Volle Kanne Barmherzigkeit

Statt Gott in Punkto Barmherzigkeit nachzueifern, möchten wir lieber an seiner Stelle das Richteramt ausüben. Um selber gut dazustehen, ist es uns nur recht, wenn andere Unrecht haben. Jesus fordert: Macht es umgekehrt! Wer andere als Unmenschen verdammt, verletzt auch die eigene Menschenwürde. Wer aufs Verurteilen verzichtet, lässt den Weg offen für Vergebung, auch für sich selbst.

Im Spreewald findet sich diese große mit Blumen gefüllte Kanne

Im Spreewald findet sich diese große mit Blumen gefüllte Kanne (Bild: pixabay.com)

#predigtTaufgottesdienst im Gottesdienst am 4. Sonntag nach Trinitatis, den 13. Juli 2003, um 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Ich begrüße alle herzlich im Taufgottesdienst der Paulusgemeinde mit dem Thema: „Volle Kanne Barmherzigkeit“.

Eine volle Kanne mit Taufwasser steht auf dem Altar bereit für die Taufe von drei Kindern: … . Gemeinsam mit ihren Familien und Paten heißen wir sie heute besonders herzlich willkommen.

Was es mit der Kanne voller Barmherzigkeit auf sich hat, davon erzählt uns Pfarrer Schütz in der Taufansprache und in der Predigt mehr.

Lied 440:

1. All Morgen ist ganz frisch und neu des Herren Gnad und große Treu; sie hat kein End den langen Tag, drauf jeder sich verlassen mag.

2. O Gott, du schöner Morgenstern, gib uns, was wir von dir begehrn: Zünd deine Lichter in uns an, lass uns an Gnad kein Mangel han.

3. Treib aus, o Licht, all Finsternis, behüt uns, Herr, vor Ärgernis, vor Blindheit und vor aller Schand und reich uns Tag und Nacht dein Hand,

4. zu wandeln als am lichten Tag, damit, was immer sich zutrag, wir stehn im Glauben bis ans End und bleiben von dir ungetrennt.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. „Amen.“

„Hat Gott Ihnen schon mal geholfen?“ fragt mich eine Konfirmandin. „Ja“, sage ich. Mir fällt in dem Augenblick kein einzelnes Ereignis aus meinem Leben ein, und ich sage: „Ich habe ja mein Leben von Gott. Alles, was ich bin und kann, habe ich von ihm.“

Kommt, lasst uns Gott anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

„An Geister glaube ich“, sagt eine andere Konfirmandin, „aber von Gott habe ich noch nie etwas gespürt.“ Ich erwidere: „Dann gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder Gott gibt es nicht. Oder du bleibst offen für Gott und hörst nicht auf, nach ihm zu fragen. Durch den Propheten Jeremia sagt Gott (Jeremia 29, 13-14):

Wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen.

Wir rufen zu dir:

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Stellen wir uns vor, wir haben Hunger. Richtig Hunger. Der Magen knurrt. Und dann stellt uns jemand eine Schüssel mit Essen hin. Was wir am liebsten mögen. Vielleicht einen Super-Reissalat mit Käse und Schinken und Gemüse und tollen Gewürzen. Nicht nur ein bisschen, sondern die Schüssel bis oben hin voll, sogar festgedrückt, dass mehr reinpasst, und dann noch was oben drauf gepackt, dass es überläuft. So viel Liebe, so viel Barmherzigkeit hat Gott für uns übrig – das hören wir nachher im Text zur Predigt. „Ein volles, gedrücktes, gerütteltes und überfließendes Maß wird man in euren Schoß geben“, sagt Jesus. Volle Kanne Barmherzigkeit, so wie in der Taufkanne genug Wasser drin ist, sogar mehr als genug Taufwasser für drei Kinder.

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank fürseine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende.

Der Herr sei mit euch! „Und mit deinem Geist!“

Gott, mach uns die Augen auf, dass wir sehen, was du uns schenkst. Gott, mach uns die Ohren auf, dass wir hören, was du uns sagen willst. Gott mach uns das Herz auf, dass wir spüren, wie du uns liebst. Darum bitten wir dich im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören die Schriftlesung aus dem Evangelium nach Markus 10, 13-16:

13 Und sie brachten Kinder zu ihm, damit er sie anrühre. Die Jünger aber fuhren sie an.

14 Als es aber Jesus sah, wurde er unwillig und sprach zu ihnen: Lasst die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht; denn solchen gehört das Reich Gottes.

