Ostern im Alltag erfahren

Zum Sattwerden trägt beides bei: Wir werden versorgt, und wir versorgen uns selbst. Zwischen beidem besteht kein Gegensatz. So versorgt uns Gott in der Regel: er schenkt uns die Kraft und die Fähigkeiten, selber gut für uns zu sorgen. Und wenn manche Menschen weniger Chancen haben als andere, dann sind diejenigen mit größeren Chancen dazu aufgerufen, ihnen zu helfen.

Lagerfeuer am See

Bei einem Lagerfeuer am See begegnet der auferstandene Jesus einigen seiner Jünger (Foto: pixabay.com)

direkt-predigtGottesdienst am Sonntag Quasimodogeniti, 1. Mai 2011, um 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Herzlich willkommen eine Woche nach Ostern in der Pauluskirche!

Ostern ist der Sieg des Lebens über die Mächte des Todes. Wie es mitten in unserem Alltag Ostern werden kann, davon will uns der heutige Predigttext etwas spüren lassen.

Zuerst singen wir aus dem Lied 113 die Strophen 1 und 5 bis 7:

1. O Tod, wo ist dein Stachel nun? Wo ist dein Sieg, o Hölle? Was kann uns jetzt der Teufel tun, wie grausam er sich stelle? Gott sei gedankt, der uns den Sieg so herrlich hat nach diesem Krieg durch Jesus Christ gegeben!

5. Es war getötet Jesus Christ, und sieh, er lebet wieder. Weil nun das Haupt erstanden ist, stehn wir auch auf, die Glieder. So jemand Christi Worten glaubt, im Tod und Grabe der nicht bleibt; er lebt, ob er gleich stirbet.

6. Wer täglich hier durch wahre Reu mit Christus auferstehet, ist dort vom andern Tode frei, derselb ihn nicht angehet. Genommen ist dem Tod die Macht, Unschuld und Leben wiederbracht und unvergänglich Wesen.

7. Das ist die reiche Osterbeut, der wir teilhaftig werden: Fried, Freude, Heil, Gerechtigkeit im Himmel und auf Erden. Hier sind wir still und warten fort, bis unser Leib wird ähnlich dort Christi verklärtem Leibe.

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

Wir beten mit Psalm 118; er steht im Gesangbuch unter der Nr. 747. Lesen Sie bitte die eingerückten Teile, ich lese die linksbündigen Verse:

1 Danket dem Herrn; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich.

14 Der Herr ist meine Macht und mein Psalm und ist mein Heil.

15 Man singt mit Freuden vom Sieg in den Hütten der Gerechten: Die Rechte des Herrn behält den Sieg!

16 Die Rechte des Herrn ist erhöht; die Rechte des Herrn behält den Sieg!

17 Ich werde nicht sterben, sondern leben und des Herrn Werke verkündigen.

18 Der Herr züchtigt mich schwer; aber er gibt mich dem Tode nicht preis.

19 Tut mir auf die Tore der Gerechtigkeit, dass ich durch sie einziehe und dem Herrn danke.

20 Das ist das Tor des Herrn; die Gerechten werden dort einziehen.

21 Ich danke dir, dass du mich erhört hast und hast mir geholfen.

22 Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden.

23 Das ist vom Herrn geschehen und ist ein Wunder vor unsern Augen.

24 Dies ist der Tag, den der Herr macht; lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.

25 O Herr, hilf! O Herr, lass wohlgelingen!

26 Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn! Wir segnen euch, die ihr vom Hause des Herrn seid.

27 Der Herr ist Gott, der uns erleuchtet. Schmückt das Fest mit Maien bis an die Hörner des Altars!

28 Du bist mein Gott, und ich danke dir; mein Gott, ich will dich preisen.

29 Danket dem Herrn; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich.

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

An Ostern haben wir die Auferstehung Jesu Christi gefeiert, den Sieg Gottes über alle Todesmächte, die uns mitten im Leben umfangen und uns sowohl ein erfülltes Leben als auch ein seliges Sterben verwehren wollen. Im Lied haben wir gesungen, dass wir vom Osterfest her eine reiche Osterbeute mit in unseren Alltag nehmen können: Frieden und Freude, Heil und Gerechtigkeit.

