Aufruf zur Faulheit?

Viele haben mitgeholfen, unser Gemeindehaus zu vergrößern, zu verbessern, zu verschönern. Viele haben ihre Freizeit oder den Lohn für ihre Arbeit geopfert. In der Predigt geht es um das Psalmwort 127, 2: „Seinen Freunden gibt Gott alles im Schlaf!“ Nur von Gott her bekommen wir Ruhe. Was unsere Träume uns sagen wollen, ist wichtig. Liebe können wir uns nicht verdienen.

Ehrenamtliche Abrissarbeiten zur Vorbereitung der Erweiterung des Reichelsheimer Gemeindesaals im Jahr 1981

Ehrenamtliche Abrissarbeiten zur Vorbereitung der Erweiterung des Reichelsheimer Gemeindesaals im Jahr 1981

#predigtFestgottesdienst anlässlich der Einweihung des erweiterten Gemeinderaums am Sonntag, 12. September 1982, um 13.30 Uhr in der Reichelsheimer Kirche
Glockenläuten und Orgelvorspiel (12 Minuten)

Zum Festgottesdienst anlässlich der Einweihung unseres erweiterten Gemeinderaums begrüße ich Sie herzlich in der Reichelsheimer Kirche! Besonders heiße ich die Familie … willkommen, deren Sohn … in diesem Gottesdienst getauft werden soll. Er kommt mit seiner Mutter in etwa einer halben Stunde zu unserer Feier dazu. Einweihung und Taufe – das sind zwei Gründe, sich zu freuen und zu danken.

Lied 234, 1-3 (EG 317):

1. Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren, meine geliebete Seele, das ist mein Begehren. Kommet zuhauf, Psalter und Harfe, wacht auf, lasset den Lobgesang hören!

2. Lobe den Herren, der alles so herrlich regieret, der dich auf Adelers Fittichen sicher geführet, der dich erhält, wie es dir selber gefällt; hast du nicht dieses verspüret?

3. Lobe den Herren, der künstlich und fein dich bereitet, der dir Gesundheit verliehen, dich freundlich geleitet. In wie viel Not hat nicht der gnädige Gott über dir Flügel gebreitet!

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

Der Herr selbst muss das Haus bauen, sonst arbeiten die Bauleute vergeblich. Seinen Freunden gibt Gott alles im Schlaf! (Psalm 127, 1.2 – GNB)

Wir wollen beten: Herr, unser Gott, wir haben heute Grund zum Danken! Viele haben mitgeholfen, unser Gemeindehaus zu vergrößern, zu verbessern und zu verschönern. Viele haben ihre Freizeit oder den Lohn für ihre Arbeit geopfert. Das war ein guter Beitrag zur Zusammengehörigkeit in der Gemeinde. Nun bitten wir dich auch: hilf uns, den neuen Gemeinderaum in deinem Sinne zu nutzen. Lass uns dazu auf dein Wort hören. Amen.

Wir hören, was Jesus zum Abschluss seiner berühmten Bergpredigt sagte. Es steht im Evangelium nach Matthäus 7, 24-29.

24 Darum, wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute.

25 Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, fiel es doch nicht ein; denn es war auf Fels gegründet.

26 Und wer diese meine Rede hört und tut sie nicht, der gleicht einem törichten Mann, der sein Haus auf Sand baute.

27 Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, da fiel es ein, und sein Fall war groß.

28 Und es begab sich, als Jesus diese Rede vollendet hatte, daß sich das Volk entsetzte über seine Lehre;

29 denn er lehrte sie mit Vollmacht und nicht wie ihre Schriftgelehrten.

EKG 333, 3-6 (EG 438):

3. Regier du uns mit starker Hand, auf dass dein Werk in uns erkannt, dein Name durch glaubreich Gebärd in uns heilig erweiset werd.

4. Hilf, dass der Geist Zuchtmeister bleib, das arge Fleisch so zwing und treib, dass es sich nicht gar ungestüm erheb und fordre deinen Grimm.

5. Versorg uns auch, o Herre Gott, auf diesen Tag, wie’s uns ist not, teil uns dein’ milden Segen aus,denn unser Sorg richtet nichts aus.

6. Gib deinen Segen unserm Tun und unsrer Arbeit deinen Lohn durch Jesus Christus, deinen Sohn, unsern Herren vor deinem Thron.

