Sein Leben in Ordnung bringen

Trauerfeier für einen Mann, der kurz vor seinem Tod versuchte, sein Leben in Ordnung zu bringen. Im Vertrauen auf Gott sind Reue, Umkehr, Vergebung und Versöhnung möglich.

Wie gelingt es, ein zerbrochenes Leben in Ordnung zu bringen? Das Bild zeigt eine Ziegelmauer mit vielen Rissen, völlig auseinandergebrochen

Wie gelingt es, ein zerbrochenes Leben in Ordnung zu bringen? (Bild: aitoff – pixabay.com)

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

Ich habe kein Gefallen am Tod des Sterbenden, spricht Gott der HERR. Darum [kehrt um], so werdet ihr leben. (Hesekiel 18, 32 )

Liebe Trauerversammlung, wir sind hier zusammengekommen, um Abschied zu nehmen von Herrn Q., der im Alter von [über 60] Jahren nach schwerer Krankheit gestorben ist.

Ein Dreifaches werden wir in dieser Trauerfeier tun: Wir blicken zurück auf sein Leben. Wir besinnen uns auf das, was uns mit ihm verbunden hat. Und wir lassen Gottes Wort zu uns sprechen – Worte, die zum Leben helfen – angesichts des Todes.

Zum ersten: Der Rückblick.

Erinnerungen an das Leben des Verstorbenen

Alles in allem: Er war kein Kind von Traurigkeit und war bei vielen sehr beliebt. Die Kehrseite dieses Lebens war allerdings, dass er durch sein Alkoholproblem vor allem seiner Familie große Entbehrungen auferlegt und Verletzungen zugefügt hat, die zum Teil bis heute nicht vernarbt sind.

Als er schwer krank wurde und mit dem Trinken aufhörte, aufhören musste, da fing er an, sich darüber Gedanken zu machen, was er seiner Frau und seinen Kindern angetan hatte. Im Grunde hatte er sein eigenes Leben bereits aufgegeben, als seine Frau gestorben war. Aber nun dämmerte es ihm, dass vieles hätte anders, besser sein können, wenn er seinen Alkoholismus früher in den Griff bekommen hätte und nicht so krankhaft eifersüchtig gewesen wäre. Es waren die so viel geschmähten Fernseh-Talkshows, die ihm einen Spiegel vorhielten: „So schlimm wie manche von denen war ich auch in meiner Eifersucht.“

Und er hat sein Leiden unter der schweren Krankheit auch als Gottes Bestrafung für seine Sünden angesehen. Am Ende meinte er, es sei nun genug, er wünschte sich nur noch zwei Dinge: Er wollte sterben, erlöst werden von seinem Leiden. Und er hätte sich gern entschuldigt bei allen Kindern, hätte sie gern noch einmal gedrückt. Er hatte eingesehen, dass er viel falsch gemacht hatte. Als ein Kumpel von ihm beerdigt wurde, sagte er: „Der hat‘s hinter sich.“ Und so wünschte er es sich auch. In den letzten Tagen hatte er dann Vorahnungen – er sah seine Frau vor sich und wollte zu ihr, und dann sah er auch eine schattenhafte Gestalt, die ihn holen wollte.

So viel zum Rückblick auf dieses Leben.

Zum zweiten: Was verbindet uns mit dem Verstorbenen? Unterschiedlich haben sich sich die Beziehungen zu den einzelnen Familienmitgliedern gestaltet und auch zu Freunden, Nachbarn und Bekannten. Viele kannten ihn als den Kumpel, mit dem man feiern konnte, andere litten unter den Folgen seiner Alkoholkrankheit oder unter seiner Strenge als Vater. Man kann in so wenigen Worten natürlich einem Menschen nicht gerecht werden; aber offenbar war es ihm in den letzten Monaten selber wichtig, darauf zu sprechen zu kommen, was er falsch gemacht hatte.

Nun kann man verschieden damit umgehen, wenn ein Mann späte Reue zeigt und den Wunsch verspürt, trotz allem in Frieden Abschied nehmen und sterben zu können. Es fällt nicht jedem leicht, über den eigenen Schatten zu springen und zu vergeben, selbst wenn es die letzte Gelegenheit ist. Dankbar kann man sein, wenn man dazu in der Lage ist und dann merkt, dass die Versöhnung auch einem selbst gut tut. Es ist gut, wenn man spät – und doch nicht zu spät – noch einmal eine ganz andere Art von Beziehung zu einem Menschen aufbauen kann, den man trotz allem im Grunde doch sehr lieb gehabt hat.

