Mächtig ist, wer „das Seine tut, wie es recht ist“

Trauerfeier für einen Mann, der den Einfluss, den er besaß, an der richtigen Stelle für sinnvolle Ziele geltend zu machen verstand, und sich auch in seiner Familie reich beschenkt und gesegnet wusste.

Mächtig ist, wer sich einsetzt für Frieden, Umwelt, Liebe. Das Bild zeigt eine Torte mit entsprechenden Protestplakaten auf der Straße

Wofür wird Macht eingesetzt – Frieden, Umwelt, Liebe? (Bild: stuarthampton – pixabay.com)

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

Liebe Trauergemeinde, wir sind hier versammelt, um von Herrn T. Abschied zu nehmen, der im Alter von [über 70] Jahren gestorben ist.

Wir sind hier um des Verstorbenen willen – wir erinnern uns an ihn, zeichnen seinen Lebenslauf nach, versuchen, ihm gerecht zu werden.

Wir sind hier um unserer selbst willen – weil Verbindungen, die durch den Tod abreißen, wehtun, weil es nicht gut ist, beim Abschied allein zu sein.

Wir sind hier auch um Gottes willen. Denn von Gott her sind wir zur Welt gekommen, zu Gott hin gehen wir im Tod – und in seinen Augen hat jeder Mensch seine eigene einmalige Bedeutung.

Wir beten mit Worten des 139. Psalms:

1 HERR, du erforschest mich und kennest mich.

2 Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne.

3 Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege.

5 Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.

Liebe Familie T., liebe Trauergemeinde, Herr T. hatte ein bewegtes Leben.

Erinnerungen an das Leben des Verstorbenen

Was für ein Mensch war Herr T., wie haben Sie ihn erlebt?

Was jetzt bei unserem Gespräch angeklungen ist, übrigens auch schon bei meinen eigenen Begegnungen mit Herrn T., das stelle ich ins Licht eines alten Liedes der Bibel, des Psalms 112:

1 Wohl dem, der den HERRN fürchtet, der große Freude hat an seinen Geboten!

2 Sein Geschlecht wird [mächtig] sein im Lande; die Kinder der Frommen werden gesegnet sein.

3 Reichtum und Fülle wird in ihrem Hause sein, und ihre Gerechtigkeit bleibt ewiglich.

4 Den Frommen geht das Licht auf in der Finsternis von dem Gnädigen, Barmherzigen und Gerechten.

5 Wohl dem, der barmherzig ist und gerne leiht und das Seine tut, wie es recht ist!

6 Denn er wird ewiglich bleiben; der Gerechte wird nimmermehr vergessen.

7 Vor schlimmer Kunde fürchtet er sich nicht; sein Herz hofft unverzagt auf den HERRN.

8 Sein Herz ist getrost und fürchtet sich nicht, bis er auf seine Feinde herabsieht.

9 Er streut aus und gibt den Armen; seine Gerechtigkeit bleibt ewiglich. Seine Kraft wird hoch in Ehren stehen.

Der Psalm der Bibel scheut sich nicht davor, einen Menschen oder eine ganze Familie glücklich zu preisen, die es zu einem gewissen Wohlstand und Einfluss im Land gebracht haben. Von Macht und Reichtum zu reden, mag übertrieben klingen. Aber wer seine wenn auch geringen Einflussmöglichkeiten zum Guten nutzt, den nennt die Bibel mächtig. Wer zerstörerische und eigensüchtige Zwecke verfolgt, hat nur scheinbar Macht – zumindest verfliegt solche Gewalt wie Staub im Wind. Mächtiger ist jemand, der „barmherzig ist und gerne leiht“, der „ausstreut und den Armen gibt“, der kleine Schritte auf dem Weg zum Frieden geht – zum Wohl der Menschen und der Natur. Wir sprachen über solche Initiativen im Gesundheitswesen oder im Bereich der Umwelt. Auch für junge Menschen in Not hat sich Herr T. eingesetzt.

Aber nicht nur für fremde Kinder setzte er sich ein; für einen Mann seiner Generation war er ungewöhnlich stark in die Pflege und Erziehung der eigenen Kinder und in den Haushalt einbezogen: er hat die Kinder gewickelt, gern für die Familie gekocht und engagiert die schulische Laufbahn der Kinder begleitet.

Wir sprachen auch über das Thema Reichtum: im Vergleich zum Beispiel mit Indien ist bei uns jeder Mensch reich. Die Bibel misst Reichtum sowieso nicht an der Höhe des Bankkontos, sondern an der Dankbarkeit für das zum Leben Notwendige. Nicht an Äußerlichkeiten hängt die Lebenserfüllung, sondern an der inneren Zufriedenheit.