Gnade und Friede sei mit uns allen von Gott, unserem Vater, und Jesus Christus, unserem Herrn. Amen.

Wir hören als Predigttext Psalm 127, 1-2:

Der Herr selbst muss das Haus bauen, sonst arbeiten die Bauleute vergeblich. Der Herr selbst muss die Stadt beschützen, sonst ist jede Wache umsonst. Was könnt ihr denn ohne den Herrn erreichen? In aller Frühe steht ihr auf und arbeitet bis tief in die Nacht; mit viel Mühe bringt ihr zusammen, was ihr zum Leben braucht. Seinen Freunden gibt Gott alles im Schlaf!

Amen.

Liebe Gemeinde!

Ich hatte über diese Verse schon kurz im Kirchenvorstand gesprochen und hatte gesagt: Das, was da gesagt wird, ist doch eine Provokation. Müssen wir nicht arbeiten? Müssen wir nicht auf unsere Sicherheit bedacht sein? Müssen wir uns nicht unserem täglichen Stress aussetzen? Hätten wir denn unseren Gemeinderaum fertig bekommen, wenn es sich nicht viele hätten Zeit, Kraft und Nerven kosten lassen? Und trotzdem heißt es da: Seinen Freunden gibt Gott alles im Schlaf!

Ich glaube nicht, dass das ein Aufruf zur Faulheit ist. Ich glaube auch nicht, dass wir untätig auf Wunder von Gott warten sollten.

Es muss also etwas anderes mit dem Satz gemeint sein: Seinen Freunden gibt Gott alles im Schlaf. Oder in Luthers Übersetzung: Den Seinen gibt’s der Herr im Schlaf. Aber was? Was ist denn damit gemeint?

Ich nehme einmal diesen Satz ganz wörtlich und frage: Was bekommen wir denn gewöhnlich im Schlaf? Zunächst einmal Ruhe. Das nötige Ausruhen, ohne das wir nicht wieder etwas leisten können. Dann bekommen wir Träume, Alpträume von den Dingen, die wir nicht bewältigt haben, schöne Träume von den Dingen oder Ereignissen, die wir uns wünschen. Was wir den Tag über nicht wahrhaben wollen oder beiseite drängen, das arbeitet in uns weiter und dringt über einen Traum manchmal in unser Bewusstsein. Was bekommen wir noch im Schlaf? Mag sein, dass wir auch Zuwendung bekommen, unverdiente Liebe, von dem, der uns im Schlaf anschaut, dem gegenüber wir wehrlos sind.

Ob so etwas gemeint ist mit dem Satz: Seinen Freunden gibt Gott alles im Schlaf? Nur von Gott her bekommen wir Ruhe. Was unsere Träume uns sagen wollen, ist wichtig. Liebe können wir uns nicht verdienen. Ich glaube, dass es darum geht.

Also: die Bauleute müssen arbeiten. Die für Sicherheit Verantwortlichen müssen vernünftige Schutzmaßnahmen ausdenken und in die Tat umsetzen. Für den Lebensunterhalt muss man arbeiten, und nicht jeder kann sich seine Arbeit aussuchen. Und trotzdem leben wir nicht nur, um zu arbeiten. Und trotzdem hängt unser Lebensglück nicht allein von unserer Arbeit ab. Und trotzdem kann die Arbeit allein nicht der Sinn unseres Lebens sein. Und trotzdem können wir uns das Heil unserer Seele nicht mit unserer Arbeit und Leistung erkaufen.

Arbeit hat immer einen bestimmten Zweck. Die Familie braucht Geld zum Leben. Die Leute möchten gern bestimmte Erzeugnisse kaufen. Weil nicht jeder seinen Kindern selber alles beibringen kann, was sie zum Leben brauchen, stellen wir Lehrer an. Weil wir einen geeigneten Versammlungsraum für unsere Gemeindeveranstaltungen und -gruppen brauchten, haben wir mit viel Mühe den früheren kleinen Raum ausgebaut. Für solche Zwecke ist Arbeit notwendig und sinnvoll. Nicht sinnvoll ist es, sich die Zuneigung anderer durch Leistung erkaufen zu wollen. Nicht sinnvoll ist es, sich durch ein arbeitsreiches Leben gar Gottes Anerkennung verdienen zu wollen. Nicht sinnvoll ist es auch, einen Handel mit sich selbst zu machen: wenn ich noch bis zu einem bestimmten Zeitpunkt über meine Kräfte gearbeitet habe, dann habe ich das Recht, mich auszuruhen. Wer so rechnet, dem fällt zu diesem Zeitpunkt bestimmt wieder etwas anderes ein, was er unbedingt noch schaffen muss, und der Gedanke an die Verantwortung für die eigene Gesundheit wird wieder hinausgeschoben. Ich weiß es von mir.

