Der Herr ist mein Boss, ich krieg alles

Ein Unterricht mit vielen Schäfchen aus verschiedenen Ställen ist eine Zerreißprobe, oft anstrengend und aufreibend. Aber ich finde das stark an unserer evangelischen Kirche: Jugendliche lernen, es miteinander auszuhalten, so verschieden sie sind. Einer liest nicht gerne Bücher. Ein anderer hat keinen Fernseher, unvorstellbar für die meisten. Trotzdem wird diskutiert, man kickt zusammen beim Konfi-Cup, man bereitet einen Gottesdienst vor.

Hirte mit einer Herde sehr unterschiedlicher Schafe in Luxor, Ägypten

Hirte mit einer Herde unterschiedlicher Schafe in Luxor, Ägypten (Foto: pixabay.com)

#predigtKonfirmation am Sonntag Misericordias Domini, 26. April 2009, 10.00 Uhr, Pauluskirche Gießen
Orgelvorspiel zum Einzug der Konfis mit dem Kirchenvorstand

Im Namen aller Konfis begrüße ich Eltern, Verwandte, Paten und Freunde, den Kirchenvorstand und alle anderen in unserem Gottesdienst zur Konfirmation!

Liebe Konfis, dies ist Euer Gottesdienst! Konfirmation heißt „Fest-Machen“: Ihr macht heute eure Sache mit Gott und mit der Kirche fest, und ihr bekommt Segen von Gott, der euch stark macht für euer erwachsenes Leben als Christinnen und Christen.

Noch ein paar Ansagen: Um Unruhe zu vermeiden, schalten Sie bitte Ihr Handy aus. Und es soll im Gottesdienst nicht fotografiert werden, vor allem nicht mit Blitz. Nach dem Gottesdienst ist Gelegenheit zum Fotografieren vor der Kirche oder am Altar. Von der Empore aus kann mit Video gefilmt werden.

Morgen trifft sich der Frauenkreis um 16 Uhr im Jugendraum zu einem Spiele-Nachmittag.

Morgen um 20 Uhr sind alle, die gerne singen, herzlich zur Chorprobe im Gemeindesaal eingeladen.

Am letzten Sonntag wurden im Gottesdienst 96 Euro und 74 Cent für den Förderverein Evangelische Pflegezentrale gespendet. Vielen Dank!

Heute bitten wir Sie am Ausgang um eine Spende für die Suchtkrankenhilfe des Diakonischen Werkes. Das Geld ist bestimmt für die Arbeit von Fachkliniken und Beratungsstellen für Alkohol- und Drogenabhängige, und auch für die 200 Selbsthilfegruppen, die es im Bereich unserer Landeskirche gibt. Herzlichen Dank für Ihre Spenden!

Noch eine letzte Ankündigung: Am nächsten Dienstag um 17 Uhr trifft sich das neue Konfi-Team zu einer ersten Besprechung im Jugendraum. Wer mitmachen will, ist herzlich eingeladen!

Jetzt konzentrieren wir uns auf die Feier der Konfirmation. Sie steht unter dem Leitgedanken: „Der Herr ist mein Hirte“.

Wir feiern sie im Namen Gottes, der unser Guter Hirte ist: im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Lied: Danke für diesen guten Morgen

Wir beten ein Lied von König David, den Psalm 23:

Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.

Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.

Er erquicket meine Seele.

Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.

Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.

Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.

Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.

Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang.

Und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar. Amen.

François Duval (1673-1728), Sonate g-moll:
Air und Allemande

Der Psalm 23 ist der bekannteste Psalm der Bibel. Wer von Ihnen musste ihn auswendig lernen? Wer kann ihn noch? Nein, ich werde das jetzt nicht nachprüfen.

„Der Herr ist mein Hirte“: hat dieser Satz für uns eine Bedeutung?

Für Schafe ist ein Hirte die wichtigste Person überhaupt. Das menschliche Leittier der Herde. Ihr Versorger. Ihr Bestimmer. Ohne ihn haben sie keine Nahrung. Sie wären schutzlos allen Gefahren ausgeliefert. Auf ihn müssen sie hören, damit sie nicht vom richtigen Weg abkommen.

