Perfekt wie Gott im Himmel?

Jesus ruft zum faustlosen Widerstand auf. „OK, du  willst, dass ich dir dein Zeug eine Meile weit trage? Ist wohl zu schwer für dich. Komm her, ich geh mit dir sogar zwei Meilen weit.“ Behandle also den, der dich zwingt, so, als hätte er dich um Hilfe gebeten. So zu handeln, kommt mir stärker vor, als wenn man einfach zurückschlägt.

Das Selbstportrait eines Künstlers zwischen vorwiegend dunklen Symbolen und einer Art Lebensbaum

Perfekt wie Gott zu sein, kann nur bedeuten: den Feind in sich und in anderen zu lieben (Bild: pixabay.com)

#predigtTaufgottesdienst am 21. Sonntag nach Trinitatis, den 25. Oktober 2015, um 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen
Musik und Einzug der Tauffamilie mit den Paten

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Zum Taufgottesdienst in der Pauluskirche begrüße ich alle herzlich mit dem Wort zur Woche aus dem Brief an die Römer 12, 21:

Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.

Besonders herzlich heißen wir … mit ihrer Familie und ihren Paten willkommen. Die drei Mädchen werden heute im Gottesdienst getauft.

In der Predigt geht es heute um Worte von Jesus über den Verzicht auf Vergeltung und die Liebe zu den Feinden. Am Ende sagt Jesus (Matthäus 5, 48):

Darum sollt ihr vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist.

Aber können wir das überhaupt: So perfekt wie Gott im Himmel sein? Darüber müssen wir nachdenken.

Mit diesem Nachdenken beginnen wir, indem wir das Lied 430 singen; es ist eine Bitte an Gott um Frieden:
Gib Frieden, Herr, gib Frieden
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. „Amen.“

Drei Mädchen taufen wir heute. Drei Taufsprüche sollen euch durch euer Leben begleiten. Und genau diese drei Worte aus der Bibel sollen uns heute ein Stück weit in diesen Gottesdienst hineinführen. Mit dem Taufspruch für dich, liebe …, stellen wir uns alle unter den Schutz und die gute Obhut von Gott und seinen Engeln (Psalm 91, 11):

[Gott] hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen.

Kommt, lasst uns Gott anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Jeden Sonntag gibt es an dieser Stelle einen Punkt, an dem wir alles vor Gott bringen können, was böse ist, was schlimm ist, was uns auf der Seele liegt wie eine schwere Last. Eigene oder fremde Sünde, Traurigkeit, Angst und Verzweiflung. Alles, was unser Leben so dunkel macht, dass wir kaum noch auf ein Licht am Ende des Tunnels zu hoffen wagen. Wir dürfen Gott unser Leid klagen, wir dürfen vor Gott bekennen, was wir Böses denken oder tun, wir dürfen Gott sogar anklagen, wenn wir meinen, er tue uns bitter Unrecht. Wir dürfen das alles tun, weil Jesus uns gezeigt hat, wie Gott ist. In deinem Taufspruch, liebe …, sagt nämlich Jesus (Johannes 8, 12):

Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.

Im Namen Jesu rufen wir zu dir, Gott:

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Wenn wir vor Gott unsere Klage ausgebreitet haben, dürfen wir uns auch gute Worte von Gott anhören, die uns trösten und aufrichten, die uns neuen Mut zum Leben geben können.

Eins dieser Worte ist dein Taufspruch, liebe … . Gott sprich (Jesaja 44, 3):

Ich will meinen Geist auf deine Kinder gießen und meinen Segen auf deine Nachkommen.

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist gross Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende.

Der Herr sei mit euch! „Und mit deinem Geist!“

Du, Gott der Liebe, Vater von Jesus und unser Vater, gieße deinen Geist über uns alle aus. Überschütte uns mit Liebe, so dass wir und unsere Kinder Freundlichkeit unter den Menschen verbreiten. Schenke uns deinen Segen, damit wir im Frieden leben, damit wir es lernen, Böses mit Gutem zu überwinden. Darum bitten wir dich, Gott im Himmel, im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören jetzt schon einmal den Text zur Predigt. Es sind Worte Jesu aus der Bergpredigt; sie stehen im Evangelium nach Matthäus 5, 38-48:

38 Ihr habt gehört, dass gesagt ist: »Auge um Auge, Zahn um Zahn.«

39 Ich aber sage euch, dass ihr nicht widerstreben sollt dem Übel, sondern: wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar.

