Größer als die Großen

In einem vielfältigen Gottesdienst werden Kinder und Konfis getauft, geht es um verschiedene Arten der Taufe und der Patenschaft und um Jesu Überzeugung, dass Kinder im Reich Gottes in gewisser Weise größer als die Großen sind. Und die Konfis haben füreinander Tauftücher gestaltet.

Ein Tauftuch mit der Aufschrift: Gott sagt: Du bist einzigartig!!!

Eins der von den Konfirmanden im Unterricht gestalteten Tauftücher

Direkt zur PredigtTaufgottesdienst für Kinder und Konfirmanden am 15. Sonntag nach Trinitatis, 8. September 2013, um 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen

Hier finden Sie grundsätzliche Ausführungen zur Taufe und zum Patenamt:

Kinder- und Erwachsenentaufe

Paten mit zwei Sorten von Aufgaben

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Ich begrüße alle herzlich zu einem Taufgottesdienst der ganz besonderen Art. Heute taufen wir nämlich nicht nur zwei kleine Kinder, … und …, sondern auch drei Konfirmanden, … . Herzlich willkommen heißen wir in der Pauluskirche alle fünf, die getauft werden, mit ihren Familien und Paten.

Auch die anderen Konfis sind am Gelingen dieses Gottesdienstes mitbeteiligt, denn alle haben am vergangenen Donnerstag Tauftücher gestaltet, die nachher in der Predigt ihren großen Auftritt haben werden.

Musikalisch gibt es nachher noch eine kleine Überraschung, aber zunächst singen wir alle ein gemeinsames Lied, nämlich das Lied „Danke“, Nr. 334:

Danke für diesen guten Morgen
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. „Amen.“

Wir beten mit Psalm 23 – im Gesangbuch unter der Nummer 711. Lesen sie, lest ihr bitte die eingerückten Verse:

1 Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.

2 Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.

3 Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.

4 Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.

5 Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.

6 Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Im Konfirmandenunterricht haben wir uns mit einem Jungen beschäftigt, Benne ist sein Name, der die Welt so sieht, als wäre er selber Gott und könne tun und lassen, was er will. Er meint, glücklich zu sein. Denn er hat doch alles, er ist beliebt, er setzt sich überall durch. Der Engel Holk nimmt ihm aber nicht ab, dass er glücklich ist. Denn Benne nimmt keine Rücksicht auf andere und hat darum auch keine wirklichen Freunde. Die Bibel sagt: Wenn sich bei einem Menschen alles nur um sich selber dreht, dann lebt er in Sünde, abgesondert von anderen Menschen und von einem Gott, der es gut mit den Menschen meint. In jedem Gottesdienst bitten wir diesen Gott um seine Liebe, um sein Erbarmen, dass er uns Mut macht, unseren Egoismus zu überwinden. Wir rufen zu Gott:

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Mit Psalm 139 beten wir zu Gott:

5 Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende.

Der Herr sei mit euch! „Und mit deinem Geist!“

Danke, Gott, dass du da bist, auch wenn wir dich nicht sehen. Danke, Gott, dass wir von deiner Liebe getragen sind und dass du uns Mut machst, ein liebevolles Leben zu führen. Hilf uns zu begreifen, was es bedeutet, in deinem Namen getauft zu sein und Kinder christlich zu erziehen. Darum bitten wir dich im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Der Apostel Paulus sagt in 1. Korinther 13, 13:

[Es] bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei, aber die Liebe ist die größte unter ihnen.

Und in Römer 12, 21 nennt Paulus ein konkretes Beispiel, was für ihn Liebe bedeutet:

Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.

Herr, dein Wort ist unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Wege. Halleluja! „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Lied 209: Ich möcht‘, dass einer mit mir geht

Lieber …, lieber …, lieber …, ihr werdet heute als Konfirmanden getauft. Liebe Familie …, liebe Familie …, Sie haben zwei Kinder, die beide erst 1 Jahr und 7 Monate alt sind, in die Pauluskirche gebracht, damit sie getauft werden.

