Abheben – Fliegen – Landen

Die Engel lenkten den Blick der Jünger nach unten; sie würden der Schülerin zustimmen, die meinte: „Der Himmel ist in unsere Welt eingebaut.“ Wir sehen ihn zwar nicht, aber er ist trotzdem da. Wer abheben will, um den Himmel – die Chefetage der Welt – zu erreichen, muss sich also dorthin aufmachen, wo der Himmel in unsere Welt eingebaut ist.

Ein Flugzeug hebt ab

Abheben von der Startbahn – über die Wolken hinaus (Foto: pixabay.com)

Die evangelischen Gemeinden Michael, Paulus und Thomas feiern gemeinsam Gottesdienst an Christi Himmelfahrt, 25. Mai 2006, um 10 Uhr auf dem Segelflugplatz in der Wieseck-Aue
Musik zur Einstimmung
Lied 504: Himmel, Erde, Luft und Meer
Begrüßung (Carolin Kalbhenn)
Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Psalm 136:

1 Danket dem Herrn; denn er ist freundlich, denn seine Güte währet ewiglich.

2 Danket dem Gott aller Götter, denn seine Güte währet ewiglich.

3 Danket dem Herrn aller Herren, denn seine Güte währet ewiglich.

4 Der allein große Wunder tut, denn seine Güte währet ewiglich.

Liedstrophe 594: Der Himmel geht über allen auf

1 Danket dem Herrn; denn er ist freundlich, denn seine Güte währet ewiglich.

5 Der die Himmel mit Weisheit gemacht hat, denn seine Güte währet ewiglich.

6 Der die Erde über den Wassern ausgebreitet hat, denn seine Güte währet ewiglich.

7 Der große Lichter gemacht hat, denn seine Güte währet ewiglich:

8 die Sonne, den Tag zu regieren, denn seine Güte währet ewiglich;

9 den Mond und die Sterne, die Nacht zu regieren, denn seine Güte währet ewiglich.

Liedstrophe 594: Der Himmel geht über allen auf

1 Danket dem Herrn; denn er ist freundlich, denn seine Güte währet ewiglich.

10 Der die Erstgeborenen schlug in Ägypten, denn seine Güte währet ewiglich;

11 und führte Israel von dort heraus, denn seine Güte währet ewiglich;

12 mit starker Hand und ausgerecktem Arm, denn seine Güte währet ewiglich.

13 Der das Schilfmeer teilte in zwei Teile, denn seine Güte währet ewiglich;

14 und ließ Israel mitten hindurchgehen, denn seine Güte währet ewiglich;

15 der den Pharao und sein Heer ins Schilfmeer stieß, denn seine Güte währet ewiglich.

16 Der sein Volk führte durch die Wüste, denn seine Güte währet ewiglich.

Liedstrophe 594: Der Himmel geht über allen auf

1 Danket dem Herrn; denn er ist freundlich, denn seine Güte währet ewiglich.

17 Der große Könige schlug, denn seine Güte währet ewiglich;

21 und gab ihr Land zum Erbe, denn seine Güte währet ewiglich;

22 zum Erbe seinem Knecht Israel, denn seine Güte währet ewiglich.

23 Der an uns dachte, als wir unterdrückt waren, denn seine Güte währet ewiglich;

24 und uns erlöste von unsern Feinden, denn seine Güte währet ewiglich.

25 Der Speise gibt allem Fleisch, denn seine Güte währet ewiglich.

26 Danket dem Gott des Himmels, denn seine Güte währet ewiglich.

Liedstrophe 594: Der Himmel geht über allen auf
Gebet (Helmut Schütz):

Wenn der Himmel über seinem Volk aufgeht,
dann wird Israel aus der Sklaverei befreit,
dann werden Christen zu Wegbereitern des Friedens,
dann werden Traurige getröstet
und in Verzweifelten keimt neue Hoffnung auf.

Wenn der Himmel auf uns übergeht,
dann spüren wir hier auf Erden die Barmherzigkeit Gottes,
dann lassen wir uns anstecken von seiner Liebe,
dann tragen wir seine Botschaft des Friedens in die Welt.

Wenn Christus in den Himmel aufgenommen wird,
dann ist Jesus mit Gott eins geworden wie sonst keiner,
dann ist Gott so menschlich geworden, wie er nur werden kann,
dann ist kein Mensch auf Erden mehr ohne Würde.

