Männer in der Kirche

Helmut Schütz im Jahr 2015

Pfarrer Helmut Schütz

Ich freue mich auf den Sonntag. Denn ich feiere gerne Gottesdienst. Schon die Vorbereitung macht mir Freude. Ein Gottesdienst ist in meinem Augen ein kleines Gesamtkunstwerk. Lieder, Gebete und Predigt sollen zueinander passen, Worte der Bibel wollen mir selbst ins Herz sprechen – und dann, so hoffe ich, auch den Menschen, die außer mir noch in der Kirche sind. Mit zur Freude trägt morgen der junge Mann bei, der auf der Orgelbank sitzt. Erst 16 Jahre alt, spielt er alte und neue Kirchenmusik, und einige Lieder begleiten wir auch gemeinsam, er am Klavier und ich mit der Gitarre. Auf morgen freue ich mich besonders. In der Predigt geht es um Hoffnung, die aus „Bedrängnissen“ wächst. Damit gibt der Apostel Paulus sogar an (Römer 5, 3): „wir rühmen uns auch der Bedrängnisse“! Klingt paradox. Aber in meinen Ohren auch spannend.

Es gibt mindestens noch einen jungen Mann, der sich auf den Sonntag freut: Er wird in diesem Gottesdienst konfirmiert. Als er in dem Alter war, in dem man normalerweise Konfirmand ist, hat er darauf verzichtet. Damals konnte er mit Gott noch nicht so viel anfangen. Die schönen Geschichten vom lieben Gott, die er in der Schule gehört hatte, schienen zu seinem Leben nicht zu passen. Inzwischen wurde ihm klar: Auch in dem, was bedrückt und bedrängt, kann Gott nahe sein. Er möchte bewusst jetzt doch als Erwachsener konfirmiert werden, sich weiterhin Kraft schenken lassen von Gott. Spannende Glaubensgespräche haben wir geführt in den letzten Wochen – Konfirmandenunterricht mal ganz anders als mit den 14jährigen Kids – auf die ich mich ebenfalls freue in ihrem Taufgottesdienst mit Capoeira eine Woche später. Der erwachsene Konfirmand hat zu seiner Konfirmation seine Freunde in die Kirche eingeladen. Sie wollen alle kommen.

Einige Bankreihen werden mit Männern aus meinem Fünfziger-Jahrgang besetzt sein. Die sagten beim letzten Stammtisch: „Bevor du in Rente gehst, kommen wir nochmal zu dir in die Kirche.“ Auch darauf freue ich mich und bin gespannt, wie laut an diesem Sonntag die Männerstimmen klingen, wenn der Psalm im Wechsel von Frauen und Männern gesprochen wird.

Auf einige Gottesdienste kann ich mich noch freuen, die ich als Gemeindepfarrer halten werde. Und schon jetzt auf viele Sonntage in meinem Ruhestand, an denen ich Gottesdienste besuche, die andere vorbereitet haben. Kraft tanken, Anregungen zum Nachdenken abholen, mit anderen gemeinsam Gott loben können, diesen „Service“ unserer Kirche – unseres Gottes – werde ich auch als Ruheständler gerne nutzen.

Pfarrer Helmut Schütz

Dieser Beitrag erschien als „Wort zum Sonntag“ am 20. Februar 2016 in der Gießener Allgemeinen

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