Starker Gott, lass uns loslassen, was uns an die Todesmächte bindet: Streit und Selbstzweifel, Schuld und Egoismus. Fülle dann unsere leeren Hände mit dieser reichen Osterbeute: Schenke uns Frieden, indem wir Streit überwinden. Lass Freude in uns wachsen, wo wir Trauer zulassen und durchstehen. Mach unser Leben heil, indem wir unser Versagen bekennen, Vergebung annehmen und neu anfangen. Hilf uns, Gerechtigkeit zu schaffen, indem wir bereit sind zum Teilen und Sachzwänge hinterfragen. Wir rufen zu dir:

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Ein regelrechter Krieg ist an Ostern gewonnen worden: In der Auferstehung Jesu Christi von den Toten ist dem Tod der Giftstachel gezogen worden; er kann unser Leben nicht mehr vergiften, nicht mehr sinnlos machen, denn die Liebe ist stärker als der Tod; was unser Leben reich macht, geht im Tod nicht verloren. Die Liebe ist auch stärker als Gleichgültigkeit und Hass; sie lässt uns aufstehen aus dem alltäglichen Trott, in dem wir meinen, es müsse alles immer so bleiben, wie es ist.

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist gross Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende“.

Der Herr sei mit euch „und mit deinem Geist.“

Lebendiger Gott, hilf uns zu begreifen, worin der Sinn der Ostergeschichten liegt. Lass uns in unserem Alltag erfahren, was die Auferstehung Jesu Christi von den Toten bedeutet. Darum bitten wir dich im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören nun den Text zur Predigt, eine Ostererzählung aus dem Evangelium nach Johannes 21, 1-14:

1 Danach offenbarte sich Jesus abermals den Jüngern am See Tiberias. Er offenbarte sich aber so:

2 Es waren beieinander Simon Petrus und Thomas, der Zwilling genannt wird, und Nathana-el aus Kana in Galiläa und die Söhne des Zebedä-us und zwei andere seiner Jünger.

3 Spricht Simon Petrus zu ihnen: Ich will fischen gehen. Sie sprechen zu ihm: So wollen wir mit dir gehen. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot, und in dieser Nacht fingen sie nichts.

4 Als es aber schon Morgen war, stand Jesus am Ufer, aber die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war.

5 Spricht Jesus zu ihnen: Kinder, habt ihr nichts zu essen? Sie antworteten ihm: Nein.

6 Er aber sprach zu ihnen: Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden. Da warfen sie es aus und konnten’s nicht mehr ziehen wegen der Menge der Fische.

7 Da spricht der Jünger, den Jesus lieb hatte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte, dass es der Herr war, gürtete er sich das Obergewand um, denn er war nackt, und warf sich ins Wasser.

8 Die andern Jünger aber kamen mit dem Boot, denn sie waren nicht fern vom Land, nur etwa zweihundert Ellen, und zogen das Netz mit den Fischen.

9 Als sie nun ans Land stiegen, sahen sie ein Kohlenfeuer und Fische darauf und Brot.

10 Spricht Jesus zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt!

11 Simon Petrus stieg hinein und zog das Netz an Land, voll großer Fische, hundertdreiundfünfzig. Und obwohl es so viele waren, zerriss doch das Netz nicht.

12 Spricht Jesus zu ihnen: Kommt und haltet das Mahl! Niemand aber unter den Jüngern wagte, ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war.

13 Da kommt Jesus und nimmt das Brot und gibt’s ihnen, desgleichen auch die Fische.

14 Das ist nun das dritte Mal, dass Jesus den Jüngern offenbart wurde, nachdem er von den Toten auferstanden war.

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Halleluja. „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Glaubensbekenntnis