Gott, lass den Himmel über uns aufgehen,
lass den Himmel auf uns übergehen,
verbinde den Himmel und die Erde durch Jesus Christus. Amen.

Schriftlesung: Apostelgeschichte 1, 9-11

40 Tage nach Ostern, als Jesus den Aposteln immer wieder als Lebendiger erschienen war und ihnen vom Reich Gottes ge­predigt hatte, nahm er auf dem Ölberg Abschied. Jesus tröstet seine Jünger und Jüngerinnen und sagt: Ihr werdet die Kraft des heiligen Geistes empfangen, so dass ihr überall als meine Zeugen und Zeuginnen auftreten könnt:

9 Und als er das gesagt hatte, wurde er zusehends aufgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf vor ihren Augen weg.

10 Und als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr, siehe, da standen bei ihnen zwei Männer in weißen Gewändern.

11 Die sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht zum Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen.

Hinführung zum Thema (Barbara Görich-Reinel)

Abheben, fliegen, landen – das ist die Bewegung, von der hier im Text die Rede ist:

Abheben, starten, emporgehoben werden.

Fliegen, aufgenommensein in den Wolken, oben sein.

Landen, wiederkommen.

Es geht um Trennung und Abschied, das Aufgenommensein in einer anderen Welt, das Wiederkommen, das Wiedersehen.

Der Untertitel des Gottesdienstes lautet nach dem Lied von Reinhard Mey von 1974: „Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein…“. Dahinter steckt eine Vermutung aus der Perspektive und dem Blickwinkel derer, die unten sind. Die Leute, die von unten nachsehen, sind angesprochen. Und das sind in der Regel wir: Zuschauende, Zurückbleibende, sehn­süchtig Wartende. Haben wir an der Bewegung nach oben – Abheben, Fliegen, Landen – keinen Anteil, oder doch? Im Bibeltext wird man gleich ermahnt:

Da kommen zwei Männer und weisen die Anwesenden zurecht: Was steht ihr da und seht zum Himmel? Guckt doch auf die Erde! Bleibt auf dem Boden der Tatsachen! Wie passt Himmelfahrt zu uns? Himmel und Erde, ein spannendes Gegenüber…

Wir werden dem in drei Kurzpredigten zum Thema Abheben, Fliegen und Landen nachgehen. Doch zuvor hören wir den Refrain des Liedes „Über den Wolken…“, und wer mag, kann mit einstimmen.

Lied „Über den Wolken“
„Abheben“ (Helmut Schütz)

Liebe Flugplatzgemeinde!

Von den drei Phasen den Segelfluges „Abheben, Fliegen und Landen“ habe ich mir das Abheben ausgesucht, um darüber zu meditieren. Vielleicht weil man, wie es Reinhard Mey in seinem Song getan hat, das Abheben eines Flugzeugs auch sehr gut von unten betrachten kann, sehnsuchtsvoll, aber doch mit festem Boden unter den Füßen. Denn ich habe nicht unbedingt Höhenangst; ich kann problemlos sehr hohe Türme und sehr leicht gebaute Segelflieger von unten betrachten, aber ich bekenne eine Angst vor der Tiefe, die mich befällt, wenn ich mit freiem Blick nach unten irgendwo hoch oben stehe oder gar fliegen würde.

Als Jesus gen Himmel fuhr, mussten seine Jünger notgedrungen unten auf der Erde stehenbleiben. Erstens war das Flugzeug noch nicht erfunden, so dass sie ihm nicht mit technischen Mitteln hätten folgen können. Und zweitens, wichtiger noch, war seine Himmelfahrt ja nicht wirklich ein Ortswechsel in den blauen Himmel, der sich über unseren Köpfen wölbt. Eine Wolke nimmt Jesus vor den Augen der Jünger weg, und sie sehen ihn nicht mehr. Trotz­dem starren sie ihm nach, wie Reinhard Mey seiner abhebenden Flug­maschine, als ob von Jesus da oben am Himmel noch irgendwo irgendwie irgend­etwas von ihm zu entdecken wäre. Schon die Engel damals lenkten den Blick der Jünger wieder nach unten; sie würden offenbar einer meiner Schülerinnen in der 6. Klasse zustimmen, die im Religionsunterricht sagte, wie sie sich den Himmel vor­stellt. Sie meinte: „Der Himmel ist in unsere Welt eingebaut.“ Wir sehen ihn zwar nicht, aber er ist trotzdem da, überall um uns herum, und wir müssen unsere Antennen des Glaubens auf ihn ausrichten, um etwas von ihm zu spüren. Dahin ist Jesus gegangen. Er ist nicht mehr zu sehen, aber er ist trotzdem bei uns. Wer abheben will, um den Himmel zu erreichen, muss also nicht abgehoben in Wolken­kuckucksheime schweben, sondern dorthin den Blick erheben und sich dorthin aufmachen, wo der Himmel in unsere Welt eingebaut ist. Oben ist der Himmel trotzdem, auch wenn er in unsere Welt eingebaut ist. Himmel ist da, von wo aus über unsere Welt entschieden wird, wo Jesus zur Rech­ten Gottes sitzt, sozusagen in der Chefetage der Welt. Den Himmel berühren wir da, wo wir aufstehen und aufrecht­gehen, mit beiden Beinen auf dem Boden und doch erfüllt mit Liebe vom Himmel.