Zwei Arten der Taufe stehen in unserer evangelischen Kirche nebeneinander: Die Taufe von Menschen, die selber sagen: „Ich glaube an Gott, ich will zu ihm und zu dieser Kirche gehören.“ Und daneben die Taufe von Kindern, deren Glaube darin besteht, dass sie gar nicht anders können, als auf die Liebe von Menschen zu vertrauen, die für sie da sind. Wenn Eltern und Paten sich dafür entscheiden, sie taufen zu lassen, machen sie damit deutlich: Schon zu diesen kleinen Kindern sagt Gott „Ja“; vom Mutterleib an gehören wir zu Gott. Davon werden wir nachher in der Predigt noch mehr deutliche Worte von Jesus hören.

Wenn Kinder klein sind und getauft werden, übernehmen Eltern und Paten die Verantwortung der christlichen Erziehung. Was damit in einer Volkskirche gemeint sein kann, in der jeder einzelne seinen Glauben auf ganz andere Weise lebt und in der eine Kultur der Unaufdringlichkeit herrscht, so dass niemand den anderen zu einer ganz bestimmten Art des Glaubens nötigen will, muss immer wieder neu herausgefunden werden. Für die eine Familie ist ein abendliches Ritual mit den Kindern eine wunderschöne Sache, in der mit den Kindern gebetet oder in einer Kinderbibel gelesen wird. Andere haben dazu überhaupt keinen Zugang, antworten aber auf die Fragen der Kinder nach Gott und der Welt, statt sie mit ihrer Neugier und ihrem Staunen und ihren Zweifeln allein zu lassen. Am wichtigsten ist es, den Kindern mit einer Haltung der Liebe zu begegnen: Sie sind uns von Gott anvertraut, sie sind nicht unser Besitz, ihnen ist Leben und Liebe von Gott geschenkt, damit sie sich selbst entfalten und anderen ebenfalls in einer Haltung der Liebe begegnen können.

In unserer Kirche ist genau gleich berechtigt auch die Haltung von Eltern, die sagen: „Unser Kind soll einmal selbst entscheiden, ob es getauft werden will. Wenn Glaube und Taufe zusammengehören, dann soll diese Taufe erst dann stattfinden, wenn der junge Mensch selber sagen kann: Ja, das will ich!“ Manchen Jugendlichen ist das dann peinlich, in einem Gottesdienst so im Mittelpunkt zu stehen; bei euch habe ich diesen Eindruck nicht, sondern dass ihr euch, ganz im Gegenteil, darüber freut, diese Feier mit anderen gemeinsam zu erleben.

Wer als Erwachsener getauft wird, so wie ihr drei, …, … und …, braucht eigentlich keine Paten mehr, die euch christlich erziehen. Trotzdem habt ihr euch Paten als Begleiter gewünscht, die euch in eurem christlichen Leben weiter zur Seite stehen, so wie sie es schon getan haben. Einige tun dies als Mitglieder einer christlichen Kirche, andere im Respekt vor eurem christlichen Glauben, ohne selber diesen Glauben genauso zu teilen.

Jetzt fragt sich vielleicht jemand: Kann man denn Pate in der evangelischen Kirche sein, wenn man selber kein Christ ist? Dazu möchte ich sagen:

Paten haben zwei Sorten von Aufgaben. Die eine Sorte besteht darin, für die christliche Erziehung und Begleitung eines Patenkindes Verantwortung zu übernehmen. Das ist ein von der Kirche übertragenes Amt, das im Kirchenbuch eingetragen wird: ein Pate in diesem Sinne muss Mitglied einer Kirche sein, die zur Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen gehört, denn diese Kirchen erkennen sich gegenseitig als christliche Kirchen an.

Als einen Paten verstehen wir aber auch Menschen, die einfach rein menschlich Verantwortung für ein Kind aus der Verwandtschaft oder für einen Freund übernehmen. Pate oder Patin in diesem Sinn kann auch ein Mann sein, der Jude ist, oder eine Frau, die zur Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage gehört, die auch Mormonen genannt werden, oder ein Mann, der in keiner Religionsgemeinschaft Mitglied ist.