Das Lied 550, das wir nun miteinander singen, hat der Schweizer Pfarrer Kurt Marti, der es im Jahr 1970 gedichtet hat, „ein anderes Osterlied“ genannt. Es wendet sich gegen die „Herren der Welt“. Ich bin mir bewusst, dass diese Formulierung schwierig ist, vielleicht auch etwas missverständlich. Es geht in dem Lied nicht darum, allgemein gegen „die da oben“ Front zu machen, als ob jeder Politiker und jeder, der in der Wirtschaft Verantwortung trägt, uns mit dem Tod regieren würde und niemand von ihnen an Gerechtigkeit interessiert wäre. Nur diejenigen „Herren der Welt“ nimmt das Lied von Kurt Marti kritisch in den Blick, die die Ungerechtigkeiten in der Welt für gottgegeben und unveränderbar erklären und Sachzwänge vorschieben, um eigene Interessen zu verfolgen. Es geht aber nicht um die Anklage gegen einzelne Personen, sondern darum, dass wir uns bewusst machen, wie wir alle in ein System von Unrecht hineinverstrickt sind. Singen wir das Lied selbstkritisch als einen Aufruf, darüber nachzudenken, ob nicht mehr Gerechtigkeit möglich ist, als wir oft denken:

Das könnte den Herren der Welt ja so passen, wenn erst nach dem Tode Gerechtigkeit käme
Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde!

Im Johannesevangelium gibt es eine ganze Reihe von Erscheinungen des auferstandenen Jesus. Zuerst sieht ihn Maria Magdalena. Sie darf ihn nicht berühren, nimmt aber wahr, wie er auffährt zu seinem Vater im Himmel, so wie der Prophet Elisa seinen Lehrmeister und Propheten Elia zum Himmel auffahren sah. Den männlichen Jüngern muss sich Jesus zwei Mal zeigen, bevor sie alle einschließlich Thomas an die Auferstehung glauben. Thomas darf Jesus berühren und erkennt in ihm nicht nur den Höchsten aller Propheten, sondern die Verkörperung von Gott selbst, als er ihm gegenüber ausruft: „Mein Herr und mein Gott!“

Unser heutiger Predigttext sagt nun ausdrücklich, dass Jesus noch ein drittes Mal den Jüngern erscheint. Wozu ist das nötig? Kann es noch eine Steigerung der Erkenntnis des Auferstandenen geben?

Ursprünglich war das Johannesevangelium nach der Geschichte des Thomas zu Ende. Später hat jemand die Erzählung, die wir vorhin gehört haben, hinzugefügt. Warum?

Es fällt auf, dass die ersten Erscheinungen unmittelbar mit dem Ostertag zusammenhängen. Die ersten Erscheinungen finden direkt am Auferstehungstag Jesu in Jerusalem statt, die zweite vor den Jüngern eine Woche später. Beim dritten Mal ist der Schauplatz ein anderer, und es scheint auch Zeit verstrichen zu sein. Die Jünger sind nicht etwa damit beschäftigt, das Evangelium von Jesus auszubreiten, sondern sie betätigen sich wieder in ihrem früheren Beruf als Fischer.

Was hat das zu bedeuten? Haben die ersten Erscheinungen des Auferstandenen nicht genügt, um die Jünger nachhaltig in Bewegung zu setzen? Glauben sie zwar, dass Jesus irgendwie im Himmel lebt, aber hat das für sie letzten Endes doch keine Bedeutung für ihren Alltag?

Ich denke, das ist der Sinn der dritten Erscheinung des Auferstandenen vor den Jüngern: die Ostererfahrung kommt noch einmal direkt in ihren Alltag hinein. Was einem an Ostern in Festtagsstimmung einleuchtend erscheint, wozu man sich in begeisterter Freude bekennt: „Christus ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!“, das soll sich im Alltag bewähren.

Dass dieser Alltag nicht einfach zu bewältigen ist, ja trostlos erscheint, zeigt sich zunächst an einer Einzelheit, die man leicht übersieht (Johannes 21):

1 Danach offenbarte sich Jesus abermals den Jüngern am See Tiberias.

Das Stichwort „Tiberias“ ist ein Hinweis darauf, dass die Jünger in einer Welt leben, die ihnen fremd und nahezu unbewohnbar geworden ist. Tiberias war nämlich der römische Name des Sees, der eigentlich von den Juden „Genezareth“ genannt wurde. Der von den Römern eingesetzte König Herodes hatte erst im Jahr 17 die Stadt Tiberias am Ufer des Sees Genezareth im griechisch-römischen Stil neu erbauen lassen und nach dem römischen Kaiser Tiberius benannt. Der Name Tiberias deutet also an, in welcher Welt die Jünger leben: Sie scheint nicht vom Gott Israels und vom auferstandenen Christus, sondern von der Römischen Besatzungsmacht und ihren Sachzwängen beherrscht zu sein. Jesus wählt offenbar einen schwierigen Ort, um sich zu offenbaren.