40 Und wenn jemand mit dir rechten will und dir deinen Rock nehmen, dem lass auch den Mantel.

41 Und wenn dich jemand nötigt, eine Meile mitzugehen, so geh mit ihm zwei.

42 Gib dem, der dich bittet, und wende dich nicht ab von dem, der etwas von dir borgen will.

43 Ihr habt gehört, dass gesagt ist: »Du sollst deinen Nächsten lieben« und deinen Feind hassen.

44 Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen,

45 damit ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.

46 Denn wenn ihr liebt, die euch lieben, was werdet ihr für Lohn haben? Tun nicht dasselbe auch die Zöllner?

47 Und wenn ihr nur zu euren Brüdern freundlich seid, was tut ihr Besonderes? Tun nicht dasselbe auch die Heiden?

48 Darum sollt ihr vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist.

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Halleluja. Gemeinde: „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Wir singen vor der Taufe das Lied 552.

Während unser Organist zum Klavier herunterkommt, erzähle ich ein wenig von diesem Lied. Es heißt „Einer ist unser Leben“, und es handelt von diesem Jesus, der sich mit dem Bösen, mit Feindschaft und Hass in unserer Welt nicht abfindet. Jesus wurde genau dafür getötet, dass er sich mit seiner Liebe gegen den Hass stellte, und Gott hat ihn genau deswegen vom Tode auferweckt, weil seine Liebe nämlich stärker ist als jeder Hass. Darum lebt Jesus noch heute und in Ewigkeit in der Gemeinschaft mit dem Vater im Himmel, und dieser Jesus will uns die Augen dafür öffnen, dass wir erst dann wirklich leben, wenn wir aus Gottes Liebe leben und mit dieser Liebe Böses überwinden – das Böse in uns und um uns herum. Darum singen wir jetzt: „Einer ist unser Leben“ – nämlich Jesus!

Einer ist unser Leben

Liebe Familie …, liebe Paten, vor allem liebe …!

Jetzt werdet ihr drei getauft, und da ihr keine kleinen Kinder mehr seid, fragen wir gleich auch euch selber, ob ihr das überhaupt wollt. Denn getauft zu werden, genau wie konfirmiert zu werden, das ist ja kein Zwang, sondern dafür entscheidet man sich freiwillig. OK, da ihr alle drei noch keine 14 Jahre alt seid, könnt ihr das nicht ganz allein entscheiden; Eltern und auch Paten haben den Auftrag, euch zur Seite zu stehen und auf eurem Weg im christlichen Glauben zu begleiten. „Christlich erziehen“ nennt man das auch. Das Wichtigste bei dieser Begleitung, bei diesem christlichen Erziehen, ist, dass ihr erwachsene Menschen habt, die für euch da sind: Sie geben euch Liebe und Freiheit. Sie müssen euch gerade deswegen manchmal auch sagen, was nicht geht, was ihr machen müsst oder nicht dürft, das gehört einfach dazu, wenn man sich in eurem Alter in die Freiheit und in die Pflichten des Erwachsenwerdens einübt. Zur christlichen Erziehung gehört in der evangelischen Kirche auch der Konfirmandenunterricht, an dem du, liebe …, zur Zeit teilnimmst, und ich habe den Eindruck, dass du das auch mit Spaß und Interesse tust.

Wenn ihr euch taufen lasst, dann sagt ihr damit: Ich will zur Kirche gehören, ich versuche, an Gott zu glauben und auf Jesus zu hören. Jeder Mensch macht das auf seine eigene Weise, auch euch kann niemand Vorschriften machen, wie ihr persönlich an Gott und an Jesus glauben sollt. Für jeden Menschen, auch für euch, ist Gottes Liebe ein Angebot, das ihr völlig freiwillig annehmen könnt, auf eure eigene Weise.

Darum hat auch jede von euch einen ganz anderen Taufspruch. Schon in der Bibel stehen Tausende von Sätzen und Worten über Gott und den Glauben. Schon damals haben die Menschen auf ganz verschiedene Weise an Gott geglaubt.

Da denkt vielleicht jemand: Gott im Himmel kann ich nicht sehen. Ich kann ihn mir nicht vorstellen. Aber mit den Engeln kann ich etwas anfangen. Gott schickt uns seine Engel, um uns zu behüten und vielleicht auch manchmal, um uns ins Gewissen zu reden. Davon handelt dein Taufspruch, liebe …, im Psalm 91, 11:

[Gott] hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen.

