Gott hat viele Namen

Gott nennt dem Mose eigentlich gar keinen richtigen Namen. Aber Gott ist unendlich und ewig und kann deshalb von sich sagen: „Ich werde sein!“ Aber wie er sein wird, wie er von verschiedenen Menschen erfahren wird, das war schon immer verschieden und das ist bis heute so. In der Bibel haben wir die unterschiedlichsten Namen und Bilder für Gott gefunden.

LIEBE - in eine Baumrinde eingeritzt - einer der Namen Gottes

Gott hat viele Namen – einer davon ist LIEBE (Foto: pixabay.com)

#predigtKonfi-Gottesdienst in Eppelsheim am 5. Sonntag nach Trinitatis, den 7. Juli 1996, um 10.15 Uhr in Eppelsheim (außerdem am gleichen Sonntag um 9.00 Uhr in Dintesheim und am 6. Sonntag nach Trinitatis, den 14. Juli 1996, 9.30 Uhr in der Kapelle der LNK Alzey)

Herzlich willkommen im Gottesdienst! Ich bin Pfarrer Schütz und vertrete derzeit Ihren Gemeindepfarrer, der noch zwei Monate in Bolivien bleiben wird. Bei den Lesungen wird mich heute wieder Frau … unterstützen, unsere ehrenamtliche Helferin in der Alzeyer Klinikseelsorge. Außerdem wird heute auch die Konfirmandengruppe den Gottesdienst ein wenig mitgestalten mit dem, worüber wir in den vergangenen Wochen gesprochen haben. Das Thema des Gottesdienstes lautet: „Gott hat viele Namen!“

Als erstes Lied singen wir das bekannte Lied 317, 1-3:

1) Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren, meine geliebete Seele, das ist mein Begehren. Kommet zuhauf, Psalter und Harfe, wacht auf, lasset den Lobgesang hören!

2) Lobe den Herren, der alles so herrlich regieret, der dich auf Adelers Fittichen sicher geführet, der dich erhält, wie es dir selber gefällt; hast du nicht dieses verspüret?

3) Lobe den Herren, der künstlich und fein dich bereitet, der dir Gesundheit verliehen, dich freundlich geleitet. In wieviel Not hat nicht der gnädige Gott über dir Flügel gebreitet!

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. „Amen.“

Ich will den Namen Gottes loben mit einem Lied und will ihn hoch ehren mit Dank (Psalm 69, 31)!

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Es gibt Menschen, die sagen: Gott hat nur einen Namen. Gott heißt nur so, wie unsere Religion ihn anbetet. Gott darf man nur mit einem einzigen Namen anrufen, sonst ist er beleidigt.

Es gibt auch Menschen, die wissen gar nicht, wer Gott ist. Sie sagen: „Mein Gott“ und „Gott sei Dank“, aber sie denken sich nichts dabei.

Wer bist du denn wirklich, Gott? Wie heißt du? Und – bist du eigentlich wichtig für uns? Es wäre doch schön, wenn wir darauf eine Antwort bekommen könnten. Herr, erbarme dich!

„Herr, erbarme dich! Christus, erbarme dich! Herr, erbarm dich über uns!“

Gott, wir nennen dich den Vater, den Sohn, den heiligen Geist. Mit vielen Namen rufen wir dich an: Allmächtiger, Barmherziger, Heiliger, Ewiger. Wir loben dich, den mächtigen König der Ehren. Ein Gott bist du, aber du bist nicht langweilig, du trägst viele Namen!

Ehre sei Gott in der Höhe „…und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen.“

Gott, wie soll man von dir sprechen? Du bist doch unsichtbar! Darum hat man dich immer in Bildern erkannt, und man hat in Redewendungen umschrieben, was du tust. Unter dem Schatten deiner Flügel dürfen wir geborgen sein, die Welt hältst du in deiner Hand, wie ein Richter sorgst du für Gerechtigkeit, wie die Sonne schenkst du unserem Leben Wärme und Licht. Lass uns neugierig auf dich werden – hilf uns zu spüren, was du für unser Leben bedeutest! Das erbitten wir von dir im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören die Schriftlesung aus 1. Könige 19, 11-13:

11 Der Herr sprach [zu dem Propheten Elia]: Geh heraus und tritt auf den Berg vor den HERRN! Und siehe, der HERR wird vorübergehen. Und ein großer, starker Wind, der die Berge zerriss und die Felsen zerbrach, kam vor dem HERRN her; der HERR aber war nicht im Winde. Nach dem Wind aber kam ein Erdbeben; aber der HERR war nicht im Erdbeben.

