Worte des Lebens

Auffahrt Christi in den Himmel – das alte Bild hält uns fest, und wir versäumen es, ein neues Bild zu finden für die Bewegung Jesu, die Menschen zusammenbringt. So wie Jesus auf Menschen zuging und seine Zeit in Bewegung brachte, so können wir unsere Zeit in Bewegung bringen, wenn wir auf Menschen zugehen, sagen und wahrmachen: Friede sei mit euch!

Abendgottesdienst mit der Gruppe M.U.T. (Mario / Udo / Thomas) an Himmelfahrt, 20. Mai 1982, um 19.00 Uhr in der Reichelsheimer Kirche
Glockenläuten (10 Minuten – wie üblich)
Eingangsstück: „Regentropfen“

Herzlich willkommen in der Reichelsheimer Kirche nach einigen Wochen, in denen wir unsere Kirche nicht benutzen konnten! Wir feiern heute am Fest Christi Himmelfahrt einen besonderen Gottesdienst; im Mittelpunkt stehen die Lieder der Gruppe, die die letzten Konfirmanden auf ihrer Freizeit in Hohensolms kennengelernt haben. Wir haben sie in unsere Gemeinde eingeladen, sie sind da, und wir danken ihnen herzlich!

Blauer Stein, auf dem "Mut" stehtMusikalisch hat sich die Gruppe schon vorgestellt; sie hat den Namen M. U. T., das steht für Mario, Udo und Thomas; man kann es aber auch zusammenlesen: „Mut“! Damit ist klar, diese jungen Leute wollen nicht nur x-beliebige Musik machen, die bei jungen und junggebliebenen Menschen ankommt, sondern sie wollen Mut machen mit ihren Liedern – Mut zum Leben, Mut zum Glauben an Jesus, Mut zum Hören auf Gottes Wort.

Das klang im ersten Lied von den Regentropfen schon an: „Komm, mein Freund, lern Gott kennen, hör ihm zu!“ Ihm zuhören – das können wir heute abend: wenn wir sein Wort hören, darüber nachdenken und vor allem Lieder von ihm hören und auch mitsingen.

Lied Beiheft 729, 1-6: Danke für diese Abendstunde

Wir feiern diesen Gottesdienst wie jeden anderen im Namen Gottes, des Vaters, der die Welt und uns erschaffen hat, des Sohnes, in dem wir den Vater kennenlernen, und des Geistes, der aus uns neue Menschen macht.

Die einen sagen: den Himmel gibt es auf der Erde, wenn wir ihn selber schaffen. Für mich wäre das eine glatte Überforderung.

Andere sagen: der Himmel ist der Ort, wo Gott und Jesus wohnen, so steht es doch in der Bibel. Aber vergesst nicht: dieser Ort ist auf keiner Landkarte und keiner Sternenkarte des Weltalls zu finden.

Wieder andere sagen: den Himmel gibt es nie und nirgends; denn in der Welt regiert das Böse, der Untergang und der Tod. Doch was ist mit dem, der gesagt hat: Mir hat Gott die Macht über Himmel und Erde gegeben!?

Ich glaube an den Himmel. Himmel bedeutet: es gibt mehr als das, was wir sehen. Himmel bedeutet: die Welt ist kein Zufallsprodukt, sondern sie hat ein Gegenüber. Himmel bedeutet: dem, der die Welt ins Dasein gerufen hat, dem sind wir nicht egal. Himmel bedeutet: Es gibt Worte, die haben sich nicht Menschen über sich und Gott aus den Fingern gesogen, sondern die stammen wirklich von Gott – und es sind für uns „Worte des Lebens“.

Musikstück: „Worte des Lebens“

Die Worte des Lebens, die in der Bibel stehen, sind für viele schwer verständlich. Vielleicht achten wir zu viel auf die Verpackung der Texte und zu wenig auf die Bewegung, die in diesen Worten steckt. Ich lese den Bibeltext zum Fest Christ Himmelfahrt, und ich bitte darum, auf zwei Dinge zu achten: Wo sind die Jünger und wo sollen sie später sein? Wohin schauen die Jünger und wohin sollen sie wohl besser schauen?

