Auf festem Grund mit Edelsteinen bauen

Im Leben eines Menschen, der sich für verloren hält, gibt es am Ende nicht viel, was Bestand hat. Aber da mag dieser Funke von Sehnsucht nach Liebe sein – er ist Grund genug, um doch nicht verloren zu sein. In einem wilden Leben ohne Gott und Kirche gibt es vielleicht doch Stunden, in denen echte Liebe erfahren und gegeben wird.

Ein Säule in einem indischen Palast mit Marmorintarsien

Ein Säule in einem indischen Palast mit Marmorintarsien (Bild: pixabay.com)

#predigtGottesdienst am 12. Sonntag nach Trinitatis, den 18. August 2002, um 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Dass feste Häuser, ja ganze Ortschaften durch Wasserfluten ihren festen Grund verlieren, weggeschwemmt und zerstört werden können, das hören und sehen wir in diesen Tagen in den Nachrichten. Wo finden wir festen Grund unter unseren Füßen, wenn selbst Häuser aus Stein keine absolut sichere Zuflucht bieten?

Wir fragen im Gottesdienst nach dem Grund, auf dem wir unser Leben aufbauen können. Wir fragen nach dem Gott, von dem der Prophet Jesaja 42, 3 sagt:

Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.

Lied 165, 1+5+8:

1) Gott ist gegenwärtig. Lasset uns anbeten und in Ehrfurcht vor ihn treten. Gott ist in der Mitte. Alles in uns schweige und sich innigst vor ihm beuge. Wer ihn kennt, wer ihn nennt, schlag die Augen nieder; kommt, ergebt euch wieder.

5) Luft, die alles füllet, drin wir immer schweben, aller Dinge Grund und Leben, Meer ohn Grund und Ende, Wunder aller Wunder: ich senk mich in dich hinunter. Ich in dir, du in mir, lass mich ganz verschwinden, dich nur sehn und finden.

8) Herr, komm in mir wohnen, lass mein‘ Geist auf Erden dir ein Heiligtum noch werden; komm, du nahes Wesen, dich in mir verkläre, dass ich dich stets lieb und ehre. Wo ich geh, sitz und steh, lass mich dich erblicken und vor dir mich bücken.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. „Amen.“

Gott, du bist gegenwärtig, du bist mitten unter uns, dies ist ein besonderer Ort, eine besondere Zeit, während wir Gottesdienst feiern.

Gott, du bist uns fremd. Du bist nicht zu greifen, unsichtbar bist du – und doch die Mitte für unser Leben, wie die Luft, die uns umgibt, ohne dass wir groß darauf achten.

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Gott wir klagen dir die Verzweiflung derer, die Haus oder Wohnung, Hab und Gut in der Hochwasserkatastrophe verloren haben. Wir klagen dir die seelische Not derer, die den festen Boden unter den Füßen verloren haben, obwohl sie in sicheren Häusern wohnen. Wir klagen dir die oberflächliche Selbstsicherheit derer, die ihr Lebensgebäude auf unzuverlässigen Grund aufbauen, als ob Erfolg, Reichtum, Schönheit und Macht den Sinn des Lebens sichern könnten. Wir rufen zu dir:

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Einen andern Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende.

Der Herr sei mit euch! „Und mit deinem Geist!“

Gott, mach uns aufmerksam auf Zeichen deiner Anwesenheit. Wohne bei uns in unseren Häusern, wohne in uns in unserem Geist, sei das Fundament unseres Lebens! Darum bitten wir dich im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören die Lesung aus der Apostelgeschichte 9, 1 – 9:

1 Saulus aber schnaubte noch mit Drohen und Morden gegen die Jünger des Herrn und ging zum Hohenpriester

2 und bat ihn um Briefe nach Damaskus an die Synagogen, damit er Anhänger des neuen Weges, Männer und Frauen, wenn er sie dort fände, gefesselt nach Jerusalem führe.

3 Als er aber auf dem Wege war und in die Nähe von Damaskus kam, umleuchtete ihn plötzlich ein Licht vom Himmel;

4 und er fiel auf die Erde und hörte eine Stimme, die sprach zu ihm: Saul, Saul, was verfolgst du mich?