Aber wer sind unsere Versorger und Bestimmer? Das habe ich unsere Konfis gefragt, und die meisten haben geantwortet: die Eltern. Die Familie ist der Ort, wo sie kriegen, was sie brauchen, und wo ihnen wer was zu sagen hat. Aber viele haben auch gesagt: „Ich selber bestimme über mich und versorge mich.“ Spätestens im Erwachsenenleben wird das weitgehend stimmen, allerdings spielen auch noch andere Bestimmer und Versorger eine Rolle: Arbeitgeber, Vorgesetzte, der Staat.

Wie ist das mit Gott? Als Bestimmer und Versorger kommt er in den Antworten der Konfis kaum vor. Es ist ja auch nicht leicht zu beschreiben, wie Gott für uns da ist und was er uns zu sagen hat. Stimmt das überhaupt: „Mir wird nichts mangeln“? Wollen wir das überhaupt: „Er führt mich auf rechter Straße“?

Mit diesen Fragen haben sich unsere Konfis auseinandergesetzt, als ich ihnen die Aufgabe stellte, den Psalm 23 modern umzuschreiben. Alle sollten das zwei Mal tun. Erstens: den Sinn des Psalms für unsere Zeit ausdrücken. Zweitens einen Anti-Psalm ausdenken, der das Gegenteil vom Psalm 23 aussagt.

Dabei sind interessante Aussagen über den Glauben an Gott herausgekommen.

Wir hören zuerst ein paar Anti-Psalmen; und ich betone ausdrücklich: die Vorleser lesen nicht ihre eigenen Texte, es handelt sich auch nicht um die Meinung der Konfis. Sie haben sich nur vorgestellt, wie es wäre, wenn der Psalm 23 nicht wahr wäre:

Es gibt kein Herr und ist auch nicht mein Hirte, ich selbst werde dafür sorgen, ob es mir an was mangelt. Was will ich auf einer grünen Aue? Wasser und sogar Cola gibt‘s im Supermarkt. Ich habe keine Seele, die erquickt werden kann, auf welcher Straße ich geh, ist wohl mir überlassen. Ich hab auch keine Angst im Dunkeln, selbst wenn, gibt‘s ja Lampen. Ich brauch dich nicht, und ein Stück Ast kann nicht trösten. Du bereitest vor mir einen Tisch? Ich geh lieber zu McDonald‘s! Du schenkst mir voll ein? Ich hab aber keinen Durst! Ich bin, wie ich bin. Außerdem habe ich selbst ein Haus.

Das ist ein trotziges Gegenbild zum Psalm 23: Wozu brauche ich einen Herrn, der mir versorgt, wenn es Lampen, Supermärkte und McDonald‘s gibt? Hören wir den zweiten Anti-Psalm:

Der Herr ist ein Mythos, jedem mangelt etwas. Ich sorge selber für meine Nahrung. Er kann mich nicht glücklich machen; und jedem passiert etwas Schlimmes. Ich glaube nicht, dass er mich aus dem Unglück retten kann. Niemand kann Menschen vereinigen oder segnen. Jedem passiert was Schlechtes.

Dieser Anti-Psalm klang anders, nicht so trotzig, eher traurig, dass Gott nur ein Mythos, eine ausgedachte Geschichte ist. Hören wir einen dritten Anti-Psalm:

Der Herr lässt mich verhungern und verdursten. Er bringt mich zum Lachen vor Spott über ihn. Er bringt auf den falschen Weg und führt mich zum Tod. Du machst mir Angst und Bange. Und wenn ich im Dunkeln rumlaufe, lässt er mich allein mit meinen Ängsten. Dein Stecken und Stab schlagen mich. Schlechtes und Gemeines werden mir folgen mein Leben lang, deswegen fliehe ich aus deinem Haus.

So könnte ein Mensch denken, der nur Furchtbares in seinem Leben erfahren hat, vielleicht einer, dem man immer nur erzählt hat, dass Gott die Menschen straft.