15 Wahrlich, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen.

16 Und er herzte sie und legte die Hände auf sie und segnete sie.

Herr, dein Wort ist unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Wege. Halleluja!

Auch in unserem Gottesdienst werden nun Kinder zu Jesus gebracht. Bevor wir sie taufen, singen wir aus dem Tauflied 206 die Strophen 1, 4 und 5:

1. Liebster Jesu, wir sind hier, deinem Worte nachzuleben; dieses Kindlein kommt zu dir, weil du den Befehl gegeben, dass man sie zu dir hinführe, denn das Himmelreich ist ihre.

4. Hirte, nimm das Schäflein an; Haupt, mach es zu deinem Gliede; Himmelsweg, zeig ihm die Bahn; Friedefürst, sei du sein Friede; Weinstock, hilf, dass diese Rebe auch im Glauben dich umgebe.

5. Nun wir legen an dein Herz, was vom Herzen ist gegangen. Führ die Seufzer himmelwärts und erfülle das Verlangen; ja den Namen, den wir geben, schreib ins Lebensbuch zum Leben.

Liebe Tauffamilien, liebe Gemeinde, ich habe ja vorhin diesen Gottesdienst mit zweifelnden Fragen von Jugendlichen begonnen. „Hilft Gott eigentlich? Ist er eigentlich da? Warum spüre ich von ihm nichts?“

Wenn ich an unsere Taufgespräche denke, möchte ich sagen: Wer ein neugeborenes Kind im Arm hat, der ist oft sehr nahe dran an dieser Erfahrung – Gott schenkt dieses neue Leben, wir sind dankbar, dass Gott das Baby bewahrt hat, es ist ein Wunder, dass wir überhaupt auf der Welt sind.

Vielleicht kann man das so richtig wirklich erst begreifen, wenn man als Mutter selbst ein Kind bekommen hat oder als Vater dieses kleine Menschenkind in den Arm nehmen durfte, das so süß ist und so viel Liebe braucht und so verletzbar ist und so viele Ansprüche stellt und stellen darf!

Es ist nicht selbstverständlich, sondern ein Grund zum Danken, wenn Kinder gesund auf die Welt kommen; erst recht sind wir dankbar, wenn eine Krankheit rechtzeitig erkannt wird und das Leben eines Kindes gerettet wird. Der kleine … musste mit vier Tagen am Herzen operiert werden, später Schmerzen aushalten. Trotzdem ist er ein fröhlicher und zufriedener Junge, und die Ärzte im Krankenhaus wunderten sich über so einen geduldigen Patienten.

… bekommt einen besonderen Taufspruch mit auf den Weg, aus Psalm 139, 14, denn er ist – wie alle Gotteskinder – einbesonderes Kind:

Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin.

Vom Opa in Amerika kam dazu folgender Satz auf einem T-Shirt:

„I‘m special – I‘m designed by God.“

„Ich bin etwas Besonderes, mein spezielles Design stammt von Gott.“ Wer das von sich sagen kann, empfindet sich als wertvoller Mensch, egal wie andere Menschen ihn beurteilen. Gott hat mich gewollt, ich spiele eine Rolle in seinem Plan mit der Welt. … – deine Mutter, deine Schwester, deine Tante, deine Paten, alle, die für dich da sind, geben dir dieses Gefühl: du bist ein Mensch, den man lieb haben kann.

Der zweite Junge, den wir heute taufen, ist der kleine … – wie der Name sagt, wünschen sich die Eltern für ihn, dass er als glücklicher Mensch aufwachsen und groß werden soll. Als erstes Kind seiner Eltern erweitert er nach vielen Jahren der Zweisamkeit Ihre Ehe zu einer Familie, in der auf einmal alles anders ist. Aber die Rund-um-die-Uhr-Verantwortung für Ihr Baby ist keine Last für Sie, da Sie sie gemeinsam tragen und da sie mehr als aufgewogen wird durch das Glück, diesen kleinen Menschen lieb haben zu dürfen und aufwachsen zu sehen.

Bei der Wahl des Taufspruchs sind auch Sie auf den Psalm 139 gekommen. Für … haben Sie Psalm 139, 8 ausgesucht:

Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.

