„Kommt her und kauft ohne Geld!“

Der Prophet ruft nicht zum Stehlen oder Faulenzen auf. Er hat die Vision vor Augen, dass es wieder sein könnte wie früher im Volk Israel. Jeder hat sein Stück Land und seinen Weinberg und seine Nutztiere, jeder kann mit dem arbeiten, was ihm von Gott geschenkt ist, kann seine Kühe melken und seine Ernte einbringen und sein Brot selber backen.

Ein Mann zeigt seine leeren Hosentaschen, indem er das Innenfutter rauszieht

Ohne Geld einkaufen – wie soll das gehen? (Bild: pixabay.com)

#predigtTaufgottesdienst am 1. Sonntag nach Trinitatis, den 10. Juni 2007, um 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen
Einzug der Tauffamilien

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Während in Köln der Deutsche Evangelische Kirchentag mit einem Gottesdienst ausklingt, feiern wir in der Pauluskirche einen Gottesdienst zum Thema: „Mit Geld nicht zu bezahlen“.

Nicht mit Geld zu bezahlen sind auf jeden Fall Kinder, die uns Gott schenkt und anvertraut. Wir taufen heute drei Kinder: …, und wir heißen sie mit ihren Familien und ihren Paten herzlich willkommen!

„Kauft, ohne zu bezahlen!“ Diesen Satz des Propheten Jesaja hören wir nachher in der Predigt. Das ist keine Aufforderung zum Klauen. Hier in der Kirche gibt es wirklich etwas umsonst.

Darum singen wir ein Danklied, Nr. 334, Verse 1 bis 5:

Danke für diesen guten Morgen
Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

Dir verdanken wir alles, unser Leben, unsere Kräfte, die Menschen, die für uns da sind und die uns anvertraut sind.

Gott, von dir haben wir alles zu erwarten: Orientierung für unser Leben, Hoffnung, wenn wir am Ende sind, Ermutigung, um schwere Entscheidungen zu treffen und durchzuhalten.

Kommt, lasst uns Gott anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Wir sind übersättigt und doch hungrig. Was hast du, Gott, anzubieten, was uns satt macht? Nur Worte, nichts als fromme Sprüche? Vielleicht sind unsere Ohren einfach nur zu für Worte, die wirklich satt machen. Wir rufen zu dir, Gott:

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Jesus Christus spricht (Offenbarung 21, 6):

Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende“.

Der Herr sei mit euch „und mit deinem Geist.“

Gott, gib uns Ohren, die zuhören können. Gib uns ein Herz, das deine Worte fassen kann, in dem deine Liebe Wurzeln schlägt. Das erbitten wir von dir im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Liebe Tauffamilien, liebe Paten, liebe Gemeinde!

„Nicht mit Geld zu bezahlen“, ist heute unser Thema. Was Gott uns gibt, was er diesen Kindern schenkt, das ist so wertvoll: wir könnten es mit keinem Geld der Welt kaufen. Gott schenkt uns keine perfekten Kinder, sondern einmalige liebenswerte Geschöpfe: genau dieses Kind mit seiner unverwechselbaren Eigenart, mit dem, was es kann und was es nicht kann, ist uns anvertraut. Einen Anspruch darauf, dass unsere Kinder genau so sind, wie wir sie uns wünschen, haben wir nicht. Stattdessen nimmt Gott uns in Anspruch für unsere Kinder: Sie haben ein Recht auf unsere Liebe, dass wir sie so akzeptieren, wie sie sind, dass sie alles von uns bekommen, was sie brauchen. Keinen Anspruch haben unsere Kinder darauf, verwöhnt zu werden. Wir müssen sie an gute Grenzen gewöhnen, die ihnen helfen, zufrieden und im Frieden mit andern zu leben.

Aber gute Grenzen gelten immer auch für uns selbst – wenn wir unseren Kindern kein gutes Vorbild sind, lernen sie, was wir tun, nicht was wir ihnen sagen. Sicher haben unsere Kinder auch keinen Anspruch auf perfekte Eltern, aber sie dürfen erwarten, dass wir für sie Verantwortung übernehmen – so gut wir es eben können. Auch das ist nicht mit Geld zu bezahlen.

Sie sind heute hier in der Kirche als Eltern, als Paten, als Erwachsene, die Verantwortung für ein Kind übernehmen. In unseren Vorgesprächen habe ich gespürt, wie wichtig es Ihnen ist, dass Ihre Kinder außer den Eltern auch andere erwachsene Ansprechpartner haben, die Zeit für sie haben und auf die sie sich verlassen können.