Für andere Christen ist Jesus sehr wichtig. Auf dem Konfi-Castle haben wir von Leuten aus dem CVJM, aus dem Christlichen Verein Junger Menschen, gehört, wie begeistert sie vom Glauben an Jesus sind. Ich selber finde vieles, was Jesus gesagt hat, auch sehr gut und hilfreich für mein Leben, zum Beispiel deinen Taufspruch, liebe …, der im Evangelium nach Johannes 8, 12 steht. Jesus spricht:

Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.

Was das bedeutet, Jesus nachzufolgen, davon werden wir in der Predigt noch mehr hören.

Und dann gibt es in der Bibel Menschen, die spüren, dass Gott sogar in uns selbst sein will, er will sich selbst, seinen Geist, seine Liebe in uns ausgießen, so dass wir uns ändern können, mutig sein, gut handeln, für Frieden eintreten können. Darum geht es in deinem Taufspruch, liebe …, und der steht im Buch Jesaja 44, 3. Gott spricht:

Ich will meinen Geist auf deine Kinder gießen und meinen Segen auf deine Nachkommen.

Wir bitten nun gemeinsam um den Glauben an Gott, an den Vater im Himmel, an Jesus und an den Heiligen Geist. Dazu stehen wir nach Möglichkeit auf:

Glaubensbekenntnis und Taufen

Wir singen das Lied 425 und bitten Gott um Frieden, Freiheit und Freude:

Gib uns Frieden jeden Tag!
Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde, ich habe gesagt: Getauft sein, das bedeutet unter anderem, dass man auf Jesus hören will. Das tun wir jetzt, wenn wir unsere Ohren aufmachen und uns näher mit den Worten beschäftigen, die wir vorhin schon von Jesus gehört haben.

Ich fange mit dem letzten Vers aus unserem Predigttext an, hören wir den noch einmal:

48 Darum sollt ihr vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist.

Ist dieser Satz nicht unmöglich? Wir können doch nicht perfekt sein. Nobody is perfect, das sagen wir doch mit Recht. Jeder Mensch hat Fehler, macht Fehler. Kein Mensch ist ohne Sünde.

Vielleicht ist die Übersetzung „vollkommen“ oder „perfekt“ nicht ganz richtig. Im griechischen Urtext steht da das Wort „teleios“, das kommt von dem Wort „telos“, Ziel. Jemand, der „teleios“ ist, der erreicht also sein Ziel, der verliert es nicht aus den Augen. Aber um welches Ziel geht es hier überhaupt? Geht es um absolute Fehlerlosigkeit? Geht es darum, dass wir so absolut gut und heilig sein sollen wie Gott?

Ich denke, mit dem, was Jesus vorher sagt, will er uns sagen, welches Ziel wir nicht aus den Augen verlieren sollen. Wenn wir das begreifen, was dieses Ziel ist, werden wir auch den Schlusssatz Jesu verstehen.

Hören wir also den Text noch einmal von Anfang an.

38 Ihr habt gehört, dass gesagt ist: »Auge um Auge, Zahn um Zahn.«

Jesus erinnert an die Regel aus der Tora, die es noch in unserer Gesetzgebung genau so gibt: Für jede Gesetzesübertretung gibt es ein bestimmtes Strafmaß, eine bestimmte Entschädigung. Das wird immer wieder missverstanden. Nicht gemeint ist, dass man dem, der einem anderen einen Zahn ausgeschlagen hat, nun auch ins Gesicht schlagen darf, so dass auch er einen Zahn verliert. Nein, es gibt aber Regeln dafür, wie der Täter bestraft werden soll und das Opfer entschädigen muss. Beim Auge ist das genauso; wer einen anderen mutwillig oder fahrlässig am Auge verletzt, dem wird nicht etwa auch das Auge ausgestochen, sondern er wird angemessen bestraft und muss dem Opfer angemessen Schadenersatz leisten. Diesen Rechtsgrundsatz hebt Jesus nicht auf; wenn er das täte, dann würde unser Miteinander nicht funktionieren. Jesus will auf etwas anderes hinaus:

39 Ich aber sage euch, dass ihr nicht widerstreben sollt dem Übel, sondern: wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar.