Einen vierten Anti-Psalm hat ein Konfi aus der Sicht eines Drogenabhängigen verfasst:

Der Herr ist mein Dealer, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einem grünen Marihuana-Feld und führet mich zum frischen Gras. Er betäubet meine Seele. Und ob ich schon wandert auf dem kahlsten Feld, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir, dein Bong und Gras trösten mich. Du salbst mein Haupt mit Heroin und schenkst mir Wodka ein. Drogen und Alkohol werden mir folgen ein Leben lang, und ich werde warten im Hause des Dealers immerdar.

Diesen Anti-Psalm haben die Konfis nicht so ernst gemeint, sie machen gern Witze über Drogen und Alkohol. Aber wer abhängig ist, für den ist wirklich die Droge der Gott geworden, der sein Leben bestimmt, seine Seele betäubt, und es ist sehr schwer, einen Menschen aus der Macht der Abhängigkeit herauszuführen.

Noch ein letzter Anti-Psalm mit einem anderen Klang:

Der Herr ist ein Opfer, ich ziehe ihm alles ab. Ich steche seine Reifen platt, und er rächt sich an mir. Ich mache ihn psychisch fertig, und ich überfalle ihn nachts. Ich sperre ihn ins Ghetto, und er hat Angst vor allen, danach quält er mich und schlägt mich mit Stecken. Ich esse mit Freunden, lass ihn aber nicht mitessen. Ich haue ihn auf den Kopf und gebe ihm Gift. Elend wird ihm folgen sein ganzes Leben, aber auch ich werde von ihm gequält.

Hier werden Menschen zu Opfern, rächen sich aneinander und machen dadurch andere Menschen zu Opfern. Der erste Satz „Der Herr ist ein Opfer“ würde durchaus auf Jesus passen. Seine Feinde machen ihn fertig, quälen und foltern ihn, schlagen ihn ans Kreuz. Von seinen Freunden wird er verraten, verleugnet und verlassen. Doch er rächt sich nicht, zahlt nicht mit gleicher Münze heim.

Wie kann Jesus ein Opfer sein und doch ein Retter, ein guter Hirte? Ist er nicht eher Verlierer als Gewinner?

Wir singen ein Lied von Jesus, das wir im Konfi-Jahr oft gesungen haben:

Jesuslied:  Einer ist unser Leben

Nach den Anti-Psalmen hören wir nun moderne Umdichtungen des Psalms 23, die auch von unseren Konfis formuliert worden sind. Einer meint zum Beispiel: Gott ist der King, der uns versorgt!

Der Herr ist der King. Er gibt mir einen vollen Kühlschrank und gibt mir frische Cola. Er bringt mich zu Geld und einem Job. Und wenn ich nachts rumlaufe, hab ich keine Angst, denn du bist bei mir. Und dein Licht erhellt die Nacht. Du sorgst für Frieden zwischen mir und meinen Feinden.

Ein sehr realistischer Psalm, all das braucht ein Mensch heute zum Leben: einen Job, um Geld zu verdienen und den Kühlschrank zu füllen. Jemanden, der einem die Angst nimmt und der für Frieden sorgt.

Hören wir noch einen Konfi-Psalm:

Gott ist mein Begleiter, mir wird nichts fehlen. Er geht mit mir zu McDonald‘s und führt mich zur Kasse. Er macht mich wach und sorgt dafür, dass ich nichts Schlechtes mache. Auch wenn ich mal nicht weiter weiß, bleib ich ruhig.

Für diesen Jugendlichen von heute ist offenbar wichtig, dass jemand da ist, der ihn rechtzeitig weckt, und auf ihn aufpasst. Gott als Begleiter geht sogar mit zu Mc-es, auch wenn man selber bezahlen muss. Und er hilft, in schwierigen Situationen die Ruhe zu bewahren.

Bei der folgenden Nachdichtung von Psalm 23 ist nicht zu vermeiden, dass sofort klar ist, von wem sie stammt:

Der Herr ist mein Kumpel, mir wird nichts fehlen. Er lässt mich in den coolsten Skateparks skaten und führt mich zu einer coolen Pipe. Er erfreut mich. Er führt mich gut, weil er es so will. Auch wenn ich mal Pech habe, fürchte ich mich nicht, denn du bist bei mir und tröstest mich. Du deckst mir den Tisch trotz meiner Feinde. Du schmierst mich ein und gibst mir was zu trinken. Du bist gut zu mir mein Leben lang, und ich werde immer bei dir sein, Herr.

