„Gedenke, wie kurz mein Leben ist“

Trauerfeier für eine lebenslustige Frau mit Gedanken über die Kürze unseres Lebens und über Gott, der mit seiner ewigen Treue zu uns steht.

Kurz ist unser Leben: Eine Grafik, die das Leben darstellt vom Baby über Jugend- und Erwachsenenalter bis zum Grab

Der kurze Lebenslauf der Menschen (Bild: OpenClipart-Vectors – pixabay.com)

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

Liebe Trauergemeinde, wir sind versammelt, um Abschied zu nehmen von Frau N., die im Alter von [über 60] Jahren nach schwerer Krankheit gestorben ist.

Wir erinnern uns an ihr Leben. Wir begleiten einander auf dem schweren Weg des Abschieds. Wir besinnen uns auf Worte der Bibel, die dabei helfen können, Sterben und Trauer zu bewältigen.

Wir hören Worte aus dem Buch des weisen Predigers Salomo (Prediger 3):

1 Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde:

2 geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit; pflanzen hat seine Zeit, ausreißen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit;

4 weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit; klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit;

5 herzen hat seine Zeit, aufhören zu herzen hat seine Zeit;

6 suchen hat seine Zeit, verlieren hat seine Zeit; behalten hat seine Zeit, wegwerfen hat seine Zeit;

7 zerreißen hat seine Zeit, zunähen hat seine Zeit; schweigen hat seine Zeit, reden hat seine Zeit;

8 lieben hat seine Zeit, hassen hat seine Zeit; Streit hat seine Zeit, Friede hat seine Zeit.

11 [Gott] hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in [der Menschen ] Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende.

12 Da merkte ich, dass es nichts Besseres dabei gibt als fröhlich sein und sich gütlich tun in seinem Leben.

13 Denn ein Mensch, der da isst und trinkt und hat guten Mut bei all seinem Mühen, das ist eine Gabe Gottes.

Lieber Herr N., liebe Trauerversammlung!

Die Lebenszeit von Frau N. ist zu Ende gegangen: Zeit, die ihr geschenkt war, so bunt, so vielfältig, so von Höhen und Tiefen des Lebens geprägt, wie dies in den eben gehörten Worten Salomos zum Ausdruck kam.

Erinnerungen an das Leben der Verstorbenen

Frau N. war ein arbeitsamer Mensch; geschafft hat sie viel. Bis zuletzt versorgte sie ihren Haushalt allein, hat gern gekocht, gebacken und Handarbeiten gemacht.

Zugleich hat sie als lebhafter, lustiger und lieber Mensch auch die Geselligkeit geliebt und gern gefeiert. Sie liebte die Blumen am Fenster und die Vögel im Käfig und früher auch ihre Katzen und den Hund. Auch Musik hat sie gern gehört. Mit kleinen Geschenken, die sie in Ehren hielt, konnte man ihre eine große Freude machen; sie freute sich über den Ausflug in den Park genau so wie über die große Reise ans Meer, auf der sie allerdings schon bald Heimweh bekam. Hier zu Hause, in ständigem Kontakt zu ihrer Familie, hat sie sich offenbar am wohlsten gefühlt.

Gesundheitlich bereits länger angegriffen, war Frau N. erst in der letzten Zeit wirklich schwer krank gewesen. Sie hat gekämpft, um ihre Krankheit zu besiegen, sie wollte noch leben; in mehreren Krankenhäusern bemühte man sich um die Wiederherstellung ihrer Gesundheit; aber es sollte nicht sein, sie ist gestorben, vielleicht sollte sie nicht länger leiden müssen. Eigenartig war es, dass sie in diesem Jahr öfter einmal auf den Tod zu sprechen gekommen war. Solche Themen hatte sie früher nie angeschnitten. Als ob sie etwas geahnt hätte.

Ein Leben mit Höhen und Tiefen, mit Freude und Leid, mit Arbeit und Feiern ist zu Ende gegangen, und ich denke an ein Gebet aus der Bibel (Psalm 89):

48 Gedenke, wie kurz mein Leben ist, wie vergänglich du alle Menschen geschaffen hast!

49 Wo ist jemand, der da lebt und den Tod nicht sähe, der seine Seele errette aus des Todes Hand?

Ja, was bleibt vom Leben, wenn es nach wenigen Jahrzehnten durch den Tod beendet wird? Im gleichen Psalmgebet finden sich Trostworte:

2 Ich will singen von der Gnade des HERRN ewiglich und seine Treue verkünden mit meinem Munde für und für;

3 denn ich sage: Für ewig steht die Gnade fest; du gibst deiner Treue sicheren Grund im Himmel.

Nur ein Gegengewicht gibt es gegenüber dem Tod – nämlich die Ewigkeit der Treue Gottes. Er ist der ewig Lebendige, der uns Anteil an seinem Leben gibt. Er schenkt uns Leben hier auf Erden und dann auch im Himmel, in einer Herrlichkeit, die vor unseren irdischen Augen noch verborgen ist. In Gottes Liebe bleibt unser Leben aufgehoben, auch wenn wir sterben. Nichts geht verloren von all der Liebe, die wir verschenkt und empfangen haben; unsere Sorgen und Hoffnungen und Freuden und selbst unsere ungeweinten Tränen – bei Gott sind sie nicht vergessen. Und wo unser Leben bruchstückhaft gewesen ist, wo wir versagt haben und Fehler gemacht haben, da tritt Gott mit seiner Liebe für uns ein und nimmt uns in Gnaden auf, so wie wir sind. Im Vertrauen auf diesen Gott können wir Frau N. loslassen, auch wenn wir traurig sind, dass sie nicht mehr bei uns lebt. Und wir können den Tränen freien Lauf lassen, wenn uns danach ist – was die Verstorbene ja nicht so gut konnte, sie hat eher innerlich geweint – denn uns ist verheißen, dass Gott selber unsere Tränen auch wieder abwischen wird. Amen.

Wir hören ein Lied von der wunderbaren Gnade Gottes, die uns durch Jesus Christus vor dem Verderben errettet, von Trauer und Furcht befreit und die Wunden unserer Seele heilt:
Amazing Grace

Barmherziger Gott, es fällt so schwer, wenn wir uns von einem Menschen trennen müssen, der uns lieb und vertraut war. Gott, steh uns bei, damit wir uns nicht in der Trauer verlieren, nicht hart und bitter werden. Hilf, dass wir den Wert der Tage ermessen, die uns füreinander gegeben sind. Wir bedenken, was Frau N. für das eigene Leben bedeutet hat, wofür wir danken können und was wir für unser Leben bewahren möchten, an Prägungen, an Erinnerungen, an wertvollen Begegnungen. Wir bitten dich, Gott: Tröste alle, die die Verstorbene vermissen. Schenke uns immer wieder Menschen, die für uns und für andere da sind in Freundlichkeit und Geduld. Mach uns auch selbst dazu bereit. Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, und lass uns bis dahin leben in der Hoffnung und Zuversicht, die du uns gibst durch Jesus Christus. Amen.

Hinweise zur Veröffentlichung anonymisierter Texte von Trauerfeiern auf dieser Homepage

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.