Wir in der Paulusgemeinde nehmen beide Formen der Patenschaft sehr ernst. Die einen werden offiziell ins Kirchenbuch eingetragen, die anderen vereinnahmen wir nicht im Sinne unseres evangelischen Patenverständnisses, wir freuen uns aber, dass auch Sie diese Verantwortung für ein Kind bzw. einen heranwachsenden Jugendlichen auf Ihre Weise so intensiv wahrnehmen.

Und nun sage ich noch etwas zu den Taufsprüchen unserer fünf Täuflinge.

Vielleicht haben Sie, habt ihr es gemerkt: Alle Taufsprüche der Kinder und Jugendlichen, die ihr euch und Sie für Ihre Kinder ausgesucht haben, kamen in diesem Gottesdienst schon vor.

Der Vers für … steht im Psalm 139, 5:

Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.

Gott hält also unsere Erde und unser ganzes Weltall unsichtbar in seinen Händen. Behutsam tut er das, er zerdrückt uns nicht, sondern hält seine Hände behütend und beschützend über uns. Fröhlich und lebhaft und manchmal auch trotzig können sich Kinder wie Jana unter dieser Obhut entwickeln und darauf vertrauen: Gottes Liebe ist um mich wie die Wärme der Sonne und wie der Regen, den wir brauchen, damit etwas wachsen kann.

Zwei Taufsprüche unserer Konfirmanden stehen im selben Psalm der Bibel, im Psalm 23. …, du hast Vers 1 ausgesucht:

Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.

Das heißt: So wie ein Hirte für seine Schafe sorgt, so sorgt auch Gott dafür, dass wir Menschen keinen Mangel leiden, also alles haben, was wir brauchen. Das ist kein Psalm für Leute, die immer nur jammern, wie schlimm und schlecht alles ist. Dass es Schlimmes und Schlechtes in der Welt gibt, bestreitet die Bibel nicht; aber wer auf Gott vertraut, darf wissen, dass wir von ihm geliebt sind und für ihn wichtig sind. Und mit dieser Liebe im Herzen können wir an unserem Platz mithelfen, dass die Welt etwas weniger schlimm und schlecht aussieht.

…, du hast aus demselben Psalm 23 den Vers 6 als deinen Taufspruch ausgewählt:

Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang.

Damit sagt der Psalmbeter noch einmal ausdrücklich, was es bedeutet, dass Gott für uns wie ein guter Hirte ist. Er schenkt uns Gutes, zum Beispiel Begabungen oder unsere Familie. Und er ist barmherzig mit uns, wenn wir Fehler machen. Wenn wir uns in unserem Leben nicht von Feinden oder anderen Ängsten verfolgt fühlen, können auch wir selber Menschen sein, die anderen gegenüber gut und barmherzig handeln.

Der Taufspruch, den du für dich ausgesucht hast, …, erzählt mehr von diesem Guten und dieser Barmherzigkeit, die uns ein Leben lang folgen werden. Er steht in 1. Korinther 13, 13:

[Es] bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei, aber die Liebe ist die größte unter ihnen.

Paulus will sagen, was für ihn am wichtigsten ist. Wir können nicht leben ohne Vertrauen. Für ihn ist klar: unser Vertrauen in die Welt und unser Selbstvertrauen haben ihre Wurzeln in Gott, der hinter allem steht, was existiert. So ein Vertrauen nennt er „Glauben“. Aus diesem Glauben folgt auch, dass wir Hoffnung haben. Hoffnung, dass unser Leben gelingt, und Hoffnung sogar über den Tod hinaus, weil wir dann nicht in ein dunkles Nichts fallen, sondern in Gottes Hände. Am größten ist für Paulus aber die Liebe. Denn wenn wir ohne Liebe leben, ist unser Leben sinnlos und wir machen anderen Menschen das Leben schwer. Aber das Tolle ist: Liebe ist uns geschenkt! Wir müssen sie nur annehmen und weitergeben.

Wie sich diese Liebe auswirken kann, davon handelt der Taufspruch für …, der in Römer 12, 21 steht:

Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.