12 Und nach dem Erdbeben kam ein Feuer; aber der HERR war nicht im Feuer. Und nach dem Feuer kam ein stilles, sanftes Sausen.

13 Als das Elia hörte, verhüllte er sein Antlitz mit seinem Mantel und ging hinaus und trat in den Eingang der Höhle. Und siehe, da kam eine Stimme zu ihm und sprach: Was hast du hier zu tun, Elia?

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Halleluja! „Halleluja, Halleluja, Halleluja.“

Wir singen das Lied 625 von den schönen Namen Gottes::
Wir strecken uns nach dir, in dir wohnt die Lebendigkeit
Gnade und Friede sei mit uns allen von Gott, unserem Vater, und Jesus Christus, unserem Herrn. Amen.

Liebe Gemeinde!

Dort wo sonst der Pfarrer allein predigt, da gestalten heute die Konfirmanden mit mir gemeinsam diese Predigt. Wir haben uns im Konfirmandenunterricht nämlich gefragt, was wir eigentlich von Gott wissen. Wir hörten eine Geschichte von der kleinen Lisa, die immer einen großen Strohhut trug, weil sie dachte, dann könnte der liebe Gott sie nicht sehen. Davor hatte sie nämlich Angst, denn irgendwie schämte sie sich dauernd vor Gott.

Und dann habt ihr überlegt, was ihr eigentlich so über Gott erfahren habt, als ihr noch jünger wart. Es liest übrigens nicht jeder seinen eigenen Text:

Als Kinder haben wir von Gott gelernt…,

dass Gott böse Kinder bestraft;

dass Gott in verschiedenen Religionen viele verschiedene Namen hat: Gott, Jahwe, Allah, Buddha, Manitou;

dass Gott gute und vor allem böse Taten in sein Goldenes Buch schreibt;

dass Gott ein langbärtiger alter Mann ist, der auf die Erde schaut;

dass Gott immer gut ist.

Ich habe davon geträumt, dass Gott ein weiser, alter Mann ist in einem weißen Gewand, dem ich die Hand gebe.

Als Kind habe ich mich gefragt, ob Gott ein Mann ist. Warum eigentlich keine Frau?

Ja, liebe Gemeinde (und dazu gehört auch ihr Konfirmandinnen und Konfirmanden), so bunt ist schon in einer so kleinen Konfirmandengruppe das Bild, das ihr von Gott vor Augen gemalt bekommen habt.

Mir sind dabei drei Dinge besonders aufgefallen: Meistens stellt ihr euch Gott wie einen Mann vor – aber eine von euch hat sich auch gefragt: Muss das eigentlich so sein? Warum kann Gott keine Frau sein? Diese Frage bleibt erst einmal offen.

Zweitens stellt ihr euch Gott als gut vor – aber die Menschen kommen dabei oft recht schlecht weg, denn wenn sie böse sind, dann werden sie von dem guten Gott bestraft. Wieder bleibt eine Frage offen: Ist das wirklich das Wichtigste an Gott, dass er die Menschen für böse Taten bestraft?

Und drittens wisst ihr schon lange, dass Gott jedenfalls in den verschiedenen Religionen ganz unterschiedliche Namen hat. Heute gehen wir nun sogar noch einen Schritt weiter und sprechen darüber, dass Gott auch innerhalb unserer Religion viele Namen trägt.

Aber es gibt doch zum Beispiel die Zeugen Jehovas, die sagen: Gott hat nur einen Namen, eben den Namen Jehova, und Gott darf nur mit diesem Namen angebetet werden. Das ist schlicht und ergreifend ein Irrtum. Schon der Name Jehova ist falsch ausgesprochen. In der hebräischen Bibel steht „Jahwe“, nicht Jehova. Aber noch wichtiger ist, was dieser Name eigentlich bedeutet. Hören wir doch einmal die Bibelstelle, an der dieses Wort erklärt wird. Das soll dann auch unser Predigttext für heute sein. Es ist die Stelle, an der Mose von Gott den Auftrag bekommt, das Volk Israel aus der Unterdrückung in Ägypten herauszuführen. Und Mose fragt Gott ausdrücklich nach seinem Namen (2. Buch Mose – Exodus 3):

13 Mose sprach zu Gott: Siehe, wenn ich zu den Israeliten komme und spreche zu ihnen: Der Gott eurer Väter hat mich zu euch gesandt! und sie mir sagen werden: Wie ist sein Name?, was soll ich ihnen sagen?