Alle, die Herrn Q. zuletzt besucht und betreut haben in der Zeit seiner Krankheit, haben die Veränderung in seinem Wesen gespürt. Nicht nur, dass Sie für ihn da waren in dieser schweren Zeit, nein, nun war er auch in der Lage, zum Beispiel einfach einmal zuzuhören, was er früher nicht gut konnte.

Was nun beginnt, nach Herrn Q.s Tod, ist ein Trauer-Weg, der für jeden anders aussieht.

Es bleibt manches zu bewältigen, Unausgesprochenes, Verletzungen, Traurigkeit. Zu spät ist es dafür, ihm noch etwas Gutes zu tun; Zeit ist es, mit sich selbst ins Reine zu kommen: mit dem, was man selbst fühlt und womit man bisher nicht fertig geworden ist.

Das ist aber längst nicht alles, was bleibt. Jeder Mensch hinterlässt auch Spuren der Liebe, des Lebens, der Hoffnung, des Neuanfangs, und es gibt Anlass, dankbar zu sein, dass dieser Mensch unter uns gelebt hat.

Zum dritten: Welche Worte von Gott sollen wir heute zu uns sprechen lassen?

Zunächst wähle ich Worte eines Propheten aus, aus dem Buch Hesekiel 18, 31-32:

Werft von euch alle eure Übertretungen, die ihr begangen habt, und macht euch ein neues Herz und einen neuen Geist. Denn warum wollt ihr sterben?Denn ich habe kein Gefallen am Tod des Sterbenden, spricht Gott der HERR. Darum [kehrt um], so werdet ihr leben.

Ein eigentümliches Wort, dass Gott der Tod des Sterbenden nicht gefällt. Es ist klar, dass das Wort „Tod“ hier in einem doppelten Sinn gebraucht wird. Man kann schon mitten im Leben tot sein, wenn man den Sinn seines Lebens verfehlt. Und man kann umgekehrt erfülltes Leben gewinnen und bewahren, das in Sterben und Tod nicht verloren geht.

Wenn ein Mensch in sich geht und erkennt, was falsch war in seinem Leben, dann kann sein Herz und sein Geist neu werden, wie der Prophet sagt. Nicht weil alles nicht so schlimm gewesen ist, sondern weil es Liebe gibt, die größer ist als schwerste Schuld, und weil Barmherzigkeit mehr wiegt als das gute Recht, das ich auf meiner Seite habe.

Am vollkommensten hat Jesus diese Barmherzigkeit gelebt und gelehrt. Er sagt einmal das schöne Wort, im Evangelium nach Lukas 15, 10:

[Es] wird Freude sein vor den Engeln Gottes über EINEN Sünder, der Buße tut.

Und in unserem Gespräch vorgestern dachten wir auch an die Geschichte, die Jesus einmal erzählt, von dem Zöllner, der die Leute betrogen hatte und wusste, dass er Unrecht getan hatte, und der sich trotzdem einmal in die Kirche verirrt, aber gar nicht weiß, ob Gott überhaupt etwas mit ihm zu tun haben will. In Jesu eigenen Worten hört sich die Geschichte so an (Lukas 18):

13 Der Zöllner aber stand ferne, wollte auch die Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig!

14 Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus.

In diesem Sinne vertrauen wir heute auch Herrn Q. den Händen des gnädigen Gottes an, des himmlischen Vaters, mit dem Jesus sich eins wusste. Und wir dürfen gewiss sein, dass Gott wie für ihn, so auch für uns alle mit seiner Barmherzigkeit da ist – im Leben und im Sterben. Amen.

Wir beten mit Psalm 25:

1 Nach dir, HERR, verlanget mich.

2 Mein Gott, ich hoffe auf dich; lass mich nicht zuschanden werden, dass meine Feinde nicht frohlocken über mich.

3 Denn keiner wird zuschanden, der auf dich harret; aber zuschanden werden die leichtfertigen Verächter.

6 Gedenke, HERR, an deine Barmherzigkeit und an deine Güte, die von Ewigkeit her gewesen sind.

7 Gedenke nicht der Sünden meiner Jugend und meiner Übertretungen, gedenke aber meiner nach deiner Barmherzigkeit, HERR, um deiner Güte willen!

8 Der HERR ist gut und gerecht; darum weist er Sündern den Weg.

9 Er leitet die Elenden recht und lehrt die Elenden seinen Weg.

11 Um deines Namens willen, HERR, vergib mir meine Schuld, die so groß ist!

16 Wende dich zu mir und sei mir gnädig; denn ich bin einsam und elend.

17 Die Angst meines Herzens ist groß; führe mich aus meinen Nöten!

18 Sieh an meinen Jammer und mein Elend und vergib mir alle meine Sünden!

20 Bewahre meine Seele und errette mich; lass mich nicht zuschanden werden, denn ich traue auf dich!

Amen.

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