Nicht ganz ernst gemeint und trotzdem aufschlussreich ist die nächste Nachdichtung des Psalms 23 – sozusagen ein Psalm zur Finanzkrise:

Der Herr ist mein Gönner, er gibt mir alles. Er sorgt für mein Haus und für meine Einrichtung. Er macht mir einen Entspannungstee. Er führt mich sicher über die Straße um sein Warndreieck. Und ob ich schon pleite war, fürchte ich keinen Bankrott; denn er unterstützt mich und gibt mir Geld. Er kauft 1000 Aktien für mich im Angesicht meiner Feinde. Er kauft mir einen Porsche und tankt ihn voll. Hohe Zinsen und gute Kurse werden mir folgen mein Leben lang, und er wird immer mein Gönner bleiben.

Hier sehen wir gut, was der Psalm 23 nicht meint. „Mir wird nichts mangeln“, damit ist nicht Luxus gemeint; da spricht nicht einer von hohen Börsenkursen und seinem vollgetankten Porsche. Nein, was ein Mensch wirklich braucht in seinem Leben, das sind ganz andere Dinge.

Dazu der letzte Konfi-Psalm:

Der Herr ist Versorger, mir wird an nichts mangeln. Er gibt mir genug Geld, damit ich mir Essen kaufen kann. Er macht mir Mut und sorgt dafür, dass ich nichts Böses mache und nicht in den Knast wandere. Auch wenn ich Angst habe, tröstet er mich und macht mir Mut. Du bringst mich in ein Café mit meinen Feinden und sorgst dafür, dass wir uns versöhnen.

Gott sorgt für uns. Das heißt, wir leben nicht unbedingt im Luxus, aber wir haben genug Geld zum Essen. Gott ist einer, von dem wir Trost bekommen. Vor allem macht er uns Mut, das Richtige zu tun, zum Beispiel, sich mit feindlich gesinnten Leuten zu versöhnen.

Drei Konfi-Psalmen sparen wir uns auf für das Schlussgebet. Und jetzt singen wir noch ein Lied von Jesus. Dieser Jesus, was ist an ihm so bedeutend, dass er in unserem Leben die Hauptrolle spielen will?

Lied: Man sagt, er war ein Gammler
Gott gebe euch ein Herz für sein Wort und Worte für euer Herz. Amen.

Liebe Konfis, liebe Gemeinde!

Vorhin ging es ausführlich um Psalm 23: „Der Herr ist mein Hirte.“ Wir haben gesagt, was das bedeutet: Gott ist für uns da, begleitet uns auf guten Wegen. Jetzt hören wir, was Jesus zu diesem Thema sagt, im Evangelium nach Johannes 10:

11 Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe.

16 Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stall; auch sie muss ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird eine Herde und ein Hirte werden.

27 Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir;

28 und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen.

29 Mein Vater, der mir sie gegeben hat, ist größer als alles, und niemand kann sie aus des Vaters Hand reißen.

30 Ich und der Vater sind eins.

Was Jesus da von sich sagt, ist schwer zu begreifen. Er selber ist der Gute Hirte. Er ist mit Gott im Himmel eins. Jesus ist der einzige, der genau das will und denkt und tut, was Gott auch will und denkt und tut. Um diesen Jesus dreht sich alles in der evangelischen Kirche.

Dieser Jesus sagt uns heute: „Ich gebe mein Leben für euch.“ So geht Gott mit dem Bösen um. In eurem Unterricht kam die Frage auf: Warum lässt Gott so viel Böses zu? Wieso mussten die Kinder von Bethlehem wegen Jesus sterben? Darauf gibt es nur die Antwort: Gott greift nicht so in diese Welt ein, dass er das Böse einfach mit Gewalt oder Zauberkraft abschafft. Gott wird Mensch in Jesus. Und der nimmt freiwillig das Böse auf sich und überwindet es mit Liebe. Vorhin haben wir schon gehört: Scheinbar ist Jesus ein Verlierer. Ein armes Opfer am Kreuz. Er rächt sich nicht. Er vergibt. Warum? Damit Menschen sich ändern, damit wir auf den guten Weg kommen und Böses überwinden.