Da stelle ich mir den allmächtigen Schöpfer vor, der größer ist als das ganze Weltall, der alles in der Hand hält und von dem wir sagen: Wir können nicht tiefer fallen als in seine Hände. Ich sehe das Baby vor mir, das im Arm der Mutter oder des Vaters geborgen und beschützt ist – so ist Gottes Liebe um uns herum, von allen Seiten, zu jeder Zeit, wo auch immer wir sind. Wie die Luft zum Atmen brauchen wir Gottes Liebe – wir sehen sie nicht, doch ohne sie könnten wir nicht leben.

Ich bin ein bisschen unhöflich gewesen, denn nach den beiden Jungen komme ich erst jetzt zu dem Mädchen, das wir taufen. … ist die zweite Tochter ihrer Eltern, und für sie haben Sie von Paulus in 1. Korinther 13, 7-8, ausgesucht:

[Die Liebe] erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles. Die Liebe hört niemals auf.

Ich dachte, es ist gut, diesen Spruch an dritter Stelle auszulegen, denn in gewisser Weise baut er auf den anderen auf. Wenn wir wunderbar geschaffen sind und wenn uns Gottes Liebe von allen Seiten umgibt, dann sind wir auch selber zur Liebe fähig. Weil Gottes Liebe nicht aufhört und niemals einen Menschen aufgibt, können wir mit denen, die uns anvertraut sind, in gleicher Weise umgehen: ertragen, vertrauen, hoffen, Geduld haben.

Wichtig ist, dass wir dieses Bibelwort richtig hören: Natürlich ist nicht gemeint, dass wir bei einem Kind jedes Verhalten dulden und ohne Einspruch ertragen sollen – im Gegenteil, gerade wer sein Kind lieb hat, setzt ihm gute Grenzen. Es muss ja lernen, was genug ist, um zufrieden sein und teilen zu können. …s Taufspruch zielt nicht auf das Verhalten, sondern auf die Person: Ganz gleich, was geschieht, gute Eltern werden niemals aufhören, ihr Kind zu lieben.

Noch viel größer ist Gottes Liebe – er liebt sogar Menschen, die von ihm nichts wissen wollen, die ihn lächerlich machen, die gegen seine Gebote handeln – er gibt die Hoffnung nicht auf, dass sie zu ihm zurückkehren und ein durch Liebe erfülltes Lebenfinden.

An Gott zu glauben, heißt, auf seine Liebe zu vertrauen, die uns wunderbar geschaffen hat, die uns von allen Seiten umgibt, die niemals aufhört. Mit dem Apostolischen Glaubensbekenntnis drücken wir diesen Glauben aus, stellvertretend auch für unsere Taufkinder:

Glaubensbekenntnis und Taufen
Lied 575: Ein Kind ist angekommen
Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde, wir haben viel von der Liebe Gottes gehört, die uns umgibt und wunderbar schafft und niemals aufhört.

Jetzt könnten aber meine Konfirmandinnen kommen und sagen: Ich spüre aber trotzdem nichts von Gott. Ich merke nichts von ihm, von seiner Liebe. Wo hilft er mir denn?

Im heutigen Text zur Predigt gibt Jesus auf diese Fragen Antwort. Der steht im Evangelium nach Lukas 6, 36-42. Ich lese die Worte Jesu Vers für Vers vor und sage gleich etwas dazu.

Erstens sagt Jesus:

36 Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.

Also: Wenn ihr Gott spüren wollt, dann macht es wie Gott: Seid barmherzig! Er liebt euch und hat euch ein wunderbares Leben geschenkt, die Fähigkeit zu lieben inclusive. Macht es ihm nach, habt ein Herz, bleibt Mensch, nehmt Rücksicht aufeinander.

Zweitens sagt Jesus, was nicht unsere Aufgabe ist:

37 Und richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet ihr nicht verdammt. Vergebt, so wird euch vergeben.

Statt Gott in Punkto Barmherzigkeit nachzueifern, möchten wir lieber an seiner Stelle das Richteramt ausüben. Um selber gut dazustehen, ist es uns nur recht, wenn andere Unrecht haben. Jesus fordert: Macht es umgekehrt! Wer andere als Unmenschen verdammt, verletzt auch die eigene Menschenwürde. Wer aufs Verurteilen verzichtet, lässt den Weg offen für Vergebung, auch für sich selbst.