Er offenbarte sich aber so:

2 Es waren beieinander Simon Petrus und Thomas, der Zwilling genannt wird, und Nathanael aus Kana in Galiläa und die Söhne des Zebedäus und zwei andere seiner Jünger.

Der Zeitpunkt der Offenbarung ist ein Tag wie jeder andere. Nicht an einem Festtag, nicht an einem besonderen Datum offenbart sich Jesus, sondern irgendwann, als zufällig gerade sieben seiner ehemaligen Jünger beieinander sind: Petrus, Thomas, Johannes, Jakobus, Nathanael und noch zwei andere, die nicht mit Namen genannt werden.

3 Spricht Simon Petrus zu ihnen: Ich will fischen gehen. Sie sprechen zu ihm: So wollen wir mit dir gehen.

Der Satz des Petrus: „Ich will fischen gehen“, erinnert an das Wort Jesu (Markus 1, 17):

„Ich will euch zu Menschenfischern machen.“

Aber anscheinend haben die Jünger gar nicht die Absicht, auf irgendeine Weise Menschen für Jesus und seine Botschaft zu gewinnen; sie gehen gemeinsam wieder fischen im buchstäblichen Sinn, sind alle wieder zurückgekehrt in ihren Alltagsberuf.

Unsere Erzählung interessiert sich genau für diesen Alltag. Vielleicht weil auch wir als Zuhörer oder Leser dieser Geschichte im eigenen Alltag drinstecken. Mit dem heutigen Tag der Arbeit hat sich ja unsere moderne Gesellschaft einen Feiertag geschaffen, an dem die Probleme des Arbeitsalltags besonders in den Blick genommen werden; unser Bibeltext passt zufällig genau zu diesem Anliegen des 1. Mai. (Weiter mit Johannes 21, 3:)

Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot, und in dieser Nacht fingen sie nichts.

Dass es Nacht ist, ist nicht ungewöhnlich für den Alltag der Fischer. Nachts kamen die Fische an die Oberfläche des Sees, nachts warf man die Netze aus. Aber in dieser Nacht fahren die Jünger vergeblich hinaus. Mit leeren Netzen müssen sie wieder heimkehren. So etwas passiert auch uns, immer wieder in unserem Alltag. Dem Lehrer, der respektlosen Schülern gegenübersteht. Dem Betriebsinhaber, der wegen Insolvenz seine Firma schließen muss, dem Arbeitnehmer, der seinen Arbeitsplatz verliert. Den Eltern, die es nicht schaffen, ihr heranwachsendes Kind vor dem Abrutschen in die Drogenszene zu bewahren. Die Nacht, in der die Fischer nichts fangen, erinnert mich auch an die Millionen Menschen in aller Welt, die immer ärmer werden und sich nur mit Mühe ernähren können oder sogar Hunger leiden. Erinnern wir uns: Die Jünger fischen erfolglos auf dem See Tiberias, während in der Stadt Tiberias mit ihren Theatern und Sportstätten diejenigen, die es sich leisten können, ein ganz anderes Leben führen. Das Johannesevangelium ist mit dieser Erzählung ganz nahe bei denen, die es in dieser Welt nicht so gut haben und sich unter schwierigsten Umständen ihr tägliches Brot zu erwerben versuchen.

4 Als es aber schon Morgen war, stand Jesus am Ufer, aber die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war.

Die Nacht ist vorbei, der Morgen ist angebrochen. Am Ufer zwischen Meer und Land, zwischen Nacht und Tag, steht Jesus. Unerkannt steht er da, als ein Zeichen für eine Hoffnung, die man nicht zu hoffen wagt und daher nicht einmal wahrnimmt.