Gott schenkt uns also unsere Kinder, und er schenkt den Kindern Erwachsene, die für sie da sind. Und beiden, Eltern und Kindern, schenkt er seine Begleitung. Wir wissen ja: Wir sind genauso wenig perfekt wie unsere Kinder. Wir können weder uns selbst noch unsere Kinder vor allem Bösen bewahren. Um so wichtiger ist es zu wissen: Wir stehen mit unserer Verantwortung für unsere Kinder nicht allein da in der Welt. Gott selber begleitet uns.

Von dieser Begleitung durch Gott spricht der Taufspruch für …, die in acht Tagen neun Monate alt sein wird (Josua 1,9):

[Sei] getrost und unverzagt…, denn … Gott ist mit dir in allem, was du tun wirst.

… muss selber ihre Erfahrungen machen. Sie wird Dinge tun, ihre Welt erkunden, muss selber ihr Leben meistern. Und in all dem steht Gott ihr zur Seite. Sie wird Mut brauchen, um in dieser Welt das Richtige zu tun und als ein liebevoller Mensch zu leben, und diese Ermutigung wird sie auch von Gott bekommen.

Auch der Taufspruch für …, der in zwölf Tagen acht Monate alt sein wird, drückt aus, dass er nicht allein sein wird auf seinem Lebensweg. Die guten Mächte Gottes bahnen ihm den Weg und beschützen ihn, damit er nicht vom rechten Weg abkommt (2. Mose 23, 20):

Siehe, ich sende einen Engel vor dir her, der dich behüte auf dem Wege.

Wichtig ist, dass wir als Eltern und Paten unserem Kind helfen, seinem Engel zu folgen, durch das, was wir sagen und tun.

Und wenn wir den Eindruck haben, dass manchmal ein Engel allein nicht reicht, um unser Kind vor allen Gefahren zu beschützen, dann können wir mit dem irischen Segenswort beten, wie es auf …s Taufkerze steht:

Mögen dich die Engel des Himmels umgeben und vor allen Gefahren beschützen.

Natürlich wissen wir alle nicht, wie der Lebensweg dieser Kinder genau aussehen wird. Aber auf Gottes Begleitung dürfen wir vertrauen, denn Gott ist treu, was auch immer geschieht. Davon handelt der Taufspruch für …, für diesen großen Jungen, der schon 4 Jahre, 4 Monate und 14 Tage alt ist (1. Korinther 13, 13):

Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.

Glauben ist Gottvertrauen, hat nichts zu tun mit „nicht genau wissen“. Hoffnung ist keine billige Vertröstung, sondern Gottes feste Zusage: „Ich stehe zu dir, gib niemals auf, denn ich gebe dich nicht auf!“ Gott kann das so sicher sagen, denn er ist die Liebe, er ist in Jesus sogar Mensch geworden auf dieser Erde. Und wer sich auf seine Liebe verlässt und einlässt, wird ein erfülltes Leben führen.

Unser Vertrauen auf Gott und Jesus und seinen Heiligen Geist der Liebe bekennen wir nun mit unserem Glaubensbekenntnis, stellvertretend auch für unsere Taufkinder:

Glaubensbekenntnis
Lied 608: Alles, was wir sind, hat Gott geschenkt
Taufen und Beauftragung eines weiteren Paten für die Schwester eines Taufkindes
Lied 408: Meinem Gott gehört die Welt

Wir hören den Predigttext aus dem Prophetenbuch Jesaja 55, 1-3. Es ist ein Wort, das der Prophet Gottes in Babylon den Juden zuruft, die dorthin verschleppt worden waren. Nach langer Gefangenschaft in der Fremde hatten sie endlich die Möglichkeit, in das Land Israel zurückzukehren:

1 Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser! Und die ihr kein Geld habt, kommt her, kauft und esst! Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst Wein und Milch!

2 Warum zählt ihr Geld dar für das, was kein Brot ist, und sauren Verdienst für das, was nicht satt macht? Hört doch auf mich, so werdet ihr Gutes essen und euch am Köstlichen laben.