14 Gott sprach zu Mose: Ich werde sein, der ich sein werde. Und sprach: So sollst du zu den Israeliten sagen: »Ich werde sein«, der hat mich zu euch gesandt.

Liebe Jugendlichen, liebe Erwachsene!

Mir fällt dabei auf, dass Gott dem Mose eigentlich gar keinen richtigen Namen nennt. Nicht einen Namen wie Karl oder Maria oder Müller. Nicht einmal einen Namen, der eine konkrete Eigenschaft enthält, wie: der Barmherzige oder der Allmächtige. Mose bekommt nur gesagt: „Ich werde sein, der ich sein werde!“ Als ob er sagen wollte: „Überlass es mir, wie ich mich den Menschen zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten zeige!“ Offenbar lässt sich Gott überhaupt nicht durch einen einzigen Namen festlegen. Er ist der eine Gott, aber er ist nicht in der Weise durch alle Zeiten hindurch gleich, wie wir ihn uns vielleicht zurechtlegen möchten. Er wird eben so sein, wie er sein wird, nicht wie wir ihn uns vielleicht jetzt gerade vorstellen und festnageln wollen.

Nur eins steht fest: Gott wird sein! Das können wir von uns nicht sagen. Denn wir sind sterbliche und begrenzte Wesen. Aber Gott ist unendlich und ewig und kann deshalb von sich sagen: „Ich werde sein!“ Aber wie er sein wird, wie er von verschiedenen Menschen erfahren wird, das war schon immer verschieden und das ist bis heute so. In der Bibel haben wir die unterschiedlichsten Namen und Bilder für Gott gefunden.

Ein paar davon möchten wir Ihnen vorstellen:

In Bibeltexten fanden wir Bilder, die zeigen, wie Gott ist. Gott ist zum Beispiel wie…

ein Busch, der brennt, aber nicht verbrennt,

einer, der mit uns ist,

einer, der das Meer erregt, dass seine Wellen wüten,

ein treuer Mann, der eine verlassene Frau aufnimmt,

eine Stimme, die uns anspricht,

ein stilles, sanftes Sausen,

ein Vater der Barmherzigkeit,

ein Schöpfer, von dem alle Dinge sind,

ein Geist der Wahrheit,

eine Mutter, die tröstet.

Und das sind einige der Namen, mit denen Gott in der Bibel benannt wird:

Gott der Väter, zum Beispiel auch der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs,

Gott mit uns = Immanuel,

Jahwe, was auf deutsch heißt: „Ich werde sein!“

Herr Zebaoth, was Herr der Heerscharen bedeutet – also der Herr, dem himmlische Kräfte und Mächte zur Verfügung stehen,

Erlöser und Erbarmer des Volkes,

Heiliger Israels und aller Welt Gott,

Gott des Friedens,

und schließlich den Herrn Jesus Christus, den Sohn Gottes.

Einem solchen Gott folgen wir Christen, der niemals langweilig wird, egal wie alt wir werden, an dem wir immer neue Seiten kennenlernen können, wenn wir nur wollen, der uns niemals allein lassen wird, wie sehr wir selber uns auch ändern und in welche Lebenslagen wir auch geraten werden. Er ist auch nicht nur immer wie ein Mann, er kann auch wie eine Mutter sein, das hat schon der Prophet Jesaja gewusst.

Was es bedeutet, an diesen Gott zu glauben und diesem Herrn zu folgen, davon werdet ihr im Konfirmandenunterricht im kommenden Jahr wohl noch etwas mehr erfahren – aber dieses Lernen hört auch im Erwachsenenleben niemals auf. Genauso wie ihr aus euren Klamotten herauswachst, die ihr jetzt tragt und bei der Konfirmation tragen werdet, so wird euch irgendwann auch euer Kinderglaube zu klein – und es wird gut sein, wenn ihr wisst, dass auch Erwachsene ihren eigenen Glauben haben können, der mit ihnen mitwächst, der sich in guten und bösen Zeiten des Lebens bewährt.

