. In einem Atemzug mit dem Glauben steht uns dann das Bild der Feuerzunge vor Augen. Wes das Herz voll ist, des läuft der Mund über, sagt man; wer vom Gottvertrauen erfüllt ist, erzählt auch andern davon, und dieses Erzählen hat zwei Ausrichtungen, auf Gott im Himmel, den wir auf Erden loben, und auf den Menschen neben uns, den wir „bauen“ sollen. Wir sind sozusagen Architekten füreinander, bauen einander auf durch gute Worte und hilfreiche Taten, machen aber einander nieder, wo wir schlecht voneinander reden.

Brenn rein die sündige Natur,
mach uns zur neuen Kreatur,
ob’s unserm Fleisch auch grauet.

Reingebrannt werden, das klingt heftig: „Autsch!“ Ganz ohne Schmerzen geht es wohl nicht ab, wenn wir uns ändern sollen oder wollen. Eine neue Kreatur, also neu geschaffen, völlig umgebaut sollen wir werden, und unser „Fleisch“ findet das nicht toll. Damit ist nicht etwas gemeint, was man in der Metzgerei bekommt, sondern der innere Schweinehund, der uns hindert, schlechte Angewohnheiten oder ernsthafte Charakterschwächen zu überwinden. Unser Lied bleibt aber nicht dabei stehen, die Schmerzen zu beschreiben, die bei der Überwindung der Sünde entstehen können.

4. Komm, Feuer Gottes, Heilger Geist,
erfüll die Herzen allermeist
mit deiner Liebe Brennen.

Darum geht es eigentlich: dass Gottes Liebe in unserem Herzen brennt. Diese Liebe verbrennt uns nicht, so wie der Dornbusch des Mose nicht verbrannt ist. Diese Liebe wärmt und erleuchtet uns, und sie ist der innere Motor für alles Gute, das wir tun können.

Von dir allein muss sein gelehrt,
wer sich durch Buß zu Gott bekehrt;
gib himmlisches Erkennen.

Noch einmal kommt unser Lied auf das Thema Unterricht zurück. Der Heilige Geist ist ein Lehrer, der uns anleitet, zu Gott zurückzukehren. Nichts anderes ist mit Buße gemeint: Umkehr zu Gott. Dasselbe meint unser Lied mit dem himmlischen Erkennen, nicht etwa, dass wir Bescheid wissen, wie es im Himmel aussieht, wo Gott wohnt, nein, dass wir mit Herz und Seele wissen, dass wir uns auf Gott verlassen können.

Der fleischlich Mensch sich nicht versteht
auf göttlich Ding und irregeht;
in Wahrheit wollst uns leiten
und uns erinnern aller Lehr,
die uns gab Christus, unser Herr,
dass wir sein Reich ausbreiten.

Beim „fleischlichen“ Menschen geht es nicht um Muskelpakete, sondern um das Bild eines Menschen, dem es nur um das Materielle geht, für den weder Gott noch Liebe, weder Hoffnung noch Vertrauen eine große Rolle spielen. Der begreift natürlich nichts von Gott und verirrt sich im Irrgarten des Lebens. Wer sich nicht verirren will, wer in Wahrheit leben will, braucht Anleitung vom Heiligen Geist. Diese Anleitung besteht darin, dass er uns an alles erinnert, was Jesus uns gelehrt hat. Und was wollte Jesus? Dass wir als seine Gemeinde ein Leben im Reich Gottes einüben – in Liebe, Gerechtigkeit und Frieden.

Aktion Kirchenmosaik
Pfarrer Schütz sucht einen Mosaikstein aus

Pfarrer Schütz und die Mosaiksteinkörbe

An dieser Stelle unserer Predigt baue ich eine Unterbrechung ein. Wir haben gehört, dass uns Gottes Geist verwandeln und in Bewegung setzen kann. Das wollen wir jetzt einmal buchstäblich erleben. Uns als Gemeinde, diese konkrete Paulusgemeinde, liegt ja auch etwas daran, dass wir uns weiterhin in unserer Pauluskirche wohlfühlen und dass sie uns erhalten bleibt. Zum Beispiel, dass uns der Beton an unserem Kirchturm nicht über unseren Köpfen wegbröckelt.

Darum möchte der Kirchenvorstand jetzt die „Aktion Kirchenmosaik“ eröffnen. Mit ihr erbitten wir weitere Spenden für unsere Kirchturmsanierung. Etwa zwei Drittel der Eigenmittel für die Baumaßnahme haben Sie bereits durch Spenden aufgebracht; aber ein Drittel fehlt noch. Frau Walpert hatte die Idee, dass jeder von Ihnen ein Teilhaber an der Pauluskirche werden kann. Woanders verlieren Investoren Millionenbeträge, wenn sie zum Beispiel überbewertete Facebook-Aktien kaufen. Bei uns erwerben Sie bereits mit einem Mindestbetrag von 2 Euro einen Anteil unseres Kirchenmosaiks und dürfen einen Mosaikstein in beliebiger Farbe auf das Pauluskirchenmodell kleben, das Frau Walpert gestaltet und Herr Klimas ausgesägt und standfest gemacht hat. So können viele gemeinsam einen kreativen Beitrag zur Erhaltung des Paulus-Kirchturms leisten! Die 2 Euro werden einfach in den Spendenkasten an der Kirchenbank hinten rechts eingeworfen. Man kann aber auch 5 oder 10 oder 50 Euro spenden, nach oben sind keine Grenzen gesetzt. Wer für eine größere Spende eine Bescheinigung bekommen möchte, muss sie mit Namen und Adresse im Umschlag einwerfen oder bei uns abgeben. Und nun eröffnet der Kirchenvorstand die Aktion – die nachher und an weiteren Sonntagen von Ihnen allen fortgesetzt werden kann!