3 Neigt eure Ohren her und kommt her zu mir! Höret, so werdet ihr leben!

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Halleluja! „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde! Auf welchem Marktplatz der Welt ist ein solcher Marktschreier zu hören, der Waren anbietet, die nichts kosten? Es ist der Marktplatz der großen Stadt Babylon in der Mitte des 6. Jahrhunderts vor Christus. Hierher sind in mehreren Deportationen ein halbes Jahrhundert zuvor der größte Teil der Juden aus dem Land Israel verschleppt worden. Wenn Sie gerne Oldies hören, kennen Sie vielleicht den Song von Boney M., „Rivers Of Babylon“. An den großen Flüssen des Babylonischen Weltreiches, Euphrat und Tigris, sitzen die Menschen des Gottesvolkes und weinen um ihre verlorene Heimat. Diese Heimat ist zwar nur ein kleines Land am bescheidenen Fluss Jordan, der oft genug fast austrocknet, und der Tempel in Jerusalem, der seit 50 Jahren zerstört ist, hat äußerlich gesehen im Vergleich zu den babylonischen Göttertempeln auch nicht viel hergemacht. Aber mögen die babylonischen Götter auch mächtiger erscheinen, sie sind nur falsche Götzen, wie Menschen sie sich ausdenken: Tyrannen, die willkürlich herrschen, die mit den Menschen machen, was sie wollen. Israel dagegen war das Land gewesen, in dem Gottes Volk nach der Wegweisung der Freiheit leben konnte und sollte. Hätte Israel auf Gott gehört, wäre Brot für alle da gewesen. Kein Mensch hätte einem andern seine Würde weggenommen.

Der Prophet Jesaja hatte vor der Katastrophe gewarnt, die eintreten würde, wenn man nicht auf Gott und sein Wort hört. Die Katastrophe kam durch die Weltmacht der Babylonier, die Israel überrannten, den Tempel in Jerusalem zerstörten, die Einwohner verschleppten. Mit dem Volk Israel schien es endgültig aus zu sein. Welches Volk überlebt schon 70 Jahre der Deportation weit weg von der Heimat in einer völlig anderen Kultur? Und was war mit dem Gott Israels? War er nicht ohnmächtig gegenüber den großen und starken Göttern des Eroberervolkes von Babylon?

Die Propheten Israels halten auch im Exil daran fest: Unser Gott ist treu. Seine Macht hat kein Ende. Der Prophet Jesaja ist lange tot. Aber einer seiner Nachfolger, 200 Jahre später, in der Mitte des 6. Jahrhunderts vor Christus, steht hier auf dem Marktplatz in Babylon und ruft den Israeliten zu: „Gebt eure Hoffnung nicht auf, bereitet euch auf die Rückkehr vor, ihr habt Besseres zu erwarten, als euch in einer ungeliebten für immer einzurichten!“ Den Namen dieses Propheten kennen wir nicht, vielleicht heißt er Jesaja wie sein Vorgänger. Seine Worte sind im Buch Jesaja ab Kapitel 40 überliefert. Die Theologen nennen ihn Deuterojesaja, den 2. Jesaja.

Dieser Prophet ist es, der wie ein Marktschreier Brot, Wein und Milch „für lau“ anbietet, Freibier für alle!

Trotzdem scheinen seine Landsleute nicht auf ihn zu hören. Viele von ihnen haben die Hoffnung auf eine Rückkehr offenbar aufgegeben. Sie haben resigniert oder sich im fremden Land mit den fremden Sitten und Gebräuchen, vielleicht sogar mit den fremden Göttern einigermaßen eingerichtet. Der Prophet redet ihnen ins Gewissen: „Warum gebt ihr euer Geld aus für Brot, das nichts taugt, und euren sauer verdienten Lohn für Nahrung, die nicht satt macht? Hört auf Gott, dann werdet ihr leben! Kauft und esst! Es kostet nichts! Kauft ohne Geld Brot und Milch und Wein!“

Ob die Leute damals den Kopf geschüttelt haben? Das gibt es doch gar nicht! Kaufen, ohne zu bezahlen? Entweder ist das Diebstahl und wird schwer bestraft. Oder es wäre das Schlaraffenland, wo einem die Trauben in den Mund wachsen und einem alles ohne Arbeit in den Schoß fällt.

Aber der Prophet ruft nicht zum Klauen auf, auch nicht zum Faulenzen. Er hat die Vision vor Augen, dass es wieder so sein könnte wie früher im Volk Israel. Jeder hat sein Stück Land und seinen Weinberg und seine Nutztiere, jeder kann mit dem arbeiten, was ihm von Gott geschenkt ist, kann seine Kühe melken und seine Ernte einbringen und sein Brot selber backen. So war es schon lange nicht mehr gewesen; schon bevor Israel von den Babyloniern verschleppt worden war, war das Gesetz Gottes nicht mehr beachtet worden, dass das von Gott gegebene Land unverkäuflich war. Wer aus Schulden nicht herauskam, verlor sein Land an die großen Grundbesitzer. Das war einer der Punkte gewesen, den Jesaja angeklagt hatte (Jesaja 5):

8 Weh denen, die ein Haus zum andern bringen und einen Acker an den andern rücken, bis kein Raum mehr da ist und sie allein das Land besitzen!

