„Eine fröhliche Kindermutter“

Trauerfeier für eine Frau, die keine leiblichen Kinder bekommen konnte, aber für Adoptiv-, Pflege-, Enkel- und Urenkelkinder eine liebevolle Mutter wurde.

"Eine fröhliche Kindermutter": Denkmal für eine Mutter mit mehreren Kindern an der Hand und auf dem Arm

Denkmal für eine kinderreiche Mutter (Bild: Antranias – pixabay.com)

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

Liebe Trauergemeinde, wir sind hier zusammengekommen, um von Frau E. Abschied zu nehmen, die im Alter von [über 90] Jahren gestorben ist.

Wir denken an ihr Leben und an all das, was uns mit ihr nun fehlen wird – und zugleich besinnen wir uns angesichts des Todes auf Worte Gottes.

Wir beten mit Psalm 113:

2 Gelobt sei der Name des HERRN von nun an bis in Ewigkeit!

3 Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang sei gelobet der Name des HERRN!

4 Der HERR ist hoch über alle Völker; seine Herrlichkeit reicht, so weit der Himmel ist.

5 Wer ist wie der HERR, unser Gott, im Himmel und auf Erden?

6 Der oben thront in der Höhe, der herniederschaut in die Tiefe,

7 der den Geringen aufrichtet aus dem Staube und erhöht den Armen aus dem Schmutz,

8 dass er ihn setze neben die Fürsten, neben die Fürsten seines Volkes;

9 der die Unfruchtbare im Hause zu Ehren bringt, dass sie eine fröhliche Kindermutter wird.

Liebe Gemeinde!

Ein sehr langes Leben ist zu Ende gegangen, und doch kam dieser Tod jetzt so plötzlich. Für Frau E. war es ein gnädiger Tod, sie musste nicht lange leiden; für die Angehörigen und alle, die ihr nahestanden, ist der Abschied schwer, weil Sie so gar nicht darauf vorbereitet waren.

Erinnerungen an das Leben der Verstorbenen

Da sie keine eigenen Kinder bekommen konnte, nahm sie schon früh Pflegekinder in ihre Familie auf, für die sie liebevoll wie für eigene Kinder sorgte. Im Weltkrieg wurde das junge Ehepaar zwei Mal ausgebombt. Später bauten sich Herr und Frau E. eine eigene Familie auf, indem sie zwei Kinder adoptierten. Viele Jahrzehnte haben Sie in der Familie miteinander erlebt, Freude und Leid miteinander geteilt, von der Geburt der Enkel- und Urenkelkinder bis zum Tod des Ehemannes. Auch für ihre Pflegekinder war Frau E. in all den Jahren die beste Mutter, die man sich vorstellen konnte, und auch einige aus der Schar der Enkel und Urenkel hat sie mit großgezogen.

Sie können es noch gar nicht fassen, dass Frau E. tot ist. Denn sie war immer voller Tatkraft und nie ernsthaft krank gewesen, und selbst wenn es ihr nicht so gut ging, hatte man sie nie klagen hören. Sie nahm alles hin, wie es kam, und wollte ihre Umgebung nicht damit belasten, wie es ihr ging. In letzter Zeit wusste sie allerdings, dass sie schwer krank war und sprach auch gelegentlich davon. Erst am letzten Tag ihres Lebens kam sie zum ersten Mal überhaupt ins Krankenhaus. Dort ist sie gestorben, nachdem sie zuerst noch einmal so aufgeblüht und lebhaft war, dass der Arzt sie kaum in Ruhe untersuchen konnte.

Jetzt sind Sie traurig und Sie vermissen Frau E., die immer da war, sehr beliebt war und ein Ansprechpartner für so viele Menschen war. Zugleich sind Sie auch froh, dass Ihnen dieser Mensch geschenkt war, und die Erinnerung an ihr Leben ist von Dankbarkeit geprägt. Vielen ist sie als Mutter, Oma und Uroma auf ihrem Weg ins Lebens beigestanden, so dass der Bibelvers, den wir vorhin gebetet haben, auf sie voll und ganz zutrifft (Psalm 113, 9 – eigene Übertragung nach der Lutherbibel):

Die kinderlose Frau bringt Gott zu Ehren, dass sie eine große Familie gründet und eine fröhliche Kindermutter wird.

Heute nehmen wir Abschied von Frau E. Wir lassen sie los und vertrauen sie den liebenden Händen Gottes an. Es gibt viele Bilder, mit denen wir ausdrücken, wo sie jetzt hingeht. Ihr Leib ist als Asche in der Urne und wird in die Erde gelegt – doch das Leben, das sie gelebt hat, bleibt aufbewahrt im Gedächtnis des ewigen Gottes.

Frau E. kommt in den Himmel, den wir nicht mit unseren Augen sehen, sondern der dort ist, wo der große, unsichtbare Gott ist – überall, nah und fern, im weiten Weltall und einen Herzschlag von uns entfernt. Ein Kirchenlied fragt: „Weißt du, wo der Himmel ist, nicht so hoch da oben, sag doch ja zu dir und mir, du bist aufgehoben!“ Aufgehoben in der Liebe Gottes sind und bleiben wir im Leben und im Tod.

Als Jesus sterben musste, hat er das seinen Freunden einmal mit diesem Worten klarzumachen versucht (Johannes 14, 2 – eigene Übertragung nach der Lutherbibel):

Im Haus Gottes, meiner Heimat, sind viele Wohnungen. Ich gehe, um für euch einen Platz vorzubereiten.

Auch für Frau E. ist im Himmel ein Platz vorbereitet, wo Gott sie mit Ehren empfängt und aufnimmt. Amen.

EG 533: Du kannst nicht tiefer fallen als nur in Gottes Hand

Treuer Gott, du hast uns ewiges Leben verheißen. Ewiges Leben, das heißt: erfülltes Leben, erfüllt von Liebe, von Vertrauen, von Hoffnung, von Frieden.

Hilf uns, dass wir uns auf dein Wort verlassen und im Leben und Sterben auf deine Barmherzigkeit vertrauen. Wir denken an die Verstorbene, die du aus unserer Mitte genommen hast. Wir danken dir für alles, was du an ihr getan hast, und für all das Gute, das du durch sie auch uns gegeben hast.

Für das, was wir einander schuldig geblieben sind, bitten wir dich um Vergebung. Nimm von uns, was uns auf der Seele liegt. Tröste alle, die Frau E. vermissen werden.

Barmherziger Gott, lass uns unser Leben im Vertrauen auf deine Liebe führen. Amen.

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