Drittens spricht Jesus vom Geben und Empfangen:

38 Gebt, so wird euch gegeben. Ein volles, gedrücktes, gerütteltes und überfließendes Maß wird man in euren Schoß geben; denn eben mit dem Maß, mit dem ihr messt, wird man euch wieder messen.

Wieder kehrt Jesus Maßstäbe um. Sagen wir: „Ich kann nichts abgeben, ich hab selber nicht viel“, dann widerspricht er: „Wer gibt, ist reich.“ Die arme Witwe gab zwei Cent in die Tempelkollekte, mehr hatte sie nicht. In Jesu Augen war das mehr als das Gold aus dem Überfluss der Reichen. Die Schüssel in ihrem Schoß ist voll bis an den Rand, gedrückt und geschüttelt, sie läuft über vor lauter Liebe, die sie erfahren hat und weitergibt: volle Kanne Barmherzigkeit. Wer Jesus oberflächlich versteht, könnte meinen, dass Jesus hier eine Anleitung zum leichten Geldverdienen gibt: Schenke her, dann kriegst du mehr! Wer gibt, wird belohnt. Aber es geht hier um kein Geschäft. Wer gibt, kann geben, weil er schon beschenkt ist. Wer weggibt, hat dadurch nicht weniger, sondern sein Leben wird erfüllter.

Viertens warnt uns Jesus vor Selbstüberschätzung:

39 Er sagte ihnen aber auch ein Gleichnis: Kann auch ein Blinder einem Blinden den Weg weisen? Werden sie nicht alle beide in die Grube fallen?

40 Der Jünger steht nicht über dem Meister; wenn er vollkommen ist, so ist er wie sein Meister.

Denkt Jesus hier an Leute, die die Weisheit mit Löffeln gefressen haben? Anderen erteilen sie gute Ratschläge, an die sie sich selber nicht halten. Gemessen an der Wahrheit Gottes sind wir alle blind und tun gut daran, uns an der Hand des Meisters führen zu lassen, damit wir nicht in die Grube fallen und andere mit uns ziehen. Wir wissen nicht besser als Jesus, was gut für uns und für andere Menschen ist. Vollkommen wären wir, wenn wir so barmherzig wie Jesus sein könnten.

Zuletzt noch fünftens:

41 Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge, und den Balken in deinem Auge nimmst du nicht wahr?

42 Wie kannst du sagen zu deinem Bruder: Halt still, Bruder, ich will den Splitter aus deinem Auge ziehen, und du siehst selbst nicht den Balken in deinem Auge? Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge und sieh dann zu, dass du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehst!

Wir helfen so gerne dem andern, wenn er einen Splitter im Auge hat! Wir verurteilen ihn ja gar nicht, wir wollen ihm nur helfen. Ein Splitter im Auge tut weh, den muss man rausziehen; seinen Fehler muss er einsehen, dann ist alles wieder OK. Jesus stellt diese Art, die Dinge wahrzunehmen, in Frage. Wer Kritik übt, sollte erst in den Spiegel gucken, ob er nicht selber einen ganzen Balken im Auge hat – anders ausgedrückt: das Brett vor dem eigenen Kopf versperrt die klare Sicht auf den anderen und auf mich.

Neulich beim Aldi: Eine junge Frau mit Kopftuch und Kinderwagen drängelt sich an der Kasse vor. Der Mann hinter ihr hätte sie höflich bitten können, doch ans Ende der Schlange zu gehen. Doch er schimpft: „Geh doch in die Türkei zurück, da kannst du das machen!“ Sie lässt sich diese Art nicht bieten und meint am Ende: „Halt‘s Maul!“ Wo ist der Splitter, wo der Balken? Ich selber sehe zu, wie zwei Menschen Vorurteile pflegen und frage mich, ob ich schlichten kann. Aber ich bleibe still. Hätten nicht beide mein Eingreifen als Parteinahme empfunden? Welchen Balken übersehe ich ich in meinem Auge? Ich habe das Gefühl, eine Chance zum Abbau von Vorurteilen nicht genutzt zu haben.

Ein Gedicht von Frau Margarete Drebes rundet diese Predigt ab. Es ist erst zwei Tage alt; sie hat es gedichtet, als sie nach unserem Bibelgespräch am Mittwoch weiter über den Predigttext nachdachte:

Was ist Glück?

Ein jeder fragt und eilt danach
und sieht es nur bei andern.
Schau doch in dich, und du wirst wach,
lässt‘s nicht vorüber wandern.