Dann beginnt Jesus, sich zu offenbaren. Er tut das nicht, wie es sonst in der Bibel Engel tun, mit der Aufforderung: „Fürchtet euch nicht!“ Hier ist Alltag. Hier gibt es nichts zu fürchten, aber auch noch nichts zu hoffen. Mit einer vertraulichen Begrüßung und einem Alltagsanliegen spricht Jesus die Jünger an:

5 Spricht Jesus zu ihnen: Kinder, habt ihr nichts zu essen? Sie antworteten ihm: Nein.

„Kinder“, so redet er die erwachsenen Männer an, und sie lassen es sich gefallen. Als gestandene Mannsleute sind sie mit ihrem Fischerlatein in dieser Nacht sowieso am Ende. Wörtlich steht im Urtext: „Habt ihr nicht irgendeine Zuspeise?“, also irgendetwas, um es zusammen mit Brot zu essen. Bis zu diesem Zeitpunkt wirkt das Gespräch so, als wolle er einfach nicht allein frühstücken und als wünsche er sich ein wenig Abwechslung auf dem Speiseplan.

Als sie aber „Nein“ sagen, wird aus der Einladung zum gemeinsamen Frühstück auf einmal etwas anderes:

6 Er aber sprach zu ihnen: Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden.

Der Mann, der den Fischern im Boot immer noch unbekannt erscheint, gibt ihnen einen Rat. „Gebt nicht auf. Macht eure Arbeit weiter. Versucht es einmal etwas anders.“ Auf der rechten Seite des Bootes sollen sie das Netz auswerfen; ist damit einfach gemeint, dass sie ihren Beruf auf die rechte Weise ausüben sollen? Mit Sachverstand, mit Rücksicht auf die Natur und mit der Einsicht, dass ein Fischfang manchmal gelingt und manchmal eben nicht, werden sie ihren Fang finden.

Da warfen sie es aus und konnten’s nicht mehr ziehen wegen der Menge der Fische.

Ein Wunder geschieht, weil die Jünger auf das Wort des Unbekannten hören.

Werden wir hier daran erinnert, dass wir auch etwas Wunderbares zu erwarten haben, wenn wir auf Jesu Worte hören? Wenn wir auf rechte Weise unsere Arbeit tun, haben wir das unsere getan, alles andere liegt nicht in unserer Hand. Wo wir Ideen entwickeln, zum Beispiel um Produkte des fairen Handels zu kaufen oder um die Aktion „Brot für die Welt“ zu unterstützen, da kann sich ganz langsam etwas in die richtige Richtung bewegen. Aber es sind in der Tat Wunder notwendig, um die ungerechten Strukturen des Welthandels und den Hunger in der Welt zu besiegen!

Als die Jünger in unserer Geschichte auf den Unbekannten hören, ist er auf einmal für einen Jünger kein Unbekannter mehr:

7 Da spricht der Jünger, den Jesus lieb hatte, zu Petrus: Es ist der Herr!

Das wunderbare Geschehen, dass sie plötzlich doch noch Erfolg haben, als der Tag angebrochen ist und ein Fischer normalerweise überhaupt keine Chance auf einen Fischfang mehr hat, weckt im Lieblingsjünger Jesu die Erinnerung an andere Erfahrungen mit diesem Jesus, den er lieb gehabt hat. Hat er nicht die 5000 gespeist? Hat er den Jüngern nicht gesagt, dass sein Leib eine Speise für die Welt sei, die alle Menschen satt machen würde? Er spürt, wer da zu ihnen spricht, und sagt es sofort dem Petrus: „Es ist der Herr!“

Als Simon Petrus hörte, dass es der Herr war, gürtete er sich das Obergewand um, denn er war nackt, und warf sich ins Wasser.

Der Lieblingsjünger mag Jesus als erster erkannt haben, Petrus will seinen Herrn als erster begrüßen, und zwar in angemessener Weise, nicht so, wie er als Fischer arbeitet, nämlich mit nacktem Oberkörper, sondern angezogen. Indem Petrus sich so für die Begrüßung Jesu umzieht, macht er aus dem Alltag ein kleines Fest. Ein Wunder ist geschehen, die Jünger wissen nun auch, wem sie ihren unerwarteten Erfolg verdanken, das darf und muss gefeiert werden.