Doch beim Abheben kommt es auch darauf an, woher man abhebt. Von wo aus und auf welche Weise hebt Jesus in den Himmel ab? Wichtig finde ich auch, in welcher Weise Jesus nicht abhebt: Er lebt nicht sein Leben lang nur als ein Gott auf Erden, ist nicht „abgehoben“ in der negativen Bedeutung dieses Wortes, nicht ohne Bezug zu unse­rer Wirklichkeit. Wohl kommt er vom Himmel, ist er Gottes Sohn, aber er taucht als wahrer Mensch ganz in unsere Wirklichkeit auf der Erde ein. Wohl ist Jesus in seinem ganzen Willen und Wesen mit Gott, dem Vater, eins. Aber er ist nicht Supermann, sondern normaler Mensch wie wir: Zwischen der Geburt aus Maria und dem Tod durch Pilatus lebt Jesus wie wir alle als wahrer Mensch auf dieser Erde, fühlt Freude und Schmerz, Liebe und Leid, Angst und Vertrauen. Ja, wir müssen es noch härter sagen: Gerade dem Gottessohn, der die Liebe des Himmels auf die Erde bringt, wird nicht nur Ver­trauen geschenkt, sondern ihm schlägt auch Ablehnung und abgrundtiefer Hass entgegen.

Wie hebt Jesus nun von dieser Welt ab? Wie hebt er sich her­aus aus diesem Sumpf von Bosheit und Unrecht? Er fliegt nicht davon wie ein Engel oder ein guter Geist, der die Welt mal eben besucht und erkennt: Da ist Hopfen und Malz verloren! Nein, Jesus lässt sich das Loslassen und Überwin­den des Bösen in dieser Welt viel kosten: Er geht durch Angst und Tod hindurch. Er muss Schlimmeres aushalten als ich, wenn ich es doch einmal wagen würde, mit einem Segel­flugzeug vom Boden abzuheben. Jesus flieht im Garten Geth­semane nicht vor seiner Angst, sondern stellt sich ihr, widersteht nicht mit Gewalt dem Tod, der ihm droht, sondern erleidet die Gewalt. Jesus lässt alles zurück, was ihm kostbar ist: seine Freunde, sein Leben, seine Aufgaben des Heilens und Predigens, seinen Selbst­erhaltungswillen. Er prak­tiziert, was er lehrt: „Wer sein Leben verliert, der wird es gewinnen.“ Jesus hebt ab, als man ihn oben hinauf ans Kreuz hängt und als Pilatus mit zynischer Verachtung oben drüber schreibt: INRI, hier hängt er, der Messias der Juden, der König der Welt. Und Gott voll­bringt das Wunder aller Wunder, macht aus diesem Tod das Beste für uns alle, weckt seinen Sohn auf vom Tod, lässt ihn aufstehen aus dem Grab und aufsteigen in den Himmel, holt ihn an seine Seite, macht ihn wirklich zu dem, auf den wir im Leben und im Sterben vertrauen können. So hebt Jesus ab vom Bösen dieser Welt und öffnet uns die grenzenlose Freiheit des ewigen Lebens.