Das Glück ist ein vielfältig Ding.
Für einen ist‘s die Liebe,
für andre Reichtum, Geld und Gut,
Gesundheit, Himmelstriebe.

Ein Händedruck, ein Wort, Verstehen
kann viele glücklich machen;
lass diese Möglichkeit nicht aus,
bring Traurige zum Lachen.

Denn nicht Geschenke brauchst du viel
bei allem Wünschen, Sehnen;
Zufriedenheit bringt dich ans Ziel,
dann wird das Glück dich krönen!

Als Christ kennst du den Weg dahin,
brauchst nur danach zu fragen:
„Wie würde Jesus handeln jetzt?“
Dann ist vorbei all Klagen.

Voll Dankbarkeit schaust du zurück
auf dein bisher‘ges Leben.
Siehst deine Lieben um dich her
und bist vom Glück umgeben!

Was fragst du nur: „Wo ist das Glück?“
Du hast es längst erhalten;
nur Dankbarkeit, Zufriedenheit
ziemt Jungen und den Alten.

Drum schau umher und frage stets:
„Wo kann ich glücklich machen?
Herr, gib mir Kraft zum rechten Wort,
zur Tat und Lieb in allen Sachen!“

Dann kehrt das Glück schnell in dein Haus,
auch wenn es schwer zu finden;
treib nur die Sorgen bei dir aus.
Das Glück wirst du ergründen!

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.
Lied 495, 1-5:

1. O Gott, du frommer Gott, du Brunnquell guter Gaben, ohn den nichts ist, was ist, von dem wir alles haben: gesunden Leib gib mir und dass in solchem Leib ein unverletzte Seel und rein Gewissen bleib.

2. Gib, dass ich tu mit Fleiß, was mir zu tun gebühret, wozu mich dein Befehl in meinem Stande führet. Gib, dass ich’s tue bald, zu der Zeit, da ich soll, und wenn ich’s tu, so gib, dass es gerate wohl.

3. Hilf, dass ich rede stets, womit ich kann bestehen; lass kein unnützlich Wort aus meinem Munde gehen; und wenn in meinem Amt ich reden soll und muss, so gib den Worten Kraft und Nachdruck ohn Verdruss.

4. Find’t sich Gefährlichkeit, so lass mich nicht verzagen, gib einen Heldenmut, das Kreuz hilf selber tragen. Gib, dass ich meinen Feind mit Sanftmut überwind und, wenn ich Rat bedarf, auch guten Rat erfind.

5. Lass mich mit jedermann in Fried und Freundschaft leben, soweit es christlich ist. Willst du mir etwas geben an Reichtum, Gut und Geld, so gib auch dies dabei, dass von unrechtem Gut nichts untermenget sei.

Du, Gott, überschüttest uns mit Liebe und Barmherzigkeit. Lass uns das spüren und dankbar sein. Du lässt uns leben, hilf uns, verantwortlich mit uns umzugehen, mit unserem Körper, mit unserer Seele, mit unserer Gesundheit. Du gibst uns Talente, hilf uns zu entfalten, was wir können, auch wenn es anstrengend ist und wir uns selber so viel nicht zutrauen. Du gibst uns Mut, hilf uns, für Gerechtigkeit und Frieden einzutreten und unsere Angst zu überwinden.

Gott, du vertraust uns Kinder an. Sie gehören uns nicht, aber sie gehören zu uns, und wir sind vor dir voll verantwortlich, dass sie behütet und mit guten Grenzen aufwachsen und dass sie wachsen an Leib und Seele. Bitte, Gott, gib uns Kraft und Geduld, dass wir ihnen gerecht werden. Stelle uns Menschen an die Seite, die uns in der Familie unterstützen. Aber wir wollen auch im Blick auf unsere Kinder nicht vergessen, dir zu danken: Danke, Gott, für die Freude, die du uns durch unsere Kinder schenkst, und danke für jedes Kind, das auf dieser Erde glücklich aufwachsen darf. Amen.

In der Stille bringen wir vor dich, Gott, was wir noch auf dem Herzen haben:

Gebetsstille und Vater unser
Lied 334: Danke für diesen guten Morgen
Abkündigungen und Hinweis auf die „Interreligiöse Woche“, die heute beginnt!

Und nun geht mit Gottes Segen. Vielleicht bleiben Sie auch noch ein wenig zusammen im Gemeindesaal bei Kaffee oder Tee.

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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