5 Er aber sprach: Herr, wer bist du? Der sprach: Ich bin Jesus, den du verfolgst.

6 Steh auf und geh in die Stadt; da wird man dir sagen, was du tun sollst.

7 Die Männer aber, die seine Gefährten waren, standen sprachlos da; denn sie hörten zwar die Stimme, aber sahen niemanden.

8 Saulus aber richtete sich auf von der Erde; und als er seine Augen aufschlug, sah er nichts. Sie nahmen ihn aber bei der Hand und führten ihn nach Damaskus;

9 und er konnte drei Tage nicht sehen und aß nicht und trank nicht.

Herr, dein Wort ist unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Wege. Halleluja. „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Glaubensbekenntnis
Lied 389:

1) Ein reines Herz, Herr schaff in mir, schließ zu der Sünde Tor und Tür; vertreibe sie und lass nicht zu, dass sie in meinem Herzen ruh.

2) Dir öffn ich, Jesu, meine Tür, ach komm und wohne du bei mir; treib all Unreinigkeit hinaus aus deinem Tempel, deinem Haus.

3) Lass deines guten Geistes Licht und dein hell glänzend Angesicht erleuchten mein Herz und Gemüt, o Brunnen unerschöpfter Güt,

4) und mache dann mein Herz zugleich an Himmelsgut und Segen reich; gib Weisheit, Stärke, Rat, Verstand aus deiner milden Gnadenhand.

5) So will ich deines Namens Ruhm ausbreiten als dein Eigentum und dieses achten für Gewinn, wenn ich nur dir ergeben bin.

Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde, die Nachrichten und Bilder der letzten Tage sind kaum zu fassen. Häuserfundamente, die Jahrhunderte überdauert haben, werden durch das Hochwasser unterspült und feste Häuser stürzen ein wie Kartenhäuser. Menschen werden von heute auf morgen obdachlos und sind auf fremde Unterstützung angewiesen. Milliardenschäden entstehen gerade in Ostdeutschland, wo erst in den letzten Jahren so viel neu aufgebaut worden ist. Man muss weiter zurückblicken als zur Zeit Martin Luthers, wenn man eine Zeit sucht, in der das Elbhochwasser schon einmal bedrohlich am Rande der Innenstadt von Wittenberg stand, das war 1432. Ich mag es mir nicht vorstellen, wie es uns erginge, wenn die Lahn dermaßen über die Ufer treten würde wie zur Zeit die Mulde in Bitterfeld oder die Elbe in Dresden.

Die Bilder der unterspülten Häuser und der weggerissenen Brücken mahnen uns, darüber nachzudenken, wo unser Leben seinen festen Grund findet, wenn äußere Sicherheiten sich als unsicher erweisen. Der Apostel Paulus vergleicht unser persönliches Leben und unser Gemeindeleben mit Bauwerken, die ein gutes Fundament brauchen. Wir hören den Text zur Predigt aus einem Brief des Paulus an die Gemeinde in Korinth, 1. Korinther 3, 9-17:

9 Denn wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld und Gottes Bau.

10 Ich nach Gottes Gnade, die mir gegeben ist, habe den Grund gelegt als ein weiser Baumeister; ein anderer baut darauf. Ein jeder aber sehe zu, wie er darauf baut.

11 Einen andern Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.

12 Wenn aber jemand auf den Grund baut Gold, Silber, Edelsteine, Holz, Heu, Stroh,

13 so wird das Werk eines jeden offenbar werden. Der Tag des Gerichts wird’s klar machen; denn mit Feuer wird er sich offenbaren. Und von welcher Art eines jeden Werk ist, wird das Feuer erweisen.

14 Wird jemandes Werk bleiben, das er darauf gebaut hat, so wird er Lohn empfangen.

15 Wird aber jemandes Werk verbrennen, so wird er Schaden leiden; er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer hindurch.

16 Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?