Darauf will Jesus mit dem andern Satz hinaus: „Ich gebe euch das ewige Leben.“ Ewiges Leben fängt nicht erst nach dem Tod an. Ewig ist etwas für immer, da kannst du dich wirklich drauf verlassen. Unser Leben ist kein Wegwerfleben. Geburt, Lebenslauf, Tod, zack, in die Tonne – Nein! Gott hat uns ein wertvolles Leben geschenkt, dir und mir, jedem und jeder einzelnen von euch. Viele meinen, sie seien nichts wert, sie müssten anders sein, anders aussehen, nur dann könnten sie Erfolg haben. Nein: ihr seid alle wertvoll, ihr seid von Gott gewollt, so wie ihr seid. Ihr habt eine Menschenwürde, die euch niemand nehmen kann. Ihr habt Talente und könnt sie entfalten. Als ich konfirmiert wurde, war ich ein schüchterner Junge, der den Mund kaum aufkriegte – das würde man heute kaum noch glauben, ist aber wahr. In manchen stecken mehr Talente, als sie sich träumen lassen. Im Gottesdienst mit William Henderson ging es ja um dieses Thema: Der Himmel weiß es, wozu ihr fähig seid, was in euch steckt! Talente sind übrigens nicht nur beruflich nutzbare Fähigkeiten. Auch Sachen wie: Aufmerksam sein. Füreinander da sein. Lieben. Gutes tun statt Böses. Bereuen, was man verbockt hat. Oder vergeben, was ein anderer verbockt hat. So kriegt unser kostbares Leben sozusagen ein Gütesiegel: ewig sinnvoll!

Am Ende hat das doch auch etwas mit dem Tod zu tun. Denn wenn wir mal tot sind, ist dieses ewige Leben, das Jesus uns schenkt, nicht einfach vorbei. Wir gehen auch dann nicht verloren. Es gibt auch ein ewiges Leben bei Gott im Himmel.

Das war das eine Thema, zu dem ich euch und Ihnen etwas sagen wollte. Der Gute Hirte sagt Ja zu unserem Leben und will, dass wir etwas daraus machen: ewig sinnvoll!

Außerdem finde ich interessant, was Jesus hier von den anderen Schafen sagt, die aus einem anderen Stall sind. Schafe aus verschiedenen Ställen? Oh, oh! Ob das nicht vielleicht Streit gibt, Eifersucht, Mobbereien? Jesus sagt: die anderen gehören auch zu mir, die werden auch auf mich hören, es gibt nämlich nur eine Herde und einen Hirten.

Damit sagt Jesus uns heute: Ewiges, sinnvolles Leben als gute Christen, das ist nicht nur eine Sache für besonders fromme Menschen. Ich finde es natürlich schön, wenn Menschen in die Kirche kommen, auf Jesus hören, zu Gott beten, sich schwierige Sachen aus der Bibel erklären lassen. Aber zur Kirche gehören noch viele andere, auch die, die selten in dieses Gebäude kommen. Sogar wer meint, er sei kein guter Christ, weil er an der Bibel zweifelt, bleibt im Blick von Jesus. Er kennt auch seine anderen Schafe.

Genauso ist es im Konfi-Unterricht. Da gehören auch alle dazu, nicht nur die, die schon genau wissen, dass sie an Gott glauben oder die Ruhe im Gottesdienst angenehm finden, auch die, die niemals zugeben würden, dass sie bei der Predigt zuhören. Ich finde das stark an unserer evangelischen Kirche: Ein Jahr lang treffen sich Jugendliche aus einem Jahrgang, halten es miteinander aus, so verschieden sie sind. Einer liest nicht gerne Bücher. Ein anderer hat keinen Fernseher, unvorstellbar für die meisten. Trotzdem wird diskutiert, man kickt zusammen beim Konfi-Cup, man bereitet einen Gottesdienst vor.