Widerstreben, Standhalten, damit übersetzt Martin Luther ein Wort, das vor allem im Krieg verwendet wurde. Wir halten dem Feind stand, wir werden nicht unterliegen. Aber wie ist es, wenn wir machtlos anderen ausgeliefert sind, wenn kein Gesetz uns schützt? So war es damals in Israel, das von den Römern besetzt war. Heißt dann „Auge und Auge“ doch plötzlich, dass man das Recht in die eigene Hand nimmt und mit Gewalt zurückschlägt, egal was das für Folgen hat? Ich werde beschimpft und automatisch schlage ich mit der Faust zu, wie es manche Jungen tun; habe ich das nötig? Jesus sagt: Nein! Du musst nicht einmal zurückschlagen, wenn dir einer eine runterhaut. Du musst nicht auch Böses tun, wenn ein anderer Böses tut. Wehr dich, indem du selbstbewusst bleibst, wehr dich, indem du die Ruhe bewahrst und dem andern zeigst, dass du es nicht so machen willst wie er. „Wie feige bist du eigentlich? Willst du mich wirklich auch auf die andere Wange schlagen? Hast du es nötig, mir wehzutun, wenn ich mich nicht mit Gewalt wehre?“

40 Und wenn jemand mit dir rechten will und dir deinen Rock nehmen, dem lass auch den Mantel.

41 Und wenn dich jemand nötigt, eine Meile mitzugehen, so geh mit ihm zwei.

42 Gib dem, der dich bittet, und wende dich nicht ab von dem, der etwas von dir borgen will.

Hier wird noch klarer, in welcher Situation Jesus seine Worte damals spricht, in einem Land nämlich, in dem ein Unrechtsregime an der Macht war. Wer damals von einem römischen Soldaten gezwungen wurde, ein Kleidungsstück herauszugeben oder ihm eine Strecke weit seine Ausrüstung zu tragen, was durchaus vorkam, der konnte nicht einfach die Polizei rufen, weil es ja die Polizei war, die ihm Unrecht tat. Was tut Jesus? Er sagt nicht: Lasst euch einfach alles gefallen. Er ruft zu einer anderen Art von Widerstand auf, faustlos, ohne Gewalt. „OK, du bittest mich um meine Jacke? Hier hast du auch meinen Mantel! Ich gebe sie dir freiwillig. Du willst, dass ich dir dein Zeug eine Meile weit trage? Ist wohl zu schwer für dich. Komm her, ich geh mit dir sogar zwei Meilen weit.“ Behandle also den, der dich zwingt, so, als hätte er dich um Hilfe gebeten, als wollte er von dir etwas leihen. Ich weiß nicht, ob ich zu so einem Verhalten fähig wäre. Aber so zu handeln, kommt mir stärker vor, als wenn man einfach nur zurückschlägt, sei es mit Worten oder mit Fäusten.

Übrigens hat Jesus das Hinhalten der anderen Wange nicht selber erfunden. Er hat aufmerksam seine jüdische Bibel gelesen und aus dem Buch der Klagelieder 3, 30 den Satz zitiert:

30 Er biete die Backe dar dem, der ihn schlägt, und lasse sich viel Schmach antun.

Und wenn man genau verstehen will, was Jesus meint, sollte man auch die nächsten beiden Verse mithören:

31 Denn der HERR verstößt nicht ewig;

32 sondern er betrübt wohl und erbarmt sich wieder nach seiner großen Güte.

Das heißt: Jesus ruft dazu auf, sich nicht mit Gewalt zu wehren, weil wir auf Gott vertrauen dürfen, der uns am Ende helfen wird, auch wenn wir zeitweise viel ertragen müssen.

Dann geht Jesus noch einen Schritt weiter in dem, was er von uns erwartet:

43 Ihr habt gehört, dass gesagt ist: »Du sollst deinen Nächsten lieben« und deinen Feind hassen.

Das ist ein Satz, mit dem schon damals Menschen die Bibel falsch verstanden haben. In der Bibel steht nämlich (Levitikus 19):

18 Du sollst dich nicht rächen noch Zorn bewahren gegen die Kinder deines Volks. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst; ich bin der HERR.

Und wenige Sätze später heißt es:

33 Wenn ein Fremdling bei euch wohnt in eurem Lande, den sollt ihr nicht bedrücken.

34 Er soll bei euch wohnen wie ein Einheimischer unter euch, und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen in Ägyptenland. Ich bin der HERR, euer Gott.

Schon im Alten Testament also ist die Liebe zum Nächsten nicht auf den eigenen Volksgenossen beschränkt, sondern der Fremde, der Flüchtling, sogar wenn er sich wie ein Feind aufführt, kann mir zum Nächsten werden. Das heißt nicht, dass er alles machen darf. Aber Gott gibt mir kein Recht, ihn zu hassen, mich an ihm zu rächen. Erst recht nicht dazu, dass ich alle Asylbewerber schlecht behandele, nur weil einige sich schlecht benehmen und Straftaten begehen. Was sagt Jesus (Matthäus 5)?