17 Wenn jemand den Tempel Gottes verdirbt, den wird Gott verderben, denn der Tempel Gottes ist heilig; der seid ihr.

Ja, liebe Gemeinde, Paulus hat einen Grund gelegt als ein weiser Baumeister, so sagt er von sich selbstbewusst. Jesus Christus heißt dieser Grund, stabil und unverrückbar. Sonst gibt es keinen Grund, der tragfähig genug wäre für das Haus unseres Lebens oder für das Bauwerk einer Kirchengemeinde, die aus Menschen besteht, wie wir es sind.

Ein fester Grund. Dieser Jesus, den man hingerichtet hatte, der für die Juden ein Gotteslästerer und für die Römer ein Rebell war. Ein Mörder, der neben ihm am Kreuz hing, verspottete ihn: Steig doch herab vom Kreuz und rette dich! Seine eigenen Freunde verrieten, verließen ihn, wollten ihn nicht mehr kennen. Der soll ein fester Grund für unser Leben sein?

Kaum zu glauben und doch wahr. Der andere Verbrecher, der auch mit Jesus gekreuzigt war, hat es aber geglaubt: Der da neben ihm, der verloren scheint, in verzweifelter Lage, der ist nicht herausgefallen aus der Liebe Gottes – auf den kann man sich verlassen, selbst jetzt, gerade auf ihn, und so fragt er: Denkst du an mich, wenn du in dein Reich kommst? Und Jesus verspricht ihm: Heute noch bist du mit mir im Paradies! Einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist…

Ein fester Grund. Für Paulus beginnt es damit, dass er erst einmal den Grund unter den Füßen verliert. Er stürzt zu Boden, vielleicht in einem epileptischen Anfall. Er hört die Stimme Jesu: Saul, warum verfolgst du mich? Er verliert sogar sein Augenlicht, drei Tage lang. Dann sieht er klar: Ich bin nicht gerettet, weil ich ein guter Mensch bin. Ich bin gerettet, weil Jesus mir die Hand hinstreckt und mich annimmt, obwohl ich ihn verfolge. So bekommt Paulus wirklich festen Boden unter den Füßen. Vom hohen Ross des frommen Menschen holt Jesus ihn herunter – und Paulus hört auf, die Christen zu verfolgen. Er stellt sich ihnen an die Seite und verkündigt mit ihnen die Botschaft von Christus. Einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist…

Ein fester Grund. Wo ist für uns der feste Grund, wenn uns alles ins Schwimmen gerät? Die Älteren fragen: Was gilt heute eigentlich noch unhinterfragt? Sind nicht alle Werte und Normen aufgelöst? Steuerhinterziehung? Kavaliersdelikt. Eheliche Treue? Wird von vielen nicht mehr ernstgenommen. Raubkopien von Musik-CDs? Macht doch jeder. Und die Jüngeren, die die Welt nicht anders kennen als in diesem rasanten Tempo? Kann es das für sie noch geben – einen festen Grund, dauerhafte Orientierung? Vor zwei Jahren war Big Brother der große Hit im Fernsehen. Längst abgesetzt. Zu wenig Quote. Talk-Shows halten sich im Fernsehen schon ganz schön lange. Aber auch nicht alle. Jetzt sind Gerichtsshows angesagt – da kucken viele Leute zu. Ich glaube schon, dass sich da auch Sehnsüchte melden – gäbe es doch den Richter, bei dem ich mein Recht finde und der die Bösen verknackt; gäbe es doch den Großen Bruder, der auf mich achtet und mir zeigt, wo’s drauf ankommt!