Hier merken wir: Ganz so einfach ist das nicht mit der Liebe. Denn es fällt sehr leicht, auf ein böses Wort mit einem noch böseren Schimpfwort zu antworten. Schwerer ist es, zwar zu zeigen, wie wütend man ist, aber dabei den anderen nicht zu beleidigen und zu verletzen. … hat ja schon zwei ältere Geschwister, … und …, und da wird es immer wieder darauf ankommen, dass jedes Kind zu seinem Recht kommt. Sicher gibt es auch einmal Streit, aber wenn man sich dann an …s Taufspruch erinnert, kann man den Streit auf faire Weise führen und vielleicht sogar beenden.

Wir singen das Lied 629 von dem, was Gott uns schenkt, um es weiterzugeben:
Liebe ist nicht nur ein Wort

Alle, die als Christen getauft sind oder getauft werden wollen, sprechen nun das Glaubensbekenntnis. Wir tun es stellvertretend auch für unsere kleinen Taufkinder:

Glaubensbekenntnis und Taufen
Lied: „May The Lord Send Angels“
Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde, zur Predigt hören wir heute den Text, der eigentlich für den letzten Sonntag im September vorgesehen ist. Er passt gut zum heutigen Taufgottesdienst für Kinder und Konfirmanden, darum ist heute auch das Wochenspruchblatt für den 29. September verteilt worden. Der Text steht im Evangelium nach Matthäus 18, 1-6.10:

1 Zu derselben Stunde traten die Jünger zu Jesus und fragten: Wer ist doch der Größte im Himmelreich?

2 Jesus rief ein Kind zu sich und stellte es mitten unter sie

3 und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen.

4 Wer nun sich selbst erniedrigt und wird wie dies Kind, der ist der Größte im Himmelreich.

5 Und wer ein solches Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf.

6 Wer aber einen dieser Kleinen, die an mich glauben, zum Abfall verführt, für den wäre es besser, dass ein Mühlstein an seinen Hals gehängt und er ersäuft würde im Meer, wo es am tiefsten ist.

10 Seht zu, dass ihr nicht einen von diesen Kleinen verachtet. Denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel sehen allezeit das Angesicht meines Vaters im Himmel.

Liebe Gemeinde,

Jesus wird gefragt, wer im Himmelreich der Größte ist. Mit diesem Himmelreich ist in der Bibel nicht nur ein Bereich gemeint, wo Gott für uns unsichtbar wohnt und wo wir Menschen erst nach unserem Tod hinkommen. Jesus ist der festen Überzeugung, dass dieses Himmelreich schon hier auf der Erde mitten unter uns beginnt, und zwar da, wo wir Gottes Liebe und seinen Frieden unter uns wohnen lassen.

Macht es Sinn, Jesus zu fragen, wer in einem solchen Himmelreich der Größte ist? Dazu noch eine Zwischenbemerkung: Fast alle deutschen Übersetzungen übersetzen den Text so, und diese Übersetzung ist falsch! Wörtlich steht da im griechischen Urtext: „Wer ist der Größere?“ Es soll also gar nicht ein einzelner über alle anderen herausgehoben werden, sondern allgemeiner geht es den Jüngern um die Frage: Welche Menschen sind Gott wichtiger als andere Menschen? Sie erwarten vielleicht Antworten wie: Am wichtigsten sind Gott diejenigen, die immer in die Synagoge, heute würden wir sagen, in die Kirche gehen. Oder diejenige, die sich immer die Zehn Gebote halten. Aber Jesus gibt eine völlig überraschende Antwort: Er stellt ein Kind in die Mitte der Jünger und sagt: „Ein Kind wie dieses ist größer im Himmelreich als die Großen.“ Ein Kind wie unsere kleinen Taufkinder.

Warum? Jesus gibt eigentlich gar keine Begründung. Er hält es für selbstverständlich, dass Kinder zu Gott gehören. Er sagt sogar, dass man ihn selbst aufnimmt, wenn man ein x-beliebiges Kind in seine Obhut aufnimmt, das vielleicht keine Eltern hat oder von diesen Eltern nicht gut behandelt wird. Und mit dem härtesten aller Worte, die er gesagt hat, verurteilt Jesu die Menschen, die ein Kind verführen oder sein Vertrauen zerstören. Ein solcher Mensch verdient eigentlich eine Strafe, wie sie heutzutage die Mafia in manchen Ländern verhängt: mit einem Betonklotz um den Hals im Meer versenkt zu werden.