44 Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen,

45 damit ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.

Hier müssen wir gut aufpassen. Jesus sagt nicht, dass wir Feinde mögen sollen. Die Liebe, von der er hier spricht, ist kein Gernhaben, sondern Respekt. Er ruft dazu auf: „Behandle auch deinen Feind als Menschen. Bete für ihn. Ziehe ihn zur Rechenschaft! Wenn nötig und möglich, rufe die Polizei! Aber räche dich nicht selber.“ Die Rache steht nur Gott zu. Und sogar Gott gönnt allen Menschen Sonne und Regen, egal ob sie ihn respektieren oder nicht. Gott liebt uns, sogar wenn wir uns wie seine Feinde aufführen. Und darum können wir sogar Menschen, die wir nicht leiden können, trotzdem anständig und respektvoll behandeln.

46 Denn wenn ihr liebt, die euch lieben, was werdet ihr für Lohn haben? Tun nicht dasselbe auch die Zöllner?

47 Und wenn ihr nur zu euren Brüdern freundlich seid, was tut ihr Besonderes? Tun nicht dasselbe auch die Heiden?

Hier appelliert Jesus an die Ehre von Menschen, die sich für besser halten als andere. Hey, ihr wollt doch gute Juden oder gute Christen oder einfach gute Menschen sein. Aber die eigene Familie, die eigenen Freunde lieben, das machen sogar gottlose Menschen, das macht sogar die Mafia. Habt ihr nicht etwas mehr Ehre im Leib?

Jetzt kommt noch einmal der letzte Satz in unserem Predigttext, den ich vorhin so schwer zu verstehen fand:

48 Darum sollt ihr vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist.

Jesus meint nicht, dass wir gut und perfekt sein sollen wie Gott – im Sinne von fehlerlos. Sein Ziel ist vielmehr – Liebe! Liebe im Sinne von Respekt, von Nächstenliebe. Gott ist die Liebe. Darin ist Gott vollkommen. Jesus war und ist vollkommen von dieser Liebe erfüllt. Darum ist er der Sohn Gottes, darum können wir ihn sogar Gott nennen. Und nun kommt das Erstaunliche, das Wunderbare! Jesus traut uns zu, dass auch wir, wir fehlerhaften, unvollkommenen Menschen, seine Liebe in uns aufnehmen und weitergeben. Jesus schenkt uns seinen Respekt, seine Liebe, indem er uns seinen Geist schenkt, so wie es Gott in deinem Taufspruch sagt, liebe … (Jesaja 44, 3):

Ich will meinen Geist auf deine Kinder gießen und meinen Segen auf deine Nachkommen.

Vollkommen sind wir nie aus eigener Kraft. Zur Liebe sind wir nur fähig, wenn der Geist Gottes in uns wirkt. In unserer Konfi-Gruppe haben wir es schon ein paar Mal erlebt, dass Jungs, die einander wehgetan haben, ihre Probleme miteinander dann doch lösen konnten. Ich denke, da ist durchaus der heilige Geist am Werk, wenn man wieder miteinander auskommt, obwohl man erst dachte, das sei nicht möglich. Ich finde, wenn wir so etwas in diesem Konfi- Jahr lernen konnten, dann haben wir schon viel gelernt, und ich wünsche euch und mir, dass wir noch viele Erfahrungen mit Gott und Jesus machen und mit dem, was er uns sagen will. Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.
Lied 628: Herr, gib mir Mut zum Brückenbauen

Lasst uns beten.

Gott, wir beten für die Mädchen, die wir getauft haben, und für alle Kinder und Jugendlichen, die uns anvertraut sind, dass wir ihnen gute Vorbilder und Begleiter sind, dass wir ihre Fragen ernst nehmen und ihnen geben, was sie brauchen. Du, Gott des Friedens: „Wir bitten dich, erhöre uns!“

Weitere Fürbitten

Insbesondere beten wir für vier Verstorbene, die wir in den vergangenen Wochen kirchlich bestattet haben: … Nimm diese Verstorbenen in Gnaden auf in deinem Himmel und begleite ihre Angehörigen und Freunde mit deinem Trost. Du, Gott des Friedens: „Wir bitten dich, erhöre uns!“

In der Stille bringen wir vor dich, was wir persönlich auf dem Herzen haben:

Gebetsstille und Vater unser
Lied 171: Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott
Abkündigungen

Geht mit Gottes Segen:

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

Orgelnachspiel

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