„Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht“

Können wir im Vertrauen auf Gott wirklich alles, wie es Paulus behauptet? Wir haben vieles nicht in der Hand. Aber wir gehen nicht verloren, auch nicht im Tod, auch nicht in der Trauer.

Ich vermag alles - orthodoxe Ikone von Christus, dem Allherrscher, dem Pantokrator

Jesus als der Allherrscher – kann er uns allmächtig machen? (Bild: dimitrisvetsikas – pixabay.com)

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

Liebe kleine Trauergemeinde, wir wollen den letzten Weg mit Frau R. gehen, die im Alter von [über 60] Jahren nach schwerer Krankheit gestorben ist.

Wir beten mit Psalm 103:

6 Der HERR schafft Gerechtigkeit und Recht allen, die Unrecht leiden.

7 Er hat seine Wege Mose wissen lassen, die Kinder Israel sein Tun.

8 Barmherzig und gnädig ist der HERR, geduldig und von großer Güte.

14 Denn er weiß, was für ein Gebilde wir sind; er gedenkt daran, dass wir Staub sind.

15 Ein Mensch ist in seinem Leben wie Gras, er blüht wie eine Blume auf dem Felde;

16 wenn der Wind darüber geht, so ist sie nimmer da, und ihre Stätte kennet sie nicht mehr.

17 Aber die Liebe Gottes währt von Ewigkeit zu Ewigkeit über denen, die auf ihn vertrauen.

Wenn wir einen Menschen bestatten, dann erinnern wir uns an sein Leben. Wie war das Leben von Frau R.?

Erinnerungen an das Leben der Verstorbenen

Das ist der Verlauf eines Lebens gewesen, in dem es schöne und schwere Tage gab, Arbeit und Erschöpfung, Gesundheit und Krankheit, Liebe und Enttäuschung – und sicher noch vieles andere mehr.

Als wir nach einem Bibelvers für diese Ansprache suchten, fiel Ihnen, lieber Herr R., Ihr Konfirmatiosspruch ein:

Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht.

Dieser Vers stammt aus einem Brief des Paulus (Philipper 4, 13).

Aber stimmt das denn? Können wir wirklich alles durch Gott?

Im Sinne von Allmacht stimmt das nicht. Wir sind sehr oft auch machtlos. Zum Beispiel gegenüber der tödlichen Krankheit Krebs, wenn alles Menschenmögliche dagegen getan worden ist. Zum Beispiel auch bei Menschen, die uns nahestehen: Wir können es nicht erzwingen, dass unsere Liebe erwidert wird; wir haben es nicht einmal in der Hand, unsere Kinder alle gleichmäßig zu beeinflussen, so dass wir mit ihnen keine Enttäuschungen erleben.

Trotzdem sagt Paulus: „Ich vermag alles – durch den, der mich mächtig macht.“ Mich selber kann ich verändern, im Vertrauen darauf, dass ich ein geliebter Mensch bin. Ich kann von einem Weg umkehren, auf dem ich in eine Sackgasse geraten bin. Ich kann überlegen, ob ich noch einen Schritt zur Versöhnung weiß, den ich bisher vielleicht nur nicht gehen wollte – ob dann mein Gegenüber darauf eingeht, das liegt wieder nicht allein in meiner Hand.

Paulus gibt sozusagen eine Anleitung zur Zufriedenheit für Menschen, die es nicht leicht haben. Er schreibt im etwas größeren Zusammenhang (Philipper 4, 11-13):

Ich habe gelernt, mir genügen zu lassen, wie‘s mir auch geht. Ich kann niedrig sein und kann hoch sein; mir ist alles und jedes vertraut: beides, satt sein und hungern, beides, Überfluss haben und Mangel leiden; ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht.

Woher bekommen wir denn unser Leben, unsere Arbeitskraft, unsere Fähigkeit, zu lieben, Kinder zu erziehen, Konflikte zu bewältigen und Enttäuschungen zu verkraften? Alles verdanken wir unserem Schöpfer, dem Gott, von dem wir kommen und zu dem wir auch wieder zurückkehren, wenn wir sterben.

Alles, was wir können, können wir durch Gott. Dann ist es gar nicht mehr nötig, allmächtig zu sein wie Gott. Dann müssen wir nicht alles selber in der Hand haben, sondern können das meiste getrost Gott überlassen – nur nicht das, wofür WIR verantwortlich sind.

Was wir auch nicht in der Hand haben, ist, was nach dem Tod mit uns geschieht. Aber durch Gottes Gnade ist uns verheißen, dass wir im Tode nicht verloren gehen. Wir bleiben bewahrt in den guten Händen Gottes, mit allem, was wir an Liebe erfahren und gegeben haben, mit allem, was an Vertrauen und Hoffnung in uns war, mit aller Sehnsucht nach Vergebung und Versöhnung, um die wir Gott nicht vergeblich bitten.

In diesem Sinne vertrauen wir auch die Verstorbene den gnädigen Händen Gottes an.

Wir können sie getrost loslassen, liebevoll, dankbar und traurig an sie denken und für alles, was wir einander schuldig geblieben sind, Gott um Vergebung bitten. Amen.

Worte eines Liedes aus dem Evangelischen Gesangbuch (EG 533) können uns trösten:
Du kannst nicht tiefer fallen als nur in Gottes Hand

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