Ein Unterricht mit vielen Schäfchen aus verschiedenen Ställen ist eine Zerreißprobe, oft anstrengend und aufreibend. Da gibt es auch Respektlosigkeiten und Mobbereien, und es gelingt uns vom Konfi-Team nicht immer, das Mobben zu stoppen. Man kriegt nicht immer mit, ob jemand wirklich gemobbt wird oder selber andere geärgert hat. Bemüht haben wir uns, alle Konfis mit Respekt zu behandeln, und es ist uns hoffentlich auch gelungen, euch allen einigermaßen gerecht zu werden.

Die einen haben viele Fragen zum Glauben, kriegen aber viel zu wenig Antworten. Andere langweilen sich, wenn zu lange geredet wird. Die interessantesten Gespräche über den Glauben gab es darum oft ganz nebenbei auf der Konfi-Freizeit oder bei einem Spaziergang. Einige haben sehr ernsthafte Fragen über Gott und die Bibel. Sie wollen nicht so glauben wie der Pfarrer oder die Großeltern, sie wollen einen eigenen Zugang zum Glauben finden.

Ich hoffe, dass euch das gelingt, wenn nicht jetzt, dann später. Manche haben sich ja gefragt, ob sie das wirklich für gut halten: Gott ist einer, der alles weiß, auch was tief innen in uns drin ist. Will ich das eigentlich? Ist das bedrohlich für uns oder ist das gut? Ich bin überzeugt: Wenn Jesus sagt: ich kenne meine Schafe, dann will er uns nicht kontrollieren oder schikanieren. Er kennt uns durch und durch, weil er es gut mit uns meint. Er will, dass wir nicht auf die schiefe Bahn geraten, sondern das Beste machen aus unseren guten Talenten. Amen.

Gott erfülle dich mit aller Freude und mit Frieden im Glauben. Amen.
Antonín Dvořák (1841-1904), A. d. biblischen Liedern:
„Der Herr ist mein Hirte“

Liebe Konfirmandinnen und liebe Konfirmanden! Jetzt kommen wir langsam zu dem Punkt, an dem ihr eingesegnet und damit aus Konfirmanden zu Konfirmierten werdet. Hinter euch lasst ihr ein Jahr, in dem euch manches gefallen hat:

Die Konfi-Freizeit fanden die meisten so gut, dass wir am liebsten noch eine zweite gehabt hätten.

Am besten war der Gottesdienst, den wir gemeinsam mit William Henderson gestaltet haben.

Es hat oft Spaß gemacht, im Konfi-Unterricht mit Freunden zusammen zu sein.

Manche von uns haben im Konfi-Jahr neue Freunde gefunden.

Anderes fandet ihr nicht gut:

Das Auswendiglernen hat vielen nicht gefallen.

Oft war es zu langweilig im Gottesdienst und Unterricht.

Manche hat es gestört, dass der Pfarrer sie zu oft an die Regeln erinnert hat.

Andere hätten es besser gefunden, wenn der Pfarrer mehr durchgegriffen hätte.

Es war nicht schön, dass es manchmal Mobbereien in der Gruppe gab.

OK, ich hoffe, ihr hattet wenigstens im Großen und Ganzen das Gefühl, mit Respekt behandelt worden zu sein und hier und da etwas gelernt zu haben.

Was liegt vor euch? Zunächst einmal eine große Freiheit im Blick auf die Kirche. Niemand weckt euch mehr und sagt: Du musst heute in die Kirche! Nur noch freiwillig werdet ihr die Räume der Paulusgemeinde in Zukunft betreten, wenn ihr das überhaupt tun wollt.

Viele werden in die Kirche gehen, wenn in der Familie jemand getauft oder konfirmiert wird, oder bei einer Hochzeit.

Man kann aber auch einfach einmal so in die Kirche oder weil man sich langweilt.

Ich kann mir vorstellen, ein Konzert in der Kirche mitzugestalten.

Ich habe Lust, im Konfi-Team mitzuarbeiten.

Mit der Konfirmation seid ihr ein Stück erwachsener, jedenfalls im Blick auf die Religion. Der Staat sagt: Mit 14 seid ihr religionsmündig. Die Kirche sagt: Als Konfirmierte dürft ihr am 21. Juni den Kirchenvorstand mitwählen. Ihr seid frei, euch zu entscheiden, was ihr mit der Kirche anfangt und wie ihr euren Glauben lebt. Als wir fragten, warum ihr konfirmiert werden wollt, haben einige gemeint: „Ei ja, weil…“, andere haben aber konkret geantwortet:

Das ist eine Weiterführung im Glaubensleben.