Ein Vers aus unserem Predigttext war mir bisher noch nie so richtig aufgefallen: „Seht zu, dass ihr nicht einen von diesen Kleinen verachtet. Ihre Engel im Himmel sehen allezeit das Angesicht meines Vaters im Himmel.“ Jesus sagt also ausdrücklich, dass die Schutzengel der Kinder im Himmel ständig im Kontakt mit Gott persönlich sind, um für sie einzutreten, so wichtig nimmt Gott jedes kleine und große Kind!

Gar nicht so selbstverständlich beurteilt Jesus dagegen die Chancen der Erwachsenen, zu Gott zu gehören. Er stellt die normalen Maßstäbe auf den Kopf: Die Großen sollen umkehren und so werden wie die Kinder, sonst gehören sie nicht zum Himmelreich Gottes.

Jesus hält Kinder nicht etwa für immer nur niedliche Wesen, die immer nur lieb und unanstrengend sind. Er will einfach darauf hinaus, dass ein Kind noch nicht so tun kann, als könne es sich Liebe und Anerkennung verdienen. Ein kleines Kind ist ohne die Großen, ohne liebevolle Eltern schlicht verloren. Und wenn ein Kind Eltern oder andere Bezugspersonen hat, die für es da sind und ihm Halt und Orientierung geben, dann baut es ein ganz selbstverständliches Urvertrauen auf und entwickelt eine Selbstständigkeit, in der das Kind es nicht unbedingt nötig hat, anderen wehzutun.

Dieses Vertrauen beobachtet Jesus an Kindern, darum stellt er sie uns Großen als Vorbilder hin. Vor Gott haben wir nicht mehr vorzuweisen als ein Kind. Alles ist uns von Gott geschenkt. Und dafür können wir dankbar sein, statt dass wir einen falschen Stolz entwickeln und meinen: Ich bin aber besser als die anderen, ich bin klüger, ich habe mehr Geld und Einfluss oder sogar, wie es die Jünger meinen: ich habe einen größeren Glauben, ich bin im Himmelreich größer als andere. Nein, alle sind gleich gut dran wie Kinder: Liebe von Gott kriegt jeder völlig kostenlos, obwohl sie unendlich kostbar ist.

Aber was ist, wenn Kinder größer werden? Wenn sie irgendwann wie unsere Konfis gar nicht mehr Kinder sein wollen? Würde Jesus dann wie manche ältere Leute über die Jugend von heute schimpfen? Die kennen keinen Respekt! Die müssten erst mal still sein, wenn erwachsene Leute reden? Ich denke, wenn Kinder oder Jugendliche anderen weh tun oder sich rücksichtslos gegenüber älteren Menschen verhalten, würde Jesus das nicht durchgehen lassen. Aber Jesus wäre sicher froh darüber, dass man heute Kinder nicht mehr mit Schlägen erzieht, wie das noch in meiner Kindheit gang und gäbe war. Als ich in die Volksschule kam, 1959, war meine Klassenlehrerin eine der ersten, die kein Stöckchen hatte, um den Schülern auf die Finger zu klopfen, deren Fingernägel schmutzig waren. Auf jeden Fall würde Jesus Kindern und Jugendlichen nicht den Mund verbieten, nur weil Kinder klein sind und Jugendliche noch nicht so viel Lebenserfahrung haben. Immerhin wird von ihm erzählt, wie er als 12-Jähriger nach einer gemeinsamen Pilgerfahrt mit den Eltern einfach im Tempel von Jerusalem zurückbleibt, um dort den Leuten zuzuhören, die sich in der Bibel auskennen. Dafür interessiert sich Jesus nämlich so sehr, dass er die Zeit vergisst. Er findet es ganz normal, Gott auf seine Weise zu suchen und neugierig nachzufragen, wie das mit dem Glauben ist, statt wie seine Eltern alles einfach selbstverständlich hinzunehmen.