Eigenartig – die Themen dieser Fernsehtrends sind nicht neu. Wer die Bibel aufmerksam liest, findet viele Geschichten von dem einem großen Bruder, der wirklich zu uns steht. In Jesus wurde Gott selber unser Bruder als Mensch. Gleich daneben stehen Geschichten von einem Richter, der gerecht urteilt – und zugleich barmherzig. Erstaunlich: auch dieser Richter ist kein anderer als Jesus. Nur er, nur Jesus, darf über unser Leben urteilen – niemand ist gerechter als er. Wo wir Fünfe gerade sein lassen, blickt er in unser Gewissen und wir müssen erkennen: Ich kann vielleicht anderen etwas vormachen. Ich kann aufpassen, dass man mich nicht erwischt. Ich kann mich vielleicht sogar selbst betrügen. Nicht Jesus. Er blickt uns ins Herz und weiß, wie wir es meinen. Gottseidank ist Jesus auch barmherziger als wir. Wenn wir gerecht sind, neigen wir dazu, vernichtend zu urteilen. Der ist für mich gestorben! Das kann ich dem nie verzeihen! Auch mit uns selbst können wir so hart umgehen, dass wir blind sind für Vergebung. Ich mag mich nicht mehr im Spiegel anschauen! Wie soll ich mit meiner Schuld weiterleben! Habe ich meine Sünden genug bereut? Jesus weiß: Niemand kann Schuld wieder gut machen. Man kann noch so viel bereuen, ungeschehen machen kann man damit die Schuld nicht. Und dennoch: Jesus hat die Schuld für uns alle getragen. Er kam ans Kreuz, weil ihn Judas verriet, weil ihn Petrus verleugnete, weil ihn Kaiphas und Pilatus verurteilten, weil die Soldaten dem Befehl zur Kreuzigung gehorchten – und er hörte nicht auf, all diese Menschen zu lieben. Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun! Einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist…

Wenn ein Leben zu Ende geht, fragen wir uns auch: auf welchem Grund war dieses Leben aufgebaut? Paulus vergleicht jeden Menschen mit einem von Gott erbauten Bauwerk. Aber Gott baut diese menschlichen Gebäude nicht allein. Er braucht Mitarbeiter. Paulus versteht sich als einen, der den Grund legt, das tragfähige Fundament für den ganzen Bau. Jesus Christus ist der Grund. In ihm ist Gottes Liebe Mensch geworden. Auf dieser Liebe bauen andere weiter – alle, die einen Menschen prägen und erziehen, alle, die einem begegnen bei der Arbeit und in der Nachbarschaft, in der Schule und im Krankenhaus, in Glück und Unglück. Nicht zuletzt bauen auch wir selbst an dem Bau mit, der wir selbst sind – wir sind sogar die Hauptverantwortlichen, denn an uns liegt es, welchen Einflüssen wir folgen und an welche Maßstäbe wir uns halten.

Am Ende geht Paulus über sein Bild vom tragfähigen Grund hinaus. Wer von vornherein auf unsicherem Grund baut, dessen Haus stürzt leicht ein. Wir erfahren in diesen Tagen, dass sogar für Jahrtausende gebaute Bauwerke in einer Jahrhundertflut untergehen können. Paulus geht einen Schritt weiter. Auch wer auf festem Grund baut, auf dem Grund der Liebe Gottes, den wir nicht selbst legen können, der wird danach gefragt, wie er baut.

Beim Tempelbau in Jerusalem zum Beispiel war es ein Unterschied, ob mit Gold, Silber und Edelsteinen gearbeitet wurde oder ob man sich mit Holz, Heu und Stroh begnügte. Der Tempel in Jerusalem wurde allerdings trotz seiner Pracht zwei Jahrzehnte später zerstört, nicht durch Naturgewalten, wie wir sie jetzt erleben, sondern durch Krieg. Paulus redet aber bildhaft von einem anderen Tempelbau. Er wusste, die eigentlichen Tempel Gottes sind wir Menschen. Gottes Geist wohnt in uns Menschen. Wir sind Gottes Tempel, unser Fundament ist die uns geschenkte Liebe, und nun ist es auch bei uns ein Unterschied, ob wir auf diesem Fundament mit Dreck weiterbauen oder mit dem Gold des Glaubens, mit dem Silber der Hoffnung und mit den Edelsteinen der Liebe. Bauen wir auf der Barmherzigkeit Gottes auf und tun Taten der Barmherzigkeit? Oder handeln wir so, als gäbe es keine Liebe, als wären wir nicht verantwortlich für unser Leben? Dass wir verantwortlich sind, unterstreicht Paulus drastisch: „Der Tag des Gerichts wird’s klar machen; denn mit Feuer wird er sich offenbaren. Und von welcher Art eines jeden Werk ist, wird das Feuer erweisen. Wird jemandes Werk bleiben, das er darauf gebaut hat, so wird er Lohn empfangen. Wird aber jemandes Werk verbrennen, so wird er Schaden leiden; er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer hindurch.“