8 Die andern Jünger aber kamen mit dem Boot, denn sie waren nicht fern vom Land, nur etwa zweihundert Ellen, und zogen das Netz mit den Fischen.

Während Petrus sich für das Begrüßungsritual umzieht, vollenden seine Kollegen die angefangene Arbeit und ziehen das Netz mit dem Fischfang an Land. Es fällt auf, wie ausführlich diese alltägliche Arbeit beschrieben wird, sogar mit genauer Entfernungsangabe.

9 Als sie nun ans Land stiegen, sahen sie ein Kohlenfeuer und Fische darauf und Brot.

Und ebenso alltäglich geht die Szene weiter: ein Lagerfeuer ist am Ufer entzündet worden. Nach getaner Arbeit darf man sich stärken. Brot ist schon da, und sogar auch Fische, obwohl Jesus vorher nach Fischen gefragt hat. Die Szene wirkt wie ein einfaches und doch festliches Alltagsritual: alles ist bereit für ein gemeinsames Frühstück, als wäre es ein feierliches Abendmahl. Hier wird nicht Brot und Wein geteilt, hier hat Jesus für Brot und Fisch gesorgt.

10 Spricht Jesus zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt!

Zum Sattwerden trägt beides bei: Wir werden versorgt, und wir versorgen uns selbst. Jesus schenkt und Jesus fordert. Zwischen beidem besteht kein Gegensatz. Interessant ist, dass Jesus selbst nur wenige Fische beisteuert; die Jünger haben viel mehr selber fangen können, wir werden es gleich sehen. Das ist die Art, in der Gott uns in der Regel versorgt, er schenkt uns die Kraft und die Fähigkeiten, selber gut für uns zu sorgen. Und wenn manche Menschen weniger Chancen haben als andere, dann sind diejenigen mit größeren Chancen dazu aufgerufen, ihnen zu helfen.

11 Simon Petrus stieg hinein und zog das Netz an Land, voll großer Fische, hundertdreiundfünfzig. Und obwohl es so viele waren, zerriss doch das Netz nicht.

Genau 153 Fische haben die Jünger gefangen. So viele Arten von Fischen sollen die Menschen damals gekannt haben; wenn das stimmt, wäre ihnen ein vollkommener und sehr abwechslungsreicher Fang gelungen. Ein Fang, den wir heute sogar „nachhaltig“ nennen könnten, denn wenn von jeder Art nur ein Fisch gefangen wird, besteht nicht die Gefahr der „Überfischung“, also der Ausrottung ganzer Arten.

12 Spricht Jesus zu ihnen: Kommt und haltet das Mahl! Niemand aber unter den Jüngern wagte, ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war.

Eine eigenartige Form der Offenbarung wird uns hier vor Augen gestellt. Inzwischen wissen die Jünger, dass Jesus bei ihnen ist; sie erkennen es auch an der Art, wie er sie zum gemeinsamen Frühstück einlädt. Ganz sicher scheinen sie sich doch nicht zu sein, wagen ihn aber nicht zu fragen. Ist das nicht ungefähr die Situation, in der wir heute noch immer wieder stehen? Beim Abendmahl ist Jesus mitten unter uns, er teilt uns seinen Leib der Liebe aus, seinen Kelch des Heils, aber sind wir uns immer ganz sicher, dass er da ist? Er ist ja auf andere Weise lebendig als vor seinem Kreuzestod, für unsere Augen unsichtbar. Für die Jünger in der Geschichte scheint er nicht in gleicher Weise erkennbar zu sein wie vorher. An Worten und Gesten, an der Ermutigung zum Nicht-Aufgeben und an der Einladung zum gemeinsamen Frühstücken erkennen sie ihn, nicht daran, wie er aussieht.