Allerdings: euer Glaube, so wie er jetzt ist, mit allen Zweifeln und Unsicherheiten, der ist auch nicht weniger wert als der Glaube eines Erwachsenen. Er kann sich zum Beispiel in einem Lied ausdrücken, wie ihr es vor zwei Wochen einfach mal in den Unterricht mitgebracht habt und das aus dem Spielfilm „Sister Act“ stammt. Wir versuchen es jetzt gemeinsam dem Rest der Gemeinde vorzusingen:

Folgen will ich IHM, überall hin, wohin ER mich führt

Liebe Gemeinde, ich habe die Konfirmanden auch gefragt, ob sie denn ganz persönlich auch irgendwelche Wünsche an Gott richten würden. Hat der eigentlich etwas damit zu tun, was mir persönlich wichtig ist? Natürlich war es schwierig, darauf zu antworten:

Wir wünschen uns von Gott…,

dass er als Richter gerecht und gnädig ist,

dass er zielstrebig ist und dabei zugleich diplomatisch vorgeht,

dass er erfinderisch ist, noch mehr als Einstein,

dass ich viele Instrumente und ein Mikrophon bekomme,

dass er mir Gesundheit und ewiges Leben schenkt und ich für immer jung bleibe,

dass er den Frieden auf Erden schafft,

dass ich ein Haus haben werde, um darin zu leben,

dass ich Milliardär werde,

dass ich einen guten Job bekomme.

Das hatten die Konfirmanden einfach so spontan gesagt, kleine und große Wünsche, Wünsche für sich selbst, aber auch Wünsche für andere Menschen, wie der Wunsch nach Frieden, nach Gnade und Gerechtigkeit. Hier finden wir vielleicht auch eine kleine Antwort auf die offene Frage von vorhin, ob Gott denn nur ein strafender Gott ist. Die Konfirmanden sehen ihn jedenfalls heute nicht mehr nur so. Sie wünschen sich, dass Gott gerecht und auch gnädig mit den Menschen umgeht und dass niemand unter einem harten, strengen Gottvater leiden muss – so wie die kleine Lisa in der Geschichte, die wir gehört hatten.

Und dann hat sich die Konfirmanden auch noch überlegt, was Gott sich wohl von uns wünschen könnte, wenn er uns doch das Leben und unsere Begabungen geschenkt hat. Auch bei dieser Frage ist euch eine ganze Menge eingefallen; hören wir es uns einmal an:

Gott wünscht sich von uns…,

dass wir unsere Konflikte friedlich lösen,

dass wir die Zehn Gebote halten,

dass wir alle Lebewesen auf der Erde respektieren,

dass wir keine Kriege führen,

dass wir keine Atomwaffen herstellen und auch die Gefahren der Atomkraftwerle ernstnehmen,

dass wir mehr die Energie der Sonne nutzen,

dass wir gegenüber Fremden tolerant sind,

dass jeder Mensch in Freiheit leben darf.

Ob ihr und wir alle es schaffen, nach diesen Regeln zu leben?

Wichtig ist, dass wir merken: Was Gott sich von uns wünscht, das kommt wirklich erst ganz zum Schluss. Erst dürfen wir an ihn Wünsche richten, die vielleicht im Laufe des Lebens auch reifer werden. Wir dürfen ihm vertrauen, bei ihm geborgen sein, und dann von ihm auch das Lieben und das Hoffen lernen – und das Teilen mit anderen Menschen.

Unser Leben lang sind wir von Gott begleitet. Denn er ist der Gott, der uns imer wieder anders begegnet, der viele Namen hat, und doch in einem ganz zuverlässig und beständig ist: Er hat uns lieb und lässt uns Menschen nicht verloren gehen. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.
Lied 620: Gottes Liebe ist wie die Sonne, sie ist immer und überall da

Gott, manchmal ist es gut, dich auch einfach nur so zu nennen, ohne viele andere Namen auszusprechen. Du nimmst uns so, wie wir sind. Du willst uns aber auch wachsen und reifen lassen, so dass wir das entfalten, was in uns steckt. Dann kreisen wir nicht nur egoistisch um uns selbst, sondern auch andere Menschen haben etwas von dem, was uns von dir geschenkt wurde. Hilf, dass wir dich ernstnehmen und für dich offen bleiben, auch wenn du dich uns auf ganz neue und ungewöhnliche Weise zeigen willst. Amen.

Vater unser
Lied 171: Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott, sei mit uns auf unsern Wegen
Abkündigungen

Gott, der Herr, segne euch, und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch Frieden. Amen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.