Apostelgeschichte 1, 4-11:

4 Und als er [Jesus] mit ihnen zusammen war, befahl er ihnen, Jerusalem nicht zu verlassen, sondern zu warten auf die Verheißung des Vaters, die ihr, so sprach er, von mir gehört habt;

5 denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt mit dem heiligen Geist getauft werden nicht lange nach diesen Tagen.

6 Die nun zusammengekommen waren, fragten ihn und sprachen: Herr, wirst du in dieser Zeit wieder aufrichten das Reich für Israel?

7 Er sprach aber zu ihnen: Es gebührt euch nicht, Zeit oder Stunde zu wissen, die der Vater in seiner Macht bestimmt hat;

8 aber ihr werdet die Kraft des heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde.

9 Und als er das gesagt hatte, wurde er zusehends aufgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf vor ihren Augen weg.

10 Und als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr, siehe, da standen bei ihnen zwei Männer in weißen Gewändern.

11 Die sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht zum Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen.

Lied Beiheft 700, 1-4: Komm, sag es allen weiter

Wo sind die Jünger?

Sie sind mit sich selbst beschäftigt in Jerusalem.

Wo sollen sie später sein?

Sie sollen allen weitersagen, was sie im Zusammenleben mit Jesus erfahren haben, überall in der Welt.

Himmelfahrt bedeutet also:

Jesus ist nicht mehr nur an einem Ort, wie jeder Mensch nur an einem Ort zur gleichen Zeit sein kann.

Jesus ist, vereint mit Gott, dem Vater, überall auf der Welt – nicht sichtbar, aber wirkungsvoll – überall, wo Gottes Geist unter den Menschen und in den Menschen wirkt.

Und wohin schauen die Jünger?

Sie schauen gebannt nach oben, als ob dort der Himmel Gottes wäre.

Als ob sie aufpassen wollten, ob Jesus wirklich zurückkommt.

Als ob sie nicht beim Nach-oben-sehen eine Menge andere Dinge übersehen würden.

Es sind schon Engel nötig, die den Jüngern sagen müssen, wie dumm sie sind.

Macht euch keine Sorgen, sagen sie, ob Jesus wiederkommt oder nicht.

Schaut nicht nach oben.

Schaut lieber euch selber an, schaut an, was ihr von Jesus gelernt habt, schaut euren Weg an, der vor euch liegt.

Oben in den Wolken findet ihr Jesus nicht

Schaut nach vorn, da werdet ihr ihn finden.

Ihr müsst nur auf seinem Weg nachfolgen.

Und er wird bei euch sein und euch nicht überfordern.

Musikstücke: „Wen echte Freude schlägt“ und „Mein Tag mit Jesus“

Auffahrt Christi in den Himmel – das alte Bild hält uns fest, und wir versäumen es, ein neues Bild zu finden für die Bewegung Jesu, die Menschen zusammenbringt. Es ist schade, dass aus dieser Himmelfahrt ein Vatertag geworden ist. So wie Jesus mit seinem „Friede sei mit euch!“ auf Menschen zuging und seine Zeit in Bewegung brachte, so können wir unsere Zeit in Bewegung bringen, wenn wir auf Menschen zugehen, sagen und wahrmachen: Friede sei mit euch!

Musikstück: „Wenn uns einer tritt“

Nicht zurücktreten, nicht zurückschlagen, Frieden schaffen mit Worten und Taten – das schafft man nicht allein. Jesus mutet uns auch nicht zu, es ganz allein mit ihm zu schaffen. Er will, dass wir ihm nachfolgen, doch er will auch, dass wir uns dabei Hilfe von anderen Menschen suchen. Darum ist für einen, der ein Christ sein will, die Gemeinschaft in der christlichen Gemeinde so wichtig.

Davon singen wir jetzt gemeinsam in einem Lied:

Lied Beiheft 778, 1+2+5: Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt
Fürbitten, Vaterunser und Segen
Musikstück: „Die Würfel sind gefallen“

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