Es ist schön, wenn wir einander danken für das, was wir füreinander tun. Es ist schön, wenn wir anerkennen, was ein anderer geleistet hat. Es ist schön, wenn wir gelobt oder angespornt werden. Es ist schön, wenn wir Spaß daran haben, etwas zu tun, für uns oder für andere. Nicht schön ist es, wenn wir nur darauf angewiesen sind, von der Anerkennung zu leben, die wir für unsere Leistungen, für unsere Freundlichkeit, für unsere guten Taten erhalten.

Denn es ist noch viel wichtiger, dass wir Liebe bekommen, einfach weil wir da sind! Einfach weil wir diese bestimmte Person sind mit diesem bestimmten Namen. Es ist wichtig, dass uns jemand so annimmt, wie wir sind, dass wir uns nicht verstellen und nicht immer anstrengen müssen, um angenommen zu werden. Das kann uns nur geschenkt werden, darum können wir zwar bitten, wir können es aber nicht erzwingen oder verdienen. Liebe ohne Vorbedingungen bekommen wir geschenkt – oder gar nicht, wir bekommen sie – wie im Schlaf!

Wenn wir dessen gewiss sind, geliebt zu sein, können wir uns auch Ruhe gönnen. Nicht bloß ein Abschalten, nicht bloß eine Zeit der Lustlosigkeit oder der Langeweile, wenn uns die Kraft oder der Elan zu einer sinnvollen Beschäftigung fehlt. Sondern eine erfüllte Ruhe. Eine Stunde Nichtstun, die wir genießen. Zeit ganz für uns selbst, um ein Buch zu lesen, einem Hobby nachzugehen, um zu träumen, um zu beten, um nachzudenken. Oder auch Zeit für ein Gespräch, das wir schon lange einmal führen wollten. Oder Zeit für das Drachensteigenlassen mit dem Sohn, für das Schwimmengehen mit der Familie, für das Herumbalgen oder Schmusen mit den Kindern, und nicht zuletzt für die Zärtlichkeit mit dem Partner, den man liebt.

Die Bibel sagt, dass wir das alles ohne den Herrn, ohne Gott, nicht erreichen, nicht genießen können. Ohne die Gewissheit, von Gott geliebt zu sein, rennen wir hinter anderen Dingen her, die unserem Leben aus sich heraus einen Sinn geben sollen. Dann meinen wir, zu kurz zu kommen, wenn wir nur unserem Partner immer treu bleiben. Dann meinen wir, immer noch mehr den anderen zuliebe tun zu müssen., damit sie uns endlich anerkennen. Dann wollen wir von anderen nichts annehmen, aber selbst auch nicht viel hergeben. Dann jammern wir über das, was uns angetan wird, und sehen nicht mehr, was wir selber tun könnten. Die Strophe 5 des Liedes 333 ist in diesem Zusammenhang nützlich zu lesen:

Versorg uns auch, o Herre Gott,
auf diesen Tag, wie’s uns ist not,
teil uns dein’ milden Segen aus,
denn unser Sorg’ richtet nichts aus.

Viele denken, ohne Gott genau so gut oder besser leben zu können wie mit Gott. Sie meinen, Gott spiele keine Rolle in unserem Leben, außer bei bestimmten feierlichen Anlässen. Sie gehen davon aus, dass die Menschen alle wichtigen Fäden selber in der Hand haben, durch ihre Arbeit, Planung, Politik. Aber der Psalmdichter fragt uns mit Recht: „Was könnt ihr denn ohne den Herrn erreichen?“ Habt ihr Frieden erreicht auf der Erde durch die Waffen, die ihr hergestellt habt? Könnt ihr Einigkeit erreichen unter euch, nur dadurch, dass ihr einen Gemeinderaum gebaut habt – wenn nicht Gott uns selber seinen Geist schickt? Könnt ihr die Früchte eurer Arbeit mit ins Grab nehmen? Könnt ihr euch mit den Schreckbildern eurer bösen Träume auseinandersetzen, wenn ihr nicht jemanden habt, der euch beisteht in eurer Angst? Könnt ihr herausfinden, wonach ihr euch in euren Wunschträumen wirklich sehnt, wenn ihr gar nicht damit rechnet, es einfach geschenkt zu bekommen, gratis, unverdient, von Gott?