Dann bin ich endlich Kirchenmitglied.

Weil ich dann ein vollständiger Christ bin.

Weil ich an Gott glaube.

Weil es schön ist, auch wegen Geld.

Weil alle aus meiner Familie konfirmiert sind.

Weil eigentlich das jeder macht.

Weil ich an Gott glaube und der Kirche angehören möchte.

Weil ich dann den Eintritt in die Kirche habe und gleichrangig mit den anderen Gemeindemitgliedern bin.

Wegen den Geschenken! und weil man dann zu Gott gehört.

Es ist ein wichtiger Teil des Lebens, außerdem mach ich meine Eltern stolz.

Jetzt sollt ihr euren christlichen Glauben ausdrücken, alle gemeinsam mit dem Glaubensbekenntnis, das ihr gelernt habt. Ihr werdet heute konfirmiert, ihr bekennt euch zu Gott, mit vielen offenen Fragen. Ihr Konfirmanden sprecht gemeinsam das Glaubensbekenntnis, die Gemeinde betet es still mit. Wir schließen alle gemeinsam mit „Amen.“

Glaubensbekenntnis

Das war ein Bekenntnis zu dem Gott, der sich in Jesus offenbart hat. Vor der Einsegnung singen wir das Lied 209, in dem es um die Begleitung durch Jesus geht:

Ich möcht‘, dass einer mit mir geht, der’s Leben kennt, der mich versteht

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, nun spreche ich euch für euer Leben als Christen Gottes Segen zu.

Segen ist das persönliche Geschenk von Gott an euch. Gott schenkt nicht immer, was man sich wünscht. Er gibt das, was aus eurem Leben ein ewig sinnvolles Leben macht.

Als kleines Geschenk der evangelischen Paulusgemeinde hänge ich euch ein Kreuz um den Hals. Das ist ein Geschenk, das ihr euch sogar selbst aussuchen konntet.

Den Konfirmationsspruch sage ich euch als persönliches Segenswort für euer Leben.

Einsegnung von 15 Konfirmandinnen und Konfirmanden

Gott segne und behüte dich.
Er wecke in dir deine Talente,
er führe dich auf guten Wegen,
er schenke dir sinnvolles Leben.
Amen.

Gott, begleite die Neukonfirmierten auf ihrem Weg durchs Leben. Lass sie spüren, dass sie wertvolle Menschen sind. Hilf ihnen, verantwortungsvoll ihren eigenen Weg zu gehen, und schenke ihnen Aufmerksamkeit für das, was andere brauchen. Amen.

Jetzt ist noch ein herzliches Dankeschön dran: es gilt am Ende des Konfi-Jahres dem Konfi-Team, das mit mir gemeinsam den Unterricht gestaltet hat. Am Anfang des Jahres waren als jugendliche Teamer Eileen Funk und Stefanie Baker mit dabei; als erwachsener Konfi-Teamer war Matthias Meurer durchgehend vom Anfang bis zum Ende im Einsatz. Diese ehrenamtliche Arbeit für die Kirche ist ein Opfer an Freizeit, das gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann; vielen Dank für diese wichtige Unterstützung!

Worte an die Neukonfirmierten
für die Eltern: Wolfgang Achtner
für den Kirchenvorstand: Ulrich d‘Amour

Vor der Abendmahlsfeier hören wir noch einmal Musik:

François Duval (1673-1728), Sonate g-moll:
Sarabande und Gavotte

Wir feiern miteinander das heilige Abendmahl. Die Konfirmierten empfangen es zuerst gemeinsam hier vorn. Danach teilen sie es der Gemeinde aus. Sie kommen zu Ihnen in die Bank- und Stuhlreihen und reichen Ihnen Brot in Körben und Saft in Bechern. Bitte geben Sie Brot und Saft weiter. Niemand muss am Abendmahl teilnehmen. Aber bitte bleiben Sie während der Feier mit uns zusammen. Reichen Sie den Korb oder den Becher einfach weiter.