13 Da kommt Jesus und nimmt das Brot und gibt’s ihnen, desgleichen auch die Fische.

So hat er ihnen bei ihrem letzten gemeinsamen Mahl am Vorabend des Karfreitages das Brot ausgeteilt. So hat er die 5000 mit Brot und Fisch gespeist. Er teilt ihnen aus, was er auf das Feuer gelegt hat und auch das, was sie selbst gefangen haben. Beides erfahren sie als Gabe ihres Herrn. Und im dankbaren Essen und Sattwerden erfahren sie, dass Jesus in Wahrheit bei ihnen ist – lebendig, von Gott auferweckt. Die Nacht des Karfreitags ist für sie erst jetzt wirklich zu Ende; erst einige Zeit nach dem Ostertag, wir wissen nicht, wie lange, bricht für die Jünger ihr Ostermorgen an, mitten in ihrem Alltag.

Auch unser Alltag mag immer wieder einmal ohne Glanz und ohne Hoffnung sein. Und genau mitten in einem solchen Alltag will Jesus auch uns begegnen. Dann ist auf einmal unser Alltag wie verwandelt. Menschen, die uns fast schon zu vertraut sind, nehmen wir aufmerksamer wahr, gemeinsam brechen wir neu ins Leben auf, wir werden satt, das Leben ist kostbar und schön. Und wenn wir auch aufmerksam werden auf Dinge, die unschön sind in unserer Welt, lassen wir uns ermutigen, dagegen etwas zu tun.

Die Jünger sind damals dann wirklich aufgebrochen, um die Botschaft von Jesus in die Welt hinauszutragen. Das war gefährlich, einige der Jünger sind später als Glaubenszeugen gestorben. Ihren Mut haben sie durch Jesus gewonnen: sie spürten, dass er bei ihnen war, sowohl unterwegs als auch immer wieder im Alltag. Denn überall, wo christliche Gemeinden entstanden, hatten natürlich auch Christen ihren Alltag zu bewältigen. Unsere Geschichte ist eine Alltagsbewältigungsgeschichte, die uns als Kirchengemeinde Mut machen kann, die wir ja an einem Ort und in einer bestimmten Zeit sesshaft sind und uns vor bestimmte Herausforderungen gestellt sehen. Um nach der Botschaft Jesu zu leben und als christliche Gemeinde für andere Menschen da zu sein, müssen wir nicht unbedingt in die Ferne schweifen; gerade bei uns in der Paulusgemeinde können wir sagen, dass umgekehrt die Ferne zu uns gekommen ist, zum Beispiel sprechen die Kinder in unserer Kindertagesstätte zur Zeit insgesamt 17 Muttersprachen.

14 Das ist nun das dritte Mal, dass Jesus den Jüngern offenbart wurde, nachdem er von den Toten auferstanden war.

„Aller guten Dinge sind drei“, sagen wir. Wie sich Jesus als der Auferstandene beim dritten Mal seinen Jüngern zeigt, mitten im Alltag, einfach beim Arbeiten und gemeinsamen Frühstücken, das spricht mich besonders an. Wir können Jesus heute am Feiertag begegnen, besonders deutlich erfahren wir das, wenn er uns selber zu seinem Abendmahl einlädt, aber er begegnet uns auch in unserem Alltag: überall dort, wo wir an Leib und Seele satt werden, uns neu stärken lassen und mit anderen teilen, was uns geschenkt ist. Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.

Wir singen das Lied 553:

Besiegt hat Jesus Tod und Nacht, stand auf im Morgengrauen

Wenn wir das Abendmahl am Vormittag feiern, ist es eigentlich mehr ein Frühstück als ein Abendessen. Jesus teilt damals am Ufer des Sees Tiberias mit den sieben Jüngern Brot und Fische, und so erfahren sie, dass er nicht im Tod geblieben ist, dass sie nicht allein sind auf dieser Welt, dass der Tod und das Böse nicht das letzte Wort auf dieser Welt behalten. Wir teilen heute Brot und Traubensaft miteinander und begegnen dabei dem auferstandenen Jesus persönlich. Auch wir dürfen Mut und neues Vertrauen gewinnen, indem wir uns auf ihn einlassen.