Die schönen Seiten des Lebens wusste Herr T. mit offenen Sinnen zu würdigen. Er war geschichtlich außerordentlich gut unterrichtet und interessiert; auch für Kunst und Musik konnte er sich begeistern.

Schließlich erinnert mich die Zuversicht, die sich im Psalm 112 ausspricht, an Herrn T.: an seinen Optimismus, der das halbleere Glas doch lieber als halbvoll beurteilt: „Vor schlimmer Kunde fürchtet er sich nicht“; „sein Herz hofft unverzagt auf den HERRN“. Diese Haltung hat sich zum Beispiel damals in den abenteuerlichen Kriegs- und Nachkriegszeiten bewährt. Der Psalm gibt auch einen Grund für Optimismus an: Wer Zuversicht hat, dem „geht das Licht auf in der Finsternis“, und dieses Licht ist Gott selbst. Mit Gottvertrauen sind wir nie allein, „der Gnädige, Barmherzige und Gerechte“ ist bei uns und bewahrt uns.

Sie haben gemerkt, liebe Familie T., ich bin jetzt doch lang und breit auf einen anderen Text eingegangen, als den, den wir zusammen ausgesucht haben. Aber zu dem komme ich jetzt doch noch; ich habe Ihren Trauspruch nicht vergessen. Der fasst alles zusammen, was wir über ein Menschenleben sagen können und was nicht verloren geht, wenn wir sterben. Er steht bei Paulus in 1. Korinther 13, 8:

Die Liebe hört niemals auf.

Das ist einer der schönsten Sätze der Bibel. Was wir tun, was wir sind, was Sinn macht, wurzelt letztlich in Liebe. Das gilt für die Partnerschaft, in der sich zwei Menschen liebevoll ergänzen, die durchaus gegensätzliche Charaktere sein können. Das gilt für die Beziehung zwischen Eltern und Kindern, Großeltern und Enkeln und vielen anderen Beziehungen, in denen der eine aufgrund größerer Reife und Erfahrung dem anderen hilft, sein eigenes Leben zu meistern. Das gilt auch für menschliche Wertschätzung und Freundschaft und für das, was wir Nächstenliebe nennen.

Und in unserer menschlichen Liebe, die immer Stückwerk bleibt, wie Paulus im gleichen Kapitel erwähnt, spiegelt sich die Liebe, mit der wir von Gott geliebt sind. Liebe, durch die wir wunderbar geschaffen sind. Liebe, durch die unser Weltall ein sinnerfüllter Ort ist. Liebe, durch die wir Hoffnung haben über den Tod hinaus. Gott ist identisch mit Liebe – sonst macht es keinen Sinn, von Gott zu reden. Sonst wird Gott zu einem Götzen, den sich Menschen nach ihrem eigenen Bild schaffen. Als Christen glauben wir an einen Gott, der sich uns zu seinem Bild geschaffen hat – und dieses Bild hat er uns in Jesus noch einmal ganz neu vor Augen gestellt, damit wir merken: So waren wir gemeint!

Liebe hört nicht auf – das gilt mit Gewissheit sogar angesichts des Todes. Wer Abschied von einem geliebten Menschen nimmt, denkt mit Dankbarkeit und Liebe zurück. Und wir können den Verstorbenen getrost loslassen, weil wir ihn in den Händen eines liebenden Gottes geborgen wissen. Amen.

Lasst uns beten mit den Worten des Liedes EG 361:

1. Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt. Der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn, der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann.

3. Dein ewge Treu und Gnade, o Vater, weiß und sieht, was gut sei oder schade dem sterblichen Geblüt; und was du dann erlesen, das treibst du, starker Held, und bringst zum Stand und Wesen, was deinem Rat gefällt.

6. Hoff, o du arme Seele, hoff und sei unverzagt! Gott wird dich aus der Höhle, da dich der Kummer plagt, mit großen Gnaden rücken; erwarte nur die Zeit, so wirst du schon erblicken die Sonn der schönsten Freud.

12. Mach End, o Herr, mach Ende mit aller unsrer Not; stärk unsre Füß und Hände und lass bis in den Tod uns allzeit deiner Pflege und Treu empfohlen sein, so gehen unsre Wege gewiss zum Himmel ein.

Guter Gott, so beten wir für Herr T. und für uns. Begleite uns auf dem Weg der Trauer und lass uns bewältigen, was uns belastet. Hilf uns bewahren, was wir dem Verstorbenen verdanken. Amen.

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