Das sind harte Worte, dennoch nicht ohne Barmherzigkeit! Denn vernichtet werden nur unsere Werke, die keinen Bestand haben vor Gott: das egoistische Kreisen um uns selbst, selbstgerechte Frömmigkeit, unbarmherzige Taten. Paulus sagt: auch der wird gerettet, dessen Werk verbrennt – wie durch Feuer hindurch. Er lässt jedem Menschen Hoffnung. Im Leben eines Menschen, der sich selbst für verloren hält, gibt es wirklich am Ende nicht viel, was Bestand behält. Aber da mag dieser Funke von Sehnsucht sein nach Liebe, die mich annimmt, auch wenn ich unannehmbar bin – und sie ist Grund genug, um doch nicht verloren zu sein. In einem wilden Leben ohne Gott und Kirche gibt es vielleicht doch Stunden, in denen echte Liebe erfahren und gegeben wird, und keiner außer Gott würde für möglich halten, dass dieser Mensch eine Chance hat.

Was am Ende trägt, sind nicht unsere Leistungen und Glaubensüberzeugungen – am Ende trägt die Liebe dessen, der am Kreuz die Last des Versagens und der Verzweiflung getragen hat – für alle Menschen. Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.
Lied 166, 2+4+5:

2) Ich bin, Herr, zu dir gekommen, komme du nun auch zu mir. Wo du Wohnung hast genommen, da ist lauter Himmel hier. Zieh in meinem Herzen ein, lass es deinen Tempel sein.

4) Mache mich zum guten Lande, wenn dein Samkorn auf mich fällt. Gib mir Licht in dem Verstande und, was mir wird vorgestellt, präge du im Herzen ein, lass es mir zur Frucht gedeihn.

5) Stärk in mir den schwachen Glauben, lass dein teures Kleinod mir nimmer aus dem Herzen rauben, halte mir dein Wort stets für, dass es mir zum Leitstern dient und zum Trost im Herzen grünt.

Barmherziger Gott, lass die wieder Obdach finden, die ihr Haus oder ihre Wohnung verloren haben. Lass die wieder Halt finden, die ohne Orientierung durchs Leben treiben. Lass die wieder Hilfe finden, die aufgehört haben, auf Hilfe zu hoffen, sei es von Menschen oder von dir.

Mach uns bereit, zu helfen, wo wir Geld und Kräfte übrig haben, mach uns mutig, davon zu sprechen, was unserem Leben Halt gibt, lass deine Kraft in uns Schwachen mächtig sein, damit andere Menschen sich an uns aufrichten können.

Heute schließen wir besonders Herrn … in unsere Fürbitte ein, der im Alter von 43 Jahren gestorben ist. Er hat, als er noch lebte, die Frage gestellt: „Warum lebe ich hier?“ und die Antwort auf diese Frage bist du, Gott, der du die Liebe bist, von der wir herkommen und zu der wir zurückkehren. Deinen Händen haben wir ihn anvertraut, als wir ihn bestattet haben; und wir danken dir für deine Barmherzigkeit, mit der du ihn am Ende in Liebe annimmst. Begleite du auch die Angehörigen, die um ihn trauern. Lass uns nicht allein, wenn wir verzweifelt sind. Wir denken auch an eine Frau aus unserer Gemeinde, die anonym bestattet wurde; lass auch sie in deiner Liebe geborgen sein, gerettet wie durch Feuer hindurch, erlöst von Schmerzen und Verzweiflung. Gib auch die Menschen nicht auf, die keinen Zugang zu deinem Wort finden, die nicht einmal beim Abschied von einem geliebten Menschen deinem Wort etwas zuzutrauen vermögen.

In der Stille bringen wir vor dich, Gott, was wir außerdem auf dem Herzen haben:

Gebetsstille und Vater unser
Lied 268: Strahlen brechen viele aus einem Licht
Abkündigungen

Und nun geht mit Gottes Segen. Vielleicht bleiben Sie auch noch ein wenig zusammen im Gemeindesaal bei Kaffee oder Tee.

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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