Jesaja ruft also dazu auf, dass die Israeliten wieder auf ihren Gott hören und die Gesetze der Gerechtigkeit in die Tat umsetzen.

Aber wie sollen sie das tun? Sie leben doch in Babylon. Sie haben keinen Einfluss auf die dortige Gesetzgebung, und ihnen gehört dort kein Land. Der zweite Jesaja weiß das. Aber sein Traum von Gerechtigkeit in Israel ist trotzdem kein bloßer Schaum. Er weiß nämlich, dass die Tage der babylonischen Herrschaft gezählt sind. Zu seiner Zeit beginnt das persische Weltreich die Macht zu übernehmen, und die Perser gehen anders mit den von ihnen beherrschten Völkern um als die Babylonier.

In der Tat erlaubt der persische König Kyros den Juden im Jahr 536 vor Christus die Rückkehr nach Israel, und zwanzig Jahre später gibt es sogar wieder einen Tempel in Jerusalem. Ein selbständiges Königreich wird Israel nicht wieder. Aber die Priester des Volkes unter der Führung von Esra und Nehemia dürfen viele Angelegenheiten des Volkes nach dem Gesetz Gottes regeln; für eine gewisse Zeit versucht das Volk Gottes tatsächlich nach der Weisung Gottes und nicht nach dem Recht des Stärkeren zu leben.

Was sollen wir heute mit den Worten des Propheten anfangen?

Die Zeit, in der in Israel Gerechtigkeit herzustellen versucht wurde, wird schon bald darauf durch die Weltherrschaft Alexanders des Großen und seine Nachfolger beendet. Das Römische Weltreich zerstört auch den Zweiten Tempel Israels endgültig und zerstreut das Volk der Juden in alle Welt. Seit den Tagen des Apostels Paulus hat sich der Weg der Christen von den Juden getrennt; wir können fragen: was haben wir überhaupt mit den Versprechungen zu tun, die Gott dem Volk der Juden macht?

Klare Antwort auf diese Frage: Die Versprechungen Gottes an sein Volk gelten nicht nur für die Juden, sondern auch für uns, denn wir haben keinen anderen Gott als die Juden. Nach unserer Bibel ist Jesus der Messias der Juden und nur so ist er zugleich der Christus für alle Völker. Jesus nimmt uns mit hinein in den Weg des Volkes Gottes. Was Gott damals den Juden verspricht, gilt heute auch uns. Aber wollen wir den Gott der Juden, den Vater Jesu Christi, zu uns sprechen lassen?

1 Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser! Und die ihr kein Geld habt, kommt her, kauft und esst! Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst Wein und Milch!

Für die meisten von uns ist das eine Versprechung ohne Bedeutung. Die meisten haben ja genug Geld, um Brot und Milch und sogar Luxusgüter wie Wein zu kaufen. Und die Wasserrechnung ist für uns, ganz anders als für viele damals in Israel, das geringste Problem. Allerdings: wenn wir an die Gießener Tafel denken und an die lange Warteliste von Menschen, die auf verbilligte Lebensmittel angewiesen sind, wird klar: Auch in unserer Zeit und in unserem Land kann nicht jeder sich jeden Tag einfach so satt essen. Und das, obwohl es eigentlich genug zu essen gibt. Es ist aber nicht gerecht verteilt.

Der Hunger nach Gerechtigkeit muss also gestillt werden, wenn alle satt werden sollen. Wo das nicht geschieht, bleiben sogar die hungrig, die genug Geld haben. Der Prophet warnt:

2 Warum zählt ihr Geld dar für das, was kein Brot ist, und sauren Verdienst für das, was nicht satt macht? Hört doch auf mich, so werdet ihr Gutes essen und euch am Köstlichen laben.

Selbst wenn fast alle Menschen in unserem Land genug, ja mehr als genug, zu essen haben, bleiben viele doch seelisch hungrig. Kinder bleiben auf der Strecke, weil Eltern sich zu wenig um sie kümmern. Wir sagten es vorhin schon: Gute Eltern, gute Paten sind unbezahlbar, und es ist ein Segen, wenn ein Pate einer allein erziehenden Mutter hilft, ihrem Sohn ein Stück weit den Vater zu ersetzen. So etwas meint der Prophet mit dem Brot: Ein Junge braucht das Vorbild und die Anerkennung eines Vaters oder anderer vorbildlicher Männer, die sich um ihn kümmern, um nicht seelisch zugrunde zu gehen und auf falsche Vorbilder hereinzufallen. Ein Mädchen braucht das Gegenüber ihres Vaters oder Stiefvaters, vielleicht auch eines Paten, um sich wertgeschätzt zu fühlen, ohne dass es meint, die Männer in ihrem Leben auf zweifelhafte Weise herumkriegen zu müssen.