Die Aktion Kirchenmosaik wird eröffnet!

Die Aktion Kirchenmosaik wird eröffnet!

Pfarrer Schütz streicht Klebstoff auf einen MosaiksteinLiebe Gemeinde, zurück auf der Kanzel, möchte ich die Predigt beenden und mich für die Auslegung der letzten drei Strophen unseres Liedes kürzer fassen.

5. Wie mit dem Vater und dem Sohn
du eins bist in des Himmels Thron
im ewgen Liebesbunde,
also mach uns auch alle eins,
dass sich absondre unser keins,
nimm weg der Trennung Sünde
und halt zusammen Gottes Kind,
die in der Welt zerstreuet sind
durch falsche G’walt und Lehre,
dass sie am Haupt fest halten an,
loben Christus mit jedermann,
suchen allein sein Ehre.

Eine schöne Erklärung der Heiligen Dreieinigkeit finden wir hier: Wie Gott in sich in Liebe vereint ist als Vater und Sohn im Heiligen Geist, so sollen wir Christen daran arbeiten, dass die Trennung in Konfessionen und gläubige Rechthaberei überwunden wird.

6. Durch dich besteht der neue Bund,
ohn dich wird Gott niemandem kund,
du neuerst unsre Herzen
und rufst darin dem Vater zu,
schaffst uns viel Fried und große Ruh
und tröstest uns in Schmerzen,
dass uns auch Leiden Ehre ist,
da du durch Lieb gegossen bist
in unser Herz ohn Klage.

Hier werden vielfältige Aufgaben des Heiligen Geistes aufgezählt. Ohne den Geist gäbe es keine Heilung unserer zerstörten Beziehung zu Gott; einen wirklich neuen Bund mit Gott muss Gott von sich aus herstellen. Ohne den Geist würden wir Gott nicht wirklich erkennen, würde unser Herz nicht erneuert, könnten wir nicht im Beten zu Gott rufen – alles das wirkt Gott selber in uns. Ohne Gottes Geist fänden wir weder innere Ruhe und Frieden noch Trost im Leid. Im Extremfall hilft uns der Geist sogar dabei, in einem bestimmten Leiden eine Ehrensache zu sehen, wenn wir uns zum Beispiel trauen, Zivilcourage zu beweisen, und für Menschen eintreten, die von anderen beleidigt oder erniedrigt werden.

Du leitest uns auf ebnem Weg
und führst uns hier den rechten Steg,
weckst uns am Jüngsten Tage.

Der Heilige Geist, also Gott selbst, der in uns wirkt, ist es auch, der uns hilft, nicht auf die schiefe Bahn abzurutschen, sondern auf guten Wegen zu gehen, und am Ende weckt er uns zum ewigen Leben auf.

7. Du, der lebend’ge Brunnenquell,
der Gottes Stadt durchfließet hell,
erquickest das Gemüte.

In der letzten Strophe taucht neben Wind und Feuer ein drittes Bild für den Geist auf: das Bild des Wassers, der Quelle oder des Brunnens. Gottes Geist fließt nicht nur durch die Stadt Gottes im Himmel, sondern durch das Reich Gottes, das mitten unter uns ist, und belebt auch unser eigenes Gemüt.

Durch dich besteht des Vaters Bau;
du willst und gibst, dass man dir trau,
du bist die Gottesgüte.

Wir sind dieser Bau des Vaters. Wir Christen werden von Gott dem Vater durch seinen Heiligen Geist als Leib Christi zu seiner Gemeinde aufgebaut. Zusammengehalten wird dieser Bau durch den Mörtel eines Gottvertrauens, das sich auf Gottes Güte hunderprozentig verlassen kann.

Irden Geschirr sind wir und weich,
brechen gar leicht von jedem Streich;
du selbst wollst uns bewahren,
uns brennen wohl in deiner Glut,
dass uns der Feind nicht Schaden tut,
wenn wir von hinnen fahren.

Das Lied schließt mit einem Blick auf unsere menschliche Zerbrechlichkeit. Wir sind wie Töpfe, die aus Ton gebrannt sind und leicht kaputtgehen können, wenn man uns unsanft behandelt. Die Bitte an den Heiligen Geist ist in diesem Zusammenhang, dass er uns bewahrt, dass uns die Glut seiner Liebe aber auch so sehr brennt, dass wir widerstandsfähiger werden, so wie ein gut gebrannter Tontopf weniger leicht zerbricht. Das heißt: Unser Lied weiß um die Härte und Bedrohtheit unseres Lebens, weiß aber auch darum, dass wir im Vertrauen auf den Heiligen Geist nicht verloren gehen. Und zwar nicht einmal dann, wenn wir einmal sterben müssen. Der Feind, also die Macht des Bösen, die uns in der Sünde von Gottes Liebe fernhalten will, kann uns nicht schaden, wenn wir auf die Macht des Heiligen Geistes vertrauen. Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.
Fürbitte und Gebetsstille und Vater unser

Zum Schluss singen wir aus dem Lied 136 die Strophen 1 und 7:

1. O komm, du Geist der Wahrheit, und kehre bei uns ein, verbreite Licht und Klarheit, verbanne Trug und Schein. Gieß aus dein heilig Feuer, rühr Herz und Lippen an, dass jeglicher getreuer den Herrn bekennen kann.

7. Du Heilger Geist, bereite ein Pfingstfest nah und fern; mit deiner Kraft begleite das Zeugnis von dem Herrn. O öffne du die Herzen der Welt und uns den Mund, dass wir in Freud und Schmerzen das Heil ihr machen kund.

Abkündigungen

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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