Ich freue mich, wenn ihr Konfirmandinnen und Konfirmanden euch eure eigenen Gedanken über Gott und den Glauben macht. Als ihr jetzt am Donnerstag definieren solltet, was für euch heilig ist, kamen interessante Ergebnisse heraus. Heilig ist das allerwichtigste im Leben, und dazu gehört für die meisten die Familie. Ich habe gefragt, warum die Freunde dabei nicht auftauchen. „Die gehören auch mit zur Familie“, meinte jemand. Einige meinten auch, dass ihnen das Essen und Trinken heilig sei. Da habe ich zuerst gedacht, das sei nicht ganz ernst gemeint, aber dann erklärten sie: „Es ist nicht selbstverständlich, etwas zum Essen und zum Trinken zu haben“, also ist es etwas Heiliges, wofür man dankbar sein kann. Ein Konfirmand schrieb: „Heilig ist es, wenn ein Kind geboren wird.“ Das fand ich besonders beeindruckend. Ihr habt ein Gespür für das, was im Leben wirklich wichtig und wundervoll ist. Sie als Eltern kleiner Kinder können diese Aussage gewiss nachvollziehen, und sie passt auch dazu, was Jesus über die Kinder gesagt hat.

Zum Schluss meiner Predigt an diesem Taufsonntag lasse ich nun noch einmal alle Konfis zu Wort kommen, die am Donnerstag in der Konfi-Stunde waren. Die haben nämlich füreinander Tauftücher gemacht, auf denen unter anderem draufsteht: „Gott sagt zu dir…“, und dann folgt eben der Satz, den Gott sagt. Diese Tücher sollen euch an eure eigene Taufe erinnern, egal ob sie schon vor Jahren oder heute geschehen ist.

Konfi-Tauftuch: Gott sagt zu Dir: Ich bin stolz auf Dich (mit Herz)!Gott sagt zu dir…:

…, bleib, wie du bist!

…., bleib gesund!

….., du bist einzigartig!

Konfi-Tauftuch: Gott spricht zu dir: bleib so, wie du bist, mit allen Ecken und Kanten.…, bleib gesund!

……., mach weiter so!

….., ich bin stolz auf dich!

…., lebe dein Leben!

…, bleib gesund!

….., du bist einzigartig!

……, bleib gesund!

……, bleib immer glücklich!

…, du bist einzigartig!

….., bleib gesund und genieße das Leben!

…., bleib glücklich!

……., bleib so, wie du bist, mit allen Ecken und Kanten!

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.

Wir singen die Liedstrophe 631 – ein Lied, das von dem handelt, das uns so wichtig ist, dass wir es hüten wollen wie unseren eigenen Augapfel:

In Gottes Namen wolln wir hüten, was lebendig ist

Lasst uns beten.

Gott der Liebe, wir bitten dich für die Kinder und Konfirmanden, die wir getauft haben, für ihre Familien, Paten und Freunde. Hilf ihnen, dass sie in ihrem Leben deinen Segen erfahren und auch andere Menschen glücklich machen. Wir bitten dich für die ganze Konfi-Gruppe, dass sie weiterhin gute Erfahrungen mit dir und miteinander machen, auch in den nächsten Tagen auf der Konfi-Freizeit.

Gott des Friedens, mit den Christen auf der ganzen Welt beten auch wir heute um Frieden für Syrien, für die Menschen in Angst und Not, auf der Flucht und in den Lagern. Wir beten für die Mächtigen der Welt, die uneins sind und gefangen in eigenen Interessen.

Gott der Gerechtigkeit, in zwei Wochen haben wir die Wahl, wie unser Land in Zukunft regiert werden soll. Wir beten für die Kandidatinnen und Kandidaten, die sich zur Wahl stellen. Für die Wählerinnen und Wähler, die abwägen und überlegen, und für die Menschen, die enttäuscht sind von der Politik.

Gott des Trostes: Mitten unter uns sind Menschen traurig und hilflos. Wir beten für alle, denen das Leben zur Last geworden ist. Für alle, die sich schwer tun, Anschluss zu finden und für alle, die um einen lieben Menschen trauern.

Was wir außerdem auf dem Herzen haben, sagen wir Gott in der Stille:

Gebetsstille und Vater unser

Wir singen zum Schluss das Lied 630:

Wo ein Mensch Vertrauen gibt
Abkündigungen

Empfangt Gottes Segen:

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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