Gott, du machst uns frei vom Bösen und von der Gleichgültigkeit, frei zum Guten und zur Liebe. In Jesus warst du auf der Erde – die Liebe in Person. Wie man Brot bricht und wie man Weintrauben presst, so setzt er sein Leben für uns ein.

Wir essen das Brot und trinken den Saft der Trauben. Wir teilen, was uns satt macht, und geben weiter, was uns leben lässt.

Vor dem Abendmahl hören wir, wie Jesus diese Feier eingesetzt hat:

Der Herr Jesus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankte und brach’s und gab’s seinen Jüngern und sprach: Nehmt, esst; das ist mein Leib, der für euch gegeben wird. Das tut zu meinem Gedächtnis.

Und er nahm den Kelch und dankte, gab ihnen den und sprach: Trinkt alle daraus; das ist mein Blut des Bundes, das vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden. Das tut, so oft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis.

Vater unser
Lied 225: Komm, sag es allen weiter

Nehmt hin und esst. So spricht Jesus: Ich bin der Gute Hirte. Ich gebe euch Halt und Orientierung. Ich gebe euch, was ihr zum Leben braucht, damit ihr euch bewähren könnt im Leben.

Austeilung Brot

Nehmt hin und trinkt. So spricht Jesus: Wer vertrauen und lieben kann, dessen Durst nach Leben wird gestillt. Wer helfen und Hilfe annehmen kann, der wird ein erfülltes Leben haben.

Austeilen Einzelkelche

Zur Freiheit hat euch Christus befreit. Lasst euch nicht versklaven durch die Macht des Bösen. Geht hin im Frieden Gottes. Amen.

Austeilung des Abendmahls durch die Konfis
Lied 632: Wenn das Brot, das wir teilen, als Rose blüht

Wir beten mit drei weiteren Psalmen, die von unseren Konfis nach Psalm 23 formuliert wurden:

Der Herr ist mein Schöpfer, er versorgt mich mit allem. Er gibt mir alles Wichtige, was ich brauch. Er macht mich fröhlich. Er führt mich sicher durchs Leben.

Und wie schlecht es auch geht, brauche ich keine Angst zu haben, du gibst mir Trost. Du lässt mich verzeihen meinem größten Feinde und segnest mich. Du lässt mich gut durchs Leben kommen.

Der Herr bringt mich zum Lachen. Er ist immer für mich da, wenn ich ihn brauche. Egal was passiert, er ist immer bei mir. Er gibt auch immer Geld und Essen. Er gibt immer Kraft für uns.

Der Herr ist mein Boss, ich krieg alles. Er sorgt für uns, er reinigt meine Seele. Ich habe keine Angst in Gegenwart von ihm. Du gibst mir Essen, Trinken und Kleidung, rundum versorgst du mich. Du hast ein reines Herz und lässt jeden darin wohnen.

Gott, ich danke dir für dieses Konfirmandenjahr, auch wenn vieles anstrengend war, auch wenn nicht alles immer so lief, wie ich es mir vorgestellt habe. Ich danke dir, diese wunderbaren jungen Menschen kennengelernt zu haben, und ich freue mich darauf, sie in der Zukunft anderswo ohne den Druck des Unterrichts wiederzusehen. Ich danke dir für alle Begegnungen zwischen dir und den Konfis, die möglich waren, und vor allem dafür, dass du sie auf ihrem weiten Weg ins Leben niemals allein lassen wirst.

Und für den heutigen Tag der Konfirmation bitte ich dich, Gott, um deinen besonderen Segen, damit es ein Tag wird, an den sich alle gern erinnern. Hilf allen, dass sie es beim fröhlichen Feiern nicht übertreiben mit dem Essen und Trinken, so dass auch heute Nacht der Kopf noch klar und die Freude ungetrübt ist. Amen.

Irischer Segensspruch als Schlusslied: Möge die Straße uns zusammenführen
Überreichen der Konfirmationsscheine
mit dem Altarfensterbild der Pauluskirche und dem Konfirmationsspruch

Der Herr segne Euch und Er behüte Euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über Euch uns sei Euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf Euch und gebe Euch Frieden. „Amen, Amen, Amen.“

Auszug aus der Kirche und Orgelnachspiel

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