Gott, nimm von uns, was uns von dir trennt: Unglauben, Lieblosigkeit, Verzagtheit. Hochmut, Trägheit, Lebenslügen. In der Stille bringen wir vor dich, was unsere Seele belastet:

Beichtstille

Wollt Ihr Gottes Treue und Vergebung annehmen, so sagt laut oder leise oder auch still im Herzen: Ja!

Auf euer aufrichtiges Bekenntnis spreche ich euch die Vergebung eurer Sünden zu – im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Der Herr sei mit euch. „Und mit deinem Geiste.“

Erhebet eure Herzen! „Wir erheben sie zum Herren.“

Lasset uns Dank sagen dem Herrn, unserem Gott. „Das ist würdig und recht.“

Würdig und recht ist es, Gott ernst zu nehmen als den, der uns begegnet mitten in unserem Alltag. Würdig und recht ist es, Jesus zu erkennen als den Auferstandenen, der den Tod und die Sünde überwunden hat. Zu dir rufen wir und preisen dich, Heiliger Gott:

Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth; alle Lande sind seiner Ehre voll. Hosianna in der Höhe. Gelobet sei, der da kommt im Namen des Herrn. Hosianna in der Höhe.

Vater unser und Austeilung des Abendmahls

Jesus spricht: „Kommt und haltet das Mahl!“ Nehmt und gebt weiter, was euch gegeben ist, den lebendigen Leib der Liebe Christi!

Herumreichen des Korbs

Jesus sagte damals: „Bringt von den Fischen, die ihr gefangen habt!“ Jesus macht uns Mut, das Unsere zur Gemeinschaft der Menschen beizutragen, so gut wir es können. Im Trinken des Kelches feiern wir diese Gemeinschaft, zu der uns Jesus zusammenschließt. Nehmt hin den Kelch, der uns versöhnt mit Gott und miteinander!

Austeilen der Kelche

Als die Jünger so viele Fische fangen, dass ihr Netz beinahe reißt, erkennt Petrus seinen Herrn Jesus. Wir fassen uns an den Händen und können spüren, dass wir zusammengehören. Unsere Gemeinschaft ist die Gemeinschaft des Leibes Christi. So erfahren wir Jesus unsichtbar mitten unter uns. Gehet hin in seinem Frieden! Amen.

Barmherziger Gott, nimm uns an mit unseren sonntäglichen und alltäglichen Gefühlen und Sorgen, mit Traurigkeit und Freude, mit Angst und Vertrauen, mit unserem Glauben und unseren Zweifeln. Lass uns spüren, dass du bei uns bist, auch in Situationen, in denen wir uns besonders allein und traurig fühlen. Stärke uns und lass uns unseren Alltag bewältigen im Vertrauen auf die Auferstehung Jesu. Lass uns auch über den Tellerrand eigener Probleme hinausblicken und den Menschen helfen, die uns brauchen.

Großer Gott, erfülle uns mit deiner Liebe, mit Kraft und mit Mut, damit wir die Herausforderungen in unserem persönlichen und im öffentlichen Leben bestehen können.

Sei mit deinem Trost auch bei denen, die um einen geliebten Menschen trauern. Heute beten wir besonders für Frau …, die im Alter von … Jahren gestorben und kirchlich bestattet worden ist. Nimm sie in Gnaden auf in deinem himmlischen Reich und begleite ihre Angehörigen in ihrer Trauer. Hilf uns allen, den Rat des Apostels Paulus zu beherzigen: „Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Traurigen“. Amen.

Wir singen das Lied 221:

1. Das sollt ihr, Jesu Jünger, nie vergessen: wir sind, die wir von einem Brote essen, aus einem Kelche trinken, Jesu Glieder, Schwestern und Brüder.

2. Wenn wir in Frieden beieinander wohnten, Gebeugte stärkten und die Schwachen schonten, dann würden wir den letzten heilgen Willen des Herrn erfüllen.

3. Ach dazu müsse deine Lieb uns dringen! Du wollest, Herr, dies große Werk vollbringen, dass unter einem Hirten eine Herde aus allen werde.

Abkündigungen

Empfangt Gottes Segen:

Der Herr segne euch und behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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