Zu trinken haben wir in unserem Land genug. Aber viele bleiben seelisch durstig und trinken vielleicht gerade deswegen oft einen über den Durst, wie man sagt, um nicht zu spüren, wie leer und wertlos sie sich innerlich fühlen. Wir sprechen von Lebenshunger, von Wissensdurst, wir haben viel mehr nötig als nur materielle Güter, um in unserem Leben wirklich satt und zufrieden zu sein.

3 Neigt eure Ohren her und kommt her zu mir! Höret, so werdet ihr leben!

Was haben wir von Gott zu erwarten? Ein Gegenüber, das uns ernstnimmt. Gott ist für uns da mit seinem Zuspruch, denn wir sind seine Geschöpfe mit einer Menschenwürde, die uns niemand wegnehmen kann. Gott nimmt uns mit seinen Geboten in Anspruch, denn er will, dass wir die Menschen, mit denen wir zu tun haben, genau so respektieren und achten, wie er es mit uns tut.

Wenn sich alles in unserem Leben nur um Dinge dreht, die Geld kosten, dann kommen wir zu kurz: egal ob wir mit Geld um uns werfen oder über Geldknappheit klagen, wir verlieren das Gespür für das, worauf es wirklich ankommt.

Aber wo Gott ist, wo sein Geist sich auswirkt, da gibt es tatsächlich etwas umsonst. Gott schenkt Worte, die aufrichten. „Du bist ein geliebter Mensch. Du hast das Recht, einfach da zu sein. Du bist wichtig und musst dich nicht auf Kosten anderer wichtig machen.“

Solche Worte, die ehrlich gemeint sind, gibt es für kein Geld der Welt. Dass jemand mich ernst nimmt, mir etwas zutraut, mich so liebt, wie ich bin, das kann ich mir nur schenken lassen.

Wir sind von Gott beschenkt. Wir sind reich. So reich, dass wir von diesem Reichtum etwas abgeben können, ohne dadurch arm zu werden. Das gilt nicht nur für Geld, das wir spenden, damit Menschen in einer Notlage die Erfahrung machen, dass wirklich einer sagt: „Kommt her und esst, es kostet nichts!“ Das gilt auch für Zeit, die wir freiwillig für andere einsetzen. Ich bin dankbar für alle, die freie Zeit für eine Aufgabe in unserer Gemeinde einsetzen, im Kirchenvorstand oder im Besuchsdienst, im Konfi-Team oder an einer anderen Stelle unserer Gemeinde, und ich freue mich, wenn sie das nicht als ein Opfer, sondern sogar als eine Bereicherung ihres eigenen Lebens erfahren. „Kommt zu mir“, ruft Gott, „hört auf mich, so werdet ihr leben!“ Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.
Lied 424: Deine Hände, großer Gott, halten unsre liebe Erde

Gott, wir bitten dich für die Kinder, die wir heute getauft haben, und für alle Kinder, die uns anvertraut sind. Lass uns finden, was wir selber brauchen, damit wir als gute Begleiter und Vorbilder uns voll und ganz auf das einlassen können, was sie brauchen.

Stille unseren Lebenshunger und unseren Durst nach Aufregung und Erlebnis, so dass wir nicht angewiesen sind auf immer neue Kicks, sondern innere Ruhe und Zufriedenheit finden.

Danke, Gott, dass wir nicht weitermachen müssen im alten Trott! Wir müssen nicht aufeinander oder auf uns selbst herumhacken. Wir können einander auf die Beine helfen, trösten, Mut machen. Danke auch für die Chancen, die der Kirchentag unserer Kirche und unserem Land bietet. Lass die Impulse fruchtbar werden, die von den vielen Menschen in ihre Heimatgemeinden nach Hause mitgebracht werden. Auch bitten wir dich, dass die Absichtserklärungen des G8-Gipfels in die Tat umgesetzt werden, damit unsere Umwelt sich von unseren Klimasünden erholen kann. Amen.

Was wir außerdem auf dem Herzen haben, vertrauen wir dir, Gott, in der Stille an.

Stille und Vater unser
Lied 590: Herr, wir bitten: Komm und segne uns
Abkündigungen

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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