Lied „Über den Wolken“
„Oben sein, Fliegen“ (Barbara Görich-Reinel)

Auf dem Rummel bin ich schon Riesenrad gefahren. Mein Eindruck ist: von oben sieht die Welt schöner aus, als sie ist…. Man hat einen guten Überblick und schnuppert eine andere Luft, bewegt sich in einer anderen Sphäre. Sie, Herr Klemp, sagen, aus der Vogelperspektive sieht alles so klein und friedlich aus. Die Ruhe ist das Besondere, das Sie empfinden, wenn Sie oben sind. Können Sie das noch genauer beschreiben? Ist das Freiheit?

Der Mensch wollte schon immer fliegen können. War es der Wunsch, sich wie ein Vogel durch die Lüfte zu bewegen oder war die Idee damit verbunden, auch Strecken zu überbrücken? Sie nutzen beides: Wenn die Thermik reicht, kann man Über­land fliegen, ansonsten bleibt man in Platznähe.

Fliegen kann begeistern, zur Sucht werden! Inwiefern?

Denkt man dabei auch an die unten, diejenigen, die nicht mitkönnen oder nicht mitwollen?

Das Bild der Himmelfahrtsgeschichte: Was für Vorteile hatte seine Auffahrt?

1. Jesus Christus wurde dadurch besonders. Wie die Jung­frauengeburt am Anfang steht nun am Ende das wundersame Abheben. – Segelflieger sind auch etwas Beson­de­res, oder?

2. Ohne Himmelfahrt gäbe es keine Kirche. Die Jünger wären die bodyguards Jesu geblieben, sonst hätte sich nichts verändert. Aber als die Apostel auf sich gestellt waren, haben sie angefan­gen zu missionieren. Sie haben etwas geschafft und der Glaube hat sich ausgebreitet. – Ohne Fliegerei keinen Verein. Man braucht fünf Leute, um einen das Vergnügen zu bereiten. Man braucht noch viel mehr, um Vereinsheim, Flugzeuge, Zug­maschine usw. in Stand zu halten.

3. Als Jesus Christus oben angekommen ist, herrscht er über alle Welt. Er sitzt zur Rechten Gottes…. Im Himmel löst sich Raum und Zeit auf. Die Ruhe und das wohlwollende Anschauen der Erde von oben stellt sich ein.

Sagen wir, Jesus Christus war ein Überflieger, der höher und weiter als andere flog. Er blieb im Himmel.

Jesus Christus im Himmel gedacht, bedeutet, dass die Ent­fernung zu ihm für alle gleich geworden ist. Seine Freiheit liegt darin, sich allen zu zeigen, die an ihn glauben.

Ich stelle mir das nicht so vor, dass er ab und zu vorbei fliegt und grüßt, oder den Vorhang vor dem Thron beiseite schiebt und winkt! Nein, wir Menschen können dafür sorgen, dass Jesus Christus immer mal wieder eine Landebahn bereitet wird, so dass der Himmel sich erden kann! Wie? Ganz einfach: Indem wir in seinem Geist leben, unsere Hoffnung auf das Reich Gottes nicht aufgeben und darauf hin leben und arbeiten.

4. Die Freiheit von uns Gläubigen besteht darin, den Blick gen Himmel zu richten und von dort Gutes zu erwarten. Gebete werden Richtung Himmel gesprochen. Von Gott, von dem Jesus Christus, der sich außerhalb befindet, erhofft man sich Hilfe gegen das Leid und die Ungerechtigkeit dieser Welt. Denn wir Menschen allein packen das nicht! Angewiesen sind wir auf Hilfe von außen, von oben, von ganz woanders her. Wir brauchen Distanz zu unserm Leben hier, zu unseren Ängsten und Sorgen. Die Freiheit von über den Wolken soll uns unten erreichen und tragen. Deshalb schauen wir auf die Erde, wie die Engel es empfohlen haben und stellen uns dem, was hier ist. Flieger sind im übrigen auch keine abgehobenen Typen, sondern sehr handfest und praktisch!

Himmel und Erde sind zwei Bereiche, die sich gegenseitig brauchen, um Freiheit zu beschreiben. Am Schönsten ist es aber, wenn Himmel und Erde sich begegnen. Ich vermute, das ist das Moment, das nicht nur Segelflieger suchen und auskosten, sondern wir alle!

Lied „Über den Wolken“
„Landen“ (Carolin Kalbhenn)
Fürbitten (Barbara Görich-Reinel) und Vater unser
Vater unser
Abkündigungen
Segen (Carolin Kalbhenn)
Anschließend Essen und Trinken auf dem Grillplatz

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