Ich rufe nicht zu einer erneuten Anstrengung auf. Glauben zu lernen, ist für viele zwar schwer, aber vielleicht gerade deshalb, weil der Glaube keine Bemühung, sondern ein Loslassen ist, kein Besitzenwollen und in-der-Hand-haben-Wollen, sondern ein Vertrauen und sich-Ausliefern. Ich lade ein zu diesem Vertrauen. Wenn uns Gott das Entscheidende im Schlaf gibt, werden wir – trotz, bei und nach unserer vielen Arbeit – weniger verkrampft miteinander umgehen. Amen.

EKG 194, 1-2+5:

1. Wo Gott zum Haus nicht gibt sein Gunst, so arbeit’ jedermann umsonst; wo Gott die Stadt nicht selbst bewacht, so ist umsonst der Wächter Macht.

2. Vergebens, dass ihr früh aufsteht, dazu mit Hunger schlafen geht und esst eu’r Brot mit Ungemach; denn wem’s Gott gönnt, gibt er’s im Schlaf.

5. Ehr sei Gott Vater und dem Sohn samt Hei’lgem Geist in einem Thron, welchs ihm auch also sei bereit’ von nun an bis in Ewigkeit.

Taufe
Lied 691, 1-4 (EKG-Beiheft): Freu dich mit uns, Herr Jesus Christ

Herr, unser Gott, wir bitten dich für unser Taufkind … und seine Eltern. Hilf uns, für unsere Kinder da zu sein, sie aber auch loslassen zu können, wenn es Zeit ist, Schritt für Schritt. Hilf uns, unseren Kindern die Grenzen zu zeigen, die sie und wir nicht überschreiten dürfen, schenke uns aber auch Freiheit, damit wir auch ihnen Freiheit und Verantwortung zutrauen können.

Wir bitten dich auch für das Leben in unserem neuen Gemeinderaum. Erfülle alle Veranstaltungen neu mit deinem Geist. Mach uns offen für jeden, der bei uns mitmachen will, und gib, dass sich jetzt mancher einen Ruck gibt und zu der einen oder anderen Gruppe hinzukommt. Nimm von uns die Angst, dass unser Einsatz immer und immer wieder neuen Stress bedeuten müsste. Lass uns mehr und mehr darauf vertrauen, dass du uns das Wesentliche einfach so schenkst – wie im Schlaf. So brauchen wir einander nicht unter Druck zu setzen. So können wir einander ermutigen, so viel einzusetzen, wie wir können und wollen, und nicht mehr! So können wir gemeinsam vieles tun, wobei einer allein sich sehr abplagen müsste. Und für diesen Nachmittag schenk uns eine schöne Feier und ein munteres geselliges Beisammensein – für Alt und Jung, für solche, die sich schon kennen, und auch die, die gern einige kennenlernen möchten. Lass uns auch heute nachmittag offen füreinander sein und aufeinander zu gehen, wo jemand sich vielleicht nicht traut, von selbst einen anderen anzusprechen. Gott, sei bei uns, dann wenn wir Sorgen haben, und auch dann, wenn wir fröhlich feiern. Amen.

Vater unser
Abkündigungen:

Kollekte für die eigene Gemeinde; wir werden sie – so wie auch den Erlös unseres heutigen kleinen Sommerfestes – auf unser Jugendraumkonto gutschreiben. Denn der Ausbau des Jugendraumes ist nun der nächste Schritt, nachdem der Gemeinderaum fertig ist. Dazu brauchen wir auch noch einiges an Hilfe.

Segen
EKG 428, 5 (EG 358):

5. So kennt der Herr die Seinen, wie er sie stets gekannt, die Großen und die Kleinen in jedem Volk und Land am Werk der Gnadentriebe durch seines Geistes Stärk, an Glauben, Hoffnung, Liebe als seiner Gnade Werk.

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